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Full text of "Neue Jahrbücher für Philologie und Paedogogik"

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NEUE JAHRBÜCHER 



FÜB 



PHILOLOGIE UND PAEDAGOGIK, 



GEGENWÄRTIG HERAUSGEGEBEN 



VON 



ALFRED FLEGEEISEN und HERMANN MASIÜS 

FBOnmOB ZK DBMDSV PBOFB880B IXT LSIPSXO. 




AOUTU M D V lEÜZiaSTEB JAHBGANG. 



EINHUNDERTUNDSIEBENZEHNTER BAND. 



LEIPZIG 

DRUCK UND VERLAG VON B. G. TEUBNER, 

• 1878. 






JAHRBÜCHER 



fOb 



CLA8SISCHE PHILOLOGIE 



HESAU8GE0EBEN 



VON 




ALFBED FLECKEISEN. 




VIERüNDZWANZieSTEB JAHSeANe 1878 

ODER 

DSR JAHKSOHEN JAHRBÜCHER FÜR PHILOLOGIE UND PAEDAGOOIK 

EINHUMDERTUNDSIEBEMZEHMTER BAND. 



LEIPZIG 

DSUCK UNO VEKLAO TON B. O. TEUBNER. 



VERZEICHNIS DER MITARBEITER 

AN DEN JAHRGÄNGEN 1875 BIS 1878. 

2jt Id ptf«nthe«e b«ireMlsten Mhlen beiieheo sieh «nf dM naehttehende InhAllaverMiehnU. 
t MOMS d«r mitarbeiter sa den enten sw«nsl|r Jahr^äoreo sind su «afanr der jahrrlnre 

1860, 1864 and 1874 «bg^edrackt.) 



1. EsiiT Bacbow in Eisenach 

1. Fbahi Badbe in Eatin (71) 

S. Emil Bacbrbvs in Groningen (7. 96) 

4. Albist toh Bambbeo in Ebemralde 

5. Juuui Babtscb in Stade 

6. Hbbmabb Badmoabt in Königsberg (Preniian) 

7. Hami Kabi. Bbbiokbh in Bartenstein (61) 

8. Tbbodob Bbbok in Bonn (2. 61) 

9. GiseoBtus BsaBABDAKis in Alexandrien 

10. BüDOLT BiTscRorsKT in Wien (70. 98) 

11. Fbxbdbich Blass in Kiel 

11 Hbbuabv Buus in Berlin (68) 

13. Rü«o Blümbbb in Zttrieh 

14. BvDOLF BoBBiK in Beigard (Pommern) 
1& Pbibdbich Bockbmüllbb in Stade (90) 
IC WiuiBLM BdBMB in Stolp 

17. Ebbst BöaeBB in Plön 

18. ICaj Bobbbt in Paris 

19. Hbibbich Bbabdbs in Leipstg 

20. WiLRBLM Bbabdbs In Braunsehweig 
tu Saüubl Bbabot in Heidelberg (46) 

SL Lunwi« Bbbitbbbach in Naombarg (76) 

t3. AnoLr Bbibobb in Halle 

U. Julius Bbix in Liegnits 

26. Kabl Bbuomab in Leipzig (60) 

M. OscAB Bbüomab in Leipzig 

t7. Fbabs Büchblbb in Bonn 

28. Cabl B0B obb in Btrassbarg (Elsasz) 

29. Hbibbicx Bubbmabb in Berlin 
)0. Jacob Bubkhakd in ZQrieh 

31. J. Ch. f. Campb in Greiffenberg (Pommern) 
11 WiuuLM Cbbist in MÜnehen 

33. HBtflBica Cbbistbbsbb in Hosum 

34. JoBAB« Claussbb in Altena 
SS. Wilmbl» Clbmm in Gieszen 
31 Caal Cobbadt in Stettin (46) 

37. JoBABB QusTAT Cüvo In Graudens (102) 

tt. Abbbsab Dbdbbiob in Emmerich (74) 

31 Lcmria Dibdobv in Leipzig (+ 1871) (41) 

M. Tbbodob DÖbhbb in Dresden (94) 

tl* Bbbbvabi» Pombabt in Erlangen 

U. AsToB Aü«UBT Dbabobb in Anrieh (6) 

43. LuBwio Dbswbs in Helmstedt 

44. BsiBBiai Ddsi in Bern 



VI Verzeicbnis der mitarbeiter. 

46. Hbimrich Duhtzss in Köln 

46. Fbibdbich voh Duhn in Athen 

47. Hbbmahn Dunobb in Dresden 

48. Cabl Dziatzko in Breslau 

49. Pbtbr Eobnolff in Mannheim (69. 107) 

60. Adam Eussnbb in Würzburg 

61. Fbamb Etssbichardt in Hamburg (34) 

62. JoBAMH Paul vom Falkbvstbiv in Dresden 

63. Habs Flach in Tubingen (81) 

64. Adam Flasor in Würzbnrg 

66. Alfbbj> Flbckbisbb in Dresden (21) 

66. CuBT Flbisobbb in Meiszen (33) 

67. JoHABB Kabl Flbischuabb in Nürnberg 

68. Richard Förstbr in Rostock 

69. Pbtbb Wilhblm Fobohhammbr in Kiel 

60. Joharmbs FRBUDEBBBRa iu Bonn 

61. Kabl Frbt in Bern (62) 

62. Otto Fbick in Halle 

63. Wilhelm Fbibdbich in Mtthlbaasen (Thüringen) (109) 

64. Adolf Fbitsch in Straszburg (Elsasz) 
66. Fbibdbich Fbobhdb in Lieguiis 

66. Adolf Fubtwabolbb in Rom 

67. Joseph Gartbellb in Gent 

68. Viotob Gabdthausbn in Leipzig 

69. Walthbr Gbbhardi in Meseritz 

70. Hbbmann Gbist in Darmstadt 

71. Wilhelm Gbmoll in Ohian (69) 

72. Kabl Ernst Gbobobs in Gotha (106) 

73. Geobo Grblabd in Strassbnrg (EIsbsb) 

74. Gustav Gilbbbt in Gotha (38) 

76. Waltheb Gilbbbt in Dresden (69) 

76. Abtob Gobbel in Magdeburg 

77. Franz Göbbes in Düsseldorf 

78. Alfred Goethe in Glogau 

79. Georg Goetz in Leipzig (47. 63) 

80. Julius Golisoh in Schweidnits (12) 

81. Emil Gotschuch in Benthen 

82. Lorenz Grasbbbobr in Würzburg 

83. Richard Grosseb in Wittstock 

84. Emil Grunaurr in Winterthur (10) 

86. Hbibrich Guhraurr in Waidenburg (8chle«iett) 

86. Alfrrd von Gutschmid in Tübingen 

87. Carl Haohtmanb in Seehansen (Altmark) (6) 

88. Hermann Haoeh in Bern 

89. Heinrich Hahn in Montigny-Us-Metz 

90. Hrrmabb Habe in Beuthen 

91. Reimer Hansen in Sondershausen (60) 

92. Theodob Hasper in Leipzig (31) 

93. Hebmab Haupt in Würzburg 

94. MicHABL Hatduoe in Marienbnrg 

96. Heinrior Hrerwaobn in Nürnberg (20) 

96. Rudolf Heibe in Weiszenbnrg (Elaasz) (97) 

97. Hbbmann Heller in Berlin 

98. Peter Dibdbbich Cbaistiab Hxhbibos in HuBsm 

99. Otto Hense in Freiburg (Braisgan) (1) 

100. Wilhelm Hbbbst in Halle 

101. Fbiedbiob Karl Hebtleib in Wertbeim 

102. Mabtib Hbbtb in Breslau (28) 
108. Ebbst Hbrboo in Tübingen (79) 



\ 



VenaichniB der miturbeiter. VII 

104. ErvAKD Hbtdsvbkich in Freiberg (SAehsen) (18. 29. 47) 

106. FftASB Hbtsb in Bartenstein 
IM. Edüaei» Hillbr in Halle 

107. Adblbbbt Hock in Kiel (56) 

108. Emasübl HorFMAflB in Wien (14. 89) 

109. GutTAT HoFFicABH in Neankirchen (89) 

110. Fbbdihaxd Hoppb in Garobinnen 

111. Fribduch Hultsob in Dresden 

112. Cari. Jacobt in Danzig 

118. Albsbcht Jobda« in Wernigerode 

114. WiLHBLM JoBDAH in Frankfurt am Main 

11&. Lbopolo Jcitiüs in Rom 

116. Exil August Jurohabb in Berlin (49) 

117. K. K. in Z. (88) 

118. Eduard Kamxbr in Königsberg (Preossen) 

119. Karl Hrihrioh Krck in Hosnm (100) 

190. Otto Krllbr in Gras 

191. Alrbrt Kbllbbbaubb in Kempten 
199. Otto Kxbbits in Karisnxhe (108) 
123. JoBABRBS Klbir in Brandenburg 
194. Erbst Klussmabb in Endolstadt 
126. Paul Kbapp in Rom 

126. Hbrmabr Adolf Koch in PforU (f 1876) 

127. WiLBXLX Hbibrich Kolstrr in Eotin (68) 

128. Hbrmabb Kraffbrt in Anrieb (6) 

129. Hrxbrich Krats in Stuttgart 

180. Gustat Kbüobr in Görlits 

181. Emil Kuhb in Dresden 

182. Gcstat Labgb in Berlin 

183. Ludwig Labgb in Leipsig (89) 

184. PRTRR Labgbb in Münster 

186. Fribdricr Latbrdorf in Sehwerin 

186. Karl Julius Lirbhold in Rodolstadt (8. 76) 

187. JusTUS Hbrmabb Lipstus in Leipsig (86. 87) 

188. Rudolf Löhbach in Mains » 

189. Oboro Lobscbckb in Rom 

140. OusTAT LÖWR in MaUand (101) 

141. Abtob itOWiBSRi in Dentscb- Krone (11. 99} 

142. Artmur Ludwicb in Königsberg (24. 96) 
148. Erbst Ludwig in Eisenacn (17) 

144. Frirdricb Lüdrckr in Bremen 
146. Gottlirb Lüttobrt in Lingen 

146. Bbrbbard Lupus in Strassbnrg (Elsass) 

147. Hugo Magrus in Berlin 

148. Karl Matboff in Dresden 

149. Carl Mrisbr in Mflnoben (27) 

160. RoMAB Mbissbbr in Breslau 

161. RiCBARD Mbistrr in Leipsig (69. 72) 

162. Otto Mrltsrr in Dresden 

168. Adolf du Mbsbil in Franklort am dar Oder 
164. Qottbold Mbutbbbr in Planen (Voigtland) 
166. Gustav Mrtbb in Gras (16. 86) 

166. Tbbodor Mommsbb in Berlin 

167. OnaMAaD Hbibriob MfiLun in Wongrowits 

168. Hrrmarb Jobabhrs MOllbr in Berlin 

169. Frirdricb Max MGllbr in Omford 

160. Hbrmabb MüLLBR-STBÜBuia in Loadoa (54. 96) 

161. Carl Nauck in Königsberg (Henmark) 

162. Frabb HiriJLbdbr in BehncddemiUil 



/ 



VIII VeneichniB der mitarbeiter. 

163. KoMRAD NiBMBTSR iü Kiel 

164. Johannes Obbbdick in Münster (18) 
166. Thbodob Opitz in Dresden (86) 

166. Johann Nbpomuk Ott in Bottweil (48) 

167. Karl Pansch in Soest 

168. Ludwig Paul in Kiel 

169. Hbbmann Pbtbb in Meiszen 

170. Franz Pflüol in Hof 

171. Adolf Philippi in Oieszen 

172. EuoBN Plbw in Danzig (f 1878) 
178. Thbodor Plüss in Pforta (8. 83) 
174. FiiiBDRiCH PoLLE in Dresden (82. 84) 
176. Rudolf Prinz in Breslau (26) 

176. Hugo Pubmann in Cottbus 

177. BuDOLF Rauchbnstbin in Aaran (11) 

178. Leopold Reinhardt in Hadersleben 

179. Obobo Friedrich Rettig in Bern (16) 

180. Ebnst Reuss in Frank fort am Main 

181. Ernst Albebt Riobteb in Altenburg (78. 109) 

182. Johannes Richten in Kakel 

183. Albzandeb Ribsb in Frankfurt am Main (46. 87) 

184. Hbbmann Röhl in Berlin (6. 66. 73. 77) 
186. Adolf Römbb in München (23. 64) 

186. Hebmann RÖnsch in Lobenstein (101) 

187. Chbistian RÖse in Gieszen 

188. Wilhelm Hbinbich Röscher in Meiszen 

189. Emil Rosbnbbbo in Hirschberg (Schlesien) 

190. Konbad Rossbbbo in Norden (49. 78) 

191. Fbanz Rühl in Königsberg (Preuszen) (40. 66) 

192. Max Sandbb in Waren (99) 

193. Abnold Schabfbb in Bonn 

194. Cabl Schafeb in Treptow an der Rega (104) 
196. Martin Schanz in Würzbnrg (93) 

196. Carl Schapeb in Berlin (81) 
*197. Cabl Schiblitb in Nordhausen 

198. Georg Schmid in St Petersburg 

199. Friedrich Wilhelm Schmidt in Nenstrelits 

200. Hermann Schmidt in Wittenberg 

201. Otto Schneider in Gotha (6) 

202. Rudolf Sohneideb in Berlin 

203. Kabl Schnelle in Meiszen 

204. Gboeg Fbiedbich Schömann in Greifswald 
206. Cabl Schbadbb in Münster (19) 

206. Thbodob Schrbibeb in Rom 

207. Otto Schbobdeb in Berlin 

208. JoH. Hbinbich Ch. Schubabt in Kassel 

209. Hebmann Schütz in Potsdam 

210. Ludwig Schwabe in Tübingen (30) 

211. Wilhelm Scbwabtz in Posen 

212. Heinrich Schweisbb-Sidlbb in Zürich 

213. Konbad Seeligbb in Dresden 

214. Otto Sieboka in Lyck 
216. Jobann Söbgbl in Hof (42) 

216. Julius Sommbbbbodt in Breslau (67. 68) 

217. Robbet Sfbbngbb in Northeim (32) 

218. August Steitz in Frankfurt am Main 

219. Hbinbich Wilhelm Stoll in Weilburg 

220. Wilhelm Studemund in Straszbnrg (Elaaaz) 

221. Fbarz Susbmihl in Greifswald (44. 80) 



^ 



Verseichnis der mitarbeiter. ix 



fft, SiOMtJVD Tbdffbl ia Stattgart 

m. WiLHKLM Tbuffbl 111 Tübingen (f 1878) 

ni. Tbbodor Thalbbim in Breslau (66) 

SSS. TaBoi>OB ToHTB in Claasthal (8) 

ftS, RicHABB Tbbitscrkb lo Dresden 

SS7. WoLDBMAB Tböbbt In Oöttingen 

St8. Hbivbicb Uhlb in Dresden 

t29. Robbst Ubobb in Halle 

290. Hbbmahh Usbbbb in Bonn (4) 

S31. Jauue YÖlkbl in Moskau 

232. TteoDon Voobl in Leipzig (14) 

2SS. RiCHABi» VoLKKABB in Jauer 

234. Fbbdivabd Vollbbcbt in.Ottemdorf (106) 

235. W1Z.RX1.M VoBLABBDBB in Saargemünd 

236. AuoUBT Waobvbb in Oent 

237. Cabl Wa«bbbb in Bremen (lOS) 

238. K. Waltbb in Arnstadt 

239. NfcOLAUB Wboblbiv in Bamberg (22) 

240. Ajn>BXAS Wbidnbb in Darmstadt (88) 

241. Fbits Wbiss iD Dresden (85) 

242. Paui. WbibsIcbbb in Heidenheim 

243. £naABJ> Wbllmabv in Berlin 

244. Ebich Wilisch in Zittau (91) 

245. Habs Wibs in Zfirieh 

246. Eduabd Wölfflih in Erlangen (57) 

247. Emil WdBBBB in Melssen 

248. Mabtiv Wohlbab in Ghemnits 

249. Obbrabd Zillobbb in Wittstock 
280. MiCMAXC ZzBE in Zweibrücken 
2St Hbbicabv Zubbobo in Zerbst. 



INHALTSVERZEICHNIS. 

(die in parenthese bei|peselxl«n xahlen beziehen sich «nF das vorantlehande Tenetelinis 

der mitarbeiter.) 



leite 

1. anz. ▼. ChMuffs chor. technik des Sophokles (99) . . 1. 81. 145 

2. lesefrtichte. V— XII (8) 88. 177 

8. zu Ljsias (136) 60 

4. grammatische bemerkungen. III — IX (280) 51 

5. zu Liyias (184. 42. 87) 80. 144. 891 

6. emendationum Aristophanearum decas quarta quinta sexta sep- 
tima octova (201) 97. 657 

7. de epigrammate quodam Vergiliano (3) 119 

8. zu. Lucretius (225) 12S 

9. zu Horatias öden II 6 (173) 137 

10. zu Caesar de hello gallico (84) 170 

11. zu Aischjlos Agamemnon (177. 141) 171. 701 

12. zu Sophokles Antigene (80) 176 

13. zu Ciceros Aratea (104) .196 

14. zur lateinischen sjntax (108. 232) ,. 197. 393 

16. anz. Y. KZacher de nominibos graecis in -aioc -oia -aiov (166) 205 

16. berichtigung (179) 210 

17. anz. Y. FNeues lat. formenlehre H* (143) 211 

18. zu den scriptores historiae Augustae (164) 217 

19. zu Eutropius (206) 218 

20. das philologische seminar in Erlangen (95) 219 

21. philologische gelegenheitsschriften (55) . . 224. 288. 432. 675. 863 

22. anz. y. Euripidis Medea ed. RPrinz (239) 226 

23. zur lUas (185) 234 

24. zum epiker Mnsaios (142) 235 

25. zu den Sibjllinischen orakeln (142) 240 

26. zu dem briefe Harpokrations (176) 245 

27. des Boetins Übersetzung der Aristotelischen schrift ir€pl ^p)Ati- 
V€(ac (149) 247 

28. miscellen. 61—63 (102) ^.253 

29. zn den schollen der Aratea des Germanicus (104) 266 

SO. anz. Y. BEUis' commentary on Catullus (210) 267 

31. ad Ciceronis Philippicas I et II (92) 269 

82. zur Odyssee (217) 272 

83. za Caesar und seinen fortsetzern (66) 273 



InkaltsTeneichniB. XI 

•eite 

34. ra.TitniTias (51) 282 

35. fiber das Testibnlnm bei Gellins XVI 6 (241) 283 

36. die atbenisebe Steuerreform im jähr des Naasinikos (187) . . 289 

37. 6ber den seitpnnct der mündigsprechung im attiscben rechte 
(187) 299 

38. die inschrift des Tbebaners Xenokrates (74) 804 

39. M JaveDalis (109) 808 

40. Temiscbte bemerkungen (191) 309 

4L fiber einiges nntergeschobene bei Sophokles nnd Enripides (89) 821 
H die reden bei Thokjdides (215. 116) 881. 691. 849 

. 43. gerrüe (ferro eongerro (21) 865 

44. lalianos nnd Aristoteles (221) 389 

45. der tag der schlacht am Trasimenischen see (188) 898 

46. stiehiBche nnd l/risohe composition bei Terentins (86) .... 401 

47. rar lateinischen anthologie (104. 79) 416. 768 

48. ans. t. GL8wes prodromus corporis glossariomm latinomm (166) 417 

49. ans. r. EBaehrens nnedierte lat. gedichte (190) 427 

50. in Sachen des freiem gebranchs der reflexivpronomina der 
dritten person bei Homer (25) 483 

51. nun sw51ften bncbe der Ilias (7) 445 

52. der protagonist in der Antigene des Sophokles (61) .... 460 
51 das Terbnm dvoCtui bei Xenophon (12) 465 

54. in Xenophons Staat der Lakedaimonier (160) 471 

55. IQ Ailianos irepl Itbwy (184) 472 

56. der rath der bnndesgenossen im zweiten athenischen bnnde (107) 473 

57. rar litteratnr yon Ciceros reden (246) 481 

58. de Veneris angnrio Aen. I 393—401 (127) 489 

59. ra Oridius Fasten (71. 75) 498. 771 

tO. die chorographia des Pomponins Mela (91) 495 

61. ans. y. MSchmidts Sammlung kjprischer Inschriften (8) . . . 518 

61. SU Sophokles Aias (151) 581 

63. I« Euripides Bakchai (79) 582 

6i ans. ▼. Bcholia graeca in Hom. Diadem ed. ODindorf. t. III et 

IV (185) 588 

tt. das todesjahr Jubas II (191) 542 

6«. ra Lyaias (224) 545 

67. ra Lnkianos (216) 561 

46. sor TerstSndigung mit H. ran Herwerdens Ludanea (216) • • 564 

69. ans. ▼. Apollonios Djskolos sjntax übers. Ton AButtmann (49) 567 

70. ra SUttns Silrae (10) . . 578 

7L die aigis bei Homeros (2) 577 

71 ra Enripides Medeia (151) 587 

7t n Demetrios Hierakosophion (184) 588 

74. die Phokler bei Thuk/dides I 18 (88) 589 

75. ra Xenophons Hellenika (136) 593 

76. ans. r. AHngs comm. de Xenoph. anab. codice C (22) . . . 597 

77. eine griechische metrische inschrift (184) 600 



XII InhaltsveneichmB. 

•eita 

78. ZOT kritik und erklärang von Xenophons anabasis (181. 190) 601. 761 

79. zu Caesar de hello civili (103) 621 

80. die BekkerBcben handschriften der Nikomachischen ethik (221) 626 

81. die sechste ecloge des Vergilius (68. 196) 633. 869 

82. anz. ▼. AZingerle Martials Ovidstadien (174) 638 

83. des Horatias erste ode des zweiten bnchs (173) 641 

84. zu Ovidius Metamorphosen (174) 649 

86. zur kritik der Caesares des Sex. Anrelius Victor (166) . . . 660 

86. anz. y. AVaniceks gr.-lat. etjm. Wörterbuch (166) 687 

87. die ansichten der alten über die Nilqaellen (183) 696 

88. kleine blumeniese aus Weidners neuester ausgäbe der rede 
gegen Ktesiphon (117. 240) 703. 862 

89. zam zweiten buche von Cicero de legibus (108. 133) . . 709. 861 

90. zu Lucretius (16) 720 

91. die sagen von Korinth nach ihrer geschichtlichen bedeutnng 
(244) 721 

92. zu Aischylos Sieben vor Theben (141) 746 

93. mitteilungen über Platonische handschriften (196) 748 

94. zu Poljbios (40) 762 

96. zu Aristophanes (160) 763 

96. Tier Verbesserungen zu Catullus (3) 769 

97. zu Ciceros briefen an M. Brutus (96) 784 

98. zu Sidonius ApolUnaris (10) 786 

99. zu dem rhetor Annaeus Seneca (192) 787 

100. zu Vergilius Aeneis (119) 792 

101. glossographisches (186. 140) 796 

102. etruskische Studien (die Etinsker im kämpfe mit den Helle- 
nen) (37) 801 

108. zu Q. Curtius Rufus (237) 817 

104. über das forum der beamtendokimasie in Athen (194) . . . 821 

106. kritische miscellen (72) 830 

106. zu Buhles Schulwörterbuch zu Xenophons anabasis (234) . . 831 

107. anz. t. ApoUonii Dyscoli scripta minora ed. BBohneider (49) 833 

108. zu Plautus Asinaria (122) . 848 

109. zu Cicero de oratore (63. 181) 866 



ERSTE ABTEILUNG 

FÜB CLASSISCHE PHILOLOGIE 

HEBAUSOEQEBEN VON ALFRED FlECKEISEN. 



1. 

DIB CB0RI8CHE TECHNIK DES SOPHOKLES VON CHRISTIAN MUFF. 

Halle, yerlag Ton Richard Mühlmann. 1Q77. VII und 318 8. gr. 8. 

Das vorliegende buch zerfällt in zwei abschnitte, einen *al]ge- 
meinen teil* (s. 1 — 51) und einen ^speciellen' (s. 52 ff.)« der allge- 
meine teil beschäftigt sich in einem ersten capitel mit der zahl der 
choreoten, ihren namen und Stellungen, dann insbesondere mit dem 
koryphaios und den beiden parastaten. im weitern wird die frage 
nach dem einzel vertrag der choreuten in betracht gezogen, femer 
der halbchorvortrag der stasima. beachtenswert und fördernd ist in 
diesem capitel besonders die erörterung Über den koryphaios und 
die beiden parastaten, nemlich durch das heranziehen von Aristoteles 
metapb. IV 11. Ar. unterscheidet an dieser bisher gar nicht oder doch 
nicht genflgend verwerteten stelle zwischen KopucpaToc, napactdiric 
und TpiTOCrdTTic. richtig erweist der vf., dasz nach der auffassung 
des Ar. diese drei nur im linken cToTxoc zu suchen sind, und dasz 
der parastat ein choreut ist, der tiefer steht als der koryphaios, aber 
h6het als der tritostat. der koryphaios ist der gesamtchorftthrer, 
der parastat einer der beiden, die geeigneten falls die führung der 
baJbchöre zu flbemehmen haben, der tritostat ein gemeiner choreut; 
der parastaten und tritostaten gibt es also innerhalb des linken 
CTotxoc, dh* innerhalb der fünf aristerostaten je zwei, die para- 
staten stehen links und rechts von dem in der mitte befindlichen 
koryphaios, die tritostaten nehmen vom koryphaios aus, und zwar 
die Stellung desselben mitgerechnet, die dritte stelle ein, woher sie 
ihren namen iQhren , sie bilden also auf beiden seiten den abschlusz 
des stoichos. es ist falsch, wenn ref. in seiner schrift 'über den chor 
des Sophokles' (Berlin 1877) den tritostaten mit dem zweiten para- 
staten identificierte, ein versehen das ich schon an anderer stelle 
corrigiert habe. 

In dem nemlichen capitel deutet M. kurz die aufgäbe der para- 
itatflB oder hegemonen an. es wäre gerathen gewesen, bei diesen 
bemcrkungen Aber Stellung und aufgaben der parastaten wie des 

cbcr fur elMi. philol. 1878 hfl. 1. 1 



2 OHense: anz. t. ChMuffs chorischer technik des Sophokles. 

koryphaios den eher von zwölf personen und den spKlem von fünf- 
zehn personen in schärferer sonderung zu beleuchten, in dem frühem 
chor fUllt die rolle des ersten halbchorführers mit der des koryphaios 
zusammen, ein umstand der notwendig compositionelle inconvenien- 
zen mit sich führen muste, insbesondere aber die Überlastung des 
kopjphaios. von hier aus hätte der vf. in die gründe eindringen 
können, welche den Sophokles zu seiner kunstsinnigen neubildung 
des chors veranlaszten. bei dem chor von fünfzehn personen aber 
wäre es sachgemäsz gewesen, die parastaten in dieser ihrer eigen- 
Schaft von ihrer function als hegemonen sorgfältig zu trennen, sie 
heiszen parastaten als adjutanten des koryphaios innerhalb der 
tetragonalstellung ; sie sind hegemonen, sobald sie die führung der 
halbchöre übernommen haben, wenn der vf. s. 13 bemerkt, dasz die 
figur der parastaten neben dem koryphaios an der dreizahl der grup- 
pen und an einer in die äugen springenden Unterordnung zweier von 
ihnen unter die dritte zu erkennen sei, so betrifft dies nur die Ver- 
wendung der parastaten neben dem koryphaios, dh, lediglich die 
tetragonalstellung. hier verhalten sich die )üi€T€6ii in der that wie 
2:1:1. aber der vf. übersah die nicht minder häufigen fälle, wo 
die pCTcOr) der trias sich wie 1:1:1 verhalten, in diesem Verhält- 
nis der isomerie werden die hegemonen als solche neben dem 
koryphaios und zwar in der halbchorstellung vorgeführt, db. 
in einer Stellung wo der verschiedenwertige rang der drei fUhrer 
bereits dem äuszem äuge sichtbar war und es also einer weitem 
differenzierung durch die ^€T€6r| der lexis nicht bedurfte, da gerade 
von diesem nicht unwichtigen gesichtspunct aus eine unten anm. 2 
zu erwähnende abhandlung des ref. den erweis für den hemichorien- 
vortrag erbracht hat, so läszt ref. diese fragen hier auf sich beruhen, 
dasz der vf. den von uns ausgesprochenen unterschied nicht erkannt 
hat, darüber wird niemand mit ihm rechten wollen ; dasz er aber die- 
jenigen triaden, welche in isomerem Verhältnis geordnet sind, in 
dem allgemeinen teile gegenüber den nach dem Verhältnis von 2:1:1 
geordneten unbeleuchtet läszt, ja gänzlich übergeht, dies ver&hren 
wird keine billigung finden können. 

Dasz die aristerostaten, obwol sie ihren namen von der parodos 
führen, dessen ungeachtet in der tetragonalaufstellung während des 
epeisodion der bühne zunächst standen, hat der vf. richtig heraus- 
gefühlt, es erleidet dies trotz Amoldts Widerspruch ('die chor. tech- 
nik des Eur.' s. 228 anm. 2) für uns nicht den geringsten zweifei. 
Arnoldt wurde hier wol durch die analogie der komödie verführt, 
die Stellung des koryphaios, der gelegentlich fast die rolle einer 
bühnenperson in anspruch nimt, femer der von dem ref. zuerst er- 
wiesene öftere paraUelismus zwischen den drei btthnenpersonen and 
den drei chorischen hauptrepräsentanten erhebt diese an sich natflr- 
lichste annähme zu völliger gewisheit. auch auf die wiederholte 
bühnenbesteigung durch den koryphaios und andere choreuten wird 
als auf ein nach dieser richtung bedeutsames moment hingewiesen, 



OHense: ans. v. Ch Muffs chorischer technik des Sophokles. 3 

wenn gieicb das von dem vf. angezogene beispiel aas OK. 856 einer 
erheblichen modificierong bedarf. 

Bef* stimmt dem vf. anch in der ansieht ttber die Stellung der 
aristerostaten bei fttr den fall, dasz der chor aus der fremde, also 
links Tom publicum einzog, mit recht weist er die Schneidersche 
Tcnnutmig zurOck und fotmuliert seine eigene meinung dahin (s. 9) : 
'wog der eher von links her ein , so war der erste stoichos , der stoi- 
choe der dpicrepocrdTai mit dem Kopuq>aioc in der mitte, der rechte, 
nicht der linke; der name dpiCTcpoCTdrat mag ihm deshalb immer 
bleiben, a potiori fit denominatio.* 

Richtig wird die ansieht des vf. sein (s. 13), dasz der kory- 
phaioe im stoichos von vier personen an zweiter, der parastat an 
dritter stelle gestanden habe, eine frage die Reinhard Schnitze 'de 
chori Crraecorum tragici habitu externo' (Berlin 1856) (der vf. nennt 
ihn B. 8ch.) noch unentschieden liesz. wir billigen die gründe die 
der vf. 8. 13 für diese ansieht vorbringt: 'denn wenn die zweite und 
dritte stelle an den höchsten und zweithöchsten führer zu vergeben 
lind, so hat jener den vorrang, und es kann sich dieser, wenn er 
jenen vor sich sieht, viel besser nach seinem beispiel und seinen 
Weisungen richten.' vgL auch Amoldt ao. s. 228. 

Beachtenswert ist der versuch des vf. (s. 19), für den kommos 
der Elektra (823 ff. Ddf.) , worauf jedoch bereits RSchultze hinge- 
fthrt hatte, eine entsprechende chorische formation aufzustellen, wir 
werden auf diese stelle znrfickkommen. dasz der chor im Aias aus 
xwölf personen besteht, ist eine richtige, Übrigens schon vor dem vf* 
snfgestellte Vermutung.' der dichter hatte seine dramaturgische that 
damals noch nicht durchgesetzt, völlig verfehlt dagegen ist die an- 
licht des vf., dasz der gi;eise dichter im Philoktetes gegen den 
aehlttsz seiner dichterischen laufbahn seine erfindung verleugnet 
habe und zur zwölfzahl zurückgekehrt sei. diese ansieht des vf. be- 
ruht sogar auf einer gänzlichen verkennung des princips des So- 
phokleischen chores selbst, ganz abgesehen davon dasz eine solche 
rückkehr dem organischen entwicklungsgange des griechischen dra- 
mis, sowie auch dem conservativen sinne zuwiderlaufen würde, der 
in solchen dingen die Hellenen kennzeichnet, so übersah der vf. 
glBslich dasz gerade die eigentümliche Organisation des chores von 
fanfzehn personen weit geeigneter war einer erlahmenden choregfe 

* neaerdio^ macht Wecklein (philol. ans. 1877 •• 290) miene 
Nietes ge«ieherte resaltat in zweifei zn ziehen, hätte sich Wecklein 
^e mühe gegeben, wenn such nur ^ines der übrif^en stücke dea So- 
phokles vergleichend mit dem Aias sorgfältige darchzagehen, so muste 
er tduitt ffir schritt auf den dar cb greifenden nntersehied des Aiiis- 
«bore« siosseo (fehlen der zwei parastaten, daher der triasB^ur, der 
eristerostaten, der epoden des korjphaios; dagegen metastasis zweier 
halbebSre, vollere chorische Charakteristik usvr.), und sofern er sich 
siebt selbst die auren verbinden will, muste er mit den übrigen for- 
•cbera die zwölfsahl erkennen, man vergleiche übrigens jetzt anch 
NMck (siebente anflage) za v. 892. 



4 OHense: auz. y. ChMafifs chorischer technik des Sophokles. 

die spitze zu bieten, ja dasz gerade im Philoktetes die Sopbokleische 
erfindung einen seltenen triumph feiert, indem hier nachweislich der 
chorische aufwand im wesentlichen mit drei choreuten bestritten 
wird, wir werden auf diesen punct bei der besprechung des Phi* 
loktetes näher eingehen. 

Hinsichtlich der einzelchoreuten und ihres Vortrags befinde ich 
mich , wie meine einschlägigen Schriften zeigen, im allgemeinen mit 
der jetzigen ansieht des vf. in Übereinstimmung; dasz ich von sei- 
nem verfahren im einzelnen oft abweiche, wird die besprechung der 
dramen lehren, das öftere auftreten des koryphaios mit den beiden 
parastaten, ebenso die figur der aristerostaten, der einzelvortrag aller 
fünfzehn choreuten ist von dem vf. nicht selten wahrscheinlich ge- 
macht, wenn auch keineswegs überall wissenschaftlich erwiesen, ein 
princip für die wähl dieser oder jener figur wird nicht geboten , und 
gerade zu solchen auseinandersetzungen hätte, meine ich, der allge- 
meine teil des buches veranlassung geben sollen. 

Wenn der vf. darauf hinweist, dasz gelegentlich auch der einzel- 
vortrag von vierzehn choreuten sich nachweisen lasse, dh. mit 
ausschlusz des korjphaios, so konnte der eigentliche grund auch 
dieser wenigstens für El. 824 ff. richtigen beobachtung nur aus der 
tiefe der dramatischen Situation geschöpft werden: vgl. ^chor des 
Soph.' s. 14 f. unzureichend, weil äuszerlich, ist dagegen die an- 
schauung des vf. s. 18: ^man vergegenwärtige sich: der koryphaios 
hat fast durchweg die kosten der Unterhaltung zu tragen , er redet, 
während die anderen schweigen; so bilden sie innerhalb des chors 
gewissermaszen zwei gruppen für sich, jetzt kommen die übrigen 
alle zu Worte , da kann recht wol der fdhrer einmal aus dem spiele 
bleiben , zumal wenn er kurz vorher oder nachher beschäftigt wird 
und wenn er durch rede und haltung seinen untergebenen gezeigt 
hat , wie und was sie zu sprechen haben.' 

Mit recht wendet sich der vf. gegen das verfahren GHermanns, 
der sich nicht selten zu schulden kommen liesz einen choreuten 
innerhalb des einzelvoiirags gegenüber den anderen zu bevorzugen 
und ihn wiederholt, statt nur 6inmal, zu worte kommen zu lassen, 
überhaupt war die methode Hermanns auch nach anderer riehtung 
geeignet diese Untersuchungen zu überstürzen und seine glänzende 
Entdeckung in den äugen der nach ihm einsetzenden diplomatischen 
kritik nach ihrer ertragsfiähigkeit für längere , ja bis auf di^ alier- 
jüngste zeit zu discreditieren. namentlich gehört dahin das bestre- 
ben Hermanns überall , wo er den einzelvortrag erkannt zu haben 
glaubte, auch gleich die reihenfolge der sänger innerhalb der 
aufstellung nach lvf& oder CTOixoi nachzuweisen, der vf. bekundet 
nach dieser riehtung wenigstens gröszere vorsieht und selbstbescbei- 
düng, meist hält er es für sehr schwer, *wenn nicht unmöglich', 
die reihenfolge der einzelnen sänger festzustellen, ein paar mal aber, 
meint er, sei es ihm sicher gelungen. 

Der abschnitt, in welchem M. für den halbchorvortrag 



OHense: anz. t. ChMuffs chorischer technik det Sophokles. 5 

der Stasi ma plädiert, hebt insbesondere den gedanklichen und 
formalen parallelismns der strophenpaare als ein gewichtiges mo- 
ment hervor, aber gerade in diesem puncto , räumt er ein , wird es 
ttiebt immer ganz leicht sein ein volles einverständnis zu erzielen. 
da ref. die frage nach dem hemichorienvortrag der stasima in einer 
demnächst erscheinenden eignen Untersuchung behandelt hat, so er- 
spart er sich hier weiteres eingehen' und knüpft nur an einige 
einnlheiten an. s. 25 f. lesen wir: ^ich halte dafür, daez in der 
rege! der gesamtchor die epodos zu übernehmen hat , und zwar alle- 
mal dann, wenn die vorhergehenden Strophen halbchören zufallen, 
disz bisweilen aber auch der koryphaios sie vorträgt, die entscbei- 
dnng darüber hängt von individuellen umständen ab, auf die ich 
jedesmal genau achten werde.' diese ansieht ist richtig, sofern man 
die werte *and zwar allemal dann, wenn die vorhergehenden Stro- 
phen halbcbOren zufallen' streicht, es ist eine unerwiesene, vielmehr 
nachweislich unrichtige behauptung, dasz die epodos bei vorausgehen- 
dem hemichorienvortrag der strophenpaare dem gesamtchor zufallen 
mfisse. dem koryphaios fällt sie zb. zu im dritten stasimon des OK. 
1239, ferner im ersten stasimon der Elektra 504 : vgl. 'der chor des 
Soph.' s. 14 und unten s. 21 anm. 8. scheinbar mit mehr recht stellt 
M. s. 27 die behauptung auf, dasz die möglichkeit für den chor sich 
in halbchOre zn teilen auf die eigentliche parodos, dh. auf denjenigen 
teil derselben , während dessen der einzug stattfindet , nicht auszu- 
dehnen sei. vorsichtiger war mindestens zu sagen , dasz sich in den 
venigen stücken, die uns von Sophokles erhalten sind, diese art des 
oBzogs nicht nachweisen lasse, irgend ein rationeller grund nemlich, 
weshalb dem tragischen dichter die freiheit entzogen wäre, seinen 
chor gelegentlich in halbchOren einziehen zu lassen, ist unerfindlich, 
dasz der einzug des chors allerdings gewöhnlich in der te tragen al- 
»tellong, also Kardt croixouc oder auch KOTa IxrfÖL stattfand, ist ge- 
wiA. aof 8. 14 werden uns die chorischen figuren der parodoi xardt 
aoixouc und xora l\rfa vorgeführt, wollte uns der vf. hier die 
choru^chen figuren anschaulich machen, welche in den Sophokleiscben 
drunen möglich waren, so war kein grund bei dem chor von zwölf 
penonen den einzug Kara Ixrfä fortzulassen; wollte er uns aber nur 
diejenigen figuren zeichnen, die sich in den erhaltenen dramen des 
Sophokles nachweisen lassen, so muste er den einzug xaTOi IvfO, 
bei dem chor von fünfzehn personen, sowie den xaTd CTOtxouc bei 
dem chor von zwölf personen streichen : denn keiner von beiden ist 
in den erhaltenen dramen meines wissens nachweisbar, wol aber 
moste in diesem falle das bild des einzugs KaTa'Z[uTÖL bei einem 
chor von zwölf personen mitgeteilt werden : denn in dem einzigen er- 

' das inswischen erschienene hoch Arnoidts über Earipides (Halle 
1978) aimt für sirotihe and antistrophe der stasima gesamtcborvortrag 
ao s. ttt. es ist dies ein hauptdifferenzpanct zwischen ihm and dem 
Ttt mdfen andere entscheiden, wer das richtige f^etroiTen. meine ab* 
hsadloBg findet sich ins rhein. mosenm XXXII s. 489 ff. 



6 OHense : anz. v. ChMuflBs chorischer technik des Sophokles. 

baltenen Sophokleischen stücke dieser art, im Aias, zieht der chor 
der Seeleute in rotten za je drei mann ein, eine beobachtnng die 
dem yf. freilich entgangen ist. 

Wenn der vf. am schlusz dieses abschnittes die Vermutung hin- 
stellt, dasz die aofstellung KaT& Ixrfa auch gelegentlich mit dem 
(vollen) zygenvortrag verknüpft gewesen, so bat dies für die beiden 
vom vf. bemerkten beispiele, nemlich fUr den kommos im Aias 221 
— 256 und für das zweite stasimon 693 ff. seine volle richtigkeit. 
aber auch für die parodos des Aias 172 — 193 war die gleiche Ver- 
mutung aufzustellen, indem wir uns später zum einzelnen wenden, 
weise ich hier nur auf die allgemeine begründung hin , die ich *cbor 
des Soph.' s. ö gegeben habe, es ist durchaus unwahrscheinlich, 
dasz der chor der salaminischen Seeleute in einer andern gmppie- 
rung in die orchestra eingezogen sei als diejenige war, welche für 
das ganze stück die herschende werden sollte, es er- 
gibt sich dies schon daraus dasz der dichter den auszug Kara CTOi- 
Xouc am Schlüsse des Stückes besonders motivieren zu müssen 
glaubte (vgl. ao. s. 6). zog aber der chor in der that xara Iv^a ein, 
so bedarf es nur noch des nachweises von vier deutlich sich von 
einander abhebenden gruppen in der lexis, um die Vermutung, dasz 
auch für die parodos des Aias der zygenvortrag anzunehmen sei, 
zur evidenz zu erheben.' diesen nachweis geben wir weiter unten. 

In einem zweiten ^die chorlieder' überschriebenen ab« 
schnitt geht der vf. die arten der chorischen partien nach ihrer stel - 
lung innerhalb der gliederung der griechischen tragödie durch, ohne 
wesentlich neues vorzubringen, wir knüpfen an das was der vf. über 
die parodos und das stasimon vorbringt, einige beurteilende be- 
merkungen. bei besprechung der parodos acceptiert M. die West- 
phalsche emendation der Aristotelischen stelle poetik c. 12 xopiKOO 
bk ndpoboc \iiy fi npidTT] X^Sic öX<ii t>oO xopoO. k&me es darauf 
an die Unmöglichkeit der überlieferten lesart f) npuirrt X^EiC ÖXou 
XOpoO an einem recht schlagenden beispiele zu erweisen, so brauchte 
man nur an solche beispiele wie im Orestes des Euripides zu er- 



^ auf einer der letzten seilen dieses abschnittes s. 26 anm. 2 citiert 
der vf. eine stelle des Marias Victorinas (s. 58, 8 K.) mit nur vier feh- 
lem, von denen wenigstens drei zu vermeiden gewesen wären, wenn 
er sich die geringe mühe genommen hätte die Keusche ausgäbe eiosu- 
sehen, wir führen die stelle an, um eine Vermutung daran su knüpfen, 
die stelle lautet bei Muff: aniigui deorum laudes carminibus comprehengm 
eircum aroi eorum euntes canebant, aäuM primum ambitum, gitem ingredie' 
bantur ex parte dextra^ aTQOtpijv voeabant. reversionem autem nnieiramtm 
faciam completo priore ordine antistrophon appellabanU dein in compeetu 
deortan soliti contiitere cantici reHqua consequebantur appeüantes id epo- 
don. dass am schlusz dieser worte canHd retiqua pertequebantur su 
corrigieren war, sah Keil, für das beziehungslose cuius des ersten 
satses vermutete ich zu Juba fr. 24* A aäus (^circuiituy: vielleicht war 
einfacher cuiuf ^modiy primum ambitum usw. sn schreiben, ferner giht 
die Überlieferung nicht ex parte dextra^ sondern a parte dextra, end- 
lich nicht completo priore ordine, sondern completo priore orbe. 



OHenae : aiiz. t. ChMuffs chorischer iechnik des Sophokles. 7 

inBem. Elektra heiszt y. 136 die herannahenden argeiischen frauen 
eich mhig und lantlos verhalten, um den schlummernden Orestes 
nickt zu wecken: den gegebenen Verhältnissen gem&sz kann hier 
also weder dem gesamtchor noch halbchören der vertrag gegeben 
werden, noch weniger ist ein leidenschaftliches durcheinander oder 
akbablOsen sAmtlicher einzelchoreuten denkbar, es kann sich hier 
nur fragen, ob etwa der koryphaios allein die Unterredung mit 
El^ira führt oder ob auch die beiden parastaten hinzutreten, und 
der letztere fall kommt nach der ansieht des ref. , die näher zu be- 
gründen hier zu weit fuhren würde, in der that zur anwendung/ es 
iet mithin klar, dasz in der genannten parodos von einer X^£ic öXou 
Xopoö nicht die rede sein kann, ganz der nemliche fall ist für die 
parodos von Euripides Elektra zu constatieren , v. 167 ff., ein ge- 
dieht das sich nicht nur selbst als parodos kennzeichnet (v. 150 
kdrov diTÖÖoc dq)' ön XP^oc dpöXer^ irore), sondern zum überflusz 
TOB Piaton Lysis c. 15 ua. als parodos bezeugt ist. auch hier kom- 
men h^tohstens die drei führer zu wort, also auch mit der ohnehin 
nicht ganz klaren bemerkung Bernhard js (gr. litt. U' 2 s. 236), 
daas öXou XopoO (falls es richtig) nicht auf den vollstimmigen ge- 
uuntvortrag des chors, sondern nur auf den durch sämtliche cho- 
reaten gegliederten chorgesang zu beziehen sei, wäre in den ge- 
aannten parodoi nichts anzufangen: die Westphalsche emendation 
ist allein geeignet die Schwierigkeiten zu heben. 

Hinsichtlich des stasimon acceptiert der vf. mit recht die 
aaf&asang QHermanns: *neque stasimum ab eo quod immotus stet 
choma, dictum est, sed quod a choro non accedente primum et or- 
dines explicante, sed iam tenente stationes suas canatur', eine an- 
schaonng die heute wol keinen widersprach mehr findet, dennoch 
hat der vf. die consequenzen nicht scharf gezogen, wenn M. a) die 
pan>dos, b) das stasimon, c) das hjporchema unterscheidet, so bekun- 
det sich schon in dieser nebeneinanderstellung, dasz er sich wenig- 
stens in den consequenzen von der auffassung Böckhs, der neben die 
gattnng der von ihm als gesänge des stehenden chores gefaszten sta- 
sima eine besondere dasse tanzlieder stellte, nicht losgemacht hat. es 
ist bekannt was Böckh zu dieser verfehlten auffassung führte, schon 
früh war die richtige, von Hermann wieder eingeführte bedeutung 
von stasimon verloren gegangen, und indem sich in einer zeit, wo 
man längst aufgehört hatte dergleichen begriffe aus der unmittel- 
baien anschauung zu schöpfen, flür stasimon der begriff eines ^steh- 
lisdes' einstellte, konnte es doch nicht ausbleiben, dasz die verkehrt- 
hsit dieser auffassung wenigsten^ an einigen besonders bewegten 

^ verfehlt ist freilich die Amoldtscbe Ansicht (ao. b. 162), wonach 
*ia alleo Strophen ond antlstrophen der koryphaioa anfieng und nach 
ihn seiee heioen parastaten folgten', vielmehr ist Strophe und antistr. 
e allein dem korjphaios, crp. ß dem ersten parastaten, dvnCTp. ß' dem 
svdteo paraataten sa gehen: der eher befand sich in der tetragonal- 
stdluf. 



8 OHense: anz. t. ChMuffä chorisclier tcchnik des Sophokles. 

stellen der tragödie greifbar heraustrat, dazu gehört der freudige 
paian Trach. 205, wo sich ein erklärer bei den Worten (216) detpojiai, 
oub' d7^(JüC0^al töv auXöv zu der bemerkung veranlaäzt sah : ^€- 
T€Uipi21o|üiai dv tiL xop€W€iv elc töv depa Kai fivu) aipojüiai* tö T^p 
^eXibdpiov ouK IcTi CTdcijLiov (dh. stehlied), dXX* ötrö Tf\c i\bovf\c 
öpxoOvTat. ähnlich wird die dpxYicic in anderen fHllen constatiert. 
so gelangte diese Unterscheidung in die verse des Tzetzes über die 
tragödie und andere Überlieferungen und wurde endlich durch Böckh 
anerkannt, der verhängnisvolle irrtum , das stasimon als ein lied 
des stehenden chores zu fassen, führte dazu, neben der wolerwoge- 
nen Aristotelischen Unterscheidung der ^dpr] der tragödie unlogi- 
scher weise eine kategorie vorzuführen, die auf einem völlig ver- 
schiedenen einteilungsprincip beruht. Aristoteles unterscheidet 
unter den chorika der tragödie die parodos und das stasimon. die 
parodos ist das einzugslied, dazu im gegensatze das stasimon das- 
jenige lied, welches der chor vorträgt, nachdem er den einzug be- 
reits gehalten und seine übliche Stellung in der orchestra eingenom- 
men hat. wie unlogisch es nun ist, nach annähme dieser von Her- 
mann richtig erkannten bedeutung des stasimon einen unterschied 
zwischen stasimon und hyporchema aufstellen zu wollen, erhellt von 
selbst, denn immer bleibt ein stasimon stasimon, mag es hjpor- 
chematischen Charakters sein oder nicht, mit gleicher logik könnte 
man von dem stasimon etwa^den paian oder den threnos oder sonst 
eine nach einem andern, von dem des stasimon verschiedenen ein- 
teilungsprincip aufgestellte ga^ttung der lyrischen poesie unterschei- 
den wollen. '60 wenig für die chorische Vortragsweise, ebensa wenig 
wird für die gröszere oder geringere lebhafbigkeit der tanzweise 
durch die bezeichnung stasimon irgend etwas präjudiciert. über 
diese nahe liegende consequenz hätte sich der vf. ohnehin leicht aus 
der nur zu breit geschriebenen abhandlung von FAscherson 'um- 
risse der gliederung des griech. drama' in diesen jahrb. suppl. IV 
s. 423 ff. die nötige klarheit verschaffen können, namentlich ent- 
halten 8. 434 ff. nach dieser seite richtige, wenn auch infolge der 
Verehrung gegen den groszen lehrer allzu schüchtern gehaltene be- 
merkungen. ein paar stellen mögen den Widerspruch, in dem sich 
der vf. hier mit sich selbst befindet, darthun. s. 34 lesen wir: *wenn 
ich dem stasimon tanz zuspreche, so soll damit nicht gesagt sein, 
dasz nicht zwischen ihm und dem hyporchema ein groszer unter- 
schied bestände, die orchesia in den eigentlichen tanzliedem ist 
eine viel leidenschaftlichere' usw. zu dem oben erwähnten (abge- 
brochenen) stasimon Trach. 205 heiszt es s. 196 f.: 'ein stasimon 
ist es auf keinen fall, denn einmal haben wir keine verherlichung 
sittlicher grundsätze oder eine ruhige beurteilung vorliegender that- 
Sachen, sondern einen groszen , langgezogenen jubelruf, und dann 
entbehrt das lied der antistrophischen responsion , was beim stasi- 
mon unerhört ist. es bemerkt also der scholiast zu 216 mit recht: 
TÖ Tdp peXibdpiov ouk Icti CTdcl^ov. sonach bleibt die wähl 



OHense: anz. v. ChMuffs choriecher tecbnik des Sophokles. 9 

xwisehen pai an und hyporchema.' was zunächst die scholiasten- 
bemerlnmg betrifft TÖ jap ^eXibdptov oök icix CTdct^ov, so hat der 
sdioliast Ton seinem standpunct aus ganz recht, da er (wie das dXX' 
. • öpxoövrai lehrt) CTdci^ov als ^stehlied' auffaszt; nicht aber kann 
sidi der vf. logischer weise dieser autoritILt bedienen , da er ja sta- 
Simon yielmebr richtig im Hermannschen sinne gefaszt hatte, faszt 
mm den inhalt des liedes ins äuge, so mag man es einen paian (^ge- 
Biuer ein prooimion dazu') nennen; Iftszt der frohe jubel auf eine 
besonders lebhafte tanzweise schlieszen , so kann man vielleicht an 
hjporchematischen Charakter denken; blickt man auf die Stellung 
des gedichtes innerhalb des dramas, so musz es ein stasimon genannt 
werden, wenn auch ein durch das erscheinen des Lichas im interesse 
der dramatischen composition frühzeitig abgebrochenes stasimon, 
woher sich auch der mangel an antistrophischer responsion erklärt: 
▼gL *chor des Soph.' s. 16. die bemerkung des yf., dasz ein stasi- 
mon wenigstens aus zwei respondierenden Strophen bestehen mtlsse, 
ist natnrgemäsz und in der gropzen summe der erhaltenen stasima 
begründet, aber schon innerhalb der wenigen uns erhaltenen stttcke 
des Sophokles begegnen wir hier einem beispiel, wo der dichter das 
gegenspiel der antistrophischen responsion einem hohem compositio- 
adlea geeichtspuncte, nemlich dem einer schnellem dramatischen 
safeinanderfolge geopfert hat. 

Wie wenig übrigens bisher über des wesen des hyporchems 
Uarheit gewonnen ist, kOnnen die vorsichtigen bemerkungen Hillers 
lehren in dem 'bericht über griech. litteraturgeschichte für die jähre 
1874 und 1875' bei Bursian s. 203 f. 

In einem dritten ^ mager ausgefallenen abschnitte (s. 46 — 51) 
bindelt dervf. *vom Vortrag der chorischen partien', dh. 
Ober die Irage, welche ohorische partien der einfachen recitation, 
welche dem geaang oder auch der parakataloge zuzuweisen seien. 
ref. gesteht diesen meist desultorisch gehaltenen bemerkungen einen 
efheblichen wert nicht beimessen zu können, wollte der vf. eine 
•elbstindige Untersuchung, zu der ein reichliches material einladet, 
Bicfat anfiiehmen, so hätte er besser gethan diese fragen überhaupt 
bei leite zu lassen. 

Es folgt der specielleteil des bucheä, die chorische analyse 
d« einzelnen stücke. 

1. Aias. 

la dem lyrischen teile der parodos des Aias nimt M. vertrag 
doreh halbchöre an. an stelle dieser annähme liesz sich etwas sehr 
eialeuehtendes vorbringen, dasz die epode (v. 194—200) dem gesamt- 
chor zu geben ist, dh. dasz sich zu dieser energischen aufforderung 
die vorher getrennten gruppen vereinigen, das ist naturgemäsz und 
milirechend. aber welcher art waren jene vorher getrennten gmp- 
pea? halbchüre, meint der vf. aber die viergliedrigkeit tritt hier 
10 deutlich hervor, dasz wir gerade diese stelle als ein sicheres bei- 
ipiel des zygenvortrags ansehen. 2IuTÖv a : hat Artemis dich zu 



10 OHenae: anz. t. ChMuffs chorischer technik des Sophokles. 

solcher that getrieben (172—176)? Ixxföyf ß': vielleicht um eine 
Siegesrüstung oder ein jagdbeutestück betrogen?^ oder Enyalios 
(177—181)? tuTÖv t': ja, das hat eine gottheit angestiftet (182— 
187). IxTföv b': ist es aber Verleumdung, so tilge das böse gerücht 
(188 — 193). es ist unschwer vorauszusehen, dasz bei dieser ein- 
teilung der beginn des zweiten zygon f) f^a kXutwv dvdpuiv ^i€Ö- 
cOeica öübpoic usw. anstosz erregen wird, nemlich bei deiy'enigen 
welche das, wie wir meinen, gerade echt dramatische gelegentliche 
ineinandergreifen der chorischen \xefiQr\ für unznlftssig erachten, 
wir berühren damit gleich im beginn einen der ich möchte sagen 
principiellen puncto , die den ref. voraussichtlich von manchen mit- 
forschem auf diesem gebiete trennen werden , und gerade der hier 
berührte punct wird auch im verlaufe dieser abhandlung mehr als 
6inmal an beispielen erörtert und näher präcisiert werden, gerade 
wie im chorischen einzelvortrag ein zygon sich bisweilen eng an das 
vorhergehende anschlieszt, den gedanken des letztern aufhimt und 
bereichert, ehe es eventuell aus sich selbst einen neuen und selb- 
ständigen gesichtspunct dazu bringt (vgl. zb. Eur. Med. 1286 ff.), 
gerade so auch hier, wo sich die vollstimmigen zyga an einander 
reihen, indem die zweite gruppe der salaminischen krieger sich die 
Vermutung der ersten aneignet und noch zwei neue möglichkeiten 
für die Ursache des zomes der Artemis anreiht, tritt uns das rathloae 
schwanken der beängsteten lebenswahr, in situationstreuer, echt 
dramatischer lebendigkeit entgegen, es genügt die pcT^On <^®^ ^^* 
den zyga in so weit auseinander zu halten, dasz mit dem Schlüsse 
des ersten zygon der gedanke syntaktisch für sich bestehen kann, 
und das unmittelbar darauf folgende dann im engen anschlusz an die 
eben verklingenden werte einsetzt: f) (so) (Sa kXutuiv ^vdpuiv Mi€U- 
cOetca buipotc etr' dXaqiaßoXiaic; ein derartiges individualisierendes 
weiterführen des bereits von der vorausgehenden gruppe berührten 
gedankens gibt dem bilde die frische färbe unmittelbarer lebens- 
wahrheit, während wir durch ein allzu regelmäszig beobachtetes za- 
sammenklappen des vollen gedankenabschlusses und der chorischen 
Verteilung auf die dauer vielmehr den eindruck einer kalten, ja pe- 
dantischen schulübung empfangen würden, die hauptsache bleibt 
— und diese regel wird sich sowol für den einzelvortrag als für 
den hemichorienvortrag überall bestätigen — dasz bei einer der- 
artigen engem Zusammengehörigkeit zweier von verschiedenen cho- 
reuten oder chorischen gruppen vorgetragenen pcT^Bil das zweite 
durch das erste, nicht aber das erste durch das zweite seine formalA 



^ in meiner überall nar die resaltate berührenden schrift über den 
chor de« Sophokles hob ich nnr den haaptinhalt dieses sygon hervor 
8. 9: 'snnHehst gibt der koryphaios allein seiner beängstigang in den 
anapttsten einen schmerzlich bewegten ansdruck. in gesteigerter nn- 
ruhe setzt der sjgenvortrAg ein: hat Artemis dich zu solcher that ge- 
trieben? oder finyalios? ja, das ist das werk einer gottheit. ist 
es aber verlenmdang, so tritt endlich hervor!' 



OHenie: aaz. t. ChMnffs choriBcber technäc des Sophokles. 11 

erUftnuig oder stütze finde, wir kommen auf diese Beobachtung 
zorflck nnd bemerken hier nnr noch folgendes : wer die fragen über 
die ehoriaehe Verteilung nicht lediglich auf einen punct stellen will, 
der an nnd fttr sieb je nach der geschmacksrichtung des urteilenden 
nidit selten abweichend entschieden werden wird, der wird sich viel- 
mehr zn fragen haben, wie viel oder wie wenig gründe zunächst 
abgesehen von jenem puncto ftir die eine oder die andere 
verteUung sprechen , um dann entweder seine eigene ansieht bestfi- 
tigt ZQ sehen oder sich gegebenen falls hinsichtlich jenes fraglichen 
pOBCtee durch die inzwischen anderweitig bestätigte ansieht des 
gegners belehren zu lassen, durch ein eigenwilliges festhalten und 
orgieren jenes 6inen punctes, ohne dasz man also die eigentliche 
entscheidung von dem gewicht anderer, mehr objectiver argumente 
erwartet — durch ein solches urgieren wird ein gedeihlicher fort- 
schritt anf diesem gebiete überhaupt in frage gestellt. 

Im vorliegenden falle wird nun aber unsere annähme bestätigt 
intbeeondere durch das metrum, dh. durch die zweifelhafte silbe in 
V. 176 {— 186) : -U-l — U^l — | — |c7. richtig bemerkt 
Brambaeh metrische Studien zu Soph. s. 122 : *die sechste zeüe (f) (>a 
icXirrufV ly&pujy) enthält nicht einen schluszsatz zu den ersten fünf 
venseilen der Strophe — dagegen spricht schon der inhalt — , viel- 
nehr bildet sie einen Vordersatz zu den folgenden vier versen. letz- 
teres geht auch hervor aus der anläge des fünften verses , welcher 
ofleabar einen rhythmischen abschlusz bildet; die indifferente end- 
Silbe desselben weist sich aber ohnehin als periodenschlusz aus« 
demnach zerfällt die ganze atrophe in zwei grosze 
hälften von je fünf verszeilen.' der dichter sorgte dafür 
data keine der vier gruppen zu kurz komme , keine einseitig präva- 
Usre: anch die ungefähr gleiche grösze der strophischen hälften 
kann unsere Termutung nur bestätigen, aber auch damit sind die 
bestätigenden momente für diese diathesis noch nicht erschöpft, da 
nenlich den ganzen Terlauf des Stückes hindurch mit ausnähme der 
ezodos, wo der dichter die gruppierung xaTCt croixouc besondel's 
zu DotiTieren nicht unterlassen hat, die aufstellung xard l\rf& 
oder die eombinierte zygenstellung (wie man bei einem chore von 
twfSU personen sagen kum), dh. die hemichorienstellung gewahrt 
ist, so ist es schon an sich in hohem grade unwahrscheinlich , dasz 
der dichter nicht anch von vom herein in der parodos den chor KOrä 
Zufd einmarschieren liesz. mit anderen werten: hätte der dichter 
den chor Kord CToixouc eingeführt, um ihn dann nach der parodos 
ia weitem verlaufe Kaxd l\r(& oder in hemichorien operieren zu 
i, so würde man Ton der Sophokleischen kunst (wir fuszen bei 
erwartong anf unseren beobachtungen in den übrigen stücken 
sad in den übrigen teilen des Aias) eine motiviemng eines derarti- 
gen Wechsels mit Sicherheit erwarten müssen: so müste wenigstens 
die stelle nachweisbar sein, in welcher der dichter in oiganischem 
asaaunenbange mit der handlung des dramas einen derartigen 



12 OHense : anz. v. ChMuffs chorischer technik des Sophokles. 

Wechsel sich vollziehen liesz. eine dem ähnliche motivierang aber 
wird man vergeblich Sachen, wir haben bereits oben dieses für die 
beurteilung der Sophokleischen kunst nicht unwichtige moment 
kurz berührt. 

Die voraufgehenden anapäste der parodos sind von M. richtig 
dem koryphaios zugewiesen worden, das sei jetzt die allgemeine 
annähme, lesen wir s. 54, und in der anmerkung wird hinzugefügt: 
'nur Heimsoeth (vom vertrag des chors s. 35 ff.) bleibt dabei (?) , es 
seien alle anapSsten vom gesamtchore recitiert worden' usw. der 
vf. hätte sich an dieser stelle der Christschen bemerkung erinnern 
können (insofern er diese metrik sonst zu berücksichtigen pflegt), 
freilich hier nur, um sie zurückzuweisen, s. 665 lesen wir: ^bei den 
anapästischen Systemen, wie im Agamemnon und Aias, will mir im- 
mer ein gesang des gesamtchors viel wirksamer und würdiger dün- 
ken als der gesang des Chorführers oder eines einzelnen choreuten.' 
mit einem derartigen allgemein ästhetisierenden argumentieren ist 
nichts gethan. gehen wir auf die sache ein , so ist zunächst an eine 
Verteilung unter die einzelchoreuten — das hebt Muff richtig her- 
vor — schon wegen der sechszahl der sjsteme nicht zu denken, ich 
will hier beiläufig bemerken, dasz sich Keck im Agamemnon ver- 
griffen hat, wenn er eine zwölfzahl von Systemen herauszupressen 
sucht, um eine einzel Verteilung vorzunehmen, die annähme einer 
lücke nach Ag. 42 ist nicht motiviert, und gesetzt einmal die 
Kecksche ansieht wäre richtig, so würde gleich der erste choreut 
mit einem gliede beginnen, welches ohne verbum wäre, wenn Keck 
V. 66 f. das Tpujct 6' ö^oiuJC für das auftreten eines neuen choreu- 
ten geltend machen will, so ist zu erinnern dasz das wirkungsvolle 
dieser worte kaum minder beim vertrag durch den koryphaios em- 
pfunden wird , nemlich wegen der am Schlüsse des paroimiakos ein- 
tretenden pause, nicht urgieren will ich an dieser stelle, dasz über- 
haupt die zwölfzahl der choreuten für den Agamemnon zu verwerfen 
ist. in den anapästen im Aias werden bereits alle die themen ange- 
sclilagen, welche in der nachfolgenden epodischen trias ihren mehr 
lyrischen ausdruck finden, wollte man nun bereits für die anapästen 
chorischen gesamtvortrag annehmen, so würden dieselben chorischen 
personen zweimal die nemlichen gedanken, wenn auch in wechseln- 
der form, vortragen, dasz diese tautologie vermieden wird, sofern 
der koryphaios die anapästen allein vorträgt, leuchtet ein. noch 
durch ein anderes moment wird der gesamtvortrag der anapästen 
ausgeschlossen, nemlich durch das princip der sich steigernden Wir- 
kung, wenn gleich bei den anapästen der chor seine ganze kraft 
verschwendete, so würde sich sowol im Agamemnon als auch im Aias 
die Wirkung zunächst wenigstens abschwächen, denn wie im Agam. 
auf die anapästen nach der sehr einleuchtenden Vermutung Her- 
manns ein lyrischer vertrag folgt, der sich unter die CTOixoi der 
gereuten gliedert, so schlieszt sich im Aias an die anapästen nach 
unserer Vermutung ein lyrischer Vortrag xarä lvf& an. wie anders 



OHense: anz. v. ChMuffs choriscber technik des Sophokles. 13 

die gradation des cborischen aufwandes, wenn der kor)rphaios die 
inapSsten allein flbernimt! dann folgt im Aias auf den einzelvortrag 
des chorfQhrers der in Z\rf& gegliederte Vortrag des lyrischen 
Strophenpaares y nnd das ganze ISuft endlich aus in epodischen ge- 
nmtt ortrag. 

Fflr die epode habe ich nemlich im anschlusz an M. gesamt- 
rortrag angenommen 'chor des Soph.' s. 9, gestützt auf das princip 
der gesteigerten Wirkung, welches für das herausbeben des erregen- 
den momentes im drama besonders am platze ist. wollte man 
einwenden, dasz durch die etwaige annähme des solovortrags der 
epode (durch den koryphaios) ein mehr organischer Übergang zu 
dem nun anhebenden kommos gewonnen würde , dasz der meliscbe 
einzelvortrag des Chorführers vielleicht passender zu der folgenden 
purakataloge der anapästen überleiten würde, so wäre zu erwidern 
dan ja Tekmessa erst am schlusz dieser epode aus dem zelte tritt, 
und dasz die leidenschaftliche erregung dieser verse , in denen der 
gmze ingrimm der treuen Vasallen über das freche gerede erzittert, 
in dem gesamtvortrage kräftiger zu tage treten muste, dürfte von 
Yorn herein zugestanden werden. 

Wenn ich die behandlung des folgenden kommos (201 — 262) 
durch den vf. in meiner schrift über den chor des Soph. s. 5 ver- 
werfen zu müssen glaubte und dem gegenüber die ansieht aufstellte, 
dasz hier 'von jeder rotte nur 6in Vertreter' zum vertrag gelange, so 
bin ich von diesem Widerspruch nach wiederholter prüfung zurück- 
gekommen, offenbar in unrichtiger anwendung des gesetzes, wel- 
ches meines wissens zuerst Bamberger klar und bestimmt aus* 
gesprochen hat, dasz nemlich in der Unterredung mit bühnen- 
personen immer nur je ^in choreut das wort ergreifen darf, glaubte 
ich nach dem heraustreten der Tekmessa auch hier nur an einzelne 
thorenten nach einander den vertrag verteilen zu dürfen, ein noch- 
maliges, unbefangenes eingehen auf die vorliegende Situation hat 
mich von der richtigkeit der M.schen Vermutung überzeugt, 'mit 
gesteigerter dringlichkeit' hatte der chor den Aias aufgefordert dem 
frechen gerede durch sein erscheinen einhält zu thun ; statt dessen 
erscheint Tekmessa und meldet den genossen, dasz der gewaltige in 
der that von Wahnsinn befallen worden, auf das eingehendere be- 
fingen des führers berichtet sie des nähern von der beschimpfung 
des beiden durch das hinschlachten der thiere. da geben sich die 
genossen der klage hin über die bestätigung des gerüchtes und 
weiter die nächste rotte schlimmen befürchtungen über den unter- 
ging, den der held durch eigene band finden werde, ihrem eignen 
schmerze hingegeben gibt Tekmessa ein genaueres bild der raserei, 
worsof eine andere gruppe in neuem klageergusz den gedanken an 
flocht anffttözt, und eine vierte gar den steinigungstod mit dem bei- 
den erleiden zu müssen fürchtet, als endlich Tekmessa bemerkt, 
dasz sieh die raserei jetzt gelegt, beginnt der gefaszter gehaltene 
UfflUsche dialog zwischen Chorführer und Tekmessa. wir acceptie- 



14 OHense: anz. v. ChMuffs chorischer tecbnik des Sophokles. 

reu das urteil des vf. auf s. 61 : 'es sind statt jedes halbchors die 
beiden ZIuTOi, aus denen er besteht, nach einander zur Verwendung 
gekommen, man sehe nur, wie jede Strophe aus zwei sich völlig 
deckenden gesonderten hälften besteht. 221 — 226 die schlimme 
künde von Aias, 227 — 232 sein schlimmes ende. 245 — 250 ge- 
danke an flucht der choreuten, 251 — 256 ihre traurige zukonft. so 
bilden die betreffenden partien dem inhalt nach selbständige teile; 
dasz sich die einen von den andern in denselben Strophen auch dem 
metrum nach deutlich unterscheiden, haben Oleditsch und HSchmidt 
bereits angemerkt, und endlich spricht auch der hiatus, der zwischen 
4cn beiden hälften der ersten Strophen (soll heiszen «strophe») vor- 
liegt, deutlich für Überweisung an verschiedene gruppen.' 

Die behandlung des kommos 348 — 429 wird billigung finden, 
richtig gibt auch M. v. 371 der Tekmessa: nur so erhält man auch 
für das zweite strophenpaar eine gleich kunstvoll harmonische glie- 
derung, und aus den werten i) Trpäc Oeit^v, liireiKe xal 9p6viicov cG 
vemimt man den ton warmer liebe, die verse des Chorführers aind 
überall kühler und allgemeiner gehalten, dasz die chorpartien allein 
dem koryphaios zuzuteilen seien, bedurfte für den kundigen nur 
eines Wortes, zum überflusz weist M. auf die verse 354 f. hin, die 
leise zur Tekmessa gesprochen wurden , also füglich nur von Einern. 

Auch darin hat der vf. zweifellos recht, dasz das erste sta Si- 
mon 596 — 645 von den hemichorien vorgetragen wurde, an l\rf& 
ist nicht zu denken , da sich hier innerhalb der einzelnen Strophen 
keine gleichmäszigen, sich von einander absondernden gruppen er- 
gehen, der dichter bevorzugt hier die halbchorstellung , auch wol 
in dem gefühl, es werde die Wiederholung des zygenvortrags dem 
vorhergehenden wie dem folgenden gegenüber eine lästige mono- 
tonie zur folge haben, man kann sich solche gegenüberstellende 
Schemen, wie sie der vf. aufzustellen liebt, gefallen lassen, aber der 
halbchorvortrag hätte nichts an probabilität verloren, wenn M. 
nicht unterlassen hätte hinzuzufügen, dasz die zweite antistrophe 
zwar am schlusz auch dem schmerze des vaters gewidmet ist und 
insofern eine beachtenswerte Wechselbeziehung zur strophe auf* 
weist, doch aber in ihrem gröszem teile das geschick des Aias 
selbst, insbesondere den gedanken zum ausdruck bringt, dasz ihm 
sterben besser sei als dieser krankende sinn. 

Auch in der behandlung des zweiten stasimon (693 — 718) 
stimmen wir mit dem v f. überein. die vierteiligkeit tritt hier 
völlig evident hervor, insbesondere durch die gegensätzliche bezOg* 
lichkeit der vier gedankenabschnitte, womit die interpunction band 
in band geht, und nicht am wenigsten ist der hiatus zu beachten 
(v. 701 f.). wer sich etwa im beginn des vierten ZuTÖV v. 715 an 
dem Kai in Koub^v dvaubiiTOV q)aT(cai^' fiv stoszen wollte, würde 
eine geringe Vertrautheit mit diesen dingen bekunden. 6XoiT* 6XoiT* 
(b TTÖTViav iEeiiaipihy l^iäy ruft im Ion v. 704 f. ein einzelner 
choreut; vai Oeoiciv iii\ Tuxoi KoXXilpXoTa ir^Xavov iiA nupl xaOa- 



OHense: anz. v. ChMuffs chorischer technik des Sophokles. 15 

fvicac föhrt der nächste fort: das ist die partikel die mit bestä- 
tigender kraft den gedanken fortführt, ich habe 'de lonis fab. Ear. 
partibus choricis' s. 25 das nötige angeführt, wie aber der ein- 
zelne choreut sich nicht selten eng an das wort seines vormanns 
anlehnt um es noch fortzuführen, zu bestätigen, zu erweitem, so ist 
es , wie wir schon oben bemerkten , auch mit den IvfOL. es ist also 
der dritte fall, dasz der dichter den chor in Ivxä operieren läszt: 
das erste mal in der parodos, dann im ersten kommos, endlich hier in 
diesem stasimon, dem man hyporchematischen Charakter zuerkennt, 
wie angemessen der zjgenvortrag gerade in dieser Situation er- 
scheint, habe ich 'chor des Soph.' s. 9 angedeutet. 

Wenn M. s. G8 bemerkt, dasz W. 713 enger mit dem folgenden 
ab mit dem vorhergehenden zusammenhängt', so hat er doch gleich 
in den nächsten worten das richtigere Verhältnis hinzugefügt, das 
dritte Zirföv correspondiert, wie wir bereits sahen, mit dem ersten 
£uTÖv. letzteres schlieszt gewichtig vOv T^P ^MOi ^liXei xopeOcai. 
mit dem nemlichen Stichwort sagt anaphorisch das dritte zygon: 
vOv aO, vOv, \b ZeO, ndpa XeuKÖv eödjiiepov TieXdcai 9doc, und 
anch in den folgenden versen ist es immer der Umschlag der sein 
staunen erregt, es in aufregung versetzt: öx* Aiac XaGiTTOVOC Tid- 
Xiv, Oediv ö* aO usw., dh. die ganze gedankenreihe drängt auf den 
sententiösen schlusz hin: TidvO' ö yii'XOLC xpdvoc ^apaivei. wenn 
Naack mel. gr6co-rom. IV s. 201 neuerdings 6 ttcXuc xpövoc vor- 
ziehen will, so ist dies prosaisch, weil die blosze maszbestimmung, 
lieTCiC dagegen poetisch, weil zugleich personiflcierend. der Nauck- 
sche Vorschlag ist gerade so nüchtern, wie wenn man etwa Find. 
Ol. 1, 33 in dem satze dji^pai b' dTTiXoiTioi jüidpTupec C0(pu)TaT0i 
mit Hecker ca9^CTaT0i vorziehen wollte, es ist also nicht nur ^gar 
nicht unwahrscheinlich', dasz das kolon den schlusz des zjgon bil- 
det, sondern die in jeder beziehung allein statthafte auffassung. 
schon Gruppe (Ariadne s. 198) hat das richtige trefflich ausgeführt. 

In der folgenden epiparodos ist man wenigstens darüber 
einig , dasz die yerse 866 ff. nicht von dem gesamtchor vorgetragen 
sein können, um so mehr geht man sonst auseinander, je öfter ich 
diese stelle lese, desto mehr werde ich in der ansieht bestärkt, dasz 
auch hier die Situation den einzelvortrag gebieterisch fordert, im 
princip hat also Hermann das richtige gesehen, durch Verteilung 
der kleinen kommata unter die einzelchoreuten der beiden durch 
die zwei entgegengesetzten eingänge der orchestra einziehenden 
halbchöre kommt die handlung in ihrer ganzen realistischen beweg- 
lichkeit zum ausdruck , durch die gleichfalls von Hermann erkannte 
antistrophische responsion (bis zu v. 876) wird sie in dem beschrän- 
kenden rahmen einer idealen kunstform gehalten. M. schlieszt sich 
in der stelle des Aias durchweg an Wolff an ; ob auch in textkriti- 
scher beziehung mit vollem rechte ^. 869), lassen wir für heute 
dahingestellt, die verse 877 f. faszte schon Hermann epodisch auf, 
db. sie stehen am schlusz auszerhalb des Strophenpaares und sind 



16 OHense: anz. v. ChMu£ffi chorischer technik des Sophokles. 

daher von Wolff richtig dem Chorführer gegeben worden. M. sagt 
6. 75 ; ^es ist ganz unbedenklich diese zwei schlieszenden verse dem 
koryphaios zu geben : denn sie bilden als epodos in der strophisch 
gegliederten epiparodos ein selbständiges ganzes für sich.' aber 
'epodos' kann leicht als ein wort erscheinen, hinter dem sich die 
Verlegenheit verbirgt, die beiden verse noch unter der zahl der 
choreuten unterzubringen, begreiflich also dasz Wecklein in einer 
anzeige des M.schen buches (philol. anz. 1877 s. 36) an der dreizehn- 
zahl anstosz nahm, hier war vielmehr die frage zu beantworten, 
worin es denn seine erklärung finde dasz Sophokles zumal inner- 
halb dieser kleinen dimensionen in dem einzelvortrag einen und 
denselben choreuten zweimal das wort ergreifen läszt (v. 866 und 
877 f.). war es nicht ein leichtes für Soph. die diathesis so zu ord- 
nen, dasz jeder, auch der koryphaios, nur Einmal zu worte kam? 
verfallen wir nicht in den von Hermann nur zu oft begangenen 
irrtum (vgl. de lonis fab. Eur. part. chor. s. 14 f.)? mit v. 869, wo 
der zweite halbchor von westen her eintritt, hören und sehen die 
beiden hemichorien noch nichts von einander, erst der zweite des 
zweiten halbchors vemimt ein geräusch , das sich erneuernd auch 
an des dritten ohr dringt, und der vierte erkennt nun die nahenden 
genossen, die hemichorien stoszen aufeinander, der fünfte des 
ersten hemichorien erblickt den fünften des andern, der sechste 
wechselt mit dem sechsten des andern halbchores ein kurzes wort 
— nun bedarf es noch eines momentes, in dem sich die noch im* 
geordneten choreuten neu gruppieren und die für den sich an- 
schlieszenden kommos geeignete Stellung (ö\oc ö X^P^^ ^^^ ^^ 
CuveXOubv TauTd qpiiciv) einnehmen : dieser moment ist es , den der 
koryphaios passend mit den beiden versen dXX' oub^ jüi^v bi\ . . 
<pav€ic ausfüllt, unsere ansieht wird noch einleuchtender durch die 
annähme welche Wolff, ich weisz nicht ob zuerst, ausspricht, dasz 
die choreuten einzeln hinter einander einziehen, das entspricht 
allein dem spähen und suchen der schweifenden genossen, und wir 
haben keinen grund die notiz des Pollux vom gelegentlichen einzel- 
einzug der parodos nicht auch auf die epiparodos anzuwenden. — 
Durch die beiden verse des koryphaios gewinnen wir ein incisum, 
einen ruhepunct, der die epiparodos von der nun folgenden melik 
trennt, am kürzesten können wir unsere ansieht so aussprechen: 
V. 866 gehört dem koryphaios als einem der beiden halbchorftthrer, 
V.877 f. gehören ihm in seiner hohem Stellung als gesamtchorführer. 
Auch hier war eine gelegenheit die gründe zu erwägen, die 
Sophokles bewogen die choreutenzahl auf fünfzehn zu erhöhen, 
hätte er schon hier fünfzehn personen zur Verfügung gehabt, so 
wäre es vermieden worden, dasz am schlusz eines einzel Vortrags 
von zumal so geringen dimensionen der koryphaios noch einmal 
das wort erhielt, dann hätten sich zwei regelrechte hemichorien 
unter der führung der hegemonen von je sieben choreuten gegen- 
übergestanden, und das ganze wäre durch den koryphaios als den 



OHeiue: ans. v. ChMaflii chorischer t-echnik des Sophokles. 17 

gesamtchorf&lirer zam abschlusz gebracht worden, vgl. 'der eher 
des 8oph.' b. 12. schief ist die bemerkung von Wolff: 'schon die 
eioieilnng in zwei hSlften machte eine gerade zahl statt der erst 
durch Sophokles selbst eingeführten funfeehn choreuten rathsam.' 
Der folgenden partie hätte ich eine etwas andere behandlung 
gewOnscht, als sie bei M. gefunden hat. schon in der herkömm- 
lidien flherBchrift 'dritter kommos 879 — 960' liegt der fehler 
Terborgen. statt mit nn^errücktem hinblick auf die Situation einen 
t«l ddi immer ans dem andern entwickeln zu lassen, faszt M. die 
beteiehneten verse insgesamt als kommos und betrach^t darunter 
wieder die Ijrischen Strophen und die eigentliche kommospartie. 
nachdem der chor nach der epiparodos während der worte des 
korjiAaios seine Stellung wieder eingenommen, gibt die strophe 
879 — 890 den schmerz des chors kund, dasz er den Aias vergeblich 
gesneht: 'möchte doch ein fischer oder ein gott oder eine flusz- 
npnphe zeigen, wo Aias weilt!' darin haben wir, um unsere ansieht 
gleidi ohne umschweif auszusprechen, die erste strophe einer lyri- 
schen epiparodos zu erblicken, wie sich in der altem tragödie 
an die anapistische parodos (wie im Aias selbst) gleich noch eine 
Ijrisdie partie anschlieszt (welche einige lieber stasimon nennen 
wollen), so erhält nach dem zweiten einzug des chors der gedanke 
Ton der bisherigen yetgeblichkeit des suchens, der wünsch den Aias 
endlidi aufzufinden, auch einen lyrisch gesteigerten ausdruck. oben 
in der parodos war der chor Korä l\rf& eingezogen, die zygenstellung 
bebilt er daher auch noch in dem sich anschlieszenden liede bei 
(t. 172 fr.); hier in der epiparodos war er in hemichorien ein- 
ge iogm y er schickt sich nun an. in der nemlichen gruppierung ein 
choriied zu singen, die Vortragsweise hat abo Hermann und nach 
ihm Muff richtig erkannt, und in dieser richtung ist auf den ersten 
teil der oben erwähnten scholiastenbemerkung zu 879 (öXoc 6 
XOpöc eic iv cuvcXOuiv TaCrd q)iiciv) kein gewicht zu legen.* aber 
darin 11^ der fehler der bisherigen auffassung, welcher sich auch 
M. nicht entzogen hat, dasz man diese strophe und ihre gegen- 
stTüf^ bereits zum kommos rechnete, es ist die lyrische epi- 
parodos. kaum hat der chor die strophe beendet, da ertönt das 
TerhingnisvoUe \\b |io( ^oi der Tekmessa: die lyrische paro- 
dos wird durch den kommos v. 891 — 924 unterbrochen. 
Mchdem Tekmessa y. 915 — 924 den leichnam des Aias verhflUt 
«ad den blicken entzogen und ihn am ende noch einmal schmerz* 
bewegt ^oetrophiert hat, da glaubt der chor den zeitpunct gekom- 



* fehr riehüg bemerkt M. b. 76: 'es ist hier leicht einzasehen, wie 
^ scboUast sa seiner vorstellmig gekommen ist. er erinnert sieh, dass 
^er eher Torfaer in swei hftlften geteilt war, dasz diese hftiften von ver- 
•cbiedeaen seitea her, also unabhängig und getrennt von einander, ein- 
trttM, und dass sie sich nun wieder auf dem ^inen pnnete, der orchestra, 
nm alten getamtchore vereinigen ; darum schreibt er : ÖXoc 6 X^P^C cic 
N cwcAMv.* 

flr cUm. phflot 1S7S hft L S 



18 OHense: anz. v. CbMaffs ohoriacher technik des Sophokles. 

men, tind der zweite halbcbor führt jetzt die vorher unterbrochene 
lyrische parodos durch die gegenstrophe 925 — 936 zu ende, der 
jetzt veränderten Situation gemäsz ist es natürlich nicht mehr eine 
klage über die erfolglosigkeit ihres suchens^ sondern eine klage über 
das gesohick des nun gefundenen« nun, sollte man meinen, hätte 
alles den rechten abschlusz erhalten : der kommos ist wenn auch in 
mäszigem umfange vorgeführt, die durch den kommos unterbrochene 
lyrische epiparodos ist ausgeklungen; Teukros könnte erscheinen, 
da ist es nun von besonderer tiefe , wie Tekmessa mit v. 937 von 
neuem ihrejdage, ihr iui jüioi ^oi erhebt, und nun erhalten auch die 
choreuten des zweiten halbchors gelegenheit ihrer teilnähme aus- 
druck zu geben, nichts hätte den dichter gehindert das strophen- 
paar der Ijrrischen epiparodos ohne Unterbrechung zu ende zu führen 
und dann erst alle zwölf choreuten nach einander mit der Tekmessa 
die kommospartie abspielen zu lassen; dasz er aber die epiparodos 
unterbrach oder, wie wir nun auch sagen dürfen, dasz der koiAmos 
durch das dazwischentreten der gegenstrophe der lyrischen epi- 
parodos in zwei hälfken geschieden wird, das war ein künstlerischer 
griff von eminenter Wirkung, vgl. *der chor des Soph.' s. 10 f.: 
^das pathos durchläuft den ganzen kreis der handelnden personen. 
dabei wird der lyrische teil der epiparodos und der kommos so 
kunstvoll in einander geschlungen, dasz mit dem zweiten teile des 
kommos die klage gleichsam ganz von neuem anhebt, durch diesen 
künstlerischen griff zeigt uns der dichter den unergründHohen 
schmerz der geliebten , die auch zuerst den theuren toten auffand^ 
das sichnimmergenügeihun ihres Jammers in ergreifender weise, 
einer solchen doppeUdage gegenüber war nur noch 6ine Steigerung 
des pathos möglich , ein mittel dessen sich der dichter im weiten& 
verlaufe des dramas bedient: Tekmessas schweigen.' 

Gegen die Verteilung unter die choreuten, welche der vf. an- 
ordnet, läszt sich nichts einwenden, s. 77 lesen wir: *ich schlage 
also vor, in dem 6inen teile die sechs choreuten des 6inen, in dem 
entq>rechenden die sechs des andern halbchors zu beschäftigen, 
dann kommen auf jeden dieselben langen und kurzen, dieselben 
dialogischen und melischen partien, dann erst wird dem anti- 
strophischen Verhältnis in gebührender weise rechnung getragen.' 
das ist einfach und naturgemäsz. 

Dagegen von üblem einflusz war wieder die Wolffsche an- 
schauung bei den trimetem, mit welchen die beiden kommosteile 
abschlieszen. Wolff sagt: 'auch Tekmessas werte haben strophische 
entsprechung , und nur am Schlüsse stehen sich 10 und 13 tri- 
meter gegenüber.' wird hier der athetesen neuerer kritiker mit 
keinem werte gedacht (auch nicht in den kritischen bemerkungen), 
so geht M. vollends ganz mit stillschweigen über diese trimeter- 
gruppen hinweg, und doch gehören sie ganz unzweifelhaft zum 
kommos und hatten mindestens den vertrag der parakataloge. nach 
den ersten leidenschaftlichen wehrufen gewinnt Tekmessa allmählich 



OHente: anx. v. CfaMuffs chorischer technik des Sophokles. 19 

die ki«ft ihrem sehmerz in einer langem gmppe von (10) versen 
susdnick za geben ; durch die antistrophe der lyrischen epiparodos, 
die sich jetzt der verftnderten sitnation gemftsz anch nur auf den 
tod dea Aias beziehen kann, wird ihr schmerz in seiner alten heftig- 
keit wacfagemfen, ein neuer kommos hebt an, das gegenbild des 
enten, nnd wiederum schliefizt ihn Tekmessa mit einer gruppe von 
trimetem. 

Nor eine eonsequenz der von uns zurückgewiesenen auffassung 
ist es y wenn M. nach diesen schlnsztrimetem des kommos , dh. mit 
dem auftreten des Teukros kein neues epeisodion anheben Iftszt. 
wcon nach ihm (dh. nach Schneidewin) das dritte epeiaodion v. 719 
—1184 (s. 69. 79) umfassen soll, so hätte ihn schon die flber- 
mtsBige ansdehnung eines solchen epeisodion bedenklich machen 
flolkn. nach den schlusztrimetem der Tekmessa (974) hebt ein 
nevea epeisodion an , natürlich nicht deshalb weil der konunos zum 
abeeUnax gelangt ist (denn kommoi sind integrierende bestaadteile 
der epeiaodien*), sondern weil die epiparodos vorausgeht, wie die 
perodoe die grenze zwischen prologos und dem ersten epeisodion 
bildet, 80 ist die epiparodos die grenzscheide zweier epeisodien. 
jetzt wo wir neben der eigentlichen epiparodos auch einen lyrischen 
teil erioumt haben, wird diee nicht mehr zweifelhaft sein, der 
gnoid , weehalb dieses Verhältnis bisher auszer acht gelassen wurde, 
lag eben in der von uns oben beleuchteten singulftren erscheinung, 
dass hier in folge der durch das auftreten der Tekmessa veränderten 
ntnalion die lyrischen Strophen der epiparodos und die kommos* 
Partien in einander geschoben wurden, nicht flberall vermag man 
das lebensvolle kunstgebild ohne weiteres unter das Schema der 
hergebrachten normen zu fassen. 

Daaz die chorpartien innerhalb des vierten epeisodion 
(v.974 — 1184) dem koryphaios zuzuweisen seien, scheint zweifellos. 

ICt recht acceptiert der vf. unseres erachtens im dritten 
•tasimon die von Wolff vorgeschlagene Verteilung des gedichtes 
unter die iwQlf einzelchorenten, ohne doch in den irrtum WolfEs zu 
verfrllen, der in der ersten gegenstrophe hinter "Aibov den ersten 
shedmitt suchte, statt hinter "Apri. wie schon oben bemerkt wurde, 
kann beim eintelvortrag ein nachfolgendes komma durch das vorher- 
gehende, nicht aber ein komma erst durch das nachfolgende eines 
andern dioreoten seine syntaktische erUftmng oder ergänzung fin- 
den, wie kann der nächstfolgende choreut gerade den kcivoc dWjp 
im einne haben, den der vorbeigehende verwünschen will? das 
kam auch nidit durch die engere Zusammengehörigkeit zu dem 
MBiliehen Zutöv entschuldigt oder erklärt werden, eine nur schein- 
bare aaanahme El. 841, an der Wecklein ao. s. 37 anstosz nimt. 



^ Wolff irrt«, indem er nach dem zweiten kommos v. 430 ein neaes 
epeisodion statuierte, daher er nach obiger stelle fälschlioh ein fünftes 
•peisodion annimt. 



20 OHense: anz. v. ChMuffs choriacber technik des Sophokles. 

wird später ihre erlediguog finden, die Zusammengehörigkeit der 
tvfa innerhalb des einzelvortrags hat hier M. richtig erwiesen, 
allemal drei der alten schiffsgenossen schlieszen sich wie schon 
öfters enger aneinander und klagen einander ihr leid, ich verweise 
über diesen punct auf meine darlegung der 2IuTa in £ar. Medeia 
V. 1291 ff. auch über das Kai in v. 1211 ist schon oben das nötige 
bemerkt worden, die Vermutung Seyfferts ävarov eupuebei Tpoia 
ist keineswegs so sicher wie M. annimt , eine prosodische oder me- 
trische bemerkung würe am platze gewesen; aber M.s behandlung 
der stelle mag einem glücklicheren kritiker den fingerzeig bieten: 
durch das erkennen des einzelvortrags, auf welchen alle anzeichen 
hinführen, gewinnen wir ein neues moment der beurteilung. es ist 
freilich unschwer vorauszusehen, dasz eine völlige einigung der mit- 
forschenden über die Vortragsweise des gedichtes kaum erzielt wer- 
den dürfte, zumal es in der freilich so geringen zahl der erhaltenen 
Sophokleischen dramen das einzige stasimon ist, wo sich nach 
unserer ansieht einzelvortrag findet, wenn es im allgemeinen der 
natur der Sophokleischen chorl jrik entspricht , dasz an der grenz- 
scheide zweier epeisodien die zurückblickende , mehr gehaltene be- 
trachtung vorherseht und daher das zusammen- oder auch gegen- 
einanderwirken gröszerer chorischer gruppen von vom herein an- 
gemessen erscheinen musz (wie denn in der that bei einem chor 
von fünfzehn personen der hemichorienvortrag für die stasima 
stereotyp wurde), so wird man doch auch die frage zu erwägen 
haben, ob sich nicht auch für Sophokles gelegentlich ein compositio- 
neller beweggrund ergeben konnte, der ihm die einführung einer 
lebhaftem, bewegtem diathesis als geboten erscheinen lassen muste. 
einen derartigen compositionellen grand haben wir *chor des Soph.' 
s. 10 angedeutet: ^nachdem die katastrophe sich vollzogen, ist es 
namentlich die volle entfaltung des chorischen reichtums, durch 
welche eine erlahmung des interesses bis zum auf- 
treten des Teukros verhütet wird, gleich die epiparodos 
packt durch die realistische natnrwahrheit der action. die beiden 
halbchöre ziehen von ost und west her einzeln nach einander in die 
orchestra wieder ein, und die einzelrufe der entteuschten genossen 
stoszen aufeinander, und vollends in dem nun anhebenden groszen 
klagegesange ist es rührend wahrzunehmen, wie sich keiner der 
treuen vasallen seinen anteil an der klage nehmen läszt.' es ist das 
die nemliche beobachtung die ref. ao. s. 26 in dem satze formulierte: 
^der aufwand der chorischen technik steht im umgekehrten Verhält- 
nis zu dem dramatischen werte des Stoffes.' wird man sich diesem 
grundprincip, wonach die chorische technik lediglich durch die for- 
derungen des dramatischen aufbaus geregelt wird , im allgemeinen 
nicht wol entziehen können (wenngleich wenigstens für den äugen* 
blick eine noch zu äuszerliche auffassung dieser dinge vorzuhersdien 
scheint), so liegt es doch schon in der natur solcher argumente, 
dasz ein ausgleich diffjßrierender ansichten auf diesem boden nicht 



OHense: anz. v. ChMuds cborischer technik des Sophokles. 21 

immer leicht zu erzielen sein wird, und auch das wird man einza- 
wenden suchen , dasz der dichter die gedanklich parallel laufenden 
sitze in so individueller plastik heraustreten liesz , dasz eine wirk- 
lich stSrende tautologie auch bei etwaigem halb chory ortrag nicht 
empfunden wurde, wie ganz anders ist es da in dem von uns be- 
handelten stasimon des Euripideischen Ion (y. 677 fp.), wo sich in 
den sieben kommata der strophe eine einzige und zwar adversative 
coigunction findet, zwei hiatus, wo sich ein paralleler gedanke im- 
mer an den andern reiht , wo schon in der gegenstrophe die fiction 
eines rufes ic ouc jeden gedanken an gesamt- oder halbchorvortrag 
»usschlieszt !* dennoch bin ich der meinung dasz Wolff oder vielmehr 
MnfT das richtige gesehen* hat. beachtenswert ist zunächst ein ge- 
wisser hmnor, mit dem der dichter diese stelle behandelt hat, und der 
er»t bei dem einzelvortrag zur vollen geltung kommt, ref. verweist 
auf die von ihm auf gnmd namentlich dieses stasimon versuchte 
Charakteristik der chorischen einzelgestalten *chor des Soph.' s. 7 f. 
aber esverschwindet durch die annähme von einzelchoreuten auch 
eine anzahl formaler bedenken, die viermalige Wiederholung 
TOB o&rc in v. 1199 ff. fand Morstadt (beitrage, Schaffhausen 1864) 
A. 47 unertrttglich ; es wird jeder anstosz beseitigt , wenn mit oCre 
xXuKUV auXdiv ÖTOßov usw. ein neuer choreut eintritt, das ist die 
lebhafte form der bestfttigung , die in gleicher form den gedanken 
weiter führt und die äquabilitftt mit dem vorhergehenden (r^pipiv 
ÖMiXcTv) auch am schlusz beibehält (T^pi|itv lav€iv). diese erklfirung 
des ähnlichen auslauts halten wir fttr richtiger als die des vf. , der 
darin Stichwörter erblickt, welche *den nun einfaUenden sängem 
einen wink zu geben bestimmt waren', wozu hätte es gerade an 
diesen stellen besonderer Stichwörter bedurft? und vollends hin- 
ftUig wird die Vermutung, wenn in dem zweiten T^p^ftv vielleicht 
eine oormptel verborgen Hegt: vgl. Morstadt ao. wie hier mit dem 



* wenn Arnoidt 'die chor. technik des Enr.' 8. 218 hier 'eine totale 
vemmebläsaigang der choranfstellnng' bemerken will, so ist die unkennt* 
BIS die er bekundet am so aaffallender, je sicherer der ton seiner po- 
Ismik. die sieben von mir erwiesenen kommata der Strophe waraen 
▼on den ehorenten des ersten halbchors, die der antistrophe von denen 
des sweiten, die epode vom koryphaios gesangen, dh. der chor befand 
sich ia der halbchors tellang and zwar noch vorn ersten stasimon her. 
f. 610, wo Ion in grosser anfregnng (daher die troohaisehen tetra- 
•eter) anftritt, verharrt der überraschte chor in der nemlichen stel- 
liBg, die er während des stasimon 452 ff. inne gehabt hatte, die halb- 
dtorstellaag des ersten stasimon wird durch das ganse folgende epei- 
•odion and im nächsten stasimon festgehalten, daraas folgt dasz anch 
die epode 492 ff. dem koryphaios gehört, dass die epode 714 ff. dem 
koryphaios safäUt, bestKtigt obendrein der in den partien des fQhrers so 
oft sichtbare höhere politische gesichtspnnct, wie denn fiberhaapt der 
tziinierten stellang des koryphaios von Arnoldt viel in wenig recbnnng 
fstrsgen wird, bei seiner polemik gegen meine serlegnng von strophe 
«ad antistrophe verschweigt Arnoldt wie anch sonst, dass meine dia- 
thssta auch in dem gelegentlichen hiatas and in dem Wechsel des me- 
ihre stfitse finden. 



22 OHense: anz. t. GhMuffs chorischer technik des Sophokles. 

oCt6 ein choreut sich anreihend einföUt, so nimt das zweite tvfov 
die nemliche partikel und das satzgefQge des ersten auf in dem lyri- 
schen teile der parodos v. 176 fj ^a kXutiIiv dvdipuiv i|i€uc9€ka 
buipoic. weiter wird aber jetzt auch das bucjüiopoc in v. 1203 klar: 
da mit oöre t^^kuv aviXüuv usw. ein neuer choreut das wort er- 
greift, so sorgte der dichter durch biicjüiopoc dafür, die abhftngigkeit 
der accusative von dem dK€ivoc . . V€i^€V in der erinnerung zu hal- 
ten, gerade so wie in dem verse 177 das i|i€uc9€ica dazu dienen soll, 
das subject ^ApT€^lC in das gedSchtnis zurückzurufen, auch ^bs 
KeTvoc T&p ^7i€pC€V gewinnt durch annähme von einzelchoreuten. 
Morstadt hat richtig herausgefühlt dasz eine volle interpuncüon 
nach diesen werten abgeschmackt ist : sie hängen mit dem folgen- 
den genau zusammen, kaum hat der dritte choreut des zweiten 
ZuTÖv das dvOptliTrouc beendet, so fällt anaphorisch schon ein näch- 
ster ein:, KeTvoc oCre CT€9dvujv ofire ßaOeiäv kuXikujv usw., wobei 
diese spedalisierung des ^TT€pC€V dvOpuinouc wieder an homor 
streift: ohne die ku\ik€C ßaOeiai fühlt der biedere schiffsmann das 
iT^pOeiv dvOpi&TTOUC, das biaircrröpdrmai auch auf sich angewendet, 
wer eine so individuell gefllrbte anwendung im munde einer ganzen 
schar ebenso passend findet wie seitens eines einzelchoreuten, mit 
dem wird freilich schwer zu streiten sein.*^ Morstadt wird recht 
haben mit der forderung KeTvoc (statt ^KeTvoc) v. 1199 herzustellen, 
aber unrichtig wollte er (gerade wie Triklinios) das Kttl in der 
gegenstrophe tilgen. • das richtige ist , vielmehr auch in der strophe 
eine bestätigende partikel einzuführen, beides, die partikel und die 
an dieser stelle anaphorisch gebotene form KeTvoc, dazu eine genaue 
responsion mit der antistrophe, das alles gewinnt man aus dem 
überlieferten ^KeTvoc, nemlich durch f| KeTvoc oCre CTe9dvuiv | 
oÖTe usw., was vortrefflich der gegenstrophe entspricht xal trplv 
piv ai^v vuxiou usw. aUv vuxiou schreiben wir mit Wolff statt 
ivvuxiou, Dindorf iE ^vvuxiou. 

Zum beginn der exodos lesen wir bei Morstadt ao. s. 47 die 
richtige bemerkung: *bei dem nächsten , auftreten des Teukros 
V. 1223 ist mir unbegreiflich, wie er seine rede, die zu dem eben 
beendigten chorgesange in gar keiner beziehung steht, mit xal |ur|V 
«doch» anfimgen kann.' die frage die Morstadt danm knüpft: 'ist 
vor dieser rede etwa eine anrede de^ Chorführers an den eintreten- 
den Teukros ausgefallen?' berührte des vf. eigenstes gebiet, sie 
wäre zu verneinen gewesen, denn wenn es für den Zuschauer vnrk- 
lich einer abermaligen Vorstellung des zurückkehrenden Teukros 
bedurft hätte, so war diese schon in der folgenden anrede durch 
Agamemnon vSllig hinreichend gegeben: c^ toi, töv dK Tf^c alxpa- 
XujTiboc, X^Tui usw. das Kai |if|V ist eine unstatthafte, hier einge- 

* wie harmlos selbst berafene textkritiker heute deiig^leichen 
dinge noch abthun, ms^ der tiefsinnige einwand Weckleins lehren 
(philol. ans. 1877 s. 290): ^wir denken, das verlangen nach lied, Hebe 
und wein stebt auch dem ganzen matrosenchor gat an'! 



OHeDM: aoE. v. ChMu£b chorischer technik des Sophokles. 23 

dmogene reminisoenz ans dem beginn der unmittelbar yorhergehen- 
den rede des Teukros v. 1168 kqI ^f)v de aÖTÖv xaipöv . . irdpciciv, 
wo die Partikeln ebenso richtig wie an unserer stelle verkehrt sind. 
wahrscheinlich schrieb der dichter (1223) : 

träpeifi'* ibdiv Jcireuca töv crpaTnXärnv 
'Ata^ilivov* fi^iv Ö€Öpo TÖvb' öp^iii^cvov * 
Ueh bin zur stelle' und vielleicht auch mit der vertieften be- 
deutong *ich bin bereit die sache desAias zu vertreten.' 
diese emendation erfattlt eine gute bestätigrung durch die worte des 
Teokroa am schlusz v. 1413, wo er die zusammenfassende aufforde- 
rong ergehen Utozt: dXX' är^ iräc, (piXoc öcnc dvfip | (pnd irap- 
iivai, coucGui, ßdrui usw. 

In den absugsanapästen gibt Teukros einen deutlichen finger- 
wig, wie der auszug des chors zu denken ist. drei gruppen 
unterscheidet er in seiner rede, denen er ebenso viele verschie- 
dene befehle erteilt: dXX* oi ^iv KoiXiiv xdireTOV | x^pci Taxu- 
vore, Tol 6' ii^lißaTOV | Tpinob' d^cpiirupov XourpiXiv öciuiv | 
6^c6* diriicaipov' | ^ia b' 4k KXidac dvbpi&v X\r\\ töv önacnibiov 
icöcMOV qpcp^ui — dh. die aufstellnng geschah nicht wie in der pa- 
rodos Kord luj&y sondern KCrrd croixouc, oder wie der dichter es 
nennt kgt' IX ac. man darf sich nur nicht etwa durch die anrede 
der Tekmeasa 803 ff. vor der metastaais teuschen lassen, wo unter 
dem o\ iiiv vielmehr die diener der Tekmessa und der böte zu ver- 
sieben sind; denn der chor teilt sich dort in zwei hfilften. wie M. die 
CTOixoi als solche hat flbersehen können, ist auffallend, insofern er 
die bedeutung der worte dXX' &fe ndc (1413) sehr richtig erkannt hat. 
nach der anrede setzt sich der chor KQTd croixouc in bewegung; wfth- 
rend der vier dimeter, die Teukros an Eurysakes richtet, haben die 
CTOixot die btthne, auf die sie lossteuern, noch kaum erreicht; daher 
treibt Teukros in einer neuen, den ganzen zug zusammenfassenden 
anrede zur eüe: dXX' äx€ irfic, qpiXoc 6cTic dvfip | q>T|cl iropctvai, 
coucfiui, ßdrui, I v^' dvbpl iroviiiv usw. der chor besteigt die bühne 
— darin stimme ich mit If . völlig flberein •— und bildet den loichen- 
mg^ wie der scholiast sagt: irpon^^irouci rdv vcKpöv, xal xivcrat 
Soboc irp^irouca ti|i X€ii|fdvi|i. 'weehalb der dichter in diesem 
£ü]e die llngeren, ins äuge fallenderen, übrigens durch den flöten- 
spieler noch verstftrkten glieder bevorzugte, das ist bei dem parade- 
sBfirag einer pompe fnndbre leicht verstttndlich' (der chor des Soph. 
S.6). 

Yen hier aus war die ansieht Naucks zu modificieren, wonach 
die ganze stelle 1403 — 1408 'möglicher weise' spftter eingeschaltet 
iit wir erkennen jetzt dasz die verse nicht auszuscheiden, wol aber 
n ecnrrigieren sind, berechtigten anstosz gab zunflchst rol hk statt 
ol bt, eane form die sich sonst nur in lyrischen partien der tragödie, 
nifgcttds jedoch bei Sophokles findet. Ich stimme ganz mit Nauck 
flbmin, dasz 'der ursprfingliche text ungeschickt erweitert' ist. 
«■hneheinlich gab dar dichter nur: 



24 OHense: anz. v. ChMufEs chorischer tecbnik des Sophokles. 

. . dXX* CÜ ixkv KdTTCTOV KoiXiiv, 

o^i b' äi|iißaTOv Tpmob' djucpiirupov 

XouTpwv 6ciu)V O^cO' dniKaipov ' 1405 

jüiia b' dx KXiciac ävbpujv X\r\ 

TÖv urracTtibiov köcjüiov cpep^Tiü. 
dh. das vom dichter mit absieht nachgestellte KoiXiiv stand hier in 
demselben prädicativen sinne zu KarrcTOV , wie djüi9iTrupov zu Tpi- 
TTob', und 6^c6' ist ebenso zu jenem wie zu diesem zu ziehen, die 
kürze des ausdrucks oder auch der umstand dasz sich KoiXilV Kdire- 
TOV statt Kdrierov KoiXiiv eingeschlichen hatte, veranlaszte dann 
den metrischen corrector das (x^pci) Taxuveiv aus 1164 unpassend 
heraufzunehmen und weiter das o^i b* in Toi b'' abzuändern, oben 
V. 1165 handelte es sich nur um das ausfindigmachen (lb€iv) der 
kciXt] Kd7T6TOC, WO das dem KdTrcTOV vorangehende KoiXnv nur epi- 
theton ist, hier um die weitere herrichtung, daher kciXtiv prädicativ 
zu fassen, vielleicht schlich sich auch in v. 1403 die veränderte 
Wortstellung in erinnerung an v. 1165 ein. 

Aus dem. q)iicl nopeivai, dem asyndetisch drängenden cou- 
cOu), ßdiu) vemimt man deutlich den groll des mit dem verhalten 
des chors so wenig zufriedenen Teukros. auch sonst fehlt es nicht 
an Seitenblicken auf die energielosigkeit des chors. zu Odyssens sagt 
Teukros 1384: |iövoc Tiap^CTiic x^pcivoöb'^rXiiCTrapuivusw., 
während oben 348 Aias die schiffsmannen angeredet : iih q)iXoi vau* 

ßdTQl, ^ÖVOl £jiÜJV (piXUJV, I liÖVOl ix* £|ül^^VOVT€C öp6ip VÖ^^i, 

3601:^ TOI, c^ TOI ^övov b^bopKa irrmovdv dTrapK^covT'. welche 
Wandlung sich aber mit dem chor seit der krankheit des Aias voll- 
zogen, wie auch die chorischen Charaktere in steter entwicklung be- 
griffen sind , wie uns der dichter diese Charaktere mit wenigen aber 
bestimmten zUgen vor die anschauung führt, wie er die chorische 
technik regelt lediglich nach dem bedürfnis der dramatischen com- 
Position — über diese puncto haben wir an anderer stelle, wenn 
auch nur in aller kürze gesprochen, die breitere, vollere ausführnng 
des chors im Aias berührt richtig CFriederichs ^chorus Euripideus 
comparatus cum Sophocleo' (Erlangen 1853) s. 7: 'video enim et 
in antiquissima Sophoclis fabula et in novissima, in 
Oedipo Coloneo, chorum non solum de actoribus rebus- 
que quas agunt verba facere, sed etiam suas res curare 
suisque de miseriis queri. nam neque in iis fabulis quae sunt 
Sophoclis et totius artis graecae quasi exemplaria, in Antigona«. 
Oedipo Bege, Electra neque in Traohiniis et Philocteta nmquam 
deprehendimus chorum de suis rebus dicentem' usw. in der that 
sind der Aias und der Oidipus auf Kolonos nach selten der behand- 
lung des chors zwei völlig singulare stücke, dort war es die Organi- 
sation des chors von zwölf personen, dieser Aischylischen Schöpfung, 
welche dem dichter eine heitere führung noch gestattete; im Oidi- 
pus veranlaszte ihn der an sich undramatische stoff zu einer in dem 
chore von fünfzehn personen so unerhörten anspannung der chori- 



OHeoM: ans. y. ChMuffs chorischer technik des Sophokles. 25 

sehen kiflfte , dasz das stück bei lebzeiten des dichtere überhaupt 
nicht zur aofflllirang gelangte. 

• 2. Antigene. 

In der diathesis der parodos folgt der vf. der herkömmlichen 
ansieht: Tgl. Schneidewin-Nauck* zu v. 110 — 116. Brambach metr. 
Stadien zn Soph. s. 141 : 'der eigentliche marschtypus, der anapäst, 
ist nicht für die vom geaamtchor vorgetragenen Strophen 
verwendet, er tritt nnr bei dem einzelvortrag des chor- 
fahr er 8 ein.' ebd. s. 143. ders. 'die Soph. gesftnge metrisch erklärt' 
s. 123. Böckh über die Antig. des Soph. und ihre darstellung auf 
dem k. schlosztheater im neuen palais bei Sanssouci (Berlin 1842) 
s. 93: 'die durchfÜhrung dieser composition (recitativ des chor- 
fthren) für aUe anapästischen Systeme, namentlich für die in den 
mittlem teilen der parodos, würde unseres erachtens eine sehr 
schflne abstofong gegen den vollen chorgesang in den lyrischen 
Strophen und gegenstrophen geben/ 

Die diathesis des ersten epei^odion wie auch des ersten 
Itasimon hat nnsem beifall. hinsichtlich des ersten epeisodion 
orteilt der vf. richtig s. 95: 'dasz alle diese verse vom Chorführer 
rentiert sein müssen, liegt auf der band.' 

Was die behandlung der stasima betrifft, so sei hier noch ein- 
mal daran erinnert, dasz der vf . den hemichorienvortrag von strophe 
nnd antistrophe im wesentlichen auf grund des gedanklichen oder 
aoch formalen parallelismus zu erweisen sucht, ohne dasz ihm das 
Tmzureichende dieses argumentes verborgen blieb, der vf. tritt in 
diesem puncte 'mit keinem fertigen resudtate' (s. 27) hervor, die 
baft einee wissenschaftlichen bewebes wird man jenem momente 
um so weniger zugestehen, als es, wie der vf. selbst einräumt, seiner 
natnr nach dehnbar und disputabel ist. ref. glaubt indessen einen 
stringenten beweis für den hemichorienvortrag von strophe und 
antistrophe derjenigen stasima erbracht zu haben, die von einem 
chore von fünfzehn personen vorgetragen wurden, und zwar in 
einer abhandlung, auf die schon oben (anm. 2) hingewiesen wurde, 
ich trete daher in diesen beweis hier nidit von neuem ein und bringe 
das betreffende material nur da vor, wo es der beleuchtung des Zu- 
sammenhanges der einzelnen teile dienen mag. 

Im zweiten epeisodion hat der diditer das bedürfnis den 
eher za beschäftigen, ihn nicht völlig teilnahmlos zu lassen, der 
Tonmrf der Antigene v. 505 el iii\ T^uiccav ^tkXi^oi q)ößoc trifft 
die energielosigkeit des chors, der v. 471 f. mehr im sinne des 
Kmm als in dem der Antigene sich geäuszert hat. nun soll der 
kuyphaioe nach der von Muff acceptierten Vermutung Wolffs in 
▼. 506 t diesen Vorwurf durch den hinweis auf die allgewalt der 
tynonis abschwächen, während A Jacob die fragliehen worte athe- 
tiert hatte, 'man denke daran' sagt M. s. 99, 'mit welcher ent- 
Khiedenheit Kreon 280 ff. dem chor seine schwankende haltung 
vorgeworfen hat; so anerkennend, wie er 508 und 510 von ihm 



J 



26 OHense : anz. vi ChMu£& chorischer technik des Sophokles. 

spricht I könnte er nicht sprechen, wenn derselbe nicht mittlerweile 
seine Unterwürfigkeit bezeigt hätte, und das geschieht in jenen 
zwei yersen.' ' wir erwidern, dasz gerade v. 508 und 510 cu toOto 
poüvT] Tujvbe Kab)Li€iuiv öp^c und cii ö' ouk dTraibei, Tuuvbc x^P'^c 
ei 9poveic ; den besten beweis abgeben können, dasz der kor jphaios 
den Vorwurf der Antigene ei jiif) T^ujccav dxKXigoi q)ößoc durch 
sein schweigen bestätigt hatte, dazu kommt dasz die werte dXX' f\ 
Tupavvk TToXXa täXX* etjbaijüioveT | xäEecTiv auT^| öpäv \ife\y 9* 
& ßouXerai ein so widerwilliges anerkennen der herschermacht, ja 
einen so provocierenden hinweis auf den misbrauch derselben ent- 
halten würden, dasz Kreon eine derartige bemerkung schwerlich 
ungerügt gelassen hätte, weiterhin würde durch das dazwischen- 
stehen des fraglichen gemeinplatzes auch die vom dichter offenbar 
beabsichtigte gegensätzliche bezüglichkeit zwischen TOUTOtc toOto 
irSciv dvbdveiv X^toit' Sv usw. und cü toOto ^ouvt] Tujvbe Kab- 
jüieiujv öp^c Yerloren gehen, womit natürlich nicht ausgeschlossen 
ist, dasz in toütoic toOto vielleicht noch ein fehler der Überliefe- 
rung verborgen ist. ja die werte des Kreon cu toOto ^0ÜVT] würden 
sogar einem misverständnis unterworfen sein, was Dindorf in der 
dritten Oxforder ausgäbe zdst. bemerkt: ^post hos versus parum 
apte sequuntur verba Creontis cu toOto ^ouvrl TiZivbe Kab^eiiuv 
6p^c, quasi Antigona prima viderit quod centeni ante eam et cogita- 
verant et dixerant, TUp&vvoic Öeivai bpSv X^T€iv b* S ßoüXovTai.' 
wenn M. aus dem ausdruck in v. 509 cd V UTriXXouct CTÖjyia den 
schlusz zieht, dasz der koryphaios so eben eine äuszerung gethan 
haben müsse, so liesz er sich durch die paraphrase des schoUasten 
f{ crp^cpouci Touc bia toO CTÖ^aTOC Xöyouc (*mit der rede ein- 
lenken' versteht M.) teuschen. man hat sich vielmehr au die 
erstere erklärung des scholiasten zu halten: bi& hk ck xö CTÖ^a 
cucT^XXouci Kai Ciujtrujctv *dir schmiegen sie den mund und schwei- 
gen unterthänig'. das ÖTiiXXeiv wird eigentlich vom einziehen und 
unterschlagen des Schwanzes der thiere gebraucht und ist hier auf 
das CTÖ^a übertragen, wie schon bei Schneidewin - Nauck richtig 
erklärt wird; es ist nur ein synonymen für ^schweigen' mit dem 
nebenbegriff der unterthänigkeit und feigheit, für xXaiccav dTKXi^eiv. 
der koryphaios darf also gar keine äuszerung gethan haben. 

Schon oben v. 213 f. vöjnqj bt XP*^cOai iravTi coC T* fvccxi 
1T0U I Kai TWY OavövTUJV x^TTÖcoi ZOLijuev Ti^pi hatte sich der koiy* 
phaios wenn auch widerwillig der machtstellung des herschers ge- 
fügt. V. 278 f. wagt er es noch die bestattung des Polyneikes als 
das werk der gottheit zu bezeichnen , aber der zomesausbruch des 
Kreon läszt ihn jetzt vorsichtig werden: er unterwirft sich wenn 
auch widerwillig dem machtgebote des forsten: v. 381 ff. 471 f. 
erst der anblick der Antigene in dem momente, wo sie in das grab- 
gemach abgeführt werden soll, bringt ihn aus seiner gesetzlichen 
haltung V. 801 ff. vuv b' 1\br] iyuj koutöc Oec^vuv | £Sui q>^po^ql 
r&b* öpaiv usw. 



OHenae: am. v. ChMufis chorischer technik des Sophokles. 27 

Noch bleiben zu bespiechen v. 574 und 576, die Böckh, wie 
such M. ausführt, unzweifelhaft richtig dem chore zugeteilt hat. der 
Tf. gibt sie beide dem koryphaios. hier war die frage zu erwägen, ob 
lieht Tielmehr die beiden parastaten Yom dichter beschäftigt wur- 
den, dasz diese möglichkeit zunächst gedanklich gegeben ist, dürfte 
zDsngeben sein, sehen wir auf das letztvorausgegangene iambische 
|i€T€Ooc des koryphaios, nemlich v. 471 f., so würde sich dasselbe 
n den am Schlüsse des epeisodion auflaretenden |li€T^6ii der einzel- 
Den parastaten verhalten wie 2 : 1. dieses Verhältnis der ixejiQt\ 
wtre hier nach einem in der Sophokleischen technik herschenden, 
Kfaon oben kurz berührten gesetze das allein statthafte, insofern 
dar ehorische kOrper aus der halbchorstellung des vorausgehenden 
fiUsinion in die tetragonalstellung übergegangen war, nemlich wäh- 
rend der anapäste des koryphaios v. 376 — 383. wo aber Sophokles 
die paiBstaten innerhalb eines epeisodion in tetragonalstellung be- 
lebiitigt, hat er das bedttrfnis das Verhältnis des korjphaios zu den 
pinstaten durch die ^€T^^ <ler lexis und zwar durch das Verhältnis 
▼on 2 : 1 zu differenzieren, insofern dieses Verhältnis des koryphaios 
xn den parastaten dem äuge nicht sichtbar wurde wie in der halb- 
ebonteilung. damit würde sich also das übrigens auch von änderer 
leite anfechtbare argument Hermanns erledigen: 'chorus si hie 
loqoeretor, duos minimnm versus haberet.' aber der kenner dieser 
diage würde mit recht einwenden, dasz die gruppen v. 471 f. und 
574 imd 576 rftumlich oder zeitlich zu weit aus einander liegen, als 
^ui man sie nach dem erwähnten gesichtspuncte zu einander in be- 
aeboag setzen dürfe, ja dasz mit dem dazwischen liegenden auf- 
treten der Ismene (7. 526 — 530 eintrittsanapäste des koryphaios) 
«ine neue chorische figur beginne, und dieser einwand ist 
begründet: der vf. wird in der that mit dem ansetzen des koxy- 
pÜos, der hier noch zwei warnende worte einschiebt , das rechte 
gvCroffen haben. 

Wolff bemerkt, dasz der einwand und das mitleid, dasz in 
ci€|%€ic li^e , für den chor nicht passe, aber die auszerordent- 
Uw vorsieht, die gerade hier der chor an den tag legt, ist von M. 
S^ hervorgehoben s. 100: *bei seiner eigentümlichen mittelstellung 
9ß(kie er der Antigene helfen und doch dem kOnige nicht offen 
videnpreehen. da &szt er d6n punct ins äuge, in dem sich beider 
iiWnisen berühren: soll dein eigener söhn, so fragt er, einen so 
POtten Verlust erleiden? bei dieser fragestellung konnte der kOnig 
^ chore nicht zürnen.' 

Die iextkntischen bemerkungen zu dem anapästischen System 
€K C anf s. 103 lassen uns unbefriedigt; wir sind vielmehr durch 
& TOB Dindorf in der ed. Ozon, ufid von Nauck beigebrachten be- 
^*f^ 9V^ ^ ficXXoT^ou und ändrac Xcx^uiv von der unecht- 
^ ueh dieeer worte überzeogt worden. 

Im dritten epeisodion hat der vf. die diathe8i8Vonv.766f. 
l^ovyphaioa), 770 (erster parastat), 772 (zweiter paraatat) richtig 



28 OHense: anz. v. ChMuffs chorischer technik des Sophokles. 

erkannt, wie schon der vf. bemerkt, war der chor wiedenim wäh- 
rend der anapftste des koryphaios, mit denen das auftreten des Hai- 
mon angekündigt wird (626 fif.), aus der halbchorstellmig in die 
tetragonalstellung übergegangen; daher, fügen wir hinzu, das Ver- 
hältnis der chorischen ^V(iQr\ von koryphaios zu parastaten wie 
2:1:1 geregelt ist. durch die am Schlüsse des dritten epeisodion 
eintretende Verwendung der beiden halbchorführer wird der Zu- 
schauer auf die nun erfolgende lyrische beteiligung der beiden halb- 
chöre im dritten stasimon vorbereitet. 

Die parodos, das erste, zweite, auch das vierte stasimon hat 
zwei Strophenpaare, nicht so das dritte, wenn sich hier nur 6 in 
Strophenpaar findet, so findet diese kürze ihre erklärung in dem 
auftreten der Antigene, wir haben hier ein abgebrochenes 
stasimon vor uns. es ist genau dieselbe composition wie im 
dritten stasimon der Elektra, im dritten des Oidipus Tyrannos, im 
ersten der Trachinierinnen. ich habe über diese classe von stasima 
gesprochen ^chor des 8oph.' s. 15 f. der vf. thut ganz recht daran 
dasz er im einklang mit den Vorschriften des Aristoteles den fol- 
genden kommos zum vierten epeisodion rechnet; consequenter weise 
hätte er dann freilich auch die eintrittsanapäste schon dazu rechnen 
sollen (vgl. 8. 97 'zum stasimon gehören diese anapftste nicht mehr'), 
aber man darf nicht vergessen dasz der kommos sich auf das engste 
an das stasimon anschlieszt , ja dasz die kürze des stasimon erst in 
dem auftreten der Antigene und dem dadurch hervorgerufenen 
kommos ihre erklärung findet, daher denn auch das abbrechen 
durch den koryphaios v. 801 ff. vOv b* fibx\ tfih KatJTÖc Oecfiüjv | 
l£ui qp^po^ai r&b' öpuiv usw., als er der Antigene ansichtig 
wird , die in ihre grabkammer abgeführt werden soll, trefflich ver- 
steht es der dichter auch hier das interesse an dem auftreten der 
Antigene dadurch zu steigern, dasz er jetzt während der hinweisen- 
den anapäste des koryphaios den chor eine Veränderung seiner 
Stellung vernehmen läszt: die beiden halbchöre schlieszen sich und 
stellen sich, wie der vf. sehr richtig bemerkt, in CTOIXOI der bflhne 
gegenüber auf. bei Sophokles geschieht keine bewegung, keine Ver- 
änderung des chorischen körpers, die nicht durch die handlung be- 
dingt wäre, hiebt mit ihr in lebendiger Wechselbeziehung stände, 
entsprechend dieser chorbewegung nach der bühne zu erOffiiet denn 
auch Antigene den kommos mit dem direct an den chor gerichteten 
rufe öpäT* lix\ (ü j&c narpiac iroXiTai usw. so weisz der dichter 
den chor gleich beim beginn des epeisodion in die Vorgänge der 
bühne hineinzuziehen und jeden schein der teilnahmlosigkeit von 
ihm fernzuhalten, schon diese stelle kann uns von der richtigkeit 
der beobachtnngen des vf. am Schlüsse der früheren stasima über- 
zeugen: auch V. 376 (s. 97) und 626 ff. (s. 103) geht der eher aus 
der halbchorstellung in die Kord CToixouc über, in unserem kommos 
hat schon Hermann treffend auf die fün&ahl der chorischen abschnitte 
und die gelungene individualisierung der einzelchoreuten hingewie- 



OHense : anz. y. ChMaffs .choriscber technik des Sophokles. 29 

MO. M. bemerkt richtig, dasz es die fOnf choreuten des ersten stoi- 
cbo« , die aristerostaten waren. 

Die bemerkungen auf s. 24 meiner schrift (*auch sonst . . zu teil 
vizd') bedflrfen einer wesentlichen modificierung. es war falsch, 
wenn ieh im anschlusz an die Überlieferung dem zweiten para- 
mten (834 C) ein kürzeres sjstem zuweisen wollte, als vorher 
dem «rsten zugefallen war (817 fif.). yielmehr musz beiden para- 
staten ein gleiches iiiftBoc (wahrsdieinlich von sechs dimetem) zu- 
gewiesen werden, der fehler meiner aufstellung besteht darin , dasz 
icfa eine sonst nicht nachweisbare abstufiing zwischen dem ersten 
Qjid zweiten parastaten hier erkennen wollte, und der letzte grund 
dieses bestrebens war die schon oben als irrtümlich bezeichnete 
identaficierung des zweiten parastaten mit einem hier gar nicht in 
trage kommenden tritostaten. mag die endliche herstellung des so 
Terderbten Systems 834 ff. gelingen oder nicht (ftbr \ilj* dxoCcai 
Tcmrate ieh iiif* fixoc ^ndXcT^i): in keinem falle durfte von mir 
die nach der Überlieferung geringere ausdehnung dieses Systems 
(gegenüber 817 — 822) für eine abstnfung zwischen erstem und 
zweitem parastaten ausgebeutet werden, wir befinden uns, wie der 
rf. riehtig sah , in der figur der aristerostaten. während der ana- 
plste (t. 801 — 805), mit denen der kotyphaios das preislied der 
hemichorien auf die macht des Eros abbricht , geht der chor aus der 
halbeborstellung in die tetragonalstellung über, wenn der dichter 
dem koTTphaios nur fünf anapästische dimeter (801 — 805) zuteilt, 
wihnnd die parastaten aller Wahrscheinlichkeit nach je sechs erhiel- 
ten, so liegt der grund hier allein, wie ich dies schon an anderer stelle 
hcrroibob, in dem zurücktreten des koryphaios, in dem fassungs- 
losen schmerze des mannes , der seine thränen nicht zurückhalten 
kon. nach den ankündigungsanapästen 801 — 805 , in welchen er 
ans sogleich den seelischen grund seines Schweigens kund thut, be- 
teiligt sieh der koryphaios an dem nun von der Antigone begonne- 
nen kommos überhaupt nicht, wenn er sich nemlich neben den 
panstaten überhaupt beteiligte, oder mit anderen werten, wenn die 
snkflndignngsanapäste 801 — 805 schon mit zum kommos zu rechnen 
wären , so müste nach dem noch oft zu erwähnenden festen gesetze 
der Sophokleischen technik sich das ^^t^Ooc des koryphaios zu dem 
da* panstaten wie 2 : 1 verhalten (da wir uns in der tetragonal- 
itdlnag befinden), ein Verhältnis dem durch die fünf dimeter des 
kofyphaioe in keiner weise genügt wird, wir müsten vielmehr zwölf 
«rwarten« man vergleiche die nächste chorische figur nach dem 
aoftreten des Teiresias. also der kommos beginnt, wie auch 
der vf. ganz richtig annimt, erst mit dem auftreten der Anti- 
gone 806 £, während dessen der schmerz des kory- 
phaios ihn schweigen läszt, und nur die parastaten 
oad der vierte und fünfte choreut (dh. die aristerostaten 
mit aaanahme des koryphaios) zu worte kommen, der dichter 
^«mtzt den schmerz des dem herscherhause näher stehenden mannes 



30 OHenBe: anz. v. ChMuffs choriecber technik des Sophokles. 

am ihn für längere zeit zu entlasten, 'eher des Soph.' s. 25: 'auch 
nach der langem schluszrede der Antigene verharrt der korTphaios 
noch in stommem schmerze, daher am ende dieses epeisodion der 
seltene fall eintritt, dasz die beiden parastaten allein beschäftigt 
werden.' 

Mit vollem rechte acoeptiert der vf. nach dem vorgange Diu- 
dorfs na. die athetese Hermanns in v. 929, sowie die von Böckh 
vorgenommene Verteilung der verse 985. 936. schon der scholiast 
schwankt : f^ ö x^pöc X^T^i , die ToO Kp^ovTOC )xi\ ^€Ta7teic6dvTOC 
aber kaum richtig gibt der vf. sowol 929. 930 als auch 935. 936 an 
den koryphaios. derselbe mann, der noch eben von der sdhmerzlich- 
sten teilnähme bewegt den thränenstrom nicht zurückhalten kann 
(801 ff.), wird sich jetzt schwerlich zu so indifferenten bemerkongen 
verstehen wollen, wir haben uns den koryphaios vielmehr noch im- 
mer in seinen schmerz versunken vorzustellen, darin wird ref. das 
richtige gesehen haben, den einwand M.s gegen das ansetzen der 
parastaten, dasz nemlich die chorischen kola sich nicht völlig genau 
antistrophisch decken, halte ich nicht ftlr stichhaltig, der erste 
parastat sagt: In tujv auTUJV dv^fiwv PvnaX \ Tfjvbe t' ^XOiiciv, und 
ungeduldig fUhrt Kreon fort: TOi T<ip TOi xal ToTciv äyouciv | icXau- 
^a6' uiTdp£€i ßpabuTT^TOc {hrcp. dasz sich nun Antigene in der form 
ihres wehrufs (oTmoi, GovAtou toOt* iTT^TÖtTUi | TOÖnoc ÄqpiKTai) 
vielmehr an das wort des ihr sympathischeren geronten anlehnt 
statt an das des durchaus feindlich gesinnten Kreon, das ist psycho- 
logisch durchdacht und begründet: so bleibt ftbr den zweiten para- 
staten nur übrig für das wort des Kreon ein antistrophon zu geben. 

Die chorische figur, welcher wir im vierten epeisodion begeg- 
neten, wiederholt sich im fünften, jetzt aber mit beteiligung auch 
des koryphaios. während des aufbretens des Teiresias stellt sich der 
chor der bühne gegenüber Kord croixouc auf. diese Veränderung 
der Stellung ist motiviert durch das auftreten des sehers , der die 
choreuten gleich durch seine anrede (öfjßiic ävaicrec) in die Vor- 
gänge der bühne hineinzieht, der chor übt hier bestimmenden ein- 
flusz , wir befinden uns in der peripetie. die Verwendung der ftjif 
aristerostaten , wie sie M. hier aufdeckt , ist vortrefflich motiviert, 
doch wird man der Stellung der parastaten und ihrem bekannten 
Verhältnis zum koryphaios nur so rechnung tragen, wenn man ihnen 
die distichen zuteilt, ref. gab die richtige anordnung 'chor des 8oph.' 
8. 24 : 4091—1094 koryphaios, 1098 vierter choreut, 1100 f. erster 
parastat, 1103 f. zweiter parastat, 1107 fünfter choreut.' erst so 
verhält sich das jidTcOoc des koryphaios zu dem der parastaten wie 
2 : 1 («=s 4:2), wie wir dies in der tetragonalstellung durchgängig 
beobachten werden, der grund, der den dichter zu dieser festen an- 
ordnung bestimmte, liegt in dem bedür&is die verschiedenwertige 
Stellung der führer dem Zuschauer auch in der tetragonalstellung 
wenigstens hörbar zu machen, vgl. *chor des Soph.' s. 19: 'genau 
erwogen, in dem Verhältnis von 2 : 1 erhält der koryphaios das 



OHense: anz. y. ChMofEs chorischer teohnik des Sophokles. 31 

doppelie des chorischen anteils als ein halbchorführer. das ist kein 
mttsziges architektonisches spiel: erst diese gemessene abstufung 
ruft nns immer von neuem and wirksam ins gedftchtnis , dasz diese 
Personen auch in der tetragonalstellung nicht für sich allein , son- 
dern der eine im namen der gesamtheit, die beiden anderen für je 
ein hemichorion das führerwort sprechen.' 

In der ex o dos wird wiederum durch die anrede des angelos 
(Kdb^ou irdpoiKOi xai böjiiuiv *AfA9iovoc) das interesse des chors 
nach der bühne gelenkt : wie im beginn der frühem epeisodien geht 
der chor aus der halbchorstellung des vorausgehenden stasimon in 
die Korrä CToixouc über, auch hier ist die Verwendung der aristero- 
staten für uns einleuchtend erwiesen, ich habe nemlich in meiner 
abbandlnng auf die inneren gründe hingewiesen , die den dichter • 
hier auf eine durchgeführte abstufung der ]iv^i^ verzichten lieszen: 
8. 23 f. unmittelbar nach dem erschütternden botenbericht von den 
nähern vergangen in der felsengruft , wo Eurydike schweigend die 
bahne verläszt (1243), wäre ein abermaliges nacheinander von 
einzelchoreuten ebenso unpassend gewesen, wie nach den noch 
dunkeln, allgemein gehaltenen andeutungen des angelos (1155 — 
1171) durch die stichomythie der aristerostaten die gesteigerte 
Spannung zum rechten ausdruck gebracht wird, mit richtigem tacte 
gibt daher der vf. die verse 1244 f. 1251 f. und 1257—1260 sämt- 
lieh dem koryphaios. 

Mit der behandlung, die der vf. dem schluszkommos hat zu 
teil werden lassen, können wir uns nicht befreunden, wir wollen zu- 
nächst kein gewicht darauf legen, dasz die schluszanapäste des kory- 
phaioe den letztem unmittelbar nach der figur der aristerostaten 
noch einmal beschäftigen würden, aber der tact, den der vf. noch 
eben bewährte , hat ihn hier verlassen, angesichts des Kreon , den 
6in vernichtender schlag nach dem andern trifft, ist es an sich ange- 
messener, wenn der anteil des chors dem koryphaios überlassen 
bleibt; von irgend welcher Spannung, die durch eine erhöhte cho- 
rische beteiligmig hervorgerufen wäre, kann in dieser schluszscene 
keine rede sein, das unglück heischt ehrerbietung und schweigen. 
ich rerweise über diesen punct auf meine abh. s. 26. lesenswert ist 
die darlegung bei Held ^bemerkungen zur charakt. des chors in der 
Antig.' (Bayreuth 1847) s. 23. erscheint der letztere mehr ästhe- 
tische gesichtspunct dem vf. vielleicht zu allgemein , so mag noch 
folgendes erwogen werden, nach der diathesis des vf. sollen die 
parastaten je 6inen stichos, der vierte und fünfte choreut, ebenso 
der koryphaios je zwei stichoi (1326 f.) erhalten, aber ein innerer, 
dh. aus der tiefe der dramatischen entwicklung geschöpfter grund, 
weshalb hier der dichter einmal dem vierten und fünften choi*euten 
das doppelte ji^T^Ooc der parastaten, und in nicht minder abweichen- 
der praxis dem koryphaios ein gleiches ji^T^^oc mit jenen choreuten 
gegeben haben soll, wird vom vf. nicht angegeben und, fügen wir 
hinzu, läszt sich nicht angeben, was uns insbesondere bestimmt 



32 OHenae: anz. v. ChMofifB chorischer technik des Sophokles. 

diese sämtlichen schlaszkommata dem koryphaios zu geben, liegt in 
der chorischen Charakteristik, wie der dichter den koryphaios ins- 
gemein auf eine höhere stufe der intelligenz hebt, so ist es auch in 
unserm stücke fast allein der Chorführer, der entsprechend der 
überall sichtbaren bezüglichkeit zwischen protagonisten und kory- 
phaios fClr die that der heldenjungfrau Sympathie hegt , ja solche in 
gewissen grenzen selbst dem Kreon gegenüber geltend macht, will 
man dagegen erinnern, dasz sich in dem zweiten stasimon auch die 
beiden halbchöre in betrachtungen über das anstreben gegen die 
göttliche Ordnung ergehen, betrachtungen die im weitem auch auf 
die Verblendung des Kreon abzielen , so hat man einerseits zu er- 
wägen, dasz es etwas anderes ist, ob die hemichorien im stasimon 
solche ^für jedermann gültige erwSgungen' yemehmen lassen oder 
ob einzelne choreuten wie die aristerostaten innerhalb der epei- 
sodien in directem verkehr mit den personen der bühne rede und 
antwort stehen, anderseits bemerkt schon Schneidewin-Nauck s. 15 
richtig, dasz sich der chor in jenem zweiten stasimon dieser anwen- 
dung seiner gedanken (auch auf Kreon) vielleicht nicht einmal bewust 
gewesen ist, eine auffassung die im sinne der tragischen Ironie ist. 
sicher ist, dasz es innerhalb der epeisodien vor allen der koryphaios 
ist, der ausgerüstet mit autorität und weiterem blicke dem herscher 
gegenvorstellungen zu machen wagt er ist daher vor allen der 
mann, v. 1270 dem Kreon das vorwurfsvolle wort entgegenzumfen : 
oX\i\ (bc foiKQC 6\^k Tfiv biKiiv ibeiv. im munde eines der übrigen 
aristerostaten wäre dieses wort eine wolfeile inconsequenz , da sie 
sich entweder indifferent verhalten hatten, wie zumeist die para- 
stäten , oder sich gar in directen gegensatz zur that gesetzt hatten, 
wie der vierte und fünfte choreut: 853 ff. Ttpoßäc* in' &xorrov 
Gpdcouc I dipiiXöv ic AiKac ßdOpov | TTpoc^Ttecec , ib t^kvov usw. 
oder 875 cfe b' auTÖTVUJTOC ÄXcc* dpT<i. 

Für die auffassung der Stellung des chors innerhalb des Stückes 
konnten die bemerkungen Gruppes in der Ariadne, besonders 
8. 231 ff. 244 f. mit nutzen verwertet werden, vielleicht hätte M. 
dann auch bedenken getragen , die schluszworte des koryphaios so 
ohne weiteres mit Jacob ua. als *die summe des Stückes' zu bezeich- 
nen (s. 121). eine derartige anschauung, wie sie früher im schwänge 
war, nemlich die abstraction einer derartigen *idee', ist heute ver- 
altet, schon Gruppe bemerkt richtig gegen Jacob : 'er hat es nun 
auszumachen , wenn alsdann etwas ziemlich triviales dem Sophokles 
aufgebürdet wird.' vgl. Schneidewin-Nauck einl. zum Oid. Tyr.^ 
s. 17 f. dasz endlich der vf. auf den gemeinplatz von der schuld 
oder nichtschuld der Antigene (s. 123 anm. 2) nicht noch einmal 
des nähern eingegangen ist, dürfte mancher eher als eine empfeh- 

lung seines buches ansehen. 

(fortsetzang folgt.) 

FBEiBUsa IM Breisgau. Otto Hensb. 



ThBergk: le&efrüchte (zu Heeiodos). 33 

2. 

LESEFRÜCHTE. 
(forUetsang von Jahrgang 1873 s. 35 — 43.) 



V. 
ZU HESIODOS. 

In BorsiAns Jahresbericht für 1874 sind einzelne bemerkungen 
Ton mir tn Hesiodos bald kürzer bald ausführlicher von H Flach 
besprochen, dies kam mir alles so bekannt vor, als hStte ich es schon 
früher irgendwo gelesen, und in der that steht alles dies schon in 
Fliehs ausgäbe des Hesiod. Bnrsian wai' offenbar in Verlegenheit 
wie er die spalten seiner Zeitschrift ausfüllen sollte , sonst würde er 
so oberflächliches geschwätz nicht zum zweiten male haben ab- 
drocken laasen. 

Im prooemium der Theogonie v. 48 verbessere ich dpx6^€vai 
6' upivcGci Ocot XiiTOVT^T* doibf)c, wie Flach bemerkt ^geschmack- 
Toll, aber zweifellos überflüssig', nun, die vulgata XrJTOucai t* 
dotM}c erklttrt KOchlj nach Hermanns Vorgang für ein 'turpissimum 
ntiom'; Xirj^o^ct "^^ äoibf)c, die lesart einiger hss. , offenbar cor- 
rector eines abschreibers der den metrischen anstosz zu beseitigen 
SQcfate, findet Schümann 'wunderlich', und in der that ist diese zwei- 
deutige kürze des ausdrucks bei einem alten dichter nicht nur an 
dch befremdlich, sondern in diesem zusammenhange geradezu un- 
tchicklich« das participium ist unentbehrlich : dieser forderung ge- 
nfigt mein Vorschlag, die jüngeren epiker gebrauchen auch sonst 
den daaÜB statt des pluralis, wofür sich selbst in einzelnen partien 
der Homerischen gedichte belege finden, die form des masculinums 
in dnalis snr Stellvertretung des weiblichen geschlechts zu ver- 
wenden war den Griechen ganz geläufig, aber den abschreibem so 
fremd, dasz aie fast regelmttszig sich in willkürlichen änderungen 
Tcnudien; bei Homer IL 6 378 ward irpoq)avdvT€ (so las Aristarch) 
in irpcKpovcica oder gar in TrpoqKXveicac (mit dorischer Verkürzung 
der endüsilbe, so Zenodot) verwandelt, in dem epigramm auf Pin- 
dan tod heiszt es von den beiden töchtem des dichtere: 'ApTÖOev 
^oc IkovtOy KO^iZouc* £vbo6i KpuiccoC, was nicht mit Böckh in 
KOMtZouc*, sondern in ko^U1ovt(€) zu verbessern ist. nur anflbiger in 
der kritik werden an dieser scheinbaren kühnheit anstosz nehmen, 
ttlbstrerstlndlich bin ich weit entfernt von der alles nivellierenden 
maaier Cobeta und der holländischen kritiker. 

Theog. 252 schreibe ich : 

TTvotäc T€ 2Ia^uiV dv^MUiv cüv Ku^aroXriTi] 
pöa TrpT)uv€i 
ttatt des unpassenden 2Ia6^uiv. Flach zieht die *sehr geschmack- 
YoUe^ verbessemng von Scheer 2!axpiluiV vor. über den geschmack 
ftizi sidi bekaanÖich nicht rechten; indes jene coiyectur bringt 
tUtt des anapästen oder spondeus einen molossus herein (II. € 524 

flr elM«. philol. 1078 hft. 1. 3 



34 ThBergk : leeefrüchte (zu He&iodos). 

dip^juac, 6q)p' ciiöqci ji^voc Bop^ao xai äXXwv | Zlaxpil^iv dv^fiuiv) 
und zerstört den vers, wird daher, trotzdem dasz sie auch SchÖmanns 
beifall gefunden hat, hoffentlich von jetzt an der verdienten Ver- 
gessenheit anheimfallen. 

Wenn ich (kI). 777 mit leiser änderung den richtigen gedanken 
herstelle : 

T^ Top TOI vei vrjuar' dcpcmöniTOc dpdxvric 
fi^ttTOc iK irXeiou, ö t€ Fibpic cuipov d^arai 
statt 8t6 t' ibpic, so dasz die thätigkeit der spinne und der ameise 
gleichmäszig hervorgehoben wird, so hat diese coxgectur Flachs bei- 
fall, weil er selbst später auf denselben gedanken gekommen ist. 
dagegen erscheint ihm 'im höchsten grade verunglückt' die behand- 
lung der schwierigen stelle Theog. 562 : 

Ik toütou öfiireiTa, ööXou jie^viijLi^voc aiei, 

OUK ibibox) ^cXiijci TTUpÖC Ji^VOC dKajidTOlO 

öviiToic dvGpunroic, di im xOovi vaiCTdouciv. 
ich habe hier nur die hsl. lesart ^eXiqct wieder zu ehren zu bringen 
versucht: denn wenn ich um dem Verständnisse nachzuhelfen den 
groszen anfangsbuchstaben empfehle, so ist das keine änderung. 
die mehrzahl der hss. gibt ^eXiijci, einige ^eXioici: da dies völlig 
sinnlos ist, kann ich darin nur ein ganz gewöhnliches versehen der 
abschreiber erblicken, und Flach müht sich vergeblich ab dies zu 
bestreiten, nemlich eben darauf gründet sich die conjector von 
HStephanus MeX^oici , welche in allen ausgaben aufnähme gefunden 
hat und auch von Flach verteidigt wird, ich bemerke darüber: 
*schon die Wortstellung , welche durchaus dem epischen gebrauche 
zuwider ist, hätte davor warnen müssen.' Flach übergeht dieses 
argument, welches er widerlegen muste , mit stillschweigen; diese 
vermeintliche Schlauheit ist aber nur ein unfreiwilliges Zugeständnis, 
ich bemerke femer, dasz ^^Xeoc in der bedeutung ^unglücklich' den 
alt«n epikem unbekannt sei, indem ich auf Aristarch zur 11. K 480 
o\ veiArrepoi M^Xeov rdv dTuxfl , 6 bk *'0|üiTipoc dvrl toO ^ocTa{uJC 
mich berufe und zeige dasz hier unter o\ veurrepoi die tragiker zu 
verstehen sind. Flach sagt, diese behauptang sei 'durchaus uner- 
wiesen', dies ist geradezu unredlich : denn ic^ berufe mich znr er- 
läuterung auf schol. II. TT 336 ÖTi tö ^^Xeov dvTt toG jieX^wc, ^a- 
Ta(u)c. Kai öid Trovröc outiuc ''OfAnpoc XP^^ai' o\ bk TpafiKol im 
ToC olKTpoO Ka\ TdXavoc, kqi f) cuvi^Oeia, npöc oCc kqI f) cimeiuicic. 
also Aristarch kennt kein ^eX^oict bei Hesiodos. ^ 

Flach behauptet freilich, diese lesart habe bereits der scholiast 
vor äugen gehabt, und HStephanus habe den scholiasten 'genauer' 
gelesen als ich : denn die werte OÖK £öuiK€ TOic dvGpiuTtoic tö TTUp, 
uicTrep ouö^ töv €UX€pf) ßiov hätten eben fAcX^oicizur Voraussetzung. 

* es ist reine willkür, wenn Flach ol vciliTCpot schol. H. K 480 auf 
Hesiodos besiehen will, indem er sich auf schol. Hes. Theog. 338 be- 
raft, wo gesagt wird, der name NetXoc beweise dasz Hesiodos jünger 
sei als Homeros. 



ThBergk: lesefrüchte (zu Hesiodos). 35 

uf die kaust geister za eitleren versteBe ich mich nicht , weisz also 
EQch nicht, ob gerade die lectttre der scholien den groszen französi- 
schen Philologen za dieser nahe liegenden correctur veranlaszte. 
Flach aber geh5rt offenbar za dem argosäugigen geschlecht der mo- 
dernen Philologen , die alles was sie gerade brauchen zwischen den 
Zeilen lesen and darttber die f&higkeit das geschriebene wort ein- 
fach zu yerstehen vOllig einbüszen. der schoUast vergleicht die vor- 
liegende stelle der Theogonie mit der entsprechenden Schilderung der 
Werke and Tage: auf die werte der Theogonie ouK £6ibou bezieht 
feich das erste Satzglied, auf die in den WuT. gebrauchte Wendung 
icpui|>(iVT€C t^ £x<>vc^ ^01 ßiov und Zei)C £ Kpu\|i€ geht das zweite 
sstigUed.' dieser scholiast gibt also über die lesart unseres verses 
keinen aofschlusz, und ich denke jeder unbefangene erkennt, wer 
Ton ans den scholiasten zu lesen versteht. 

Das folgende scholion: ^eXioici hi, fJTOi toTc dvOpuiTTOtc, i) Ön 
Ix McXuDv dT^vovTO NuM9uiv, f\ öti T€VVC&Mevoi dpp{7rrovTO öttö 
latc ficXiatc 6 den bdvbpoic fahrt unzweifelhaft auf die lesart ^6- 
Xii}ci, nur ist, wie ich schon früher bemerkt habe, ff toi in fix du v 
ra verbessern.* in beiden s&tzen ist äv9pU)Troi subject. der gram- 
matiker gibt einen zwiefachen grand an, weshalb der dichter das 
mensdiengeschlecht mit dem ausdruck ^eXiai bezeichne, er trägt 
alio nicht verschiedene erklftrungen des teites vor (denn ^eXtai ist 
ihm unter allen umständen gleichbedeutend mit ävBpuiTTOi), sondern 
llttt nur unentächieden , welche anschauung diesem Sprachgebrauch 
m gründe liege. Flach bleibt sich auch hier gleich : er meint , der 
«dioIiaBt gebe drei verschiedene erklärungen : die erste TOIC &v9pui- 
iroic gehe auf die allein richtige Schreibung fieXdoici, die anderen 
beiden auf fieXiotci (so ist allerdings bei Oaisford gedruckt) oder 
licXb^a und seien unter neuplatonischem einflusz entstanden : dies 
letKtere ist eine ganz gedankenlose phrase, und die lesart TOic jiie- 
U(HC würde ein scholiast zumal in diesem zusammenhange nicht 
durch Tok dvOpuiirotc, sondern durch toTc juaraioic oder toic raXai- 
itibpoic erklärt haben.* 

Zorn schlnsz seiner polemik fQgt Flach mit kennermiene hinzu: 
'der kenner der Hesiodischen Theogonie musz fragen, wie die meli- 
»eben njmphen , die ahnmütter des unter der regierung des Kronos 
entstandenen menschengeschlechts, im Zeitalter des Zeus vorkommen 

* wenn dieier ■choliast vorher jene beiden verse anführt, so fügt 
*T UasQ: T^ cOxcpfk T^ ko^ M^ctov ßCov üirö toO OeoO K€KpO<p6at 9r|cl 
'f^ 4v6pii»«oi€. ' ijftow ist das lateinieche id e*ii vgl. schol. Theog. 
W (ATWiv — flrcM). 481. 622 (*|T0üy — VJ — VJ), 676. 786 (flTOüV — VJ — fj). 
««an bei den grAmmatikem saweilen f)T0t die stelle von flfo^v za ver- 
tntca teheint, so liegt ebenfalls nnr eine Verwechselung vor; wol aber 
*if4 €(touv dh* «<ve in dieeem sinne gebraucht (Soidas: V^fouv, ctTouv, 
tvvp'llMTa 6iaciMpi|TtKd), nnd da dies in den hss. häafig V^touv ge- 
>ck<iab«a ist , so lag die rerwechselang mit f|TOt nahe. * anf He- 

^ehios dl ^di€Ol, ili dv6punrot darf man sich nicht berufen : hier ist 
V dvoi so achreiben. 

3* 



36 ThBergk: lesefrüchte (zu Heaiodos). 

können.' nun, so weit ich die Theogonib des Hesiodos kenne, wttrde 
mich selbst eine wirkliche discrepanz zwischen einzelnen teilen die- 
ses gedichtes nicht stören ; hier liegt aber gar kein widerspmch Yor. 
mit demselben rechte müste man , um nur 6in beispiel herauszugrei- 
fen, daran anstosz nehmen, dasz die Hesperiden, die schon in der 
urzeit erwähnt werden (y. 215 und nochmals 275), nachher t. 518 
den Atlas zum nachbar erhalten, den Zeus dorthin verbannt. 

Schwierigkeiten macht nur, wie ich schon früher bemerkt habe, 
der zwiefache dativ fi€Xtr)Ci und ävOpiuTTOic. vielleicht schrieb der 
dichter 

ouK dbiöou ^eX 11191 trupöc ^^voc äKaMdTOio 
GviiTOic &v9p({iTT0ic, 0I in\ xöovl vaieTdoxjci 

dh. Zeus gab nicht mehr mit hilfe des bohrers aus eschenholz das 
feuer den menschen, die Verbindung des instrumentalen casus jiie- 
Xtr)q)i mit dem dativ hat so wenig auffallendes wie im lateinischen 
das nebeneinander des ablativs und dativs; vgl. Find. Pyth. VI 15 
TTOxpi T€iu, 6pacüßouX€, Koivdv xe T€V€qi XÖTOici GvarO&v cöboEov 
äpfian vixav Kpicaiaiciv dv tttuxoiTc dTraTT^Xei. die methode mit 
einem hölzernen bohrer feuer zu erzeugen ist offenbar die älteste. 
Hesychios führt aus Sophokles Phineus an: dxdXxeuTa TpuTiava* 
Toc (ppvfia (lies 9puYava, dh. stücke trocknen holzes) , trupeia. 
der steinerne reibapparat, den der tragiker dem Philoktetes gibt 
(v. 296) ^ wird erst später aufgekommen sein, bis man endlich dazu 
gelangte , mit hilfe eines metallenen nageis dem steine feuer zu ent> 
locken, das epitheton &x<i^K€UTOC soll eben den gegensatz der allen 
Sitte und der neuen zeit veranschaulichen, mag man nun bei Hesio- 
dos das hsl. jieXiqci festhalten oder jieXiiiq)! vorziehen , die erwäh- 
nung des eschenholzes ist hier ganz an der stelle, obwol schon die 
alten erklärer die beziehung nicht mehr erkannten.* 

Wenn ich endlich in diesen jahrb. 1873 s. 38 ff. bei dem schol. 
zu Aisch. Prom. 803 den namen des Hesiodos gegen die willkürliche 
änderung in 'HpöbOTOC in schütz genommen habe , so stimmt zwar 
Flach bei, meint aber, die ergänzung der lückenhaften stelle des 
Philodemos sei ganz unhaltbar, nun, den namen des Hesiodos , die 
Pjgmaien und KaTOubaToi habe ich unzweifelhaft richtig hergestellt; 
ob auch die greife und esel, steht dahin, wenn jemand eine passen- 
dere ergänzung vorzuschlagen weisz, werde ich meinen versuch gern 
fallen lassen. 



^ dXX' ^v ir^Tpoict ir^Tpov ^KTpißujv fiöXtc (L<^v* d<pavTov 9<&c. 
hier befremdet allerdings der ausdrack ^KTplßciv, der sonst eben das 
herauslocken der flamme durch reiben bezeichnet, was nachher durch 
£9r|va 9tit)c klar ausgesprochen wird; vielleicht ist eO Tpfßuiv eu lesen. 

* dies ist nicht Auffallend: auch Verrius Flaecns wüste nieht was 
mamphur bedeutete. dasE dies eigentlich reines, lauteres feuer {mantan 
für oder ftr) war, dann aber auch den bohrer, mit dem man das feuer 
erzeugt, bezeichnete, habe ich in meinem buche 'inscfariften römischer 
schleudergeschosse' (Leipzig 1876) s. 98 f. nachgewiesen. 



ThBergk: leBefrfichte (zu den Pindariscben schollen). 37 

. VI- 
ZU DEN PINDARISCHEN SCHÖLTEN. 

Ueber dieses thema hat kürzlich (1873) Lehrs in einer eige- 
nen echnft aosführlich gehandelt, die er selbst als einen beitrag zur 
philologischen qaellenkonde bezeichnet, und die bestimmt ist jünge- 
ren phüologen als Wegweiser bei ihren studien zu dienen. *de fon- 
tibus' ist heutzatage einer der landläufigsten titel akademischer 
dissertationen. darunter finden sich einzelne gründliche und sorg- 
fUtige arbeiten, aber viel öfter wird man an die kartenhäuser spie- 
lender kinder erinnert, man behandelt entweder probleme , die mit 
onseren mittein nicht zu lösen sind, wo es vielmehr gilt sich zu 
resignieren and die ars nesciendi zu Üben, oder wenn die aufgäbe 
l^iehar ist, verfährt man mit äuszerster willkür, baut hjpothesen auf 
hjpothesen. aber eben deshalb wird unsere philologische Jugend 
Lehrs' arbeit mit lebhafter Sympathie aufnehmen, und alle welche 
T<m der Pindarischen kritik und den Pindarscholien nichts verstehen 
oder doch nicht mehr wissen als Lehrs, werden diese leistung als 
eine aasgexeichnete begrüszen. es thut mir aufrichtig leid in diese 
aoerkennang nicht einstimmen zu können. 

Lehrs klagt über die vemachlftssigung der erforschung der 
quellen seitens der philologen, und findet den grund 'in dem nicht 
ganz normalen zustande derjenigen kenntnis und selbstkenntnis, 
US welcher eine forschung ohne falsch entsprieszt und mit der 
Wahrheit auch ein erfolg, sei er gröszer oder kleiner, nicht auszu- 
bleiben pflegt.' damit übt Lehrs unfreiwillig scharfe kritik an seiner 
eigenen arbeit, an der vor allem kenntnis und selbstkenntnis ver- 
miszt wird« Lehrs httlt sich an die ausgäbe der scholien von Böckh, 
aenere beitrftge von KEChSchneider und TjMommsen werden nur 
ganz beilftttfig berührte von den kritischen leistungen für Pindar 
kennt er (es ist unglaublich, aber wahr) nichts als die kleine text- 
acttgabe von TyMommsen; die gröszere ausgäbe mit dem vollstän- 
digen kritischen apparate , die adnotatio zu den olympischen öden, 
das was Mommsen früher für Pindar geleistet hat , arbeiten welche 
durch die beiden ausgaben keineswegs überflüssig gemacht sind, 
wird ebenso vollständig ignoriert wie alles was von anderen seit 
Böckh für die kritik des dichtere gethan ist. da kann es natürlich 
sieht fehlen, dasz Lehrs, was er eben erst selbst gelernt hat, als neue 
cstdeeknng vorträgt, auch wenn es schon längst von anderen ge- 
funden and hinreichend bekannt war. 

Anf den nachweis verschiedener paraphrasen in den Pindar- 
Mholien leg^ Lehrs besonderes gewicht, und macht es Böckh immer 
von nenem zom Vorwurf dies nicht gesehen zu haben, allein auf die 
aistanz der paraphrase in den alten scholien * und ihre bedentung 

^ die jfingeren scholien der Byzantiner kommen hier nicht in be- 
iTAcbt: sie haben für ans keinen wert, sind höchstens für d^n von in- 



38 ThBergk: lesefrfichte (zu den Pindarischen scholien). 

für die Pindarische kritik war ja schon vor mehr als zwanzig jähren 
mit den deutlichsten werten hingewiesen, ich habe znm ersten male 
in der zweiten ausgäbe der poetae lyrici (1853) die scholien conse- 
quent und eben deshalb mit erfolg ftlr die herstellung des Pindari- 
schen textes benutzt; in der dritten ausgäbe (1866) habe ich diesen 
weg weiter verfolgt und -auch später einzelne nachtrttge geliefert 
andere haben dann ebenfalls die alten scholien fleiszig zu rathe ge- 
zogen, dabei habe ich ausdrücklich auf die in den scholien enthal- 
tene Paraphrase bezug genommen^, die mir die wesentlicbsten 
dienste leistete, wenn auch nicht alles was sie bietet auf glaiCb- 
Würdigkeit ansprach machen kann, meiner gewohnheit gemäsz 
habe ich einfach das thatsächliche bemerkt, nirgends dies als eine 
neue wichtige entdeckung hingestellt oder gegen meine vorgttnger, 
denen diese beobachtung entgangen war, den leisesten tadel ausge- 
sprochen; eben deshalb muste ich mir auch gefallen lassen, dasz 
dilettantische kritiker mir diese Unterscheidung zwischen dem para- 
phrasten und den scholien zum Vorwurf machten, 'nur 6inmal im j. 
1860 habe ich (Philol. XVI 598) den unverständigen tadel von 
Friederichs kurz abgewiesen und so viel als nötig erschien diese 
Paraphrase charakterisiert, die entdeckung welche Lehrs vorträgt 
ist also nichts weniger als neu , und die art , wie er die paraphrase 
aus den scholien wieder herzustellen sucht, wird, wer die scholien 
genauer kennt und mit der Pindarischen kritik vertraut ist, sehr oft 
misbilligen. eine ausdrückliche Verweisung auf den paraphrasten 
finde ich in dem scholion zu Lukianos drittem totengespräch (hrsg. 
von ERhode im Philol. XXXV s. 199), wo eine stelle aus einer ver- 
lorenen isthmischen ode mitgeteilt wird mit dem zusatze: ö bk Tf|V 
irepl TttOra q)pdciv (lies MeTdq)paciv) cuvTdSac Xijex oönuc — 
hier bricht das scholion ab ; aber man sieht dasz jener scholiast die 
paraphrase dieser stelle wahrscheinlich mit den dazu gehörigen er- 
läuterungen hinzugefügt hatte.' 

Wie wenig Lehrs von den Pindarscholien weisz, zeigt die schrift 
aller orten, dasz die scholien des cod. Vrat. noch in einer andern hs., 
dem Ambr., und zwar hier zum teil vollständiger und correcter erhal- 
ten sind, weisz Lehrs nicht, so auffallend auch diese Unkenntnis bei 
einem manne, der ein ganzes buch über die kritik der Pindarscholien 
schreibt , erscheinen musz. Mommsen betrachtet die scholien des 
Vrat. nur als eine copie des Ambr. darüber läszt sich erst entschei- 
den, wenn die scholien beider hss. vollständig vorliegen; sie werden 
wol auf ein gemeinsames original zurückgehen. Mommsen hat die 

terevse, der die geschichte des philologischen stadiams während des 
mittelalters in Bjeans zu erforschen bemüht ist. 

* ich gebraache nicht immer den ansdrack *'paraphra8ta', sondern 
aaffe der kürze halber, oder anch ans anderen grOnden, die der ein- 
siditige leicht erkennen wird, öfter 'schol.'. ' die eamlnng der älteren 
scholien wird ansgeschrieben in einer Pariser hs. des 18n jh. (B) einl. 
HI zn Enripides Medeia nnd dort als dvcti(Tpa<pov üiröfivnMa c(c TTiv- 
tepov bezeichnet. 



ThBe^k: lesefrflohte (za den PindariBchen BcholieD). 39 

scbolien dee Vrat. nicht wieder verglichen, sondern kennt sie nur 
ans der vergleicfaung von Gerhard und teilweise Schneider. Momm- 
sen teilt za OL VII 42 ans dem Ambr. das vervollständigte scholion 
mit: ivraOte b^ *Api}vTOpoc avmfjv (priciv 6 TTivbapoc* fHcioboc 
bi xal CiMuivfönc *OpficvoO* clxdc bk Sri 6 TTivbapoc) 
irapd Tuiv KaTa rfjv tröXtv Xotiuüv f^KOuccv "A^uvTOpibac etvat toi^c 
'Pobiouc fiOTpöOcv. allein diese worte fehlen nicht im Vrat. , son- 
dern sind nur von Gerhard übersehen, wie mir bereits vor längerer 
seit von befreondeter band mitgeteilt worden ist. fttr eixöc , was 
abgesehen Ton der auf&llenden structnr mit Sri unangemessen ist, 
bistet der Vrat. tiv^c. es ist wol 'ApiCTÖviKOC zu lesen; der 
Bsme war Tarstfimmelt, aber der abschreiber des Vrat. sah dasz hier 
ein grammatiker genannt war, und half sich nicht ungeschickt, in- 
dem er Tivic setzte, aus Aristonikos könnte dann das scholion 
der ed. Bom. stammen, wo über diese genealogie bemerkt wird: 
lotK€ bi ö TTivbapoc dvTCTUXTIK^vai tuü 'AxaiiJ» kT0pi0Tpöt9qj. hier 
ist, wie Böckh richtig sah, der name ausgefallen, aber nicht 'Axou- 
ctXdi|i, sondern vielleicht AÖTCciuivi Ti^dpxadii \cTopiOTP<&<p()i, 
vgl. scboL Ol. I 37. IX 15. Autesion wäre demnach ein Zeitgenosse 
Pkdars gewesen, wol ans Rhodos gebürtig, wie irapä tiJüv xord Tf|V 
xdXiv Xofiuiv andeutet, obwol der name auf Theben hinweist. 

Lehrs besitzt ein glückliches naturell : mit gemütsruhe fährt er 
sof seinem leichten nachen über untiefen und klippen dahin, die 
jedem soliden fahrzeuge verderblich werden könnten; aber eine ge- 
iakr, die er nicht sieht , existiert für ihn nicht, die paraphrase in 
den sdiolia Vrat. stimmt allerdings öfter wörtlich mit der para- 
phrase der scholia Rom. überein. dies scheint auf eine gemeinsame 
quelle hinzudeuten; allein was Böckh mitteilt, reicht nicht aus, um 
ein abechlieezendes urteil über das Verhältnis beider scholiensam- 
hmgen zu fiülen: nur zu Ol. I und n hat Schneider die Breslauer 
•cholien vollständig abdrucken lassen, die scholien des Ambr. sind 
bisher nur ans den auszügen, welche Mommsen gelegentlich gibt, 
bekannt, allein auch so treten deutliche differenzen zwischen bei- 
den elaseen hervor: ich begnüge mich ein beispiel herauszuheben, 
Ol. IX 16. wenn sich hier auch nicht mit voller Sicherheit ermitteln 
liest, was der römiaehe paraphrast las, so ist dodi so viel gewis, dasz 
er eine andere lesart als der schoL Ambr. Vrat. vor äugen hatte, die 
lewöhnlielie Überlieferung des Pindarischen textes 6dXXct b' dpcraic 
tc6v T€ KacraXiiji ändert Böekh mit bemfung auf den rOm. schol. 
ia 8dXXct b' dperaiciv £v t€ KacraXiiji, allein der paraphrast 
boante, anch wenn er die gewöhnliche lesart vorfand, schreiben: 
(ipua b^ Kfld oäEerat Taic d^iaic Tf)c vixiic f| 'OiroOc iv t€ KacTa- 
Xif irf|T4 ^ TTueoi xal iy raic toO 'AXq>€toO iroTo^oC (yk>aic), in- 
dem er wie öfter ein wort (Tcov) übergeht, indes bestätigt hier der 
cod« Ambr. Böckhs Vermutung^, und Mommsen hat daher diese les- 



d«r test des Ambr. hat mit den scholien dieser ha. nichts gemein. 



40 ThBergk: leBefrfichte (zu den PindaiiBchen schollen). 

art gebilligt, ich finde hier nur die Verbesserung eines alten kri- 
tikers. 4v, obwol im sinne von iiiX oder irapa nicht ungebrftacblicfa, 
zb. ^v TTOTa^iü, weicht doch von der Pindarisohen gewohnheit ab. 
meine Verbesserung OdXXei ö' dp€TaTciv cöv t€, KacraXia, 
irapd 'AX9€oO T€ ^^eOpoVi welche sich ebenso an die Überlieferung 
dp€Taic Tcöv T€ KacToXia (so die meisten hss. , nicht KacraXiqi) an- 
schlieszt, wie dem charakter des Pindarischen stils entspricht, daher 
ich dieselbe unbedenklich in der zweiten ausgäbe (1853) in den tezt 
aufnahm, wird vollkommen bestätigt durch das scholion Ambr. iropd 
T€ TÖ cöv ^^eOpov, KacraXia, kqI tö toG 'AXq>€oO, welches jetzt 
Mommsen veröffentlicht hat; dies ist im Vrat. in iropa T€ TÖ !cov 
^^eOpov KacToXiac verderbt, womit man nichts anfangen konnte, 
der schol. Ambr. trägt übrigens eine zwiefache erklärung vor: f{ 
ÖTTuic OdXXi] (lies 'Ottouc OdXXei) tqTc dpeTaic £v t6 TTuOoi kcu 
'OXujbiTiiqf TÖ bk Icov dvil tou koivoic- (f|) irapd t€ tö cov usw.* 
der ersten erklärung liegt die vulgata dp€Taic Tcöv T6 zu gründe, die 
auch im texte mit YP* Kai über ly T6 vermerkt wird, die zahlreichen 
conjecturen zu dieser stelle Pindars sind sämtlich verfehlt; am wenig- 
sten durfte man Icov schreiben, da Pindar diese form gar nicht kennt, 
indem er sich die Verlängerung nur in zusammengesetzten werten 
gestattet. — Aus dem eben bemerkten ergibt sich zur genüge, daaz 
man nicht ohne weiteres die scholia Vrat. (Ambr.) zur vervollstftn- 
digung der römischen paraphrase heranziehen darf. Lehrs freilich 
verwendet unbedenklich das verschiedenartigste material zu seinem 
zwecke; wo zu den olympischen öden die scholien der römischen 
ausgäbe nicht ausreichen, benutzt er die Breslauer scholien. 

Aber auch die römischen scholien sind so heterogenen Ur- 
sprungs, dasz es der grösten vorsieht bedarf. Lehrs dagegen ist um 
Widersprüche, die auf eine verschiedene quelle hinweisen, ganz nn* 
bekümmert, der paraphrast zu Pjth. IV 279 schreibt jirj ti V€Uit€- 
.pov fmiv Kai ^TtißXaßic ii ainr\c dvacTair) xaKÖv, fand also in sei- 
nem texte dvacTair) vor, was auch zwei oder drei hss. Pindars bie- 
ten, an dem optativ nahm er keinen anstosz : denn in finalsfttxen 
pflegen die späteren nach d)C und die ^f| ganz gewöhnlich den Opta- 
tiv statt des conjunctivs zu verwenden: vgl. Madvig adv. I 682. 
der paraphrast kennt aber auch noch eine andere lesart dvacn/)€i}, 
diese erklärt er: \xi\ b veuiTCpic^dc fj/itv kqköv dvacTrjcq. die auf- 
fassung des scholiasten, der dieses dvacrrjcij als mediale form be- 
trachtet, ist ihm unbekannt; folglich kann die bemerkung zu v. 278 
T€vr|coMai toioGtoc, oIoc ^iib^v dvacn)cai dbiKov Kai vci&repov 
nicht dem paraphrasten gehören, wer dies schrieb , las nicht dfva- 
CTairi oder dvacnfjcq , sondern dvacnfjcijc, wie die mehrzahl unserer 
hss.*, oder faszte wie der scholiast dvacrrjci] als medium. 

> ich habe hier das unentbehrliche f\ hinsageseUt. Mommsen 
adn. orit. s. 121 hat die stelle nicht richtig bebandelt. * dvacT^icac 

in £F ist nicht eine abweichende lesart, sondern nar Schreibfehler für 



ThBergk: lesefrüchte (zu den Pindarischen scholien). 41 

Die scholien studiert man nicht um ihrer selbst willen, sondern 
best sie gerade wie die kritischen und exegetischen arbeiten der 
B«iiereB philologen mit rttcksicht auf den Schriftsteller, und sucht 
fftr das richügare verstftndnis oder die Verbesserung des teztes 
danoB nutzen zu ziehen, die Pindarscholien sind für die kritik die- 
ses dichtere von hervorragender bedeutung: sie bieten zahlreiche 
lesarten dar, von denen in den Pindar-hss. sich keine spur erhalten 
hrt, und damnter finden sich nicht wenig unzweifelhafte verbesse- 
nmgen des textes. aber diese neuen lesarten werden nicht wie 
ib. in den Homerischen scholien ausdrücklich als Varianten Ober- 
hefert, sondern man musz sie in der regel aus den erklftrungen der 
leholiMi, aus den Umschreibungen des paraphrasten erschlieszen. es 
bedarf der ungeteilten aufmerksamkeit, wiederholter vergleichung 
der scholien mit der Überlieferung des textes, um die abweichende 
Schreibart au finden, die scholien Pindars sind noch lange nicht 
ToUstlndig ausgenutzt; man sollte daher erwarten, dasz auch Lehrs, 
der doch speciell sich die aufgäbe gestellt hat den paraphrasten von 
seiner Umgebung auszuscheiden, manchen dankenswerten beitrag 
ziir heratelloDg eines gereinigten teztes liefern« würde; aber die 
paar Varianten, welche er nachweist, sind entweder bereits von an- 
deren hervorgezogen oder beruhen auf misverstftndnis ; nur ein ein- 
uges mal ist eine unverftchÜiche Variante nachgewiesen, bei der 
weise, wie Lehrs arbeitet, kann dieses dürftige ergebnis nicht be- 
fremden. 

Da Lehrs die arbeiten seiner vorgftnger so gut wie vollstftndig 
ignoriert, iat was er beibringt häufig von anderen vorweggenommen, 
liehtig, aber nicht neu ist was er zu Ol. I 124 bemerkt, wo der 
1^1. sagt: 'A^^ilivioc Itkoc Oivoii&ov tö fip^a fJKOucev. *das 
wtre! er hat offenbar £vtoc gelesen, vielleicht, was zu vermuten es 
lieht an gnind fehlt, eine conjectur.' dasselbe habe ich bereits in 
der zweiten aoegabe (1863) gesagt, wo ich die werte des schol. mit 
der bemerkung *qm videtur £vtoc scripsisse' anführe« in der drit- 
ten ausgäbe (1866) ist dies wiederholt, und Mommsen adn. crit. 
1. 8 (1864) schreibt: 'unde Bergk* £vTOC lectum esse ooniicit' 

Anderwftrts beruhen Lehrs' vermeintliche entdeckungen auf 
intoa und aelbstteuschnng. eine 'interessante' Variante findet er 
i. 9 in dem scholion des cod. Yrat. A zu Ol. III 66, wo zu ^ifiqKXp- 
(idtTOv btq>pn^<Ki<>c sich die bemerkung findet: 'Apicrapxoc irapä 
tJ^v ^i|ptv q>f]cl T^TOV^vm tö ^tMqMip^äTOu* CT)Maiv€i bi i\ X^Etc 
tijv Toxciciv q>opdv. dazu bemerkt Lehrs: 'zu glauben, was dem 
Aristardi hier zugeschrieben wird , musz man über ihn nichts ge- 
lernt haben, ahm eine notiz darf man entnehmen, dasz es auch 
eiae letart ^niiap^ÖTOU gab. das leuchtet hervor, die werte herzu- 
slellen muaz aufgegeben werden.' schlieszlich wird Mommsen ge- 

AvocrAqic, wa« der dialekt fordert; im arcbetypna dieser beiden hss. 

a 
f«ad sieb dvocniqic. 



42 ThBergk: lesefrüchte (zu den Piodarischen scbolieii). 

tadelt, dasz er diese leeart nicht verzeichnet aber ^ti|idp|LiGCTOC bi- 
<ppT]Xacia wftre eine völlig widersinnige Schreibung, dies erkennt 
auch Lehrs an, indem er einen solchen misgriff dem Aristarch nicht 
zutraut, es hat überhaupt hier nie eine abweichende lesart existiert: 
das scholion läszt sich ebenso einfach wie sicher herstellen, indem 
man statt ^i^q)apfidTOU ^ifiq)a schreibt: denn der scholiast gibt 
eben eine etymologische erklftrung dieses adverbiums , welche mit 
dem Et. M. 704, 18 übereinstimmt: ^i^qpa ciiM^ivci t6 tax^wc, 
irapä TÖ ^tiTT€iv iavTÖv h\ä Tdxoc die napä tö Kpuirrui Kpucpa, 
ouTUi TTopd TÖ ^iTTTiu ^iq)a, Kttl nXeovacfii^ toG \x ^i^qKX J ob diese 
etymologie dem Aristarch gehört, will ich nicht entscheiden. 

Eine *noch interessantere' lesart glaubt Lehrs Ol. VI 163 ent- 
deckt zu haben, fif) Bpdccoi statt \ii\ Gpaucoi. Hermann, der den 
Optativ des futurums hier unzulässig fand, schrieb Opaucai, Böckh 
vermutete Opdccoi, und diese co^jectur nahm Schneidewin (1843) 
in den teit auf, indem er zur bestätigung sich eben auf die glosse 
des cod. Yrat. ^f) Tapdccoi berief, ich habe in meiner zweiten und 
dritten ausgäbe diese lesart verzeichnet. Mommsen fährt sie in der 
gröszem ausgab^ als eine Vermutung Böckhs an und teilt in der 
adn. crit. s. 66 das scholion des cod. Ambr. mit: \xi\ Gpaucoi: im- 
Tivö^€Voc xpdvoc TÖv 5Xßov auruiv }ii\ Opauou Touvavriov bt 
aÖToi. toOto tdp Tivec cuvcKb^x^vrai ^f) Tapdccoi. aus diesen 
lückenhaften und verderbten werten schlieszt Mommsen, dasz es 
sich nicht sowol um eine Variante als um eine verschiedene erklft- 
rung handle , und verzeichnet daher in der kleinem ausgäbe (Lehrs 
kennt eben nur diese) Gpdccoi wiederum nur als conjector. diese 
auffassung halte ich nicht fCLr richtig; jener scholiast bezieht, indem 
er sich der erklftrung einiger exegeten (tiv^c cuv€Kb^X0VTai) an- 
schlieszt, die werte des dichters auf Hieron und Agesias zugleich. 
yii\ Tapdccoi ist ein znsatz, der auf eine alte interlinearglosse zurück- 
geht und eben die lesart Gpdccoi zur Voraussetzung hat. Lehrs hat 
auch hier keinen neuen beitrag zur vervollstftndigung des kritischen 
apparates geliefert. 

Auch ein anderer versuch Ol. VI 96 döüXoTOi bi viv XOpai 
^loXtrai t€ t^viIickovti zu verbessern ist misglückt die scholien 
reden hier von rrvoai, obwol der text dazu keinen anlasz bot; da 
nun eine hs. C ytoXXoI für jioXirai bietet, schreibt Lehrs Xupai 
IT V oiai T€. an sich wftre gegen den ansdruck nichts einzuwenden, 
irvoia( würde auf die flöten gehen, welche mit den saiteninstmmen- 
ten den gesang begleiten; aber die erklftrung der scholien: dftu- 
XoTOi bi ^iv Xupai] X^TOvrai a\ dnö ti£iv öpTdvuiv ttvooL ö bi 
XÖTOC* a\ bt fjbüXoTOi auTÖv irvoal tüjv öpTdvuiv Koi <(^ 

^ auch in der Terderbten glosse des Hesychios pi^iqna ' PqbiuK Ip- 
pti|iav schimmert wo) eine erinnerang an diese etymologie darch. Tiel- 
leicht ist irapd tö ^Ihi ai zu lesen, die glosse geht auf U. Z 611, doch 
ist nicht mit Musaros ^{^<pa zu lesen, sondern die lesart des Zcnodotos 
^(^9* iä liegt zu gründe. 



TliBezgk: lesefrOcbte (za den Pindarischen scholien). 43 

TVttipiZoiiciv ftthrt auf eine ganz andere fassnng. Xupai bedurfte 
keiner erklftmng ; die parapbrase zeigt dasz dieses wort gar nicht 
im teste atand, sondern TTVOai, und dies erläutert der grammatiker 
eben durch den zusatz dirö tiXiv öpT<ivuJV, wobei er offenbar an 
aaiien- und blasinstmmente dachte; ^oX1^al gibt der paraphrast 
durch i|ibai wieder, wie Ol. X 84 xXibwca bk ^oXird rrpöc KdXo^iov 
dvndEct iieXduiv erklftrt wird: 6 bi ö^voc TpiKpT]Xuic xal i\biwc 
liexd auXuiv ^f)9f|C€Tai, wfthrend dort der paraphrast schreibt: f| bk 
lioXiril fi Tuiv iicXüjv . . diravTricei irpöc aöröv (lies aöXöv). ich 
habe demgemftsz schon vor jähren die stelle Pindars verbessert: 
dhuXoToi hi viv TTvoai ^oXircd t€ t^vuickovti. Xupai ist ein 
gloaaem oder eine oorrectur, wozu wol Ol. XI 93 dbucTrirjc t€ Xupa 
TXuKik t' auXöc den anlasz gab. 

Dagegen hat Lehrs richtig erkannt dasz , wenn die worte Nem. 
I¥ 21 et b' €ti 21a^€V€T Ti^öxpiTOc äXlij) cöc iraT^p dGdXircTO in 
den seholien T141 drav SripavTiKi^i' tö t&P 21a iiriTaTiKÖv den ^öpiov 
dd' Ti|i icxtipNOTdTt(; odv qpnciv erklärt werden, dies auf die lesart 
£aO€p€i ährt; wenn er aber meint, dieser scholiast berücksichtige 
sogleich die vulgata Za^eveT, so ist der Vorwurf der confusion, der 
den grammatiker treffen soll, nicht gerechtfertigt: denn nachdem 
Zaß^gtc genau erklärt war, konnte der exeget recht wol einen all- 
gemeinen begriff substituieren und f|Xi(p (so ist statt dei zu lesen) 
T«|» icxupoTärtfi sagen: vgl. Hesjchios: laOepic ^ecri^ßpivöv, 
iqcupiiic dep^dv. abrigens halte ich weder 21a8€p6T, was einer con- 
jeeinr ähnlich sieht, noch 21a^€V€T fttr das richtige: wol freut sich 
da mensch, so lange er lebt, der lichten sonne, aber die glühende 
miitagehiUe rechnet man nicht zu den annehmlichkeiten des lebens. 
wäre fjfaoc Cc^ievfjc oder ZaOcpVjc eine feste formel, wie sie auch 
die lyrik nach dem vorgange der epischen poesie anwendet, so liesze 
kk mir den ausdruck auch hier gefallen: Theognis zb. sagt v. 426: 
lUfib* aürdc dabeiv d£^oc i^cXiou. dies ist jedodi nicht zu erweisen. 
ich i^aabe, der dichter schrieb 21a|yi€vyic*, womit die rüstige kraft 
des Timokritos bezeichnet wird; so nennt Pindar Pyth. IX 38 den 
Kentauren Cheiron ZafAeWjc, Pjth. lY 10 die Medeia, fr. 133 heiszt 
Dionjsos 6 £oM€vf|c 6 xopotTUiroc, Nem. ni 63 ZomcWic dv€t|fiöc 
*€X^voio, fr. 216 ist TÖX^a CaMCvric mut und thatkraft: dieser aus- 
dntflk geMrt offenbar zu den lieblingsworten des dichtere. 

An einer einzigen stelle hat Lehrs einen beitrag zur verbesse- 
raag des dichters geliefert, Pjth .IX 17 6 b^ rdv eödiXevov 6p^i|faT0 
Kupdvav. dies gibt der paraphrast durch XeuKÖmiXuv wie- 
f las also offenbar, wie Lehrs s. 145 bemerkt, XeuKUiXevov. 
c|>iscfae beiwort gebraucht Pindar auch anderwärts von der 



* die endoDgeB der worte eind bei Pindiir sehr häufig doroh alte 
▼esderbaie eaUielit. wenn E^ geechrieben wer, so konnte ein ebichrei* 
her ia der seit Pindars oder anmittelbar nachher ^ als ein altertttm- 
I fassen. 



44 ThBergk: lesefrüchte (zu den Pindarischen Bcholien). 

Thjone und Harmonia, während €Öu>X€VOC sich bei Euripidea findet 
über die folgenden schwierigen verse Pindars, wo, wie ich gexeigt 
habe , die paraphrase auf eine von der yulgata völlig abweichende 
Überlieferung hinweist, sagt Lehrs kein wort, ebenso wenig weisz 
er dasz ich IX 62 meine emendation 8aiicd)Lt€vai statt OaKd^evai, 
GiiKd^evai, KarOiiKäjLievai durch die paraphrase Oau^dcacai gegen 
jeden zweifei gesichert, und dasz ich später (jahrb. 1869 8. 188) 
aöratc, was der paraphrast ganz übergeht, in auT<3tic verbessert 
habe, was durch das aus einer interlinearglosse stammende TOic 
djLtjLiaci bei Mommsen bestätigt wird, auf die nächstfolgenden 
verse, wo das 6p^\|iouci des scholiasten auf einen abweichenden 
erklärungsversuch hindeutet, läszt sich Lehrs nicht näher ein. 
meine ausgäbe der poetae Ijrici ist ihm völlig unbekannt , wo ich 
eingehend die Schwierigkeiten dieser stelle dargelegt und eine lösung 
des Problems vorgetragen habe. 

Die naivetät, mit der Lehrs seine Unkenntnis der litteratur 
offen bekennt, ist zuweilen wahrhaft ergötzlich, s. 110 bemerkt er 
über das zeichen X : 'wenn es einmal am rande älterer handschriften 
erscheinen sollte, sei es wol von späterer band hinzugesetzt'*, und 
fährt dann fort: 'es soll in dem Pariser papyrus des Alkman- 
fragmentes stehen, Wattenbach griech. paläogr. s. 7, verweisend, 
auf Egger mömoires d'histoire ancienne p. 159. facsim. pl. 50.' wer 
dies liest, musz glauben, Egger gebe ein facsimile, aber er teilt nur 
das bruchstück des Alkman in cursivschrift mit (wiederholt poet. 
Ijr. s. 827—829); das facsimile findet sich in den ^notices et extraits 
de manuscrits' XVIII 2 auf tafel L (wiederholt poetae Ijr. add. 
s. 1379—^1381). Wattenbach unterscheidet auch richtig; nur Lehrs, 
der die notiz dorther entnimt und sich nicht die mühe genommen 
hat die citate selbst einzusehen (denn die Schriften der Pariser aka- 
demie werden doch gewis in Königsberg vorhanden sein), hat diese 
Verwirrung gestiftet, die ich nicht erwähnen würde, wäre sie nicht 
für die flüchtig hingeworfene arbeit charakteristisch'®; auch ist zu 
besorgen, dasz andere wieder in gutem glauben dies citat aus Lehrs 
abschreiben. 

Mit welcher flüchtigkeit Lehrs sich seiner aufgäbe entledigt, 
zeigt, um nur noch 6inen beleg anzuführen, die bemerkung zu 
Pjth. IX 18 (s. 145). hier findet sich im cod. 6ott. die beiadbrift 
TpdqpCTai kqI beiTrvov olKOupiuiv. Lehrs sagt, diese werte seien 
natürlich verdorben , und es lieszen sich verschiedene Vermutungen 
aufstellen, aber dazu gibt dieses scholion keinen anlasz: denn 



* ältere his. sollen wol solche sein, die über die zeit der entstehang 
unserer ältesten scholiensamlangen hin ausreichen, dies könnten nur 
papjmsrollen sein, und wenn nnn hier wirklich das X sich findet, so 
sehe ich keinen grnnd darin einen eusatz von jüngerer hand la er- 
blicken. *^ Lehrs schreibt ausführlich über die bedeatnng des leiebens 
X, und kennt das älteste denkmal, auf dem die anwendnng dieses 
Zeichens nachweisbar ist, nur von hörensagen. 



ThBergk: lesefrCichte (zu den Pindarischen scholien). 45 

^Tirvov statt beiTTVUJV, und oixoupiüjv statt oUoupiäv findet sich 
wirklich in mehreren hss. Pindars. der Schreiber des cod. Gott, hat 
also einfach diese abweichungen verzeichnet, und diese notiz ist für 
uns ohne jeden wert. ** nicht minder verkehrt ist, was Lehrs über 
die Paraphrase bemerkt, ich habe gezeigt dasz statt der lesart un- 
serer hss. oGie beinvujv oiKOupidv ^€8' ^raipav Tepipiac, welche 
die Byzantiner durch die sprachwidrige correctur oiKOpiäv dem 
meimm anzupassen suchten, der paraphrast oöre beinvujv T^pi|iiac, 
0Ö9' dropäv olKOupidv vorfand: denn er schreibt oüxe TUiv beiTivuiv 

TäC T^pi|l6IC, OÖT€ TUJV ^TQipUJV TÄV TOÖ OIKOU b€CTT02[0UCUJV, dlld 

KOlVOU TÖ oux €U€TO TOic T^pi|i€ic. Lehrs meint, er könne doch 
|i€0' dTQipäv gelesen haben, dies ist unmöglich: denn nur dann 
konnte er elXero Tac T^pip€ic (die negation oux ist zu tilgen) 
supplieren, wenn der satz dreifach gegliedert war. dasz übrigens 
auch die lesart, welche der paraphrast bietet, den fehler nicht be- 
seitigt, habe ich in meiner ausgäbe erinnert, der neueste heraus- 
geber Christ hat meinen verschlag oöre beivuiv T^pipiac oöG' 
^Tapav oiKOupia ungenau wiedergegeben, indem er mir die vul- 
gata behrvuiV zuschreibt und hinzufügt 'quam coniecturam vereor 
ne nihil confirment scholia.' diese bemerkung ist ganz ungehörig. 
auf die scholien habe ich mich dabei nicht berufen, diese kennen 
weder beivuiV noch oiKOupia. dem paraphrasten bin ich nur hin- 
sichtlich der Wortstellung gefolgt; aber es ist möglich, dasz ein alter 
kritiker nur aus conjectur die folge der werte geändert hat, um den 
metrischen fehler zu beseitigen, eben darum ist es schwierig die 
hand des dichters herzustellen. 

Dasz in der schrift von Lehrs sich gelegentlich auch manches 
wahre und beachtenswerte findet, namentlich mancher bei trag zum 
bessern Verständnis der methode der alten scholiasten geboten wird, 
erkenne ich willig an; die lösung der eigentlichen aufgäbe aber 
konnte schon deshalb nicht gelingen, weil unsere ausgaben der 
Pindarscholien zu unvollständig, der kritische apparat nur unge- 
nügend bekannt ist. ich habe in der vorrede der poetae lyr. s. VIII 
eine neue vervollständigte und berichtigte ausgäbe der scholien 
als höchst wünschenswert bezeichnet und hinzugefügt: ^quod si 
Mommsen hanc quoque laboris partem in se recipiet, meritis suis 
insignem addet cumulum.' dazu bemerkt Schnitzer (de Pindaro 
nuperrime emendato, Ellwangen 1867, s.4) : ^sed vereor ne Momm- 
sen V. d. «de Pindaro praeclare meritus» (dies sind meine werte 
8. VII) nimiam aemuli erga se benevolentiam deprecaturus sit.' 
mag sein dasz Mommsen die arbeit nicht ausführt, aber von rivali- 
tät kann zwischen honetten männem, auch wenn sie sich auf dem- 
selben gebiete begegnen , nicht die rede sein, meine anerkennung 
der Verdienste Mommsens ist aufrichtig und ohne jeden hinter- 



'* die abscbreiber führen nicht selten reine Schreibfehler oder auch 
übergeschriebene glosseme als Varianten mit TPd9€Tai anf. 



46 ThBergk: lesefrüchte (zu Aristophanes Acharnem). 

gedaenken, den mir Schnitzer andichtet, wenn er dann die beitrSge 
Mommsens für die scholien einzeln aufzählt und mit den werten 
schlieszt: 'haud avebit molestum laborem de integre repetere', ao 
mag dies subjectiv richtig sein , aber durch diese beitrage ist dem 
mangel einer bessern ausgäbe der scholien so wenig abgeholfen, 
dasz sie die notwendigkeit einer umfassenden bearbeitung erst in 
ein recht helles licht setzen, mit demselben rechte könnte Schnitzer 
sagen, Mommsen hätte sich mit seinen früheren mitteilungen über 
den kritischen apparat des textes begnügen können , die neue aus- 
gäbe sei eigentlich entbehrlich, der ertrag einer neuen bearbeitung 
der scholien wird vielleicht ebenso hinter den erwartungen zurück* 
bleiben wie die kritische ausgäbe ; aber es ist schon ein groszer ge* 
winn , wenn wir wissen, wie weit die Unterstützung unserer quellen 
reicht. '* 

vn. 

ZU ARIST0PHANE8 ACHARNERN. 

Der Verfasser einer kürzlich (1873) in Bonn erschienenen doctor- 
dissertation, 'quaestiones Aristophaneae', Friedrich Leo, sucht 
nachzuweisen dasz die Achamer des Aristophanes nicht unversehrt 
überliefert seien, indem der eingang des Stückes vollständig fehle, 
bisher hat niemand etwas vermiszt; man ist daher begierig zu er- 
fahren, worauf sich diese Vermutung gründet. Leo knüpft an die 
bemerkung des scholiasten zu v. 1228 an' und folgert daraus, dasz 
demselben die komödie noch in ihrer unverkürzten gestalt vorgelegen 
habe. Dikaiopolis, dessen auftreten im stücke nicht gerade den ein- 
druck eines alten mannes macht, wird am Schlüsse Trpi^cßuc vom chor 
angeredet'; der scholiast rechtfertigt diese benennung damit, daez 
er auf die scene v. 241 ff. hinweist, wo sich Dikaiopolis selbst als 



*' wenn ich in der vorrede den vouag der scholien vor nnaeren 
hss. Pindars nrgiere, so macht dasu Schnitser die gar nicht satreffende 
bemerkang: 'illud quidem snadebit nova ratio critica, quam Heimsoeth 
doctor Bonnensifi primus in tragicis adhibuit, qnippe qua veternm gram- 
maticoram commentariis plus aactoritatis in constituendo teztu tribaen- 
dnm Sit qaam ipsis libromm manuscriptorum exemplia.' ich gehöre 
nicht IQ den geoankenlosen nachahmem; was ich aafetelle ist das er- 
gebnis eigener erfahrung. das abhängigkeitsverhiültnis, welches Schnitaer 
zu finden glaabt, ist aaszerdem schon mit rüoksicht auf die Zeitfolge 
unmöglich, da ich bereits in der zweiten ausgäbe (1853) die gleichen 
principien in der kritik Pindars befolgt habe, übrigens, obwol ieh nicht 
liebe allgemeine grundsfttze aufzustellen, ist es doch gewis richtig, dasa 
die quellen der Überlieferung, je älter sie sind, desto mehr ansprach 
auf glaubwürdigkeit machen dürfen, also d i e scholien, welche noch den 
letzten Jahrhunderten der alten zeit angehören, den yorzug vor den hss. 
des mittelalters verdienen, wenn auch im einzelnen falle dieser sata 
mehrfach zu modificieren ist. 

^ Ol irp^cpu * 4auTÖv yäp ötr€Ti6€T0 irp^cßuv irpöc Tf|v twoAkq 6ta- 
XcTÖ^cvoc ^v dpx4 ToO bpd^aToc. ' übrigens redet auch schon v. S97 
der diener des Earipldes den Dikaiopolis mit den werten di T^pov an, 
was dem scholiasten entgangen ist. 



ThBergk: lesefrüchte (zu Aristophanes Achamem). 47 

iltoni muin darstelle. Leo behauptet, dies treffe nicht zu: denn dort 
finde gmr kein dialog mit der fraa statt und Dikaiopolis erscheine 
Mch nicht ab greis, diese bemerkung ist in soweit richtig, als die 
fraa anf der bflhne gegenw&rtig ist, auch einige verse spricht (so 
woiigitens die hs8.| anders die neueren hgg.), allein nicht mit dem 
maime worte wechselt, obwol dieser sie v. 262 anredet, indes man 
darf den aoadmck jenes grammatikers nicht allzn scharf nehmen, 
lach wir würden unbedenklich eine solche scene als dialog bezeich- 
aea; will man aber die worte pressen, dann könnte man höchstens 
anf den aiisfall einiger verse schlieszen , wo die frau am dialog sich 
btteiligte und ihren mann irp^cßuc nannte, auch bei Aristophanes 
kommen solche Ittcken öfter yor. Leo nimt femer an dem ausdruck 
^v ^tpXQ iknatosz. diee bedenken ist gerechtfertigt: denn jener scene 
ist dar umfangreiche prolog und die parodos des chors vorausge- 
gsagen; daraus schlieszt Leo, der scholiast habe eben im eingange 
des stQekee eine scene vorgefunden, wo Dikaiopolis sich mit seiner 
fran unterhielt und mit bestimmten werten sich ds greis bezeichnete. 
demnach erhielten wir einen doppelten prolog: auf das zwiegesprftch 
der galten wflrde ein monolog des Dikaiopolis folgen, dieser zögernde 
emgasg wflrde gar seltsam contrastieren mit der wunderbaren 
idi]ie]%keit, mit welcher gerade in dieser komödie Aristophanes 
inmer neae wechselnde scenen vorführt, wttre uns das stCtok in dieser 
fmnng erhalten, die kritik wflrde sicherlich die eine oder die andere 
psrtie flir nnteigeschoben erklären. Leo weist zur unterstAtzung 
Miaer hypothese auch auf den mäszigen umfang der komödie hin; 
es f^t nur noch, dasz man ein normalmasz für eine Aristophanische 
komödie an&tellt: ein lustepiel, das darflber hinaus geht wie die 
TOgel, wird man dann als interpoliert verdKchtigen , was dahinter 
zorflckbleibt, ab Iflckenhaft betrachten, ich meine, die kritik sollte 
Ji wichen dingen der worte des Kallimachos eingedenk sein : \xi\ 
ucrpciv q(o(vi)i TTepcibi tf^v C09iiiv. ich verzichte darauf den fari- 
tika weiter auf seinen Irrfahrten zu begleiten', und gebe gleich die 
tahAid lösung des problems. man braucht nur Kai hinzuzufügen: 
np6c Tf|v TwaiKtt biaX€TÖM€voc Kai £v dpxtl toO bpdjüiaTOC, so 
Tenehwinden diese phantastischen nebelgestalten. 

Schon die ungewohnte ausftthrlichkeit, dann die Stellung der 
worte deuten auf ein Verderbnis hin.^ der scholiast bezieht si<^ auf 

* der ehor soll bereits wbsen, was mann und Arao in diesem leider 
Ttriereaea iwlegMprftch verhandelt haben; ich weiss nicht ob er hinter 
i« tkftr flanscht oder das gerede in der Stadt ihm das geheimnis ver- 
rttkca hat. in der knnst swischen den seilen an lesen hat man es 
^«•i sn tage su einer bewundernswerten Virtuosität gebracht, nur hat 
mtM darüber die f&higkeit einfach den text la verstehen nicht selten 
«ifcbisst. ^ der scholiast würde, wenn er eine solche scene im 

tiifanM des steekes vorgefunden hfttte, geschrieben haben iv dpxQ 
ToO bpdMOTOC «pöc Tijv TUVolKa btaXcTÖ^cvoc , nnd der snsats iy dpx4 
Imw si^ eben mit der absieht rechtifertigen, diese scene von der spft- 
(«« T. Mi ff. an nnterseheiden. 



48 ThBergk: leeefrüchte (zu Aristophanes Achameni). 

zwei yerschiedene stellen der komödie, jenes gesprttcb des Dikaio- 
polis mit seiner frau und auf den eingang des dramas. dasz der 
grammatiker die zweite stelle zuletzt nennt, hat seinen guten grond: 
er fühlte dasz dieser beleg keine volle beweiskraft habe, fuhrt ihn also 
nur subsidiarisch an. der scholiast beruft sich zun&chst auf die scene 
Y. 241 ff.: hier fungiert die tochter bei dem festzug als kanephore, 
und der vater (oder die mutter) spricht von ihrer künftigen heirat; 
daraus war man wol berechtigt den schlusz zu ziehen, dasz der ko- 
miker den Dikaiopolis als altem mann darstelle, frühe heiraten waren 
in Griechenland später nicht ungewöhnlich; die sitte der alten zeit 
misbilligte sie, daher auch Piaton und Aristoteles für den mann ein 
alter von 35 — 37 jähren vorschreiben. Dikaiopolis, der bei Aristo- 
phanes als Vertreter der guten alten zeit eingeführt wird , erscheint 
demnach als ein mann von etwa fünfzig jähren. ^ 

Der scholiast beruft sich femer auf den eingang des Stückes. 
Dikaiopolis berichtet, wie sehr es ihn verdrossen habe, als beim wett- 
kampf der tragiker, wo er hoffte, Aischjlos würde auftreten, der 
herold den frostigen Theognis ankündigte, dies sieht so aus, als ob 
Dikaiopolis einen Vorfall aus seiner Jugend erwähne, als habe er noch 
die zeit erlebt, wo der grosze meister seine tragödien selbst auf die 
bühne brachte, zwischen dem tode des Aischjlos und der aufFühmng 
der Achamer (ol. 81, 1 — 88, 3) liegen dreiszig jähre (vgl. schoL za 
V. 12) : auch dies weist auf ein alter von mindestens 50 jähren hin. 

Allein dies argument ist nicht recht überzeugend, den tragiker 
Theognis kennen wir nur aus den spottreden des Aristophanes: er 
wird in den Achamem wiederholt verhöhnt, dann nochmals in den 
Thesmophoriazusen (ol. 92, 1) als repräsentant der frostigen tra> 
gödienschreiber genannt. ' derselbe Theognis gehört aber auch zu 
den sogenannten dreiszig tjrannen^ unter denen er sich^durch terro- 
rismus gegen die metöken hervorthat. Theognis wäre damals bereits 
ein abgelebter greis gewesen, was in jeder beziehung höchst un- 
wahrscheinlich ist, wenn er sdion neben Aischylos als junger mann 
sich am agon der tragiker beteiligt hätte. Theognis wird vielmehr 
erst gegen ol. 88 aufgetreten sein , ihn greift der komiker beliebig 
aus der reihe der jungen talentlosen dichter heraus, nun konnte zwar 
Aristophanes gemäsz der freiheit, mit welcher die alte komödie chrono- 
logische Verhältnisse zu behandeln pflegt, dem lebenden Aischjlos 



> das T^pov freilich y. 397 setzt ein vorgerückteres alter voraus. 

* Theognis wird keinen sonderlichen erfolg gehabt haben: er muste 
sich wol in der regel mit der dritten stelle begnügen, vgl. Snidaa: 
NiKÖ^axoc, öc €{ipiinbr)v irapaböEuic xal O^OTviv ivuciicev, dh. Miko- 
Biachos erhielt den ersten, Earipides den zweiten, Theognis den dritten 
preis, das irapaböEuic geht nur auf Earipides, oder es ist (de koI 
G^OTVic zu schreiben, dann hätte auch Theognis einmal erfolgreich 
mit Earipides concnrriert. ^ bei dem schol. an Ar. Aisfa. 11 and Sai- 
das u. O^otvic ist ctc tiIiv TpidKOvra statt ^k aa lesen, dasz der tra- 
giker and der parteimann ^ine person sind, ist wol nicht blosse ver- 
matang, sondern beraht auf glaabwürdiger überliefernng. 



ThBergk: lesefrflchte (zu Arittophanes Achamern}. 49 

«ineii jungen dichter , der damals noch gar nicht daran dachte tra- 
gMien xn schreiben^ als rivalen gegenüberstellen^; allein ich ver- 
gebe die Worte des Aristophanes von der wiederauffflhmng Aischj- 
lischer tragOdien, die bekanntlich ausnahmsweise gerade so gut wie 
neue dramea lebender dichter zum wettkampf zugelassen wurden, 
wenn ol. 87 Euphorion den ersten preis erlangt, so verdankt er diesen 
«rfolg gewis nicht eigenen leistungen — denn er war, wie aus allem 
Iwrvorgebt, ein ziemlich unbedeutender dichter — sondern er führte 
damals eine tetralogie seines verstorbenen vaters wieder auf, und 
wenn bald nachher Philokles Ober den König Oidipus des Sophokles 
den sieg davon trug, so braucht man nicht in die herkömmlichen 
Usgen Ober den Unverstand der preisrichter einzustimmen : Philokles 
hat wahrscheinlich die erste stelle nur erhalten, weil er mit tragödien 
seiBea oheims auftrat.* Dikaiopolis erscheint als bfirger von altem 
tehlage. er ist ein Verehrer des Aischylos : die männliche, von warmer 
begetsterung getragene poesie des alten meisters spricht ihn an, und 
er irgert sich, wenn ihm im theater statt dieser kräftigen speise die 
■eamodischen glatten aber kalten dramen jttngerer dichter geboten 
werden« '* 

Ich füge noch eine bemerkung über die figuren des lustspiels 
Mbzo. die griechische komödie, wie sie starke gegensätze liebt, kennt 
eigentlich nur junge oder alte m&nner ; das mittlere lebensalter ist 
ao gut wie gar nicht vertreten" ; höchstens bei den historischen per- 
ifoliehkeiten, welche die alte komödie auf die bühne brachte, die 
niD so trea, als es eben die weise dieser kunstgattung erlaubte, dar- 
nutellen suchte, wurde darauf geachtet, so zerfallen auch die figuren 
der Aristophanischen komödie in zwei classen : veaviai und rrpec- 
pijTQtt aber unter dem alten hat man sich nicht immer einen hoch- 
betagten , abgelebten greis , sondern häufig nur einen mann in vor- 
gerflckten jähren zu denken, der dichter behandelt alle diese dinge 
mit liiolicher freiheit : die rttcksicht auf die jedesmalige intention des 
komikers, auf den Charakter der dramatischen figur ist maszgebend.*' 



* dies war wirksamer, als wenn Aristophanes einen schlechten 
dichter ans der seit von ol. 70—80 genannt hätte, der längst vergessen 
vsr, wftbren«! damals jeder den Theognis kannte. * Eophorion war 
vielleiefai damals schon tot, so dast Philokles an seine stelle trat. 
^ Ariciophanee macht eben den DtkaiopoHs znm Vertreter seiner eige- 
sca äbenengiingen. '* es gilt dies von allen gattungen des griechi- 
•ckea Instspielss die mittlere und neuere komödie hält eben in vielen 
^escten die fiberlieferte norm fest, und die römischen komiker stehen 
vivlej unter dem eitiflosse der Griechen. '* der gebraach des ans- 

dmcks «pccpÖTT)C ist selbst schwankend. Ammonios s. 87, wo die altert- 
■Ulrn aofMählt werden, lässt anf den dvf)p ^^coc den irpoßcßiiKtOc 
(d^MTipuivJ, den T^puiv, den irpccßOrnc, den kxaTÖTTlpuic folgen, dies 
pht anf den grammattker Aristophanes snrück; nnr nnterschied der- 
•elbe noeh genauer den irpoßeßrixUic und den diroiröXioc oder ihfioT^puiv, 
*• Best. IL B. 127. allein dtiese anterscheidnng wird nicht streng be- 
•Wchlet: «p^cßuc» irp€CßOTf)c, fipiuy werden häufig als synonyme ans* 
^nkke gabraacht. 

i^krMcb«^ fir dMS. phUol. 1878 hftL 4 



50 EJLiebhold: zu Lysias [81, 28]. 

Die vorschlage , welche Leo zur verbesserang des textes macht, 
übergehe ich ; wenn er zu v. 201 ff. bemerkt, mit dieser stelle hätten 
ich und Meineke uns vergeblich abgemüht, so hat er vielleicht recht *\ 
aber auf das hier empfohlene heilmittel konnten wir nicht verfallen, 
da wir gelernt hatten, wie die griechische spräche die partikein tfü» 
bi T6 verwendet, unsere heutigen philologen könnten dies unter 
anderm aus Porsons anmerkung zu Eur. Or. 1239 lernen , aber wer 
mag solche bücher, die l&ngst in ruhestand versetzt sind , noch an- 
rühren? 



*' man darf sich nicht auf den metrischen seholiasten bemfeD 
zum beweifl, dass hier ein paar fremdartige verse eingedraogcn sind: 
dieser scholiast gibt allerdings die zahl der verse des ersten abschnitte« 
auf 201 statt 203 an, allein v. 43 ist auch hei ihm ^f\ dagegen y. 61 l\ 
V. 123 pxa', demnach wKre zwischen v. 43— 61 ein vers, und wieder 
zwischen v. 61 — 123 ein anderer auszuscheiden, ich sehe aber an die- 
sen beiden stellen keinen emnd zur athetese. die iHhlen werden also, 
wie auch anderwärts, verschrieben sein, doch fragt sich, ob man sie mit 
nnserm texte in Übereinstimmung bringen darf, oder ob cb' und puh' 
statt ca' und pxa' zu schreiben ist. dann w&re ein vers ansgt'fallen 
zwischen v. 93 — 123, und E', je nachdem man den ausfall vorher oder 
nachher annimt, in £a' oder Eß' in verwandeln; doch hat die letztere 
annähme mehr für sich. 

Bonn. Theodor Berqk. 



3. 

ZU LYSIAS. 



XXXI 28 lauten die überlieferten textesworte: oö T&P &v bq 
TTOu, el M^v TIC XiTTOi T]p)v ToiEiv )Ltf| auTTic Tf^c TTÖXeujc £v Kivbuvqi 
oCcfic äXX' ^T^pouc €lc toCto Ka6iCTdciic, ^T^dii vö^oc d)C ^exdX* 
äbiKoOvToc, el bi TIC auTfic Tf)c iTÖXeujc iv Kivbuvqi oäcfic Xirroi 
Tf)v TTÖXiv aurrjv, ouk Sv dp' iiiQr]. der Zusammenhang erfordert 
etwa folgenden sinn : 'denn sollte nicht da, wo (dh. in einem Staate, 
in welchem) ein gesetz, wie gegen einen bedeutenden flbelthftter, 
gegeben wurde für den fall, dasz einer reih und glied verliesze, ohne 
dasz die existenz des Staates selbst auf dem spiele stünde, natar- 
gemftsz auch ein gesetz gegeben worden sein mit der voraussieht 
des falles, dasz einer den staat selbst im stiebe liesze, wenn sich 
derselbe in dringender gefieihr befände?* danach würde es sich cm* 
pfehlen anstatt bi^ ttou zu schreiben bf| öttou und sowol \xiy als 
auch b^ zu streichen. oÖK 5v ist, wie auch an anderen stellen, des 
nachdrucks halber verdoppelt und ausschlieszlich mit dem zweiten 
iriBt] construiert, während das frühere triBt] eine thatsache angibt, 
nemlich die thatsache des allen Athenern bekannten gesetzes gegen 
die XmoTaEia. 

BüDOLSTADT. KaRL JuLIUB LieBHOLD. 



Hüsener: grammatiBche bemerknngen (lat. pariicipinm). 51 

4. 

OBAMMATISGHE BEMERKUNGEN. 

(8. Jahrgang 1873 8. 398—400.) 



IIL 
ZUR GESCHICHTE DES LATEINISCHEN PARTICIPIUMS. 

Dasz die wflrde des flamen nicht, wie unsere lexika sagen und 
bennsgeber von texten glauben, /lamtmiim sondern ftamoniiwm 
biesi, daran ist seit Sinnend sowol von epigraphiscber seite als mit 
bernÄmg auf die handscbrifUicbe Überlieferung gelegentlich erin- 
nert worden.' aber erst ThMoounsen hat planmäszig nachge- 
wiesen, dass wie die inschriften, so auch in der litterarischen ttber- 
liefcning die besten und ältesten hss. ausschlieszlich die form mit 
besengen.* was sich zu seinem beweismaterial aus den glossarien, 
die aoeh er nicht ausser acht liesz', und'aus der litteratur^ hinzu- 
ftgen Uszt, dient lediglich zur bestätigung. die mittelalterliche 
ccbeibong flammmm ist damit hoffentlich ftlr immer aus texten und 
vOrierbOchem verbannt: die ROmer behielten bis ins sechste jh. nach 
CL die alte form fUxmomum bei und gebrauchten daneben hik^hstens 
die jfingere bildung flaminaiu8m 

Dies /lomomiifli neben flamen ist auffallend genug, und es wird 
licht ftberflOssig sein auf analoge erscheinungen hinzuweisen, zu 
nwmm stallt sich ein gentilname N^mmonms : Numamus Vala (IRN. 
91. CIL. III n. 74), Numonia Maxma (CIL. HI n. 3082), Numoma 
BdÜa (Boissien inscr. ant de Lyon s. 427), den ich in den entstell* 
teren formen NummMS und Ntiwmus (beides aus Numniua) wieder- 
erkenne; auch Nummukms neben Nunnvieius und Nwfinidms kann 
sieht anf mummus sondern nur auf numf^ dh. miman* zurttckgeftthrt 
werden, in gleicher weise gehört zu /Warnen der name der gens Fui- 
Mowta, zb. mf einem stein von Capua IRN. 3728 C7. FvlJlmomo C. h 
iirfiodbo. statt des mftnnlichen terminus oder neutralen termen^ ge- 
tiniidite iermo Ennius ann. 470. 471 (Vahlen). Festns s. 363 (73 
Monuttsen), der dies flberliefert, meint, Ennius sei hierbei der 'graeca 

' Sinnond in Sidonius not. t. 66 (ansg. von 1662); Hefner in den 
tbh. der MUachener akad. philos.-philol. cl. Y 2 u. 236; OBecker in 
kr 8j«b. philoL Bonn. s. 689. ' Ephemeris epigr. I 221 f. * bei 
iMai dass. aoct. VII •• 661 Flamoniiim honor pontiflcaUs apud geniüe», 
f« kne oUimet digniiaiem, dieiiur flaminatU^ identisch mit der Leidener 
fioM« bei Momoisen und GLöwe in Ritschis Acta V 843; sehr hftufig, 
iN. cod. SOall. 912 0. 106 nnd Bern. 268 f. 62^ Flamonium {flammoniu» 
IKsIL fimomua Bern, nnd Üb. gloss. Palat 1773 f. 131*) Jhnar pontifl- 
^tbt •pmd pemiOes. < Trogns 1. XXII bei Priscianns V 12 s. 149 , 6 

;«MMio abiU nach AOk. selbst bei Gellias X 16, 22 haben nach MHertz' 
fr««adlicher mitteilnng wenigstens die beiden ältesten hss., der Regin. 
MT ud Yossianns minor, eine schreibang bewahrt, in der ein nrsprttng- 
^ckes, aar dareh TnlglU'lateinische anssprache getrübtes o nicht cn Ter« 
Uaaea tsl, fimmado, * vgl. Neue lat. formenlehre I 692 f. 



52 HUsener: grammatiBche bemerkuogen (lat pazticipiam). 

consuetudo' gefolgt, hätte Yerrias nach dem vorkommen der obli- 
quen casus gesucht und sich nicht mit zwei beispielen des nomina- 
üvs begnügt , so würde er sicher termönem und nicht eine dem gr. 
T^p^ova entsprechende messung haben bezeugen können, es wird 
noch heute nicht an solchen fehlen, welche termo für eine durch 
metrisches bedürfnis veranlaszte und unter dem einflusse von T^p- 
|iU)V von Ennius selbst gebildete wortform halten; es fUllt ihnen 
schwer von dem schulmfiäzigen begriff der poetischen licenz sich frei 
zu machen, dasz auch in diesem falle Ennius aud der Volkssprache 
schöpfte, mögen sie aus einer inschrift von Friesach bei Orelli 
n. 5073 sa CIL. ni n. 5036 ersehen, die eine weihung Termunüms 
Aug{ustisy verzeichnet. 

Es ist seit Bopp allgemein anerkannt und namentlich durch 
Bitschi' auch den classischen philologen näher gebracht worden^ 
dasz die lateinische spräche ursprünglich ein passivisches und me- 
diales partieipium auf -menus^ identisch mit gr. -jüicvoc beaasz. in 
den nomina, die sich als erstarrte bildungen dieser art nicht ver- 
kennen lassen, ist mit der bewahrung der flezionssilbe fast aas- 
nahmslos die sjnkope der vorletzten silbe verbunden gewesen: 
aerumna älumnus auHtmnus CUtumnus cciunma datnnum Picumnus 
Püumnus ^pikimnoe pajploe^ (Festus s. 205* 24) Vertumnus Vol- 
tumna Vdumntis Yolumna (August dv, d. lY 21 ; daher V6lum m i)\ 
antemnae aus anten{d)'imifMe] ebendahin gehört fescemnoe *qui de- 
pellere fascinum credebantur' bei Festus Pauli s. 86, 8 (wovon 
Fescennia , fescennini) ua. die erhaltung des in diesen Wörtern aus- 
gefallenen vocals pflegt umgekehrt durch den abfall der ursprüng- 
lichen endsilbe erkauft zu sein, ein masculinisches beispiel dieser 
art ist flamen. aber durch die zahlreiche classe der neutralen worte 
auf -men ist dieselbe participialform vertreten *: die endung -menum 
ist durch verschleifung der endsilbe verstümmelt, wie tibioen aus 
^i6tcafm9 entstanden ist. es ist derselbe Vorgang, der aus flamenus 
flamen und aus nomenum nomen werden liesz. zum überflasx ist 
neben iermen die masculinische form mit voller endung terminus 
festgehalten worden. 

Da die zendsprache die analogen erscheinungen -mäna und 



• auf dem stein steht AVC ' rbein. musenm VIT 314 f. XVI 

304 ff. » opnsc. II 441. 709 f. ^ irrtümlich wird von lingnieteD dies 
-men dem griech. -^ar (nom. -fxa) gleicbf^estellt. das griech. Buffix ist 
aus -^avT entstanden, wie die verbalen ableitnngen zeigen. Oaufiovr-ju) 
spaltet sieb, je nachdem ^avT durch schwand des nasalen oder durch 
abfall des dentalen erleichtert wurde, in Gau^aT-jui OaujuidZui oder in 
eau^av-jui dor. 6au^a(vul (darüber s. BÖckh zu Pind. bd. II 8 s. 140); 
6vojiavT-jui in övoMdZui und övojnaWui ftol. övu^aivu). dieses weiter 
entwickelte suffix -^avr, in den bekannten neutra -^crr, ist also identisch 
mit dem lat. suffix "menio, das ebenso wie -minio als vorausgegangene 
stufe -meno voraussetzt, dasz auch vor dem gr. -fiar die stufe des ein- 
fachen -|Li€vo vorhergeht, entnehmen wir dem eben dieser entwicklangs- 
stufe angehörigen vwvu^ivoc. 



Hüseoer: grammatische Bemerkungen (lai participium). 53 

•mna bietet, so hat Schleicher' den weitem schritt gethan, die form 
mit knrzem vocal als indogermanische grundform aufzustellen, er 
siebt in dem indischen -mäna eine unurdprüngliche dehnung oder 
Steigerung der form mit kurzem vocal. dasz die bereits von Bopp '® 
TettreteDe umgekehrte annähme die richtige ist, wird keinem zweifei 
mebr unterliegen, wenn der nach weis gelingt, dasz selbst die grie- 
chiscbe und die lateinische spräche noch spuren der ursprünglichen 
ttttge bewahrt haben, zu dieser Überzeugung ftihrt uns das eben 
festgestellte flamonium. dies priestertum reicht zurück in vor- 
itüiäche zeit, wie die an ihm haftenden altertümlichen Observanzen 
zeigen, es ist darum nicht auffallend, wenn in der genannten Weiter- 
bildung der ursprtingliche vocalismus, geschützt durch den hochton, 
10 unverftndert fortgeführt worden ist. ftamanium ist abgeleitet 
Ton fla(gymonO' , dem 'feuerzünder'." zufolge des auf italischem 
boden entwickelten betonungsgesetzes konnte ursprüngliches flämö- 
mtf nicht erhalten bleiben ; es muste entweder zu flämSnus flämenus 
ood zu fiamen herabsinken , oder , falls die Zersetzung der flexions- 
iflbe schon in der zeit des altem vocalismus vor sich gieng , durch 
Torsdiiebung des accents zu ^flamön- nom. flamo werden, alle diese 
ffiOglicbkeiten sind bei dem participium der Wurzel ter vertreten: 
temimis gr. Tcpjitov (t^pmujv) termen termön-^ werte deren begriff- 
Üdie feststellung wiedemm in graecoitalische zeit zurückreicht, 
icbon HOsthoif " hat den keltischen Segomon- ", deutschen Sige- 
mtnd, lat Semön (Semo Sancus) treffend mit dem vedischen parti- 
cipium sahamäna zusammengestellt 

Die thatsache eines ursprünglichen lateinischen particips auf 
■^6nu8 lag übrigens Iftngst vor in den bildungen von älere : 

l ^cdümänus 11* ^äkmönus IP *älimönus Ul^aUmenus 

Jlemona alimonium älifnen-tum 

spk. clumnus alimonia 

diese reihe liefert uns in der indigitamentengöttin Alemana (Tertull. 
de ofitna 37) noch eine reine participialform mit langem o, wodurch 
die anaahme ausgeschlossen wird, dasz der stamm von flamonium 
etwa durch ein besonderes suffix -mon selbstftndig neben flamen ent- 
wickelt sein könnte, gleichzeitig bestätigt sich , dasz die nomina 
uf '«o nw w und -monia direct aus dem passivischen participial- 
■tamm abgeleitet sind und nicht minder für den ursprünglichen 
lutbestand desselben zeugen, will man genau sein, so wird man 

^Derdittg« zwischen den verbal bildungen dieser art und den nomi- 

^_ . • 

' eonpeDdinm der vergl. grammatik der indogerm. sprachen § 219 
>• 9M*. auf seine seile hat sich Corssen AVB. 1* s. 573 gestellt 

* ver^L grammatik S 791 ff. III* s. 160 ff. i* über die etymologie s. 
^^'tias gr. ttym, n. 161. Corssen ao. I 639. '* qnaestiones mjtho- 
^eae (Bonn 1869} s. 83 ff. ** Marti Segomoni (Orelli n. 1356. Bois- 
ncQ iaser. ant. de Ljon s. 9) , deo Marti Segomoni Dunati Or.-Henxen 

* 7116t (III b, 600) nach Bevne arch. 1852 jahrg. IX s. 315, wo Renier 
vuer anderem auch Segomoni Cuntino beibringt. 



54 HUsener: grammatische bemerkongen (lat. participinm). 

nalen wie matrimonium castimonium^* unterscheiden; die letzteren 
sind offenbar erst nach der analogie jener mit dem bereits feststehen- 
den Suffix gebildet worden, ater wie flamoniutn und alimoniumy 4a, 
so gehören hierher qtierimonia und caerimoma. ich trage kein be- 
denken auch mercimonium testimonium vadimanium in dieselbe reihe 
zu stellen, nicht als glaubte ich sie aus participien von mereari 
t^ari vadari gebildet mit Schwächung des a in der vorhochtonsilbe: 
dagegen liesze sich testamentum anführen, vielmehr scheinen mir 
zwar die nominalstämme zu gründe zu liegen , aber aus ihnen , ver* 
mutlich in einer zeit wo die entsprechenden denominativen yerba 
auf a noch nicht geläufig waren , nomina mit participialer function 
vadimonus usw. abgeleitet worden zu sein, wie später in anderer 
weise cardattts JiaincUus udgl., und diese participialbildungen wurden 
dann die stamme zu den fraglichen neutra auf -mcnium. wenigstens 
für eines derselben läszt sich die Vorstufe nachweisen, bei Ameria 
lag ein see , der Vaditnonis locus ^^ genannt ward : der name steht 
auf gleicher stufe wie termon- und läszt auf das vorausgesetzte part. 
vadimonu8 schlieszen. 

Ungefähr dieselben spuren lautlicher Zersetzung wiederholen 
sich in zahlreichen Wörtern der griechischen spräche, die sich un- 
schwer als erstarrte participia zu erkennen geben, synkope in dpe- 
jivöc M^pijLiva CTpujjivi^ ßAejitvov''; dazu tritt assimilation, Auxi- 
)Ltv-ioc AeuKiiLtvii: A€UKi)Lt)Ltiiy biKTQiLtvov: AIktuwol gegen die 
herschende meinung^^ sehe ich femer verschleifung von mana- 
(movo-) zu jiov- in n^jiiuiv Xrjciitujv f|T€M^v usw.*', und nehme natttr- 
lieh die fälle, in denen das suffix u) zeigt, k€u8mu^v dimtbv (9r]^u)via) 
T€Xa)Ltu)V (neben TXaMOv), für die alte vocallänge des part. in an- 
Spruch, diese verschleifung wiederholt sich auch in der griechischen 
Volkssprache noch in geschichtlicher zeit, wie TTapd^ovoc (gewöhn- 
licher TTapfi^vuiv) , ursprünglich sklavenname, zu irapa^ov nom. 
TTapäjLiuiv '* geworden ist. das von uns angenommene Verhältnis 
der Suffixe mäna mana mön man wird schön bestätigt durch das 
längst verglichene lat. pulmöiP' {pulmo) und gr. TrXeuMOv- irXcufiuiv. 
Leo Meyer hat zu dieser gruppe aus dem bereich des lateinischen 



** auch parcimonia kommt wol von paraUf nicht von parcere; die 
nebenform parsimonia vom pnrt. pass. '^ y^\, Plin. n. h. II 209. Plin. 
epiMt. VIII 20, 4. excc. Botion. 28 8. 189, 27 Weaterm. *• hierher ge- 
hört auch Ö^vo^. DÖderlein (Hom. gloss. I 113) hat gesehen und Auf- 
recht ^sa. f. vergl. spracbf. IV 280 ff.) es bewiesen, dass (iqi>- (vgl. ü^^oc 
6q>a(vuf) die warzel des Wortes ist. nur darin kann ich Aufrecht nicht 
beistimmen, dass die dem worte sii gründe liegende bildang öcp-voc sei. 
dagegen zengt die bewahrung des labialen in öirvoc von wz. svap neben 
lat. tomnuB, oder dq>€voc Ton wz. dq>- lat. apüci. durch eine parallele 
wie £p€^vöc aus ^p€q>-MCvoc wird es wahrscoeinlich, dasz öfivoc dnrch 
sjnkope aus (iq>-^€voc entstand. ^^ s. zb. Leo Meyer vergl. gramm. 

II 274 f. 1* die nomina auf €-^U)v und r)'fiuiv hat Lobeck prol. pathol. 
8. 159 zusammengestellt. '* so heisst der heilige des 29 november. 

auch inschriftlich ist die form bezeugt, bei Henzen Annali 1862 s. 193. 



I 



HÜiener: grammatiBche bemerkungen (lat participiamX 55 

«it recht unter anderem sermo gestellt*^ und auf dessen griecbisches 
ebenbüd, das in Ip^f^veüc ^p^riV€U€iv ipyj\y€ia erhaltene £pfiiiv- 
ufiDerksam gemacht, wir erreichen mit dieser lautform des betrach* 
letaisoffizes den ausgangspunet der ganzen lautlichen entwicklung. 
das lange a des ursprünglichen suffixes musz sich noch bis in die 
anfinge der griechischen spräche neben seinem gewöhnlichen Ver- 
treter ui eriialten haben , wenn es uns hier als f] wieder begegnen 
lolL das thnt es aber nicht blosz in dem erschlossenen wortstamme 
^pfirpf-, sondern aach in ganz zweifellosen participialbildungen wie 
1qii|vöc 'Iciuivfi (Tgl. Ib^ulv Ib)üi6vai), 'AXiqiiivii Alcumena*\ Aiv- 
bii|iijvT|." ee wird danach nicht gewagt sein, wenn wir als rest der 
mprflnglichen form auch das lat. germanas fassen. 

Die erstarmng der lateinischen passivparticipia des praesens 
vir eine vollendete thatsache, als die litteratur begann, vollständig 
ist der ausfall nie gedeckt worden, obwol er empfindlich stOrte. 
aber ein trieb, der einmal in der spräche herschte, erstirbt nicht mit 
der form, in der er zum ausdruck gekommen war. die Volkssprache 
woate sidi za helfen, indem sie sich des activischen pi*ae8ensparticips 
bemiehtigte nnd von demselben in passivischer geltung sehr ausge- 
dehnten gebraoch machte, der Schriftsprache muste diese doppel- 
dentigkeit ansiosz geben, gleichwol hat sie zu allen zeiten einzelne 
aavendnngen des vulgftren ersatzmittels sich gestattet obwol eine 
gnOgende samlung bei Neue lat. formenlehre II 193 die thatsache 
aaner sweifel stellt, sieht man sie doch bei neueren gelehrten zu- 
weilen nicht mit voller schärfe aufgefaszt oder durdi deutungs- 
kflttsie Terdnnkelt, und es mOchte darum nicht überflUssig sein auch 
an dieser stelle an sie zu erinnern, annus nnd mensia vartens** sind 
jedem gelEofig; aber wenige denken daran, dasz dies vortens nichts 
itt als eine ersatzbildung für das nur in einem bekannten gOtter- 
umen erhaltene Eitere participium v()Huim{e)nus. moventia (Celsus 
in den Digg. L 16, 93) und res maventes fOr mobiliarbesitz ist kaum 
jttaiger als die rümische rechtswissenschaft. gignetUia sind bei Sal- 
hatios {luff, 79, 6. 93, 4) die vegetabilien, nicht (wie die erklärer 
sagen) ab ^imtreibende', sondern durchaus passivisch als aus der 
erde wachsende, gerade so musz die stehende ausdmcksweise con- 



^ «0. II 276. '* ich freae mich hiermit eine irrtümliche etjmo- 
ie, die ich rhein. rousenm XXIII 839 anm. 66 andeutete, stillschwei- 
fcad swQeknehmea in können. ** der bei Stephanoa Bji. beieogte 
Mceat verhiciet es, da« wort als ein ethnikon in Afvöuyia sa fassen: 
4u sied Aiv&U|tlT| Aivbu^Cc. nan haben wir neben öCbufiOC anch b(5u- 
WOQ bei Pinduroa Ol. S, 35 bibO^vmc itaicl Af|6ac, wo einige has. mit 
ttüiUtioa biMmimc geben (vgl. darüber Bergk poet. lyr.' s. 34): hier 
bcft alfo eine synkopierte form vor in der vollen Aiv^u^/|vt); nasal- 
^iMchab in der rednplicationssilbe kommt gerade auf diesem spraeh- 
Ctbitt öfter vor (TdvroXoc, Aihröacov, T^vör^ßa; AivöpO^T), AavOdpiot, 
^e^^BlJlTat) ; man darf als nnrednplirierte form den volksnamen Au- 
H^C daneben stellen. ^ Tgl. auch Cie. Arai. 333 Or. annua canfi- 

wnUmä iempora cursu (sc. $ol). 



56 HUsener: grammatiBcfae bemerkangen (lat. participinm). 

tinens ierra^ agmen Qdgl. gefaszi werden, ebenso das aus dem volks- 
mnnd in Inschriften und briefstil gedrungene desideranHssimus und 
amaniissimus^ beides äuszerst bttufig: vgl. zb. inscr. rom. de TAIg. 
1057 Parammani dulcissimo et desideratdissimo fiUo Herais maier 
fecit, M. Aurelins an Fronto 8. 17 (Naber) magister optatissimej amtee 
deaideranHssime^ ebd. s. 30. 88. 132 usw., inscr. rom. de VAlg. 1299 
pater ß{io) amaintisaimo in suo fecU usw. die grammatiker sprechen 
nicht blosz von vocabula iermmata in %iSy a udgl., sondern auch von 
terminantia. einiges abgelegenere will ich zur weitem ergftnzang 
Ton Neues samlung hinzufügen : imtianiihus von den fnucu^evoi zu 
Eleusis Vitruvius VII praef. 17 s. 161, 15 (Rose); adnotasse quaedam 
ut tumida quae ego suhUn^ td improba quae ego audentia fOr t€ToX- 
\ir\^iya Plinius epist, IX 26, 5; nimbis cofüidentibus Minucius Felix 
5, 9; cum sit paratus portus e%ac(ulani^ibus dh. eis qui naufragi 
ektculantur denkmal des Pomponius Bassulus'^; spinaque vagi tor- 
quente cerastae Lucanus IX 716; und um ein beispiel der vulgUr- 
spräche zu geben, dmhcdarum perciäientium sonos die alte Über- 
setzung des Oalpnos in einem artikel des liber glossarum Ober enteas- 
mos (cod. SGall. 905 s. 288). wenn Laevius nach Gellius XIX 7, 10 
ouris intölerantilnts für intolerandis sagte, so zeigt sich hier die nahe 
berührung, in welche das gerundivnm mit dem activen participinm 
durch den misbrauch des letztem getreten war : die kehrseite dazu 
bietet Verriua im praenestinischen kalender 28 apr. (CIL. I 8. 317) 
Flora quae rebus florescendis praeest. die lateinischen grammatiker 
haben die aushilfefnnction des activen particips sehr wol gekannt: 
vgl. comm. Lucani s. 148 vexantia ora] quae vexanhir. quaniam 
Passiva deficiufd praesentis temparis paHicipia: eine bemerkung üb- 
rigens , die der commentator hier nicht hätte machen kennen , wenn 
er nicht in seinem texte IV 751 rigidis vexantia firenis ora ierens 
statt rigides . . frenos las. die sache war den grammatikem dnrch 
Vergilius georg» 1 163 völventia pHaustra klar geworden: vgl. Servius 
zur Aen. 1 234 und oomm. Luc. s. 175, 23. 

Weit geläufiger ist das ähnliche substitutionsverfahren, mittels 
dessen man das part. perf. pass. bei neutralen verben als particip des 
activischen perfects verwendete, eine stattliche reihe solcher bildangen 
hat Nene ao. II 253 ff. zusammengestellt^ wo man jedoch charakte- 
ristische fälle wie söl occasus vermiszt. weniger bekannte beispiele 
liefert das von der grammatik noch sehr vernachlässigte gebiet der 
eigennamen. der gemeine mann liebte es in das cognomen seines 
kindes eine erinnerung an modalitäten der gebnrt oder an die hoff- 
nungen und wünsche die er gehegt hatte zu legen, wie Adiectus 
Cogitatus Concessus Conservata Ckipitus Emerita Expedatus Extrica-^ 
tus usw.: dieser kategorie gehören mehrere zum teil häufig ge« 
brauchte passivparticipia neutraler verben an: Ädvenius (vgl. ad- 



** IRN. 1137 V. 13, suleUt Bücheier anthol. epigr. lat. speelmen 
I 8. 18. 



HUiener: grammatische bemerkungen (dcCöui). 57 

pemia est ftlr advenü zb. in der Galenttbersetzung ao. s. 103) und 
AdveniinuSy Processus Processa^ Successus (der nachgekommene) 
AieoesMi, sehr gewöhnlich auch mit kürzung der ersten silbe Sri- 

IV. 

In der kriük ist noch lange nicht die unkritik abgekommen, 
die tmbekflmmert um ort, zeit und stil seltnere worte und formen, 
weil sie unter besonderen bedingungen zulässig waren, darum auch 
allgemein oder doch wenigstens im fraglichen fall für gestattet hält. 
£ut noch mehr ist dies auf griechischem als auf lateinischem gebiet 
wahrzunehmen, auch unbedeutende thatsachen solcher art zu con- 
statieren ist darum nicht unnütz. 

Die anrufung des Apollon , die an der spitze der Theognidei- 
schen spruchsamlung steht, schlieszt 

äXX' aiei TrpulTov c^ Kai öcTaTov £v t€ ^^coiciv 
äeicui* cu b^ Moi kXCOi kqI dc8Xd bibou. 
dasz schon Bergk und Ziegler das verwerfiingsurteil über dies äeicu) 
ausgesprochen haben , ist kein hindemis von der stelle auszugehen« 
für Theognis ist ä€icu) aus zwei gründen unmöglich. 

Einmal, wie schon jene gesehen, wegen der futurbildung. dasz 
die Attiker nur die mediale form kennen , wissen seit Dawes und 
Person unsere schulknaben. Eur. Her. 678 £ti toi t^pu)v äoibdc 
K€Xab6i Mva^ocüvav* | ^riräv 'HpqkX^guc | KaXXiviKov äeicuj 
irapd T€ Bpö^iov braucht man eben nur zu lesen^ um die notwendig- 
keit Ton Elmsleys deibu) zu erkennen, das gleiche gesetz gilt aber 
für die ganze ältere poesie: nicht anders das Homerische epos (x 352 
dcicöpcvoc), öfter die hymnen, Alkman fr. 2 und 59, Pindaros. 
was man als belege für activisches futurum beibringt, fällt in sich 
zusammen, das epische töpferlied, das auf Samos als Volkslied um- 
lief, soll mit dem vers anheben (ps. Herod. v. Hom. 32 s. 16 West.) 
ei }ikv bu)C€Te ^icdöv, äeicuu (b K6pa^f)€C: ein um so unerhörterer 
hiatns, je einfacher er durch das geläufige äeico^ai zu mildem war; 
aber drei hss. bieten statt dcicuj iZi vielmehr äeibi^cu). wer das nicht 
zu deuten weisz, höre es von Suidas (11 1 s. 1104 Bemh.): 
€i M^v bu)C€T6 Mic6dv äoibfic, d» K€pa)Ltf)€C* 
b€öp* fix' 'A9iiva{ii Kai ÖTt^pcxeOe x^ipa Ka^iivou, 
mit jener knappen, unvermittelten anfügung des nachsatzes, ftlr die 
es keiner nachweisung bedarf. Theokritos, bei dem ^co^oti (jiceO)Ltai 
und dreimal dc^ gelesen wird, soll zweimal (32, 26. 135) deicuj ge- 
sehrieben haben; aber der Vaticanus bezeugt an beiden stellen 
dcibui , gegen das eine besonnene Interpretation nichts einzuwenden 
haben wird, dasz bei Eallimachos activisches futurum fest steht, 
genügt noch nicht um es in jener Theokritischen ekloge gegen das 
Zeugnis der besten hs. zu halten, oder gar es in der meines wissens 
einzigen noch übrigen stelle zu verteidigen, denn auch Sappho soll 



58 HUsener: grammatische bemerkungen (dciöui). 

fr. 11 geBchrieben haben Tdbe vOv ^raCpaic | Taic f^atci T^pirva 
KdXiuc deicu): ist an dem praesens zu zweifeln? 

Nicht so zweifellos ist die heilang der stelle von der wir aus- 
giengen. das von Bergk empfohlene dcibuj stimmt wenig zu ofiirOTe 
C€to XiicojLiai : aber gesetzt es wäre richtig, Theognideisch sind dann 
die beiden ersten disticha nicht, das alte epos gebraucht dcibciv 
nur mit kurzem a, ebenso die Hesiodische diditung und die Ijriker 
Terpandros Alkman Alkaios Sappho Pindaros. und so wird in der 
Theognideischen samlung stets die offene form und diese nur mit 
kurzem anlaut gebraucht, im ganzen acht mal. denn v. 939 muste 
die vulgata XiTup* db^^cv der lesung der Pariser hs. XiT* detb^f^cv 
das feld rSumen. die achte stelle musz ich freilich im Zusammen- 
hang hersetzen, v. 241 ff. 

Kai c€ CUV auXiCKOici XiTuqpOÖTTOic v^oi dvbpec 
euKÖcjuujc dpaToi KoXd t€ koI XiTea 

$covTai. Kai örav bvoqpepfic öttö k€u6€CI fotivic 
ßQc iToXuKUJKUTOuc cic 'Aibao bö^ouc, 
245 oub^ TOT* oub^ Oavujv dTroXetc kX^oc, dXXd fieXrjccic usw. 
hier verstöszt nicht nur die contraction von dei- , obwol sie sich ge- 
rade im futurum durch sog. Homerische hjmnen (6, 2. 32, 19) be- 
legen läszt, gegen den Sprachgebrauch des Theognis. unmöglich ist 
die anknüpfung des negativen satzes v. 245 durch Kai v. 243 statt 
durch oub^. nur ein einziges mal sonst finde ich Kai an der spitze 
eines negativen satzes, v. 177 

Kai Tdp dvfip Tievii) bcb^iiM^voc oub^ Ti €liT€iv 
oüB* Spgai büvaTai, rXuücca hi o\ b^bcTai, 
hinlänglich, wie mir scheint, entschuldigt durch den positiven an- 
strich, der dem ganzen durch das angereihte zweite glied yXotcca 
hi Ol b^bcTai zu teil wird, fehlerhaft ist also gleich sehr Ka( wie 
dcovTai, und darum wird man mit einiger Sicherheit vermuten 
dürfen 

aUv deicovTai' b vo(p€pf)c b' önö KCuOeci taitic 

ßdc oub^ 6avu)v diroXeic kX^oc. 

an sich ist molossisches deibu) sprachlich nicht unzulässig, das F konnte 
im sohwinden eine ersatzdehnung bewirkend die engen grenzen, in 
denen, diese messung blieb, können nicht zufällig sein, nur ein ein- 
ziges äeibi] (p 519) steht im Homerischen epos 36 fällen bakchei- 
scher messung gegenüber, auch in den hymnen, deren entstehung 
bis mindestens ins sechste jh. herab reicht, herscht die regelmässige 
messung; nur dreimal kommt in der eingangsformel *'Hpnv (*£pfifiv, 
''ApTC^iv) dcibu) molossus vor. und während die alte Thebais mit 
"ApTOC aeibe anhob, wie die Ilias Mf)viv deibe, hat um die 30e 
Olympiade Lesches die kleine Ilias begonnen "IXiov dcibu), ein epiker 
der bereits das singen eingestellt hatte und nur sagte, älter iJs er 
ist schwerlich die stelle der Odyssee, sicher nicht jene hymnen. die 



* s. KBmgman in Cartios Stadien IV 144. 



HUsener: grammatisohe bemerknngen {tempium], 59 

defanoog Yon &€(bui hat sich also sichtbar auf einen engen. Ortlich 
und xeitlich begrenzten kreis von rhapsoden beschrftnkt fttr die 
Theognideische samlong ist ein molossisches dcibui ebenso undenk- 
bar wie das fiitaram dcicu). unter diesen umstftnden bleibt Cobets 
vicVTJcui immer noch die einfachste hilfe. 

V. 
TEMPLUM. 

Dasz das lat iemplum und gr. T^^evoc ihrer bedeutung nach 
sich Yollkommen decken und der in beiden Wörtern niedergelegte be- 
griff schon Yor der trennung der griechischen und italischen stftmme 
SQsgeprtgt worden sein müsse, wird nach HNissens geistvoller dar- 
legnng niemand in zweifei ziehen, die ttbereinstimmuDg geht bis in 
die metaphorischen anwendungen der dichtersprache; zu den schö- 
nen werten des Aischjlos Perser 359 f. Herrn. 

€ÖT* Sv q>X^TUJV dKTiciv •'HXioc xööva 
XrjEi), KV^qpac bk tiiievoc alO^poc Xäßq 
bat man Iftngst die erklSrung aus den caertUa caeli tempia des En- 
Bios oder den codi lucida templa des Lucretius herbeigeholt. 

Bei einem gemeinsam ausgeprägten begriff sind wir berechtigt 
utch identische Wortbildung in beiden sprachen zu erwarten, sie 
liegt in der that offen Yor angen. dasz man sie nicht erkannte, 
kommt daher dasz man den begriff der in frage kommenden werte 
nicht scharf genug ins äuge faszte, und dasz man bei der analyse 
Ton tempimm in die irre gieng. 

Von den Yerschiedenen etjmologien , die man ftlr iemplum auf- 
gviiellt hat, scheint sich die auch Yon Nissen und neuerdiugs Yon 
HOftthoff' adoptierte ansieht fast allgemeiner Zustimmung zu er- 
freuen, welche das wort in analogie mit exemplum Yon ex-emere setzt 
and p als einen euphonischen Ycrmittler der beiden liquidae in 
Uwh{u)lmm betrachtet, es ist dabei nur die sprachliche thatsache 
flbenehen, dasz die ftlteste nachweisbare form des wertes nicht 
temphm sondern tempidum ist. in einer anzahl Plautinischer stellen 
ist estempulo im ausgang Yon Ycrsen ebenso sehr hsl. bezeugt wie 
metrisch gesichert, s. Bacch. 968. milgl 461. aul, I 2, 15. eist. 1 1, 98. 
n 3, 30. Foen. I 1, 55; im innem des Ycrses ist es zb. Bacch. 304 
Ton Fleckeisen krit. misc. s. 41 mit CYidenz hergestellt worden, 
nicbts kann also gewisser sein als dasz das p in tempium etammhaft 
ist man mflste 'schon ein besonderes Yergnügen darin finden die 
dinge auf den köpf zu stellen und eine httufhng Yon anomalien an- 
nmehmen, wollte man danach r^ficvoc zu liebe die herleitung des 
Ut. iempkvm ans einfachem tem- erzwingen. 

In Yerengter bedeutung , richtiger wol : in local beschrftnktem 
gebfibeh hat die griechische spräche ein wort erhalten, das ur- 

' foncbiingen Im gebiete der indogenn. nominalen itammbildang 

lies f. 



60 HUaener: grammatifiche bemerkangen (tempkan). 

sprünglich mit t^)ui€VOC iemplum vollkommen synonym gewesen sein 
masz, T^jüinca li\iWf\. dies wort ist gleichwol zu keiner zeit reines 
nomen proprium gewesen, vorzugsweise von dem engen thal des 
Peneios zwischen Olympos und Ossa gebraucht, wird es doch nicht 
selten durch einen zusatz^ erst zur bezeichnung jenes locals ge- 
macht; selbst Herodotos sagt in der beschreibung von Xerxes 
marsch durch Thessalien YII 173 äTriK€TO Iq t& T^fiTrea mit dem 
bestimmten artikeh 4n das dortige Tempe'. die natur dieser ört- 
lichkeit ist mit dem worte allmählich so verwachsen, dasz später in 
demselben einseitig der begriff der thalenge hervortrat, aber durch- 
forscht man den dichterischen Sprachgebrauch ^ so wird man viel- 
mehr die vorst-ellung von hainen , wie sie den göttem geweiht sind 
und die heiligtümer umgeben, durchklingen hören, filtere gramma- 
tiker haben das noch sehr wol gewust, ¥rie der soholiast zu Theokr. 
1, 66 zeigt: il\iiix\ T€VIKWC \k\y Td fiXcii- die sonst noch im namen 
anklingenden Vorstellungen wird mßXL verstehen, wenn man sich die 
classische Schilderung eines t^jüi€VOC bei Xenophon anab. V 3 , 8 ff. 
gegenwärtig hält, und nur in diesem sinne hat dann die alezandri- 
nische kunstdichtung seit Theokritos 1 , 67 ' (^ Karä TTiivciiii xaXa 
T^jn^^^i ^ KQTa TTivbuj das wort in appellativer geltung aufgenom- 
men, die von Kriegk (ao. s. 41) beigebrachten belege lassen sich 
noch vermehren, zb. durch Oppianos kyneg. II 197; besonders 
charakteristisch sagt Nonnos IE 698 von Delphoi : AeXqpiöoc aöbrj- 
€VTa |Li€T^px€0 xi\m^o. TTuGoCc. auch das ursprüngliche Tempe in 
Thessalien ist von haus aus nichts anderes gewesen als ein ort der 
heiligen räume, dort an den ausläufern des von den göttem selbst 
bewohnten gebirges war der alte berühmte lorbeerhain des Apollon, 
die mutterstätte des delphischen cultus^; dort müssen sich die 
heiligtümer auch anderer gottheiten gedrängt haben, unter denen 
wir mit groszer Wahrscheinlichkeit Poseidon namhaft machen kön- 
nen.^ und als der einbrach der geschichtlichen Thessaler die alten 
Umwohner des Olympos verdrängte und um den Pamasos grup- 
pierte, hörte, wie der delphische cultusbrauch zeigt, die heilige 
statte für die landschaften des Parnasos nicht auf der ort der *hei- 
ligen bezirke' zu sein und wurde es nicht minder für die Thessaler. 
Der stamm von T^|Liini ist T€^it€c-, also genau congruent mit 
tempoS'y dem stamm des lat. tempus^ und ganz gleich der in fem- 
pestas tempestus usw. erhaltenen form, nach der etymologie von 
tempus hat man wiederholt geforscht, nur Leo Meyer' hat mit einem 
bei linguisten nicht häufigen , echt philologischen Sprachgefühl sich 
die frage vorgelegt, wie ex temporty den gewöhnlichen begriff dieses 
Wortes vorausgesetzt, zu seiner bedeutung habe kommen können, 
er gab sich die antwort, es müsse Won der stelle, auf der stelle' be- 



* ■. GLKriegk das theBSalische Tempe (Leipzig 1835) s. 42. 
* vgl. Kriegk ao. s. 45 f. < 8. KOMflIler Dorier I 202 f. » s. Kriegk 
ao. 8. 58 f. * Z8. f. vergl. 8prBchf. YII 288 vgl. vergl. gramm. I 368. 



Hüiener: grammatische bemer]nmgen (iempbtm), 61 

deoten « und schlosz daraus auf engen Zusammenhang zwischen tem^ 
pus und TÖnoc. so weit vermag ich ihm nun freilich nicht zu fol- 
gen; mir genfigt es mit Mejer selbst zu antworten: ex tempore ist 
eben nichts anderes als eine Variation zu ex tempulo^ extemplo. also 
identitftt von iempus und templum? der stärkste einwand, der sich 
dag^en erheben wird , scheint der grammatische, wenn die beiden 
werte etjmologbch zusammenhängen sollen, so müste temptdum 
temipimm aus tempus-lum entstanden sein können ; als resultat dieser 
Wortbildung wfirde aber tempullufn oder tempülum zu erwarten sein, 
diaien einwand zu widerlegen gibt die lateinische spräche genügen- 
dea material. von carpos- hat sie corpuUnJtus abgeleitet, dh. corpus- 
leniuSf während sie in anderen «-stammen dasselbe suffiz mit binde- 
voeal angefügt hat iundentus pundenttis udgl. von stercus ist Ster- 
cidHS gebildet nach der hsl. Überlieferung bei Tertullianus apcHog, 
25 (zweimal) und ad not. 11 17; ebenso von dem bereits indogerm. 
neatralstamm vatas (lat. vetus^ gr. froc) vetülus* auch ohne solche 
analogien würde die erleichterung einer der betonten unmittelbar 
folgenden silbe als naturgemäsz zu betrachten sein, somit steht 
von Seiten der grammatik nichts im wege, ^T^fiiroc (T^jüittt)) als 
nächsten griechischen Vertreter zu lat. iemplum zu fassen, noch in 
graecoitalischer zeit ist die wurzel tem- durch das wurzeldetermi- 
nativ p erweitert \ und aus diesem stamme temp- mittels des neu- 
tralen Suffixes -oc das wort abgeleitet worden, welches den hei- 
ligen, nach dem lauf der sonne geteilten (t^^V€IV) räum auf erden 
nnd am himmel bezeichnete. Wortbildungen aus so alter epoche 
pfl^en selten in die zeiten der Sonderentwicklung hinein von den 
▼0lkem, denen sie gemeinsam waren, gleichmäszig fortgeführt zu 
werden, nur den Oriechen hat sich in beschränkter localer tradition 
das alte T^nea in seiner ursprünglichen bedeutung erbalten; in all- 
ganeinem eure zwar, aber mit verändertem wert ist es bei den La- 
teinern geblieben, um den alten begriff, der nicht aufhörte für die 
säenden wie Ütr die bürgerlichen Verhältnisse von höchster Wichtig- 
keit zu sein, gemeingültig zu bezeichnen sind Griechen und Lateiner, 
nachdem sie bereits getrennt waren, zur bildung eines neuen appel- 
latinuna geschritten : die Lateiner, indem sie an dem einmal ausge- 
pifgten tempoS' festhielten und es in der erweiterten form temptdum 
cneoten; die Griechen, indem sie auf die einfache, bei ihnen noch 
in voller verbaler krafl gebliebene wz. tem zurückgriffen und daraus 
mittels des Suffixes €-V€C t^^€VOC ableiteten, wie fiq>€VOC* von wz. 
o^, t)^f|voc von T(€)^a'*t KTf)voc von ktq-. 

Ans der bedeutungsverschiedenheit des lat. tempus von den 
verwandten Wörtern lässt sich ein bedenken nicht entnehmen, im 
gigenteil ordnet sich dieselbe einfach als ein neuer beleg unter ein 
fixeres resultat comparativer betrachtung, das ich hier nur kurz 



' 1. Cortios gr. etym.* s. €0 f. ■ s. Cortins «o. o. 653. * vgl. 
BWtbcr ctjm. forschnngen I 72 f. 



62 Hüsener: grammatische bemerküngen (adverbia auf -tcv). 

andanten will und im Zusammenhang zu begründen mir für einen 
andern ort vorbehalte, die voretellungen und relationsformen der 
zeit sind erst aus den räumlichen abgeleitet; die gemeinsame quelle 
aber fClr unsere begriffe sowol von räum als yon zeit ist die an- 
schauung des himmels. die templa caeli sind durch denselben gang 
des lichts geregelt, welcher die zeiten ordnet, morgen und abend 
deckt sich mit ost und west; mittag und mittemacht wird, unter 
denselben gcsichtspunct gestellt, mit sttd und nord identificiert. 
die Verbindungslinien dieser vier endpuncte bilden jene kreuzung, 
die auch für die raumverhSltnisse der erde maszgebendes vorbild 
war. auf einer jungem stufe hat man im jährlichen Sonnenlauf die- 
selbe zahl entscheidender puncto , die gleiche teilung in entgegen* 
gesetzte viertel wieder erkannt, selbst die einfachen begriffe dea 
rechts und links sind, vne man längst bemerkt hat'^ unlöslich ver- 
wachsen mit diesen anschauungen vom himmel und der daran ge- 
knüpften superstition. die älteste uns bekannte anwendung des 
Wortes tempus liegt vor in Wendungen wie diei und anni iempus 
oder tempora: der durch den Sonnenlauf abgeschnittene, begrenzte 
und bestimmte teil der zeit, selbst die Weiterbildung in tempestas 
hielt zunächst, wie aevUas aetas die von aevum^ diese bedeutung von 
tempus fest, wie in der lex XII sol occasiM suprema tempestus esto. ^^ 

VI. 
ADVERBIA AUF T€N. 

Wie die lateinische spräche aUus aUutn^ älius äUter uft. gern 
verbindet, so stellt auch die griechische, um gegenseitigkeit und 
Wechsel lebendig zu bezeichnen, fiXXoc mit ableitungen desselben pro- 
nomens zusammen und läszt sie in dXXrjXuiV usw. sogar die engste 
Verbindung eingehen, schon dem epos ist das reciproke pronomen 
geläufig, ebenso natürlich auch jene losere Zusammenstellung äXXoOcv 
dXXoc, meist im versschlusz (9 mal), wie auch bei Selon fr. 4, 13. 
Tjrtaios 11, 35; dreimal im zweiten und dritten fusz (B 75. I 671. 
fi 392), wie bei Selon fr. 13, 43; &XXot' in' äXXov 684. be- 
merkenswert ist nur die Verbindung äXXoTefiXXoc, die trotz des 
hiatus nicht selten begegnet: 
h 236 drdp Oeöc dXXore dXXu) | ZcOc dTaOöv t€ xa- 

KÖv T€ bxhox 
Hes. l\d\. 713 bciXöc toi dv^p qpiXov dXXore dXXov | iroiciTai 
Phokjl. fr. 15, 1 dXX' dpa bai^ov^c clciv In* dvbpdciv dXXorc 

dXXoi 
Theogn. 157 Zeuc ydp toi tö TdXavTOV inxppiti^x dXXoTC 

dXXujc, 



^® 8. bes. JGrimm gesch. d. deutschen spräche c. XL s. 980 ff. 
<i in RScbölIs legis XII Üb. rell. s. 119. das gleiche scheint nach Varro 
de l. lai, VII 51 s. 337 von dem etymologisch identischen (s. Aufrecht 
in der zs. f. vergl. sprachf. I 161) tempestut zu gelten. 



HUtener: grammatiiche bemerkuDgen (adFerbia auf -tcv). 63 

und im pentametenchlosz 
Solcm fr. 13,76 "sTheogn. 232 niix^^ni) Teipo^^voic, fiXXoTcfiXXoc 

fX€i 
Solon 15, 4 «s Theogn. 318 xpriMara b' dvGpuJirwv äXXoT€ 

fiXXoc ^x^i 
Theogiu 992 öuvarai b" fiXXoTC fiXXoc dvrjp. 

dn* hiatos ist um 80 anstösziger , als die dichter ihn recht wol zu 
▼«rmeideii gewust haben : Hes. &f). 483 äXXoT€ b' äXXoToc Ziivdc 
vöoc, Theog. 875 &XXot€ V fiXXai fictct, Archil. fr. 9, 7 fiXXoTC b* 
iXXoc ^x^i TÖb€, Semonides fr. 7, 11 dpTf|V b* fiXXoT* dXXoinv ^x^^- 
wenn an den fraglichen stellen hftufig, auch in den besten hss. ein 
T*, zuweilen ein anderes flickwort eingesetzt wird , so zeigt uns das 
zwar dass schon vor uns andere an dem hiatus anstosz nahmen, 
aber die tbatsache selbst kann dadurch nicht in frage gestellt wer- 
den, wir mUssen suchen die erscheinung zu erklären, nicht sie be- 
leiügeD« 

iXX0T€ gehört zu den pronominalen zeitadverbien, die bei 
ghndier formation doch starke dialektische abweichungen zeigen. 
schon im attischen und gemeinen dialekt stehen zwei endungen, 
sich gegenseitig ausschlieszend , neben einander, -ra und -T€: clra 
(ntchi bei Hom. Find. Herod.), £iT€tTQ, bf\Ta (erst bei Attikem, 
noch nicht bei Pindar), v^urra (vgl. Apollon. adv. BAO. 607, 19: 
wol zuerst bei Semonides fr. 1,9), alle mit langer paenultima; da- 
neben irÖT€ 6iTÖT€ 4t€ TÖT6, fiXXoT€ £v(oTe TrdvTOT€; bei Homer, 
im Ütem ionisch und im attischen drama aOre. die endung -ra 
flihrta der äolische dialekt auch da durch, wo das attische nur -t€ 
zaliees: irdra öia dXXora ^T^puira (Sappho fr. 1, 5); dem dorischen 
steht die endung -xa i^u: iröxa 4K(K)a fiXXoKQ, vgl. Apollonios ao. 
606, 99. epimer. II. CAO. I 328, 20 und Ahrens dial. aeol. s. 152 f. 
dor. s. 376 f. 

Aber noch eine vierte endang tritt auf, -T€V: Eustathios zu 
C 506 B. 1158, 37 iv TOic AiXiou Aiovuciou qp^perm, dbc 'AmKd 
iibf t6 cItq kqI £iT€tTa, tö bk clrev f it€IT€V Naxd. biö, q>r)ci, 
nä wap* ^HpobÖTip Kctvrai, vgl. Theognost CAO. n 161, 29 fcTi 
idp tA £ir€iT€v dird roO ^irciTa t^TOVÖc. bei Herodot begegnet 
ann freilich cItcv so wenig wie clra, aber ^TreiTCV liegt mehrfach 
ia der hsL corruptel iixü T€ deutlich vor (s. Schweighftuser lex. 
Herod. I 238). allbekannt ist dasz cTtcv CTreiTCV spftter in der 
Tv^lrtprache sehr gelftufig waren, wie zb. im neuen testament; 
■ad wie eingewurzelt dieser abfall vom kanon des attischen war, 
kaaa man aus der heftigkeit von Phrjnichos invective s. 124 Lob. 
eatnehmen: cTtcv Ka\ Iit€it€v icxdrujc ßdpßapa. cTra oOv cO 

Schon zeitig war dies cTtcv und lircirev in die litteratur ein- 
gedruDgen. wenn der eifer der Attikisien die spuren in der prosa 
tilgte, so war bei dichtem ein schütz durch das metrum gegeben, 
die Kikomedee III gewidmete, also etwa im zweiten Jahrzehnt des 



64 HÜBeuer: grammatisohe bemerkungen (adverbia auf -tcv). 

letzten jh. vor Ch. verfaszte periegese unter dem namen des Skjm- 
no8 benutzt den metrischen vorteil von cTtcv sowol yor consonan- 
tisch als vor yocalisch anlautenden worten, ohne sich der üblichen 
torm zu entschlagen ; auch £ti€IT€V kommt vrenigstens 6inmal eicher 
vor (v. 569), ein andermal (947 lircira b*), wo bk gegen den Sprach- 
gebrauch des Verfassers zutritt, ist es herzustellen.* gleiche praxis 
verfolgt Dionysios des Ealliphon söhn.* es mag dabei bemerkt 
werden, dasz die abschreiber sehr gewöhnlich elrev misverstanden 
und in cIt' dv zerlegten.' 

Man nimt gewöhnlich an dasz der spräche des NT. diese form 
wie andere als ionismus aus Eleinasien zugeflossen sei. * aber jene 
zeitadverbia auf -T€V sind mit nichten eine bet»onderheit des ioni- 
schen dialekts. aus Aristoph. Ach. 745 KJJTrciTCV ic TÖv cäKKOV 
i)b* dcßa(v€T€ ergibt sich, dasz auch dem dorischen dialekt £it€IT€V 
nicht fremd war. und wir dürfen diese vereinzelte beobachtung 
verallgemeinem, schon de Pauw erkannte dasz selbst Pindar Isthm. 
7 (6), 20 diese form nicht verschmähte: 

Kd)fia£' £n€iT€v dbu^eXei cuv 0MVt)i, 
wo die alten hss. (hier nur Vat. II und Medioeus II) nebst den 
soholien fireir' iv geben, während Triklinische hss. ln€if äp* lesen 
mit handgreiflicher Interpolation. Böckh hat dann in der adn. er. 
zu Pyth. 4, 211 (bd. 12 8. 468) diese beobachtung bestätigt, indem 
er die gleiche endung noch an mehreren stellen nachwies : 

Pyth. 4, 211 4c <l>äciv b* €it€IT€V | fiXuOcv: 
so die GOttinger hs., Ineu' dv fiXuOov £ (Medic V), lireiTO JiXuOov 
F (Medic. III): £it€it' dvT)Xu8ov Vatic. II, wonach £iT€iTav | flXuOov 
Bergk. 

Nem. 3 , 49 iiivt\c tö irpCDTOV, äXov b' fiT€tT€V XfX^vov : 
überliefert ist £it€it* &v, ^Treira hss. des Triklinios. 

ebd. 3, 54 (Xeipuiv Tpdqpe) läcov' £vbov t^t^^ Ka\ fneiTev 

*AcKXiiTnöv: 
2tt€it€V bezeugt V (Paris. I), £it€it* iy hss. des Triklinios, £iT€i TÖv 
und im TÖV Vat. II mit corruptel von € za o. 

Von diesen vier fällen sind zwei vollkommen gewährleistet 
durch Überlieferung, metrum imd sinn, Isthm. 7, 20 und Nem. 3, 54; 
hohe Wahrscheinlichkeit und das zeugnis der hss. hat Pyth. 4, 211 
£ir€iT€V (dir sich, dagegen Nem. 3, 49 gibt weder die Überlieferung 
noch die grammatik einen anhält: allerdings gebraucht Pindar 
Xpövov SiravTa ohne präposition Ol. 13, 26 und ebenso irdvra 
Xpövov Isthm. 3, 6 oder töv AiravTa XPÖvov Nem. It 69; aber 

< [Skymnos] 830 cTtcv fiCTicTT) und so 502. 597. 643. 676. (941), vor 
▼ocalen 468. 802, sogar ohne metriiche nötigung 215 etrcv (ctr* ^v hs.) 
fji€Td ToOniv, wonach auch 879 €lTa fiCTÄ toütouc zu äDdem sein wird; 
ctra apostrophiert häufig, voll nur 275. 590; €iT€iTa apostrophiert 4 mal, 
▼oll 661. 709, fji€T^ii€iTa 461. * bei Dionysios ist Tollefl und apostro- 
phiertes ctra und ebenao €tT€v häufig, Cit€itcv nur dinmal (116) neben 
Smaligem Circira. * dasselbe hat Cobet (NT. s. XXXIII) im Vati- 

canos des MT. beobachtet. * s. tb. Cobet ao. s. LXXIU ff. 



HUsener: grammatische bemerkaogen (adverbia auf -tcv). 65 

derselbe auch ^iav dv' f))ui^pav Ol. 9, 85 und kühner töv äXov djuiqpl 
Xpovov Ol. 2, 30. in diesem falle wäre es also willkÜr die über- 
heferang anzutasten. 

Nur metrisches bedürfnis kann Pindar zur anwendung der 
nebenform bestimmt haben: denn er gebraucht daneben Öfter ^TTCiTa 
mit kurzer endsilbe, auch apostrophic^rt (Pyth. 1, 60). von andern 
adverbien dieser classe ist elra bfiTa, dvioTe TTdvTOTe von Pindar 
nicht angewendet, dXXoTC als dactylus Ol. 7, 11. Pyth. 2, 8.5 ge- 
setzt und ebenso oft elidiert worden, aber eines der sonst nur auf 
-T€ auslautenden adverbia bewahrt bei Pindar noch in einem fall 
die vollere endung 

Isthm. 6 (5), 5 vöv aÖT€V *lc9|uioö becTiÖTCji 

Nnpelbecci t€ TTevTrJKOVTa: 
die hss. bezeugen hier qOt' ^v 1c9|lio0 becTTÖTqi: der scholiast der 
stelle las aOr' i\ 1c9)uiiu becTTÖTCji, ein altes citat dagegen im schol. 
zu Isthm. 4 (5), 1 s. 539 B. stimmt mit der hbl. tradition. nachdem 
verschiedene versuche gemacht waren der stelle durch conjectur 
au&uhelfen (aÖT€ b\ aÖTic: aö Tiv, 1c9|uioö beciroTa Bergk, was 
sich darum nicht empfiehlt, weil bereit«« im vorhergehenden gliede 
diese wendung verbraucht ist), hat TyMommsen wieder zu dem not- 
behelf des scholiasten ^v 1c9)uiiu gegriffen, wenn wir beobachten, 
wie die adverbialform auf -T6V fast regelmäszig von den Schreibern 
verkannt und meist durch falsche worttrennung entstellt wurde, 
werden wir nicht anstehen das hsl. qOt' dv als aOrcv zu deuten und 
so vers, gedanke und Überlieferung in harmonie zu setzen, dies 
aOrev ist der buchstäblich entsprechende griechische Vertreter des 
lat. atitem: der ältere lat. Sprachgebrauch läszt zuweilen noch volle 
ideptität der bedeutung hervortreten, zb. Plautus mgl, 1149 si et iüa 
voU et tue autem cupU ua. ob auch von anderen adverbien auf -re 
sich spuren der nebenform finden? ich wenigstens möchte nicht 
Ol. 13, 55 Td bi Kai ttgt' iv dXKd für ein ttgt^v in anspruch nehmen. 

Dasz die verschiedenen endungen -ra -T6V -T€ Spaltungen eines 
ursprünglichen -rav sein müssen , hat bereits H Weber dor. partikel 
KA 8. 19 Sf wahrscheinlich gemacht, freilich ein directes zeugnis 
des altertums für diese grundform gibt es nicht , die stelle der epi- 
merismen CAO. I 328, 20 hat Weber Übel misverstanden. aber 
treffend hat er das bei Sappho fr. 3, 3 überlieferte öttöt' dv als 
SimOTav gedeutet und nach halbem Vorgang von Ahrons bei Alkaios 
fr. 39, 4 dasselbe aus ÖTi ttot* dv restituiert, eine weitere anwen- 
dung hat dann Bergk gemacht, indem er an den vier besprochenen 
Pindarstellen iTieiTav vermutete, was für A>kaios und Sappho in 
vereinzelten fällen (denn die regel war bei ihnen -ra, wie die gram- 
matiker lehren) möglich war, kann -nicht für Pindar postuliert wer- 
den ohne zwingende anhaltspuncte der Überlieferung, thatsächlich 
führt diese auf keine andere form als -T€V, nachdem wir ^ttcit' dv 
Xpövov von dieser frage abgestellt haben; denn was zu Pyth. 4, 211 
önd Isthm. 7, 20 sich anführen liesze, ist zweifellos interpolation. 

JahrbOehM* f&rclMS. philol. 187S hft. 1. 5 



66 HUsener: grammatische bemerknngen (hi\ dv). 

Zu cTtcv £Tr€tT€V adrev dürfen wir nun unbedenklich fiXXoTe v 
gesellen, der hiatus, der dem adverbium in der formel dXXoT€ 
äXXoc zugemutet wird, kann nicht aus der band der dichter herror- 
gegangen sein; er entstand erst, und konnte unter dem eindruck 
des digammalos gewordenen epos leicht entstehen, als die ursprüng- 
liche, den hiatus vermeidende endung der attischen spräche accommo- 
diert wurde. 

Wenn mich eine Vermutung nicht trügt, steht bei Theognis 
dies äXXoTCV nicht allein, in dem vers 742 

vOv b* ö \xky Spbujv 
dK(p€UT€i , TÖ KttKÖv b* dXXoc litciTa qp^pct 
verlangt der gedanke nicht qp^p€i 'erträgt', sondern qp^perai: dafür 
ist als kürzester und significantester ausdruck ^x^^ geläufig, hier 
ganz besonders angemessen 'auf einem andern bleibt's sitzen' : 

TÖ KOKÖV b' äXXoC £lT€lT€V ^X^^- 

vn. 

AH AN. 

Seit GHermann (opusc. IV .382 f.) die einfache und einleuch* 
tende erklärung von Sophokles El. 314 

f\b&y if\h GapcoCca jiiäXXov de Xö^ouc 

Touc couc Ikoijlitiv 
gegeben hatte, durfte nicht mehr daran gezweifelt werden, dasz 
auch die attische spräche bi\ fiv durch krasis zu vereinigen ver- 
mochte. * trotz der auffallenden kürzung , welche die letzte silbe in 
vereinzelten flQlen erf&hrt, kann auch dneibäv nicht anders auf- 
gefaszt werden als ddv usw. dTrrjv. gegenüber dem zweifei an der 
krasis der Sophokleischen stelle, den zb. WDindorf bis in die fünfte 
ausgäbe der poetae scenioi fortgepflanzt hat, verlohnt es sich in er- 
innerung zu bringen, dasz bäy gleich bf| dv sogar in der prosa im 
gefolge von relativen oder relativadverbien , wenn auch in der regel 
verkannt, doch nicht eben selten ist. schon Bast (lettre crit. s. 1 79. 
epist. crit. s. 219) hat bei gelegenheit von Alkiphron I 6 €l ^oi 
itpÖTcpov i1T0^öc€lC 8 b&v 611TUJ (puXdfeiv diTÖppriTOV, auiiKO 
toOtÖ CGI XcSu) auf dies bdv nach relativen hingewiesen, das er nur 
fälschlich mit Abresch in bi (das sollte die bedeutung des lat. cum- 
que haben) und dv auflöste, ich will , da über ihre auffassung kein 
zweifei aufkommen kann, Basts beispiele nicht wiederholen, son* 
dem eine reihe weiterer belege hersetzen , wie sie mir gerade zur 
band sind; es wird dadurch zugleich dem bedenken begegnet werden, 
dasz dies bdv erst der spätem gräcität eigne. Piaton Symp. 199^ 
öpa oOv, Jj <t>aTbpe, €i ti koI toioutou Xötou b^ei, ncpi "CpuiToc 
TdXiiOf^ XeTÖjicva dKOueiv, övö^aclv bk Kai 6€C€i (^tmdTujv Toiauri), 
6iT0ia bdv TIC TUX!J ^TTEXOcCca: der Bodleianus schreibt ganz 



< v^l. HLAbrens de crasi et aphaeresi (Stolberg 1846) s. 9. 



Hüsener: grammatiBche bemerkoBgeo {bi\ dv). 67 

exact bdv, der Coislinianus (über seine jüngst von MSchanz nach- 
gewiesene qnelle sind wir zu dieser stelle nicht unterrichtet) mit 
der gewöhnlichen verkennung des A b' fiv, das von der grammatik 
geforderte erkannte Stallbaum, wenn er bx] 6v schrieb.' an einer 
udem stelle des Symp. 214^ dXXa ti itoiw^cv; IT ÖTi &v cu KcXcuqc 
wird das Yom Coisl. bezeugte ÖTi V &v durch den Bodl. nicht unter- 
stfltzt eine schwierige stelle in Piatons gesetzen 11 658* erh&lt erst 
lieht, wenn das umlaufende V &v als krasis von bi\ &v genommen 
wird. Ti fiv, ei iroT^ Tic outujc dfrXüjc &x\bva 9€\ti övtivoOv, \xr\biy 
dqtopicac ^r|T€ t^^viköv mVitc ^ouciköv }xifi' Ittttiköv, dXXd Trdvrac 
cuvoraTUJV Touc ^v tQ iröXei npociiroi, Oclc viioiTripia, töv ßouXö- 

RCVOV ^K€lV dTUIVtOU)ül€VOV f)ÖOVflC TT^pi JLlÖVOV, &C'b&V T^p^ll] 

TOUC Ocardc ^dXicra (^iib^v dniTarröiLievoc ib tivi Tpönip), 
vucrjqi bk ainö toGto 6ti jLi<SKXiCTa ä7T€pT0tcd)üi€VOC Kai Kpi6Q tüjv 
ornuvicoM^vuiv iibicroc T^TOV^vai* Ti ttgt' &v fiTOÜficOa ^k tqüttic 
Ti}c irpoppif|C€u>c Eu^ßaiv€iv; der relativsatz 8c . . iibiCTOC t^tov^- 
vm, Ton Stallbaum durch eine unmögliche anakoluthie erklärt, ist 
logiech denkbar nur als ausführung zu Gele viKr)Ti^pia, woran er 
sich anlehnen musz, mag man nun dies participium an seiner stelle 
Unen oder es yor 8c umstellen. Xenophon apomn. I 1, 15 Kai 
Mitovc Kül Gbaxa Kai iZipac Kai 6tou bdv dXXou b^uiVTai 
Türv TOiouTUJV : so hat die beste hs. Par. A und die vulgata, ÖTOU 
dv Par. B mit Eosebios praep. evang. XV 62 s. 854 ^ Vettius V a- 
kn» anthol. I 11 Kai öirou b&v KaTaXr)£ijc, Ikü &Tai ö dvaßi- 
ßo£iuv, m 1 Kai i&y }xky cuvobiK^i eöpeO^ (sc. f) T^vecic), dpiO^civ 
TQc fioipac dnö ti)c cuvöbou dirl Tr)v Kar' dKipon^iv ccXrjvriv Kai 
Toka diroXuciv äixö toö ubpocKÖiTOu Kard rö äf)c, Kai öirou 
b&v KaraXri Er) ö dpiS^öc, ö loC öpiou Kupioc Iciai oiKobecirÖTnc 
TiK Curf)c Kai ttjc dq)^c€U)C, IV (?) 29 (ircpl yj\vöc xpimaTicxiKoO usw.) 
M Tou irapol)\Koö f)Xiou tixi Tf|V Kai' ^KipoTniv ceXrjviiv koI Td Ica 
^6 uipocKÖiTOu Kai fiiTOu bdv KaTaXr)£r|, ckott€Tv be/jcei tov 
xvpiov TOÖ ^uibiou. Theon Alex, einleitung zu den handtafeln s. 31 
I Balma) &c (sc. TCTpaernpibac) TrpocTiO^VT€c t^ dvaboOeici] toO ^x]- 
vöc ipifHf, .... TÖV cuvaxO^vra twv fijucpüjv apiO^dv ^KßdXXovTCC 

ovo tflC dpxfiC TOU dvaboGCVTOC JlinVÖC, ^KdCTip fllivl blbÖVTCC 

^Hicpoc TpidKOVTO, clc 8v bdv KaTavTifjcri jLif)va ö dpiG^öc, 
(«ivov <p^OM€V €lvai Kar* AlTurrTiouc. Basileios epist. 190 bd. III 
>.283 Uanrin. (32, 697^ Migne) olbac Totp Kai aÖTÖc, ÖTi öiroTot 
Ö&V lüCIV o\ 1TP0€CTIIJT€C, TOiaÖTa djc in\ TÖ iToXu Kai Td fiBx] 
Tünr dpxoM^vuiv T^vccOai eTuiOev. acta Pauli et Theclae 25 s. 51 
T^^ickend. xal cfirev G^KXaTTauXip' TTcpiKapoO^ai Kai dKoXouOrjcui 
c« 6vou bfiv nopeui). 



* aachtrftglich sehe ich dasz schon Schafer in seiner appendix ad 
f IButii epUtolam crit. a. 49 die stelle des Symposion mit den von Bast 
Wffprodienea fiUlen in zasammenhang gebracht hat; anch er freilich 
itaki an aiebta anderes als bi Av. 

6* 



86 HUsener: grammatische bemerkangen (metrisches). 

VIIL 
METRISCHES. 

Wortende föllt in 443 unter den 693 hexametem der Theogni- 
deischen sprachsamlung, also in beinahe zwei dritteln, mit dem ende 
des vierten foszes zusammen, es ist in diesem falle, wie bereits 
GHermann gesehen , regel , dasz der vierte fosz einen dactylus bil- 
det: diesem gesetze fügen sich voi^ den 443 Theognideischen versen 
nicht weniger als 404. der vierte fusz darf sogar durch ein dactjli- 
sches wort ausgefüllt werden, wie in 72 versen geschieht; aber es 
ist bemerkenswert dasz in der TiaibiKf) jiioGca dieser fall nur 2 mal 
begegnet in 158 versen; also während ein dactjlisches wort im 
ersten buch auf IV/^, verse kommt, fällt im zweiten ein solches erst 
auf 79 hezameter, ist also hier über 4 mal seltener. 

Man beobachtet leicht, dasz das streben vor caesura bucolica 
den dactylus rein zu erhalten den oder vielmehr die dichter ver- 
anlaszt hat von allen mittein, welche die spräche und besonders der 
epische dialekt bot, gebrauch zu machen, dahin gehört die grosze 
zahl von kürzungen langer vocale : von den 246 kürzungen dieser 
art entfallen 97 auf diese versstelle, also ungefähr y^. dabin die 
aufgelöste form des ind. und conj. -eai, die sich nach Renner (in 
Curtius Studien I 2 s. 30) an diesem orte 7 mal, anderweitig nur 
noch 3 mal findet, die infinitivendung -jüiev ist sonst nur durch ^v6^- 
fiev 430 im ersten fusz des pentameters und dx^)ui€V 924 am schlusz 
des pent. vertreten, vor caes. buc. dagegen 4 mal (O^jiiev 845. bö- 
|Li€V 919. deibcjuiev 939. Tracx^juiev 1009). durch die unvermeidlich- 
keit des dactylus sind Singularitäten bedingt wie die offene form des 
Imperativs öjiiiXee 37, TraTpübiov 521, ßaciXriiifj 1191, tcOviiötgc 
1205, oöaTa 1163, Verkürzung der ersten silbe von jn^rpov in frei- 
lich untheognideischen versen 479. 501 ua. es ist längst keines 
Wortes mehr wert, dasz an dieser stelle rToXuTräibTi so gut wie 
Ci^ujvibii oder *Ovo|LidKpiT€ nur dactylisch auslauten konnte. 

Von den 443 mit dihaerese nach dem vierten fusz gebauten 
Theogn. hexametern haben nur 39 spondeus an stelle des dactylus. 
nicht weniger als 27 aus dieser zahl sind dadurch entschuldigt, dasz 
der vierte fusz in ihnen sich aus der letzten (langen) silbe eines 
iambischen oder mehrsilbigen wertes und einem langen monosylla- 
bon zusammensetzt, wie 

209 0UÖ61C TOI II qpcuTOVTi qpiXoc || Kai | ttictöc ^raipoc : 
hier bewirkt die hephthemimeres, dasz der einschnitt vor dem ftlnf> 
ten fusze nicht empfunden wird, die wenigen noch übrig bleibenden 
fälle, die gegen ein so regelmäszig und mit bewustsein befolgtes 
gesetz verstoszen, verlangen scharfe prÜfung. sie müssen entweder 
durch die Überlieferung beschädigt oder schon durch alte Über- 
arbeitung entstellt sein, in der that bietet sich die heilung öfter 
ungesucht : 

641 QU TOI K* €lb€lTlC OUT* CÖVOUV OÖT€ TOV ^X^pÖV, 



HUtener: grammatische bemerkungen (metrifiches). 69 

sclir. €(ivoov, wie schon Bergk gebessert hat, freilich ohne bei 
Ziegler nachfolge zu finden. 

367 ou öuva^at tv&vai vöov dcidiv öv tiv' ^xo^civ 
stellte Brnnck um dcTuiv b* ou b. TVUüVai vöov unter billigung von 
GHermann zu den Orphica s. 729. diese Sndening ist schon an 
sieh eyident, wenn man beobachtet, wie vöoc (7 mal) und vöov 
(8 mal) gerade ftlr diese versstelie in den Theognideischen distichen 
benatzt wird, und nun bezeugen die beiden originalen hss. AO, 
wenn auch nicht an diesem ort , doch bei der Wiederholung des ver- 
ses nach 1182 (Ziegler s. 64) die metrisch erforderliche Wortstellung. 

695 oö buvajLiai cöi, 6u^^, TrapacxcTv äp^€va irdvra 
ist nach der obigen bemerkung über die epische infinitivform mit 
flieherheit iTapacx^|i€V herzustellen. 

911 iw Tpiöbqi b* kriiiuia' bv' clciv irpöcOev öbot jiioi: 
daa firagment, zu dem der vers gehört, ist freilich sicher nicht 
Tbeognideisch , sondern gehört, wie die kttrzung der Stammsilbe in 
ÖOKVO^ai ua. zeigt, attischer poesie zu. aber es zeigt sorgfältige 
teehnik, ein spondeisches wort im vierten fusz ist also unmöglich. 
die Pariser hs. liest clclv TG TrpöcOev, also ist durch die Überliefe- 
rung selbst der dactjlus sicher gestallt b\»* cid tö irpöcOcv öbo( fioi. 
TgL CGoebel de correptione Attica quaestiones duae (Bonn-Strasz- 
borg 1876) s. 10. 

dOavdruiv bk * ööceic 

446 navTOiai Gvi^roiciv ^tt^pxovt*' dXX* ^iriToXfiäv — 
das fragment wird in den hss. nach 1162 wiederholt und dort gibt 
itrcpxCTOt. an das schema Pindaricum wird dabei niemand denken, 
aber ebenso wenig verkennen dasz dies £iT^pX€Tat weder Schreib- 
fehler noch correctur sein kann, das ursprüngliche war 

ddavdTwv T€ böccic 
trdvO*, oTa OvriToTciv ^it^pxcTai' dXX* ^iriToXjuav usw. 

963 pr| HOT* lna\vf\cr]iC Trplv dv ciö^c fivöpa caqpiivuic 
ist das spondeische wort jedenfalls unhaltbar: zur hebung des 
B^adens lAszt sich mehreres ausdenken, zb. nplv ^irtCTcai dvöpa 
ca^qvuic. 

Anders ist zu urteilen über 

181 T€Ovd^€vat, q)(X€ Kupv€, it€vixP<4' ß^Xrcpov dvbpi 

753 TQura ^a6t[iv, q>tX' ^raipe, biKaiujc XPHMCtTa ttoioG 

901 toiv 6 ^iy X^lpu^v, öb'dMeivujv ?pTOV Jkqctov 
1193 dcirdXoOoi bi Tdnriciv ö^Olov CTpdijLia OavövTi. 
diese verse widerrathen eine Änderung, sie stützen sich gegenseitig 
md sind insofern weniger hart, als ein dreisilbiges wort den spon- 
dens vor dem fünften fusze bewirkt, eine wichtige stütze erwächst 
ihnen dnrch den bekannten lendenlahmen vers 

147 iy bt biKCUoojv^ cuXXrjßbiiv ndc' dp€Ti^ *CTtv, 



* die has. geben sowol hier wie nach v. 1162 re: doch wol 

•un T«? 



70 Hüsener: grammatische bemerknngen (metrischeB). 

den bereits Aristoteles Nik. ethik V 3 1129^ 29 ohne wesentliche 
Variante als sprichwörtliche senteniK anführt. Theophrast hatte ihn 
in seiner ethik als Phokjlideisch bezeichnet, in dem werke iT€pi 
i^diDv nannte er ihn Theognideisch, dh. die sentenz hatte bereits da- 
mals angefangen in den schulen unter den Theognisezcerpten um- 
zulaufen, der vers ist freilich reine prosa in hexameter gezwängt 
und wurde zu einem Theognideischen erst durch anfügung des 
Pentameters mit Kupv€ gestempelt. 

Noch ein vers ist übrig und der gehört gar nicht in diese mbrik 
1161 oub^va Gricaupöv KaTaG^iceiv rraiciv fi|ui€ivov 
dToOciv b* dYOtOoTc dvbpdci, Kupve, bibou. 
die nichtigkeit des gedankens ist über jedes wort erhaben. Welcker 
hielt darum das distichon für eine parodie, allein der inf. fut. Korra- 
Oiiceiv erweist Störung der Überlieferung, die zwei hss. , deren 
Zeugnis allein in betracht kommt, haben folgende Wortstellung 
naiclv KaraOrjceiv S^€ivov, und dadurch wird klar dasz das disti- 
chon identisch ist mit 

409 oub^va ÖTicaupöv iraiciv KaraGricij (-C€i AO) d)üi€iviu 
aiboOc, f^ T* dTaOoTc dvbpdci, Küpv', ^Treiai. 

das seltsame KaTa9r)C€iv 1161 wird durch das hsl. KaraOf^cei auf- 

H 
gehellt als KATAOHIEI'; für aiToOciV 1162 bringt die dritte Variante 

unseres distichon licht, die Biobaios anthol. 31, 16 aufbewahrt hat 
oub^va Oiicaupöv KaTaOiiceai Ivbov dMEivu) 
alboOc, f^v dTOtOoic dvbpdci, Kupv€, bibuic. 
wer noch nicht weisz, wie schon im altertum diesen resten der elegie 
mitgespielt worden ist, der kann es an diesen Varianten lernen, wo 
ist sicherer grund ? erst durch Stobaios lesung gewinnt der hexa- 
meter sinn und verstand, fvbov entspricht dem gedanken vortreff- 
lich: ist es auch originale Überlieferung? die Übereinstimmung des 
Pentameters (bibuic Stob, und bibou, aiboOc f\v und alTOÖciv) 
beweist, dasz Stobaios das distichon der zweiten samlung, der 
V. 1161 f. angehört, nicht der ersten (409 f.) entlehnte, aber beide 
exemplare des Theognis, sonst so abweichend, sind einig in iraidv 
KaTaÖ/jcei. die wendung auf kindererziehung, die dem gedanken 
durch iraiciv gegeben wird , passt möglichst übel für Eymos ; doch 
weil Traiciv corrupt ist, musz nicht £vbov das echte sein, vielmehr 
wird es uns helfen in iraiclv das ursprüngliche zu ermitteln, npa- 
TTiciv. es bleibt der pentameter. was soll bibövai aibOu sein? bibuic, 
das Bergk PL." s. 555 glaubte festhalten zu können , ist ebenso wie 
das £iT€Tai der ersten samlung eilfertige und schlechte ergfinzong 
eines unleserlich gewordenen wertes, wir wurden schon oben (s. 66) 



* verlMung von H für N lie^t auch Theogn. 252 vor: ico) öftubc, 
6(pp* Av 'ff\ TC Kai i^^Xtoc. so die hsn., das unentbehrliche 4 stellte 
Bergk durch einschiebang her 6(pp* Av i] mit Verletzung des für Theognis 
geltenden gesetzes über muta cum liqaida (vgl. COoebel ao. s. 11). über- 
liefert war 'O0PAH mit Unterlassung der apostrophierang. 



HUsener: grammatische bemerkangen (hypostase). 71 

in Tbeogn. 741 yeranlaszt einen solchen am versende eingetretenen 
Bchaden anzunehmen, ich kann noch einen andern fall anfahren: 
729 qppovTiöec dvOpuiirujv IXaxov irrepa iroiKiX' Ix^vcat 

^upöjüievai M'^X^c cIfveKa Kai ßioTou: 
im ringen nms dasein wachsen dem menschen die flügel des yer- 
standes und der erfindungsgabe. beinahe das gegenteil würde 
Theognis sagen , wenn Heimsoeths vermntung £Xa6ov (emend. 
Tbeogn. IT s. 4) das richtige träfe. Theognis schrieb 

<ppovTtb€c dvOpuiiTUiv £Xaxov irrcpd irotKiXa qpOcai 

fiapvdM€vai Miuxf)c €\v€Ka xal ßiÖTOu. 
80 ist auch in der stelle, von der wir ausgiengen, der pentameter- 
schloBz durch eine befriedigendere ergänzung herzustellen ; ich ver- 
mate dass das unleserlich gewordene wort fiqpevoc war, vgl. 725 
TOUT* &9CVOC OvTiToTci, und stelle darum das distichon so her 
oifbiva Oiicaupöv irpatriciv KaTa9iicir| d^elvui 

atöoGc, fi t' dTaOoTc dvbpdci, Küpv', dq>€VOC. 

IX. 

HYPOSTASE. 

Mancher Vorgang der Wortbildung gönnt uns einen blick in die 
werkstItte unserer begriffe, in ihre entstehung und ihr Wachstum, 
die Sprachforschung, vorzüglich mit der materie und äuszem form 
b«efakftigt, ist dem Wortschätze nur um des Stoffes willen näher ge- 
treten, zu der schmetterlingsjagd nach der Psyche, welche in ihrem 
guten neckisch umhergaukelt, hat dieselbe noch wenig lust ver- 
rtyien. dem philologen, der im worte den gedanken bis in seine 
eigenste färbung zu erschlieszen sucht, drängen sich einzelbeobach- 
toBgen Ober die Wechselbeziehung zwischen sprachlicher form und 
begriff ungesncht auf, die zu erweiternder betrachtung einladen, so 
mag denn trotz der beschränktheit des philologischen gesichtsfeides 
Uer ein allgemein gültiger und wie mir scheint wichtiger process 
nr Sprache gebracht werden, den ich der kürze halber hjpostase 
oder veraelbständigung nennen will. 

Viele pflanzen senden ringsum tastende ranken aus, die den 
boden erfassen, wurzel schlagen und so ein neues gewächs erzeugen. 
Asdi in der spräche vermögen flexionsformen begriffliche Selbständig- 
keit za gewinnen und ihr sonderdasein durch eigne flezion zu be- 
ksaden. die flezionaform stellt den zu gründe liegenden begriff in 
beetinmiem besonderem Verhältnis dar: indem dies Verhältnis als 
begriff tfkr sich gefaazt wird, mnsz der neue begriff auch der ver- 
blhaisfonn die ähigkeit selbständiger ezistenz verleihen; von dem 
fiade der beweglichkeit und zeugungskraft, die der spräche inwohnt, 
biagt es dann ab, inwieweit das zur Substanz erhobene Verhältnis- 
wort mit eigner flexion ausgestattet wird. 

Am spärlichsten äuszert sich diese geistige kraft der spräche 
im verbnm. es ist eine anomalie und immer ein zeichen, dasz die 
vurzel des Stammes erstorben ist, wenn sb. ein praesensstamm un- 



72 HUsener: grammatisclie bemerkangen (hypoBtaae). 

praesen tische tempora erzeugt , wie ßöcKW ßoCKf)cat, öibdcKuu bt- 
baCKTicai, TUTTTU) TUTTTf)cai udgl. ganz fehlt auch diesem gebiete 
nicht sichtbare Wirkung des begriffs. perfecta , deren praesentische 
bedeutung es vergessen liesz, dasz der gegenwärtige zustand das 
resultat einer vollendeten handlung sei, sind durch besondere 
endungen zu praesentia umgeprägt worden, nicht blosz von obso* 
leten stammen, wie Y^TUiva zu Y€TUJV^uj und ycTujvickuj, dviuTa zn 
dvüüTU), sondern auch von lebendigen wurzeln, so hat sich aus 
ScTiiKa in der Volkssprache zeitig IcTrJKUJ und daraus das später üb- 
liche CTr|KUJ entwickelt; ja bei den sikelischen Doriern waren Um- 
bildungen wie b^öoiKa zu beboiKUJ (Theokr. 15, 58) in weiterem 
umfang geläufig: vgl. Ahrens dial. dor. s. 328 f. 

Indes das sind vereinzelte erscheinungen. das eigentliche ge* 
biet der hjpostase ist das nomen. ich kann nicht daran denken, die 
fülle der anwendungen , welche jenes gesetz auf nominalem gebiete 
gefunden hat, hier zum Überblick zu bringen, von den einschlagen- 
den compositionsformen sehe ich ganz ab, die Verbindungen mit 
Zahlwörtern wie iriumvir sepiemvir^ und anderseits septenUrio* kann 
ich als bekannt und erkannt voraussetzen, ich beschränke mich auf 
die sei es durch einfachen casus oder durch Verbindung desselben 
mit einer präposition hergestellten verhältnisformen, welche zur 
bezeichnung eines begp*iffs verwendet werden, und dabei wird ein- 
gehendere behandlung von einzelnem, wofür sich überzeugender be- 
weis führen läszt, mehr fördern als eine nach umfassender Übersicht 
strebende Zusammenstellung von Vermutungen. 

Für sprachen, welche sich des bestimmten artikels bedienen, 
ist es ein leichtes, adverbia und präpositionale structuren zn enb- 
stantiieren und als nomina, sogar als attribute fungieren zu lassen, 
das griechische hat von diesem mittel den umfassendsten gebrauch 
gemacht ; gleichwol ist die spräche allenthalben, wenn der mit jenem 
mittel hergestellte begriff zu einem bleibenden demente des geisti- 
gen hausraths wurde, dazu gedrängt worden die zunächst für mo- 
mentanes bedürfnis geschaffene form durch besondere flezion zu 
eigner ezistenz zu erheben, der wichtige begriff analogie kann nicht 
durch einfache composition aus dvd und XÖTOC erwachsen sein, und 
der Sprachgebrauch bestätigt, was wir aus der bedeutung der ele- 
mente schlieszen. noch Piaton' und Aristoteles kennen nichts als 
das neutrale, richtiger adverbiale dvdXoTOV dh. dvd Xötov: der 
fortschritt zur verselbständigung des begriffs hat sich bereite auch 
äuszerlich vollzogen, indem der zurückgetretene accent die zwei 
Worte zu einer einheit verschmolzen hat. diese Schreibung steht für 
Aristoteles fest, bei Piaton ist die Verbindung dvd XÖTOV wol noch 
flüssiger, aber er gebraucht schon das abstractum dvaXofici zum 



^ B. Bücheier im rh. mos. XI 627 f. ' rb. mus. XXIII 335 anm. 50. 
s im Timaios 69^ wird dvdXota kuI SOppcTpa cTvai mit unrecht ge- 
duldet; man schreibe dv& Xötov. 



HUsener: grammatiBcbe bemerkungen (faypostase). 73 

beweiB dasz aach fttr ihn dvd Xötov zu einem bestimmten begriff 
sQsammengewachsen war. das adj. dvdXotoc ist erst später ge- 
worden, aber mit natumotwendigkeit. den gleichen Vorgang zeigt 
die reihe im b€£id dnib^ta ^TribeEioc. aus Kar' dHiav, zb« f) kot' 
d£iav öiKii (Dem. gMeidias 127), ist KardEioc geworden, nicht erst 
in hellenistischer zeit (KaToEiac xdpiTac CIG. 2525^ 11 und abh. 
der Berliner akad. 1872 s. 68), sondern schon bei den attischen 
tngikern. die eminente bildungsf&higkeit der griechischen spräche 
war stets bereit dem vorhandenen bedttrfiiis abzuhelfen; die zahl 
der warte, die ihre entstehung dem angedeuteten process verdanken, 
man legion sein, die modernen sprachen können dagegen nicht 
aufkoomien, doch ist auch ihnen der Vorgang nicht ungeläufig, zb. 
franz. ks akfUaurs von ä Ventour y les dehors, Vaprta-midi Vaprhs- 
dMty unser vormittag nachmittag usw. so schwierig für die latei- 
nische spräche der substantivische oder adjectivische gebrauch 
solcher ausdrücke wegen des mangelnden artikels sein muste , hat 
sie sieb demselben nicht entziehen können : sie schreitet gleichfalls 
je nach der Wichtigkeit des begriffs zu flexiver neuprägung vor. die 
TonogBweise appositionell verwendeten titel pro oonstde pro praetore 
pnfamint pro magistro haben sich lange erhalten; sollten sie fCLr 
Dch im Satze fangieren, so konnte die spräche auf die dauer dem 
bedflrfiiis der flexion nicht widerstehen; noch. auf Arvaltafeln des 
iweiten jh. wechselt in der apposition ursprüngliche und flectierte 
fonn; ex oonstde ex praefeeto usw. ist wol bis zum ende des alter- 
toms das übliche gewesen, als Cicero den Aratos tibersetzte, stand 
ihm fllr ö irpö kuvöc dcri^p, woraus die griech. spräche ohne wei- 
teres ihren TTpoKUUiv gebildet hatte, nur Ante canem zu geböte: et 
kieOemimis est ille sub ipsis | Ante canem^ graio Proegon qui 
inmme fertur y. 222 und ebenso de nat, deor, II 44, 114; die nach- 
folgenden dichter und Schriftsteller über astronomie wären zu Ante- 
(»ms gedrängt worden, wäre ihnen nicht Frocgon und CanicuHa be- 
quemer gewesen, dvd Xötov hiesz lat. pro portUmCy das muste sich 
zn dem nomen prqportio verdichten, dasz interpres ein inter partes 
war, hat Bergk^ überzeugend erwiesen aus dem barbarismus des 
Conaentius a. 392, 24 interpertor pro inierpretor. so ist aus stib 
kirnen subUmis^^ prosper aus pro spere^ hervorgegangen, aus vielem 
gleichartigen will ich noch einen fall herausgreifen. 

Wie ist der begriff perfidus erwachsen ? die quantität trennt 
das wort von den verwandten adjectiven fidus infidus und weist auf 
Mo. aber eine reguläre ac^'ectivische bildung von fides würde kaum 
uden gelautet haben vkls> perfidius wie von res reus dh. re-ius (vgl. 
f>dk>ia rta); TgL den deus Fidius. nicht geringere Schwierigkeit 
Bucht die bedeutung der präposition. 



^ im Philologas XIV s. 186 these 68. » s. Ritschi rh. mos. VII 
(66 ff. » opiuc II 462 ff. und Kibbeck in diesen jahrb. 1858 a. 184 f. 
* s. den Oreifawalder index lect. für den sommer 1866 s. 16. 



74 Eüsener: grammatische bemerkungen (hypostaBe). 

> 

Wo wir das seltene adverbium perfide erwarten sollten, finden 
wir bei classischen Schriftstellern die wendung per fidemJ die regel- 
mäszigß Verbindung war per fidem deäpi, wie schon Plautns most. 
500 das gespenst erzählen läszt 

per fidem (so die hss., perfide Scioppias) 
deceptus sum: hospes me hie necavü isqtie me 
defodit inseptUtum dam in hisce aedibus. 
activisch (gewis auch alt, wie die allitteration schlieszen läszt) per 
fidem faUere (Cio. de inv, I 39, 71); danach in freierem gebrauch 
per fidem circumventos (Caesar hg. I 46 , 3) , per fidem violati coUo- 
quii (Liyius XXXVIII 25, 16). hie und da hat man wol an der Über- 
lieferung gerüttelt und das billige adverbium empfohlen, dasz die 
alten selbst nichts anderes als perfidem zu hören gewohnt waren, 
ersieht man deutlieh aus anwendungen und Variationen der redensart, 
wie Cic. pSEosdo 40, 116 ad cuius tgUar fidem confugiety cum per 
eiiAS fidem laedüur^ cui se commiserU? Valerius Max. IX 2, 1 quat- 
tuor kgiones cantrariae partis fidem stmm secutas . . ohtruncari iussü, 
Livius VI 29 , 2 ödeste di festes foederis et expetUe poenas debiias si- 
mtd vohis moLa/tis nohisque per vestrtMn numen dec^tis und besonders 
Seneca de prov. 3 , 7 müUa müia civium Bomanarum uno loco post 
fidem , immo per ipsam fidem truddaia? man fühlt in solchen an- 
wendungen durch, dasz die schriftsteiler in der heifkömmlichen 
redensart einen widersprach empfanden, den sie als absichtliche 
Zweideutigkeit sich gefallen lieszeh und weiter bildeten, die neueren 
erklärer sind der andeutung, die in diesen stellen liegt, gefolgt and 
erklären, um Nipperdeys präciseste formulierung wiederzugeben, 
*per fidem datam nee servatam*. zweifelsohne bat seit der Ciceroni* 
sehen zeit jeder, der sich von der redensart rechenschaft zu geben 
suchte, sie nicht anders verstanden, aber mit dieser thatsache ist 
nicht die frage entschieden , ob man auch richtig verstand , ob man 
mit dem geläufigen Sprachschatz der zeit überhaupt den ursprüng- 
lichen sinn zu ermitteln vermochte, bei Livius 19,13 liegt uns 
noch die sehr alte formel vor per fas ac fidem decepti: soll auch per 
fas zweideutig für per nefas stehen? in der rede des L. Philippas 
bei Sallustius hist. I fr. 51, 15 heiszt es: ut te neque hominum neque 
deorum pudet^ qtws per fidem aut periurio violasti: wäre die üb* 
liehe erklärung richtig, so hätte Sallustius vielmehr schreiben 
müssen per fidem atd iiis iurandum. wenn die Zusammenstellung 
per fas ac fidem uns lehren kann, dasz fides ursprünglich nicht 
doppeldeutig gemeint war, so müssen wir der Sallustischen stelle 
entnehmen, dasz per fidem und periurio auf gleicher linie stehende 
begriffe waren, das heiszt mit anderen werten , dasz per in beiden 
fällen gleiche bedeutung haben mosz. in periurus 'gegen den schwur 

^ das msterial zu dem folgenden ist schon gröstenteils von Nipperdey 
BQ Caesar s. 123 snsammeni^estellt. ^ vielleicht darf schon Ter. 

Pharm, 469 ne quid propier tuam fidem deeepta poteretar mali als versach 
einer Umbildung der formel angesehen werden. 



HQsener: granunatiscbe bemerkQngen (hypoetase}. 75 

handelnd' oder 'anders handelnd als geschworen' zeigt das alte ad- 
Terbium skr. param o»k,perum' dieselbe bedeutung wie griech. zb. 
in iropdcrrovboc. irre ich nicht ^ so Iftszt sich im lateinischen sogar 
noch die Tolle tonn perem nachweisen in perendie *an anderem 
( übemttchstem) tage' und mit sjnkope in permüieSy das seine erklä- 
rung in dem geläufigen perire hat.'^ locale geltung hat sich nicht 
selten erhalten: peregre *in anderer gemarkung', peremne und per- 
tarmine auspicari 'auf der andern seile des flusses oder der grenze', 
»periicere *auf die andere seite locken' (wie segäem perlicere lex Xn 
6. 143, 7 Scholl), vielleicht auch perfaga perfugere perfugium, das 
anderseitige wird zn einem gegensatz gegen das natürliche, vemünf- 
tigeusw., wie in perpiexus perverto perdo pereo perimo , so in per- 
fKrM. auch in der formel per fidem oder per fas ac fidem decipi 
mosz per die bedeutung * wider' gehabt haben, von zäher dauer, 
wie solche fonnelhafte redensarten sind , hat sie sich erhalten bis 
in eine zeit, wo der ausgebildete gebrauch von per sie in ihr gerades 
g«genteii verkehrte, wie sich das an der jungem beschwörungsformel 
per iwtm fidem zeigt, man sieht wie der zufall in der gestaltung 
des Sprachschatzes waltet, aus per fidem erwuchs perfidus; das alte 
per fas wurde nicht weitergeführt; zu periurus und seiner ver- 
tweigung dUrfen wir per ius als ausgangspunct voraussetzen , nach- 
raweisen vermögen wir es nicht. 

Statt weitere einzelheiten zu häufen , will ich noch zwei gnip- 
pen von begriffen unter den gleichen gesichtsponct stellen, um 
einen ort zn bezeichnen sind wir häufig genötigt nach einem merk- 
mil m greifen, durch den der fragliche raumteil von anderen unter- 
Mieden and abgegrenzt wird, eine unflbersehbare fülle von orts- 
Bunen hat so ihre entstehung gefunden : der adverbiale ausdruck, 
tocfa den man das wo bezeichnete, wurde substantiiert und zn 
eineni ortsbegriff an sich, jedem ist das byzantinische 'c T&v iröXiv 
StambiU geläufig. Auren und gemarkungen benennt der Deutsche, 
wenn nicht eine Verbindung oder Zusammensetzung mit den appella- 
titen adcer wiese uä. zur band ist, regelmäszig in locativischer form 
<flL durch Verbindung mit präpositionalen adverbien wie an auf tn, 
rar Mitor, über unter ^ bei^ gwiachen.** raschem curs haben benen- 
aoagen für stftdte nnd dörfer: hier hat unsere spräche sich fast 
durchweg der präposition entschlagen , welche in älterm gebrauch 
ttoefa orsprung nnd sinn der ortsbezeichnung hervortreten liesz, nnd 
vir behandeln diebe werte als richtige nomina, ohne daran zn den- 



* s. MoniDten unterital. dlal. s. 286. *^ so schon Bergk beitr. 

L tat. iframin. I 166: nur dasi er nicht an die bewahrnng; des inter- 
vocalen m giaqbt (vgl. cowdtium neben fotre, comedere, comegii f&r coegii 
Wi Plactdoel und lieber an das von ihm voraosgesetste peW ein enpho- 
tiKhc« m (n) ansohiebi. ^* einen leichten Überblick über solche ans- 
^Hick« gewährt die sasammenstellang der flumamen aas dem amte 
fetter, in der seitsehrift des vereine für hessische geschickte und 
ludctkande X (1865) s. 240 ff. 



76 HUsener: grammatisclie bemerkungen (hypoetase). 

ken dasz die endung der vermeintlichen nominative so oft noch ftlr 
das geschwundene ze zeugt : München ua., Edingen GeiszUngen Göt- 
tingen Meiningen Usingen usw. , noch klarer Hüdburghausen Nord- 
hausen Waldhausen, Kirschhofen, oder mit bewahfung von binnen- 
flexion KäLiennordheim Schwarzenhach Weiszenburg Weiszenfds, wer 
sieht es dem wort Innsbruck an dasz die stadt ursprünglich nur 
durch ihr örtliches merkmal umschrieben, nicht eigentlich benannt 
wurde? und doch ist es so, s. Arnolds Slavenchronik VII 18 cwitate 
quae ex aque nomine naturaliter fYnshrugge dicvtur, auch bei an- 
tiken stSdtenamen liegt diese entstehung zuweilen noch klar vor: 
AmüernMm dh. am-Atemum^ Inieramna «= inier amnes (Varro de L 
UU, V 28 s. 44), Interamnium im Picenerland ua.; 'AvTdpaboc 
'gegenüber Arados', 'AvTiq)eXXoc (vgl. den gebirgsnamen ^Avri- 
KpaYOc), 'A^q)i^dXiov, '6TrdKpia '£iTiKiiq)icid, TTroGfißai 'YnoxaX- 
Kic usw. es offenbart sich in diesen antiken werten verglichen mit 
den deutschen wieder die gröszere bildsamkeit der spräche, die 
durch die flexion jede spur des Ursprungs zu verwischen wüste. 

Die anwendung auf die elementaren zeitbegriffe ist unvermeid- 
lich, tag und nacht mit ihren natürlichen abschnitten sind gewis 
überall in unserem sprachkreise erst durch den Vorgang der hjpo- 
stase zeitbegriffe geworden, ursprünglich müssen sie locativisch aus- 
geprägte bezeichnungen nach merkmalen des himmels gewesen sein, 
so ist dies {dius) etymologisch 'himmelshelle', während andere 
sprachen nur vereinzelte belege dieser begriffsbildung erhalten haben 
wie gr. d)iq)iXuKii, noch klarer deutsch mitternachi mit bewahrung 
der binnenflexion (vgl. mit endflexion Weihnachten)^ gestattet die la- 
teinische auf diesem gebiete die einzelnen stadien des Vorgangs noch 
deutlich zu erkennen, manche Zeitbestimmungen locativischer form 
sind ihr auch später geläufig geblieben , als längst der locativ nicht 
mehr als casus empfunden wurde : die mane nuxni lud vesperi. die 
grammatik betrachtete sie als adverbia, wie man auch JtfiZe^t kein 
bedenken trug adverbium locale zu nennen (Donatus zu Ter. ad. IV 
6, 20): so schon Sisenna, der zu Plautus Amph, 165 hoc luci bei Cha- 
risius 8. 203, 27 die bemerkung macht: quaecumque nomina Elit- 
tera ablativo singulari terminaniury I lUtera finita adverbia fiunt tä 
*mani\ in Wahrheit sind es substantiierte Zeitangaben , die mit den 
adverbien die unflectierbarkeit und die möglichkeit adverbialer Ver- 
wendung teilen , aber nach ihrer begrifflichen geltung durchaus no- 
minaler natur sind, das zeigt sich in ihrer syntax. nicht nur ver- 
mögen sie mit präpositionen sich zu verbinden : diese fUhigkeit teilen 
sie mit anderen adverbien, ad-prime de-inde de super in-super ex-ad- 
vorsum , vulgär ab-ante (fr. avant it. avanti) e-contra usw. , gr, ek 
aööic de aöpiov de töt€ f ktotc ^k ndpuciv, fvavii neben dvTi usw. 
so wurde gesagt cum luci semul Plautus Stich. 364 und merc, 255 
(hier luce die hss.), a mane Amph, 253. mügl. 503. most. 534. 767. 
Foen. III 3, 37; vgl. Diomedes s. 405, 36 (Charisius s. 116, 24) 
dixerunt veteres *a mane*^ aber a mani PL most. 767 n^ch Servius 



Hüeener: grammatische bemerkangen (hypostase). 77 

ra Aen, Y 19; de vesperi PI. mgl, 995. erstarrt war die gleichartige 
Terbindnng interditts (PL atd. I 1, 33. asin, 599. capt. 730. Ter. ad. 
511) TOD dius *bei tag' (vgl. Bücheier rh. mus. XV 440) und inter- 
diu. wir dürfen solche wendangen nicht anders auffassen als die 
mit prtpositionen vereinigten adverbia : a mane war nicht Won der 
frühe an', sondern 'von in der frühe', diese auffasRung wird auch 
tof de die^ zb. de die potare PI. asin. 825, adparare de die convivium 
Ter. (uL 965 usw. , und de node {noäe wie noäi PI. Cure. 352 und 
w>äu locativ) anzuwenden sein, dagegen wenn ante diem X holen' 
da$ mit in oder ex verbunden wird, ist die adverbiale Zeitangabe ein 
beatimmter begriff (nicht die vorausliegende zeit überhaupt, sondern 
der^inetag) geworden, also zu nominaler function erhoben, und 
diese macht sich denn aach bei jenen locativen geltend, wenn sie 
durch pronomina oder adjectiva bestimmt werden, so lange der 
locaÜT lebendig war, muste natürlich das attribut in derselben weise 
flectiert werden wie das nomen : infelid arbari (s. Bücheier lat. decl. 
s. 62), inafie sane seplimi PI. Men. 1157 (vgl. Bücheier ao. s. 61), die 
pnxmmi uft., pectori penUissume (s. diese jahrb. 1865 s. 253 f. 1867 
8. 247 ff.), in die spStere spräche hat sich diese structur nur in 
fonnelbaften resten fortgepflanzt, pridie postridie cottidie und in den 
TOD Qellius X 24 erörterten redensarten. sollte der erstarrte casus 
ein attribut erhalten, so konnte dies nur geschlechtslos sein, wie 
cras hestemum und aliud cras (Persius 5, 68), gerade so mane novum 
^^g' 9€org. III 325 mit der schulgerechten bemerkung der Bemer 
Kbolien s. 943 (Hagen) noUmdum quod ^rnane* nomen posuU pro ad- 
wbio;pnmum mane und primo mane Yarro de l. lat IX 73 s. 510, 
od tpmtm mane Hör. sat I 3, 17, mane novo Serenus Sam. de media. 
(' 37 V. 4, a primo mani Plautus nach Pom pejus s. 136, 25, sero 
du auch als Zeitbestimmung 'spftt abends' gebraucht wird) ipso 
Proato 8. 207 (Naber), novissmum vesperi (so Christ Philol. XVI 
^o5: Vesper Flor.) Yarro ao. wenn Plautus Ämph. 165 hoc luci^ 
den. eist, n 1, 49, Terentias od. 841, Atta v. 8 s. 161 Ribb., Cicero 
de off. m 31, 112 und das edict bei Yarro de l. lat YI 92 s. 271 
eimprmo luciy Plautus aui. lY 10, 18, der unbekannte komiker bei 
Noains s. 210, 15 {ine. v. 70 s. 123 Ribb., vgl. Bücheier rh. mus. 
XV 441) und mehrfach Yarro {sat. fr. 67. 238. 512 Buch.) lud daro 
abrieben ** — luce^ was die hss. öfters bieten, ist als gleichberech- 
tigt anzusehen — : so hat darin nur der Unverstand alter gramma- 
Uker beweise für männliches geschlecht von lux finden können 
(KonioB 8. 210 und Donatus zu Ter. od. Y 3 , 55 veteres masculino 
f^nere dicebant 'lucem^y* nicht minder verkehrt war der einfall, 
den andere commentatoren des Terentius hatten , primo sei dativ 
^ftbL) und lud genetiv (schol. Bemb. im Hermes II 400 vgl. diese 



" das muterial für luei brachte schon Bergk beitr. I 146 ff., der 
^9ch^ruio/«£i aus Gellias hiozofügt. *' unsicher tastend spricht noch 
Pott darüber im warielwörterbocb III 248 f. 



78 HUsener: grammatische bemerkuogen (hypoataae). 

Jahrb. 1868 s. 569) ; unverdienter weise hat sie Bergk (anm. 12) zu 
ehren bringen wollen, was wir bei hocedie hodie wegen der doppel- 
geschlechtigkeit von dies nur ahnen können , wird bei den Verbin- 
dungen mit lud zur gewisheit: das geschlecht des attributs ist be- 
dingt durch die geschlechtslosigkeit des adverbialen lud. dasz in 
unseren hss. ganz gewöhnlich das femininum prima dara zu lesen 
ist , dasz spätere Schriftsteller prima luce (Livius I 44 , 1) oder luce 
prima (Tacitus hist. III 70 anf.) schrieben, war ganz nattlrlich; aber 
ob schon Caesar Z>c. I 81, 3 a prima luce schrieb, zweifle ich, und 
dasz Cicero ad Att, IV 3 , 4 nicht cum prima luce setzte , des dürfen 
wir nach dem obigen gewis sein. 

Sogar als subject oder object können diese Zeitangaben Ver- 
wendung finden , wie manche andere adverbia {satis abwfideque ho- 
narum est Fronte uä.) : dum manest und nimis paene manest PL Pers. 
113 f., ego istic nodibus studeo: nam interdiu in theatro consumi" 
tur M. Aurelius bei Fronte ep. ad M, Caes, II 10 s. 34 ; ein glossar 
bei AMai class. auot. VI 550 bringt als erklärung von ves^^ascit 
die vulgäre Wendung sero fadt^ wie frz. ü faü nuü : vgl. Littr6 hist 
litt, de la France XXTT s. 4. 

Die behandelten erscheinungen zeigen uns wie solche zeit- 
bezeichnungen trotz ihrer casuellen form und adverbialen geltnng 
als begriffe behandelt werden konnten, atich die letzte consequenz 
dieses processes, die erzeugung neuer flexion, läszt sich in einem 
falle noch nachweisen, dasz meridies von media dies komme , war 
den alten völlig bewust^^; Varro las noch in den beischriften einer 
Sonnenuhr zu Praeneste d statt r in diesem werte, nur ist r nicht 
Vertreter von d, sondern von intervocalem 5, und dies war assibila- 
tionsproduct aus di\ vgl. Claudius Clausus ^ Fidius umbr. JFHsuSy 
*Condius Consus nach Orassmann in Kuhns zs. XVI 109, Baniia 
osk. Bansa ua., auch Mommsen unterit. dial. s. 224. ist dem so, 
dann kann die länge des i nicht auf contraction des stammhaften 
und des verbindenden i beruhen wie in tibiceny sondern auf flexion : 
medid die wie post{e)ri-die^^ ] es ist binnenflexion bewahrt vne in 
mittemacht, zu dem Terentianischen vers ad, 848 (V 3, 62) meridie 
ipso fadam ut stipulam coüigat wird in dem Donatconmiientar be- 
merkt nomen fedt de adverhio^ vgl. Pompejus s. 136, 8. wie konnten 



" Varro de l. lat. VI 4 s. 187 meridies ab eo quod medium dies: D 
aniiqui^ non R in hoc dicebant^ ut Praeneste ineisum in solario tridi. Cic. 
orat. 47, 167. Quintil. I 6, 30. Donatus zu Ter. ad, V 3, 62. Priscianus 
IV 34 8. 137, 8 (Hertz). ^^ schon Bergk hat beitr. I (1870] s. 143 die 
bemerkuDg beilanfig gemacht 'meridie ist ganz deatlich aus medii die . . 
entstanden' nnd ^erst aus dem adverbium meridie ist das nomen meridies 
hervorgegangen', ich weise gern auf diese Übereinstimmung hin, obwol 
Bergk die grundform einen genetiv sein läszt, wogegen zu streiten ich 
nicht für nötig halte, im übrigen durfte ich'die obige ansieht als mein 
eigentum behandeln; es liegt mir der schon im j. 1867 niedergeschrie- 
bene entwurf eines von jener Donatstelle ausgehenden aufsatzea über 
meridies vor. 



Hüiener: grammaiiache bemerkangen (hypostase). 79 

dk alten grammatiker darauf yerfallen die wendung fneridie ipso 
nach der analogie von ipso mane uä. zu behandeln statt sie als zeit- 
tblativ des ihnen geläufigen nomen meriäies zu fassen? ich weisz 
aor die 6iiie antwort, dasz die zeit des commentierten autors nur 
das looatiye meridie kannte und ein meridies wenigstens damals 
noch ebenso unerhört war, wie es zu allen Zeiten ein pridies geblieben 
ist unsere hsl. Überlieferung ist nicht getrübt genug, dasz sie uns 
die bel^e für diese behauptung gftnzlich vorenthielte, noch Yarro 
s^te nach altem brauch in einer satura (fr. 269 Buch.) repente 
fiodis ärcUer meridie. bei Nonius, der s. 451, 9 diesen senar er- 
halten hat, ist seit Mercier das hsl. meridie anerkannt worden, war 
nehr gmnd Plautus den Sprachgebrauch einer spfttem zeit aufzu- 
bfirden? most. 579 geben BCD übereinstimmend mit jenem Yarro* 
niKhen verse redOo huc drdter meridie: wenn im Ambr. am ende 
der zeik ein M erscheint und den accusativ meridiem verbürgt , so 
ist diese Schreibung nicht zuverlässiger als andere unbestrittene 
ftlJe fortgeschrittener modernisierung im palimpsest des Plautus.* 
min wird einwenden dasz cirdter sich als limitierendes wort jedem 
CMOS ansuschlieszen yermt^ge, wie zb. Sali lug. 66, 2 postera die 
mraUr hora tertia (nach Paris.) pervenit^^i gilt das auch von ante 
QBdjN»<? in älterer und classischer zeit ist, wie man annehmen 
mittz, nur ante meridie und post meridie gesagt worden, kein wun- 
der dasz dies in unserer hsl. Überlieferung meist beseitigt ist, es 
war tu einfach einen strich über das e zu ziehen, aber der palimpsest 
des Fronto liefert uns die belege , od M. Caes, lY 5 s. 68 (Naber) 
Mepoei meridie {posteridie erste band, post meridiem corr.) domum 
reeepMiitf und II 6 s. 31 exim antemeridie apricum^ Tusculanum: 
hm wuridies fervida, Puteolana^ ein schönes beispiel für den ge- 
biaoeh eines temporalen locativs als subjects (oben s. 78). auch 
bei Cicero Tuse. II 3 , 9 itaque cum ante meridiem didioni operam 
dedtaseima, sicut pridie feceramus^ post meridiem in Äcademiam 
descendimus bezeugen wenigstens die hss. auf die es ankommt, die 
Pariser (von erster band) und der Gudianus post meridie. '^ wenn 
M. Anrelius als subject meridies neben antemeridie fungieren läszt, 
»0 kann für Plautinische zeit im gleichen falle nur meridie erwartet 
werden: most, 651 heiszt es nach einstimmigem zeagnis der hss. 
^eus iam adpetit meridie ; Saracenus' conjectur meridies dürfen wir 



** indem in diese stelle nochmaU ansehe, fällt mein blick anf ver- 
derbt« Worte, auf deren heilang ich beiläufig hinweisen will, lug. 69, 4 
Tvjämi . « eondewmatiu verberahaque capite poenas sohlt: nam i» eitfit ex 
t^h eraiz aber Paris, besangt nam is civis coUatio erat^ was dann in 
P «ad sonst durch eingeschaltetes ex interpoliert wurde, dvis coUatio 

iat fibel gelesenes TüSCOiAN *: nian schreibe nam i$ Tutculamis erat, die 

^H«a grmbdenkmiler der Turpilier in Tnsenlnm sind bekannt (CIL. I n. 65 
•* <7 TfL s. 28). " auch im Xlltafelfragm. I 7. 9 s. IIB f. Scholl 

^«bea nach Herta* frenndUcher mitteilnng die hss. des Qellius XVII 2, 
19 keine spar ron etwas anderem als ante meridiem und post meridiem. 



80 HRöhl: zu Livius [XXIV 37, 6]. 

jetzt auf sich beruben lassen.'^ aucb der Verfasser der Boeotia liesz 
seinen bungrigen parasiten auf die ideale zeit vor erfindung der 
ubren nicbt mit den Worten zurückblicken: ubi primum accensus 
clamarat meridiem^ wie freilieb bei Varro de l. lat. VI 89 s. 267 
überliefert ist {fneridie Flor, nacb Wilmanns' mitteilung), sondern 
mit . . damarat meridie , was man berzbaft als object fassen dürfte, 
aucb wenn solcbe syntaktiscbe bebandlung des locativs nicbt ibre 
begründnng bätte: vgl. PI. asin. 780 He' ne dicat. Fseud. 537 ^daW 
inque, Men, 654 vin adferri noduam quae Hu tu' usque dicat tibi. 
CatuUus 86, 3 totum iUud 'formosa' nego. Prop. I 18, 31 resonent 
mihi ^Cynthia' süvae. Hör. sat, I 2, 46 Hure' omnes, Galha negahat. 
epigramm bei Suet. Domit. 23 *est hene* non potuü dicere^ dixü ^erit', 
Sophokles Ant. 567 dXX* «f^be» ^^VTOi ^f| X^t'i ou tap fcT* In. 
Arist. Acb. 35 oub* fjibr\v «Tipiuj» usw., vgl. aucb Seidler zu Eur. El. 
657. ob bei Plautus Pseud. 1174 und most. 582 ad meridiem (mit 
den Varianten mediem und merediem^ worin das e beacbtung verdient) 
ricbtig überliefert ist? 



'^ Varro tat, fr. 458 Buch, darf nicht hierher gezogen werden, 
auch Varro de re rust. I 2, 5 ego Mc ubi nox et dies modice redit et obi^ 
tarnen aestioo die si non diffinderem meo insiticio somno meridie ^ vivere 
non possem kann meridie nicht object sein: vgl. III 2, 16 ubi aestaie diem 
meridie dividere toleo, cum eo Reale ex urbe: danach war das richtige 
leicht zu finden: aettivo die, si non diffinderem eum insiticio somno meridie, 

Bonn. Hermann üseneb. 



5. 

ZU LIVIÜS. 



XXIV 37 , 5 quod ubi Hennensium prindpes iam pcuü cum 
Himilcone de prodüione praesidü animadverterunt nuüi occasioni 
fraudis Ramanum patere, patuerat agendum urbem arcemque suae 
potestaiis aiunt debere esse, si liberi in societatem, non servi in custo- 
diam traditi essent Romanis, üaque daves ards portarumque reädi 
sibi aequum censent; bonis sociis fidem suam maximum vincuium 
esse usw. die vorgeschlagenen änderungen {vi rati agendum, vi erat 
agendum, pälam erat agendum und Sbiilicbe) scheinen mir darin zu 
irren , dasz sie . das verfahren der Hennenser als ein gewaltsames 
oder offenes bezeichnen, da ihm doch keines dieser beiden prSdicate 
zukommt, die worte des präfecten im folgenden capitel aperte ac 
propalam daves portarum reposcunz sind nicbt hierher zu ziehen, 
weil dort jene adverbia in ganz anderem zusammenbange stehen, 
ich schlage vor zu lesen: proterve rati agendum urbem arcemque 
suae potestatis aiunt debere esse, 

Berlin. Hermann Bohl. 



ERSTE ABTEILUNa 

FÜR CLASSISCHE PHILOLOGIE 

HESACSOEOEBEN VON ALFRED FlECKEISEK. 



(1.) 

0I£ CH0RI6CHB TECHNIK DES SOPHOKLES VON CHRISTIAN MUFF* 

Hftlle, yerlag yon Richard MQhlmann. 1877. VII und 318 8. gr. 8. 

(fortsetzttng toq 8, 1—32.) 

3. Elektra. 

Die Terteilong der parodos unter den korypbaios und die 
beiden parastaten, wie sie Muff aufstellt, hat unsem vollen beifall. 
das ist von ihm alles tre£9lch motiviert, der prävalierenden Stellung 
des koryphaics wird durch das dritte strophenpaar und seine epode 
bestens rechnung getragen, ich erinnere daran dasz auch in der 
pirodos der Euripideischen Elektra nur der korjphaios und die 
panstaten zur Verwendung kommen, die geringfügigkeit des chori- 
schen aufwands bli Eur. wird mit den werten entschuldigt v. 215 
oinoi, Ti^vaiKCC, iH^ßnv 8pTjVTj/idTU)V | E^voi xivfec irap* oIkov usw. 

Dasz die chorischen partien des ersten epeisodion dem 
bijphaios zuzuteilen sind, ist selbstverständlich, zu v. 251 ff. 
369 ff. merkte es Morstadt an ao. s. 7, dessen scharfsinnige ansich- 
ten hinsichtlich der parodos zu erwägen waren. 

Auch in der annähme des halbchorvortrags in dem ersten 
stssimon stimme ich bei, nicht so in der des gesamtchorvortrags der 
epode. sie gehört dem korypbaios, wie ich *chor des Soph.' s. 13 f. 
Mueinandersetzte. an der anrede der auf der bühne zurückbleiben- 
den Elektra durch fh t^kvov 477 ist kein anstosz zu nehmen: da 
kenie gegenrede der Elektra erfolgt, haben wir es mit einem wirk- 
ücken chorikon zu thnn, und man könnte sich nach dieser rich- 
taog auch Wakefields d^vacxei c' ö <pucac (statt des überlieferten 
itfvacrei t' 6 9Ücac) oder Pröhlichs djivacTei t* 6 <pücac <c*> 
CUdvuiv dva£ gefallen lassen, auch während des zweiten stasimon 
biebt Elektra auf der bühne zurück (gerade wie Kreon im zweiten 
lUümon der Antigene und sonst öfters), und es begegnet uns dort 
das gleiche Verhältnis, wie alle chorlieder des Stückes zur handlung 
^ unlöslichste beziehung haben, so iSszt es sich der chor angelegen 

MhfMektr nr cUss. pkUoI. 1878 hfl. S. 6 



82 OHense: anz. ▼. ChMaffo cboriscber technik des Sophokles. 

sein, seine eigne Überzeugung Ton dem eintreffen der räche an 
Elektra selbst zu richten, sie in ihr zu befestigen. 

üeber den anfang des zweiten epeisodion wird unten von 
uns berichtet werden. 

Im weitem yerlauf dieses epeisodion bietet der kommos 823 ff. 
besonderes interesse. an der yon Wolff zuerst erkannten Verteilung 
des gedichtes unter die vierzehn choreuten (mit ausschlusz des koiy* 
phaios) ist nicht zu zweifeln, verfehlt ist die anordnung bei Bnun- 
bach 'die Sophokl. gesänge' s. 179 f., wo 823—827 und die ent- 
sprechenden verse 837 — 839 der gesamtchor erhalten soll, auch 
ref. hatte sich die nemliche Verteilung angemerkt; Muff hat die dia- 
thesis im einzelnen erhellt und befestigt , aber nicht weniges wäre 
noch einer gröszem Vertiefung fähig gewesen, die unverbrüchliche 
regel , dasz das komma eines choreuten im einzelvortrag nicht erst 
durch das komma des nftchsten seine syntaktische vervollst&n- 
digung erhalten darf, wird durch v. 841 nicht verletzt, sondern 
lediglich bestätigt, die fünfte der mykenischen jungirauen sucht 
Elektra durch den hinweis auf das geschick des Amphiaraos zu 
trösten, auch er gieng durch Eriphyle unter; aber indem sie mit 
den Worten Kai vCv iinö TCiiac den eigentlichen trostgrund hinzu- 
zufügen im begriff ist, gibt sich die gegen solchen trost verschlossene 
(v. 833 f.), in ihrem schmerz eigenwillige Elektra den anschein , als 
halte sie die rede der freundin bereits für%bgeschlossen.; sie unter- 
bricht die rede mit ihrem wehrufe, als hätte die freundin sagen 
wollen: ^und nun ist er in der unterweit' (mit der gewöhnlichen 
ellipse der copula: Kai vuv öirö tctiac). aber der nächste cbo- 
reut durfte diesen versuch der Elektro jenen trost- 
grund abzuschwächen nicht gelten lassen, und siegreich 
gibt er mit seinem ird^iiiuxoc (n^oöxoc Nauck) dv&ccei dem ge- 
danken die rechte wendung: *und nun unter der erde — wehe, 
wehe — lebtundherschter.' die bedenken, die von beurteilen! 
der M.scben schrift gerade gegen diese stelle geltend gemacht wor- 
den sind, dasz nemüch Kai vOv änö T<i(ac . . Trd^i|;uxoc dväccei 
einen einzigen satz ausmache und dasz es daher unstatthaft sei diese 
Worte an zwei choreuten zu verteilen (Wecklein philol. anz. 1877 
s. 37), sind zu sehr nach dem ersten eindruck ausgesprochen und 
verschwinden bei lebendigerer vergegenwärtigung der Situation, es 
musz jedem, der sich mit solchen fragen auch nur oberflächlich be- 
schäftigt hat, zunächst ein zweifei aufkommen, ob die werte 
Kai vOv und T<iiac . . no^^iuxoc dvdccei unter zwei choreuten zu 
verteilen statthaft sei; aber ein näheres, ich möchte sagen liebe- 
volleres eingehen auf die stelle, wie wir es oben wiederzugeben 
suchten, belehrt uns von der notwendigkeit solcher Verteilung, 
nicht daran darf man sich stoszen, dasz ein choreut dem andepi, 
wie wir sagen, das wort aus dem munde nimt, vielmehrwürde 
nur das unstatthaft sein, wenn ein kolon erst durch das des zu- 
nächst einsetzenden syntaktisch möglich würde. 



OHense: anz. v. Chlfoffii chorischer technik des Sophokles. 83 

In einer lebhaften conTersation bedient man sich wol des 
knattgriffes, um seinen eignen worten möglichsten nachdmck zu 
geben, dasz man sich formal eng an die worte dessen anlehnt, dessen 
tfgomente man fortzaftUiren , zu ergänzen, zu widerlegen beabsich- 
dgt. auch dieses mittel wenden die sceniker im einzelvortrag nicht 
selten an, and auch hier gilt die onverbrttchliche regel, dasz das 
ente glied syntaktisch für sich verständlich sein musz, ehe das 
iweite einsetzt, 'ich sehe thränen und Jammer', sagt einer der cho- 
naten Eur. Ion 676 ff. 'sobald meine herrin von dem kinderglttok 
des gemahls wissen wird' (JTOV i}iä Tupawoc etiiiraibiav | iröciv 
^OYT* cibQ) — sofort fügt ein zweiter mit nachdrücklicher bei- 
bebaltong der stnictnr den durch hiatns nnd heteroraetrie yerstftrk- 
*veB gsgensatz bei: aötfj b* diraic i) xai XcXei/bifA^VTi t^kvuiv, und 
gaz ähnlich ist es in der gegenstrophe, oder Medeia 1284 n. sonst, 
nv die kräftige Tergegenwärtigang einer auf das höchste erregten, 
ihrer herrin trea ergebenen frauenschar, nur die leidenschaftliche 
bäie der dramatischen Situation kann hier den Schlüssel des ver- 
»tSndaisses bieten, so selbstverständlich es ist, dasz uns der dichter 
dvrdi eine hftufung solcher redeweise statt in ^e kunstgeweihten 
rteae des Dionysos in das gesdhrei des marktes einführen würde, 
ebenso wenig wird er solche dem leben abgelauschte züge völlig 
venneiden dürfen, wenn er anders seiner Schöpfung den Stempel 
der unmittelbaren naturwahrheit aufzudrücken beabsichtigt, erst 
wf soldiem wege erreicht er das was AWvSchlegel in seiner ab* 
madlung über den dramatischen dialog verlangt: *nur müssen wir 
:t keine spuren von Vorbereitung entdecken, die augenblick- 
liche eingebung musz immer die muse des gesprächs 
bleiben, sonst sagen wir, er rede wie ein buch' usw. und gerade 
f^ diese Seite der dramatisch bewegten rede ist uns jenes mit un- 
aittelbarer eingebung einsetzende nd^ipiixoc (?) dv&cc€i, von dem 
wir ansgiengen, ein sicherer beleg, sicher, nicht nur deshalb weil 
«ich dieser kommos an einer stelle des dramas findet, die einer 
ToUem beteiligung des chores sehr günstig ist, oder weil sich die 
übrigen kommata um so leichter herausheben, sondern auch deshalb 
*eil hier die sich ergebende vierzehnzahl, dh. das schweigen des 
^oiyphaios durch einen noch unten zu erwähnenden innem gnmd 
zvniglos bestätigt wird. 

Der in rede stehende kommos der Elektra ist nemlioh noch 
>i9ofeni beachtenswert, dasz nur vierzehn choreuten zur verwen* 
i^ kommen, der versuch M.s diese Vortragsweise auch durch 
^e entspreehende chorische aufbtellung zum ausdruck zu bringen 
'** gelungen; ich möchte ihn nur ein wenig modificiert sehen, be- 
f^ RSchnltze hat nach dieser richtung eine fruchtbare aadeutnng 
gegeben de ehori tragici habitn extemo s. 51 f. keilförmig werden 
"^ drei führer vorgeschoben, die beiden halbchorführer und der 
<ur7pbaios. wir haben hier lediglich die halbchorstellung vor uns, 
^ et war zu beachten, dasz dieser vertrag zu vierzehn choreuten 



84 OHenae: anz. y. ChMaffe chorischer technik des Sophokles. 

sich füglich nur da fand, wo der eher unmittelbar vorher in 
halbchorformation agiert hatte, ein zweites beispiel fehlt, 
denn das vom vf. aas OK. beigebrachte ist falsch, wie sich später 
zeigen wird, so war der chor hier in der Elektra unmittelbar vorher 
im ersten stasimon 472 — 515 in halbchören formiert gewesen, da 
wir es also handgreiflich mit der hemichorienform^tion zu thun haben 
und in diesem falle die beiden halbchorfdhrer die f ührung je eine.s 
halbchores zu übernehmen haben, der koryphaios aber in eximierter 
Stellung sich der führerschaft begibt, so sehe ioh nicht ein, weshalb 
wir den parastaten die ihnen in diesem ÜEdle als den führem zu- 
kommende Stellung verweigern sollten, dh. die vorgeschobene mitte 
der beiden reihen, aus denen jedes der beiden hemichorien gebildet 
wurde. M, kam zur annähme seiner figur durch die beobacbtun^, 
dasz in dem kommos der Elektra (vgl. auch s. 19) sich zuerst je vier 
und dann je drei abschnitte antistrophisch entsprechen, darauf ist 
zu erwidern dasz , wenn die parastaten nicht etwa ein ihrer hervor- 
ragenden Stellung angemessenes selbständiges strophenpaar erhalten 
sollten , sie sich fast notwendig mit je einer der beiden reihen zu 
einem wechselseitig fespondierenden strophischen ganzen zusammen- 
schlieszen musten. die würde des halbchorführers tritt auch so 
völlig genügend hervor, dasz er mit einem ausgedehntem, inhalts- 
vollem komma (824—826 «« 836—839) allemal den reigen eröffnet. 
— Uebrigens musz bemerkt werden, dasz das von uns versuchte 
Schema nur die in solchem falle normale Stellung bekunden soll: 
denn nichts hindert anzunehmen, dasz den drei in ihrer eigen- 
Schaft leicht kenntlichen führem gerade bei der halbchorsteUung 
des chorischen körpers mitunter eine freiere bewegung der bühne 
zu gestattet war. ähnliche figuren stellt jetzt auch Amoldt auf ao. 
8. 229 f., von dem ich nur insofern abweiche, als ich es schon oben 
begründet zu haben glaube, dasz koryphaios und hegemonen, wie 
auch während der tetragonalstellung die protostaten innerhalb der 
epeisodien der bühne, nicht aber dem Zuschauerräume zunächst 
standen. 

Auch hier wäre wieder eine günstige gelegenheit gewesen, den 
einflusz zu beleuchten, den die Sophokleische Organisierung auf 
Stellung und aufgaben des chors übte, eine der wichtigsten con- 
sequenzen war die gelegentliche entlastung des koryphaios von 
melischen partien, die damit zusammenhängende gröszere Selb- 
ständigkeit des ersten und jetzt hinzugefügten zweiten parastaten, 
dh. der halbchorführer. ich habe über diesen punct in meiner 
Specialschrift andeutungen gegeben s. 13. die entlastung des kory- 
phaios hat der dichter natürlich nicht unterlassen psychologisch zu 
motivieren, ja er hat durch sein schweigen hier eine bedeutendere 
Wirkung erzielt als wenn er auch ihm ein ent-sprechendes komma 
zugewiesen hätte, die von dem vf. s. 138 reproducierte bemerkung 
Wolffs, dasz der koryphaios in den andern teilen des Stückes genug 
zu sprechen hat 'und daher recht wol einmal aus dem spiele bleiben 



OHense: anz. t. ChMuffs chorischer tecbnik des Sophokles. 85 

hum', wurde schon oben als oberflAchlich zarückgewiesen. *chor 
dea Soph.' s. 14 f. haben wir den seelischen, grund dargelegt, der 
der chorfiihrerin hier den mnnd schlieszt. wir wiederholen : 'das ist 
Sophokleische knnstart : nnr wo ein so tief innerer grund vorliegt, 
bleibt der koryphaios einmal aus dem spiele, oder, technisch ge- 
sprochen, der meister weisz auch die pause der erholung, deren die 
Tiel beanspruchte rolle des koryphaios gelegentlich bedarf, mit sin- 
niger berechnung innerhalb des dramatischen ganzen zu yerwerten.' 
und eine solche auff assung musz in allen andern dingen bei Sophokles 
gelten, wenn also zb. im Aias der chor durch das ganze stück hin- 
durch die zygenstellung, bzw. die combinierte zjgenstellung, wie 
man in einem chor von zwölf personen sagen kann, dh. die halbchor- 
formation bewahrt, so läszt alles vermuten, dasz der dichter diese 
zygensteUnng, die er so consequent festhält, auch gleich im beginne 
markiert hatte, mit anderen werten dasz der chor gleich zum beginn 
in rotten zu je drei mann in die orchestra eingezogen ist. M. läszt 
ilm B. 67 xarä croixouc einmarschieren; wir nehmen diesen modus 
an in dem augenblicke, wo uns ein innerer grund fdr diese forma- 
tion beigebracht wird (etwa wie wir ihn für den auszug des chors 
in CTotxot im Aias erwiesen haben) : ein innerer grund, weshalb der 
dichter den chor nach stoichoi einziehen lassen sollte, während er 
ihn durch das ganze stflck in zyga, bzw. hemichorien operieren läszt. 
Eäne Charakteristik der chorf&hrerin in der Elektra war un- 
schwer zu geben, die zOge, die wir *chor des Soph.' s. 14 andeute* 
ten, lassen sich vervollständigen, sie ist in allem das ältere gegen- 
büd der £lektra auf der orchestra, und beider wesen erwächst aus 
der nemlichen wurzel. dieselbe heroische herbigkeit, dieselbe leiden- 
schaftliche dispoeition, die sich in starken affecten entladet, als der 
pldagog den Untergang des Orestes gemeldet , bricht sie jäh und 
beftig in den wehruf aus 764 f. (pcO <p€0* TÖ nfiv bf| bccirdratci 
Toic trdXat | irpöppiZov, die £oik€V, fqpdaprai T^voc, ein leiden- 
schaftlicher ausdmck den sie schon in der epode des eisten stasimon 
T. 512 irpöppiZoc ^KpiqiOeic gebraucht hatte, die Wiederholung 
ÖBCS so charakteristischen wertes in dem munde derselben chori- 
•eheo peraon gehört in das vom ref. begonnene capitel von der 
SopboklMachen individualisierung der einzelehoreuten. natürlich 
ist nicht anageschlossen , dasz die verse der epode im einzelnen ver- 
derbt sind: vgL Morstadt ao. s. 19. das beste gab wol bisher 
Sfihenkl zs. f. d. Ost. gymn. 1869 s. 638: bucravoc £icpiq)0€(c, 
TTpoppiIov aixiZouc* usw. nach dem oben mitgeteilten schmerzens- 
iBibnich verstummt die chorfährerin und schweigt während des 
ganzen konimoe. dieselbe stärke des affects bekundet sie nach der 
erkennangBscene der geschwister 1230 f.: öpui^ev, (& irat, xdirl 
cu|i9opatd fiot I T^TTiOdc Ipirei bäKpuov ö/bi^dTUjv diro. 
vie schon in der epode des ersten stasimon, femer in v. 764 f. der 
veiter tragende blick der chor führ er in auf geschlecht und haus 
der Atreiden gerichtet war, so gibt sie auch am sohlusz des dramas 



86 OHense: anz. ▼. GhMufiis chorischer technik des Sophokles. 

ihrer freude ausdruck, dasz der stamm des Atreus nun endgflltig 
und auf die dauer befestigt sei, und zwar in der form einer empfun- 
denen apostrophe: H) cir^p)Li' 'ATp^uic, (bc iroXXä Tra86v usw. man 
sieht, es ist eine gestalt wie aus 6inem gusse und voll individuell- 
sten lebens. 

Im zweiten stasimon ist dasselbe Verhältnis wie im ersten 
zu beobachten. Elektra bleibt auf der bühne zurück; daher die an- 
redende form: in £lektra vereinigt sich das gesamtinteresse. dasz 
der genauere Inhalt der trauerbotschaffc, die die fama den Atreiden 
in die unterweit bringen soll, erst in der gegenstrophe von dem 
andern halbchore des nähern ausgeführt wird, daran ist zumal nach 
dem andeutenden olKTpav dira und äx6p€UTa öveibr) nicht im min- 
desten anstosz zu nehmen, durch solche mittel läszt der dichter die 
volle einheit der chorischen interessen auch in der halbchorgliede- 
rung in empfundener weise heraustreten, ^indem Sophokles die 
beiden chorhfilften in harmonischen gruppen gegenüberstellt, hazt 
er sie unter der einheit der orchestik, der musik^ wie des gedan- 
kens wieder zusammen': 'chor des Soph.' s. 31. ref. hat über 
diesen punct in seiner abh. über den hemichorienvortrag des nähern 
gesprodien. 

Im beginn des dritten epeisodion v. 1098 fif. betont M. 
nicht ohne die nötige vorsieht die möglichkeit der Verteilung 
der drei kommata unter koryphaios und die beiden parastaten. 
s. 141 : 'zunächst hat man bei diesem schlichten Zwiegespräch wie- 
der den oto)rftlhrer zu beschäftigen, und es geht sehr gut an, ihm 
alle drei äuszerungen zu geben, zieht man aber in betracht, dasz es 
drei von einander unabhängige fragen resp. antworten sind, und 
dasz Orestes nicht blosz zu anfang 1097, sondern auch nachher noch 
1103 alle choreutinnen anredet, so ist es erlaubt, wenn auch nicht 
geboten, die drei verse so an den koryphaios und die beiden pars- 
staten zu verteilen, dasz jener 1100, der erste halbchorfUhrer 1102 
und der zweite 1105 erhält.' um hier zu einer entscheidung zu ge* 
langen, war die frage zu beantworten, ob sich aus der dramatischen 
Situation heraus gründe ergeben, die den dichter veranlassen konn- 
ten dem koryphaios wie den parastaten abweichend von seiner 
sonstigen praxis isomere iiVfl^ zuzuweisen, ein solcher grund ist 
vorhanden, der grund für die monostichische lebhaftigkeit, mit der 
sich hier nicht nur der koryphaios, sondern die trias der führer be- 
teiligt, liegt in der unerwarteten Plötzlichkeit des auftretens des 
fremdlings, in der geflissentlichkeit mit der Orestes die überrasch* 
ten frauen in sein Interesse zieht : Orestes thut, merkt Schneidewin 
richtig an, als ob der chor mit ziel und zweck seiner Wanderschaft 
bekannt sei. Orestes tritt unvorhergesehen auf, wie denn der neu 
auftretende vom koryphaios auch nicht in gewohnter weise ange- 
kündigt wird; die frauen haben, wie wir auch an anderer stelle 
auseinandersetzten, nicht musze aus der halbchorformation in die 
tetragonalstellung überzugehen, in einer derartigen scene der über- 



OHense: anz. t. ChMuflb chorischer technik dea Sophokles. 87 

nsdumg, wo die feineren rangunterschiede des korjphaios und der 
h^gmpnen schon f Or das ftoszere äuge durch die aufstellung zum 
iQsdrack gelangten oder vielmehr in diesem r&nmlichen ausdrucke 
bestehen blieben, war es überflüssig eine derartige differenzierung 
sock dem innem äuge noch durch die entsprechende abstufung der 
liet^Qn der lezis TorzufÜhren. übrigens spricht auch das dXX' in 
T. 1102 nicht undeutlich für das eintreten einer neuen person. wir 
haben an anderer stelle dargelegt, dasz 1100 dem ersten halbchor- 
fthnr, 1102 dem zweiten und 1105 dem koryphaios gehört (im 
mrtinrschiede zu der reihenfolge die der vf. aufstellte). 

Hinsichtlieh dea melos dirö CKnvfic 1232—1287 hatte be- 
niU Bnonbach das nötige über den TOrtrag bemerkt Soph. gesftnge 
ft. 182 f., wenn gleich es auch hier ein teils gesungener teils reci- 
tierter ^kommos' genannt wird, wollte der yf* auf die Tortragsweise 
ftbeihupt eingehen, so war die Brambachsche ansieht über den 
Tortng der epode t. 1273 — 1287 einer prüfung zu unterziehen. 

IMe kürze des dritten sta^imon wird durch das plötzliche 
auftreten der Elektra (cu V tjctöc ^Eac irpöc Ti; fragt der chor nach- 
her) nnd besonders durch den befehl , den sie beim heraustreten er- 
teilt: dXXä cita npöc^€V6 (schol. i£epxo)Li^vii Taurd q>iiciv) moti- 
viert wir haben also hier ein abgebrochenes stasimon vor 
Vtt, welches in einen kommos auslftuft, ähnlich wie die lyrische 
epiparodos des Aias durch den kommos unterbrochen wurde, der 
onienclued zwischen beiden stellen ist der, dasz in der epiparodos 
öfli Aias der kommos gleich nach der Strophe eintrat, wodurch der 
Olosorische schein der handlung nicht wenig erhöht wird, hier der- 
lelbe erst nach der antistrophe eintritt, also hier das chorikon einen 
wenigstens formalen absohlusz bereits erlangt hat, daher es denn 
aacb nicht wieder au%enommen wird, dieser durch die Situation 
gegebene zosammenhang des kommos mit dem dritten stasimon 
vir es wol auch, der Wolff Teranlaszte die exodos erst mit 1442, 
dk nach dem kommos anheben zu lassen, um nicht Verwirrung 
aamstiften, wird man allerdings gut thun bei einer einteilung die 
Anstotelischen Torschriften streng schematisch zum ausdnu^ zu 
briiigen. da das stasimon mit 1397 seinen formalen absohlusz er- 
reicht hat, beginnt die exodos bereits bei v. 1398. 

Mit diesem verse tritt Elektra aus dem hause und meldet dem 
eher, den q^iXTOTOt Tuvaiic€c, dasz die that sogleich Tollbracht wird. 
der Chorführer hat in der halbchorbildnng eine gesonderte Stellung, 
u ihn als das haopt des chores wendet sie sich mit dem befehle 
ttXd cixa npöqicve, und er Iftszt sich seiner Stellung entsprechend 
oalchst die anf die handlung bezüglichen fragen beantworten: 
1400—1403. da ertönt der wehruf der Eljtaimnestra 1404 f. 
Ekktra fragt den in hemichorien aufgestellten chor: oÜK äKOÜ€T\ 
i 91X01; entsprechend der halbchorstellung erwidert die führerin 
des dnen halbchors: fJKOuc' dvr|KOuCTa bucTavoc, iSjctc <ppi£ai. 
Toa aeoem ertönen die hilferufe der Eljtaimnestra und die ant- 



88 OHense: anz. V. CIiMufifs choriscber technik des Sophokles. 

werten der Elektra, und der chor sagt: (b TTcXottoc T^vcä (so 
ThGomperz statt \b iröXic, (b t^ved) TdXatva, vOv C£ | ^oipa Ka0a- 
>i€pia (p6iv€i (pdivei. soll dies dieselbe halbchorführerin erhalten? 
ungemein lebhafter wird der eindmck , wenn jetzt vielmehr die an- 
dere halbchorfühferin ablösend einsetzt, dasz die erste halbchor- 
führerin erst wieder mit y. 1419 das wort ergreift, dafür spricht 
auch der ausdruck 1407 (jjct6 (pptSat. es wäre weniger natttrlicb, 
wenn dieselbe choreutin gleich y. 1413 fortfahren wollte: (b TTe- 
XoiTOC yeveäi usw. die notwendigkeit dieser ablösnng leuchtete uns 
bei dem ersten blick auf das schema des vf. s. 147 ein; er selbst 
hat sie nachtrSglich empfinden s. 150. dier ist die richtige Ver- 
teilung, es wird dieser kommos mit beibehaltung der vorhergehen- 
den hemichorienstellung unter den abwechselnden vertrag der bei- 
den hemichorienführer verteilt, die beibehaltung der hemichorien- 
stellung während des kommos ist auch hier mit dem plötzlichen 
heraustreten der Elektra zu motivieren: vgl. 1402 cu b* Iktöc 
ijiiOLC TCpöc Ti; die verse 1422 f. erhält natürlich wieder der korj- 
phaios : xal |üif|V irdpciciv oTbe usw. s. Muff s. 145 : Mer ttberliefe- 
rung zufolge hat Elektra diese beiden verse; Hermann hat sie zuerst 
dem chor gegeben, und mit recht, da es seine sache ist, das auf- 
treten von Personen zu melden , und da nur er vernünftiger weise 
sagen kann, er vermöge sie nicht zu tadeln, trotzdem sie blutige 
h&nde hätten.' damit hat der antistrophische teil des kommos be- 
gonnen, die that ist vollbracht, Orestes und Pylades treten heraus, 
der veränderten Situation gemäsz werden die hemistichien und stichoi, 
die vorher dem Chorführer (1400 und 1402), der Elytaimnestra 
(1404 f. 1409. 1410 f. 1415 f.) und der Elektra (1398 f. 1400 f. 
1402 f. 1406. 1410. 1411 f. 1415. 1417) gehört hatten, in der anti- 
strophe jetzt zwischen Chorführer, Orestes und Elektra verteilt^ 
natürlich mit Wechsel der personen an den gleichen stellen, die 
unzweifelhafte lücke von drei versen nach 1427 und einem verse 
nach 1429 hätte erwähnt werden müssen, obwol diese verse aller- 
dings dem Orestes und der Elektra zuzuweisen sind, wir sehen alsOf 
drei choreuten werden beschäftigt, von denen jedem drei kommata 
zugewiesen werden, davon fallen zwei kommata des ersten halb- 
Chorführers und ein komma des zweiten halbchorfClhrers auf die 
Strophe, zwei kommata des zweiten halbchorführers und ein komma 
des ersten auf die antistrophe. die drei giieder des koxyphaios sind 
so verteilt, dasz die zwei (hemistichien) der strophe v. 1400 und 
1402 zweien der Elektra in der antistrophe (v. 1424 und 1426) ent- 
sprechen, eins der antistrophe (v. 1422 f.) einem der Elektra in der 
Strophe (1398 f.) entspricht: in der that eine diathesis von harmo- 
nischer composition. dasz die kommata des korjphaios mit denen 
der Elektra genau correspondieren , darin kommt wieder die an- 
klingende bezüglichkeit zwischen korjphaios und protagonisten 
zum ausdruck. Vortragsweise und mnsik thaten wol das ihrige, 
um diese innex'e Verwandtschaft zu versinnlichen, der vf. bemerkt 



OHoue: anz. v. ChMii£Bs chorischer technik des Sophokles. 89 

8. 149: 'der chorfllhrer, der nun auch dreimal das wort ergreift, 
kommt den parastaten gegenüber nicht mehr zn kurz weg.' aber 
nicht dabei bat man sich zu beruhigen, vielmehr war auch hier, 
wenn der yf. seine diathesis anders zur gewisheit erheben wollte, 
die frage zu erledigen, welcher grund den dichter yeranlaszte hier 
den koryphaios den parastaten gegenüber nicht in seiner hohem 
Stellung anch in der Verteilung der fi€T^OTi heraustreten zn lassen, 
der gnind ist genau der nemliche wie im dritten epeisodion: er 
htgi in dem £ktöc äicceiv der Elektra, dh. die choreuten finden 
aidit zeit ans der hemichorienstellung des stasimon in die tetra- 
gonalstellnng überzugehen (dXXä cttcc Trpöc^eve). da also kory- 
phtios und parastaten in ihrer Suszem gruppierung ihre gegen- 
seitige rangstellung klar an den tag legen, so wttre eine weitere 
ahetafimg anch in den [xefl'^ überflüssig gewesen und wurde daher 
hier wie überall in solchen Allen von dem sparsamen dichter ver- 
mieden« der grund endlich, weshalb hier, wo die halbchorstellung 
gewahrt bleibt, der koryphaios dennoch vorangeht und die halb- 
cborftüirer nachfolgen , liegt darin dasz sich Elektra nach der allge- 
meiaern anrede direct an den koryphaios wendet: äXX& 
ctTQ irpöcpcve (womit zugleich eine verSnderung der Stellung ver- 
hindert wird), und daran knüpft dann der koryphaios an : iruDc b^ ; 
ttmiipdccouciv; der gleiche grund gilt für OT. 276 ff. der über- 
ging in die zum schlusz geforderte tetragonalstellung , in welcher 
der eher V. 1508 die orchestra zu verlassen hat, wird also nicht 1398 
bewerkstelligt, sondern 1443 w&hrend der anrede des Aigisthos: 
TIC oTbev ^ü^uyv usw. bereits 1428 hatte der zweite hegemon den 
Ai^sfiioe nahen sehen und sein auftreten angekündigt; der chor 
bnn also durch sein erscheinen nicht überrascht sein: während 
jener anrede geht der chor in die Stellung KaT& croixouc über. 

Am beginn der ex o dos behftlt der chor die halbchorstellung 
bei, in welcher er das dritte stasimon gesungen hatte; dem ent- 
ipiechend werden die halbchorführer und der koryphaios beschftf- 
tigi anch das zweite stasimon wird, wie wir sahen, von hemichorien 
Teigetragen, beim beginn des dritten epeisodion bewiesen wir die 
triasfigor, also die beschäftigung des koryphaios und der halbchor- 
fthrer. zurückblickend können wir nun sagen: die chorische dia- 
tiieiis, die Sophokles in dem kommos im anschlusz an das dritte 
sMmon mit allem nachdruck vorzuführen beabsichtigt, wird bei 
beginn des vorausgehenden epeisodion im anschlusz an das zweite 
ftasimon angedeutet das motiv der gesteigerten Wiederholung 
derselben chorischen diathesis nimt der in rede stehenden Verteilung 
te letzten zweifeL wir haben hier ein ebenso einfaches wie natur- 
gcmiszee knnatmittel, die handlung und das interesse an ihr an- 
ftdiweflen zn lassen, die andeutung jenes motivs in d^ chorischen 
bcteOign^g erfolgt bei dem auftreten des Orestes, die volle und 
cMrgisehe dnrchfühmng nach vollbrachter that. an der ersten 
itdle hat jeder der drei choreuten je ^in komma, an der zweiten 



90 OHense: anz. v. CbMaffs chorucher iecbnik dea Sophoklei. 

jeder je drei kommata: beidemal geschieht es mit umnittelbarer an- 
lehnung an die bereits vorhandene aoÜBtellong in den vorhergehaa- 
den stasima : mit dem einfachsten mittel bringt der sparsame dichter 
eine wahrhaft bedeutende Wirkung hervor, die diathesen gewinnen 
auch hier zumal durch ihre gegenseitige beleuchtung volle Sicherheit 
Nach diesen erwttgungen blicken wir auf das zweite epei- 
sodion zurück, innerhalb dieses epeisodion findet sich 823 ff. der 
kommos, der, wie wir sahen, in halbchorstellung vorgetragen wurde, 
daraus folgt dasz auch für den anfang des epeisodion, dh. durch das 
ganze zweite epeisodion ebenfalls die halbchorformation eingehalten 
wurde, diese annähme wird dadurch bestätigt, dasz Eljtaimnestra 
mit V. 516 dv€i|üi€vii ^^v, «Ijc £oiKac, ad CTpdq>ei usw. aus dem 
hause tritt, ohne vom korjphaios vorher bemerkt oder in der üblichen 
weise angekündigt zu werden, auch hier also eine gewisse unmittel- 
barkeit, durch welche die handlung als solche an Illusion gewinnt 
chorika und epeisodion, logeion und thymele werden auf solche 
weise organischer verbunden, der chor verharrt in der nemüchen 
Stellung , diis er während des stasimon inne gehabt hatte, in den 
chorischen partien vor dem kommos spricht v. 610 f. unzweifelhaft 
der koryphaios, die beiden einzelstichoi beim auftreten des pädagogen 
V. 662 und 665 könnte man nun geneigt sein angesichts der halb- 
chorformation den beiden halbchorführerinnen zuzuweisen, aber es 
gibt einen untrüglichen prüfstein für entscheidung dieser frage — das 
^^T^Boc. da innerhalb dieses epeisodion, wie wir bereits bemerkten, 
die hemichorienstellung beibehidten wird, die Stellung der drei führer 
also schon räumlich sichtbar war, so wäre es überflüssig geweseb, 
das gegenseitige Verhältnis zwischen koryphaios und halbchorführern 
noch durch das fi^t^Ooc zu versixmlichen (eine bemerkung die durch 
alle andern beispiele bestätigt wird), in solchen fällen ist das Ver- 
hältnis der ^€T^6r] das isomere, folglich ist eine Verteilung unter 
koryphaios und parastaten unstatthaft: die bezeichneten verse hat 
sämtlich der koryphaios vorgetragen. 

4. König Oidipus. 

In der parodos wie im ersten epeisodion billigen wir die 
aufstellungen des vf. richtig heiszt es s. 160 £: *ein ganzes für sich 
bilden die ersten vier zeilen 276 — 279. um ihrer Stellung zu anfang 
und um ihres gewichtigen inhaltes willen sind sie dem koryphaios 
zu geben, sodann gehören zusammen 282, 284 — 286, und ebenso 
wieder 290, 292, 294 f.; dort ist von Teiresias die rede, hier vom 
mörder. es empfiehlt sich die eine gruppe dem ersten, die andere 
dem zweiten parastaten zu überweisen, dann kommt jeder der 
drei einfalle resp. vorschlage aus je 6inem munde, was so natürlich 
ist, und auch der umstand verdient beachtung, dasz die zahl der 
verse bei allen drei rednem gleich ist, vier, nur dasz sjfi bei den 
beiden letzten durch zwischenreden des Oidipus getrennt sind.' 
aber auch hier war der grund'zu erweisen, weshalb der dichter den 



OHeoae: anz. v. ChMuffs cboriacher technik des Sophokles. 91 

drei fUirem isomere fief^Ov) zuteilt, statt wie sonst ihre rangstafe 
dorch die entsprechenden verszahlrai in die vorstellang zu rufen, 
der gnmd ist d[er nemliche den wir bereits wiederholt in derElektra 
bervorznheban hatten, mit dramatischer Unmittelbarkeit setzt Oidi- 
pos in engstem anschlnsz an die parodos ein y. 216 aheic & b* 
cdrck usw. der chor bleibt also in der halbchorstellung, in welcher 
er die zwei letzten strophenpaare der parodos gesungen hatte, der 
bfliiae gegenflber stehen, mit der Elektra hat der dichter 
den hOhepanct seiner dramaturgischen technik er- 
reicht durch jenes öfter bertthrte kunstmittel, dasz er in geeigne- 
fiea leenen den chor in der eben innegehabten Stellung verharren 
besi, ist die organische eüiheit Yon skene und orchestra ToUzogen. 
in der noch in altertümlicherem stil gehaltenen Anii- 
goaellsst der dichter noch gleichmftszig (zumeist w&hrend 
der siatrittsanapftste) den chor in die frühere tetragonal- 
stellang snrttcktreten. die gründe, weshalb an unserer stelle 
der koiypbaioa Torantritt, statt wie sonst in der gleichen Situation 
die balbchorfUhrer, habe ich an anderer stelle auseinandergesetzt 
Was die yerse 297 — 299 Detrifft, so sondern sie sich als an- 
kOiidjgiing des Teiresias Yon der vorhergehenden gruppe ab: iW 
oi&kixJbüJV ainöv fcTtv* ofbc Top | t6v Oetov i\br\ Mdvriv äih* 
firouov usw. sie gehören dem korTphaios. v. 404 E acceptiert 
der t1 die Engersche Umstellung, wir teilen seine ansieht wollte 
M.iffl ersten atasimon das bciva ^iv oOv (483) als bestätigend 
berbeinehen, so h&tte Naucks oder Bergks verschlag erwähnung 
finden sollen, auch der raöpoc v. 478 duirfte nicht so ohne weiteres 
bei den hörnern genommen werden (s. 164): vgl. Meineke anal. Soph. 
fc. 228, Wecklein ars Soph. em. s. 48. die Verwendung des kory- 
pbsioe innerhalb des zweiten epeisodion wird keinem zweifei 
aaterli^gen. wie dagegen M. innerhalb desselben epeisodion in dem 
kommos 649 — 697 an eine Verwendung der aristerostaten hat den- 
ken kSnnen, ist uns schwer begreiflich, hat vielleicht die ftln£Eahl 
derchorkonunata in strophe und demgemSsz in der antistrophe hier 
eiagewirkt ? kommata wie v. 649 ff. wird man nimmermehr mehreren 
cboreuten geben dürfen. *folge mir* sagt ein choreut Vorin?' fragt 
Oidipos. *la8z ab von Kreon' soll ein anderer choreut einfügen, 
'«eint du was du da bittest?* *ich weisz es' soll wieder ein anderer 
aegOL der logische Zusammenhang ist hier so unlöslich, ein glied 
^ kette greift so eng in das andere, dasz an mehrere choreuten 
>icht zu denken ist der formale zusammenklang von stellen wie 
^ olcO' oOv & XPQ^cic; XO. olba und die erneute bezOglidikeit 
A Y. 6M TaC6* örav XP^^QC lassen für uns jeden zweifei schwinden, 
siebt minder deutlich ist das verhftltnis in der antistrophe. wenn 
iokaete fragt xal Tic Jjv XÖTOc; und es wollte nun ein anderer als 
^ letzte Sprecher fortfahren &Xic £poiT*i &Xic usw., so liefe dies 
>&beta auf eine absurdität hinaus, und nun vollends in den nftch* 
<te Terien. der vf. musz selbst zugeben, dasz der Vorwurf in 687 f. 



92 OHense: anz. v. ChMuffs chorischer technik des Sophokles. 

'deutlich' gegen den koryphaios gerichtet ist — und nun soll das 
kolon, an das sich dieser Vorwurf zunächst anschlieszt (685 f.), 
von einem andern als dem koryphaios vorgetragen sein? hier hStte 
der scholiast zu 687 schon klarheit geben können: öp&c Kv' t^k€IC, 
draOöc : TOUTÖ q)Ticiv 6 Olöiirouc dTCtvaKTiöv. b\ä ti Tipdc ?T€pov 
äiro(p€\iT€ic , xalroi dyaööc ujv Ävi^p, kqI oux 6fioXoT€Tc rd Xuttti- 
cavid fi€ xq loKäcTij; b\ä ri oöv oö cuvoptKij ^loi, dXXd irpauvcic 
^£ inip ToG Kp^ovTOc; aber könnte jemand noch schwanken, so 
erwäge man folgendes : die von dem vf. hier angenommene diathesis 
ist schon deshalb unpassend, weil der heftige streit zwischen Kreon 
und Oidipus unmittelbar vorher durch lokaste beendigt wird v. 634 
Ti Tf|V ößouXov, (Jj laXaiTTUJpoi , crdciv | t^iücoic Irri^pacO* oub 
diraicxuvecOc t^c | oCtui vocouctic tbia KivcOvrec xaxd; es erhellt 
dasz nach solchen ruhe gebietenden werten nicht von neuem ftinf 
chor^uten nach isinander auf Oidipus oder lokaste eindringen dfirfen. 
völlig entscheidend aber ist die Wechselbeziehung die zwischen dem 
ersten und zweiten kommos statt hat. ref. hat darauf schon an an- 
derer stelle aufinerksam gemacht: 'zwischen dem ersten und zweiten 
kommos des Oidipus besteht eine innige Wechselbeziehung: der dem 
könige durch einsieht und treue bew&hrte mann führt auch in der 
exodos den kommatischen dialog. man würde alle poesie zerstören, 
wollte man hier verschiedene choreuten beschäftigen, es ist er- 
/schüttemd zu sehen, wie der nemliche mann, der den könig wieder- 
holt der unverbrüchlichsten treue versicherte , der sich einen wahn- 
witzigen schalt, ja schmählich verderben wollte, wenn er sich je 
von ihm trennen werde , wie derselbe mann jetzt wünscht ihn nie 
gesehen zu haben und den Selbstverwünschungen des geblendeten 
nichts entgegenzusetzen findet.' 'chor des Soph.' s. 17. 

Der plural TOÜcbE 6' 0% Trdpetct coi, den lokaste 648 gebraucht, 
veranlaszt mich zu einigen bemerkungen über den numerus, zn- 
mal wir die ansichten M.s keineswegs teilen können, wenngleich so 
verkehrte consequenzen , wie sie ehemals Heimsoeth erschliesxen 
wollte, glücklich vermieden sind, dasz sich hier lokaste hinweisend 
auf die anwesenden geronten bezieht, ist psychologisch begründet 
der Singular mit beziehung auf den 6inen koryphaios würde weniger 
schwer in die wagschale fallen, genau dasselbe ist zu sagen von 
dem ausdrucke des Kreon v. 677 dv bi ToTcb* Icoc: der plnral, 
dh. der appell an die gesamtheit, argumentiert stärker als der blosze 
hinblick auf den koryphaios. das gleiche gilt endlich von dem worte 
des Oidipus v. 700 ck tdp Tujvb* ic irXtov, pjvm, cdßui. innerhalb 
des kommos findet sich kein pluralis, wol aber begegnen wir Wen- 
dungen, die uns den kor3rphaios in seiner individuellen eigenart 
hinstellen: dTCcOdc uiv tvuijüitiv dvi^p. bestätigt wird unsere auf- 
fassung durch v. 671, wo Oidipus sagt: TÖ T^p cöv, ou rd touö' 
£iTOiKT€ipUJ CTÖfia I dXcivöv. wie schon die gegenüberstellung (t6 
cdv — TÖ ToOb*) und der ausdruck CTÖfia lehren, kann hier nur 
der 6ine koryphaios gemeint sein, dies erhellt au^ 1325, wo Oidi- 



OHense: anz. r, ChMuffs choriacher technik des Sophokles. 93 

pos denselben mann an dem klänge seiner stimme (aubrj) wieder 
erkennt (vgl. 'chor des Soph.' s. Iß), wollte man aber das iXeivöv 
cTO^a lediglich anf das zuletzt gesprochene komma beziehen (das 
iQch M. dem koryphaios gibt), so würde dies der Sachlage nicht 
eateprechen: viel natflrlicher ist es, dasz Oidipus auch den Torans* 
gehenden ftuszemngen (vgl. 649. 654. 656} einen einflusz auf seine 
entdchlieszimg zuschreibt, auch die frühem hat der koryphaios ge- 
sprochen, der yf. scheint freilich tö cöv CTÖ^a (s. 167) wunderlich 
vd den (ganzen) chor zu beziehen, insofern er sich nach dem vor- 
ginge Ton Schneidewin-Nauck gewöhnt hat bei dergleichen singu- 
Uren an den chor als an ein ^einheitliches ganze' zu denken, ja 
wenn man bemerkungen wie s. 209 vergleicht (^sollte jemand aus 
<^ Singular ibc auf den chor als die angeredete menge schlieszen 
wollen, so ist dagegen einzuwenden, dasz eben kein Singular (xopöc), 
bonden ein plural (iraibec) angerufen wird'), so könnte man an die 
mOglichkeit glauben, dasz der vf. sich geradezu in solchen fällen 
ein xopöc ergftnze. wie unpoeti^ch, weil jede illusion vernichtend! 
weonElektra £1. 1398 aus dem hause tritt und in leidenschaftlicher 
^'^^iing (weil in dem moment unmittelbar vor der ausführung 
d6rneiie)8a9t: iL q>iXTaTai T^vaiKCC, &vbp€C auTixa | TcXoOci 
TOupTov dXXä ciya irpöc^eve, so ist nichts natürlicher als dasz 
Elektra in ihrer anrede den frauen zunächst die mitteilung ins- 
gtiimt macbt und sich doch gleich darauf mit dem speciellen be- 
fdil an das ^carurn Caput' wendet, das ilp: besonders nahe steht 
^Morfip ujcei Tic niCTd), an diejenige welche die parole fu em- 
pfangen und auszugeben hat, an die führerin der frauen. 'man hat 
<ien Singular beim plural daraus zu erklären, dasz die choreuten als 
cbor, als euüieiiliches ganzes betrachtet werden', bemerkt M. s. 145 
ttiD. das ist die auffassxuig des abstrahierenden grammatikers, dem 
über der abfiissung einer ^chorischen' technik die poetische Situation 
verloren geht, nicht aber die der dramatischen person. wenn letz- 
tere den chor als 'einheitliches ganzes' betrachten will, so redet sie 
lim aach mit einem derartigen ausdruck an , wie etwa £1. 129 u) 
T€v^6Xa Tcwaiuiv, {^kct' ^^uiv Ka^äruiv irapo^viOiov oder Aias 
356 fall Y^voc vatac dpuJTÖv rexvac uS., oder mit allgemeinen 
bcc^chnungen wie q>tXot, dvbpec, diaipoi, T^vatKCc, Ant. 1183 tb 
3ivrec (?) dcroL fOr die auffassung von £1. 1398 ist vollends ent- 
Kheidenid, dasz in diesem konunos die halbchorstellung des dritten 
ktsiimon, wie wir nachwiesen, gewahrt bleibt, der koryphaios also 
eine prominente Stellung einnahm. — Zusammenfassende Wendungen 
wi« die im Aias lui t^voc VQiac dpujtöv T€xvac waren natürlich 
kein liindemis, dasz sich bald darauif wieder der würdigste, dh. der 
Wirer in der Vorstellung unterschob — dXXd ^€ cuvbdiEov (vgl. 
Mofa. 10). das unruhige, sprunghafte in derartigem Wechsel ist 
^ spräche wahrer leidenschaft durch solches umspringen des 
Kunerus lAszt der dichter übrigens auch bei koryphaiosstellen das 
i>tereaae der übrigen choreuten durchblicken und bewahrheitet die 



94 OHense: anz. v. ChMufifs choriacher technik des Sophokles. 

volle einheit der chorischen interessen. ygl. 'chor des Soph.' s. 18 : 
^nnter den mehr yersteckten bezügen ist es namentlich der geschickte 
Wechsel in der anrede, der öfters schroff erscheinende Übergang von 
der einzahl znr mehrzahl in anrede und gegenrede, wodarch immer 
wieder nicht nur das interesse des koryphaios, sondern auch das der 
übrigen choreuten durchblickt.' beachtenswert ist die koryphaios- 
stelle Phil. 1218 dtui M^v fjbn xal näXat vedic ömoO (?) | crcixuiv fiv 
fj CGI Tf^c ipfic^ el ^f| Tt^Xac | 'Obuccfo CTcCxovra töv t* 'AxtXX^uic | 
TÖvov iTpöc f|)Lific b€Op' Iövt' ^Xeucco^EV. nach dieser rieh- 
tnng ist auch zu beurteilen das wort des koryphaios Ant. 1092 ff. 
iiricrdMCcOa b\ ti ötou X€Uirf|v ifüj \ Trjvb' ^k ^cXmviic ä|üiq>t- 
ßdXXoMat Tpixa, | \xi\ ttui ttot' ainöv i|i€Oboc ic TröXtv XaK€Tv.'* 
da M. tLbersehen hat, dasz der chor öfters in der halbchorformation 
der vorhergehenden stasima verharrt, so dasz also der koryphaios 
eine eximierte, frei bewegliche stelle einnimt, so hat er auch die an« 
rede des Oidipus an den koryphaios OT. 216 alT€tc* & t>' aiTeic usw. 
misverstanden. s. 159 anm. lesen wir: ^mit dem alTCtc wird natür- 
lich der gesamtchor, nicht der koryphaios angeredet' usw. also 
auch hier wieder statt lebendiger anschauung eine blutleere ab8tra^ 
tion. dasz der koryphaios angeredet wird, zeigt schon der umstand 
dasz hier trotz der isomeren gliederung der pct^Or): 276 — 279 : 
282 + 284—286 : 290 + 292 + 294. 296 (— 4 : 1 + 3 : 1 + 
1 -f- 2 ■» 1 : 1 : 1) nicht wie gewöhnlich die hegemonen, sondern 
der koryphaios vorangeht, einen zweiten grund für dieses voran- 
gehen des koryphaios haben wir in der erwähnten abhandlnng des 
rhein. mus. XXXli s. 509 anm. beigebracht, auch etwas aiulereä 
darf nicht übersehen werden: wenn Oidipus in unmittelbarem sa- 
schlusz an den halbchor vor trag, an dem sich doch der kory- 
phaios nur anszerhalb der balbchorreihen als der über beiden stehende 
leiter beteiligt, gerade dem letztem mit einem aiTcTc * & V aireic usw. 
gleichsam die ganze summe der parodos zuschiebt, so hat der 
dichter auch damit wieder, worauf er Überall hinstrebt , die volle 
einheit der * chorischen interessen kräftig herausgehoben, in der 
von uns zurückgewiesenen auffassung hat M. übrigens bereits in 
Schneidewin-Nauck einen Vorgänger, derzuOT. 1115 tQ t>* inicum^ 
ci pou I Trpouxotc xdx ' äv irou , töv ßoTf)p' ibdiv näpoc bemerkt : 
*der chor wird als ganzes cu angeredet, trotz irp^c߀ic, vgl. zn 
OK. 175.' ebenso M. s. 175 anm. : 'wenn Oidipus 1115 den Singular 
braucht, ci fiou irpouxotc, so thut er das nicht, wie Wolff fälschlich 



*° durch den plaral ^mcrd^ecOa wirkt übrigen» Sophokles Tiel- 
leicht zugleich vorbereitend für die nächstfolgenden verse, wo sich 
die parastmten und der vierte und fünfte ohorent beteiligen, omn 
könnte das i1ncTd^cc6a als ein Stichwort bezeichnen, wodarch den 
übrigen chorenten des stoichos der nötige wink gegeben warde sich be* 
reit zn halten, vielleicht auch OT. 1232, wo der koiyphaios sact: Xdirci 
\iiy oW ft npöcOcv fjbcMCv t6 \ii\ od \ ßapOcTOv' civai? doch bleiben 
dergleichen Termntnngen der natnr der sache nach zweifelhaft. 



OHeme: aaz. t. ChHiiffi chorischer teclmik des Sophokles. 95 

mdsi, weil er jetzt den ohorf%Lhrer anredet, sondern weil er den 
dior ils ganzes, als einheitliche corporation faszt.' wollte aber 
Oidipos die gerontensöhar als ^einheitliche corporation' fassen, so 
koitnts dies ans d kein zoschauer heraushören, wol aber ist die 
gzieehisdie spräche reich an ausdrucken für eine derartige bezeich- 
nong. es war hier zn beachten, dasz das dritte stasimon ein 'abge- 
Wochenes stasimon' ist (vgl. *ehor des Soph.' s. 15), wie es sich 
denn schon dnrch die geringe ausdehnung als solches documentiert. 
m dem kurzen vierten epeisodion 1110 — 1185 bleibt der chor in 
der hemiehorienformation stehen, der koryphaios nimt eine exi- 
nderte stellang ein. mit v. 1111 irß^c߀ic wendet sich Oidipns an 
die ehoreaten insgemein; in diesem momente — das liegt nahe zn 
rennutan — nftbert sich der koryphaios mehr der bfihne und wird 
um wenige verse sp&ter yon Oidipns t. 1115 tI) b' tnxcTinAi} cu 
^ou I trpouxotc Tdx' äy irou im besondern angeredet, was aber 
die stelle QK. 174 f. betrifft, auf die bei Bchneidewin yerwiesen 
wird imd wo di^ hgg. ähnliche verkehrte anschaunngen JCLber den 
wedisel des nnmems Yorbringen, so begnügen wir nns die kritische 
acte bei Nanck (6e anfl.) herzusetzen: 'doch ist die lesart unsicher, 
da m paroemiacus verlangt wird, den einige durch tilgung von co(, 
lodere mit andern mittein herzustellen suchten', dazu 'anhang' zdst. : 
'Tielleicbt ist £^ve statt E^voi zu lesen und sodann eine Umstellung 
TORonehmen: co\ mcreucac Kai jucTavacrdc, (b E^vc, )ütf| bf^r' äbi- 
n|Oui. Bmnck tilgte das col na<di einer Pariser hs.' diese anden- 
tnagoi über die Verwendung des numerus, die sich leicht des wei- 
ten losführen und bestätigen lieszen , werden maszgebend bleiben 
Bussen, praktisch kann man sagen: von dem numerus ist in der 
frige nach der diathesis nirgend auszugehen , wol aber dienen auch 
diM momente zur bestfttigung, sofern man die richtige Verteilung 
bereits gefunden hat. 

Behn beginne der ezodos gehen die ehoreaten aus der halb- 
chcrstellang in die stoichosstellung über, in welcher der chor am 
mUuss des Stückes die orehestra zu verlassen hat. daher auch die 
lUgere anrede des ezangelos an die geronten v. 1223: tib yfjic )üt^- 
Ttcra ti)cb* &€\ TifiiIi)üt€VOt, I ol* ^pt" dKOvic€cO' usw., wShrend 
don die bewegung sich zu vollziehen hatte, genau dasselbe ver- 
iiftltiiis liegt nadi dem ersten stasimon vor, wo Kreon 512 auftritt: 
ivbpcc noXiTai, bciv' fm) ireirucp^voc usw.: der chor n&hert sich 
bei diesen worten der bühne und stellt sich in stoichoi auf. gerade so 
gctdiah es Ant. 1155 bei den worten des angelos: Kdbpou irdpotKOi 
od b6|iiuv 'Afiqpiovoc usw. in allen solchen fftllen tritt ein längeres 
Kttholan des auftretenden, ein mehr allmähliches hineinziehen 
des ehors in die neu zu meldenden ereignisse, eine längere anfangs- 
pviode zu tage, während welcher sich die chorischen gruppen der 
bOliae nähern und in stoidiosgliederung aufstellen, im gegensatz zu 
Kochen stellen, wo eine gewisse unmittelbarkeit, eine überraschende 
pbiuHchkeit des auftretens zu beobachten ist, oder wo ein stasimon 



96 OHense: anz. y. ChMuffs chorischer technik des Sophokles. 

wie das dritte des OT. durch den protagonisten abgebrochen wird 
y. 1110 €1 XP^ Ti Kdji^ |üif| cuvoXXdEavTä irw usw. in letzteren 
stellen bleibt die halbchorstellung gewahrt, also OT. 1^0 — 1185, 
dieselbe natürlich auch im vierten stasimon. damit sind wir zu der 
stelle, von welcher wir ausgiengen, zu y. 1223 zurückgekehrt 

Bestätigt wird unsere bemerkung durch die diathesis der boten- 
scene , die dem yf. entgangen ist. y. 1232 f. hat nemlich der kory- 
phaios zu erhalten, 1236 der erste parastat, der nach der Ursache 
des todes der lokaste fragt, 1286 der zweite parastat, der nach 
Oidipus fragt, das yerhällaiis des koryphaios zu den halbchor- 
führem wird hier durch die \xvfiBr\ (2 : 1) versinnlicht, ein deut- 
licher fingerzeig dasz der chorische körper in die stoichosformation 
übergegangen ist. 

Den schluszkommos Veranschaulicht' der yf. durch zwei 
iiguren der aristerotaten , aber in der ersten figur sollen nur zwei, 
nemlich die beiden parastaten zur Verwendung kommen (!), in der 
zweiten wieder die beiden parastaten und die beiden flägelmfinner 
des stoicHos. ^an den koryphaios kommt, wie man sieht, in den 
respondierenden teilen die reihe nicht, dagegen fällt ihm der ein- 
zeln stehende y. 131^ zu, und da er kurz vorher die beiden ana- 
pästischen Systeme zu recitieren hat, so wird man nicht sagen kön- 
nen, er käme zu kurz' lesen wir s. 181. was unter diesen umständen 
die .figuren der fünf aristerostaten bedeuten sollen , bleibt uns uner- 
findlich, wir haben es innerhalb des kommos, den der vf. mit Wolff 
y. 1307 beginnen läszt, mit sieben chorischen kommata zu thun, 
oder wenn man die anapästen y. 1297 ff. schon hinzurechnen will, mit 
neun, die fünf aristerostaten kann man, wie auch die responsions- 
verhältnisse zeigen, weder Einmal noch gar zweimal unterbringen, 
die ganze partie gehört dem koryphaios. ein auch nur halbwegs ge- 
steigerter chorisdier aufwand würde hier in der exodos bei dem 
anblicke des unseligen mannes nur kleinlich erscheinen, und auf 
wen soll die ganze stelle 1321—1326 iuj (piXoc, cu fi€V djiöc im- 
iToXoc In iLiöviiüioc* Iti top öiroiLi^veic |li€ töv TuqpXdv Ktibeuujv usw. 
anders bezogen werden als auf den äfüBöc ÜJV tvu)1üit]V dvVip, der 
ihm oben zweimal das treuwort gegeben? wen soll der geblendete 
jetzt an dem klänge der stimipe wieder erkennen als den mann zu 
dem er schon oben gesagt (671) : tö TOip cöv, ou TÖ ToOb' liTO(KT€ipuj 
CTÖfia I ^Xcivöv, dessen wiederholte betheurungen (689 elrrov \xiv 
oux äiToS fiövov) sich dem könig in die seele geprägt hatten? 
wir haben schon an anderer stelle auf die tief tragische Wechsel- 
beziehung hingewiesen, die zwischen dem ersten und zweiten kom- 
mos obwaltet. 

/schlusz folgt.) 

Freiburo im Breisgau. Otto Hense. 



OSchneider: emendationes Aristophaiieae. 97 

6. 

EMENDATIONUM ARISTOPHANEABUM DECAS QUARTA 

ET QUINTA. 

(ef. annales 1876 p. 33—48 et 1877 p. 289—8130 



XXXI. Achamensiom 1228 

AI. öpoTC TOUTOvl K6VÖV. TiiveXXa xaXXivtKOC. 

XO. T/)V€XXa bf)[T\ €liT€p KaXcTc, \b irp^cßu, KaXXiviKOc. 
in posteriore yersu non iniuria haesitabat Blaydesius: eienim qnem- 
oun qoo modo yocare Dicaeopolin chorus dicat non patet. at notio- 
Dem rictoriSy qoi Dicaeopolis sit, reqairi Blaydesius recte intellexit 
pQtftTitqae eam notionem restanrandam esse KaX€tc correcto in 
Kpontc, qnod in adnotatione criidca Meinekins probabat, etsi nee 
in Terbomm ordinem recepit nee vindicavit in Vindiciis. at mnlto 
leniore mntatione defongi poterant. una enim repetita littemla 
recte omnia habebunt: 

TfjveXXa bf^T*, eliTcp KaX€tc c\ ib irp^cßu, xaXXfvtKOC. 
qvod qno modo intellegi velim , brevissime declarabo patrio meo 
sennone: 

seht, der ist gänslioh ausgeleert! trara trara dem Sieger! 
'ja wol, trara! wenn anders dich da meinst, o greis, mit 'sieger\ 

com enim Dicaeopolis victorem pronuntiasset, sed soUemni formula 
Ostu non apertis yerbis indicässet quis Tictor esset, chorus dicit 
consentire se hnic pronuntiationi , siquidem Dicaeopolis victorem 
i&tellegat se ipsum. hanc autem ne putemus sententiam esse minime 
obstat linguae ratio et usus, nam ifjveXXa KoXXiviKOC (i. e. TVjveXXa 
KoUtviKe, ut est in fr. Archilochi 119) recenti yictori succlamabant 
poit Arcfailochnm, qui ficto nomine TrjveXXa citharae sonum imi- 
Uri Tdebat, qaem ad modum nostrates, ubi tubae victori accinunt, 
boc dixerint *traratrara'. per se autem illud TrjveXXa victoriam 
sigmficare coepit nee iam opus erat at addita voce xaXXiviKOC 
«fioerstor victoriae notio. patet boc e v. 1230, ubi item simplici 
TiivtXXa cborus victorem significat (TrjveXXa vOv, lü t^vväba), item 
ex Eq. 276, ubi ex Ti^vcXXa factum nomen T/jveXXoc per se signi* 
5at eom qoi victoriam reportavit. itaque in hoc qnidem versu si 
cboras disiongit voces n^veXXa et KaXXiviKOC, non putandus est 
fcunpHciter repetere voluisse Dicaeopolidis illud TtiveXXa KOtXXtviKOC, 
led aUter repetivit rfjvcXXa, aliter KaXXivtKOC. alterum enim hoc 
non com TrjveXXa coniunxit, sed cum KaXeic. qua in re ne quis 
(bidat KoXXiviKOV scribendum fuisse, ipse Aristophanes hoc re- 
probst versa Avium 67 irai nai. f ti X^tcic, oiStgc; töv ^TroTra 
noi niXeic; et Vesp. 98 Kai v#| AC f^v ttn t^ ^ou TeTpciMM^vov | 
utdv TTupiXä^irouc Iv Qvpq. Af))ütov KaXöv, | iuiv Trap^TPQM^c irXriciov 
Ki)^&C KaXöc» ubi qni lamöv koXöv scribere vellet, aperte erraret. 
^^Qamqoam mnlto saepius Oraeci quas nos singulas voce^ ponere 

Ar dMi. phil«L 1S7S hH. 2. 7 






98 OScbneider: emendationeB Aristophaneae. 

solemus liberas, eas constructionis legi subiciunt: v. Lebrsii qnaest. 
ep. p. 325 coli, eiusdem libro de Pindari scholiis p. 4. ita autem ad 
redintegrandnxn locum boc tinum opus erat, ut aperta obiecti mentio 
restitueretur , quod nullo negotio fiet post KaXeTc repetita ultima 
littera c\ cuius obscurum aliquod indiciuxn est quod in Bavennate 
extat KaXcTc t^* istam autem pronominis formam pati elisionem 
ubi yel propter oppositionem ylm habeat praecipuam, Bekkems 
docuit in schedis Homericis 11 p. 230. 

Simili remedio i. e. unius litterae repetitione sanandum cen- 
semus in 

XXXIT et XXXni. Vesparum 342 sqq. 

toOt* dTÖXiLiTic* 6 jbiiapöc x«- 
v€tv ö AimoXoTOKX^ujv ob', 

ÖTl X^T€IC Tl TTCpl TUiV V€- 

üjv dXnOec 
versum 344 , cui deesse syllabam clamat versus antistrophicus 374. 
et Dindorfium quidem lacuna adeo male babebat , ut totum yersun 
eliminandum arbitraretur, quippe ab interpolatore lacunae explendae 
causa confictum. non suffecit igitur yiro egregio neque Hermanni 
scriptura 6ti X^t^^c ti irepi Topujvaiwv (vel reXujVEiaiv) dXiiB^c, 
neque Meinekii facilis sane medela ÖTi X^T^ic cu Ti irepl Tuiv vcuuv 
äXfid^C. sed nescio an magis placitura sit mea baec correctio , quae 
aliquanto etiam facilior est : 

ÖTi X^Tcic Tl 7r€pi ttijjv v^u)V dXriG^c; 

i« e« da da von unverschämten jungen sagest was wahres? 

ante omnia enim in bis reponendum pro vcuiv erat v^uiv, quod iam 
olim Bentleius et Beiskius commendarunt, nuper etiam Hansingius 
Pbilol. vol.Vn p. 196, Bothius, Dindorfius in ed. Oxon. III p. 474, 
nuperrime autem inprimis copiose disputans Muellerus Stmebingius 
de Aristopb. p. 394 ann. tum a me reposltum irut^v praeter correc- 
tionis facilitatem et sententiae ratio et usus Aristopbanis obmmen- 
dat, in cuius Nub. 445 quoque legitur Opacüc, €CtXu)TTOC, toX* 
fitipöc, iTr|C (quod hapöc est in Ban. 1291). et Philodeonem 
yeri simile est non solitum fuisse in Universum dicere de iuvenibus, 
sed de iuvenibus qui essent impudentes, inter quos cum etiam filium 
vel nominaret vel certe videretur habere, choms suspicatur filio 
hanc fuisse causam, cur ita patri irasceretur. certum autem vide- 
tur, totam hanc sententiam in coniectura positam choro fuisse, unde 
in fine interrogationis Signum ponendum duxi. 

Non discedam autem ab hoc Aristopbanis loco , quin ad ante- 
cedentem quoque versum, quem corruptum esse nemo negaverit, 
conferam medelam quae mihi quidem ceteris aliquanto probabilior 
videtur. est autem ille versus una syllaba brevior, ut cui in codicibus 
Omnibus desit ultima vox öb\ ab Hermanne demum adiecta, cui 
postea magis placuit fip' addere. praeterea non mirandum quod 
criticis nomen AfmoXoTOKX^ujv negotium facessit, quo loco cum 



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OSchneider: emendationes Aristophaneae. 

filinaPhilocleonifl, Bdelycleon, ngnificari debeat, nemo tarnen 
fflODftirare potoit, quo iure quove consilio Aiistophanes veram 
Hominis fonnam in istam speciem deformare yolaerit, unde certe 
cognosd Bdelycleon non potoit. nam 5Ti|bi6XoTOV eum fuisse et ita 
fiiitte, ot proprio iure bimcXÖTOU nomen sibi yindicaret, ex reliqna 
&ba]a non patet at nominis rationem non obscoram esse putabat 
schoHasta, qni Bdeljcleonem cum Cleone comparari coniedt, i. e. 
cdm Tiro iroXuXÖTHi Kai Toic Xoroic d^airaTuivTt töv bn^ov, etsi 
cborus alibi oeleberrimom illum Cleonem putabat q)tXöbT)^ov et 
ifflicom sibi (cf. y. 197. 242. 409. 596), ut iure monet Berglerus, 
qaocom Bichterus cborum sui oblitum esse statuere malebat quam 
emendandi facere periculum. atque iure hoc fecerunt alii, yelnt 
Hotibias, qui ATifioXoxOKXewv commendans (in quod alii quoque 
incidenmt, ut Fridericns Leo in quaest« Aristoph. p. 47) statuisse 
Tidetor Bdelydeonem nunc ita vocari tamquam aliquem quasi in- 
sidiantem demo Cleonem. quod probarem , si constaret At]|üiö- 
Xoxov nomen yel appellativurn vel proprium fuisse Atticis usitatum. 
4Qod non fuit, et ^metsi 'OpciXoxoc et *Ht^Xoxoc leguntur Lys. 725 
<t Bsn. 303, atque 'A^qpiXoxoc, 'IniröXoxoc, GpacuXoxoc, 'Icö- 
Xoxoc, MvTiciXoxoc Atiienienses quidam audinnt apud alios, tamen 
in his nominibua -Xoxoc longo aliud quid signifioat, nimirum mili- 
tnm manum, quod nostro bomini non convenit. alias aliorum 
cooiectqras memorat Bicbterus, quibus accedant Hermanni (de 
cfaoro Vesp. p. 11) bcivoXoTOKX^uiv , et Meinekii (adnot. crit. in 
Ar. p. LXVin) fJitcoXoTOKX^uiv, in quibus non minus quam in aliis 
«lionun desidero apertiorem aliquam Bdelycleonis mentionem. quae 
cum addi non posse Tideatur (cui enim magnopere placeat Burgessii 
iarentnm apud Dindorfium vol. V p. 378 6 lOiMoßbeXuKX^uiv — ?), 
£KÜe qois suapicetur omnino non esse de Bdelycieöne cogitandum. 
et hoc Video cogitasse Hansingium L 1. iniuria neglectum a Bichtero, 
({01 Demologodeonem dici pntabat bominem aliquem nobis incogni- 
tsm, sed choro dileoüssimum et facundia Cleoni comparandum, qui 
de eoninratione quadam inter iuvenes facta orationem habuisset, 
tolomque locnm ita consütuendum putabat: toOt' dröX^ric' 6 ptopdc 
XCKveiv; 6 AfUioXoTOicX^uiv Sb\ öti X^t^ic icOi nepi tuiv v^uiv dXf)- 
6(€, qnomm verbomm hanc esse sententiam antnmabat: hoc ausus 
t$t prqpomere turpis iBe Bddißdeon? DemoLogodton^ scUo te vera 
de mwembus dmsse, quae me non intellegere fateor. spero autem 
atUos nobis rem oessnram esse, si statuerimus memoratum potius 
esse Philodeonem, sed ita ut cogitari debeat de dus filio Bdely- 
üeone, bac inqnam ratione: 

tout' ^TÖXfific' 6 ^lopöc xo- 

veiv 6 AT)^oq>iXoKX^uivoc, 
ia quo patet esse aptissimum, si cborus miretur talia ausum esse 
koiiiincm, cuias pater sit Pbilodeon, i. e. vir probua et plebioola. 
ci de gsnetivo restituendo non crediderim multos mihi adversaturos, 
Bddydeon ö AT||uioq>iXoKX^uivoc est ukk. sed magis fortasse 



100 OSchneider: emendationes Aristophaneae. 

dubitabitor de nominis forma immutata. quam matationem nego 
nimis violentam esse, nam si semel una syllaba casu excidit (ut 
excidit et in fine huins versus et in seqaenti versu) nihilque relictum 
erat praeter hoc bi^o XokX^ujv, non mirandam est qnod hoc alicui 
videbatur esse bripoXo kX^ujv, quantocins illud in bi]^oXoTOKX^u)V 
redintegrandam scilicet« ita autem reperta nominis forma est qua 
qnis intellegatur sponte perspicitur, sed simul ita immutata est, ut 
aliud aiiquid laudis Philocleoni accedat, quod loco aptissimum alt 
aequo enim iure coniungi licuit bTmoq>iXo* (nam Atticis usitatum 
fuit nomen Aii|üiöq)iXoc) atque -qptXoKX^uiv. et vide simiiiter facta 
nomina infra y. 466 Ko|LiTiTa|üiuv(aCf et Ach. 603 ITavouptttriTapxiöctc 
(de quo melius Muellero Struebingio 1. 1. p. 529 statuit G. Gilbertus 
beitrage p. 164). 

XXXIV. Acharnensium 997 

dXXä c^ Xaßu)v Tp(a boKtSj t* &v In irpocßaXeTv ' 
995 irpuira ^kv &v dfiTreXiboc 6pxov ^Xäcai ^axpöv, 
cTto iroepd T6vb€ via ^oqcibta cuxibuiv, 
xal TÖ Tphov fifiepiboc Scxov, 6 T^pujv öbt, 
Kai iT€pi TÖ xu)ptov ^Xäbac äirav iv KUKXqi. 
nondum persanatum hunc locum puto, postquam pro libronun 
omnium scriptura f)|üiepit>oc xXdbov, ö T^puiv öbi, quod aperto 
metri vitio laborat, receptum est ex Brunckii coniectura %i€piboc 
6cxov, quod fmepiboc Spxov scriptum in Aldino exemplari, sed in 
fmepiboc 6lov mutatum est a Bergkio. nam ne dicam parum per- 
spici quo modo in verborum ordinem xXäbov intraverit , cum nemo 
fädle concedat principio hanc yocem tamquam interpretamentom 
ascriptum fuisse notissimae Toci Scxov vel 6£ov, restat aliud qnod 
multo est grayius , etsi nemini adhuc offensioni fuisse video. cum 
enim chorus dixisset pace recuperata tria se esse additumm, narrat 
ordines se ducturum esse primum äfiireXiboc, secundum cuxibuiv, 
tertium f))üt€piboc , quibus iam quartum addit £Xdbu)V, in quo etiam 
l^oc offendit, quod dfiiTcXlc et f)lüi€p(c tamquam plane diyersa genera 
distinguuntur, etsi in Universum unum significant genus, vitem. 
ac mirum est criticos non attendisse animum ad Aeliani epist. IV, 
cuius Berglerus admonuit opportunissime. nam nemo dubitabit 
quin Aristophanis hunc locum Aelianus ante oculos habuerit: vfw 
xap dfiTreXiboc dpxov ^Xdcac, elra ^ocxibm cuxibuiv iropaqpurcOcac 
öiraXd xai dv kukX()j ncpi tö auXiov xaT^miEa ^Xaiac. tria igitur 
genei*a et ipse nominat Aelianus, vites ficos olivas, quorum generum 
tertium est olivarum, ut Aristophanes quoque non potuerit tam- 
quam tertium genus fnicpiba nominasse, sed tamquam quartum 
addidisse iXqibac. sed si f)fiepiba nominavit, de quo sane non dubi- 
tandum , non aliter nominare potuit nisi ut tertii generis (i. e. oli- 
varum) mentioni interponeretur aliquo modo mentio fmcpiboc quod 
ita fieri potuit, ut quem ad modum cuxibujv ordines praeter dp- 
neXiboc Spxov se ducturum chorus dicit, ita etiam dXqibac tum 



•• •• ' • 

• • • • • • • 



OSchneider: einendationea Arisiophaneae. 101 

Qgqae ad yites (bis in den bereich von weinstöcken) circa totam 
TÜläm se plantatonim narraret. ita autem enasoetur emendatio 
qoae Bimnl effidat ut perspiciatnr cur in vulgatum f||üi€ptboc KXäbov 
abiro potnerit. qnae emendatio talis est: 

Ka\ TÖ TpiTOv fmcpiboc £c KXdb\ 6 T^puiv Ö5i, 
Km irepl tö xuiplov iXqibac fiirav ^v KUKXqi. 
de qao ne qnis propter singnlarem xXdba dabitet, eam vocem moneo 
Bon unum aliquem ramnlum significare, sed collectiviim esse (ge- 
nreig), nt in notissimo illo dv ^upTOU icXabl xö Eiq>oc q>opricui. 
(ilia ratio üngularis numeri est in dfiTreXiboc dpxov, fmepiboc 
itXäba, de qna ratione dictum in Nicandr. p. 89 sq., ubi adde Hom. 
b 446. Nonni Dion. XVn 327. XXXIV 135. Ov. met. n 133). tum 
Mcnaatiyns xXdba nequit sane neqne ex Aristophane astrui, qui 
KXobi tantom Ljs. 632 et icXdbcci Ay. 239 habet, neque ex alüs 
laipftoribas qnomm servati libri sunt, sed tarnen xXdba XP^^eö- 
KOpirov, ex poeta sine dubio, profert Herodianus irepi btxpöviüv 
p. 342 (I p. 623. n p. 7 Lentz.). adde regalas de pros. apud Her- 
BiBBimi de emend. rat. gramm. p. 433 et Draconem Strat. p. 36 et 
p.l03. et xXdba' xXdbov, ^dßbov habet Hesychius I 2 p. 428. at- 
qut KXdbctc ex nno novirnos Nicandri fr. 74 y. 53, qui ibidem y. 19 
etiam «Xob^ecci dixit. cetenun ex hoc loco patet librarios interdmn 
n non eaUnisse, at pamm curasse nomerandi artem, idque alio qno- 
qve exemplo mihi Yideor demonstrare posse. nam in 

XXXV. Vespamm v. 433 

di Miba xal OpuE ßoif)6€i beOpo xai MacuvTia 
Bentlei recepta coniectora ßotiOei pro ßof)6€tT€, qoae omnium libro- 
mm sehptnra est, Yel sie tamen non recte prooedit numerandi ratio. 
offendit enim qnod Bdelydeon a servU auxilinm petens ad perdo- 
nandam patrem non suos illos serYOS advocat, Xanthiam et Sosiam, 
qnonnu adknc opera usus est, sed alios adYOcare videtor. et si 
dixerit qnispiam saos illos serYOS Bdeljdeonem adYOcare ita ut 
Bon propria eoram nomina appellet, sed nominibus ntatnr a patria 
petitis (nt fere fieri solebat: cf. Hemsterhosius ad Ludani Tim. 22), 
quo eüam magis patrem perterreat, quippe qui ita sentiat a barbaris 
(t. 439) se pressum iri — tamen obstabit quod tres se habere 
serros indicat, qnot sibi esse non potuit simulare patre praesente, 
qui dnos tantmn senros Yidet (y. 442 Kai vOv f€ toutui töv na- 
XoAv bccndrnv . . xctpoCciv, et y. 452 dvcc ^c xal cu Kai cu), 
nt choma qnoqne dnos tantnm serros conspidt (y. 453 btiicerov). 
qood d tamen postea (y. 523) ipse Bdelydeon serYOS a patre mrsus 
KTocatnnui didt dq>€T^ vuv ditavTec, de dnobus usnsestno- 
une finavTCC (ut nostrates dicunt aüe beide) , etd de dnobus dici 
vovTfC negans schol. ad H. V 843 Homeri iUum Yersum dO€T€i. 
kine igitor mihi qoidem'non Yidetur dubitari posse quin Aristopha- 
dt Tenus cormptus dt, in quo ne tres serYi memorentur, sed duo 
tetum qui eranti de corrigendum censeo: 



102 OSchneider: emendationes Aristophaneae. 

i& M(l>a irai, OpuE, ßof^0€i bcOpo . 

iam sibi constabit Bdelycleon de servorum numero , recteque nunc 
denmm habebit Bentlei ßorj6€i, quod praegressis verbis (b Miba 
Kai 0pu£ locum habere non potuit, sed pluraliter dicendnm erat 
ßoT]0€iT€, quod ipisum scribae vitioso illo xai decepü iare restitnere 
sibi yidebantur. nunc autem Miba irai, <t>puE unom eundemque 
Berrum significat, Xaathiam puto, quem barbarum origine esse ut 
etiam magts praedieet Bdelycleon, (ppuTlC^oO (i. e. barbariae) notio* 
nem geminat, servi Phrjgls nomini adidens patris nomen Miba irai 
nam Miba eÜam genetivus est, ut apnd Platonem de leg. II 6^', 
eratque istud nomen celeberrimum in Phrygia et in servos Oraeoos 
quoque transierat: cf. Strabo VII p. 307 Cae. TOtc £Ov€av ^Kcivotc 
ö^wvuMOuc dKäXouv touc oiK^rac, dic Auböv xal Cupov, i^ toic 
^iTiTroXd2[ouciv £k€T övöjüiaci irpocriTÖpeuov, übe Mibav töv OpÜT^i 
Tißtov bi TÖV TTaq>XaTÖva. sed si Miba irai <t>pOE foit Xanthias 
servuB , necesse est Macuvriac significet alterum Philodeonis sive 
Bdelydeonis serviim, Sosiam. id quo iure possit obscurum est, nee 
Tel Toteres scholiastae vel recentiores intei'pretes quicquam de eo 
nomine docent (nisi quod Bergkius MaciVTua legendum censet, ut 
nomen non diversum fuerit a MavTUiic, quod et ipsum servi nomen 
fuerit). sed videtur tamen quid rei sit probabili conieotora erui 
posse. glossa enim est Hesychii, a nuUodum quaatum scio buic 
loco admota, in p. 75 ^aciivTT]c ' iropdciTOC, unde fieri potuit nomen 
Macuvriac, ut a Kprrfjc fit Kpixiac similiterque a similibus alia 
fiunt (cf. Lobeckii Proleg. pathol. p. 490). nulla autem causa est 
cur in Hesychii interpretatione iropdctTOV esse putemus adulatorem, 
nam ea vocis irapdoTOC significatio oerte non est veterum Atti- 
corum, ut testatur Polemo apud Athenaeum VI 234* (Polem. fragm. 
p. 115 Preller.), quem locum accurate disputat Albertus de Kampen 
in docta dissertatione de parasitis Oottingae a. 1867 edita: tö toö 
irapaciTOu dvo^a tö vOv äboEöv icTi, irapa b^ toic &pxaioic 
e^picKo^6v TÖV irapdciTOv Upöv tö xP^M<^ ^^^ '^^ cuv6oivi}i cuvö- 
fioiov, coli. PoUuce VI 35 Uri bk xal irapä-ToTc iraXatoic TOÜvoMa 
(TrapaciTOc), ou ^fiv iq>' oC vOv, dXXä Icpäc ömipeciac övofia eqs., 
item Moeride et Thoma Jiagistro s. v. Hesychium igitur ac potins 
doctum grammaticum, cui ille sua debet, putamus intellegi voluisse 
ministmm ex eomm genere qui epulabantur cum sacerdotibus, quo- 
rum erant in sacris comparandis et faciendis administri (cf. Schoe- 
manni antiq. Ghr. II' p. 418). sed ^acOvTT]V etei ea qua dixi signi- 
ficatione aliunde nunc non novimus, at cognatum nomen TrapacuvTT)C 
legimus non solum in Ephippi comid fragm. Ephebon I 6 (Com. IIl 
p. 328), sed etiam in Alexidis Tarentinomm fr. IV 8 (ibd.III p. 486), 
ubi cum de convivio et cena sermo sit, nihil vetat ne de antiqua 
vocis significatione tantnm certe servatum esse putemus, ut bomi- 
nem cuvbeiirvov significet, non xöXaxa. id^m autem Alexis in Tro- 
phonii fr. IE (Com. III p. 492) Moschionem parasitum appellst 
TTapafiacriTiiv, quod nomen habet etiam Timocles Epist fr. II 6 



OScbneider: emendatioDes AriBtophaneae. 103 

(Com. ni p. 597), qui qaidem comici irapdciTOV paulo magis per- 
spicQO nomine quam obscuro et ambiguo significare malaisse viden* 
tor. nam profecio Yocabolum fiacuvTTic nnm vere atticam appellari 
po8ait dnbitare licet, Tidetnrqae potios et ipsom ut Mibac barbarae 
origiBis eese, et qnidem Phrygiae. nam ut Athenis fuerunt irapd- 
OTOi Hercnlia et Apollinis (cf. Schoemannus 1. 1.), ita in Phrygia 
Tidentor irapdciTOi Magnae Matris faisse, irapa^acuvrat vel ^acuv- 
TOi ^^pellati, qui com ex Phrjgia mature cum dea eiusque sacer- 
dotibna in Ghraeciam transisaent, noti sine dubio Athenienaibus 
eimt et alia quoque Phrjgom vocabula in Graecia innotuerunt, 
quorum satifl magnum numerum receneet Paulus de Lagarde in 
oposcnlia p. 284 sqq., inter quae tamen \iacJVTr\c non reperimus 
memoratam. iam unum restat ut moneam, non videri hoc Aristo- 
phsojs loco nomen proprium esse MacuvTiac, sed appellativüm, 
nt is ^ui praeter Xanthiam unus erat Philocleonis senrus , et ipse 
dicator Pbrjrz, cum \xacvYTr\c sit, non ille quidem sacerdotum 
, Msgnae Matris minister, sed minister Philocleonis sive Bdeljcleonis 
et Xanthiae oonservus. hoc igitur si quid yideo Aristophanes Bdely- 
cleonem dicentem fecit: 

Midas sehn, Pbrjger, hilf hier, hilf auch da hier, freszkampan! 

XXXVI. Equitum 403 

d) Trepi nävT' inx iräci t€ TrpdYMaci 

bujpobÖKOiciv in ' &v6€Civ \lu)}/, 

€l9€ <pauXu»c, <jiciT€p n^PCC) iKßdXoic Tf|v £v6eav. 
dooent quidam grammatici a Cobeto Var. lect. p. 347 indicati bwpo- 
ÖOKOUVTOC non solum dici homines qui acceptis donis corrnmpi se 
tinaat, aed etiam qui dantes cdios corrumpant. sed eos certe de 
Attids errasse facile credo Cobeto 1. 1. et Nov. lect. p. 502. et vide 
Richterum ad Yesp. 1036. inprimis autem mirum esset, si Aristo- 
phanes imagine usus (ut Ay. 749) ab apibus petita quae floribus 
imadentes inde melpetunt, hie dvOr) dixisset accipientia dona. 
iUqne ut in Yesp. v. 675 pro öuipoöOKoOciv nunc bu)po(popoOciv 
post Dindorfium in Thes. Par. 11 p. 1825* scriptum est non sine 
codicum anctoritate, ita huic quoque loco vitium illatum puto scri- 
banun incoria, qui notissimo assueti vocabulo neglexerunt quod 
oaa litterula ab illo distat, hoc dico: 

buipOTÖKOiciv in' fivOcctv t2IUJV. 
qoae tox etsi aliunde non innotuit, tamen similiter dictum novimus 
KopirordKOc, KopiroroKeTv pro Kapno<pöpoc, Kapiroipopeiv. 

XXXVII. Vesparum 227 

Kai K€KpaTÖT€C 

mibuj^i kqI ßaXXouciv uJCTrcp q)iipaXoi. 
qoaerat quapiam, quid tandem iactent vel iaculentur vespae. et si 
qnis retpondeat iactare eas aculeos, aegre quis in hoc acquiescat 
dkalqae, npoßdXXctv hoc dicendum fuisse, non ßdXXeiv. ac plane 



104 Schneider: emendationes Aristophaneae. 

nihil iam habebit aliquis quod respondeat, si ex eo quaesiveris, 
quid tandem iactent (p^ipaXoi, qui et ipsi hie cogitandi snnt tarn- 
quam ßdXXovT€C. silent critici cum veteribus recentiores, ut vide- 
antur omnes statnisse ßdXXeiv hie esse pon iactare, sed iactari et 
intransitive dici. cuius iudicii si quis eos cansas et argumenta 
postulaverit, vereor ut aliud quid proferre possint praeter notissima 
illa ö iTOTQ^öc ßdXXei €ic Tf)v OäXarrav et ßdtXX' de KÖpaxac (de 
quo cf. Bichterus ad Yesp. 836), quibus apparet nequaquam probari 
posse, praeter certas quasdajn formulas ubique istad yerbum in- 
transitive dici potuisse. itaque corrigere malim : 

in]büjci Kai tt d X X o u c i v ujcirep q)^iiiaXoi, 

i. e. sie sohrein 

und Bpringen und tansen wie feaerfanken hin und her. 

activum irdXXctv de saltando Aristophanes dizit etiam Ljs. 1304 
u) eta KoCq)a ndXXuJV, etsi transitivum verbum est Ach. 965. 
Av. 1714. Ban. 345. at intransitive etiam alibi dictum legitur, ut 
docet Thes. Par. vol. VI p. 106 ^. quod au^m ß et n inter se • 
commutata statuimus, id aJibi quoque factum esse docet Üngerus 
de Sinide p. 167 ann. 

XXXVm. Equitum488 

dXX' Ulli: npwTOv b\ djc ^x^» « Tdc KOtXiac 

xal Tdc ^axaipac dvOabi xaraOricoMat. 
qui d)C ix€\ aliquid facturum se dicit, nuUam se interpositurum 
moram promittit, quod fieri potest vel mutando corporis habitu vel 
alia re quaecumque est: cf. ad Isoer. Euag. 39 et Ar. Lys. 376. 610. 
Eccl. 533. sed ea formula si hoc loco allantopola voluisset uti, 
credibile est eum formulam accommodaturum fuisse enuntiationi 
primariae quae est dXX* el^i, non secundariae. itaque Aristopha- 
nem scripsisse credi par est: 

dXX' tl\ii ' npujTOV 5' ä c i^uj rdc KOtXiac 

Kai Tdc ^axaipac dvOabi KaTaOrjco^at. 
ubi nomen, ad quod relativum refertur, in ipsam enuntiationem 
relativam transiit, qua in re etsi alibi omissus articulus est, tam«n 
interdum eum videmus additum non sine levi sententiae discrimine: 
cf. Av. 438 eil bi. Toucb' d<p' otcnep toic Xötoic cuv^XcE' tfi) 9pd- 
cov. Ljs. 61 &c irpocebÖKiuv . . npiuTac irap^c€c6ai beCpo rdc 
*Axapvdu»v T^vaiKac, oux f\KOuctv. Grates fr. ine. 139' TrpöcTOÖ 
CöXuiVOc xai ApdKOVTOC otct vOv q)puTouctv rdc xdxpuc toic xup- 
߀Civ aliosque a Matthiaeo gr. gr. § 474^ et Fritzschio in Quaest 
Lucianeis p. 88 prolatos. 

XXXIX. Vesparum v. 651 

XaX€Tr6v \iiy — 

idcacOai vöcov dpxaiav dv t^ iröXei dvT€TOxmav. 
furorem iudicialem Bdeljcleon intellegit urbi tamquam morbum in- 
natum esse, at vöcoc ^VTeTOxma non significat morbum innatum, 



OSchneider: emendationes Arisiophaneae. 105 

qundoqiiidem T^TOxa non intransitiviun est, sed iaransitivum. docet 
hoe ipse Azistophaaes Yesp. 1034 (qui versus repeütnr Pac. 757) 
(puiWtv b* cTxcv x<ipäbpcKC äXcGpov TCTOKuiac, et fr. Daedali IV 
ij). 1016) diöv fi^TiCTOV T^TOKCV die äXeicrpuuiv, item docent He- 
siodi, Herodoti, Platonis ntriasqne, comici et philosophi, Hippo- 
cntis, Xenophontis loci a Veitchio *6reek verbs' p. 666 allati, qnibus 
quo« addam habeo nunc Polyzelum in Moucuiv Tovak fr. III (Com. 
np.870) i&cncp XaXKibiirfi t^tokcv fi^iv f| T^v/j, et Ludanum 
Ckir. 17 6ti dppeva iraiba t^tokcv ainCb f| T^» item de merc. 
co&d. 34 rd xuvibiov ^TCTOK^vat dv tüj Tpißwvi, item Alex. 42 
mXXai Kai n^X^vv TCTOK^vai irap' auroO. bis transitiva vocis 
TCTOxa Yifl adeo atabilita mibi videtor, nt unus qui reluctetnr Aris- 
tophuis locus non possit non videri in mendo cubare. ac levi 
nratatioBe atqne non insolita nitione verum restitui potest Aristo- 
pbai, qvi sine dubio de scripsit: 

idcacdai vöcov dpxatav dv t^ iröXei dTT€TOvuTav. 

XL. Yesparum 1024 

dp8€k bc ^€Tac xal nfiriOeic die odbelc n\imoT* iv üfiiv, 
ouK dicTeXdcai q)f)clv ^TrapOck oöb' 6TKuicai tö q)pövima. 
criticonmi uni Beiskio, incorrupti viro iudicii, suspectum fuit ix" 
TÜ&ai, oeteri non offendemnt et cum Florente Cbristiano probasse 
Tideatar scholiastae explicationem, quae talis est: oö T^Xeov dirap- 
M)vai, qniciv, i^^iice ical ouk iiA xikoc ftoSev aöviü (an oötCjj?) 
iÜiiv ofiT€ Ti)c iTOtf)ceuic oÖT€ vSjv irtmvCi^. putabat igitur £k- 
TÜ€iv dicopO^vra esae pro T^Xeov dirapOfivai, vel ut mox dicit drrl 
Täoc dXOctv. aed alia ut mittam, dicreXciv ita absolute Oraecos 
dixiiae vereor ut demonstrari' possit, nee credidisse videtur Din- 
tofios, qni in editione Oxonienci dirreX^cai cum participio dnapOeic 
OQistnidnm esse putat, quam usitatam esse verbi biarcXeiv struc- 
tnzaia. at nee demonstrari potest dicreXetv umquam pro btareXeiv 
&tBm esse, et apparet ita dicendum Axistopbani fuisse non iiropOefc« 
nd dmnpöpcvoc etBicbterus quoque, qui primum ad dicreX^cat 
n^plebat Tf^v irotnov, Tf|v böSav, addit tamen, quasi et ipsi de 
•biolato verbi usn dubitatio oborta sit, suppleri etiam posse quod 
a ipso versa legator, tö q)pövima, quo supplemento non video 
9ttd faicremar ad sententiae perspicnitatem et elegantiam. itaque 
am dicTcX^cai absolute dictum esse nequeat concedi , neque in reli- 
9tt ontione fädle quis inveniat quae ad absolvendam sententiam 
nppleaatnr, Beiskio aasentior corruptum esse diaeX^cai, cuius tamen 
imÜa ipn non suppetebat. at equidem invenisse mihi videor quod 
et tptismmnm sit sententiae et facile in illud quod nunc legitur 
C'^BnuBpi potuerit. quidni enim rectissime Aiistophanes profiteatnr 
^*Qp6dvTa qnidem non contempsisse se eum populi favorem, nee 
•Bfl<tem eo fuisse? certe non video, praeter superbiam quae populi 
^Tcrs orta dt quid aliud apte bic memorari potuerit atque eins- 
^ bvoris contemptio, qoae superbiae illi contraria est. atque 



106 OSchneider: emendationeB Aristophaneae. 

ea contempüo facillime looo reddi potest, si modo non niinis magna 
mutatione resütuatur • 

ouK €UT€Xicai (pr^dv dnapOeic eqs. 
i. e. dicit non parvi pependisse se tö £TTapdf)vai Kat Ti^ii8f\vai. 
quamquam probe scio verbum euTcXiZciv Moerin p. 212 Bk. et 
Tbomam Magistram p. 378 Bi. abiudicare Atticis, qui eo significattt 
qHZuXiZetv dixerint, quem ad modum etiam aliis verbis in -ileiv 
formatis Atticos abstinnisse grammatici tradunt (cf. Lobeckii Bbem. 
p. 224 sq.). at non dubito profiteri, in eius modi atticistaram prae- 
ceptis mihi videri eautissime versandam ess^. qoi iure quidem inter 
optimos atticismi magistros Aristophanem referunt, quem ubi quando 
minus attice locutum esse videbant, studiose hoc excosabant, Yel 
parodias obtendentes (ut Phrjnichus p. 91 et 391 Lob.), vel m^trl 
necessitatem praetexentes (ut idem p. 158), vel totam adeo comoe- 
diam aliquam in voOeiac suspitionem vocantes, velut Pollux X 89 
facit, etai idem I 231 scribens V€Öq)UT0V' cutcX^c }xkv fäp tö 
fivo^a, K^xP^TOii bi. auTiu 'ApiCToqpdvnc, concedit Aristophanem 
usum esse voce quae non sit ex consuetudine Atticorum. eigo ubi 
atticistae vocem aliquam negant atticam esse, inde non continuo 
colligi ubique debet, eam Atticos omnino non admisisse, sed gram- 
matici illi praecepta sua non putabant everti uno aliquo vetustiom 
scriptoris exemplo , ut Phrjnichus libere profitetur p. 226 : T^^i'Ci- 
jbiov CTpdTTiv \x{v q)aci töv KW^ipboirotöv eipiiK^vai Tcövo^a' 
dXX' fm€ic ou TOic &nai elpim^voic npoc^xo^ev töv voOv^ dXXd 
TOtc iroXXdKic KCXPnM^voiC' K^xprytai bi iö t^Xoiov, et p. 433 ouk 
^XPnv Täc äiraS eiptm^vac \&exc dpndZeiv, coli. p. 291. itaque 
Phrjnichus iure sibi videbatur vocabula quaedam dicere minib 
attica, quae uno aliquo comicorum exemplo ipse probat, velut 
Theopompi p. 180, Teleclidis p. 291, Antiphanis p. 333, Eubuli 
p. 338, PhiUppidiB p. 363, Mjrtili p. 433, ne de Menandro dioam 
(cf. p. 331. 363. 387. 415. 417. 425. 442), quem fortasse non in- 
iuria inter scriptores minus boKtfüiouc referebat (cf. p. 416. 433. 
. 440). atque eadem praeceptorum quae antiquiores et recentiorea 
atticistae dabant, si non omnium, certe plurimorum videtur conuna- 
nis origo fuisse: atticos scriptores dum legunt, notabant vocem ali- 
quam quae ipsis ]iOvif)pTic videbatur, tum in legende ulterius pro- 
gressi animadvertebant Atticos non tam ista voce quam alia uti 
solitos fuisse. eandemque originem etiam eorum praeceptorum 
fuisse probabile est, ubi vocum ^ovripu^v alicui ex vetere atticismo 
testimonium non addebant, sed propter ipsam vocis mentionem 
colligendum est, apud atticum aliquem scriptorem certe semel eam 
legi, ab hac autem accuratione longo alieni erant atticistae recen* 
tiores minusque aocurati, qui ubi dicunt: q)auXi2^€tv 'AttikujC, €ÜT€- 
XiZeiv '€XXriviKaic, iure nemo contendere potest €UT€Xi£€tv ne semel 
quidem apud atticum aliquem scriptorem inveniri. qua in re quanta 
legentibus talia praecepta errandi copia data fuerit, uno saltem 
exemplo demonstrabo. anüatticistae in Bekkeri anecd. I p. 103 haec 



OScbneider: emendationes AriBtophaneae. 107 

rerba sunt: Kpe<jlbiov 06 qMXCt bcTv X^T^^v tö uiroKopiCTiKÖv. hoc 
qui negabat atticista aut Tel duos locos non refragari canoni puta- 
bat, ant plane ignorabat Ariatopbanis Pluii 227 toutoM tö xpecji- 
btov . . Xaßtbv, et fr. ine. 36 if|v xvr^v £v ^ rd icpccjibi' fjqicc 
dZuipicvM^a. ergo qois Moeridis et Thomae Magistri verbis fisns 
oontenderit, verbo eureXiZeiv Atticos ne semel qnidem usos esse, 
(xam nnnc qmdem non novimus antiqniores testes Luciano et Plu- 
tireho? sed etiam antiqniores Atticos, quibas certe adiectiynm 
djrrcXi^ naitatissiniam erat, nemo negaverit in tanta yerbonun eins 
genens foimandomm faeilitate magnaque vere formatonim copia, 
bu terre eo verbo nsos esse, nam ut talia tantum afferam quae 
proxime ad yerbüm €UTeXU[€iv accedant, tinpeniCtiy e vnlgatissimo 
cvTpcmfic natum ipse Aristophanes certe semel admisit Pluti 626, 
ilü totem qni Aristopbanis aeqnales erant nsnrpabant saepissime, 
Qt etiam dipcrvr|C et äqKxviZeiv Aristophanes habet plns semel (de 
alüd Terbis in -iZetv, qnae ab adiectivis originem habent nee postea 
defflom increbnerunt, vide Lobeckii Bhem. p. 225). qnodsi verbum 
€UTcX2€iv propter Moeridis et Thomae testimoninm non continuo 
•biadicttidnm est a veterum Atticorom usu, non yitaperabit me 
qmdqnam Ariatophani yerbnm illnd lenissima medela restitnere 
coBuitem, qoo £soto poeta hoc dicet: 

oud erhoben g^ar hoch und mit ehren bedacht wie nimmer bei 

euch noch ein andrer, 

hat gering nicht er diese erhebnog geglaubt (hdrt! hört!) oder 

blähte ihn stols auf. 

XlÄ. Acbamensiam 1137 

AAM. Tot CTpiii^or', (b nai, bficov Ik Tf)c dciriboc. 
AlK. TÖ b€tirvov, iZi trat, bf)cov £k Tf)c KiCTiboc. 

kaec qni laiu esae crednnt putandi sunt sibi persnasisse nescio quid 
iqxins in hia verbis inesse, qnibns dapes in cistam inferri solitae 
«Opa npocbOKicnr dioantnr ad dstam (Mgariy sive extrinsecus id 
tactom eese siTe intrinsecns pntant« qnod mihi quidem non Ten 
umfle, oertnmqne est alind qnid memorari debnisse, qnod a cibis 
ditennm sH et tamqnam nova qnaedam res opponatur rei item 
nana quam Lamachns memorat, Tä CTpidfiOTa. hoc qni sensemnt, 
Vottins, Weati^alins, Mnellems, tö beiirvov pntarunt esse *des 
aabks schfiaaeln' Tel simpliciter *die scbOsseln' Tel *des mahles Zu- 
behör', at non lieebat,'si qnid Tideo, Tocem tö beiTFVCV in eam sen- 
tcBtism deiorqnere, nee dnbinm mihi quin tö b€?irvov corruptnm sit. 
c^pportime antem in mentem Tenit loci qni est in Face 839 sq., unde 
(ognoTirnns moris fuisse, ut senes a couTivio redenntes lantemis 
ct«mtiir: dirö beiirvou Tiväc 

Tiuv irXouciuiv oOtoi ßabiZouc' dcrdpuiv, 
liTvouc ^xovTCC, 4v bt toTc Invoici irOp — 
«de eertisaima huius loci emendatio mihi enata est haec: 
TÖ b' Inviov, (ü nai, bf)cov bn ti)c Kicriboc, 



108 OSchneider: emendationes AriBtophaneae. 

quam certissiinam dixi, cum AITTNION facillime potuerit in A6ITTN0N 

abire. praeterea etiam in £q. 1402 omnes Codices habent Xourpov 

pro eo qaod nnice verum est, Xourpiov. sie igitur posthac expli- 

candum locum censeo : 

Lftm. die decken, jnnge, binde du an den Schild mir fest. 
Dik. das laternchen, junge, binde du an den korb mir fest. 

ne quis autem in tali parodia vel minutissimam metri responsionem 
esse debere putet, conferat is v. 1118 cum 1119, v. 1124 cum 1125, 
y. 1132 cum 1133, v. 1134 cum 1135, et bi a nobis interpositum in 
novae rei mentione ne quis vituperet, videat is v. 1119. 1138. 1139. 

XLII. Ljsistratae 417 

\b CKUTOTÖ^e ^ou Tf\c T^vaiKÖc toO ttgööc 
TÖ baicTuXibtov mfici tö Zutöv, 
50' dnaXöv 6v' toOt' oOv cu Tf)c ^ccr^ßpiac 
dXedjv x<S(Xacov, SnuiC öv cöpirr^puic ixQ. 
in primo versu , in quo antea erat Tf\c \iOV , iure Meinekius vel sine 
libris atücismum restituit (cf. v. 409) nee quisquam propterea dubi- 
tabit, quod ita endisis est eo loco ubi nobis interpunctio esse seiet 
nam idem factum in Pacis v. 76 \b TTiiT<iciöv Mo( <pr\c\. Theam. 1134 
^^^VTico TTcpceC )i' die KaraXetTrcic. Pluti 46 q)pd£ouciv di cxaiö- 
TaT€ CGI caq)€CTaTa, et apud alios saepissime: cf. Dobraei misc. 
in Ar. (vol. VIII 2 Ddf.) p. 100, Pritzschii Quaest. Lucian. p. 27, 
Bekkeri scbed. Hom. I p. 268 et praeter ceteros Lobeckii Elem. n 
p. 322 sqq. illud autem non aeque probo, qaod Meinekius cum 
recentioribus post Brunckium fere omnibus spreta Ravennatis scrip* 
tura ex deterioribus libris recipere malebat toO noböc. nihil enim 
offensionis habet quod praeter obiectum toüc iröbac, totum signi- 
ficans, etiam alterum adicitur quod significat partem, id qaod post 
Homerum etiam alii fecerunt, etsi aliquante minus frequenter, ut 
ipse alibi Aristophanes Av. 497 iTa(€i ßoirdXiu ^€ tö vujtov. ac ne 
hoc quidem quemquam offendat , quod posito plurali numero Touc 
TTÖbac tamen singularis tö baiCTuXibiov sequitur, quasi de ubo 
öaKTuXibiip agatur, non de utriusque pedis digitulo. at ita post 
pluralem illatum singularem, quo significentur singulae quaeque 
res ex omni genere eo quod antea memorabatur, habemus eüam in 
Lys. 681 dXXa toütujv xpflv diracuiv ic TCTpim^vov EuXov t 
^TKaOap^öcm Xaßövrac toutovI töv aöx^va. ibd. 706 toö 
CK^Xouc öfüiäc Xaßiiiv Tic dicrpaxilXici) qp^pujv. Vesp. 274 sqq. 
fiwv äTroXd)X€Kev t&c ^^ßdbac f\ irpcdKOip' £v t(|i acörtp töv 
bdtKTuXöv TTOU : cf. Bernhard j Synt p. 60. et haec quidem leviora 
sunt, aliquante autem maiores turbas in sequenti versu illud move- 
bat TÖ baiCTuXibtov, cuius prius iota longum esse plerique post Da- 
vesium et Porsonum negabant. et iure negabant. nam quae huius 
generis deminutiva a nominibus impuris secundae declinationis de- 
scendunt (ac nolo nunc reliqua quoque disputare, de quibns et 
ipsis vide Spohninm de Odjsseae parte extr. p. 128 sqq., Dobraeum 



OSchneider: emendationes Aristophaneae. 109 

•d fiuL 1336, Fritzschiam ad Ban. 1301, Lobeckü Eiern, path. I 
p. 280 sqq. coli. Proleg. path. p. 393, et de adiectivis in -tbtoc ibd. 
p. 355 iqq.)) c<^ qnale illud iota habeant tot docent in fabulis Asis- 
tophaneis exempla, ut dubitari nequeat de brevitate: dbeXqiiöiov 
Ban. 60, äcKtbiov Eccl. 307, briMibtov Eq. 726. 1199, Ziui^ibiov 
Nab. 389, Kopmbtov fr. Tagen. IX 2, XopKtbiov Ach. 340, Xotibiov 
Vesp. 64, HovOibiov Ban. 582 (qui alibi EavOiac appellatur, sed 
iliod a ZdvOoc derivatum), öq)6aX)iibiov Eq. 909, iromiribiov 
Eq. 1215. Vesp. 655, mXlbiov Ach. 439, TTupTibiov Eq. 793, T€k- 
vibiov Ljs. 889, cirtvlbtov fr. Nes. I 7, xXavicxibiov Pac. 1002, 
XOipibiov Ach. 521, nbi iota breve est, ut de aliis non iam dubitari 
potfit, epovlbiov in fr. Nes. XXIV, fiupibiov in fr. Tagen. XXXVII, 
um poetae integri loci desunt. nee de aliorum poetarum vocibus 
äimilibns dubitare licet, quamquam quod in anonymi comioi fr. 366 
Com. IV p. 696) Meinekius scripsit dcTraZö^€c9* £p€T^ta xal 
CKQX|i}bta, prius iota vocis CKoXfüiibiov, quae aperte a CKoXjiöc 
v«nit, produci patans ad Menandri et Phil. rel. p. 160, nihil impe- 
diebat quo minus in duos versus verba dispesceret'sic: dciToZö^ecO' 
(pcTMio I nal CKoX^ibia. nee dubium mihi quidem quin simili modo 
£QC«urrendum sit simili vitio in Aristoph. fr. Thesmoph. alt. XTV 
Com. n p. 1084) , ubi editur Tf)V irr^puta irapaXucaca toC x^*^^- 
viou I Kttt Tuiv dnob^c^uiv, otc £vf)v TirOibia, sed alter versus for- 
UiM ita scribendus est: Kai t(£»v ^TwaiKCiuJV^ äirob&fiuiv, olc 
(viiv ; TO TiTOibtCL nam TirOibia articulo non videtur carere posse. 
Ab his autem vocibus quas attulimus immane quantum distant 
BowiTibiov Ach. 872, äptupibtov Av. 1622. Ljs. 1051. Pluti 147. 
'M,t. Triphai. FV, biKOcniplbiov Vesp. 803, l^aTibiov Ljs. 401. 
Plati 985. nam in his tertia a fine sjllaba producitur iure, quoniam 
HQod his primitivum est vocabulum (BoiiuTioc, dpTupiov, biKacnf)- 
piov, ipdnov) illud iota breve habet , quod cum altero illo iota ter- 
aiMti^ifl et ip60 brevi in unum longum iota coalescit, ut in simili 
cua fit in oixf btov (ab cixia) Ar. Nub. 92, in oucibtov (oucia) in 
h. Nieomachi Com. IV p. 587, in ßißXibtov in Strat. epigr. in anth. 
PiL m 208 , 1 et &ctum est etiam in KUjßibiov (a KUißioc) in fr. 
>otadift Endi. I 22 (Com. III p. 586) Kwßibt' ärra m\ ircTpaia br) 
nva, etsi huic refragatur fr. Anazandridis Ljcurgi (ibd. p. 172): 
Ol i|ii|TTaptoic fiCTa KU)6ap(uiv | Kai cKivbaptoic m^töl Kuißibiujv, 
bH Kuißibfaiiv antepaenultimam corripere vides. at satis gravis causa 
ot cor Sanum negem locum esse, nam KU)ßt6c piscis cum ab eo, 
quem Siculi küjGov appellabant, non esset diversus, quod Athenaeus 
^ 309' probat Nicandri Colophonii et Apollodori testimoniis, 
Ma est eredibile Anazandridem post KUiOdpta denuo nominasse 
i>4ibia. contra a docto quodam lectore non alienum erat verba 
HCta nuSapuuv iUustrare appositis verbis Mcrd Kuißib(uiv. vix 
uton opib est ut moneam, plane diversi generis esse aiirtbiov in 
^ Dia. IX et Thesm. alt. III (Com. II p. 1050 et 1076), cq)paTf- 
^ (Tbetm. 427). nam haec sunt a radicibus ci]TrTb, cq>paTtb. 






110 OSchneider: emendaÜoneB Aristophaneae. 

Hinc satis liqnere arbitror baiCTuXibiov, si quidem pedis digi- 
tom significat , producta antepaenolüma did non potoisse , qualem 
habitam facile uni concedimns parvo annlo (baKTiiXtbit|i). nam 
is a voce tKXKTuXioc nomen habet (cf. PoUux VII 179 coli. II 155. 
Y 100. Hesychius I p. 456, 41). at dicat quispiam, in alterios 
qnoque significationis vocabulo hoc, qiiod in Lysistratae versu legi- 
mu8, productum iota satis defendi nominibus qaae attnli äpTuptbiov 
ßißXibiov biKttCTiipiöiov i^a'nblov. nam nomini baiCTuXibiov ante- 
cedere TÖ baKTuXiov, ut illis antecedat dpfOptov ßißXiov cet., in utro- 
que igitor genere iota ob eandem causam produci. audio, sed video 
tarnen unde haec ratiooinatio funditus evertatur. qua in re nihil 
quidem me movet, quod vocem baKTiiXiov (digitulus pedis) nollius 
scriptoris testimonio habemus firmatum. adeQ enim ferax deminu- 
tivorum in -tov formatorum graecus sermo fuit, ut mirum non sit, 
nnum et alterum eius modi vocabulum nunc quidem non plus unum 
habere testem, ut hodie ßo\)X€u^dTlOV non norimus nisi ex Ar. 
Eq. 100, '€Xdq)iov nisi ex Thesm. 1172, €öptTribtov ex Ach. 404. 
478, <l>€ibiinT{biov e Nub. 80, KXtvTi^piov e fr. Nauag. I, kotuXickiov 
ex Ach. 459, fieXtmov e Vesp. 367, TTriTdciov e Pacis 76, cko- 
pöbiov e Thesm. 494. itaque quis negare velit olim extitisee tö 
baKTvXtov, digüulum pedis significans? at ne sie quidem ratio con- 
staret. nam in isto baicTuXiov quod sumimus -lov hypocoristicum 
est, quod non item valet de dpTvpiov ßißXCov cet., quae hjpo- 
coristica did nequeunt. quod si tarnen eadem ratione a bocKTuXiov 
factum diceres baKTuXlbiov, demonstrandum esset a deminutivo ali- 
quo in -lov facto novum esse derivatum deminutivum in -tbiov, 
ciiius argumenti eo maior vis est quod, quamvis saepe deminutivia 
in -lov adiaceant deminutiva in -tbiov, haec tarnen ab illis derlTata 
dici nequeunt, cum et ipsa breve iota habeant. nam Aristophanes 
correpta antepaenultima dixit xXaviCKtbiov Pacis 1002, etsi xXavt- 
CKtov usus est Ach. 519, et xoipibiov in Ach. 521 et alibi, etsi xoi* 
piov Ach. 740 et alibi, et quod eodem modo cirivibtov dixit in fr. 
Nes. I 7 (Com. II p. 1108), id Eubnlo (ibd. Hl p. 268) est cmviov, 
quod dcKibiov Ar. Eccl. 307, id Grates in Hero. J (11 p. 235) dice- 
bat dcKiov, quod similiter XopKibtov Ar. Ach. 340, alii diceb&nt 
XapKiov (PoIL XIII), quod Aristophanes db€X<pibiov Ban. 60, mXi- 
biov Ach. 439 , TCKVtbiov Lys. 889 , alii dicere malebant dbÄq>iov 
iriXiov T€Kviov. et nuSiov quoque et nuEibiov Aristophanes dixit 
(cf. PoU. IV 18 = Com. n p. 1218) ut Hermippus (H p. 412), 
XoXkIov et xaXKtbiov (PoU. Vn 89), quamquam cum versus ad pro- 
bandum non adiecti sint, hodie. de mensura certo sciri nequit« nee 
in Menandri fr. Piscat. IV 3 (Com. IV p. 74) quo modo vox itott)* 
pibtov (pro qua Aristophanes dicere solet iroTrjpiov) versui adaptata 
fuerit nunc constat, cum locus lacuna laboret. ne quis autem etiam 
Xuxvibtov ex Aristoph. fr. Aeolos. XV (Com. II p. 949) bubtv Xuxvi- 
biotv huc afferat idque componat cum deminutive Xuxviov, is Pol> 
lucis X 118 verborum admonendus est quae Aristophanis illi frag- 



OScbneider: emendationes Aiistophaneae. 111 

mato snbidt: bTJXov 6Tt Xuxvia clptiKev, äXX' oö Xüxvouc 
imcpoik. «go Xuxvtbtov neque iB Aristophanis loco neqne in fr. 
Cimtetis (Com. II p. 234) quod ibidem exstat (oÖK £cTt Moi X\)xvi- 
biov) a momine quod et ipsom demisutivum est, i. e. a Xuxv(ov (cf. 
AntipliBiiis fr. Aphrod. natal. I 2 (Com. III p. 29) descendit, quod 
refotaat vel ipsa verba in alio Aristopbanis fragmento (Dram. III *» 
Com.II p. 1059) «iiciTcp Xuxvo c | öfiOiöraTa KaGiiOb' irA toC Xuxvt- 
Mou. immo Xuxvtbiov significat XuxvoOxov sive XuxveTov (cf. 
Athen. XV 700'), pro quo cum saepe scribatnr Xuxviov vel Xuxviov 
•at in Aristopb. fr. Pboeniee* II *» Com. 11 p. 1168), non mirum 
«t scribi etiam Xuxvibiov pro Xuxveibiov, qua in re memorabilis 
est inconatsntia Atbenaei 1. 1. ''€pfüiiinTOC . . tö CTpanwTiKÖv Xux* 
vciov divOcTOV outuüc övojidZct, iv hi <l>op|AO<pöpoic bpa^OTi' 
T^b' äiövr' iiA b€£iqi, (b Xuxvibiov (cf. Com. n p. 411 sq.). 
stqoeoonstst etiam 6<p€ibi0V et öipibiov ac similia scribi dupliciter: 
cf. Lobeckü Proleg. p. 394. 

Apparat igitor in baKTuXibtov prodnctionem mediae sjUabae 
aallo modo defendi posse, ut praeter Bergkium reoentiores editores 
oiinies Arietopbanis vennm iure oorrexerint. sed vereor ut hucusque 
prditam sit quod in assensum omnes abripiat. et de Porsoniano 
qoidem conamine, qui utriusque yersus membra disiedt, satis est 
ih Engero dictum, qua coniectura certe multo est facilior quam 
Bothius exoogitavit: TÖ baicruXtbiov t v milei tö Zutöv, sed praeter 
«rtiealum additam snbstantivo numerale £v plane ridicule loquentem 
Sommern reddit haec: unicum iUud quod est danxvXldwv (cf. Calli- 
msdiea I p. 270). porro Beisigiano ^jiTTt^Zet yel Dobraeano cufüi- 
mäci recte Meinekius obiecisse videtur, in tali re iriäeiv dici con- 
Sinter, non ^m^Zeiv Tel cu^mSleiv (ac vide Ban. 3 et 30) docens 
ipseque praeferens tö boiCTuXiCKiov, quod vocabulum etsi aliunde 
Madam prolatmn est, satis tamen ille firmavit Axistopbanis voce 
nviodov in fr. (JerytiE^s XIIT (Com. II p. 1010) aliisque aliorum, 
qvbus addere poterat x^^vicKtov ex Ach. 519. ab his autem omni« 
bm disoedit Dindorfii nupera ratio , qui locum lacuna depravatum 
fitstuetts TÖ bcDcniXibtov ^cq)öbpa^ •avLltx tö 2Iutöv scribi posse 
potil cm de lacuna assentier, sed ut corrumpendi et emendandi 
ftnlitatcrm etiam maiorem fuisse mihi persuadeam. conicio enim 
Azistophanem soripsisse : 

TÖ baicTuXtov Ibtov m^Zci tö Zutöv. 
boc d poeta scripsit, dioere volebat — praestat enim hie quoque 
ioterpretatione vemacnla uti, quae paene verbum verbo reddens 
tacillimnm intellectum habeat — : 

mein lieber tobaster, es drückt meinem weib die füsse sehr 
AB dea kleinen sehen dae leder, eigens für sie gejocht, 
da ja sart sie sind^ drum kommet da snr mtttaftsssit, 00 scbaff 
dem dinfs da eehUppbeit, auf daas die weite grösser werd\ 

sstt Toci quae est tö baiCTuXiov supra recte opinor civitatem atti* 
▼indaeaTimas. significat autem utriusque pedis TÖv ^mpöv 



112 OSchneider: emendationes Aristophaneae. 

bdiKTuXov. sie enim licebit appellare, cum PoUox II 143 Tifi ^etäXu) 
baKTuXi|i opponat töv M^Kpov. nazn etsi de mann ibi loqnitnr, certe 
postea II 198 didt: bdKTuXoi noböc t&c airrdc ^tti Tok ^^pcci 
irpocr^Topiac ^x^^^^v wcrrcp ol tüjv x^^PUüv. porro Ibiov ad tö 
ZuTÖv (de qno vide Becken Chariclis 11 p. 367) referendom, ut 
praedicati instar sit: tö lvj6v^ etsi proprium accommodatnmque 
sit uxoris digitulis, tarnen obterit. ne qnem antem offendat tri- 
brachjs cum anapaesto consociatus, tenendum utmmque pedem suam 
quamque dipodiam habere et caesura distineri, plane ut Ach. 47 
dXX' äOdvaToc* ö Tdp 'A^q)t6€oc Arj^nTpoc f\y et Eccl. 315 koi 
Ooi^idTiov * 5t€ bf| V ^KCtva i|iriXa9(Xiv. adde Nub. 663 dXcKTpüovo 
KQTd TQUTÖ KQi TÖV dppcvQ. ceterum totius loci Aristophanei ratio 
docet 8choliastam ad t. 417 ascripsisse interpretandi causa: vi)v 
d^q)ißöXujc eTpr^KCV, et ad t. 419: xdXacov npöc tö Kax^fiqMZTOV 
(cf. ad Y. 410), quo indicaret poettün locutum ita esse, ut serio 
quidem loqai videretur, sed usum esse verbis quae in obscenuin 
sensum detorqueri possent. quod effecit ita ut neque ad xdXacov 
adderet obiectum tö 2^utöv, neque ad eupirrepuic £xQ sobiectum tö 
Zuiföv, sed Yocabulum quod per se parum certae significationis esset, 
pronomen toCto, unde petulanti homini liceret ad xdXacov supplere 
Td vcöpa ToG TT^ouc sive tö n^oc, ad 1%^ autem tö inivaiKCtov 
aiboiov. hanc igitur ambiguitatem in vertendo quantumcumqne 
potui imitari studui. 

XLIII. Ecclesiazusarum 810 

« 

. KaXXi^axoc ö xopobibdcKaXoc 

aÖToiciv elcoic^i ti; 
sie ex altero homine alter quaerit, postquam ille dixit velle se Tici- 
norum exemplum secutum bona sua et ipsum in aerarium inferre. 
sed in alterius sermone auToi non possunt esse nisi vicini quos 
modo dixerat v. 805 bona sua in forum portare. at non intellego 
quo modo Callimachus his inferre bona sua dicat: neque enim his 
inferuntur, sed cum his omnium civium in usum. quod autem 
scholiasta adnotat, auToTci bi' cuv auToTc, recte quidem quid sen* 
tentia postulet perspexit, sed vereor ut hoc modo praepositio omitti 
potuerit. quae facile restitui potest, modo scribatur: 

aÜTOic cuveicoic€i Ti; 

XLIV. Vesparum 529 
VÖV bf| TÖV Ik ei^^CT^ou 

Tunvaciov bö ti X^yciv 

xaivöv, önujc q)avtic€t. 
in fine sententiae interpunctionem nuUam posuit Dindorfius, ouius 
in locum alii reposuerunt lineolam transversam, h. e. Signum inter- 
ruptae orationis, ut v. 531 sq. demum chorus inceptam y. 526 ora- 
tionem ad finem perducat. at vix est credibile chori cantum et salta- 
tionem ita interruptam fuisse alienis versibus, quorum argumentum 



OSchneider: emendationes Aristophaneae. 113 

M pertinet qnidem neqne ad praecedentia neque ad sequentia chori 
rerba, et in antistropha qnoque v. 633 integra et absoluta chori 
ontio est, ut consentaneum sit statnere idem hie quoque factum 
esse, sed sunt tarnen qui plane necessarium interruptae orationis 
ngniim putent, cum ab hoc chori q)avifjc€i pendeat infinitivus X^T^tv 
T. 532. quasi vero infinitivus X^T^iv non possit pro imperativo 
Xefc positas esse, verum alii sunt qui (pav^jcei non indigere dicant 
Mqnatiibas chori verbis, modo suppleas : q)avi^C€tc T€vvaioc, ^TKpa- 
TTJc, quod fecit scholiasta, vel dtctÖöc Tic ujv, ut Richterus malebat. 
it tale snpplementum certe ex antecedentibus verbis peti nullo modo 
potest itaqne eos potius laudaverim, qui qpavi^cei statuunt per se 
integrsm efficere sententiam ('damit du vorscheinst' Vossius; ^damit 
dn gliiuest' Droysenus). quamquam id quo modo simplici verbo 
9atV€c6at fieri nisi vi adhibita voci possit aegre perspicitur. debe- 
btt potius verbi q>a(v€c9ai aliquod compositum poni, quod omnibus 
BoineriB absolutam sententiam haberet neque ullo supplemento in- 
digeret hoc compositum si statueris fuisse £K<paiv€cdai, nihil 
nstahit diificultatis verbis leni mutatione ita correctis : 

b€T Ti \4rfei\ 
KQivöv, ÖTi{i 'Kcpavricei. 
'BeoM wodurch du vorstrahlst.' 

XLV. Vesparum 291 

dOcXfjcctc Ti yoi oöv, iB Tidiep, flv cou ti bcnOdi ; 
poeri haec patrem alloquentis verba sunt, quae mihi quidem parum 
penpicna esse fateor, quamquam critici levi pede transilire solent, 
Umqoam in propatulo res sit. equidem certe non intellego , quid 
puer velit a patre suo sibi fieri, cum dOeXi^ceic verbo finito careat 
Bun neque in antecedenti oratione extat verbum quod inde repeti 
hoe poesii, neque in adiectis ipsi vocibus ulla est quae ad explen- 
dam vflrbi £6^Xeiv notionem valeat (ut in illo ^c t6 ßaXav€iov ßou- 
^lal BaiL 1279), nee denique aliquod indefinitae notionis voca- 
bolBiB snffieit hio supplere, velut facere vel fieri ^ ubi, si umquam, 
ccrtae ei definitae notionis vocabulo opus esse apparet. quo dempto 
Tocibolo ne ipse qnidem pater, quocnm colloquitur puer, intellegere' 
ans verb« potuit at dicat tamen quispiam patrem apertissime in- 
VtUtgat filü verba, ut qui versu statim subsequenti eins precem 
RpeUl: dXX* dnt Tt ßouXct ^e iTp(ac9ai. verum emendi verbum 
fic patri quidem licuit aut ex filii oratione certo indicio cognoscere 
tat ex aliquo eiua gestu colligere, et si tamen intellexit quid filius 
tibi vellai fieri, non potuit quin alia filii verba audiret atque quae 
innic legimns. nego igitur sana esse pueri verba, quibus quod deest 
cnmdi verbum facile videtur restitui posse, ut cuius singula ele- 
ttorta oouua adaint, modo recte digerantur. nam in OYNQ latere 
arbttror fiNOT L e. divoO, eme. ita autem emendato versu ^OeXrjcetc 
iSB Mm deiiderabit sibi additum verbum definitae notionis ullum, 
m4 pMBe per le stabit postquam enim chorus modo dixit v. 290: 

lirdMi.pliflol. lS78lift.t. 8 



114 OSchneider: emendationeB Arifitophaneae. 

firTaf' u& irat, öiratc, apparet ad hoc patns mandatum pueri verba 
referri, nt, si qaidpiam, certe indefinitae notionis Tocabnlum suppleri 
debeat: si quid fieri vis. nam £0€Xific€tc est pro enuntiatione hypo- 
tactica, nt saepe, quem ad modum in frequenüssima Aiistophani 
formala ßouXci TÖ npätMCi i^otc Oearatciv q)pdcuü ; yel Biktxc ^ei• 
VU)^€V ; — Quamqnam ne hanc quidem versus partem ab omni vitio 
liberam esse puto. nam in dOeXfjccic Ti pot quo iure fiO\ dicatur 
non intellego, contra omnia patere video, si voci ^ol snbstitntum 
Sit co\: 

^OcXrjcctc Ti cot, ibvoO, TTdrep, i\y coO Tt beiBw« 
ut sententia sit: si quid tibi vis (a me) fieri^ eme, pater^ si quid äbs 
te peto , vel si quis maluerit in nostrum sermonem a me conversos 
legere hos ionicos a minore : 

wenn für d{eh, pa, du was willst, kauf mir was giit*8, falls 

ich dich bitt dnim. 

non aliter igitur puer patri facis praeferendae officium praestare 
vult, nisi si quod ille donum sibi emat. depravandi autem loci qnae 
causa fuerit non est obscurum. nam irdrcp non videbatur inter- 
iectione iZ) carere posse , quam adiectam sibi habet sane in hac quo- 
que fabula vv. 303. 519. 662. 667. 760. 919. 976. 988. 1003, ut 
solet etiam in reliquis, etsi semel etiam nudnm irdrcp legitur Av. 926, 
ut irdrcp irdTCp est Yesp. 996 (contra di ndrcp, (ü irdrep extat 
Vesp. 248. Pacis 114, (h Trdrcp, irdrep Pacis 131), saepius antem 
apud ceteros comicos quorum locos congessit Henricus lacobi in 
comicae dictionis indice p. 820. ac saepe librarios praeter rem 
addidisse (fi constat. 

XLVI. Vesparum 469 

Ka\ cu irpoc6€tc Aicxivriv £vTvq)€ xöv CcXXaprtou. 
ad chorum vesparum ab aedibus abigendum Xanthias suaserat Bdely- 
cleoni v. 467: dXXd Kai cu TOq)€ iroXXui Tvj) koitvi^, quibns verbis 
nunc subicit, augeat fumum addito flammis Aeschine, Belli filio. 
nam cum Aeschinem Belli filium appellare solerent Katrvöv (vide 
V. 326 cum schol. coli. Hermanne ad Aesch. Prom. p. 91), patet 
quam aptus sit homo ut igni iniectus fumum faciat , qui et ipse iam 
sit fnmus. sed offendit quod pro QXXou nomine positum est CcX- 
XapTiou, cuius ultimam partem significatu qui aptus sit carere nemo 
negabit. nam nomen C^XXoc inani amplificatione in hanc magni* 
tudinem dilatatum esse vix credat quisquam. nee credidisse videtur 
scholiasta, qui dielt: dvTi ToO eiireiv toO C^XXou ^iraiEev iireicTcivac 
CeXXaprtou, Vva irdXiv djc Kanvöv KUl^(fib1lC1;). unde patere 
videtur aliud quid legisse scholiastam , in quo non obscura erat tou 
KairvoO notio. quod fuisse conido: 

AlcxivTi V ivnKpc TÖv CeXX a t ^ i o u. 
ita enim sentio, pro simplici nomine C^XXoc Aristophanem dedisse 
compositum ex duabus vocibus idem significantibus, quamm alteram 
fuisse puto 'Arfiiac , quod ab dtfuiöc (i. e. KOtirvöc) eadem ratione 



OSchneider: emendationeB Aristophaneae. 115 

^MtoB eet, ut ft xaTTVÖc fit Kairvtac, quod legitnr v. 151, ubi scho- 
liastft nanat eüam £q>haiitidem poetam yocitatam fuisse Kairviav. 
ergo Aeschinem cum Amtophane germanioe dicas 'deu 8obn von 
Seile-Bauch '. nam in nostra quoque patria sunt homines qui 
aodnnt 'Seile', item alii qui *Raucli'. 

XLVn. Achamensium 809 sqq. 

AI. dkk' oÖTi irdcac xaT^Tparov rdc icxdbac. 
M€. ijüi Tdp ouTÖv Tdvöe ^iav dvciXö^av. 

AI. V^ TÖV Ai' dCTElUI T^ TUI ßocK/maT€' 

itöcox) irpiuipai cot rd xoipibia; X^T€. 
BOB ezpato cor hoc quidem loco Dicaeopolis dcrciui vocet poroos 
illoe simulatoe, quos cum pater Megarensis nna surrepta ficu defrau- 
dasset, potios dOXiouc vel alio modo infeUces appellare debebat. si 
aotem Yocabat IqMos (quae causa est cur emere velit v. 811), hoc 
BOB Tidetnr aliter lacere potuisse nisi ut proxime ante diceret ali- 
qoid, cur lepidi viderentur sibi. atque fecit hoc. nam Aristopha- 
Bcsscripsit: 

AI. dXX' o&n ndcac xaT^Tpatov rdc Icxdöac. 

M€. tfth Tdp auräv rdvbe ^iav dv€iX<S^av. 

AI. Ti bi; cÖKtt TpwTOic aöxöc dv; KO. koi koT. 

AI. vf) TÖV Ai' dcrdu) T€ tu) ßocKfjfiaT€. 
qnibiis quem interposui versum non ego finxi , sed ipsius is Aristo- 
phanis eet, qui nunc in libris omnibus alieno loco legitur post 
T. 802 ubi orationem plane turbat, quo factum est ut post Bent- 
lenm ab reeentioribas criticis fere omnibus ibi delere^ur, praesexüm 
com ezhibere eum Codices üatendum sit corruptissimum , etiamlota» 
TeBBBtem, in quo ita legi traditur: A. Ti öal cu ica TptbtCHC dv 
oi/röc; K. koT Kot. qualis versus cum ab ipso Aristophane profidsci 
BOB potaerit, Dindorfius suspicatus est ab interprete aliquo verbis 
9ipdXeuic iqcdbac v. 803 ascriptum oHm esse cuica rpuirotc dv 
•Bim cuxa recentiores dixisse prima correpta). quod quis credat, 
Bisi simol edoctus fuerit, cur auTÖc interpres de suo addideht? 
qmdni igitor praeetat a poeta potius quam ab interprete profectum 
patne voranm, quem librarii demum corruperint? atque ne in 
oaudbos quidem libris ita corruptus versus eztat, ut prosae sit ora- 
tioBi quam poeticae similior. etsi enim etiam B ad Bavennatis 
Mriptoram proxime accedit in prioribus verbis, tamen in ultimis 
praebet quod versoi apprime conveniat. habet enim ri bat cu xa- 
tpuTfoic aOröc dv, in quo si coniunctis elementis cu et xa 
«fieeatoque mutato scripseris cuxa (quod est in Par. A et Flor. F: 
Ti bat cÜKO rpuiTOtc 6v auröc) , unum restabit metri vitium ti bai, 
<|Qod in libris manu scriptis saepe cum Ti bi certare de loco nemo 
aunbitar: vide Yelsenum ad £q. 171, Hermannum ad Nub. 487. 
1092, Dindorfimn ad Ban. 136. 1324. et hac quoque mutata voce 
(uäi negotio prodit versus optime tomatus qualem supra exhibuimus 
«t qoalem iam Aldinum exemplar habeL in quibus auTÖc ita est 

8» 



116 OSchneider: emendationes Arisiophaneae. 

codicum fide firmatum , ut piaculum duxerim quicquam in ea voce 
mntare, quod priores critici fecerunt aördc scribenies, aat prorsus 
delere vocem cum Ribbeckio, qui xl bi\ xai cu xpiÖTOic fiv; K. KOi 
KOI edidit. ac ne aptum quidem est, postquam Dicaeopolis inter- 
rogavit (801 sq.) rpuiTOic äv . . icxdbac; idqne porci affirmaront, 
denuo eundem hominem qnaerere: rpiüTOic fiv ain&c; quod ita 
demum fern posset, si additum esset £t€OV vel f|b^uic {issest du sie 
auch ivirJdich vel gern?), nudom autem Tpditoic fiv eo minus placet, 
quod antea iam (v. 806) allatis et obiectis ficis Dicaeopolis quaeri£ 
fipa TpuiSovTai ; — At ut isti quidem loco parum aptus versus est, 
ita aptissimus colloquio videbitjur inter v. 810 et 811 interpositus. 
nam cum Dica^polis miratus ficorum acervum opinione citius 
abiisse dubitare se indicasset , porci num ficos iam comedissent om- 
nes, atque Megarensis dizisset unam tantum se ficum detrazisse, 
tum autem Dicaeopolis suspicatus esset videri Megarensem ficorum 
cibum amare ipsum, porci iterum suum illud KCl Kot ingerunt, quo 
cum suspitionem Dicaeopoli subnatam assensu suo comprobare volle 
videantur, iure ille eas vocat lepidas, ut quae patris sui edacitatem 
et furacitatem invitae prodant, magisque iam ad emendum indtatur. 
sed praestat in patrium sermonem a me conversa verba apponere : 

D. aber all die feigen haben sie doch gefressen nicht? 
M« ich nahm davon ja nur diese aller einzigste. 
D. was? feigen issest da selbst vielleicht? Mäd. koT koT. 
D. so wahr mir gott, gar spaszig ist dieses schweingezücht I ^ 
zu welchem preis wol kauf ich von dir die ferkel? sprich! 

ceterum v. 810 nesdo an magis conveniat dq)€tX6)uiav quam äv€i- 
X6^av, hoc autem certo scio, iniuria Meinekinm cum Hirschigio 
V. 809 et ipsum tribuisse Megarensi. 

XLVm. Vesparum 629 sq. 

BA. ivcTKdtuj ^01 bcOpo Tf|v kIcttiv tic ibc tdxiCTO. 
dTäp q)av€i noiöc Tic ujv, fjv TaCra irapaKeXeuri; 
priorem versum miror criticos ne levissime quidem perstrinxisse. 
quaenam enim, obsecro, haec Bdelycleonis stultitia est iubentis tt^v 
KtCTT)V (de qua antea ne yP^ quidem dictum erat) sibi ex aedibus 
afferri, sed non addentis qualem tandem Kicriiv suam afferri sibi 
velit? qnasi vero non plurimas domi habuerit cistas et ultro servi 
inteUegere potuerint velle eum thecam grapbiariam sibi adportari. 
at id apertis verbis indicat demum Septem interpositis versibus 
V. 537 Ktti ^f|v öc* Sv \iir} t' dnXiijc ^VT^öcuva Tpd^'0^al *j{b. 
ne igitur post v. 529 usque ad v. 537 servi astent incerti quaenam 
sibi cista aroessenda sit, ita transponendus erit v. 537, ut post v. 529 
locum inveniat. ita et servi statim intellegent quid sibi faciendum 
sit, et Chorus quoque in tempore cognoscet, quodnam periculum 
Philocleoni immineat. chorus enim postquam v. 526 — 528 Philo- 
deonem adhortatus est ut fortiter se conträ filium defendat, eandem 
adhortationem aliquante enixius repetit v. 531 sqq. (öpäc T^p u)c 



OSchneider: emendationes Aristophaneae. 117 

coi jiifoc Iciiv oTUiv xal -nepX twv dTrdvTuiv, €i7T€p, § ^f) t^voiO', 
ouTÖc c' iBik^x icpaTf)cai), quod facere non potuit, niBi ex prae- 
gressis Bdeljcleonis verbis cognovisset malus fore Philocleoni peri- 
cohun, quam antea credidisset. hoc autem maius praesagit peri- 
culom ex eo quod audit Bdely.cleonem iubentem sibi afferri quae 
opas sint ad Philoeleonis verba notanda (ut re vera notat v. 559 et 
T. 576). boc antem qui facit adversarius summa pertinacia nigere 
Teile Yidetur accusatum hominem , cuias vel in iudicio facta verba 
coriose notet, ut iis et ipsis contra euin utatur ad perdomandnm* 
haue sjcopbantarnm consnetudinem sine dubio cborus et Philocleon 
taepe suis oculis viderant, indeque ut choro iniecta est timiditas, 
ita etiam Philocleon a pristina fiducia paululnm se depulsum esse 
docet Y. 539, ubi ex choro quaerit, quid is de se ipso iudicaturus 
bitf quando Philodeonem viderit victum, quippe quem chorus non 
sfttia adiuveriL cur autem Philocleon a pristina fiducia repulsus sit 
Bonc non patet satis. sed quis neget hoc ob eandem causam factum 
eäse, ob quam magis anxius de Philocleone extitit chorus, nempe ob 
Bdeljcleonis illud mandatum, quo indicabat ad victoriam reportan- 
dam usurum se esse omnium virium contentione, ut non patii filiusi 
ied mimico inimicus ex adverso positus esse videretur. afcque pro- 
lata ob hunc suum metum Philoeleonis verba habemus nunc v. 530 
iTop <pav€i iToiöc Tic uiv, f|v raura nopaKeXeui] ; quae verba libri 
mian scripti tribuunt choro, Hermannus olim Philocleoni, postea 
Bdelydeoni, cui nunc critid assignant omnes, eüam Velsenus Mu^ei 
BheiL t. XX p. 392 sq. , cui tamen, quo intellegi posset verstzs, cor- 
reetione opus esse videbatnr (drrap qMiveic iroTöc Tic i3üv TOiaOra 
vapaxcXeuei). at mihi sanus ab omni parte versus videtur, modo 
Philocleoni ascribatttr, qui ex isto Bdeljcleonis iussu cognita filii 
impia pervicacia filium alloquitur : at tu qtAoUs videberis homimbus 
OK prqpUr verba iua? (quippe quae filium ostendant a pietate alie- 
nom). cui interpretationi non obstare arbitror quod de verbo napa- 
K€X€U€C%it Velsenus monet. neque enim napaK€X€i}€c6ai hie sim- 
l^dter est nibere^ quod Velsenus iure vituperat, sed ut in certa- 
Binibos pugnatores adhortamur napaKeXeuc^actv, ita Philocleon 
Uli Qsum esse filium irapaKcXcuc^aTi dicit, quod non augeat patri 
uirnnm, sed minuat potius ostendons filii pervicaciam in dicendo 
ftttoram. non potest autem huic versui locus quem nunc tenet oon- 
oedL nam si versnm 537 recte huo transtuli, de quo non dubito, 
Tenus 530 in sede quam nunc tenet relictus aperte turbat versuum 
lequabilitatem. inter singnlas enim cantici partes bini, non temi 
versus interiecti sunt iique unius hominis, vv. 634. 635 et 642. 643, 
Qt QUA com V. 529 et cum v. 537 a nobis huc translato eundem 
locan taeri non possit v. 530. immo aequabilitatis causa in eum 
ipeom locam traiciendus est unde v. 537 removimus. nee inepte 
ibi TersQs positus erit nam Philoeleonis hanc timiditatem, quam 
docmt eins verba primum ad filium, tum ad chorum facta, maxime 
motam esse puto, quod thecam nunc re vera etiam allatam vidit, 



118 OSchueider: emendationes Aristophaneae. 

noD solum audivit iussam ut antea. itaque tit paucis repetam, hoc 
ordine olim versus inoessisse arbitror: 

629 BA. iveipcäTUI jiOt bcOpO Tf|V KICTTIV TIC diC TdxiCTGL 

687 sq. Ka\ fif|V öc' &v X&r) f* drrXdic jiviiMÖcuva TpdM'Ofüiai *yui. 

681—586 XO. fif| KOTCt TÖv vcoviav eqs. 

680 01. dräp q>av€T ttoiöc Tic übv, f^v ToOra TrapoxeXeiiri; — 
639 tC Tdp <pdd' ii}ieXCy f^v öbi jie Tif» XÖTip Kpor/iai ; 

qaomm ultima sie yerterim : 

Ph. doch was för'D mensch wirst scheinen dn, falls diesen zu- 
sprach sprichst du? 
sayt, was für menschen ihr denn, falls im Wertkampf der 

besiegt mich? 

in altero enim yersu patet ad q>dT€ ex antecedenti yersu repetendnm 
esse q)aviiC€c6ai övrec, quod et ipsum documento est recte a nobis 
yersnni 530 positum esse ante y. 539. nam cum y. 539 futuro tem- 
pore opus Sit, non sufficit cum Meinekio (Vind. p. 28) q>dT€ com- 
matis intercludere et Ti Tdp ä)üi€ic interpretari : 'quid de yobis 
futurum erit?' sed futurum tempus si non dici, certe ita in- 
dicari debebat, ut ad ellipsin explendam sua sponte se offerret 
eratque futurum eo magis necessarium, quo in sequenübus chori 
yerbis, quae palmari emendatione Meinekius in integrum reeütuit 
(y. 543) appareret £ct' y, 541 esse futurum ^crai. 

XLIX. Yesparum 798 
dvdM€V^ vuv - Ifd) bi Ta06' fiEu) q>^pU)V. 
Bdeljdeonis haec yerba sunt, qui cum patri persuasisset ut post- 
hac indicia non in aliquo tribunali publice, sed ante aedes snas 
exeroeret, abiturum se indicat et rediturum ferentem toOtol haec 
quae sint non indicat nee perspicere Philocleon aut spectatores 
poterant, sed postea demum apparet (y. 805 sq.)« ubi redit afferens 
quae ad iudicia habenda necessaria sunt, at hoc par erat iam nunc 
indicari et TaOra additam sibi aliquam yocem desiderat, sine qua 
intellegi nequil quae cum neque ex antecedentibus c^rto sciri 
possit nee iam nunc ante oculos res illae positae sint, ut quas postea 
demum Bdeljcleon allaturns sit, apparet corruptum locum esse« 
accedit quod postea rediens Bdeljcleon dicit y. 806 dnovr' ijw 
q>^pui, öca nlp f* ^q>acKOV, unde intellegitur, eum dixisse 
hoc loco, se allaturum res ad iudicia habenda necessarias. hinc 
paene dixerim certo certius esse, locum hunc lacuna esse depra- 
yatum, quem si ita expleyeris: 

Ifdi bk ravff f^ui q>^puiv 
<8ca b€t TrapcTvai irdv6' öttou btxdZcTai^, 
certe habebis omnia quae ad intellegendum istud ToOra necessaria 
sint et yidebis quam facile excidere yersus potuerit, ut cnius yerba 
quae in initio et in fine posita sunt extemam aliquam similitudinem 
habeant cum iis quae in sequenti yersu iisdem locis leguntur (6pa 
— trcpaiverm). ipsa autem Aristophanis yerba me restituisso non 
tam stultus sum ut credam. 



EBaehrens: de epignunmate quodam Vergiliano. 119 

L. gccleaiagnaarmn 1116 sq. 

f| bt&KOVOC, 

flfnc M€|iupuiMat Tf|v K€q)aXf|V fiupilifiactv 

draOotctv, lü ZcO. 
xaraa in his offendit Bergkius, qui tarnen nimis parcus yerborum 
cam esse vellet, nihil nisi *po8t y. 1117 tinus alterve versus excidit' 
in pnef. p. XXIll seripsit. neque tarnen dubito quin idem quod me 
BergUnm offenderit. mirum enim quod ministra, quae ob conyivium 
an intererat felicisslmam se praedicat, unguentum quidem in con- 
viTio capiti adhibitum memorat, Coronas autem taoet, et Tinum qui- 
dem laudat, dbos autem non laudat, quorum eerte v. 1140 in eadem 
re non obliviscitur. sed acoedit aliud, ipse enim Aristophanes 
qoiedam hie deesse quasi digito intento demonstrat, cum y. 1119 
dicat uitcprr^Trauccv aS toutujv änävTUiV rd 6dct* d^q>op€(bta, et 
pneter vinum etiam rdXX* dyaOä in eadem re memoret y. 1140. 
non eet enim credibile toOtujv dndvTwv Aristophanem dicturum 
faisse, si nihil antea memorasset nisi sola fiupiOfiara. itaque lacunae 
Signa ponamus post y. 1117, quibus indicetur coronarum et ciborum 
memoriam excidiase, quae memorantur etiam y. 841 et 844, ubi 
haec sc^na pronuntiatur. quae lacuna ut certe planum fiat quo 
modo orta esse nobis yideatur, ludibundi tale quid interiecimus, 
qood ipee poeta sine dubio multo dixerat elegantius : 

^nc fiCMupujfiat Tf|v K6q>aXf|v fiupt&jiaav, 

<€Tt' dcTcq)dvujfiai irotKiXoic CTeq>av(I»iyiactv 

Ka\ ^uptoictv dfiir^TTXncfiai £b^cfiaciv> 

dyaOotciv, lü ZeO« 
obi quod ^ir^TrXT)C^ai db^cfiaciv crasis yel synizesis yel aphaeresis 
ope fenui accommodare yolui, ipsius Aristophanis exemplum secu- 
tB8 smn, qui similiter Ban. 209 ireptöipo^' dneXOövTa et alia alibi 
dixit (ef. IHndorfius ad Ach. 326 et Ahrensius de crasi et aphaeresi 
p. 21 et 27). 

GoTBAE. Otto Sohneideb. 



7. 

DE EPIGRAMMATE QUODAM VERGILIANO. 



Extat in anthologiae latinae nuper a Sieeio editao fwciculo 
utero cannen numero 776 insignitum hoc: 

PaUida moU suib hac Codi est inmria saecU 

antiquis hoapes non ndnor ingemis^ 
et quo Borna wo doetis certarä JJ^honis: 
ferrea ßed mdli vinoere faia dat^ir. 
<it «tiem pximi yersns soriptura sensu plane cassa orta ex editoris 
wicetora; Codices enim Behdigeranus et Helmsiadiensis conlati 
am a Bibbockio, qui primus in appendiois Yergilianae praef. p. 49 



120 EBaehrens: de epigrammate quodam Yergiliano. 

versus isios edidit, porro libri Monacensis 18895, Arundelianus 133 
et Ambrosianus 74 sup. a me examinati (omnes autem saecalo XV 
exarati sunt) unanimo fere consensu hoc exhibent : Cäüide möge sub 
hec cdi est iniuria secli, quod scripturae monstrum certatim domare 
studebant Bibbeckius Biesius Buechelerus, sed eo successu ut ^adhac 
sub iudice lis sit'. nam quidquid temptatum est, et versus reliqui 
obscuri manent neque quid totum sibi velit epigramma perspicere 
licet. 

Subit autem mirari , noB eius conexus , quo versiculi nobis tra- 
diti sunt, respectum habitum esse, sat enim singulari modo illi ad 
memoriam nostram pervenerunt. catalecta Yergiliana — sie 
enim volgo appellare solent quae epigrammata potius inscribenda 
esse olim demonstrasse mihi videor in hoc annali 1875 p. 141 sq. 
— in duabus codicum familiis aetatem tulerunt, quarum una ex 
Bruxellensi (saec. XII), altera ex libris supra adlatis saecnli XV 
constat. haec altera familia, quamquam in Universum quidem 
Bruxellensi cedit bonitate, tarnen non paucis locis sola genuinam 
poetae manum servavit, utpote ex vetusto quodam codice a mem- 
brana Bruxellensi alieno profecta, quod tum accuratius ostendam, 
cum tandem aliquando primum poetarum latinorum minorum Volu- 
men edere licebit. in hac igitur altera familia epigrammatis quinti, 
quod incipit ab his verbis 

iacere me, quod dUa non possim, putas^ 
ut ante veäari freta^ 
versibus 16 et 17 ea dö quibus agimus disticha duo interserta sunt; 
interseruntque ea tamquam plane cum ceteris cohaerentia nallis 
interstitiis factis omnes quos dixi libri. iam hinc luce fit clarius, 
non cum docti cuiusdam Itali interpolatione nobis rem esse; ei ipsa 
herde versus primi corruptio foeda (ut alia mittam) fragmenti ori- 
ginem vere antiquam evincit. si autem ex me quaeris, qua ratione 
fieri potuerit ut in Carmen et rebus narratis et metro plane alienum 
versus nonnuUi diversissimi inculcarentur, et quid ita hi in Bruxel- 
lensi omissi in altera familia appareant : ego rem sane quam miram 
hoc modo enudeari posse arbitror. in communi utriusque familiae 
archetypo quattuor versus primitas in ipso verborum contextu 
praetermissi postea in margine vel inferiore vel superiore additi 
erant. unde et quod libri Bruxellensis scriba eos omisit et quod is 
qui alterum fecit exemplar omnia et in margine et in textu extantia 
uno quasi tenore et niöla genuini conexus ratione habita descripsit, 
suam habet explicationem. 

Itaque reoiperavimus ipsorum epigrammatnm (seu, si dicere 
perseveras, catalecton) Vergilianorum lacerum quoddam fragmen- 
tum. quod quam sedem olim occupaverit, iam disquirendum est. 
ante omnia autem monendum est, eum singulorum epigrammatnm 
ordinem, qui nunc in editionibus habetur, non inveniri in libris 
mss.; nam et Bruxellensis et reliqui ita illa coUocant: 1, 2, 12, 13, 
7, 3, 9, 10, 11, 8, 14, 4, 5, 6, quae excipit notnm illud Vate Syra- 



EBaefarenB: de epigrammate qnodam Vergiliano. 121 

üimo gm dutdar Hetiodoque eqs. yidendnin est igityr, num yersos 
Uli qnattnor medio canniiii 5 illapsi pertineant ad epigramma ali- 
qnod qnlBto aLve praecedens sive subsequens. sed carmina quartnm 
et Mxtam cum additamento minime indigeant, non ano nomine 
imperfectom se prodit id quod est quartam dedmum : 

guis deus^ Octaviy te nobis absttUU? an quae 
dieuM^ a, nimio pocula duda mero? 

^vobtseum^ si est cul^pa^ hUn: s%ta quemque secMüur 
fata: quid imnerUi crimen habent cyathi?' 

seripia quidem iua nos mUUum nnrabimur ette 5 

raptum et romanam flebimus historiam; 

sed tu nuOus eris. perversi dicUe manes^ 
hune superesse patri quae fuU invidia? 
diswmit de bis Tersibus Maoricias Hauptius (opnsc. 11 p. 147), qui 
eomparato Gallimachi epigrammate qnodam altemm disticbon Octa- 
Tio tribuendom esse recte quidem intellexit, nibil tamen de manco 
liqne abrnpto exitn snspicatns est. postqnam antem Octavius priori 
amicomm interrogationi breyiter respondit, iam altera eaqne multo 
gravior quaestio sive eidem Octayio sive perversis qui vocantnr 
nanibas diasolyenda erat, igitur finem deesse apparet. 

8ed anteqnam pergimns , paulnlnm epigrammati illi inhaerea- 
miis; Bonnnlla enim medicam flagitant mannm. et Torsnm qnidem 
aextnm aiquis pertinacius defendere animum indacet, non achter 
repngnabo; dicam tamen quod sentio. nam Vergilinm sie potius 
acripsisse pnto: et te raptum ob ramanam flebmua Mstonam. sed 
maiore cum probabilitate disputare posse mibi yideor de yersu 
oetaTOy coius interpretatio recta adbnc non est prolata. repetitur 
enim, niä lallor, a numinis alicaius inyidia, quod Octavius ante 
patrem senem e vivis decessit (genitore adbnc vivo morte prae- 
naim« raptos est), potest quidem boo culpae dari 'malis tenebris 
Orei, qnae omnia bella devorant'; sed quae nam ista invidia fuerit 
aale ex eisdem interrogatur. immo sie debuit interrogari: 'dicite« 
aaaee perrexBi (qnippe qui Optimum quemque iuvenem cupidissime 
vripiatis spretis senibus effetis), quin am Octavium patri superesse 
iaviderit (coins invidiae interitus tam inmaturus imputandus sit).' 
pTMbet antem illud quae unus Bruxellensis, cum contra Helm- 
itadioiais quot^ ceteri eiusdem familiae libri quod tradant. unde 
Temm pnto hunc superesse patri ^ quoi fuU invidia? 

Beaponsnm sive Octavii sive potius manium cum in fine epi- 
grammatis aperte desideretnr, illud autem poemation, unde baec 
difpotatio degressa est, nil sit nisi corpus truncum, cui avolsum est 
cq^nt: periclitemur num copulando disiecta membra iustum efficere 
lieeat eannen. nam ab externa quam vocant probabilitate nibil 
hie eopnlationi obstat, modo teneamus inter finem carminis 14. et 
«um locom, quem nunc duo illa disticba in libris optinent, interesse 
tigiati qninqne versus (ad novem carminis quarti adde sedecim 
pciorca qmnti); unde, si arcbetypi singulas paginas trlginta fere 



122 EBaehrens: de epigrammate quodam Yergiliano. 

versus contmoisse sumimos, disticfaa illa post quintum pagiaae ver- 
sum omiflsa postea in margine inferiore adseripta foisse apparet, 
huic igitur rei nunc opera danda est, ut ex verbis illis pessime foe- 
datiB caSide möge sub hec cdi esi imuria aedi elioiator sententiA 
digna et priore fragmento et ipso poeta. videant aequi et periti 
indices, nom bona bora et favente Apolline Carmen conoinnatum 
sie restitnerim : 

Qttis deuSj Oäavi^ te nobis absMü? an quae 
dicimt^ a, wkmopocula ducta^mro? 

^vobiseum^ si est euü^a^ bibi: suu qurnn^^ secwntwr 
fata: quid inmerüi crimen habent cyathi?* 
5 scripta quidem tua nas muUum mirabimur et te 

raptum ob ramanam ftebimus histariam, 

sed tu miUus eris. perversi diäte wanes^ 
hunc superesse patri, quai fuU invidia? 

^Palladi magna suae visa est iniuria sedis 
10 antiquis Hoppes ncn minor ingeniis^ 

et quo Borna viro doctis certcaret Athenis: 
ferrea sed niäU vincere fata daiur.* 
Octavios igitur cum Athenis subito obisset, erant qui malignias 
mortis causam nimiae yini intemperantiae adscriberent; quod qui 
refellebant amici (ut solebant veteres in praematuro bomiaum prae- 
darorum obitu numinis alicuius iram invidiamve in partes vtKsare) 
Bodalis excessum repetebant potius ex sinistro Palladis livore, quippe 
quae timeret ne OctaviuS) historious nobiüs, obscuraret vetera illa 
et inmortalia nominis Atheniensis decora, Herodotum Thucydidem 
aliosqua plura ad commendandam emendaüonem meam neu pro- 
fero: nam quam bene nunc omnia prooedant servata quoqae sin- 
gularum partium aequabilitate , vel me tacente intellegitur. unum 
illud moneo, Paüaäi correpta ultima positum minime carere ezem- 
plis. sie enim Priscianus I p. 327 H. : inveniuniur poetae rarissme 
m Chraecis, quae apud Oraecos in i correptam terminant supra dictum 
casumy ipsi quoque eum oorripientes. StaHus in I Achiüeidos: PeMa^ 
litoreae cdebrabaJt Scyros honorem, disseruerunt de hac lioentia 
exemplaque ex Catullo alüsqne oongesserunt MHauptius opnae. III 
p. 129 et LMuellerus de re metrica p. 392. 

Gbonimoab. AfiMiLius Baehbbns. 



ThTohte: zu Lucretias. 123 

8. 
ZU LÜCRETIÜS. 



n 287 (Bemajs) de nüo quoniam fieri nü passe videmm. 
um die entatehung der dinge ans den urkCrpem zu erklären, nimt 
Luoretius mit Epikuros bekanntlich eine dreifache bewegung der 
leta t eren an ' : zuerst ein in folge des gesetzes der schwere in der 
nator der atome selbst begründetes faUen in senkrechter linie (v. 84), 
sodann eine durch stosz Yon auszen hervorgerufene beweguog nach 
den Yersehiedensten ricfatungen (▼. 85 ff.), und endlich (v. 216 ff.) 
die sog. dedinatiOy dh. eine, freilich nur ganz verschwindend kleine, 
willkürliche abweichung der atome von der senkrechten fall- 
linie. die richtigkeit und notwendigkeit der annähme einer solchen 
dedinestio soll sich nach y. 225 — 250 daraus ergeben, dasz ein zu- 
sammenstoezen der atome, wie es thatsächlich stattfindet, sonst gar 
nicht möglich sein würde , da im leeren räum alle körper mit der 
gleichen geschwindigkeit fallen müssen, femer müssen, so fährt 
Lucr. T. 251 fort, die atome ein solches vermOgen auch schon des- 
halb besitzen, weil sonst das vermögen der lebenden wesen sich 
willkürlich zu bewegen' unerkl&rbar sein würde, denn da unsere 
kflrperliehen bewegungen ihren ausgang vom geiste nehmen und mit 
einor bewegung der den geist bildenden materie beginnen , welche 
sieh dann auf den körper fortpflanzt , der geist aber auch nur ein 
conglomerat von atomen ist, so musz jene Willensfreiheit, jene fähig- 
keit willkürlich von der regel des naturgesetzes abzuweichen, schon 
in diesen nrkörpem begründet sein, dieser schluszfolgerung 
V. 284 ff. 



' vgl. Hildebrandt Lucr. de primordiia doctrina (Magdeburg 1864) 
1. S9 ff. Siemering quaest. Lucr. (Königsberg 1867) 8. 12 f. Bindseil 
^piaeet. Lucr. (Anclam 1867) s. 8 ff. Bockemüller in seiner ausgäbe ua. 

* dass Lucr. hier nur von der willkürlicbkeit der körperlichen 
bewegungen spricht und dasz libera voluntas v. 266 f: nicht in dem 
uns ffelXn^^n hohem sinne des wortes 'Willensfreiheit' zu verstehen 
sei, liegt auf der band, wird aber auch von Bockemüller zu v. 266 
aoeh besonders bemerkt, dennoch scheint Epikur selbst auch die sitt- 
liche Ireibeit des menschen zum gegenständ einer eingehenden unter- 
■aehiuiff gemacht zu haben (vgl. auch RHirzel Untersuchungen zu Cice- 
ros phUoa. sehr. I, Leipzig 1877, s. 168), und bei der praktischen ten- 
d«DB seines sjstems liesz sich das nicht umgehen, um diesen bisher 
noch wenig aufgehellten teil seiner lehre richtig würdigen zu können 
lad Insbesondere über den Zusammenhang desselben mit der physik 
uad namentlich der erkenntnistheorie Epikurs vollständige klarheit zu 
gewinnen, bedarf es noch sorgfältiger forschung. den anfang dazu 
macht Gompers in den Sitzungsberichten der phil.-hist. classe der Wiener 
9kMdm der wiss. von 1876 band 83 s. 92 ff., indem er die auf die willens- 
ftage bezüglichen fragmente der Herculanischen papyri aus Epikurs 
haaptwerk vepl (pOc€U)C, von einigen andeutenden bemerkungen über 
den hohen wert dieser ziemlich umfangreichen bruchstücke begleitet, 
miammenstellt. 



124 ThTohte: zu Lacretitts. 

quare in seminibus quoque Uem^ faieare necessest 
esse aUam praeter piagas et pondera causam 
motüms^ unde haec est nohis innatapotestas^ 
folgen« nun die worte 

de nüo quaniam fieri nüposse videmus, 
aber kann denn dieser bekannte fundamentalsatz der Epikurischen 
phjsik wirklich zur begrtlndung des hier zu beweisenden dienen? 
das dem nichts entgegengesetzte, oime welches kein ding entstehen 
kann, ist doch nur (das leere und) die körperliche materie, und jener 
von Lucr. in verschiedener fassung so oft nachdrücklich wiederholte 
satz nü de nüo will, wo er auch immer vorkommt,* nichts weiter be- 
sagen als dasz das entstehen eines jeden dinges das ewige Vorhanden- 
sein der in ihm verbundenen urkörper voraussetze, an unserer stelle 
aber handelt es sich gar nicht um etwas körperliches, sondern 
um eine einerseits den atomen, anderseits dem aus atomencomplexen 
bestehenden geiste anhaftende fähigkeit, und um den Ursprung 
dieser zu erklären, konnte sich Lucr. unmöglich auf jenen satz be- 
rufen, ich betrachte den vers als eine interpolation , welche zwar 
scheinbar ganz gut dem Zusammenhang sich einfügt, aber doch nur 
mangelhaftem verst&ndnis der Lucrezischen beweisführung ihre ent- 
stehung verdankt, grosze kunst gehörte nicht dazu, aus reminiscen* 
zen wie I 150 nuUam rem e nüo fieri ditnnUus umquamy 155 quas 
oh res ubi viderimus nü posse creari de nüo^ 205 nü igüur fieri de 
nüo posse fatendumsty 265 resquoniam docui non posse creari de nüo 
ua. den vers zusammenzusetzen. 

n 333 ff. nunc age^ iam deinem cunctarum exordia rer%im 

qualia sint et quam longe distantia formis 
percipe, muUigenis quam sint variata figuris; 
non quo muUa parum simüi sint praedüa forma^ 
sed quia non völgo paria omntbus omnia constant.^ 
im vorigen Jahrgang dieser Jahrbücher (1877) liest man s. 275 zu 
V. 335 folgende bemerkung Purmanns ^: *quam ist nach dem un- 



' 80 liest richtig für idem schon Winckelmann (beitrage cor kritik 
des Lucr., Salswedel 1857, s. 10). anszer der Vorliebe des Lucr. fUr die 
TerbinduDg quoque iiem, worauf Winckelmann allein seine ILndenuig zu 
stützen scheint, ist sn beachten dasz, wenn man item liest, auch die 
fassung des ganzen satzes eine viel gefälligere dadurch wird, dasz nun 
in $eminibus mit esse aliam usw. zu verbinden ist. zudem verbindet «uch 
Lucr. fateri oder confiteri fast nie mit einem objectsaccosativ (das wäre 
hier idem), sondern mit wenigen aasnahmen immer mit einem acc. c. inf., 
in welchen es gerade in den verbindangen.^^eartf neeessest, necessest 
eonfiteare und fatendumst gern eingeschoben wird, so I 826 f. II 690. 
1064. 108i. III 676. 796. IV 8U nö. « dasz sowol hier als anch v. 694 
and 724 der indicativ, den aach die hss. teilweise bewahrt haben, das 
richtige ist, beweist Manro (notes II). ^ es ist schade, das« der vf. 
der ao. s. 273 — 287 mitgeteilten, so vieles treffliche enthaltenden be* 
merknngen die dritte aufläge des Munroschen Lncr. (1873) gar nicht 
berücksichtigt hat. an mehreren stellen (zu II 342. 460. 617. V 685 ff.) 
wird in folge dessen gegen frühere coQJecturen Munros polemisiert^ die 



ThTohte: zu LucretiaB. 125 

mittelbar vorhergehenden, noch dazu, wenn ich so sagen darf, asyn- 
detisch verbundenen quam ausnehmend Iftstig.' Purmann liest des- 
halb quam für das zweite quam, wie Purmann ist auch mir dies 
zweimalige quam ohne verbindende partikel aufWlig gewesen, aber 
störender noch ist es jedenfalls, dasz die worte muUigenis quam 
fiiU uifiaia figuris genau dasselbe sagen wie die vorhergehenden 
quam {skU) lange distantia formis. dazu kommt noch ein anderes 
bedenken, welches die worte quaUa sint erregen. Lucr. will in dem 
hier b^pnnenden abschnitt (bis v. 729) gar nicht entwickeln, wie 
beschaffen die atome seien, sondern nur dasz sie verschieden 
gestaltet und dasz eine grosze manigfaltigkeit in ihrer figuration die 
gnmdvoranssetzung sei fOr die entstehung der so manigfaltig ver- 
Kfaiedenen dinge« dasz ihnen grOsze, schwere, un Vergänglichkeit 
Qiid unverftnderlichkeit zukommt , dasz sie femer farblos und em- 
pfindungslos sind, alles dieses wird teils schon im ersten buche, teils 
iber erst im zweiten von v. 730 an dargelegt zwar involviert nun 
die aoseinandersetznng Aber die Verschiedenheit der bildung 
der atome teilweise auch eine beantwortung der frage nach ihrer 
beschaffen hei t; aber dasz der dichter es hier nur auf den beweis 
der diversitas figurarum abgesehen hat, zeigt zunächst der weitere* 
gedsnkengang in dem an v. 337 sich anschlieszenden stttcke bis 
T. 380 und sodann die in dem ganzen abschnitt bis v. 729 sich im- 
mer wiederholende einschftrfung des satzeS; welcher eben in diesem 
abschnitte bewiesen wird, dasz die urkörper dissimüi figura seien, 
somit passt in der inhaltsangabe des ganzen abschnittes das quaUa 
tmt V. 334, zumal wenn es als hauptsache so an der spitze steht, 
durchaus nicht, alle Schwierigkeiten verschwinden, wenn wir v. 334 
quaUa swU et quam lange distantia formis als aus III 32 einge- 
dnmgen betrachten, wo der vers nur mit der abweichung varüs fflr 
longe sieh gerade so wie an unserer stelle an die worte cundarum 
cnrdia rerum anschliesst. bei berttcksichtig^g dieses letzten mo- 
mentes erklärt das eindringen des verses in unsere stelle sich noch 
leichter als die Wiederholung der vier verse III 31 — 34 in IV 48 ff., 
wo dieselben , obwol Pnrmann (neue beitrage zur kritik des Lucr., 
Pfotia 1849, s. 8) sie als *ursprtlngliöhe, integrierende teile des ge- 
dichts' an beiden stellen zu verteidigen sucht, doch von allen neue- 
no hgg. einstimmig ausgeschieden werden.' die erwähnte abwei- 
cboBg kmge fftr variis wird man mir nicht entgegenhalten, wenn 



ihr vb«ber dort als irrtfimlich zurückgenommen hat. das von Pnrmann 
^ M— 968 vermatete subu' tum tihestria usw. hat beiläufig schon Goebel 
obMorr. Lncr., Bonn 1864, e. 16), VI IISO lanigerU für iam pigrii schon 
Braao (bcmarilnBgen sn einigen stellen des Lucr., Harburg 1872, 8. 10) 
v«r|«ddAcen. 

* gegen einen versuch Briegers (Phllol. XXIX s. 417 ff.) die verse 
9 baeb lY als von Lucr. selbst am rande beigeschrieben cu verteidigen, 
«rUirt eich mit recht {Yeumann de interpolationiboa Lucretianis (Halle 
WS) 1. 16 f. 



126 ThTohte: zu LucreüuB. 

man bedenkt wie oft auch anderwärts solche nngenauigkeiten in 
interpolierten Wiederholungen sich finden: lY 48 ff. mit ihren Tier 
abweichnngen von HI 31 ff. sind ja schon ein beispieL auch erklftrt 
sich die vertanschnng des variis mit longe leicht daraus, dass lettte- 
res wort gerade von Lucr. mit distare oft verbunden wird ; ebenfialls 
mit der participialform distafiHa steht es 11 671. — Anders behan> 
delt die stelle Bockemttller. er liest in seiner ausgäbe : . • . perdpe^ 
— muUigenis quam sint variata figuris^ non quo . . . und übersetzt 
muUigenis usw. frei so : * ich meine , welcher versdiiedenen gest^- 
tung sie fähig sind nicht etwa in dem sinne , als ob ihrer viele mit 
geradezu ungleicher figuration begabt wären (jparum 8imiU) , son- 
dern nur insofern) weil nicht durch die bank alles für alle in der- 
selben weise constant ist.' aber die oben von mir erhobenen be- 
denken werden auf diesem wege nur teilweise beseitigt, und aoszer- 
dem scheint die erklämng zu gekünstelt, als dasz sie der gerade in 
der folgenden entwicklung herschenden einfachheit und durch- 
sichtigkeit des stils entspräche, endlich bemerke ich noch , dasz die 
Verbindung des parum mit simüi schwerlich richtig sein kann, ver- 
bindet man, wie es sonst immer geschehen, pdrum mit mUUay so 
erhält man schon hier in der .kurzen Inhaltsangabe des ganzen fol- 
genden abschnitts einen sehr passenden hinweis auf die v. 622 — 568 
folgende wichtige auseinandersetzung, dasz die primordia^ ^inier se 
simili quae sunt perfecta figwro^ (^2^)i i^finita sind, 
n 1077 ff. huc accedU ut in summa res rniHa sU una^ 

umca quae gignatu/r et unica sök^e crescat^ 
quin €diquoiu' siet saedi permtdtaque eodem 
sint genere, in primis animalibus ^ inclute Memmiy 
invenies sie montivagum genus esse ferarum, 
sie haminum genitam prötem^ sie denique mutas 
squamigerum pecudes et carpora cuncta vcHantum. 
statt des von Gronovins stammenden indute Memmi , welches wir 
jetzt in den texten lesen und das von vielen Seiten als glänzoide 
und unzweifelhaft richtige Verbesserung betrachtet wird, bieten die 
hss. indice mente, ich bin mit PoUe (de artis vocab. qnibusdam 
Lucret., Dresden 1866, s. 28) und Winckelmann (beitrage s. 16) der 
Überzeugung, dasz hierin etwas anderes steckt, denn bei der Oro- 
novschen lesart ist man gezwungen in primis animalibus so mit in- 
venies zu verbinden, dasz animalihus von der präp. in abhängt; was 
dann aber das primis bedeute , hat noch niemand zu erklären ver- 
mocht, schon dadurch wird es wahrscheinlich, dasz in dem indice 
mente ein v erb um zu suchen sei, welches nicht die präp. tn, son- 
dern das blosze animalibus regierte , so dasz dann inprimis sJs ad- 
verbium gefaszt werden könnte. PoUe, der ebenfalls gerade an dem 
primis animalihus gerechten anstosz nimt, vermutet: animaHa sint 
docimentOy und Bockemflller setzt dies in seiner ausgäbe in den iext. 
aber gibt auch diese änderung einen durchaus passenden sinn , so 
wird doch der Überlieferung allzu sehr gewalt damit angethan. 



ThTohte: zu LucretiiiB. 127 

dem tmprünglieheii nfther scheiiit mir 4Üe alte ooi^jectuir von Lipsins 
inice mentem aro kommen, welche Creeofa, obwol er im texte das 
onmSgliche indice menU beibehält, in seinem commentar billigt. 
dstselbe empfiehlt Winckelmann ao., und allerdings hat die con- 
jeeinr viel beeteehendes, zumal das asyndetisch folgende invemea 
Tortrefflicli zu dem voraufgehenden imperativ passt. dennoch musz 
ich sie Ar anrichtig halten; zwar nicht weil ich wie PoUe ao/ an 
mentem anstosz näime: denn der sinn würde doch nur sein kOn- 
nea: 'denk nur daran, erinnere dich nur oder beachte, wie es in 
d«m thierreich ist% und bei fnens wttrde hier ebenso wenig an com- 
puderte denkoperationen des Verstandes zu denken sein wie etwa 
bei der redensart venit mihi in ment&m — sondern vielmehr weil 
das inicere in der ganz ähnlichen Verbindung ammus se imcU 
(ebenso «ihiih imeduB oder auch anmi (actus) bei den Epikureern 
aar in dner ganz bestimmten, hier nicht passenden bedeutung er- 
scheint die Verteidiger des inice mentem verweisen nemlich gerade 
teils auf 11 739 ff. fniaieriai anpanbus . . in quae carpora si nuOus 
fXki forte videiur posse animi iniectus fieri, proad aivius erraSy 
tefls auf n 1047, wo animi iactus vorkommt, aber in der erstem 
iteUe handdt es sich um die erkenntnis der beschaffenheit der atome, 
in der zweiten darum , ' wie der geist durch schluszfolgerungen zu 
oner Vorstellung davon gelangen könne, wie es auszerhalb unserer 
weit aossefae. ttnlich heiszt es bei Cicero de not. dear. I § 64, wo es 
neh um die erkenntnis der Unendlichkeit des raumes handelt: . . in- 
mmmrn et inienmnalam in omnes partes magnäudmem regkmum^ in 
fiMm se inieiens animus ä intendens ita lange Uxteque peregrina- 
tmr usw. es seheint danach das verbum inicere in diesen und.&hn- 
lidien Verbindungen in der philosophischen kunstsprache der Epi- 
kureer ein stehender ausdruck itlr das rein geistige erkennen der 
TOB Epikur so genannten äbr^Xa durch die denkthfttigkeit gewesen 
20 leitt. an unserer stelle haben wir es aber nur mit der beobach- 
tang der fttr uns sinnlich wahrnehmbaren gegenstftnde der natur, 
der <penvÖMeva oder irpöbriXa zu thun, und deshalb ist hier mentem 
mioere nicht an seinem platze, um zum schlusz zu kommen, so 
^aabe ich daez eine stelle des Ovidius das richtige an die band 
gibt,«e^ XrV 319: dominaegue potentia quae Sit y hinc quoque disce 
meae: tu diäis adice mentem. mentem adieere heiszt einfach 
^tetne anfinerksamkeit auf etwas richten, etwas beachten' (vgL den 
9m ähnlichen ausdruck Verg. Aen. Vm 440 huc advertUe mentem). 
Ibnhdi gebra ucht C icero {de lege agr. U § 35) octdas adioere aliquOy 
«ad Livins XXVm 33, 9 sagt novo etiam eansOia adiecU animum. 
•QBut halte ich es f&r nicht zu gewagt, mit leichter änderung an un- 
NKTsteOe SU schreiben: inprimis animaUbus adice mentem: in- 



' Mine Worte sind: 'nnlla est causa, cur mentis mentio fiat, cum 
rtt, 4e qua agatar, nallam habeat diffleultatem, sed facillime a qao- 
fi^ iBlellegatiir.* 



128 ThTohte: zu Lacretias. 

venies usw., was man zu übersetzen hätte : *vor allen dingen richte 
deine aufmerksamkeit, deinen blick auf die erscheinnngen im thier- 
reich, so wirst du finden' usw. 

in 145: Lucr. beweist, dasz der geist (anmuSy mens oder oon- 
süium) in der mitte der brüst seinen sitz habe , weil hier furcht und 
freude entständen und erst von hier auf die im ganzen köiper ver- 
teilte ankna und damit auch auf den körper ttbergiengen. er fährt 
y. 145 fort: 

idgue {constUum v. 139) sibi sdum per se sapit: id $ibi gaudet^ 
cum negue res (mimam neque corpus eommovet una, 
nun ist ja allerdings das sapere etwas allein dem anmus zukom- 
mendes, aber ich glaube nimmermehr, dasz die erwähnnng dieser 
Yomehmsten function des geistes hier am platze sei. *die er- 
regungen der furcht und der freude teilen sich vom animus aus der 
anima (und dem körper) mit' hiesz es vorher; ^auch kann der geist 
fUr sich allein^ von diesen affecten erregt werden, ohne dasz 
seele und körper in mitleidenschaft gezogen werden', nur diese fort- 
setzung des gedankengangs ist in v. 145 möglich, v. 147 — 151 
enthalten nur eine genauere, zugleich durch einen vergleich begrfin- 
dende ausführung von v. 145 f.; das et ist also durch 'and zwu^ zu 
übersetzen, demnach scheint mir sapit v. 145 corrumpiert zu sein ; 
ftlr das richtige halte ich mit rücksicht auf pavor in v. 141 pavet 
und lese also : idgue sibi sölufn per sepavet^ id sibi gaudet usw. 

ni 282 ff. der dichter setzt in diesem abschnitt auseinander, 
dasz (abgesehen von der vierten namenlosen Substanz) die drei be- 
standteile der seele bei einem jeden lebenden wesen so gemischt 
seien, dasz sie ein einheitliches ganzes bilden, ut qwddam fieri videa- 
tur ab ommbus umtm v. 285 ; damit sei aber nicht ausgeschlossen, 
dasz bald die eine bald die andere dieser drei Substanzen mehr her- 
vortrete, während die andern beiden mehr zurücktreten oder sich 
verbergen {aliis aliud subsit magis emineatgue 284). in der weitem 
ausführung dieser letztem behauptung v. 288—293 ist nun aber, 
wie Brieger im Philol. XXYII s. 36 richtig hervorhebt, nur von den 
verschiedenen TrdG?] die rede, welche bei einem und demselben 
individuum mit einander wechseln können : wenn wir zornig sind, 
tritt der caXar mehr hervor; sind wir in furcht und schrecken, die 
aura (oder ventus) ; bei ruhiger gemütsverfassung der oBr. Brieger 
ao. folgert daraus sehr klar und richtig, dasz v. 284 zu lesen sei 
atgue alias aliud usw., und interpretiert dies trefflich so: 'alias, 
cum irati sumus, ardor magis eminet, a6r et ventas magis subsont; 
alias etc.' femer ergibt sich, fQgt er ebenso richtig hinzu, dasz dann 
V. 289 acrius nicht in acribus zu verwandeln ist. erst v. 294 geht 
der dichter zu der weitem auseinandersetzung über, dasz die ver- 
schiedenen temperamente (fjOri) auf das verschiedene mischungs- 
Verhältnis der drei seelensubstimzen zurückzuführen seien, bei dem 
jähzornigen ist in der mischung der caJor in gröszerer quantitftt 
vorhanden, bei dem furchtsamen aura oder ventus^ während ein 



ThTohte: zu Lucretius. 129 

pUegmaiisclieB temperament aus dem vorhersehen des placidus a^ 
xQ erklfiren ist. löwe, hirsch nnd rindvieh dienen aus der thierwelt 
zur iUostration, und y. 307 heiszt es dann weiter, dasz dieselbe Ver- 
schiedenheit der temperamente , welche bei den thieren sich beob- 
achten lasse, auch bei den menschen sich finde, bei dieser auffassung 
iät der gedankengang vollkommen klar, und nur an 6iner stelle 
scheint ctie sprachliche form noch einer kleinen Verbesserung zu be- 
dftrfen. vergleichen wir die werte 290 L est et frigiäa mtdta, cames 
formidims^ aurüy quae det horrorem membris et concUat artus mit 
299 ff. at veniasa magis cervorum frigida mens est et gelidas ciHus 
ptr viacera caneiiai auras^ quae tremültim faciuvU memhris existere 
motum^ so ergibt sich, da in diesen beiden genau correspondierenden 
gliedern der ganzen darstellung in teilweise ganz fthnlichen oder 
doch sinnverwandten ausdrücken von der Wirkung des vorherschens 
der amra die rede ist, dasz, wie die zweite stelle nur von einem er- 
xiitern der glieder spricht, so auch bei den werten quae ciet . . 
artus 291 nur an ein solches erzittern zu denken ist. aura artus 
amätat kGnnte aber nur heiszen : 'die aura bewirkt dasz die glieder 
aidi (zur flucht) in bewegung setzen.' ganz richtig heiszt es 
T. 900: tttens cervorum auras per viscera cencUai; von den zittern 
gemachten gliedern aber kann man nur sagen concutiuntur , nicht 
conätasitur. und dasz v. 291 wirUich eoncutit artus zxi comgieren 
Mi, daftir spricht der so hSufige gebrauch des concutere bei Lucr. 
gerade wo von einem erzittern gesprochen wird, von den zahl- 
reichen hierher gehörigen stellen führe ich nur einige an : VI 544 
,Toa erdbeben) terra . . tremU magnis cancussa nitnis, 548 concussa 
trmeseuni tecta^ 289 tempestas (dh. die gewitterwolke) concussa tre- 
mäy Y 550 L grandi toniiru concussa r^pente terra supra quae se 
tutU amcuiU omnia matui ^<Brner wie an unserer stelle von den glie- 
dern des kQrpers VI 594 f. frigus uti nostros penUus cum venit in 
«rfHs, eoneutU invUos cogens tremere atque movere^ V 1075 equus . . 
wucussis artibus hinnU, auch vom erschütternden lachen II 976 
Wm tremiuh concussa ca^innant. 
m 490 if. mmirumy qua vis morbi distracta per artus 

turhat agens anknam spumans in aequore sdtso 
venicrum välidis fervescunt viribus undae. 
M die bes., nur haben die jüngeren das nach nimurum ohne zweifei 
richtige quia für qua,'' Lachmann liest nun turbat^ agens animam 



* die helegstellen für nimirum quia gibt Holtee tynt. Lacr. b. 164; 
er bitte aber diejenigen stellen, in denen auszer dem von quia ab- 
biagifea nehensatze noch ein hauptsatz nachfolgt, dem dieses qida 
vtergeordnet ist (in welchem falle selbstverständlich vor nimirum stär- 
kere iaterpnnction sn setzen ist); von denjenigen scheiden sollen, in 
^'aea nnr der von quia abhängige nebensatz folgt, welcher dann dem 
v«r iWrMM stehenden hauptsatse sobordinlert ist. das erstere ist der 
U I 814. III 664. IV 868, während die übrigen beispiele bei Holtze 
^ twtiten classe angehören, angesichts des so hänfigen, formelhaften 

atkfMck« ng elMs. phUot. 187S hfl. S. 9 



130 ThTohte: zu Lucretiue. 

spumat^ quasi in aequoreusw. aber gegen diese geetaltang der 
stelle drängen sich mehrere bedenken auf: zuerst ist es, da es sich 
in den betreffenden versen nm die erklämng handelt, weshalb <ler 
epileptische spumas agit (v. 487), von vorn herein wahrscheinlich, 
dasz auch 491 spumas herzustellen und agens spumas zu verbin- 
den sei. von dieser erwägung wird wol Goebel ausgegangen sein, 
wenn er qnaest. Lucr. s. 24 liest: iurbat agens animam spumas ^ ut 
in aequore usw. ebenso Bockemtfller: turbat agens animam ^[mmas. 
aber gegen diese herstellung gilt dasselbe bedenken , welches femer 
gegen die Lachmannsehe zu erheben ist: t?is morbi wSre nemlich 
dann subject zu turbat animam und zu agit {agens) spumas ^ und 
diese vis morbi hätte dann das attribut distrada per artus oder, 
wenn per artus mit twrbat verbunden würde , distracta allein, nun 
ist es schon im allgemeinen höchst unwahrscheinlich , dasz von der 
in den kOrper dringenden vis morbi y durch welche eine Störung des 
Zusammenhangs der seelenpartikelchen bewirkt wird, gesagt werden 
sollte distrahitur, denn distrahere bezeichnet das gewaltsame aus* 
einanderreiszen eines bisher in sich zusammenhängenden gegen- 
ständes (zb. wird es von einem feile gesagt, das von den b^den der 
sich darum streitenden zerrissen wird Y 1419; ähnlich II 827. 831). 
von der vis morbi dagegen würde Lucr. , wie von der in den kOrper 
sich verteilenden speise, nur etwa sagen können : dispertituTy duper- 
güuTy didUur, penetrat oder dgl. dazu kommt dasz gerade das par- 
ticipium distracta von Lucr. auszerordentlich oft von der durch 
krankheit oder irgend eine andere äuszere gewaltsame einwirktmg 
in ihrem Zusammenhang gestörten und zerrütteten seele gebraucht 
wird, zb. v. 588. 797. 842. IV 28. 913. 943. 958, und selbst in der 
auf unsere stelle unmittelbar folgenden weitem ausführung zweimal 
V. 499 und 505. auf v. 499 lege ich besonderes gewicht: denn mit 
den werten quia vis animi atque animai conturbatur et^ ut docui^ 
divisa seorsum disieetatur eodem illo distracta veneno kann 
Lucr. sich nur auf v. 490 f. zurückbeziehen, es folgt daraus mit 
Sicherheit, dasz eine herstellung dieser stelle, abgesehen von dem 
oben festgestellten agens spumas y davon auszugehen hat, dasz 
distracta nur auf anima bezogen werden kann, vis morbi haben wir 
dann ^ entsprechend dem eodem iUo veneno 499 in vi morbi zu Ter- 
wandeln, die änderung ist noch leichter, wenn wir in dem s von 
vis den rest eines est erkennen, so dasz nun zu lesen wäre : nt me mw, 
quia vi st morbi distracta per artus ^ turbat agens anima spumas, 
anima turbat (vgl. vis animi atque animai conturbatur 498) passt 
vortrefflich, beispiele für das intransitive turbare (sie fehlen bei 
Holtze ao. s. 118 ff.) sind H 126. 438. V 502. 504. VI 370. wie 
turbat, so paest femer agens ^aumas sehr gut zu anima j und awar 



gebr Aachs des nimirum quia bei Lncr. kann ich Bockemüller, welcher 
qua mit Verwandlung des in vor aequore in sie (qua . . iie ■» 'in derselben 
weise wie') beibehält, nicht beistimmen. 



ThTohte: zu Lucretins. 131 

nur ZQ diesem, vis morhi apumas agü kann man, nach meinem 
geflUil wenigstens, gar nicht sagen, sondern nur aliquis spumas 
agil (ao t. 487) nnd demgemftsz 491 anima spumas agU: denn 
«piima^ agere bedeutet 'sehaum treiben (ans sich selbst heraus), 
fichtamen', nicht aber '(an einem andern gegenstände) schäum 
hsrTornifen'. gerade so ist ee mit der bedeutnng von soinHUas agere 
(n 676) und radiees agere. schlieezlich führe ich zur .empfefalnng 
meiBer conjectar noch den nicht unwichtigen umstand an, daez 
dimh dieselbe ein vollständiges sidtentsprechen der gliedez des 
satiee nimintm^ qma vist mcrbi dislracta per artuSy tufbai agene 
amma tpmmas und der einzelnen teile des nachfolgenden vei^gleichs- 
ssUes tfi aequore aälso ventarum väUdis fervescuni vtribma undae er- 
niefat und dadurch erst der vergleich ein schlagender und somit 
beweiskxftitiger vnrd. dem snbject undae entquicht das subjeot 
ammoy dem fervescuni das turbat agens ^pumtiSy dem veniarum vcdi- 
die viribus das vi mordt, endlich dem in aequore salso die worte per 
artus, — Vor dar von Lachmann vor in aequore hergestellten ver- 
gWicfaungspartilLd quasi verdient ohne frage das von Goä>el ao. 
voigMcUafene, aber au«h sdion in älteren ausgaben sich findende 
uf , weil es noch leichter von einem abschreiber übersehen werden 
kamle, den vonng. — Noch eine Schwierigkeit Ueibt aber zu be- 
ipncfaen. S^r die Verlängerung eines kurzen endvocak vor folgen- 
dem doppelconsonsutea im hexameter findet sich bei Lncr. kein 
baimnei : vgL LMflUer de re metr. s. 320. aber daez sie nicht als 
fehler angesehen ward, zeigt das vorkommen nicht bloss bei £n- 
niiis, scttdem auch bei Catullns, Tibullus, Gratius (s. Mttllw ao»), 
und MflUer selbst sagt im Fhilol. XV 160 b« gelegenheit einer an- 
fthrong das CaiuUverses 64, 186 nuiüa fugae rcstio, nuBd spesn am- 
ma mmiUf obwol es bei diesem dichter das einsige bei^iel der art 
ist: *an der Verlängerung des a vor sp wird hoffentlich niemand an- 
»iois nehmen.' Vergilius hat kern ganz entsprechendes beispiel, 
iber von der bei ihm und Ovidius so häufigen Verlängerung des 
fue abgeeehen findet sich bei ihm sogar einmal die Verlängerung 
des kunen endvocals vor nur 6inem folgenden consonanten: Am. 
ni 464 dona dehmc cmro gravid sectogue dephamio (Christ metrik 
^ 216). so glaube idi, da ftlr meine herstellung der stelle des Lucr. 
fio vide andere gründe spredien, auch ftb: ihn, aumal in der arsis 
Tor der penthemimeres, wol die licenz ammd spumas in ansprncfa 
Mbnea sn dfirien. 
m 696 ffl quod si forte putas exMnsecus insmuatam 

perwumare animam nobis per membra sotere^ 
tsmio quique magis cum corpore fusaperünt: 
quod permanai enim dissolviturf interit ergo. 
700 dispertitur ergo per caulas corporis omnis. 
ut cibus^ in membra atque artus cum didiiur omniSy 
disperii atque aiiam naiuram sufficit ex se, 
sie anima atque animus quamvis integra recens in 

9* 



132 ThToLte: zu Lucretius. 

corpus eunt, tarnen in manando dissolmtfUury 
705 dum quasi per caulas omnis diduntur in artus 
particwiae quihus haec animi natura creatur^ 
quae nunc in nostro donwnatur corpore nata 
ex iUa quae tum periü partita per artus. 
so die Überlieferang, nur da»z ich v. 703 fOr das hsl. (^uamuts est 
integra recens gleich die gewis richtige Verbesserung des Mamllus 
eingesetzt habe, die Schwierigkeit der stelle liegt zonSchst in dem 
dispertitur ergo^ aber dafür haben schon die alten ausgaben disper- 
titur enim mit punctum oder Semikolon am ende dieses verses. 
Lachmann adoptiert das emm, indem er offenbar ergo als eine auf 
versehen eines abschreibers beruhende Wiederholung des ergo im 
vorhergehenden verse betrachtet, wodurch das ursprüngliche enim 
verdrängt w&re. aber auch das dispertitur der hss. (subject anima) 
erklärt Lachmann mit den werten für unrichtig: 'de anima enim 
hoc dicetur infra, dum quasi per caulas -^ quo fit ut hoc ad cibum re- 
fern debeat.' er verlangt deshalb di^f^ertüus enim und verbindet 
den ganzen vers mit dem folgenden ut cibus usw. ; dafür spricht 
dasz auf diese weise zugleich der ganze folgende vergleich durch 
enim passend mit dem vorhergehenden verknüpft würde, allein so 
scharfsinnig diese herstellung der stelle auch sein mag, so vermag 
ich doch an ihre richtigkeit nicht zu glauben : denn dasz die nach 
Lachmann in den vergleichungssatz gehörenden werte dem ut 
voraufgehen, ist immer eine spi'achliche härte, und diese erst durch 
änderung zweier werte der Überlieferung in den text zu brin^n 
musz bedenklich erscheinen, ich halte , um meine ansieht kurz aus- 
zusprechen, sowol v. 699 als auch v. 700 für unecht, die vorher- 
gehenden verse enthielten den gedanken : ^solltest du etwa die in- 
sinuatio der seele von auszen her und damit ihre praeexistenz da- 
durch wahrscheinlich machen wollen, dasz du behauptetest, in den 
körper eingetreten durchdringe sie alle glieder desselben, so erwidere 
ich , dasz sie bei einer solchen annähme , indem sie ja eben inner- 
halb des körpers zerflieszend auseinandergeht', nur noch um so mehr 
der Vernichtung unterliegen oder mortaHis sein musz.' man würde 
nichts vermissen, wenn sich unmittelbar hieran der erläuternde 
vergleich schlösse: ^gerade wie die speise, die sich durch den k5r- 
per verteilt, als speise zu existieren aufhört und (oder: indem sie) 
sich in etwas ganz anderes verwandelt.' die verse 699 f. stören 
diesen einfachen und klaren gedankengang, und dazu kommt dasz 
sie dem in den vorhergehenden versen gesagten durchaus nichts 
neues hinzufügen, denn die werte quodpermanat enim dissoUvitur^ 
interit ergo zunächst wiederholen nur die in permanare . . fusa peri- 
hit enthaltene gedankenfolge: sie sind ein in den text gedrungenes 
glossem, ursprünglich zur erklärung des etwas schwer verstand- 



' cum corpore fusa wird bei Hanro richtig erklärt: 'solnta et mixt« 
com corpore'. 



ThTohte: zu Lucretios. 133 

liehen cum corpore fusa beigeschrieben ; der glossator benutzte dazu 
den y. 754 guod muUUur enim dissölvüur, interU ergo mit alleiniger 
verwuidlnng von mutatur in pertnanat. der gleichen absieht, den 
in den Torhergehenden versen dargestellten Vorgang (besonders das 
permanare and fusa) verständlicher zu machen, verdankt auch v. 700 
seinen Ursprung, dazu passt ein ergo sehr gut; der ganze satz sollte 
unprttnglich gar kein vers sein, aber da der erklärer sich darin 
einer bekannten mehrmals einen versschlusz bildenden phrase des 
Lacr. per catdas corporis omnis (m 256. VI 839, fast ebenso U 950) 
bediente , hielt man ihn sp&ter dafür und suchte, nachdem das glos- 
sem einmal in den text eingedrungen war, durch coi^jectur den Zu- 
sammenhang und das metrum herzustellen. — Selbstverständlich 
ist dasz nadi ausscheidung jener beiden verse hinter sufficü ex se 
y. 702 ein punctum zu setzen ist; dasz dann in einem neuen satze 
mit sk (703) das durch den vergleich zu erlftatemde nochmals 
nadidracklich wiederholt wird, ist echt Lucrezisch. 
rV 254 ff. ülud in his rebus minime tmräbüe JMbendumst, 
cur^ ea quae fertofnt ocuhs sirnuktcra videri 
singula cum nequeatdy res ipsae perspiciantur, 
stM perspidaniury wie nach den hss. in allen ausgaben steht, ist 
hier offenbar percipianiur zu lesen: denn nicht von einem 
dorchschauen ist die rede, sondern von dem durch die sinne 
Tondttelten geistigen erfassen der objecto der Wahrnehmung, 
diftir igtperdpere der allein correcte lateinische ausdruck, welcher 
auch dem von Epikur hierfür gebrauchten Xa^ßdv€tv (beispiele für 
das letztere in meiner abhandlung ^Epikurs kriterien der Wahrheit', 
Clausthal 1874, s. 21 unten und anm. 2) entspricht. 

y 1210 ff. der geist wird von zweifeln gequftlt, sagt der dichter, 
ecquaenam fuerit mimdi genüaMs origoy 
et simiul ecquae sU finis, guoad moenia mundi 
et taciti motus huncpossini ferre lahorem^ 
an divinitus aetema donata soÄute 
perp^uo possint aevi lahentia tradu 
inmensi validas aevi contemnere viris. 
dtt corrapte et taciti hat Bentley nach 1 343 und VI 1036 in solli- 
ciii geindert. ich bezweifle dasz damit das richtige getroffen ist. 
an jenen beiden stellen bezeichnet nemlich soüicitus motus eine ganz 
andere art der bewegung als diejenige ist, welche wir an unserer 
stelle anzonehmen haben : an der ersten ist es die wallende, unruhige 
bewegung, in welcher beständig die masse der materie sich befindet 
ud die mit dem gewoge des erregten meeres sich vergleichen 
lieoe {soKeitum mare sagt Vergilius) , an der zweiten bezeicBnet es 
ginz ähnlich die osdllierende bewegung der in dem (vom magnet 
uigezogenen) eisen befindlichen luftkOrperchen. hier aber haben 
wir es mit der rapiden bewegung des in beständigem Umschwung 
kreisenden bimmelsgewOlbes (moenia mundi, das firmament) zu 
tinuL sollte nicht das ursprüngliche sein alia citi motus y das 



134 ThTohte : zu Lucretiua. 

nach dem et tacUi der hss. so nahe liegt? für alta momia mundi 
habe ich zwar keine belegstelle , aber so konnte Laor. ebenso gut 
einmal schreiben , wie er an andern stellen <dta teda cadi^ äitu8 Hia- 
tus codi, äUae akheris orae udgl. sagt, was ferner citus fnotus be- 
trifft, so kommt auch diese Verbindung zwar sonst bei Lncr. nicht 
vor, wird aber, denke ich, dorch die vergleichung mit dem so oft 
bei ihm sich wiederholenden dtius ferri sich rechtfertigen lassen; 
nnd sollte dies nicht genügen, so verweise ich auf den inoes8us modo 
dtws modo tardus des Catilüia bei Sallustius, auf cito deewrrü traimite 
vkgo (Verg. Äen. Y 610) und auf dtaeque vida Idbore fugae (Ov. 
met. I 543). 

VI 121 ff. hoc etiampacto tonOru coneussa videnti/tr 

omnia saepe gravi tremere et divolsa rezente 
maxima dissüuisse oapads moenia ftmndi^ 
cmm suhito validi venti oofUecta prooeUa 
125 nubÜHiS intorsU sese, condusaque ibidem 

turbine verscmti magis ac magis undique nuhem 
cogit uti fiai spisso cohhjl corpore t^ircum^ 
post uhi con>minuit vis ekis et iwpetus acer^ 
tvm perterricrepo sonüu dat missa fragorem. 
130 nee fiiirum, cumplena animae vensicida parva 
saepe Ua dat parvum sonUum displosa repente, 
der dichter schildert die verschiedenen arten des donners und er- 
klärt ihre entstehung. auch dadurch , sagt er in dem obigen stflck 
dieses capitels, kann der donner erzeugt werden, dasz der wind in 
eine wölke sich hineinbofart, sie aufbläst indem er sie wirbelnd 
durchkreist, und dann schlieszlich sie zum platzen bringt, dasz 
dorch einen solchen Vorgang das schreckliche getöse des donners 
verursacht werden kSnne, sucht er nun v. 130 f. durch einen ver- 
gleich wahrscheinlich zu machen, offenbar hat aber der letztere nur 
dann einen sinn , wenn der gedanke ^kann doch schon eine mit Inft 
gefüllte blase ein gewaltiges getöse durch ihr plötzliches platzen 
hervorrufen' darin ausgesprochen ist, und daher ist die notwendig- 
keit einer ftnderung des hsl. saepe Ua dai parvum soniitum von fast 
allen hgg.^* als selbstverständlich angenommen, jenen durch den 
Zusammenhang geforderten sinn haben Lachmami und Bemaja su 



'^ nur Bockemüller sucht in seiner ausgäbe die hsl. lesart bu halten 
mit den werten: 'auch wenn wir das deminntiv (parva bei ventieula) 
fallen lassen, behalten wir nur eine kleine blase, und der ton, welchen 
ihre Sprengung hervormft, bleibt schwach im vergleich mit der ooloa- 
salen« wolkenblase. es kommt nur darauf an, dasz ein vernehmbarer 
explosionsknali erfolgt: venncula dUptosa dat sonüum,^ ja wenn der 
dichter ohne weiteres attribat sagte : 'schon beim platzen einer kleinen 
blase entsteht ein knall', so würde man sich dabei zufrieden geben; 
aber nun sollte er durch hinzufügung von panmm ohne allen gmnd nicht 
nur die beweisende kraft des Vergleichs gänzlich abschwächen, sondern 
sich damit auch eine offen zu tage liegende logische Unrichtigkeit su 
schulden kommen lassen? 



ThTohte: zu Lucretius. 135 

gewinDen gesucht, indem sie eine neg»tion in den satz brachten, 
aber es bedarf dann sehr gewaltsamer ftnderungen der Überlieferung, 
und deshalb sind ihre coiyectnren als durchaus verfehlt zu betrachten, 
ohne frage ist der richtige weg zur heilung der stelle von dei^jenigen 
•ingesdilagen worden, welche in dem parvum den fehler suchen und 
Ar dieses ein wort entgegengesetzter bedeutung verlangen, schon 
la. VoBsius, dem wir so manche schöne conjectur im Lucretius ver- 
dsaken, schlfigt magnum vor; ihm folgt Wakefield. Chr ist (q uaest. 
Lacr. s. 12) will cJorMtn^S welches von PoUe im Pbilol. XXVI 533 
Ar *gewis richtig' erklftrt wird, eins aber ist dabei nicht genügend 
beachtet, dasz nemlich der vergleich erst dann vollkommen treffend 
wird, wenn in v. 131 das attribut von sonUum dem perierrierepo 
in V. 129 möglichst genau entspricht von diesem gesichtepuncte 
sa& verdient Munros (3e aufl.) torvum den vorzug. dennoch halte 
ich audi dies noch nicht für das ursprüngliche : denn wesm auch in 
des Vergilius iarvumque reg^mte damat und in dem ausdrucke torva 
rar bei Apukjus (s. Munros commentar) ein ähnlicher gebrauch des 
iormi vorliegt, so findet doch die coi^ectur in dem Sprachgebrauch 
des Lucr., bei welchem torvus überhaupt nicht vorkommt, keine 
stfltze. um auch dieser forderung zu genügen, schlage ich taetrum 
vor. taeier ist ein lieblingswort des Lucr.; er gebraucht es zur be- 
leichnung aUer derjenigen sinnlich wahrnehmbaren dinge oder er- 
tcheinnngen, welche uns Widerwillen, ekel, absehen, entsetzen, 
bchrecken erregen, so setzt er dies a4j. zb. zu tikera^ cadavera, oder, 
«^NT, absMhkif virus ^ venenum, anguimanus (elephant), os Chi' 
«aarae, Tairiaray nox mrnborwm^ spurcUies^ sUreus; am besten 
gUabe ich meinen Vorschlag stützen zu können durch VI 217 f. tum 
me iaeiro ierrore et sonitu fulgü nuüoque iumuUu. 

Schwieriger ist es über die beiden vorhergehenden verse 128 f. 
ein entscheidendes urteil zu fUlen. ist die überlieferte form des 
iweiten dieser verae richtig, so musz darin (wegen missa) nicht mc- 
hety sondern vis venti oder proceUa das subject sein, diese vor Lach- 
mann allgemein angenommene** erkl&rung vertritt von neueren nur 
Bockeml^Uer, aber Lachmann führt mit recht dagegen folgendes an : 
1) von dem gerftusch des windes sei erst im folgenden abschnitt die 
rede, 2) dem vensicuJa sofküum dat im folgenden vergleich müsse 
Hier entsprechen nuhes fragarem dat; ich füge noch hinzu dasz 
3) aneh der sprachgebranoh fOr nuhes dat fragcrem spricht, wie 
mipMiii dare 'einstürzen' bedeutet, so heiszt fragcrem dare 'brechen' 
intrans.)*'; perterricrepo sonitu {nahes) fragorem dat heiszt also: 



" denselben vonchlag macht, wie es eeheint unabhängig von 
Christ, Jessen qnseat. Lacr. (GÖttingen 1868) s. 37. ** L ambin er- 

Uirl: 'procella emiasa edit fragorem; bei Creech heisst es in der inter- 
»retalio: 'tna horrendo cum fragore (ventns) ernmpit'. '* dasz fragor 
b«i Lacr. noch nicht wie spater nnr den krachenden ton bezeichnet, 
•oadem noch die arsprttngliehe bedeutung 'das zerbrechen' (intrans.) 
oder 'das aerbrochenwerden ' bewahrt hat, zeigen klar die übrigen 



136 ThTohte: zu LucreÜus. 

*die wölke bricht oder platzt mit schrecklichem getöse.' dabei ist 
nun missa nicht möglich; Lachmann wollte, dem sinne nach gewia 
richtig, fissa, nfther liegt Bemays' auch von Munro gebilligtes scissa,^^ 
was bedeutet dann aber der in y. 128 voraufgehende nebensatz |>(»( 
uhi conminuit vis eius et itnpetus acer? Lachmann zieht die para- 
phrase unserer Lucrezstelle bei Isidorus arig. XIII 8 cum proc^ 
vehementissimi venti nuhihus se re^^ewte mmiserii^ turhine invälescenie 
exitumque quaerewte nuhem, qtuun excavavU, impetu magno persdndit 
zur erklärung herbei und bemerkt in bezug auf das von ihm selbst 
für das unmögliche commovU hergestellte canminuUj welches im Ob* 
longus von erster band wirklich gestanden zu haben und auf welches 
auch das comunuU des Quadratus zu deuten scheint : ^Isidorus rectis- 
sime interpretatur perscindü,^ diese erklärung verträgt sich aber 
durchaus nicht mit der oben entwickelten auffassung des folgenden 
verses. denn bei unserer erklttrung desselben stellt sich folgende 
die einzelnen momente des ganzen Vorgangs in durchaus correcter 
folge aufzählende reihe von coordinierten Sätzen heraus : der wind 
bohrt sich in die wölke — er bläst sie auf — dann platzt sie 
krachend, will man nun nicht dem Lucr. eine, wie mir scheint, nn- 
erträgliche tautologie zutrauen, so kann unmöglich der nebensatz 
mit conminuit den sinn haben: ^wenn die gewalt des windes die 
wölke auseinander reiszt oder zum platzen bringt' : denn dasz die 
wölke platzt» sagt ja gerade der haupteatz v. 129 aus. vielmehr er- 
warten wir etwa den gedanken in dem nebensatze: *wenn die ge- 
walt oder der druck des windes zu heftig wird , wenn die Wider- 
standskraft der wolkenhülse diesem druck nicht mehr gewachsen 
ist' oder dgl. und hier hat, denke ich , BockemttUer das richtige ge- 
funden, indem er comunuit oder conminuit in conualuit (•« Venn 
der wind sich zur vollen stärke entwickelt hat') verwan- 
delt, eine den schriftzttgen nach sehr leichte änderung. die werte 
Isidors turbine invcUescenie führen darauf fast mit notwendigkeit. 
während aber diese worte des Isidor dem nebensatze v. 128 genaa 
entsprechen, hat er mit nubem perscindit den gedanken des v. 129 
in freierer weise wiedergeben wollen. 



stellen an denen es bei ihm vorkommt: 1 747 neque pamam stare fragorit 
V 317 (von den felsen) privata fragore , VI 166 f. geli fragor . . dat ioni- 
ium, ebenso V 109 succidere horrisono posse omnia victa fragarti denn 
horrisono fragore ist hier offenbar mit victa EU verbinden, aaoh VI 136 
wird man dant .. rami fragorem zu übersetzen haben: 'die äste brechen 
krachend.' 

*^ nach Boaterwek Lncr. quaest. (Halle 1861) s. 44 soll der Victo- 
rianus wirklich sei 88 a haben, dagegen fuhrt Munro dies ^ ooigeetnr 
von Bernajs an, und es wird daher von Polle Philol. XXVI 5S3 die 
richtigkeit der Bonterwekschen' angäbe bezweifelt. 

Clausthal. Theodor Tohtk. 



ThPlflBs: zu Horatius öden II 6. 137 

9. 

ZU HORATIUS ODEN H 6.* 



'Septimias, du biet bereit mit mir ans ende der weit, nach 
Gades za gehen , willst mit mir ins land der Cantabrer ziehen , um 
mit den trotsigen im gefahrvollen grenzkriege zu kämpfen, oder 
Bach den Sjrten, nm in stürmischer seefahrt mit wind und bran- 
dang, mit klippen und dttnen dich zu messen — ach, ich bin es 
milde, über meer und land zu fahren, durch stürme und schlachten 
mich SU schlagen : nicht ans ende der weit möchte ich, sondern nach 
dem nahen Tibur, nicht zu den kriegerischen Cantabrem und in die 
bandenden Syrten, sondern ins friedliche, stille Tibur, damit da, 
wo einst der Argiver sich seine ruhestfttte gründete , auch ich eine 
robestatt finde ftr mein alter, damit da, wo jene fremdlinge ihre 
meer- und landfahrt beschlossen, auch ich das endziel finde aller 
meiner fahrten« doch wenn wirklich die Parzen unhold mich von 
dittem sitze des alters, Ton dieser ruhe nach den fahrten fem halten, 
dtnn möchte ich nach dem lachenden, sonnigen, herdenbeweideten, 
bienendurcbsonunten, von ölbaumwttldem und weingKrten umkrftnz- 
(en Tarent, jenem gottgesegneten erden winkel am Oalaesus: ja 
doithin, nicht nach Gades, nicht ins land der Cantabrer oder ins 
meer dar Sjrrte, roft dich mit mir das Schicksal : da sollst du mit der 
tbrtne des freundes die asche deines geliebten sftngers netzen. ' 

Er gibt wol kaum ein Horazisches lied, das durch rhjthmus 
oad mekidia der worte, durch edlen ausdruck und empfindungs- 
Tolln ton der gedanken unmittelbar mehr auf die empfindnng des 
Mrers wirkte als dieses; hört man aber die auslegungen des inhalts, 
•0 wird uns die empfindung jammervoll zerstört durch eine reihe 
logisdier widersprüdie und Seltsamkeiten. 

Man sagt: der dichter sei veranlaszt sich auszusprechen, wo er am 
liehttea einen behaglichen landsitz für sein übriges leben zu besitzen 
wfinaehe; er habe gründe Tibur in erster linie zu nennen, vielleicht 
den grond daaz er bereits da wohne ; fiills er aber den landsitz in Tibur 
ai^t bekommen oder nicht behalten könne, würde er Tarent aUen an- 
den orten vorziehen« es ist also eine recht praktische Veranlassung 
vad ein recht ökonomisches motiv, das den dichter zu dem liede — 
darf idi sagen: begeistert hat? vermutlich war der landaufenthalt 
in Tibur wehr theuer, mindestens theurer als der in Tarent, oder Tibur 
«V so überfüllt, dass kaum noch ein landhaus zu miethen oder zu 
kaafcB war, und die oaase des dichters oder die freigebigkeit seiner 
g<taer reichte leider nicht aus. nun, da tröstete sich Horatius eben 
mi Tarant, und der trost war ebenso ökonomisch wie das leid: in 



* verfliehen ist auscer den HUern und neuem commentaren und 
Gmpee llinot aoeh die jüngste hesprechang dieses gedicktes von Campe 
B dieeea Jahrb. 1877 s. 186 fS. 



138 ThPlüBB: zu HoratiuB öden TI 6. 

Tarent gab es milch and honig, öl und wein in ttberflasz, das leben 
daselbst war also billig ; es gab in Tarent gesunde luft und« gott sei 
dank , auch süszes wasser im Galaesus , das wenigstens die schafe 
gern tranken; der aufenthalt daselbst war also fflr schafe und men- 
schen gesund, das ist von Hör. sehr vemtlnftig gedacht, oder wenn 
er etwa die tcauben von Tarent blosz darum so loben sollte , weil 
ihm die von Tibur zu hoch hängen, wenigstens schlau gesprochen. 

Die Verlegenheit eines dichters, der wenig gM aber viel 
wünsche hat, und die trostweisheit eines fuchses, der gexdng von 
dem spricht, was er nicht bekonunen kann — das wäre denn also 
der Inhalt unseres schönen liedes. 

Aber dieser inhalt ist leider nicht klar und widerspruchsloä 
aasgesprochen, vor allem — was haben die Parzen damit zu schaffen, 
ob Horatius sich ein landhaus in Tibur kaufen oder miethen oder 
sich schenken lassen kann oder nicht? seit wann kümmern sich die 
drei schicksalsschwestem darum, in welcher landsd&aftlichen Um- 
gebung, unter welchen naturgenüssen ein mensch sein leben hin- 
bringe? wenn sich die Färsen erst mit der Wohnungsfrage be£as8en, 
wie kann da unser dichter so genau wissen, dasz sie ihm Tarent 
bewilligen, während sie ihm Tibur nicht gönnen ? nein, der dichter 
weisz sonst gut genug, womit die schicksalssohwestem sich wirklich 
befassen. 

Sonderbar ist femer der meinungsweohsel des dichters , wie er 
innerhalb des gedichtes selbst sich vollzieht, erst möchte er nur 
nach Tibur: Tibur für sein alter, Tibur für immer! dann auf ein- 
mal : veenn die Parzen mich nicht in Tibur haben wollen, so ist Ta- 
rent mir — man erwartet: nächst und ausser Tibur der liebliohste 
ort, aber nein: dann ist Tarent mir yon allen orten auf erden der 
lieblichste, dann lacht mir Tarent am freundlichsten; lieblicher, 
freundlicher als Tibur selber, musz man denken, und währvid er 
dann die reize Tarents schildert , bekommt er die Überzeugung : ja, 
Tarent ist es, Tarent, nicht mehr Tibur, wo ich hin soll» wohin das 
Schicksal dich mit mir zusammen ruft! warum wollte er denn da 
nicht gleich von vorn herein nach Tarent, wenn es doch der schönste 
aller erdenwinkel ist und ihm am freundlichsten lacht? sollte logik 
in dem liede stecken, müsten wir denken: nach Tibur habe der 
dichter gar nicht der lieblichkeit und Schönheit wegen gewollt, 
sondern aus andern gründen; weil aber die Parzen ihm Tibur, das 
er aus andern gründen wünschte, versagen, komme er nun erst, 
durch diese fügung der Parzen , in die läge , sich gerade nach dem 
freundlichsten erdenwinkel umzusehen; es sei somit auch nicht die 
landschaftliche lieblichkeit Tarents an sich, die den diehter anziehe, 
nicht die behaglichkeit des genusses der eigentliche zweck, den er 
dort erreichen wolle: der persönlichen neigung, also auch der be- 
haglichkeit würde ja mit Tibur besser gedient sein ; vielmehr — so 
müsten wir annehmen — stehen die persönliche neigung» die ihn 
nach Tibur zieht, und ein schicksalssdilusz , der ihn erst veranlaszt 



ThPlfls8: zvL Hoifttius öden II 6. 139 

den lieUiehston fleck erde, Tarent, zu wählen, mit einander im 
widentieii. »o, sage ich, mtislen wir denken, wenn Icgik in dem 
üeda walten soUie; aber ist diese logik dann? 4as ist eben eine der 
nnkkibeiteii des liedes. 

Fenwr: der dichter erinnert am eingang den freund daran, 
dats er ja mit ihm ans ende der weit und in tod und gefahr hinaus- 
ndmi wolle; «unittelbar nach diesen Worten könnte man erwarten 
dan er den Septimius auffordere mit ihm nach Tibur zu gehen ; statt 
denen sprieht er nur von si^ selber, fttr seine alten tage wflnseht 
er lieh Tibur, Ar sich den mflden wünscht er Tibur als endziel. 
dagegen weiterhin, als er Tarente liebliehe Umgebung sich ausmalt, 
da wendet er sich wieder mit nachdruck an den freund: dort die 
hfihen von Tarent, sie rufm dich mit mir. hKlt man diesen schlusz 
mit dem an&ng des liedes zusammen und beachtet, dasz bei Tibur 
TOD dem freandesgeleite nicht die rede war: so sollte man denken, 
Hör. appelliere im eingang deshalb an die treue und unzertarennlich- 
keit d^ fineundes, um ihn eben im ausgang mit nach Tarent kommen 
n heiaien; es schwebe ihm also im eingang schon die Schicksals- 
Botwendigkeit, die ihn nach Tarent treibt, Tor; der wünsch nach 
Tibur SU gehen stehe so zu sagen nur in parenthese oder im unter- 
geordneten TordeEeatze zum nach- und hanptsatze: *obwol ich am 
liebsten nach Tibur gienge und dort ein ruhiges alter verlebte, so will 
icb, da dies nicht sein soll, den lieblichsten ort mir suchen: dorthin, 
zach Tarent, sollst du midi begleiten.' dasz Hör. den wünsch nach 
Tibor zu gehem nur mit dem seu&er des Verzichtes ausspricht, deutet 
aocfa modus und tempus des bedingungssatzes an , in welchem von 
dem aehickaalsschlosse die rede ist es heiszt nicht: unde si-Parcae 
prokibeant^ auch nicht: aiprohibehuni; trotz des folgenden con- 
joadivs oder fiiturums petam steht hier der indicativus praesentis, 
der den fidl als ein«i wirklich vorhandenen setzt: si prohibenL also 
ahat oder glaabt der dichter, dasz die Parzen ihn wirklich schon fem- 
ballen, den BchicksalsBchlnsz schon erfüllen: 'wenn denn wirklich 
die Psnen unhold es mir verwehren, dann nach Tarent!' man 
MlUe, sagte ich, annehmen dasz der dichter von vom herein mit 
atngong an Tarent denke und seine neigung für Tibur f ur seuftend 
uaspiedie ; aber wamm verziehtet er denn so, als wenn es sich von 
lelbst verstAnde, auf Tibur? warum ist dieser verzieht so selbstver- 
ttladlieh, daez er von dem anerbieten des freundes, ihn überallhin 
xB b^leiten, für Tibur gar nicht einmal erst gebrauch macht? 
varam — anf der andern seite — entschlieszt er sich nur mit diesem 
bfirbann seüfrer, den freundlichsten aller erden winkel aufzusuchen? 
nd woin bei Tibur vom geleite des freundes nicht die rede ist, 
Nndem nnr von des dichtere* eignem lebensloose, so sagt doch dies 
ich we is e n jadenfalls so viel, dasz nicht etwa die begleitung des 
frieades an sich die spitze des gedichtes ist — sonst würde es bei 
Tibor heiaMn: ach, am liebsten wftre es mir, wir kannten beide zu- 
in Tibur leben — vielmehr dasz er für eine bestimmte 



140 ThPlüsB : za Horatias öden II 6. 

« 

Wendung des eignen lebens die begleiiung des freundes als zugäbe 
in ansprach nimt. ftlr die vom Schicksal wirklich ihm bestinmite 
lebenswendung aber, die ihn nach Tarent führen soll, für die nimt 
er das geleit des Septdmius mit einer so nachdrücklichen fordenmg 
in ansprach, dasz man sogar einen mangel an urbanitftt darin ge- 
sehen hat: iüe te mecum hciis et heatae postulant arces] dasz er 
selbst dahin soll, wird hier schon vorausgesetzt und ist nicht der 
betonte begriff, dagegen dasz Septimius dahin müsse, dasz es 
für diesen eine forderung des Schicksals sei, vrird stark hervor- 
gehoben : fÜrHoratius fordert das Schicksal blosz dasz er nicht nach 
Tibur gehe oder nicht in Tibur bleibe, der grund dafdr nach Tarent 
zu gehen ist blosz das wolgefallen und die eigne wähl; für Septimius 
ist es eine pflicht dahin zu gehen, wenn Horatius hingeht, was kann 
es denn aber für eine schicksalswendung im leben des dichters sein, 
die ihn selber mahnt den lieblichsten aller erdenorte zum aufent- 
halt zu wählen, und die den freund des dichters zwingt ihn dahin 
zu begleiten? 

Noch mehr Unklarheit, nach Tibur darf der dichter nicht; was 
er aber in Tibur wollte, wenn er dahin dürfte, sagt er klar und 
deutlich : er wollte da eine ruhestätte für seine alten tage und ein 
endziel für alle seine fahrten finden, nach Tarent darf er, nach 
Tarent will er, Tarent in seiner holden lieblichkeit preist er, Tarent 
ruft seinen freund mit ihm; was er aber in Tarent will, davon 
schweigt er: dasz er da ausruhen wolle von seinen lebensfahrten, 
dasz er da ein behagliches, stilles alter verleben wolle, dasz es sein 
wünsch sei mit seinem freunde zusammen dort das leben zu ge- 
nieszen und des lieblichen sich zu freuen, und dasz es die pflicht des 
freundes sei , ihn den ernsten dort zu erheitern und ihm das leben 
lebenswert zu machen — von allen diesen zwecken des dichters kein 
wort, von dieser pflicht des freundes keine silbe : nur das 6ine wird 
gesagt, Septimius solle den verstorbenen freund daselbst beweinen! 
warum denn gleich sterben? soll denn Horatius nur dazu nach 
Tarent, um in diesem freundlichsten aller erdenwinkel zu sterben 
und begraben zu werden? man sollte es glauben, wenn man den 
Zusammenhang der letzten strophe ansieht : 'dort die stStte und die 
gesegneten hüben, sie fordern dich mit mir : daselbst sollst du mich 
beweinen.' man beachte den Wechsel zwischen dem pronomen de- 
monstrativum iUe, das in anaphora steht zu dem vorausgegangenen 
iUe terrarum mihi praeter omnes, und dem determinativmn ihi, 
womit der anaphorische parallelismus aufhört und eine Unterordnung 
eintritt; ihi bekommt so den sinn einer begründung: dorthin, nach 
Tarent sollst du mit mir: denn daselbst sollst du mich beweinen.' 
wäre dieser gedankenzusammenhang' richtig empfunden, so würde 
in der that der dichter für die begleitung seines freundes als grund 
und zwar als einzigen grund anführen , dasz Septimius ihn dort als 
verstorbenen betrauera soll, wozu soll dann aber Septimius jetzt 
sehon dahin? ist es nicht zeit genug noch dann, wenn Hör. den tod 



ThPlüss: za Horaüas öden II 6. 141 

einst in Tarent wird herannahen fühlen? weisz denn Hör. daez er 
in Tarent, wohin er nun ziehen will, einst auch sterben wird? 
k^Snnte er seinen ruhepl&tz nicht spftter noch ändern? 

Ja, and weisz denn der dichter dasz Septimius ihn in Tarent 
wird beweinen kOnnen? wenn nun Septimius vor ihm stttrbe? 
Horatins, sagt man, war filter als Septimius. woher weisz man das? 
fflsa sehlieszt es eben aus unserm gedichte, eben daraus dasz der 
dichter so spricht, ak wüste er ganz sicher, er selber werde Tor 
Septimius sterben; sonst würde sich jedermann die beiden freunde 
als ongeffthr gleichalterig vorstellen, aber zugegeben sogar, Septi- 
mins sei eine reihe jähre jünger: sobald es sich für Hör. darum 
httddn aoll^ noch jähre lang in Tarent mit Septimius zusammen zu 
kben und dann erst zu sterben, ist die frage, wer den andern be- 
weinen werde, eine unentschiedene: der Tod kennt keine anciennetät, 
du weisz Hör. und wissen gerade seine Zeitgenossen, die kinder der 
b&figerkriege, die ja mitten im hellen Sonnenschein des lebens immer 
den kohlen schatten des todes schauernd spüren, nein, der dichter 
äprickt 80, als sollte er jetzt, demn&chst sterben, als spürte er schon 
die hand des todes, und so spricht er, indem er nach dem lieb- 
licbten orte der erde ziehen will, doch gewis unklar und seltsam ! 

Endlich noch eins, man hat sich gewundert, wie Hör. da, wo 
tr seine aehnsacht nach Tibur ausspricht, von einem sitze für sein 
greisenaltar rede; man kann nemlich mit dem besten willen das ge- 
dieht nicht so weit im leben des dichters hinabrücken , dasz er sich 
TflXBttAfiigar weise schon als alten mann bezeichnen könnte, nun 
eagt« ich adion oben: der dichter sagt nicht, wie man ihn sagen 
liot: Udi möchte gern für meine schon gegenwärtigen oder 
doch herannahenden alten tage einen ruhesitz haben , entweder in 
Tibfor oder aber in Tarent', sondern der dichter sagt: 'am liebsten 
wire mir, wenn das nahe Tibur der ruhesitz meines alters und das 
eodiiel aUer Dahrten wäre; wenn das aber wirklich mir nicht be- 
reden ist, dann will ich statt aller weitem fahrten nur noch 6ine 
ULternehmen, nach Tarent, und dorthin sollst du mich begleiten, 
um mich zu beweinen.* also entweder alt werden und in Tibur 
kltmid leben oder nach Tarent ziehen und — sterben, das sind die 
vtlaMhe des dichters; er ist also noch kein greis, aber es handelt 
lieh darom, ob er es noch werden oder jetzt in seinen mannesjahren 
Mhon sterben soll; nach Tibur würde er auch, falls ihm sein erster 
wmueh erfüllt würde , nicht sofort zu ziehen brauchen, um da jetzt 
*choa als alter mann su leben, das brauchte er erst später; da er 
^ nf diesen liebsten wünsch schon von vom herein verzichtet, so 
tritt der zweite teil der altemative — sterben und nach Tarent 
gthca — allerdings sofort ein: jetzt soll er sterben, in seinen 
blfiheadeii jähren, ist das nicht seltsam und unklar? 

Uaklwheiten und Widersprüche in hülle und fOUe; aber es 
kommt mir vor, als zeigten die Widersprüche unter einander eine 
9miM folgeriehtigkeit und als gäben die Unklarheiten zusammen 



142 . ThPlüfls: SU Horatins öden II 6. 

eine gewisse kkrheit. ich gehe sie noch einmal yon vom durch, 
wir waren im unklaren, was die Parzen mit der wähl eines land- 
anfenthalts zu thun haben ; wenn diese wähl abhftngt Ton leben und 
altwerden oder frohem tod, so sind vrir im klaren« es schien ein Wider- 
spruch , dasz Hör. am liebsten nach Tibur machte und doeh Tareat 
als den allerlieblichsten ort auf erden preist; es ist kein widerq^mch, 
wenn er für die zeit des alters das ruhige , stille und einfiMih schöne 
Tibur sich wünscht , für den fall eines firfihen todes das mit 
allen reizen verschwenderisch geschmückte Tarent aufsucht, um im 
letzten genusz und anblick alles schönen zu sterben und begraben zu 
werden, oder wenn er für ein gesundes alter das hochgelegene, küUe, 
frische Tibur, für eine zeit der kränklichkeit und des Sterbens das 
sonnig milde, weiche klima Tarents vorzieht, wir wunderten uns, dasz 
der dichter so entschieden auf Tibur von vom herein verzichtet und 
doeh nach Tarent nur mit einem seuf^er des Verzichtes sich wendet; 
es ist kein wunder, da er fühlt und glaubt, er müsse sterben und 
Tibur sei ihm vom Schicksal also nicht bescfaieden, und da er doch 
wiederum lieber im einfachen Tibur leben als am lieblichsten orte 
der erde sterben möchte. Hör. nimt für Tarent das geleite des 
Septimius mit rückhaltloser entschiedenheit in anspmch: gewis, 
denn es ist pflicht und notwendigkeit, einen sterbenden freund 
zu begleiten und einen gestorbenenzu bestatten und zu beweinen, 
bei Tibur sagt er wie er leben will , bei Tarent bloss wie er beweint 
sein will: natürlich , da er in Tarent nur so leidlich als möglich zu 
sterben und nicht so behaglich als möglich zu leben gedenkt, end- 
lich , wemi der dichter zu wissen scheint dasz er vor seinem freunde 
sterben werde , so ist das weder seltsam noch unklar noch wider- 
spruchsvoll, sobald wir annehmen, der dichter sei krank; es kann 
ein schweres körperliches leiden sein , es kann das weit verbreitete 
gemütsleiden seiner Zeitgenossen sein , die todesahnung und todes- 
bangigkeit : jedenfalls glaubt er selber die nfthe des todes zu spüren, 
und der wünsch lange zu leben und still und ruhig in Tibur zu 
altem dünkt ihm selber vergeblich. 

Aber wenn wir auch alle Unklarheiten, welche den haupt* 
gedenken verhüllen, auf diese art wegstreifen und wenn wir auch 
einen weniger ökonomischen hauptgedanken schliesslich unter den 
Verhüllungen finden, als wir anfangs gedacht, ist nicht der haupt- 
gedanke , dasz Hör. sich den lieblichsten erdenwinkel aussucht, um 
da zu sterben und da begraben zu sein, ist der nicht wunderlich? in 
der that, ebenso wunderlich wie jener wünsch eines offenbar ver- 
rückten dichters, unten im keller beim fasse zu sterben und begraben 
zu sein , oder wie jenes allen sanitarischen gesetzen widerstreitende 
verlangen eines andern poeten, man solle ihn, wenn er gestorben 
sei, nicht ins dunkle grab hinunter legen, sondern ins tiefe gras, 
und die begründung, welche dieser letztere für sein verlangen gibt, 
erinnert sogar mit ihrem mangel an logik ganz besonders an unser 
Horazisches lied : der etwas trftge gesell hat wfthrend seines lebens 



ThPlflse: zq Homtiae odeo II 6. 143 

gnu in gne und blnmen gelegen, wenn eine flöte von forn tönte 
ud bedi über Ihm die bellen Mblingswolken hinzogen, and weil er 
diot gern that — wolgemerkt, so lange er lebte — will er nnn anch, 
wem er tot iet, im grase liegen — als ob er da ancb die flöte hören 
und dm weiaien wölken sehen könnte! fthnlieh Horatins: er will 
Bscb Tnent, wo es milch nnd honig nnd wein in hülle nnd fülle 
gibt und wo die girten so grün und der blaae himmel so mild ist; 
hs mag ihm freilieh im leben alles wol gefallen nnd wol gemnndet 
haben, aber er will ja deswegen, weil Tarent so lieblich nnd ge* 
segnet ist, daselbst sterben nnd begraben liegen, als würden ihm 
die dinge noch im grabe munden und gefallen ! — Aber freilich, im 
pimcte des Sterbens und begrabens sind alle menschen wunderlich 
wie diese diehter, die menschen sind sogar in diesem puncto selbst 
alle diehter: wenn sie «ach sonst sich das leben niemiüs durch eine 
ilhston erheitert haben, die hSezliche not des Sterbens umhüllen sie 
doeb mit gna und blumen der iUusion. und die Römer, insbesondere 
nach den bttrgerkriegen , waren dem tode gegenüber erst recht 
wvnderlieh : sie waren das leben oft recht müde und doch vor dem 
tode 80 bange ! in aller lauten lebensfV*eade klang der dumpfe ton 
der todesbangigkeit, aber der tod selb^, wenn er den lebensgierigen 
MD obre zapfte, raunte ihm su : Mebe : denn ich komme.' die todes- 
fnrtbt vergessen in heiterer geselligkeit und idyllischer naturfreude, 
nr sieht in der einsamkeit und Öde sterben — das war dio lebens- 
oder sterbemweisheH der dichter dieser zeit, und begraben sein — 
mir ja nicht abseits , still abgelegen vom verkehre der menschen, 
nidit hinter manem den blicken der vorübergehenden lebendigen 
citxsgSB, niebt vom melancholischen schatten der trauerbttume um- 
bflOt <— nein, an den knd- und heerstraszen, vor aller äugen, in 
frOhli^er, lachender nmgebong. wie der lebende sich vor dem allein- 
sterben Bngstete, so bangte noch die seele des toten vor der einsam- 
heit imd der ftrblosen Öde der innem erde , und sie freute sich noch 
iB dem lebendigen menschenverkehr und der farbenreichen natur- 
»cbQnheit gesegneter gegenden oben im soimenlicht. 

Diese Stimmung, wundersam gemischt aus dem gefühl der 
lebcttsmüdigkeit und dem der todesbangigkeit, aus entsagung und 
letitem verlangen nach erdenlust, ist auch über Horatius gekommen. 
■ad daa wonderlichste ist, daez er diese Stimmung so wunderbar 
•ebOn anaspricht« Septimins hat den freund aus seiner lebensmüden, 
'mVnbawgen stimmong herausreiszen wollen, er hat sich erboten mit 
iba bis ans ende deor weit oder in kämpfe und gefahren hinaus- 
ruiehen; aber Hör. erwidert: 'ach, ich bin die fahrten müde; wenn 
ei mir noch vergönnt sein soUte itnger za leben, möchte ich mir 
■V ein süllee alter in Tibnr wünschen.' obwol der dichter nicht alt 
tft, lottdem noch in den kräftigsten jähren steht, verzichtet er doch 
nf die ideale einer thatenlustigen Jugend und auf die scheinideale 
10 Tieler junger Zeitgenossen, welche das gefÜhl iimerer unbefrie- 
digoag nnd ermfldang künstlich zu überwinden suchen durch die 



144 ADraeger: zu Livius [XXXIY 80, 2]. 

anregangen und anreizungen weiter fahrten in unbekannte Iftnder 
und eines abenteuerlichen kriegslebens ; nur 6in ideal hat der Tiel- 
leicht noch nicht vierzigjährige mann für seine znkunft: ein ruhiges 
alter, so spricht sich zugleich das gefühl der enteagung gegenüber 
Jugend und thaten und weit- und stadtleben aus und das gefUhl 
des Verlangens nach ruhe und stille, nach einsamkeit des lebens in 
dem menschenleeren Tibur. aber auch auf dieses ideal verzichtet er, 
weil er die n&he und notwendigkeit des todes spflrt; freilich er stirbt 
ungern, man hOrt es an dem schweigen vom sterben selbst, man 
glaubt es zu hOren an dem leisen zittern der stimme in der Schil- 
derung der Schönheit der erde und des lebens; aber er verzichtet auf 
längeres leben, und aus dieser entsagung wiederum entspringt das 
schmerzlichsüsze verlangen zum letzten male noch die Schönheit und 
freude dieser erde zu schmecken : Ueben will ich in der einsamkeit, 
aber sterben und begraben liegen will ich dort am Galaesus, an 
dessen grünen borden die silberwolligen schafe trinkend stehen, in 
den gefilden, in denen einst Phalanthus als könig gebot, wo honig 
flieszt süsz wie hymettischer und die olive schöner gedeiht als in den 
ölgärten des grünen Venafrum, wo Jupiter sommer und winter 
die mildesten lüfte des himmels und Bacchus die edelste frucht der 
weintragenden erde bescheert — dahin möcht' ich mit dir, o mein 
geliebter, ziehn.' 

Horatius hat in seinem leben, wie seine edleren Zeitgenossen, 
oft sich gesehnt nach einem glückseligen lande, wo immer milder 
frühling sei, wo es keine mühe und arbeit, keine sorge und kein 
leid, keinen Unfrieden und streit, keine sünde und keine strafe mehr 
gebe — er hat dies land im leben nicht mehr erreicht, aber im 
sterben ist ihm — man vemimt es aus seiner Schilderung — als 
blicke er wenigstens von fem her, wie vom berge Nebo, hinüber ins 
gelobte land. 

Pfobta. Theodor Plüss. 

(5.) 

ZU LIVIUS. 



Noch bei Weissenbom steht XXXIV 30, 2: cum ab terra 
omnihus circa hostibus nihü ^pH esset, das müste heiszen: 'da 
rings umher lauter feinde waren.' höchst bedenklich, wenigstens 
ohne parallele, es musz wol hostilihus (neutr.) geleseit werden, 
und dafür haben wir eine parallele bei Taoitus hUt, HL 42 cuius 
sacramentum owndtis circa hostüibus nondtitn exuerat. 

AuBioH. Anton August DaAsaER. 



BESTE ABTEILUNG 

FÜR CLASSISCHE PHILOLOGIE 

HERACSQEGEBEK VON ALFBED FlECKEISEN. 



(1.) 

Dil CB0RI8CHE TECHNIK DBS SOPHOKLES VON OHRISTIAN MUFF. 

Halle, Verlag von Richard MOhlmann. 1877. Vil und 318 s. gr. 8. 

(schlnsK von 8. 1~S2. 81—96.) 

5. Trachini er innen. 

unsere bemerkungen über die Trachinierinnen behalten wir 
einer spftter zn veröffentlichenden besondem abhandlung vor und 
bemerken hier nnr, dasz die im laufe unserer besprechung mit- 
geteilten beobachtungen und gesetze uns auch durch dieses stück 
flberül bestfttigt worden, zumal der teztkriüsche ertrag wird hier 
ein reichhaltiger sein. 

6. Philoktetes. 

Bei der betrachtung des Philoktetes verlassen wir den bisher 
cingescUagenen weg, dem gange des stttckes nachzugehen, es mag 
kier iweokmftsziger erscheinen, diejenigen stellen zusammenzurttcken, 
uu denen der vf. die consequenz zog, dasz Sophokles in diesem stücke 
n dem früheren chore von zwölf personen zurüokgriff. wir müssen 
letztere ansieht auf das entschiedenste verwerfen, sie beruht auf 
einer yerkennnng des in dem Sophokleischen chore von fünfzehn per- 
MBeik berschenden princips« ref. möchte hier nicht wiederholen, was 
er fiber diesen punct in seiner abhandlung über den chor des Sopho- 
kles aoseinandersetzte (vgl. auch oben s. 3 f.). wohin wir blicken, er- 
gibt sich vielmehr das resultat, dasz das wirkungsvolle repräsentativ- 
»jtton des Sophokleischen chors der kargheit der sinkenden cho- 
Rgie weit nachdrücklicher begegnen konnte als der chor von zwölf 
penoaen. htttte es zumal bei dem organischen werden und der 
(pUcm Stabilität soloher dinge schon an sich etwas höchst auf- 
^^Qoidae , dasz Sophokles in den letzten jähren seines lebens noch 
toimal zn dem Aischylischen chore zurückgekehrt sein und somit 
**iBe eigenste schöpfimg verleugnet haben sollte, so sind auch die 
vgooMBte, mit denen der vf. eine so paradoxe ansiebt stützen zu 
touNB meint, unzureichend, ja verkehrt. 

nr cIms. philol. 1878 lifL S. 10 



146 OHense: anz. y. ChMuffs chorisclier technik des Sophokles. 

Das hauptgeWicfafc legt der vf. auf den kern mos 1081—1217. 
die beiden sixophenpaare des strophisch gegliederten teiles hat der 
yf. allerdings richtig den beiden halbchorführem überwiesen, sich 
also durch die zufällige funfzehnzahl der gesamtsumme (wenn man 
1218 — 1221 hinzurechnete) der chorischen abschnitte nicht teuschen 
lassen; aber um so yerhängnisy oller ist die Scylla, in welche er in 
dem zweiten teile des kommos hineinsteuert, hier zählt man 11 
chorkommata. aber 1179 f., meint der yf., ist yon dem yorher- 
gehenden zu trennen, obwol sich kein wort des Philoktetes da- 
zwischen schiebt, rein für sich genommen musz gegen eine derartige 
annähme schon dies bedenklich machen, dasz innerhalb dieses kom- 
mos 1178 — 1180 die einzigen chorischen abschnitte wären, welche 
ohne scenische Unterbrechung sich aneinander reihten, schwerlich 
dürfte man also aus solcher annähme eine folgerung ziehen, dringt 
man genauer in Stimmung und Situation dieser stelle ein , so wird 
man auch hier die feine psychologische kunst des dichters, die be- 
kannte meistcrschaft bewundem, aus der not eine tugend zu machen, 
gleich der umstand, dasz in dem strophisch gegliederten kommos 
die beiden peurastaten zweimal das wort ergreifen, ist keineswegs 
ohne tiefere bedeutung. wie es yon empfundener naturwahrheit ist, 
dasz der ganz in seinen schmerz yersunkene Philoktetes die treue 
felsengrotte anredet , die er nun nie mehr yerlassen soll , seinen bo- 
gen, der ihm für immer entrissen , die yögel und thiergeschlechter, 
die sich nicht mehr yor ihm zu fürchten haben, dagegen für die 
schiffsmannen des Neoptolemos kein wort der gegenrede findet: so 
ist in diesem letztem umstände, d. h. in dem ignoriertwerden der 
schiffsmannen, das zweimalige heryortreten der halbchorführer 
yortrefflich motiviert, psychologisch meisterhaft aber ist es , dasz 
dem beiden erst bei der letzten herzlich eindringenden mahnung des 
chors (1163 irpöc Oeuiv usw.) ein wort der erwiderung abgerungen 
wird: erst jetzt dringen die worte des chors an das ohr des yon 
schmerz überwältigten, er yemimt dasz man yon neuem den yersuch 
mache ihn zu der fahrt nach Troja zu bewegen, da erst fährt er aus 
seinen schmerzensreichen apostrophierungen empor, in welche er so 
ganz yersenkt war, dasz er sich jetzt nicht, wie wir erwarten müsten, 
an den letzten Sprecher wendet, sondern an den führer der schifißs- 
mannen , an den koryphaios. mit diesem kunstgriff yersteht es der 
dichter, das völlige aufgehen des beiden in seinem schmerze anschau- 
lieh zum ausdruck zu bringen, dasz aber der koryphaios wirklich der 
angeredete ist und nicht der zuletzt sprechende zweite paraatat, das 
geht Einmal aus der (yielleicht verderbten) anrede (b Xtpcrc TU)v 
Trplv dvTÖnwv (tcüv Euvcfinöpwv?) hervor, in welcher uns wieder die 
Sophokleische weise der individualisierung des koryphaios begegnet« 
und yielleicht auch aus der etwas verwunderten antwort Ti tout* 
fXeSac; wäre der Sprecher dieser worte derselbe choreut, der 1163 
— 1168 vorgetragen, d. h. der zweite parastat, so würde er die auf- 
fordemng mit nach Troja zu gehen als naXatdv äXTnM^x sogleich 



OHense: anz. v. ChMuffs choriBcher technik des Sophokles. 147 

rerstanden imd dem Ti ^' diXecac; ti fi' eipTacai; schwerlich ein ti 
ToCT^fXcSac; entgegengesetzt haben, wie nun der yf. im verlauf 
dieser partie zwölf choreuten ansetzen konnte, ist uns hier nur unter 
dem einflösse der zahl begreiflich, der ihn auch das verkennen 
liesz, wie indecent es gewesen sein würde, wenn Sophokles auf den 
gnmerftlllten dulder in dem äuszersten schmerzensmomente elf oder 
zwölf choreuten nach einander hätte lossprechen lassen, zudem 
greifen die einzelnen kommata logisch in einer weise ineinander 
(TiTOÖT*?X€£ac; T el cü läv iixox cruTepdv Tpipdöa Täv ^* fjX- 
mcac d£€iv. IT tööc fäp voiXf KpdncTov (vgl. WChrist Jenaer LZ. 
1877 nr. 7 s. 111*), dasz eine Verteilung unter zwölf einzelchoreutep 
nirgend beifall finden dürfte, als sich Philoktetes (nach dem TÖ5€ 
Top voui KpdncTOV des korjphaios) mit dirö vüv fie XeiTreT* i]br\ an 
die schiiFsmannen wendet, da meint der korjphaios dasz ihm diese 
Aoffordernng erwünscht l^omme, und gibt mit lujfiev tujfiev | vadc 
!v' jyiiv T^TQKTai den befehl zum aufbrach, schon diese 6ine stelle 
moste M. bedenklich machen: ein q)iXa fioi, q)tXa raOra irapiiTTCi- 
Xac äc6vTt T€ itpdccetv ist nur passend im munde des korjphaios, 
and wer anders soll das commando austeilen ? in diesem momente 
schlieszen sich die halbchöre und vollzieht sich die tetragonal- 
stelloiig. vortrefQich hat es der dichter verstanden , den Übergang 
in die gegen den schlosz hin notwendige tetragonalstellung, in wel- 
cher der choriscbe körper später die orchestra in Wirklichkeit zu 
reriassen hatte , innerlich durch die handlung selbst zu motivieren« 
der cfaor setzt sich in bewegung, da erfolgt die ebenso jähe um- 
gtimmnng in der seele des Philoktetes 1181: firj, Trpdc dpaiou 
Aiöc, £XOi]C, \k€T€UUI. aber der chor setzt seine bewegung fort, 
ond der koryphaios ruft dem leidenschaftlichen wort des Philoktetes 
ein ^CTptoZe entgegen, milder bittet Philoktetes die gesamtheit: 
i &VOI, licivoTC, Tipöc 66il»v. der korjphaios: t{ Opoeic; klagen 
des Philoktetes und inständigere bitte zurückzukehren : di £^voi, 
fMef iTtr\\\jbec aOOtc in dem ti ^^ovtcc dXXoKÖTUi | fVib^iq, 
Twv irdpoc dfv iTpou(paiv€c ; liegt der wendepunct : der chor bleibt 
noch ond nimt dann seine stoichosstellung der bühne gegenüber 
«n, als er Keoptolemos und Odjsseus herannahen sieht, zur moti- 
liemng seines bleibens sagt der korjphaios 1218 ff. : ifix) }xky fibr\ 
m vdXcn V€UiC öpoö (?) | ctcixujv dv f| cot usw. was siso die dia- 
'•hesifl betrifft, so gehören sämtliche elf chorische konunata (1173 — 
1211) dem korjphaios: es kommt in diesem kommos so recht die 
iuure besOglichkeit zwischen protagonist (Philoktetes) und korj- 
{thiios zmn ausdrucke in dem ersten strophischen teile (1081 — 
1169), wo der chor von Philoktetes ignoriert wird, müssen die 
^den parastaten die chorischen partien übernehmen , auch insofern 
KUcklich, als der dichter auch sonst die parastaten nicht zum pro- 
^nisten, sondern zum deuteragonisten und tritagonisten in cor- 
f^ftponiion treten zu lassen pflegt. 

Audi der kommos 827 — 864 beweist für die ansieht des 

10 • 



148 OHense: anz. v. ChMuffs chorischer technik des Sophokles. 

vf. nicht das mindeste, die auseinandersetzung M.s kommt s. 252 
zu dem resultate: (der koryphaios) * singt die epodos; die beiden 
andern aber, welche entsprechende strophen vortragen, müssen auch 
entsprechende platze haben : sie stehen links und rechts yom koiy- 
phaios und sind die fltlgelmSnner des ersten luTÖv. nur öiner da- 
von ist der eigentliche parastates, der andere ein hervorragender 
choreut.' aber weitaus natürlicher ist doch die annähme , dasz das 
Strophenpaar den beiden halbchorftihrem, die epode dem koryphaios 
zuzuweisen ist. das Verhältnis der den chorischen führem zugeteil- 
ten ^€T^Bil ist das isomere: jeder hegemon erh&it eine strophe, dh. 
ihre Stellung ist dem äuge sichtbar, der chor befindet sich (noch von 
dem stasimon 676 ff. her) in der hemichorienstellung. 

Wem diese ansieht noch nicht völlig einleuchten sollte, dem 
wird die nächste gruppe chorischer äuszerungen den letzten zweifei 
benehmen, zwischen dem ersten und zweiten kommos befinden sich 
drei chorische kommata, die epeisodischen trimeter 963 f., 1045 L 
1072 f. sie gehören wiederum der reihe nach dem ersten hegemon, 
dem zweiten hegemon , dem koryphaios. das isomere verhältois hat 
den bereits erwähnten grund. unser beweis für diese diathesis ist 
folgender : die worte des ersten hegemon (der jetzt an der reihe ist 
da zuletzt der koryphaios gesprochen^ richten sich an Neoptolemos, 
dh. an den deuteragonisten, v. 963 f. Ti bpüjpcv; iv coi Kai tö TiXeiv 
fipäc, ävoH, I fjbTi icA KoX toic ToObe irpocxujpciv Xötoic. die bei- 
den verse des zweiten hegemon an Odysseus (den tiitagonisten), 
V. 1045 f. ßapüc T€ KQi ßapciav 6 E^voc qxinv | Tr|vb* €?tr', 'Obuc- 
ceG, KOux uireiKOUcav KaKOtc. die beiden stichoi des koryphaios an 
Philoktetes (den protagonisten) , v. 1072 f. Sb* icTW fj^uiv vau- 
Kpdxwp 6 iraTc* öc' fiv | oötoc X^ipj coi, Taurd coi x^M^^c <pap^v. 
diese diathesis hat ref. im rhein. museum XXXII s. 497 erwiesen. 
zu bemerken ist, dasz dieses sichere beispiel auch insofern unsere 
aufmerksamkeit verdient, als der dichter die drei chorischen äusze- 
rungen keineswegs räumlich nahe aneinander gerückt hat 

Ist schon durch die letzte diathesis der chor von fünfzehn per- 
sonen bewiesen, so fügen wir nur der Vollständigkeit wegen hinzu, 
dasz sich auch aus der parodos 135 ff. keinerlei indicien für ein der- 
artiges paradoxen gewinnen lassen, auch hier hat sich M. zum teü 
vergriffen, richtig gibt er mit Hermann das dritte stropbenpaar den 
halbchorführera (vgl. auch Schneidewin-Nauck zu 201 f. [7e aufl.] : 
*die dritte strophe und antistrophe scheinen die führer der halbchOre 
vorzutragen'), richtig wird das zweite stropbenpaar, dh. der ununter- 
brochene lyrische klageergusz den beiden halbchören zugewiesen, 
für verfehlt aber halten wir es , wenn M. auch das erste stropben- 
paar den halbchorführem zuweist , wobei ihn seine ansieht von der 
zwölfzahl natürlich an den koryphaios und den parastaten denken 
läszt. s. 236 lesen wir: ^v. 161, ein anapästischer dimeter, gehört 
zu den nicht antistrophisch gebauten partien der parodos. er i>t 
also dem koryphaios zu Überweisen, derselbe hat damit etwa^ 



OHense: anz. y. ChMuffa choriscber technik des Sophokles. 149 

Tor seinem parastaten voraus; das darf aber bei seiner Stellung 
nicht wunder nehmen, und die harmonie \vird insofern nicht ver- 
letzt, als jener vers eben auszerhalb aller responsion steht.' aber 
vollte der dichter die Stellung des kor3rphaios in den jli€T69ii ver- 
sumlichen, wtirde er, so fragen wir, dieses prävalieren durch einen 
einzigen anapSstischen dimeter angedeutet haben? auch Wecklein 
gibt den vers dem koiyphaios, ebenso ref., nur dasz ich auch das 
Tonusgehende strophenpaar allein dem koryphaios überweise, es 
wird sogleich klar werden, ^e der dichter auch hier wie überall 
danwf bedaeht ist, das gegenseitige verhftltnis der führer auch durch 
eine proportionale Verteilung der ^€T^0t1 znm aasdruck zu bringen, 
du verhftltnis wird sich hier als das isomere herausstellen, wir 
erinneni nur noch, dasz die bemerkungen, die der vf. s. 235 ftLr das 
ansetzen von halbchorfGlhrem in dem ersten strophenpaare geltend 
macht, nicht stichhaltig sind, die strophe sagt: ^kttnde mir, worin 
ich dir dienen kann.' Neoptolemos erwidert: Ma du jetzt (vtjv ^^v) 
rieUeicht den ort schauen willst, wo Philoktetes weilt, so blicke 
getrost hin; wenn der mann aber selbst erschienen ist, so komm an 
meine seite und sei mir hilfreich.' 'diese sorge (dir hilfreich zu 
idn)' entgegnet die gegenstrophe 'liegt mir längst am herzen, jetzt 
aber (vCv bi) zeige mir den ort, wo der mann wohnt, denn (du 
hiot ganz recht) es ist an der zeit, dasz ich den ort schaue, damit er 
midi nicht von irgend woher überrasche.' der chorische Sprecher 
knfipft also in chiastischer Ordnung zunächst an das letzte wort des 
Xeoptolemos an (irpatMa moi X^t^ic Ik itoXXoO ^ot pefiieXiiKÖc, tö 
<ppoup€iV cAv 6\xiia usw. schoL), um dann zum ersten überzugehen, 
zu dem wünsche die höhle zu besichtigen, auch formal entspricht 
du vuv in der strophe des Neoptolemos dem vCv der gegenstrophe. 
wu hier auf einen zweiten Sprecher hindrängen soll, wiÜ uns nicht 
uchthar werden, um aber unsere diathesis zur gewisheit zu er- 
beben, haben wir die scenische anordnung der parodos zu 
nthe zu ziehen, ref. hat schon an anderer stelle darauf hinge- 
wiesen, wie sich gerade hier eine gute gelegenheit bot, sich einen 
der gründe klar zu machen , durch welche Sophokles zu seiner neu- 
bildnng des chorischen kOrpers geführt wurde, er befreite den 
kotyphaios aus seiner chorischen gebundenheit. vgl. *chor d. Soph.' 
«. 12 1 : 'die erfindung des Sophokles stellte den koryphaios den 
beiden halbchOren gegenüber auf eigene ftlsze, er hört auf wie 
&flber in der chorischen masse zu verschwinden, indem der kory- 
pbtios seine befugnisse in die bände der beiden Unterbefehlshaber 
niederlegen kann, gewinnt er freie band der bühne wie der orchestra 
gigcnüber, er wird die rechte mittelsperson zwischen hypokriten 
3ad choreuten« frei konnte sich sein augenmerk auf die Vorgänge 
der bühne richten, ohne die besorgnis, dasz durch sein heraustreten 
der Tollzfthligkeit und gliederung oder auch der disciplin des chori- 
Hbea kürpers eintrag geschähe, ja selbst wenn er (wie in der paro- 
dot dea Philoktetes) allein die bühne betrat, so liesz er zwei harmo- 



150 OHenae: anz. v. ChMuffs chorischer technik des Sophokles. 

nisch gegliederte hemichorien unter sicherer fühmng zurück.' nicht 
der gesamtchor hesteigt die bühne, wie M. annimt^^ sondern ledig- 
lich der koryphaios: unter dem Vortrag der yon ihm reci- 
tierten strophe a' rückt der chor Kard CTOtxouc in die orchesira 
ein, wie auch M. s. 237 ganz richtig annimt. während des ersten 
Systems des Neoptolemos (144 — 149) besteigt der koryphaios die 
bühne. nun treten auf der orchestra die halbchorführer in ihre 
rechte ein : während der koryphaios die antistrophe a' und Neopto- 
lemos das zweite System vorträgt (bft 168), hat der chor vollkom- 
men zeit aus der tetragonalstellung in die halbchorformation über- 
zugehen, es folgt der lyrische teil der parodos, das zweite Strophen- 
paar, von dem ersten und zweiten halbchor in der orchestra 
vorgetragen, der klageergusz hat das leiden des Philoktetes zmn 
gegenstände, daran anknüpfend erkennt Neoptolemos in einem 
neuen anapästischen System (191 — 198) in dem leiden des Philo- 
ktetes das walten der göttlichen Vorsehung, da gebietet der erste 
halbchorführer ruhe: eöcTO^' (x^j iraT — er vemimt die klagelaute 
des Philoktetes usw. darauf der zweite führer in der antistrophe, 
der ebenfalls das geräusch vernimt usw. dann tritt Philoktetes 
selbst auf. daran dasz die fÜhrer der halbchöre den Philoktetes 
früher kommen hören und kommen sehen, hat M. mit recht keinen 
anstosz genommen, er motiviert s. 239 ganz richtig: (es) ^umfaszt 
der chor, der mit dem antlitz der btlhne zugekehrt ist, einen viel 
grOszem scenischen gesichtskreis , daher er in unzähligen fällen 
früher personen auf die bühne kommen sieht als die personen auf 
der bühne selber.' wol aber hätte M. von seinem standpunct aus 
daran anstosz nehmen sollen, dasz es nicht der koryphaios ist, der 
den Philoktetes ankündigt, unsere antwort auf einen derartigen 
einwurf ist natürlich: weil der koryphaios sich auf der 
bühne befindet, genau entsprechend der Weisung des Neopto- 
lemos V. 146 ÖTTÖtav bk MÖXij I bcivöc öbinic, xujvb' ^k jiieXäOpujv | 
Tipöc tiii\v aUi x^ipa TipoxujpOöv | neipuj tö Tiapöv 
depancueiv. der koryphaios weilt während des grösten teils 
dieses epeisodion auf der bühne. bei Sophokles geschieht nirgends 
eine Veränderung in chorischer Stellung und bewegung, die nicht 
unmittelbar durch die handlung und den gang der ereignisse be- 
dingt wäre, so läszt sich, wie zu erwarten, auch hier genau die 



'^ M. führt den gesamtchor auf die bahne, aber nur am ihn so- 
gleich wieder hinunter zu schicken, schon diese consequenz s. 238, die 
eher an die Vorgänge einer komödie erinnern dürfte, moste den vf. 
warnen: 'dort verweilt er nur kurze zeit, nur vom ende der anti- 
strophe bis zum beginn des zweiten längern Systems des Neoptole- 
mos, 162 ff. während dies recitiert wird, steigt er in eile (!) herab ood 
stellt sich auf der orchestra in halhchören auf. denn halbchöre 
singen und tanzen auf der orchestra die logaödischen Strophen ß' ß'.' 
den versuch einer Innern, dh. aus der Situation geschöpften begrün- 
dung dieser fluchtähnlichen rückkehr hat der vf. nicht einmal unter- 
nommen. 



OHense: anz« y. ChMuffs cfaoriscber techxük des Sophokles. 151 

stelle angeben, wo der fUhrer der scbiffsmannen auf die Weisung des 
Keoptolemos sieb von dem letztern wieder entfernt und seine stelle 
in der orebestra wieder einnimt. nocb auf der bübne befindet sieb 
der korjpbaios t. 519 f., wo Neoptolemos auf die zum mitleid stim- 
mende choriscbe stropbe sagt: öpa cu ^i\ vCv \iiy Tic 6uxcpf)C 
irapqc, | ÖTav bk usw. das eux€pf)C napQc entspricht begrifflich 
genau dem irpöc €jLif)v aiei x^^P^^ npoxujpuiv netpuj tö napöv Oepa- 
fieueiv. das ^bereitwillig zugegen sein' muste misverstanden wer- 
den, da die sceniscbe beleucbtung der stelle erloschen war. statt 
iräpcifii, meint Nauck, wäre hier das simplez natürlicher, vielleicht 
«ei XU lesen : öpa cu toi ^f| vOv ^^v cuxepiic Tic $c. diese ver- 
fflotong widerl^ sich also durch dieanwesenheit des korjpbaios 
auf der bübne. die yorwurfsvolle besorgnis des Neoptolemos , dasz 
der f&hrer der scbiffsmannen zwar augenblicklich ihm zur seite sei, 
iber vielleicht später seinen Worten nicht die that entsprechen las- 
ben werde, weist letzterer zurück, da erklärt sich Neoptolemos zur 
rettong des Philoktetes bereit, er gibt den befehl 526 dXX* ei bOKcT, 
irActtfMCV, öpjidcGu) laxuc* | x^ vaCc t^P äHi kouk dTrapvnOiiceTai 
usw. 'auf! Philoktetes mache sich fertig, das schiff wird ihn auf- 
nehmen.' hier liegt der wendepunct: der führer der scbiffsleuie hat 
jetzt in die orebestra zurückzukehren und in seine führerstellung 
wieder einzutreten, während der nächsten freudenworte des Phi- 
loktetes (530 — 538) ordnet der führer die beiden hemichorien in 
stoicbosstellung und will aufbrechen — da erblickt er die beiden 
nun auftretenden, den fremden schiffsherm und den Wegweiser von 
Neoptolemos schiffsgenossen, er meldet ihr nahen 539 — 541 : im- 
cxcTOV, ^dOui)i€V (man lese cTa6ui)Li6v) ' äyhpe T^p buo, | 6 ^^v 
veiiic die vaußäTT)c , ö b' dXX66pouc usw. 

Hier wäre noch mehr als 6ine feinheit der Sophokleischen 
knnstweise zu verzeichnen, als eine solche ist es anzusehen , wenn 
der dichter jetzt den in die orebestra zurückkehrenden korjpbaios 
durch einen andern schiffsgenossen auf der bübne ersetzt, durch den 
natfiriich in derselben tracht wie der chor auftretenden Wegweiser 
dei emporoe. er behandelt diesen wegweisenden genossen begreif- 
licher weise als Statisten oder stumme person, 'ne qnarta loqui per- 
iona kboret'. so ist denn der chor auch nach der rückkehr des 
koTTpbaios in die orebestra durch einen genossen eine zeit lang auf 
der bübne vertreten: der Wegweiser verläszt dann 627 mit dem 
emporos zugleich die bübne. mit dieser figur hat der dichter zu- 
gWch alle Schroffheit des Übergangs yermieden. da sich der zu- 
tcbaoer bis t. 530 daran gewohnt hatte einen Vertreter des chors 
iof der bflhne zu sehen, so fühlt der dichter das bedürfiois dieses 
TerhUtnia nicht jäh abzubrechen und läszt es nocb eine weile in der 
vbunmen rolle des Wegweisers fortbestehen, aber schon diese rein 
episodische rolle dieses Wegweisers, der als Wächter auf seinen 
P<itten zurückzukehren hatte, muste dem Zuschauer sagen, dasz sei- 
Ki bleibens auf der bübne nur von kurzer dauer sein werde, und 



152 OHense : anz. y. ChMuffs chorischer technik des Sophokles. 

er gewöhnt sich von hier ab den chor lediglich da zu suchen , wo 
für gewöhnlich seine stelle ist — in der orohestra. wollte noch 
jemand an. der richtigkeit dieser auffassung zweifeln, so mag noch 
folgendes bisher ebenfalls unbeachtete moment erwogen werden. 
Sophokles hat nicht unterlassen den immerhin singulttren fall , dasz 
ein einzelner choreut und zwar der koryphaios die bühne betritt, 
auch genügend vorzubereiten, der Schiffsgenosse, der im pro- 
logos in begleitung des Neoptolemos und des Odjsseus auftritt und 
welchen Odysseus den Neoptolemos als wache ausstellen heiszt, da- 
mit er von Philoktetes nicht plötzlich überrascht werde (v. 45 ff.)t 
dieser schiffsmann des Philoktetes soll nicht nur dazu dienen, die 
Spannung des Zuschauers auf das endliche auftreten des bogen- 
bewehrten mannes zu steigern , sondern auch dazu , das nach seiner 
rücksendung erfolgende auftreten eines choreuten (des koryphaios) 
auf der bühne vorzubereiten, ängstlich hatte Odysseus den schiffs- 
mann ausstellen lassen (v. 46 ^f) xal Xd6i] p€ Trpocireciuv) , bei sei- 
nem abtreten (134) sendet er ihn zum schiffe zurück (kqI TÖv cko- 
növ npdc vaOv dirocTeXd» irdXiv 125) — in diesem augenblicke 
nftherb sich der koryphaios dem nun allein auf der bühne zurück- 
gebliebenen Neoptolemos : xi xpn» Ti xpf\ |li6, b^cnoT*, dv E^viy Edvov 
CTeT€iv i^ t( X^t^w usw. durchaus natürlich dasz Neoptolemos ihn 
auffordert, sobald der furchtbare mann sich nahe, ihm zur band zu 
sein (Trpöc d^f)v aiel X^^P^t irpoxuipOüV | TT€ipOü t6 napöv 0€pa* 
TT€U€iv). die anwesenheit des schiffsgenossen auf der bühne wfthrend 
des prologos dient also dem dichter dazu, auf die anwesenheit eines 
andern schiffsgenossen auf der bühne, und zwar die des koryphaios, 
vorzubereiten, gerade wie dieses singulare Verhältnis auch nicht 
plötzlich und unvermittelt abgebrochen, sondern auf die schon an- 
gedeutete weise wieder in den üblichen zustand übergeleitet wird, 
es läszt sich schwer ein zweckentsprechenderes mittel ersinnen, die 
interessen des Neoptolemos und seiner schiffsgenossen, dh. der 
bühne und der orchestra organisch zu verknüpfen , als die art wie 
der dichter in dem ersten teile des dramas bald einen von den bei 
dem schiffe zurückgebliebenen genossen und dann wieder den führer 
der auf den wink des Neoptolemos gewärtigen schiffsmannen auf 
der bühne beschäftigt, mit erwogener kunst weist der dichter die- 
ses unruhige hin und her, das so ausnahmsweis enge zusammen- 
gehen von chor- und bühnenpersonen der ersten hälfte des dramas 
zu : es dient der Steigerung der handlung und musz das Interesse an 
dem Protagonisten, an Philoktetes, in kräftiger weise unterstützen, 
durch das auftreten dieses schiffsgenossen aber und die erwSh- 
nung anderer gefährten, die bei dem schiffe selbst die wache 
halten — 543 8c fjv v€ujc cfic cüv buoiv äXXoiv <püXoE — 
hat der dichter den chor gleichsam übersieh selbst hinaus erweitert, 
dieser geniale gi*iff nimt dem chor den letzten rest des äuszerlich 
gegebenen oder conventionellen^ der ihm etwa noch anhaften konnte, 
wird der dichter, so könnte irgend ein bOKTicicoqpoc dvf|p des atbe- 



OHense: anz. v. ChMufiB chorischer technik des Sophokles. 153 

aiicbea theaters einmal fragen , nicht lediglich durch die conventio- 
nelle fonfzehnzahl der choreuten , dh. durch einen im stttcke selbst 
nicht motivierten gmnd bestimmt, dem Neoptolemos gerade diese 
iDzafal Yon schiffsgenossen beizugeben? Sophokles belehrt uns dasz 
diexahl der schiffsleute des Neoptolemos vielmehr achtzehn betrug, 
dm aber drei als wache bei dem schiffe selbst zurückblieben, 
durch solche mittel weisz der dichter den mechanismus des immer 
in gleicher zahl wiederkehrenden chorischen körpers zu durchgeisti- 
gen und zn beleben , den überkommenen apparat uns als lebens- 
ToUe realitlt vor äugen zn stellen, einfältig wäre der einwand, dasz 
der ils kanfmonn verkleidete späher des Od jsseus ja nur fingiertes 
mitteile und also auch von einer Schiffswache im ernste nicht die 
rede sein könne, dagegen wäre, abgesehen davon dasz eine der- 
utige schiffiswache schon an sich eine notwendigkeit und an dem 
felsigen nfer von Lemnos eine doppelt gebotene maszregel war, zu 
erinnern dasz der dem emporos als Wegweiser dienende matrose 
durcli sein gleichzeitiges auftreten die reale bestätigung jener aus* 
sage abgab, nnd vor allem dasz sich ja Odysseus schon im eingange 
des stflekes eines schiffsmannes des Neoptolemos bedient und 
ihn dann bei seinem abtreten nach dem schiffs zurückgesandt hatte 
r. 126). auch hier verleiht übrigens der dichter dem chor die 
^dnne individuellen ansdrucks : wie schon im Aias das gleiche mo- 
mctt, aber entsprechend den Verhältnissen des frühem chors, in 
vollerer ansführung hervortrat, so entlehnen die seeleute auch hier 
gblegentliob ihre bilder aus der ihnen eigentümlichen Sphäre : vgl. 
Sclmeidewin-Nauck zu v. 828. 855. 

Noch bleibt ein wichtiger, ja auffallender punct zu erörtern, 
der mangel von hauptchorgesängen, von stasima. 
richtig bemerkt OFrejtag (technik des drama s. 154) : *der erste 
eher ist ein wechselgesang des zweiten schauspielere mit dem chor, 
der dritte ebenso ein wechselgesang des ersten schauspielere mit 
dem chor. nur in der mitte steht ein voller chorgesang.' 
Freytig meint damit die parodos, den dritten kommos (der an stelle 
eines stasimon zwei acte trennt) und das stasimon, das einzige 
welches das stück bietet v. 676 ff., dagegen das epeisodische chor> 
licd (S91— 402 -» 507—518) und das ßauKciXT^ä 827 ff. (erster 
konunos) llszt er dabei als unwesentlicher bei seite. rechnen wir 
die von uns sogenannten abgebrochenen stasima wie billig hinzu, 
ntmal sie mit ausnähme von Trach. 205 f. wenigstens den umfang 
tiaes stropbenpaares haben, so weisen Aias und Elektra drei sta- 
lina auf, Oid. Tyr. und Oid. Kol. vier, Antigone und Trachinierin- 
aea fünfl im PMloktetes findet sich nur ein einziges stasi- 
mon.** der gmnd dieses mangels wird in den choregiscben verhält- 



'* in der einleitiiDg von Schneidewin-Naack sam Pbiloktetes (7e aufl. 
1*7$) findet sieh freilich das epeisodische chorlied (391—402 — 607—618) 
Mch immer als erstes etasimon beseichnet, und so auch anderwftrts. 



154 OHense: anz. y. ChMuffs chorisclier tecbnik des Sophokles. 

nissen yon ol. 92, 3 gelegen haben, da der öfters wiederholte hemi- 
chorienyortrag der stasima durch die knappheit der choregischen 
leistung ausgeschlossen war^', so bestand nun eine der hauptauf- 
gaben des dichters darin , den so entstehenden mangel , den ftuszern 
zwang, der somit auf die chorische diathesis und die dramatische 
composition geübt wurde, innerlich als notwendig darzustellen, 
zu motiyieren. diese motiyierung ist dem dichter trefflich ge- 
lungen : durch die berührung des genius wird die beengende fessel 
zur schwinge, und unser äuge glaubt reichtum zu schauen^ wo in 
Wirklichkeit nur der mangel gebotJ^ Sophokles gab jene motiyie- 
rung erstens in der steUung, die er dem chor anwies, wir erinnern 
an eine treffende bemerknng Schreiters ^über den tragischen ebor 
bei Sophokles' (Rendsburg 1840) s. 30: Mer chor unterscheidet 
sich hier yon seiner Stellung in den früheren stücken dadurch , dasz 
er aus niederem schiffsyolk besteht, also eine mehr untergeordnete 
rolle übemimt; er tritt daher auch nicht wiederholt mit längeren 
gesängen auf, wodurch sonst die abschnitte der begebenheiten pfle- 
gen unterschieden zu werden, dagegen nimt er an der handlung 
selbst lebhaftem anteil.' nur wird man jetzt richtiger umgekehrt 
zu sagen haben : insofern die choregischen yerhältnisse yon ol. 92, 3 
eine öftere yerwendung des halbchoryortrags der stasima unmöglich 
machten, so wählte der dichter ein chorpersonal, bei welchem ein 
derartiger mangel den zwecken der Charakteristik dienen konnte: 
er liesz den chor aus der Schiffsmannschaft des Neoptolemos, also 
beispielsweise nicht aus bewohnem yon Lemnos (wie bei Aiscbylos 
und Euripides) bestehen, und zweitens : er wählte eine art des dra- 
matischen 'aufbaus, welche den koryphaios yon der parodos an bis 
beinahe zur mitte des Stückes (y. 530) die ganze Steigerung der 
handlung hindurch nicht nur mit seinem Interesse, sondern auch mit 
seiner person an die bühne fesselte, die skene war es also, welche 
während dieses langen raumes das interesse der zuschauer yorwie- 
gend auf sich lenkte , wenngleich es auch hier der dichter nicht ver- 
säumte , den in der orchestra mit gespannter aufmerksamkeit unter 
der obhut ihrer beiden führer harrenden schiffsmannen durch das 
zweite (lyrische) strophenpaar der parodos (169 — 179 = 180 — 190) 
und durch das "kurze epeisodische chorlied (391 — 402 ss 507 — 518) 
ihren anteil zu sichern, wie auch speciell die führer der hemichonen 
durch das dritte strophenpaar der parodos (201 ff.) zu beschäfügeB. 
auch hier ward das i^Xidiouc irapccTdvai der choreuten, was Aristo- 
phanes bei Euripides tadelt, glücklich yermieden. aber die Stellung 

" vgl. 'chor des Soph.' s. 27: 'in besoldnng, Unterhaltung, Eumal in 
der Schulung der choreuten bestand der hauptaufwan^ der choregie.' ebd. 
8. 21 habe ich die specielleren Verhältnisse von ol. 92, 3 mit ein paar 
strichen angedeutet. *^ vgl. 'chor des Soph.' a. 18: 'die Sophokleische 
Schöpfung war so allseitig durchdacht, dasz sie es nicht nur vennocbte, 
dein wolstande Athens einen glänzendem ausdruck zu geben, sondern, 
was mehr bedeuten will, auch die armut noch mit reicher lebensffille 
zu umkleiden.' 



OHeoBe: anz. ▼. ChMuffs cborischer technik des Sophokles. 155 

dieses chors bat der dichter mit weisem bedacht herabgedrückt, 
die parole lautet: npöc d)Lif)v aict xeipa npoxuipuiv | ircipui tö na- 
p6v Oepaireiieiv. während uns der homor des dichtere auf dem brei- 
tem gründe des frühem chors die schiffsmannen des Aias in all ihrer 
knrzsichtigkeit und in der beschränktheit ihrer anschauung vorfühvt, 
gibt er ihnen hier eine mehr untergeordnete praktische dienerrolle, 
darch welche übrigens bei der humanit&t des naiven heroenalters 
auch gewisse vertraulichere bezeichnungen des Neoptolemos (t^kvov 
ofld iiai neben b^cirora und 5va£) von Seiten der führer nicht aus- 
geschlossen waren, die Weisung zum vorteil des Neoptolemos wach- 
sam zu sein bezeichnet der koryphaios gleich im beg^inn als ein ^^- 
XoY ndXoi ^^T^a, und diese untergeordnetere rolle des chors wird 
dureh die art der Verwendung der bei den schiffei» zurückgelassenen 
gef&hrten noch schärfer ausgeprägt, wenn somit, wie bemerkt, bis 
530 oder durch das plGtzlich erfolgende auftreten des emporos und 
des Wegweisers bis zum abtreten des Philoktetes und des Neoptole- 
mos (675) das interesse ganz nach der bühne hingelenkt war , so 
fflttste sich nun mit dem abtreten der eben genannten und nachdem 
der korjphaios schon 530 in die orchestra zurückgekehrt war, die 
aofinerksamkeit der zuschauer um so berechtigter und erwartungs- 
Tolkr der orchestra zuwenden: jetzt läszt der dichter den chor das 
lEngere stasimon 678 ff. anheben , zu dessen vertrag diesmal auch 
die Übrigen choreuten neben den führem geschult waren, erwägt 
man also, dasz der dichter den chorischen aufwand im wesent- 
lichen mit nur drei wirklich geschulten Sängern (dh. mit dem 
koryphaios und den beiden parastaten) bestreitet und die übrigen 
cboreaten nur ausnahmsweise'* heranzieht, wie dies schon an anderer 
(teile von uns hervorgehoben wurde, so wird man doppelte veran- 
laa&img finden die iUuaorische darstellungskraft des dichtere zu 
rllhmen, welcher es gelang die chorische masse nicht nur überall 
Mf das engste mit den Vorgängen der bühne zu verknüpfen, sondern 
sogar noch den schein einer über die normale anzahl hinausgehenden 
oad zwar acüv wirksamen chorischen gruppe hervorzurufen, es 

** Tgl. 'chor des Soph.' ■• 21: Mer Philoktetes weist nur ^inen 
Tonftftadlgen ehorgeeang «af, das von halbehören vorgetragene erste 
lUiiaoB. sehen wir von einem kurzen epeisodischen choniede und 
tw€i nicht weniger kurzen Strophen in der parodoa ab , so ist dies die 
Äati^ längere partic, wo der dichter eine gröszere anzahl von sftngem 
ketebifttgt, sonst immer nur koryphaios und die halbohorfübrer.' was 
^ epciwdische ehorlied betrifft, so hat ref. ebd. eine Vermutung ge- 
stiert, nicht darf man sich etwa durch die art, wie Neoptolemos 
f^rtflkrt 519 0pa cO }ii\ vOv fi^v usw. zu der ansieht führen lassen, als 
Übe die antiatrophe 507 ff. oTicTeip* dvoE usw. etwa der korjphaios auf 
itt bahne vorgetragen, ein derartiger einfall liesse sich leicht surfick- 
«eisea. indem mit dem öpa cd \ii\ vOv ^liv usw. Neoptolemos dem kory- 
phftioe das auf der orchestra vorgetragene als dem Terantwortlichen 
fäbrtr zuschiebt (wie OT. 216 olTctc* usw.), hat er auch damit orchestra 
^ akene eng verknüpft und die volle einheit des chorischen körpers 
^«caaeatiert. 



156 OHense: anz. t. CfaMufilB chorischer tecbnik des Sophokles. 

ist uns nicht zweifelhaft, dasz gerade dieses moment die athenischen 
Preisrichter nicht am wenigsten bestimmte einem stücke den ersten 
preis zuzuerkennen, das sich wenigstens von Seiten des unorgani- 
schen Schlusses durch die gOttermaschinerie vor anderen nicht 
empfahl. 

Wir bemerkten oben dasz das Verhältnis der chorischen per^Ori, 
wie sie koryphaios und parastaten nach unserer diathesis zufiallen^ 
sich als ein isomeres herausstellen würde, insofern nemlich jeder 
der drei führer zwei Strophen erhält: koryphaios strophe und gegen- 
Strophe a , erster halbchorführer strophe ß' (zugleich mit den Übri- 
gen choreuten des ersten halbchors) und strophe y\ zweiter halb- 
chorführer antistropho ß' (zugleich mit den übrigen choreuten des 
zweiten halbchors) und antistrophe f\ dieses isomere Verhältnis ist 
das richtige, insofern der koryphaios, wie wir sahen, schon nach 
der ersten slarophe die orchestra verläszt und die halbchorformation 
eintritt, in welcher, wie schon bemerkt, die beiden hälften verhar- 
ren, bis sie 530 fif. unter führung des in die orchestra zurückgekehr- 
ten koryphaios sich xarä crolxouc gruppieren, in der stoichos- 
formation verharrt der chorische körper bis zum beginn des stasi- 
mon 676 — 729, wo der chor, nachdem Neoptolemos und Philo- 
ktetes abgetreten, auf sich angewiesen die beiden strophenpaare 
in halbchören gegliedert vorträgt. 730 treten Neoptolemos und 
Philoktetes aus der hGhle: SpTi', cl O^Xcic. Ti bi\ ttoO' i)b" ii oub€- 
vöc I XÖTOU ciUJiTdic KdirÖTiXTiKTOC (Lb* ^x^i; die quäl eines neuen 
krankheitsanfalles erpresst dem Philoktetes furchtbare jammerlante: 
erschüttert durch solchen anblick verharrt der chor in der Stellung, 
in der halbchorformation , in der er sich eben befindet wenn schon 
von der Philoktetesstatue des Pythagoras von Rhegion eine so 
grosze lebendigkeit der darstellung gerühmt wurde, dasz der be- 
schauer den schmerz der wunde selbst zu empfinden glaubte, um 
wie viel packender musz das drastisch bewegte spiel des protago- 
nisten auf die anwesenden gewirkt haben ! und damit vor allen auf 
die schifEsmannen des Neoptolemos: unter solchem eindruck treten 
sie aus der Stellung, die sie inne haben, nicht heraus, noch zweimal 
wiederholt sich der anfall, endlich naht ruhe und schlaf, und Neopto- 
lemos sagt 826 f.: dXX* ddcuifiiev, (piXot, | £kiiXov auröv, «bc &v 
elc U1TV0V iT^ci]. eine bewegung des chors wäre unstatthaft, der 
erste konmios wurde von den führem in der halbchorstellung vor- 
getragen, wie das isomere Verhältnis der ^ey^Or) bewies, auch die 
drei nächsten chorischen )li€T^6ii, bewiesen wir, wurden von derselben 
trias in derselben führerstellung vorgetragen, auch vor dem zwei- 
ten kommos verändert der chor seine Stellung nicht, Neoptolemos 
sagt 1075: öfiujc bi ^elvar', ei toütui boxet, | xpövov tocoCtov 
elc öcov Td T* Ik veu)c | cxeiXuiCi vaurat Ka\ GeoTc eöEib^eOa usw. 
eine Veränderung der formation wäre nach diesen werten wenig 
passend gewesen, auch der zweite kommos verteilte sich unter die 
drei fÜhrer in unveränderter Stellung, daher das ungefthr isomere 



OHenee: anz. v. ChMufifs cboriscber iechnik des Sophokles. 157 

TerfalLltiiis der ^€Y^8r). aber auf das commando des koryphaios 
1179 f. lui^cv lui^ev, sahen wir, vollzog sich die tetragonaistellung, 
deren der dichter für den schlieszlichen auszug des chors Kora 
aoixouc bedurfte. 

7. Oidipus auf Kolonos. 

Die behandlnng, die der yf. der p arodos angedeiben läszt, ist 
als eine treffliche zu bezeichnen, nach Hermanns Vorgang unter- 
scheidet er zwei teile: der eine (zwei str. und antistr. mit eingeleg- 
ten ani^>ftsten) reicht von 117 — 206, der zweite besteht aus dvo- 
HOtöcrpoqHX und reicht bis 236. wie Hermann zfthlt auch der vf. 
dreiszig diorisohe kola mit geringen aB weichungen ; aber richtig 
weirt er nicht der ersten hälfte sechzehn und der zweiten vierzehn 
an, sondem jeder von beiden fünfzehn, gegen die abteilung Her- 
manns und Böckhs wird mit recht auf die unzntrftglichkeit aufmerk- 
sam gemacht, dasz bei ihnen ein choreut mehrmals, statt wie die 
fibngen nur Einmal, an die reihe käme, ein fehler der von Hermann 
Mters begangen ist. auch der andere versuch Böckhs, den Schneide- 
win in seiner ausgäbe mitteilt, wonach den ersten teil im ganzen 
acht ehoreuten vortrügen, der zweite unter sieben zu verteilen wttre, 
wird mit recht (e. 270) verworfen: es hfttte dies noch energischer 
geschehen kOnnen. vortrefflich bemerkt femer der vf. s. 271 : *der 
fdder, der bisher noch immer gemacht worden ist, liegt darin, dasz 
man die fünf ersten Zeilen in str. und antistr. a' an je zwei ehoreu- 
ten verteilt hat. sie gehören je Einern, die befehle, die in 121 f. 
liegen, gibt derselbe der dpa gerufen, es sind nur nfthere aus- 
filhnmgra des allgemein gehaltenen Imperativs, und nichts ist 
wahrscheinlicher und zugleich passender, als dasz hier der kory- 
phaios spricht, dem es zukommt den ehoreuten zu sagen, was sie 
zQ thnn haben, ebenso ist es ohne frage sehr wol möglich, 151 f. 
mit dem vorhergehenden zu verbinden, derselbe choreut, der sein 
enrtaonen über die grösze des Unglücks und der Verschuldung des 
Oidipus geäuszert hat, fügt gleich hinzu: «das neue Übel sollst du 
dem alten nicht zugesellen.» auf diese weise erhalten wir freilich 
erst nerzefan kommata. aber in 140 liegt deutlich ein selbstftndiger 
teil vor, wenigstens ein teil den man gut thut selbständig zu fassen, 
daan ruft der eine, als er die stimme des Oidipus gehört und seine 
gestalt erblickt hat, ld> lui und verstummt vor staunen, der andere 
aber faszt aich und gibt seinem staunen ausdruck. rücksichten auf 
reapoBsion sind nicht zu nehmen' usw. auch darin stimmen wir 
dem vf. durchaus bei, dasz wir uns (wie schon KOMüller bemerkt 
hatte) den einzug der unruhig suchenden ehoreuten ciTOpdbr)v zu 
denken haben: die bemerkungen des vf. auf s. 272 sind sehr lesens- 
wert, in dem zweiten teile acceptiert der vf. ganz die Verteilung 
Hennanna, durch den glücklichen griff Hermanns (t') lid. (la ) S) Jj. 
\}f) bugiopoc. (iT ) Si (&, sowie durch die Verteilung der werte 
POK^ M^XXerov, dXXä räxuvc unter zwei ehoreuten waren die 



158 OHense : anz. t. ChMuffs chorischer techuik des Sophokles. 

Schwierigkeiten gelösf sehr richtig sagt der vf. s. 278: |*die 
sohluszstrophe 229 — 236, die alle anderen kommata an Snszerer 
ausdehnnng und an gewicht übertrifft, kann nur dem koryphaios 
gehören, ihm kommt es zu die endgültige meinung des chors mit 
solcher entschiedenheit, wie es hier geschieht, auszusprechen, es 
tritt also hier das umgekehrte Verhältnis ein wie in der ersten h&lfte 
der parodos. dort beginnt der koryphaios den kommos, hier schüeszt 
er ihn ; dort pflan^ sich das wechselgespräch vom ersten zum drit- 
ten stoichos fort, hier vom dritten zum ersten, eine solche rück- 
läufige bewegung ist so natürlich wie etwas, als der letzte geendet, 
fängt einer seiner nachbam wieder an , und so wird ein auffaUender 
Sprung glücklich vermieden, die aufeinanderfolge der einzelnen 
choreuten genau zu bestimmen ist freilich sehr schwer , wenn nicht 
unmöglich.' wir bemerken bestätigend, dasz für den koryphaios 
auch die rücksichtnahme auf den Staat und sein wohl spricht 235 f. 
^rj Ti ir^pa xp^oc | tix^ ttöXci Trpocdi{ii]C, ein gesichtspunct der 
uns öfters begegnete. 

Dasz im ersten epeisodion überall der koryphaios anzu- 
setzen, ist selbstverständlich. 

Dasz auch in dem zweiten kommos 510 — 548 alle fünfzehn 
geronten einzeln zu worte kommen, daran ist um so weniger an- 
stosz zu nehmen, als der chor das gegen den schlusz der parodos 225 
abgebrochene gespräch nur wieder aufnimt, also derselbe 
grundton lediglich festgehalten wird, indem der nn- 



'" der r^censent des M.schen baches im philol. anz. 1877 s. 37 
polemisiert gegen Hermann: 'die worte fiaKpa ^^XXcTOV, dXAd rdxwc 
f219), was doch so viel ist wie ^aKpd T^p fi^XXcTov, dXX& Tdxwe wer- 
aen zwei, die worte lUi* | ili d)' | bOcfiopoc* jdid) sogar vier chorenten 
zugewiesen.' was 219 betrifft, so vergiszt Wecklein, dasz das logische 
Verhältnis, das er durch sein fiaxpä ydp andeuten will, erst anf der 
Voraussetzung ^ines Sprechers beruht, eine Voraussetzung die eben Ton 
Hermann nicht acceptiert worden ist. wer aber an den jähen, schnell 
aufeinander folgenden schreckensäuszerungen der choreuten in dem 
momente, als Oidipus seinen namen nennt, anstosz nimt, den können wir 
nur darauf hinweisen, die greuel des Labdakidengeschlecht« wie das 
unerhörte flnchverhängnis des Oidipus sich noch einmal in ihrer sinicn- 
lären furchtbarkeit vor die seele zu rufen, der dissens läuft wieder 
auf denselben punct hinaus, den wir schon öfter zu berühren hatten, 
wer gewohnt ist sich die jedesmalige Situation kräftig zu vergegen* 
wärtigen, wird in scenen wie in der vorliegenden auch geneigt sein 
die einzelchoreuten in ihre rechte wieder einzusetzen; wer dagegen die 
dramatiker mehr als lediglich zu lesende texte traotiert, wird auch 
eine weniger bewegte diathesis in den kauf nehmen, hinfällig ist anch 
der einwand Weckleins, dasz die worte dXX* oö . . dpdc (165 f.), die 
Muff ^'on 155 f. abtrennt, ohne das folgende Treppe t^^p, ir€p$C nicht 
verständlich seien, wie sollte, fragen wir, ein athenischer Zuschauer 
— und lediglich für diese schrieb Sophokles — das hinweisende irpoc- 
6f|ceic Tdcb dpdc anders verstanden haben als von dem eindringen in 
das unbetretbare heiligtum das ihm vor äugen stand, nachdem zumal 
bereits der zweite choreut diesen frevel mit so starken werten gerügt 
hatte (V. 125 ff.)? 



OHense: anz. y. ChMuffs chorisclier technik des Sophokles. 159 

glückliche dnlder die fragen abzuwehren sucht, immer dringender 
bittefc weiterer aufklärung überhoben zu Bein (210 \ii\ }xi\ ixr\ )üi' 
dv^pq t(c €i)Lii, I }xr\b* dS€Täci]C nipa )LiaT€uujv), hat er die neu- 
gierige teilnähme der greise auf das höchste geschärft, nachdem sie 
bisher nur geschlecht und namen vernommen haben, wünschen sie 
nun (in diesem zweiten kommos) nähere auskunft zu erlangen von 
den Schicksalen , über die ihnen die mächtige künde (tö toi ttoXu 
Kai ^T)ba)Li& Xfiyov . . dKOucjna v. 517) bisher nur allgemeines ge- 
meldet, dieses gerüchtes von den Schicksalen des Oidipus läszt der 
dichter wiederholt (vgl. 527 djc dKOuu). 240. 551) er wähnung ge- 
schehen, nicht nur um auch dadurch das Interesse an Oidipus zu 
steigern, sondern in diesem falle auch, um so die nacheinander er- 
folgende beteiligung aller fünfzehn choreuten schicldich zu motivie- 
ren, da sie bereits früher von den Schicksalen des Oidipus vernom- 
men und diese künde jetzt nur aus seinem eignen munde bestätigt 
hOren wollen, so ist nichts natürlicher als dasz der eine an die frage 
des andern anknüpft, sie aufnimt oder erweitert, es ist der nem- 
liche kunstgriff, dessen sich Euripides bedient im Ion 225 oötu) kqI 
qM&nc aubd. nachdem der koryphaios einleitend und allgemeiner ge- 
sagt 510: bcivöv jLifev TÖ irdXai K€ip€vov [i\br{ kqköv], lö EeTv', direYci- 
pciv* I Spujc V fpaiLiai inj6^c6ait kann in engstem anschlusz daran 
sofort ein zweiter einsetzen: Täc beiXaiac dTTÖpou q)av€lcac | dXtil- 
bövoc, $ Suv^crac. auch hier bei so schnellem nacheinander hat 
der dichter dafür gesorgt, dasz das erste komma formal und sjn- 
taktisch für sich bestehen kann, während das zweite, wie wir öfters 
beobachteten , durch das unmittelbar vorangehende , im ohr gleich- 
sam noch nachklingende seine erklärung findet, wol fühlte der 
dichter dasz die art und weise, wie hier die geronten den unseligen 
dolder ausfragen, vielleicht unschicklich oder zudringlich erscheinen 
könnte, er läszt deshalb den Chorführer das ganze mit einer ent- 
schnldigung einleiten : b€ivöv jiiev TÖ irdXai K€tp€V0V, (ü Seiv', diT€- 
T€{p€iv. zugleich ist die singulare unerhörtheit und furchtbarkeit 
des Schicksals des Oidipus (ai bk cujLiqpopal | auTOu TraviüXeicv. 1014) 
geeignet den wünsch der choreuten zu rechtfertigen^ es aus seinem 
eignen munde zu vernehmen. Mie eiTegtheit der Situation' sagt 
Schneidewin zu 535 'ist hier wie in den folgenden versen bezeichnet 
durch die raschheit, mit welcher Oidipus dem chor ins wort fällt.' 
hStte Sophokles hier etwa nur dem koryphaios das wort gegeben, 
so wäre das gesamtinteresse des chors, und damit der Zuschauer, an 
den Schicksalen des Oidipus zu früh gelähmt worden, wollte 
jemand zweifeln, dasz hier nicht lediglich der koryphaios gesprochen, 
so brauchte er nur etwa verse wie diese ins äuge zu fassen : 

XO. ?7ra0€C Ol. firaeov dXacr' fx^iv. 

XO. ?p€Hac Ol. oÖK fp62a XO. ti xdp; Ol. ^b€£dpTiv usw. 
es liefe auf eine spielende manier hinaus , wollte man dergleichen 
Einern und demselben choreuten zuweisen, es ist dies übrigens die 
einzige stelle, wo der vf. von der so wol durchdachten diathesis 



160 OHense: anz. v. ChMuffs choriBcher technik des Sophokles. 

HerxDanns abweicht, und hier yerföUt er in einen irrtom: denn 
falsch ist die bemerkung 6. 284: Mch verbinde dagegen £p6£ac mit 
inaQec und t( toCto mit ^Kavec und weise ti TCtp in str. und 
antistr. besonderen choreuten zu. ich thue das deswegen, weil li 
ydp nach ti toCto eine ganz neue selbständige frage ist, wfthrend 
man es sich wol gefallen Ifiszt, wenn die choreuten, welche mit Ina- 
66C und iKQvec einen satz begonnen hatten, aber sofort von Oidipus 
unterbrochen worden waren , ihre rede wieder aufnehmen, jener mit 
IpeSac, dieser mit ri toOto;' handgreiflich knUpft Ti Toip; in v. 546 
auf das engste an npöc biKac ti an, und die letzteren worte bilden 
die antwort auf ti toOto; also 539 IpeSac — ti t^p; gehört iß, 
und 546 ti toOto ; — ti t^P ; gehört i€'. Hermanns Scharfsinn hat 
auch hier das riditige gesehen, die composition dieses kommos ist 
nicht nur dadurch beachtenswert, dasz in str. und antistr. a den 
werten des chors die des Oidipus und umgekehrt entsprechen, wäh- 
rend in str. und antistr. ß' die choreuten und Oidipus sich selbst 
respondieren , sondern insbesondere durch die naturwahrheit, mit 
welcher der dichter in dem zweiten strophenpaar alles was nach 
Schematismus aussehen könnte zu beeeitigen weisz. die regel, dasz 
im chorischen einzelvortrag der einzelne nur 6in komma erhalten 
darf, wird durch die Hermannsche auf Stellung hier nicht verletzt, 
sondern bestätigt, an allen diesen stellen unterbricht die erregt- 
heit des Oidipus die worte des chors, und nur zuletzt (541) ein- 
mal umgekehrt der chor den Oidipus : so entsteht nirgend anstosz, 
dasz hier der lOe, 12e, 13e und 15e ohoreut, da sie sich unter- 
brochen sehen, noch ein weiteres kurzes komma hinzufügen, die 
Unterbrechungen selbst sind psychologisch trefflich motiviert: vgl. 
535. 543 t( toOto; ti b* ideXcic fiiaOetv; dazuSchneidewin-Nanck: 
^dem entsetzlichen so lange als nur möglich ausweichend thut Oidi- 
pus 543 , als ob er den sinn der frage noch nicht begreife/ 

Die art, wie Theseus im zweiten epeisodion den chorder 
geronten zum schütze des Oidipus bestellt (638 f. 653), ist ganz 
geeignet die bedeutung des chors in unsern äugen zu steigern, die 
Illusion von einer thatkräftigen beteiligung des chors an der hasd- 
lung des Stückes wach zu halten, gerade so wendet sich im ftlnften 
epeisodion Poljneikes auch an die choreuten (u& Hyoi v. 1289), ihm 
schütz und Sicherheit zu gewähren, durch solche kunstgriffe weisz 
es der dichter auch in seinen letzten stUcken zu verhüten , dasz die 
chorische einrichtung zu einem unorganischen- äuszerlichen anhängsei 
herabsinke, von der unechtheit der verse 638 f. €l V ivBäb' f)5u 
t(|i Hv\\} ^{)Liveiv, c^ viv | r&iw «puXäcceiv, cIt" i^ov CTcixctv m^to 
kann ich mich nicht überzeugen: giengen sie nicht voraus, so wäre 
das dXXdt TOicb' ictai ^iXov in 653 allzu unvermittelt; hätte The- 
seus nicht diesen ausdrücklichen befehl erteilt, so hätten sieh die 
greise (vgl. 726) schwerlich ermutigt gesehen zur that zu schreiten, 
dh. den Kreon aufzuhalten oder, scenisch gesprochen, die bühne 
selbst zu betreten. 



OHense: ans. v. ChMaffo chorischer technik des Sophokles. 161 

Nach dem bemicfaorien Vortrag des ersten stasimon findet 
wieder der flbergang in die stoichosstellung statt und zwar bei der 
inrede des Kreon 728 fivöpcc x^ovöc Tiicb* €ÖT€V€Tc oiicrJTopec asw. 

In dem kommos 834 ff. ist der vf. dem wahren sehr nahe 
gekommen, getroffen hat er es nicht, ^er behandlung fehlt es dorch- 
gebend an der rechten consequenz und schftrfe. entweder gehGren 
die ersten vier chorischen kommata (824 — 832) zum kommos, und 
dann TerfUlt der vf. in der that in denselben fehler wie Hermann, 
dL er sieht sich genötigt 6inem chorenten, in diesem falle dem 
korjphaios, vier kommata zuzuteilen; oder die verse gehören ge- 
rade wie 726 f. noch nicht zum kommos, dann mttste dem korj* 
pbaios anch innerhalb des kommos seine Stellung werden: denn von 
einem innem gründe, weshalb hier der korjphaios schweigen sollte, 
wie wir ihn za £1. 824 nachwiesen, läszt sich hier nicht das min- 
deste entdecken, welche von beiden annahmen aber die wahre ist, 
liegt auf der band, der vf. hat femer richtig gesehen, dasz es die 
in der mitte der beiden strophen liegenden kommata sind , welche 
Ton den betreffenden choreuten auf der bfthne vorgetragen wer- 
den; aber wie inconcinn ist es, wenn er vier choreuten die biihne 
besteigen lAsst, wfthrend doch schon Hermann die Stellung des chors 
Kori CTOtxouc erkannt hatte , und vollends da er das komma des 
ftnften choreuten an jener stelle au^edeckt hatte v. 862 : i^v ^/| c ' 
(m Piderit statt ^*) ö xpaivuiv Tf)cb€ Tf)c diretptdOij. es wftre ein- 
filtig, wenn Kreon seine absieht selbst durch hindeutung auf even« 
tnelles einschreiten des Theseus abschwächen wollte; vortrefflich 
sber ist dieser hinweis im munde des chors, auch deshalb weil 
damit der eher seine eigne ohnmacht indirect eingesteht: erst The- 
Mos selbst kann thatkräftige hilfe leisten, also, was allein zu er- 
warten, auch der korjphaios erhält in diesem kommos seine stelle, 
und nicht vier choreuten, sondern die eines ganzen stoichos (frei- 
liefa in einer andern gmppierung als in der sonst üblichen, wie 
cnten berührt werden wird) betreten die btlhne. der korjphaios, 
tagt freilieh der vf. (s. 295), darf als ftthrer der greise seinen posten 
Bickt verlassen und wahrt daher seine Stellung an ihrer spitze. M. 
tlbenieht, worauf wir so oft hinzuweisen hatten, dasz der koij- 
pkaios im Sophokleischen chor eine viel freiere Stellung einnimt 
ond seine befugnis nicht selten in die bände der beiden parastaten 
Bisderlegt. und wie wunderlich wäre es, wollte der korjphaios im 
Bonente der that in der orohestra zurückbleiben! nur seine auto- 
ritit vermag dem Kreon in seiner Stellung gegenttberzutreten, wäh- 
'od die beiden übrigen stoichoi unter obhut der parastaten zurück- 
Ueiben« natürlich 1^ der korjphaios nicht selbst band an Kreon, 
dsi wflsde seiner würde nicht entsprechen; vielmehr ist ihm im 
eaUaag mit seiner regelmäszigen fnnction der auf die baldige an- 
^ft des Theseus hindeutende vers zu überweisen: 

ikv }ix\ c* (c' statt \i*) 6 xpaivuiv Tf)cb€ Tf)c dnetpTdOi]* 
« iit schwer zu begreifen, wie der vf. diese schlagende emendation 

(&r clMf. philol. 1878 hft.S. 11 



162 OHense: anz. y. CfaMafFs chorischer technik des Sophokles. 

Pid«rit6 (c' fttr \i*) unverwertet in den winkel einer anmerkong ver- 
weisen konnte, hatte doch schon Nauck genrteilt: *Piderit bessert 
höchst ansprechend' nsw. die correctar erhiüt durch obige 
diathesis eine glückliche bestfttigang. 

Der korypbaios hat in diesem kommos nicht wie wol sonst ein 
seiner Stellung entsprechendes, durch seinen grOszem umfang hervor- 
stechendes jji^tcOoc , nemlich weil er in dem vorli^enden falle der 
handelnde ist und mit den übrigen choreuten eines stoichos die 
btthne betritt, ohnehin hatte der dichter das bedttrfhis den korj- 
phaios hier zu entlasten , insofern er schon kurz vorher im verlaufe 
dieses epeisodion fünfmal , im verlaufe des ersten epeisodion sogar 
sechzehnmal zu worte kommt, auch hier weisz der dichter wieder 
aus der not eine tugend zu machen, erwfigt man das besohrftnkte 
^^T^Ooc der kommata der mittlem partie (856 — 862) und hält 
namentlich das anfangs- und schluszkomma der beiden Strophen 
dagegen, so bleibt kaum ein zweifei, dasz der koryphaios an der 
spitze der vier unbedeutendsten choreuten die bühne betrat, dh. der 
chor war hier in d6r weise geordnet, dasz der koryphaios und die 
beiden parastaten mit je vier anderen choreuten eine gruppe bil- 
deten, und die hintermänner des koryphaios sind die vier ongeschul* 
testen, wir erinnern daran, wie wir schon oben 224 fL vier cho- 
reuten besonders kärglich bedecht sahen: i' itu, ta' d) di, iß' buQio- 
poc, Vf S) u). wtthrend der dichter sie ohea durch das pathos der 
leidenschaft schadlos hielt, verhüllt er ihre unbedeutendheit hier 
dadurch, dasz er sie die btthne betreten und activin die handlong 
eingreifen Ittszt. 

Nach dem von den halbchören vorgetragenen zweiten st asi- 
mon bleibt die halbchorstellung, wie es scheint, auch in dem näch- 
sten epeisodion gewahrt. 

Die epode (1239 ff.) des dritten stasimon gibt der vf. dem 
gesamtchor, wir überweisen sie dem koryphaios. s. 801 lesen wir: 
*e6 ist der gesamtchor, welcher ans der allgemeinen betrachtong 
das facit zieht , es ist der gesamtchor, welcher als einheit die beiden 
halbchOre zusammenfaszt, wie die epodos die beiden respondierenden 
Strophen.' dabei ist nur übersehen dasz das, was der vf. das *&eit' 
nennt, vielmehr als die anwendnng der allgemeinen betrachtongen 
der halbchöre auf die gerade vorliegenden Verhältnisse, der bühne, 
auf eine bühnenpergon, dh. auf Oidipus zu nehmen ist. die epode 
dient hier abschlieszend dazu, die aufinerksamkeit der zuaehaoer 
wieder der bühne zuzulenken: sie hindert den chor etwa wie bei den 
früheren stasima dieses Stückes noch ein zweites strophenpaar hin- 
zuzufügen, das alles aber ist sache des koryphaios. dasz letzterer 
die epode vortrug, geht noch daraus hervor, dasz nicht er, wie doch 
zu erwarten , sondern Antigene in den nun folgenden versen das er- 
scheinen des Pdyneikes ankündigt, da der dichter wert darauf 
legte, dasz gerade Antigene so schonend wie möglich den Polyneikes 
bei dem vater einführe, so entschädigt er den koryphaios durch den 



OHe&M: ans. v. ChMnfik chorüclier technik des Sophokles. 163 

Tortng der epode. auf ein weiterhin beeifttigendes moment wies 
ich ^ofaor des Soph.' s. 14 hin in der anmerkiuig: *0E. 1239 f. £v 
([i TXdyAUiv Sb\ oÖK itOj iiövoc nsw. vgl. v. 726 Kai fäp et 
T^puiv Ifu» usw.' dazu 233 i}iäc xOovöc und 235 £|A^ iröXci. 

Lmorhalb des fttnften epeisodion wird dem eher bis zum 
begiaae des vierten kommos Tom dichter eine pause der ruhe ge* 
geben; nur zweimal erhftlt der koryphaios mit einem herkömmlichen 
disticfaon das wert. 

Fttr den vierten kommos hat die behandlung des vf. erst 
das richtige yerständnis erOfihet. der höchste grad der aufregung 
unter dem aufruhr der natur, die gehftuften bezeichnungen der 
angst des cbors , die völlige Übereinstimmung der durch volle inter- 
pnnction geschiedenen kommata der beiden strophenpaare, das fast 
dorcfagfingige asjndeton, der dochmische rhythmus — das alles 
drtngt so unabweisbar auf einzelvortrag hin , dasz sich der vf. in 
der that wundem durfte, dasz noch niemand, selbst Hermann nicht, 
aa herstellung desselben gedacht hatte, der vf. hat nicht nur die ein- 
teilong richtig herausgefunden, sondern zeigt sich auch hier der kri- 
tischen aufgäbe gewachsen, den v. 1474 nwc oTcOa; vüji hi. [toOto] 
cuMßoXdiv (x^ic; spricht er der Antigene ab und vindiciert ihn mit 

licherheit dem chor ('huic versui praefixum X ^ ™' s^^- P^^ lineola, 
quam m. pr. posuerat' Dindorf). seine arg^mentation ist schlagend 
und leinsinnig: 'auf die frage, woraus er schliesze dasz sein ende 
nahe sei, antwortet Oidipus: KaXüiC oTba «ich weisz es sicher», aber 
es 8oU schnell einer forteilen und den herm des landes herbeiholen. 
ist das eine antwort auf jene frage? gewis nicht, in rauhem tone 
wird eine antwort verweigert* so kann Oidipus seinem geliebten 
kinde nicht begegnen, wol aber dem chore. oder hatte er nicht ur- 
ttcfae diesen jetzt etwas hart anzulassen,, da derselbe sich eben erst 
vor dem unheil entsetzt hatte, das der blinde greis tlber ihn zu 
bringen schien? will man sehen, wie der vater seiner tochter ant- 
wortet, so sehe man die beiden anderen dialogischen einlagen des 
koamos an. 1461 und 1489 gibt er ihr sehr freundlich bescheid, 
wlhrsnd er hier kurz abbricht und nur de« befahl wiederholt, den 
er schon 1461 gegeben hatte.' Dindorfs verschlag statt des im 
Lftor. fehlenden toöto nach Ix^^^ oüi iräTCp zu ergänzen, ist also 
verüdilL man übersah eben die besondere Stellung, die Sophokles 
dem koryphaios zuweist und die ihn wieder völlig geeignet erscheinen 
liart, eine ^che frage an Oidipus zu richten, gerade wie im vorher- 
gtbs&den kommos erhftlt der diorführer auch hier nur einen einzigen 
trimeter (1474). 

Nach dem halbohorvortrage des vierten stasimon wird im 
^ginae das folgenden epeisodion die tetragonalsteUung vollzogen. 

Das arteil, welches der vf« im vierten kommos bewiesen hatte, 
wltet ihn im fünften kommos. wir empfinden es schon an 
^ für siob ala unschicklich, dasz am ende des Stückes, wo alles 

11* 



164 OHense : anz. y. CliMu£fe chorischer technik des Sophokles. 

einem beruhigenden abschlusz entgegen geht, ja ein solcher mit der 
botenrede im gründe schon eingetreten ist, sich hier noch einmal 
alle fünfzehn oder, wie der yf. will, yierzehn choreuten beteiligen 
sollen, so passend und wirkungsyoll ein derartiger einzelyortog 
im yierten kommos war, wo sich unter dem donner des Zeus das 
nahende ende des Oidipus ankündigt, ebenso ungehörig wäre ein 
derartig leidenschaftlicher yortrag hier, wo das gebet des chors um 
euthanasie fEb: den dulder so eben die beruhigendste erftlllung er- 
halten hat, wo diese erfüllung so eben bis ins einzelnste durch den 
boten geschildert wurde, deb schmerz , die klage gehört den beiden 
Schwestern , der inst&idig wiederholte tröstliche hinweis auf den 
glücklichen ausgang des yaters dem korjphaios. weiterhin aber 
stehen der aufstellung des yf. namentlich in dvT. ß' die schwersten 
bedenken entgegen, die wolbegründete athetese der worte 1747 
AN. vai vai. XO. ^U|jq)Ti|ii kuutöc wird mit der bemerkung bei 
Seite geschoben: *aber entbehren können wir den yers nicht; der 
yierzehnte choreut ermangelte sonst seines anteils' (!). Dindorf sagt 
zu 1748: 'qui stultus esse mihi omni tempore yisus est et indignos 
Sophoclis arte inter colloquentes sermo. accedunt ad hoc alia quae 
yitii suspicionem augeant. neque enim yerba ista vai vai. Eu^q>nM^ 
KauTOC Ulla probabili induta sunt metri forma, neque habent in 
stropha quibus respondeant.' das letzte moment zumal ist ent- 
scheidend, da Antigene nicht weisz wohin 9UT€Tv, so greift der 
chor diesen ausdruck auf und beginnt Kai irdpoc äii^q)UT€, und 
nach der frage der Antigone Ti ; soll nun nach dem yf . der n&chste 
choreut ergänzen: Tä cq)(jjv TÖ |if| niTVeiv xaKdic. dieses räthsel 
gelöst zu haben geht uns noch über die kunst der taschenspieler. 
die yerteilung dieser antistrophe yollends unter einzelchoreuten hat 
für unsem geschmack geradezu etwas widerliches, dazu kommt dasz 
der yf. den korjphaios ohne allen grund ausschlieszt. er macht 
keinen yersuch eine derartige anordnung durch einen (allein ent- 
scheidenden) innem grund zu motiyieren. das richtige ist, s&mtliche 
chorische konmiata der exodos dem korjphaios zuzuweisen, jetzt 
yerstehen wir um so besser , weshalb die diathesis des dichters dem 
korjphaios in den letzten kommoi, im fünften epeisodion seit schlusz 
der epode des dritten stasimon einen so yerhältnismäszig geringen 
anteil gab: er muste seine kraft für die exodos aufsparen, der 
schweren bedenken, die gegen den schlusz von y. 1768 an yorliegen, 
hätte erwähnung geschehen müssen. 

Blicken wir zurück, so musz unser urteil über das Muffscbe 
b uch ein anerkennendes sein, y olle anerkennung yerdient zu- 
nächst, dasz der yf. an seine au%abe ohne yorurteile und yorgefaszte 
meinungen herantrat, wie sich dies in der wichtigen frage über den 
einzelyortrag chorischer partien am deutlichsten kund thut. Muff 
hat durch sein in gewissem sinne bahnbrechendes buch (insofern 
nemlich die scharfsinnigen forschungen Hermanns dank der ein- 



OHense: anz. v. ChMuffs chorischer technik des Sophokles. 165 

seiiigkeit vielar kritiker immer mehr in yergessenheit geriethen) für 
eine sehr erhebliche anzahl von parüen des Sophokles das volle ver- 
stfndnis erst erö£Fhet. wenn ref. an nicht wenigen stellen, wie er 
meint, richtigere nnd znmal begründetere aufstellungen bot, so 
ist nicht zn vergessen, dasz dies eben erst nach den überall an- 
regenden erörteningen des vf. geschah , und zweitens dasz dies erst 
durch eine grSszere beschränkung möglich wurde, die sich ref. auf- 
erlegte, der yf. hat sich die lösung dieser an sich schwierigen auf- 
gaboi nemlich noch dadurch erschwert, dasz er alle hier in betracht 
konmienden fragen auf Einmal zu beantworten wenigstens den an- 
lud nahm, hfttte er mit gröszerer selbstbeschränkung zb. die frage 
nich der Vortragsweise, ob gesang, parakataloge usw., in welcher er 
nicht mit selbstttndiger Sicherheit aufzutreten vermag, ebenso die 
finge nach der reihenfolge der einzelnen sänger im einzelvortrag, zu 
welcher ihn Hermanns Vorgang ebenfalls (und hie und da nicht 
ohne erfolg) anregte, noch bei seite gelassen: so zweifeln wir nicht 
disi seinen Untersuchungen die concentriertere samlung weit mehr 
ra gnte gekonunen wäre als der jetzt so erweiterte gesichtskreis, 
Tind dasz es ihm namentlich gelungen wKre, den jetzt oft mehr er- 
rathenen als erwiesenen resultaten einen hohem grad wissenschaft- 
licher Sicherheit zu geben, wir verkennen nicht, dasz sich in dem 
Torliegenden buche nicht selten glückliche ansfttze zu derjenigen 
nntersnchungsweise finden, welche wir auf diesem gebiete für die 
riditige halten; aber abgezogen durch die meoge der winkenden 
Probleme versftumt es der vf. noch zu oft scene für scene dem dra- 
matischen werdeprocess des Stückes nachzugehen, wie iiuch in die 
insem falten des werdenden Charakters zu blicken, statt bei einem 
Sophokles die diathesen in ununterbrochenen und dadurch lehr- 
reichen Zusammenhang zu setzen, die 6ine figur sich immer aus der 
andern genetisch entwickeln zu lassen, nimt er, wenn auch dem 
gaoge des Stückes folgend, meist jede einzelne für sich, lüst sie 
gleichsam von dem boden los, aus dem sie erwachsen, wir stellen 
dieses urteil voran, insofern wir der meinung sind, dasz sich gerade 
ans dieser schwftche des buches die übrigen erklftren lassen (vgl. 
'eher des Soph.' Vorwort s. X). 

Am schwSchsten ist offenbar der allgemeine teil ausgefallen 
oder, wie wol das wesen desselben richtiger zu bezeichnen gewesen 
wire, der einleitende oder propädeutische teil, in einem nützlichen 
ersten abschnitt stellt der vf. das überlieferte antiquarische material 
•HS den grammatikem und lexikographen über namen und Stellung 
der chorenten zusammen, bringt darüber einige neue und gute be- 
mexkungen vor, und weist kurz ihr vorkommen bei Sophokles auf. 
für nicht ausreichend, ja zum teil für einen rückschritt müssen wir 
den zweiten absclu|kt dieses teiles erklftren; desultorisch endlich 
nnd die meist halDen urteile des sehr kurzen dritten abschnitte. 
wer aber wie billig in dem allgemeinen teile eine zusammenhftngende 
oad erschöpfende Würdigung der Sophokleischen 'technik', also die 



166 OHense: anz. y. ChMufiGs chorischer technik des Sophokles. 

abgezogenen stttze erwartet von den noch mit empirischem material 
verwachsenen beobachtungen, welche der 'specielle' teil an der 
hand einer eingehenden interpretation und kritik erschlossen, der 
wird sich in dieser erwartong getenscht sehen, dieser sog. allge- 
meine teil ist weit weniger ungenügend durch das was er bietet, 
als durch das was er nicht bietet, nach einer Charakteristik des 
frühem chors von zw5lf personen und seiner in allen richtungen 
ausgibigem handhabung waren nun die gründe zu erwägen, die 
Sophokles zu seinen beiden dramaturgischen neuerungen, der er- 
findung des tritagonisten und der erhöhung der choreutenzahl 
führten, beide eil&ndungen bedingen sich gegenseitig, nadidem 
der tritagonist durchgesetzt war, schuf der immer auf harmoni- 
sches ebenmasz gerichtete sinn des dichters in dem zweiten paia- 
staten das chorische gegenbild des tritagonisten auf der orchestra, 
während der erste parastat und der korjphaios wie bisher dem 
Protagonisten und deuteragonisten in plastischer gegenüberstellong 
correspondierten. '' von hier aus war die veranlassung gegeben, auf 
das überall hervortretende streben des dichters, skene und orchestra 
organisch zu verknüpfen und die überraschende manigfaltigkeit der 
hierzu dienenden mittel (corresponsion der hauptrepräsentanten des 
chors mit den drei bühnenpersonen, gelegentliche bühnenbesteigung 
von choreuten , befreiung des koryphalos aus seiner chorisohen ge* 
bundenheit, abgebrochene stasima, Wechsel des numerus usw.) 
hinzuweisen, scharf war nun das grundprincip des Sophokleiscben 
chors — wir suchten es in der öfters erwähnten schrift zu formu- 
lieren — auszusprechen und sein enger Zusammenhang auch mit 
der grOszera oder geringem anspannung der dioregischen leistung, 
mit dnem worte auch der finanzielle gesichtspunct zu be- 
leuchten, daraus ergab sich eine durchgeführte parallele zwischen 
dem chor von zwölf personen und dem von fünfzehn , sowie ihrer 
so verschiedenartigen principien. nicht minder vermiszt man ein 
gegenseitiges sorgföltiges abwägen der chorischen figuren nach 
ihrem specifisch dramatischen werte, ihrer charakteristischen be- 
deutung und ihrer unterschiedlichen Verwendung innerhalb des 
compositionellen aufbaus. von hier aus war tiefer in das geheimnifi 
des Sophokleiscben kunststiles einzudringen, gegen die unver- 

17 um nicht misverstanden za werden, wiederhole ich hier eine be- 
merkung ans meiner öfters erwähnten abhandlung über den hemicborien- 
Vortrag (rhein. mos. XXXII s. 499) : ^wird sich diese beobachtung auch 
sonst noch als fruchtbar bewähren, so wäre doch anderseits nichts ver- 
kehrter als in diesen wie etwa in anderen dingen bei Sophokles einen 
peinlich beobachteten Schematismus snchen cn wollen, eonseqaent und 
überall darohgefuhrt würde dies als der tod einer wahren kunst anxa- 
sehen sein, versäumt es Sophokles nicht die plastisch wirkende gegen- 
Überstellung der drei chprischen hauptrepräsoj^uiten und der drei 
biihnenagonisten auch durch eine innere beaügliflneit su vertiefen, so 
verläuft er sich doch anderseits nicht in kleinliche rechenexempel and 
begnügt sich zumeist eine straffe besiehnng zwischen pro- 
tagonisten und koryphalos festsuhalten.' 



OHeiue: anz. v. ChMoffiB chorischer tedmik des Sophokles. 167 

lirfleUicIie ragel, dass der gröszeie oder geringere aufwand der 
cbonedien tecfanüc in omgekehrten yerfaftltnis za dem dramatischen 
werte des ttoffes steht, hat der ▼£ bei seinen a&sätzen mehr als öin- 
mil gefehlL es zeigen sich hier nur die folgen des oben berührten 
numgfls. so hat denn der yf. viele einzelne laute nnd abgebrochene 
titie der Sophokleischen kunstweise erschlossen , aber den vollen 
birmonischen zusammenklang des ganzen hat er nicht vernommen, 
den nalOslichea Zusammenhang der chorisehen fi€T^6r) mit der jedes- 
oudigen chorischen au&tellung hat der vf. ~ abgesehen von manchen 
anerkennenswerten onflLngen — vielfach übersehen, so kam es dasz 
er Einmal die Verwendung der parastaien neben dem koryphaioSi 
also die Sophokleische trias nicht zu völliger Sicherheit erheben 
konnte, und anderseits sich der mittel beraubt sah, den halbchor- 
Tortrsg von atrophe und antistropbe der stasima audi wissenschaft- 
lich sa beweisen, von dem gesichtspunct der isomeren ftthrer- 
M€T^Oi) ans waren der so vielfach, aber immer noch mechanisch 
behandelten frage über die respondierenden Zahlenverhältnisse in 
der tragGdie einige sichere haltpuncte zu geben, die in dem chor 
Ton fanfzehn personen wesentlidi veränderte und den hemicborien* 
Vortrag der stasima bedingende, oder wenn man will durch ihn 
bedingte Stellung des koryphaios hat der vf. mindestens nicht 
icharf genug aufgefiaszt. zu einer Charakteristik des koryphaios, 
ab einer dramatischen person innerhalb der einzelnen stücke, lud 
ein reiches material ein. das deutlicher sich abhebende bild des 
koryphaios umgibt der dichter mit einer reichen chorischen gruppe 
nd erhöht es durch Verwandtschaft und gegensatz, durch fkrben- 
ontenchied und schatten, man wird hier in gefahr sein leicht zu 
weit tu gehen, auch liegen dergleichen beobachtnngen nicht wie 
schlechtes metaD an der Oberfläche, aber mit dem grubenlicbt einer 
eindringenden interpretation sind wenigstens häufig die parastaten 
dem dunkel ihrer anonymität zu entziehen, auch damit sind übri- 
gens die forderungen, die man billiger weise an einen derartigen 
allgemeinen teil stellen darf, keineswegs erschöpft, hat man die 
chorische technik im engsten zusammenhange mit dem dramatischen 
aofban in den einzelnen stücken erkannt, so lassen sich lehrreiche 
parallelen zwischen den verschiedenen dramen anknüpfen, gleich 
«ine vergleichung zwischen Elektra und Antigene muste firuchtbare 
goichtspuncte ergeben, und anderseits gibt es kaum eine verschie* 
deaere, natürlich durch den stoff bedingte, chorische behandlungs- 
weise als wie sie sich in dem Oidipus auf Kolonos gegenüber dem 
Oidipns Tyrannos darstellt, höher aufisteigend mag man nun ver* 
raehea den einzelnen stücken in dem entwicklungsgange des dich* 
tm ihren platz anzuweisen, andeutungen gaben wir in der erwähn- 
^ sebrift s. 29 f.** die frage, wann Sophokles die erhöhung der 

<* 'wir haben drei, wenn man will Tier epochen in dem diehier- 
l*He des Sophokles ra nnterseheiden. die anläDge bewegten sich wie 
^tUif in den sparen der Vorgänger, einer Übergangsperiode gehört der 



168 OHense : anz. v. ChMufffi chorischer technik de« Sophokles. 

choreutenzahl durchsetzte , war einer eingehenden Untersuchung zu 
unterziehen. '* wiederum vorschreitend mag man nun eine Yerglei- 
chende Charakteristik der Sophokleischen kunst und der des'Eari- 
pides wie auch der anderen griechischen dramatiker anknüpfen, freilich 
nicht 'nur nebenhei', wie jüngst ein recensent der Jenaer LZ. (1877 
nr. 7 s. 111) verlangte, dasz wir übrigens mit der letztem f orderung 
keinen tadel gegenüber dem vf., der eben nur eine chorische technik 
des Sophokles zu schreiben beabsichtigt hat, aussprechen wollen, 
ist selbstverständlich. 

Was form und darstellungsweise des buches angebt, 
so wird, was die hauptsache bleibt, die klarheit des vortrage nirgend 
vermiszt. erprobte sich der vf. nicht überall als sicherer leiter , so 
ist er doch ein instructiver und mitteilsamer begleiter auf diesen 
pfaden, der nur öfters durch all^u behagliche redseligkeit in seinen 
kundgebungen ermüdet, auch ist oftmals noch zu viel tastendes, 
schwankendes in diesen raisonnements , zu viel discursives herum- 
reden, und in der Sparsamkeit hätte sich der vf. seinen dichter 
zum muster nehmen können. Coq)OKXt)c ji^v ou irepirröc £v TOic 
XÖTOic , dXX' dvaTKaioc. die öftere breite des stils und das behag- 
liche sichgehenlassen in oft selbstverständlichem detail gibt dem 



Aias an, der dichter steht mindestens nahe davor, den tritagonisien la 
erringen, für diese Übergangsperiode ist zugleich bezeichnend, dass 
sich die trilogische auffassung für den Aias von jeher aufdrängte, aber 
auch das chorische complement des tritagonisten , die erhöhnng der 
choreutenzahl, hat Sophokles schon früh durchgesetzt, jedenfalls vor 
ol. 80, 2: denn die stücke der Orestie des Aischylos weisen funfsebn 
chorenten auf, gerade wie sich hier Aischylos auch dreier Schauspieler 
bedient, eine letzte periode, den schluszstein des Schaffens, bezeichnet 
der Oidipus anf Kolonos.' hinzuzufügen wäre die bemerkung über die 
in oben berührter hinsieht altertümliche compositionsweise der Anti- 
gene, solche aufstellungen , die sich auf eine im einzelnen allseitig 
begründete technik stützen, haben in jedem falle eine gröszere be- 
rechtigung als die so verschieden ausgefallenen versuche auf grnnd 
der bekannten Plutarchischen stelle drei knnststufen nach maszgabe 
der für uns kaum noch zu beurteilenden stilnuancen anzusetzen. 

'* ich gebe hier nur das resultat dessen was ich darüber gedacht 
habe, da es Einmal an sich höchst unwahrscheinlich ist, dasz der 
jugendliche Sophokles die ihm von den besten quellen übereinstimmeod 
zugeschriebene erhöhung der choreutenzahl gleich bei seinem ersten 
auftreten durchsetzte, anderseits der aus zwölf personen bestehende 
chor des Aias eine solche annähme thatsäohlich widerlegt, so bleibt der 
Widerspruch zu lösen, der darin besteht, dasz auch schon der chor in 
Aischylos Sieben vor Theben fünfzehn personen aufweist: man vergleiche 
die jüngst im rhein. mus. XXXII s. 312 ff. erschienene gediegene ab- 
handlung Büchelers. ist letzteres begründet, so dürfte dieser Wider- 
spruch schwerlich anders als durch die aUnahme zu lösen sein, dasz 
die ursprünglich für einen chor von zwölf personen geschriebene tragödie 
der Sieben bei gelegenheit späterer aufführungen eine Umarbeitung für 
den inzwischen stabil gewordenen chor von fünfzehn choreuten erfuhr, 
eine nähere erörterung dieses interessanten themas würde uns hier zu 
weit führen, auch der Aiscfaylische Prometheus ist in die untertuehung 
zu ziehen. 



OHense: anz. y. ChMa£b chorisoher technik des Sophokles. 169 

bnehe eine uxmOtige ausdehnnng. auf einem gebiete, wo es gilt 
eiiie nach den forschungen Hermanns, Böckhs ua. oft schwer be- 
greifliche nnklarheit zn bannen, mag es freilich hingehen, wenn der 
Tf. gelegentlich des guten eher zu viel als zu wenig thut; aber der 
t1 schreibt &st wie er spricht, statt dieses httckerlings kleiner 
sitie mit ja und nein und frage uVid antwort fordern wir eine kunst- 
gemiszere, feiner gegliederte fassung, eine liebevollere behandlung 
sonrten details« der einmal gew&hlten einteilung gemäsz verlftuft das 
boch kunstlos und geradlinig, erinnert mehr an sorgsame adversarien 
md vorarbeiten als an eine lichtvolle, um nicht zu äagen kunstvolle 
grappierung der ^chorischen technik' nach heutigen ansprächen. 

In diesen adversarien, wie man den zweiten, speciellen teil 
des budiea nennen konnte, zeigen sich die glanzpartien vne auch 
die sehwftchen des buches am handgreiflichsten, als vortrefflich 
kun die behandlung des Aias und des Oidipus auf Kolonos be- 
tciehnet werden, also gerade der beiden nach Seiten der chorischen 
technik singulftrsten stücke des Sophokles, lagen hier auch bereits 
znaacherlei ^iQckliche vorarbeiten (von Hermann, Wolff ua.) vor, 
80 hat doch auch der vf. selbst mit kritischer schKrfe eingesetzt 
oad vielfach vGllig neue resultate erschlossen, im Aias zumal hat 
der vf. so zu sagen als Zeichner die umrisse und linien meist richtig 
gelegen (nur weniges ist übersehen), aber dem coloristen zumid 
bfieb nodi das meiste zu thun übrig, im Oidipus auf Kolonos fan- 
den sich neben guten resultaten einige starke misgriffe. als völlig 
Terfehlt erwies sich nur die behandlung des Philoktetes. aus den 
fibngen stücken werden sehr viele vom vf, aufgestellte diathesen 
lieh aof die dauer behaupten, aber ein beurteiler befindet sich hier 
oft in der eigentümlichen läge, die von dem vf. versuchte beweis- 
fthrong als wissenschaftlich unzureichend und widerspruchsvoll 
Terweifen zu müssen, während er sich am ende nach zurücklegung 
mflhevoUerer pfade bei dem gleichen endziel angelangt sieht, der 
vf. hat eben oft schon durch die blosze zahl das richtige getroffen, 
M Öfters die figur der aristerostaten, auch die triasfigur, aber schon 
bei der letztem wurde eine innerlich consequente begründung ver- 
miszt gerade hier wäre das skeptische achselzucken der bisherigen, 
10 uagewOlmlich seichten kritik am platze gewesen, der vf. bringt 
ein überliefertes äuszerliches rahmenwerk hinzu und nimt nun die 
misse, ob sich die chorischen ^V(iBr\ darauf spannen lassen; aber 
nitonter zeigt er sich recht unbekümmert um die Verzerrungen, die 
sie sieh dabei gefallen lassen müssen, er stellt sich diesen dingen 
oft noch zu änszerlich, um nicht zu sagen zu handwerksmäszig 
gegenüber, und wir berühren damit den mangel, aus dem wir schon 
oben die schwächen des buches ableiten zu müssen glaubten, was 
WvHnmboldt einmal von der spräche sagt, dasz sie nicht wie eine 
U)gesiorbene pflanze erforscht werden dürfe, das gilt im vollsten 
Bmfang aoch hier, die erforschung und erlemung ist auch auf die- 
icm gebiete nur Wiedererzeugung. 



170 EGrunauer: zu Caesar de beUo gallico [II 19, 7 f.]. 

Wir fassen nnser urteil noch einmal zusammen, entspricht die 
vorliegende leistung keineswegs in vollem umfange den anforde- 
rangen, die ref. heute an ein derartiges buch stellen zu dürfen glaubt, 
ja zeigen sich selbst auffallende mftngel und lücken, so hat sidh doch 
der vt um erklttrung und kritik des Sophokles durch diese mit so 
wolthuender bescheidenheit auftretende Veröffentlichung ein unbe- 
streitbares verdienst erworben, nicht nur dasz er dem forschenden 
gedooken überall das material in übersiditlich bequemer weise 
unterbreitet hat, er hat auch selbst eine stattliche reihe glücklicher 
resultate aufzuweisen, und vor allem: er hat diese Studien in flusx 
gebracht und jene vis inertiae, die auf den chorischen untersadtUDgen 
lastete, mit kundiger band hinweggehoben. 

FnEiBuna m Breisoau. Otto Hense. 



10. 

Zu CAESAB DE BELLO OALLICO. 



n 19, 7 f. in der schlacht am flusse Sabis stehen die Kervier 
auf dem 6inen hügel, die hauptmasse der Römer auf dem gegenüber- 
liegenden ; zwischen beiden bügeln flieszt der flusz. nach dem jetzi- 
gen texte nun ^verlassen die Nervier, wie sie des römischen trosses 
ansichtig werden, ihre Stellung auf der bewaldeten anhöhe, werfen 
die römische reiterei , die diesseits des flusses auf dem freien terrain 
schwärmt, in die flucht, laufen mit unglaublicher Schnelligkeit an 
den flusz hinunter, so dasz sie beinahe in demselben momente noch 
am säume des waldes , dann am flusse und in unmittelbarer nfLhe 
der Bömer erblickt werden, mit derselben Schnelligkeit stürmen 
sie den hügel hinauf.' wie können aber die Nervier unten am flösse 
schon mit den Römern zusammentreffen, wenn diese oben auf der an- 
höhe stehen? wir haben uns den Vorgang vielmehr folgendermaszen 
zu denken : die Nervier brechen aus dem walde hervor und schlagen 
die römische reiterei (erster act). sie eilen an den flusz hinunter 
und überschreiten denselben (zweiter act). sie stürmen die anhöhe 
hinauf, wo die Bömer bereits mit den Schanzarbeiten beschftftigt 
sind (dritter act). dies alles geschieht mit solcher Schnelligkeit, 
dasz sie beinahe zu derselben zeit 1) am säume des waldes , 2) am 
flusse, 3) in unmittelbarer nfthe der Römer erblickt werden, dies 
sagt aber auch Caesar, wenn wir es wagen eine einfache Umstellung 
vorzunehmen. Caesar hat sicherlich geschrieben r his facäe pulsis 
ac protwrhatis incredibüi cderUate ad flumen decucurrerunt. eadem 
autem ederUate adverso ccUe ad nostra castra atque eos^ gut in opere 
occupaH eraf/dy eontendenmt, tä paene uno tempore et ad süms et tu 
/?t<mme et tarn in manibus nastris hostes viderevUur. 

WiNTERTHüB. EmIL GrüNAVKB. 



RRanchenaiein: zu Aischylos Agamemnaii. 171 

11. 

Zu AISCHYLOS AGAMEMNON. 



In neuester zeit hat Robert Enger sowol um kritik als um er- 
kttmig dieeer tragOdie sich sehr yerdient gemacht, erstens 1863 
tedi seine bearbeitong der zweiten Elausenscben aasgabe, wo er 
Uta dem te^ nicht nur die hsl. yarianten, sondern auch die zahl- 
reiches vorschlage nnd ansichten der gelehrten, deren Schriften 
licht jedermaiui zur band sein können , meist mit kurzem urteil an* 
geftlhrt hat; zweitens durch die zweite aufläge seiner deutschen 
bcholaosgabe 1874, die er nicht mehr selbst ausführen konnte, son- 
dern die nach seinem frühen tode Walther Gilbert mit benutzung 
der Ton Enger hinterlassenen und mit hinzufügung eigener anmer- 
koagen herausgegeben hat. 

76 H. 6 T€ Top vcapdc iiueXöc CT^pvujv | dvröc ävcjiccujv | kö- 
irpccßuc, 'Apric b* ouk lv\ X^P^ ^^^ ^^ greisen bestehende chor 
bägt, er sei zum kämpfe gerade so unfähig wie das kindesalter: denn 
die im kindesalter in der brüst sich . erhebende kraft (^ueXöc) sei 
wie die kraft des greises, also unbedeutend, was sollen aber die 
Worte 'Apnc ^* ouk Ivx X^P9? ^^^ ^^ dafür eine menge vor- 
schlige gemacht wie OÖK Ivx f* iüpqi oder X^pctv oder X^^iplp ua., 
die E^er bei Klausen mit recht verwirft und dafür mit vergleichung 
TOS Xen. anab. V 7, 18 £v oub€|ii$ X^P? ^covrai schreibt ofi tivi 
XUfpqi, damit der sinn herauskomme 'non censetur in aliquo nu- 
mero'. Gilbert schlAgt in der Schulausgabe im kritischen anhang 
«Tor'Apa (oder "Apeuic) b* oök ly\ X^P^- jedoch der Zusammenhang 
Alhrt einfkch auf den gedanken: kriegerische kraft findet sich nicht 
ia greisenalter, also ''Apiic b* oi)K ivi T^pqt. 

132 TÖcov TTcp 6C<ppu)V ä KoXd. so nach dem Flor. Tulg. da- 
gegen streicht Gilbert nach Med. d und schreibt TÖcov irep cCcppuiv, 
KoXd, und diesem vocativ entsprechend 136 alvei für das über- 
lieferte alrei. allein gleich darauf 138 wird ApoUon angerufen als 
helfender nnd gefahr abwehrender gott. darum ist es nicht wahr- 
schehüich, dasz Artemis mit oTvei um hilfe angerufen werde, sie die 
oh dem verzehren der jungen hasen erzürnt ist, an denen sie wie 
ftherhanpt an dem jungen wild ihre freude hat, wie denn auch 
tc^mvd 135 entsprechend dem eihppuiv ak *laeta% somit nach Her- 
■San passiwiaeh, wenn schon ohne beispiel, aufirafiissen sich em- 
pfiehlt 

^^ 9^ X<3KXtv<&v t* ävaübcp fiivex. denen die Iphigeneiaa 
opfenmg ToUnehen war befohlen ihr sorgfültig den mund zu Tor- 
KhüeszeB, damit sie kein soUimmes wort über das haus aasspreche« 
^ ist dvaubov fidvoc, das *?is voeem comprimens' bedeuten soll, 
leltam. n^an erwartet vielmehr nach dem erteilten befehl den er- 
M^, und so Termnte ich ßt^ x<>^ivil^v b* dvauboc ^^vci ' sie bleibt 
^nm, aber mit ihren blicken erweckt sie mitleid. 



172 RBAuchenstem: zu Aiechylos Agamemnon. 

261 dXX* ?i c' diriav^v Tic finTCpoc <pdTic; hier ist fiirrcpoc 
schwer zu erklären, dem sinne nach richtig wäre die erklänmg, die 
in bezug auf diese stelle Hesychios gibt : iipociivf)C f| raxuc, aber a 
ist schwerlich epitatisch, sondern privativ, doch führt Hesjcbios 
auf efiTTTCpGC, eine schnell sich verbreitende flüchtige sage. 

354 ff. : es leugnete jemand dasz sich gGtter um menschen küm- 
mern, öcoic d6iicTU)v xdpic | naroiO*' ö b* oök eöccßrjc. an xdpic 
nimt Enger mit grund anstosz und vermutet c^ßac zwar sinngemftsz, 
aber wegen des folgenden euceßrjc bedenklich, da leute gemeint 
sind, von welchen heilige Satzungen mit füszen getreten werden, so 
schlage ich vor dO(KTU)V O^fiic. 

479 öcTic Tab* dXXuiC x^b' dneuxerai iröXei. Schneidewin hat 
richtig gesehen dasz hier eine schärfere entgegenStellung verlangt 
wird, und schreibt öcTic b' Sv fiXXuJC T^b* direüxTiTai itöXet aber 
mit geringerer änderung, nemlich 8c V aS rdb' dXXuiC rQb' htii' 
XCTQi TTÖXei , wird dasselbe erreicht. 

550 : nachdem der herold das viele schlimme, welches das beer 
vor Troja zu erdulden hatte, aufgezählt, schlieszt er diesen abschnitt 
mit Kai TToXXd x^'p^^v cu|i9opdc (die hss. cu|Liq)OpaTc) KoraEiuit 
womit er von diesem schlimmen abschied zu nehmen wünscht, doch 
hätte man für KaTOtEidi lieber KaT€ÜXO|iai. Gilbert erklärt: 'ich 
halte es für recht, dasz wir uns über das geschehene (Über den durch 
den tod vieler errungenen sieg) recht sehr freuen.' allein dasz X^i- 
p€iv hier nicht von der freude, sondern vom abschiednehmen zu 
verstehen ist, zeigt gleich der folgende gegensatz f^Tv hk usw. 

639 fijiäc T€ jLitv bi\ vaOv t' dKiipaiov ocdcpoc | fjroi Tic iU- 
xXetpev f| "Eq-rficaTO | Geöc Tic. dasz ein gott das schiff aus der ge- 
fahr heraus erbeten habe , ist eine wunderliche Vorstellung, für das 
unpassende äijrrjcaTO hat man iSqprjcaTO und ^EiinVjcaTO, auch 
xd£r]Tif|caTO vorgeschlagen, aber nach d£^KX€i|;€V erwartet man 'in 
Sicherheit, in den hafen gebracht', also f\V €lcu)p|iiC6V, worauf auch 
643 £v 5p|i({i führt. 

697 -noUa V &x' dv dtKdXaic. hier ist ?cx* auffallend, nicht 
gerade weil es intransitiv gefaszt werden soll, sondern wegen des 
aorist, wofür hier ein imperfect erfordert wird, da die gewohnbeit, 
dasz man den jungen löwen wie etwa einen jungen hund auf den 
armen trug, geschildert wird, nahe liegt cIx^t' dxKdXaic. 

771 f. früher tadelte man, auch im stillen der chor, den Aga- 
memnon wegen seines Unternehmens, jetzt aber begrttszt und be- 
fflückwünscht man ihn herzlich (vGv b' oök in* fixpac <pp€v6c oub* 
aq>(XuiC I cCqppuiv irövoc eO TcX^caciv) , da er seine arbeit glücklich 
durchgeführt, weil hier nicht vom beere, wie früher schon Enger 
bemerkte, sondern von Agamemnon die rede ist, so schreibe ich 
irövov eO TcX^cavTi. es fragt ^ich aber wer zu €Cq>pu)V subject ist. 
Kajser wollte eöcppuiv XÖTOC, Weil und Gilbert €C<ppuiv irvöoc 
(gesinnung). doch versteht sich aus der entgegengesetzten frühem 



. RBaachenstein: zu Aischylos Agamemnoii. 173 

gesinnong des cbores cu bi jiOi 765 ff. als subject zu €Cq)piuv 
leicht tj\b. 

851 djcrc cuTTovov | ßpOTOict xdv irecövra XaKTicai ttX^ov. 
f&r u>CT€ ist zu schreiben iJbc bf|, wie es bekanntlich in der menschen 
art liegt. 

856 £v öiffiKoiTOic b' öjifiaciv ßXdßac fx^i I t&c d|i(p\ col 
xXoiouca Xafiimipouxiac | dirmeXyiTOuc aUv. statt xXaiouca 
schreibt Meineke xaiouca, was Enger au&imt mit der erklftrung: 
sie brenne bis spftt in die nacht licht ihren gemahl vergebens er- 
wartend, aber dabei sieht man nicht, was ännieXfiTOUC soll, aller- 
dings hat man hier nicht an die telegraphierenden feuersignale zu 
denken, wol aber an die befohlene beleuchtung des hauses, wenn 
Agamemnon ankftme. über dieses ausbleiben und die unterlassene 
heleuchtung will sie stete in thrttnen sein , und KXaiouca ist nötig 
wegen des dv dfi^aciv ßXdßac Ix'üj. 

900 T|(iEui Ocoic beicacav iib* ^pbciv rdbc ; die stelle ist ver- 
dorben, und dem sinn entspftche etwa fj irp6c Gewv beCcac ti fi* oök 
(de Tdbe; nemlich iroieiv, rdbc wie 923. 

910 mOoO * xpdTOC ^iwoi rrdpec t' ^kJiv iiioi. Gilbert nimt 
a& fi^vTOi T€ anstosz und schreibt |i^VTOi irapek dKU)v i^ox und er- 
Uirt: ^gehorche mir, jedoch nicht als besiegter, sondern den sieg 
mir freiwillig überlassend.' allein wenn man nur ji^VTCi in fi^v TÖbe 
fiadert und schreibt m9o0* KpdTOC fiiv TÖbc Tiapek dKtbv ^MoC, so 
ist die stelle in Ordnung. 

950 f. xpövoc Id TOI iTpufiVT]ciuiv guv £fißoXaTc | ip ap^iac dxd- 
Tou irap^lßnccv. nachdem ich im Aarauer programm von 1858 s. 9 
bemerkt, daaz ipamLita nur von einem untergegangenen schiffe, das 
hier nndenkbar wftre, gesagt werden könnte, und darum Eöv dfißo- 
Xatc i|Hi^p{ac diCTdc, nemlich an der küste von Aulis, vorgeschlagen 
babe, 80 weist das Enger bei Klausen zu 965 zurück, weil so der 
genetif nicht richtig wäre, aber statt irpufiYT^ciuiV £^ßoXa\ cic ipa^* 
Muxv äxrdv kann doch wol bei dem weiten gebrauch des objectiven 
genetivs aach i|iafi^iac dicrfic gesagt sein, und da ich in der anti- 
strophe 965 statt cCxofjiat b* & iiiäc der responsion wegen eCxoM^^i 
TQtUT*^ ^fic vorschlug, so verwirft er das, weil b^ unentbehrlich 
kL wftre es notwendig, so liesze sich b' ai'f Ü djidc schreiben, 
aber da der chor die schlimmen ahnungen seines herzens so eben 
Migesprochen hat, so erhebt er sich mit dem asjndeton nachdrück- 
lich zu dem wünsche, dasz diese ahnungen als teuschungen dahin- 
falien mögen. 

971 Kai wÖTMoc €tj6uiropi£iv | dvbpöc firaicev fiq>avTOV Spfiou 
uch 971 nimt man eine lücke an wegen der antistrophe. aber dort 
^^6 Zeuc dir^rraucev ^rr' eöXaßcicit ist schon das letzte wort an- 
itooig und von Hermann verworfen, auch weisz man von keinem 
^naerjon Asklepios, dasz er öpGobai'jc war die tochter ins leben 
Qvttckzuführen, und so ist, da Asklepios, der einzige öpOobarjc, vom 
blitz erschlagen wurde, der zusätz *zur wamung' seltsam, geholfen 



174 EBaachenstein: tu Aischylos Agamemnon. 

mird , wenn man den auch bsl. unsichem v. 986 aosstöszt und nach 
984 oöb^ TÖv 6p6obaf) 985 schreibt TiJuv <p6iM^vuiV ävirctv iä 
Zeuc , womit zugleich die gen^kue responsion mit t. 972 gewonnen 
wird und keine Ittoke mehr nach 971 astzonehmen ist. mar k^kmte 
man 972 für firaicev fiq)avTOV Spjixa vermuten firaic' Ic ficpovrov 

973 Kai Td jiiv irpö X9r\}i&xwy | KTiictuiv dicvoc ßaXuiv | cq>€V- 
bövac an* eö^^Tpou, | ovk £öu irpöitac bö^oc | Tnmoväc t^uiv 
&T<^v, I oub' Inövncc CKdqpoc. fOir die zwei ersten verse, wo viel 
versucht worden ist, schlage ich vor Känö fi^v Tt XPilM<S^TUiv | miduiv 
ßopoc ßaXwv und 977 statt mmoväc nach der coi\jectur von Schutz 
nXtiCjiOVäc» so dasz böfioc sabject wird, mit dem der.kaufmann od«r 
Schiffer gemeint ist zusamt seiner fracht, die sein venoOgen aus- 
macht, da, wie 978 — 980 andeuten, von getreideeinfuhr die rede 
ist, die bekanntlich aus dem Pontos geschah, wo dann die nord- 
stürme geflüirlich waren, so rettet in solch geföhrlicber läge der 
schiffsherr oder das handelshaus , wenn es einen teil der ladong im 
rechten moment (cq)€vb6vac dir* eöji^Tpou) über bord wirft, sich 
und das schiff mit dem reste der fracht, und ein getreidea^gen des 
Zeus kaiUL ihn vor hunger schützen. 

986 ei bk jif] TeroTM^va | fioipa ^oTpav in Oeuiv I cTpfc \ii\ 
nX^ov 9^p€tv, I iTpo<p6dcaca Kapbiav | iXuicca irdvT* &v ^exei. 
so die beid^ letzten verse nach Schütz und Hermann statt Kopbia 
und TXujccav fiv xdb' Üix^i» Gilbert versteht unter fioTpa tctot- 
^iva i% 9^iiv dos loos des kOnigs, unter jioTpctv das des ehors: 
*wenn mich nicht die dem könig dur<di göttliche Ordnung gebührende 
ehrforcht und scheu hinderte.' aber es handelt sich hier nicht mn 
die dem könig gebührende s6heu, sondern der chor hat schlimme 
ahnungen , da ihm die verhftltnisse des hauses , der Eljtaumiesira 
mit Aigistihos nicht unbekannt sind, was die sache für einen aus- 
gang nehmen soll, das bestimmt das loos der götter, und meinem 
loose kommt es nicht zu etwas über die zukmift zu sagen^ sonst 
würde meine zunge meine Überlegung (Kopbiocv) überholen und alles 
was ich weisz und fürchte ausschütten, es spricht für KOpbiav und 
TXdjcca, dasz die zunge die innem gedanken ausschüttet, nicht aber 
diese jene. 

1011 £cu) q)p€VU}V X^TOUca rrciOui vtv XÖTiy. an dieser ver* 
dorbenen und viel versuchten stelle hat JSnger mit fefSKa statt 
X^TOUca trefflich geholfen, nur schreibe ich statt seiner Vermutung 
TreiOoiT' £v XÖTqi nur ireicerai X6T({i: 'wenn sie zu verstand ge- 
kommen ist, wird sie meiner zurede gehorchen.' 

1131 ifib bk depjiövouc xdx' ^v ir^bip ßaXOj. für das unmög- 
liche OepjLiövouc sind viele vorschlage gemacht worden, von mir 
OepM^lv ol)idb% den ich jetzt zurücknehme , da rdxa nicht entbehr- 
lich ist. Musgrave richtig Ocpfiöv ^oOy. 

1158 OauMdZui b^ ce | irövTOu n^pav Tpa<p€tcav dXXöGpouv 
nöXtv I Kupeiv X^youcav. an dXXdOpouv ttöXiv nimt Enger mit 



EBoachensiein: zu AiBchyloe AgamemnoiL 175 

redit anitosz iind achreibt dXXdGptp 'v iröXet. allein nicht dasz Kaa- 
audn in einer fremden stadt redet, sondern daez sie, eine fremde, 
der Stadt (Azgos) aoswirti wol nicht bekanntee (1150 ff.) sagt nnd 
d«bei das richtige trifft (xupciv), darüber irnndert eiefa der ohor. 
also ist mnr itöXiv in nöXet zn ttndem. 

1178 ffoibec OavdvT€C dKircpel irpöc xäv q>(Auiv. Enger bftlt 
mit recht dicircpci, das man Torgeblich zu rechtfertigen yergnohte, 
ftr verdorben, frfiher fand er Martins ihc tröpcic annehmlich, das 
lidi freilich wegen der fthnlichkeit der bachstaben empfiehlt, aber 
tBÜflsig isi es doch nicht wegen v. 1179, wo es heiszt dasz aie ihr 
ogam fleiadk in den bänden haben. Oilbert schlieszt den ganzen 
Ten las. allein man schreibe nnr irpöcqparot ^friachgesohlachtet', 
wsIoIms dnrch das folgende npöc verloren gehen konnte. 

1189 jeaEtvn. das mediom yon T€iiX€iv erklärt Enger fELr 
aaertrlglieh. aber schon bei Homer findet es sich in activer bedea« 
toag Od. K 183. n. T 208. 

1S31 q^wv in' ^x^pd^v oö bixoppönwc fidniv. Eassandra 
vül sagen, dasz sie wagen ihrer Weissagongen so wol von freunden 
ik Ton Cemden ohne nntersohied verspottet worden sei, aber grmd« 
Io6. dämm vermute ich qiiXuiv 0' ifif ijfifMiy t' oö bixoppönuic, 
Monyv. 

1258 bleibe ich bei meinem frfthem Torschlag oök £ct' dXuEic, 
o(' Ti|ioi XP^f^ irX&)v; 

1284 ToTc £|io!c n^adpotc | dxOpoic ^oveOct toTc dfioic rivctv 
ifiou. diese viel versuchte stelle dfirfte wol so in Ordnung kommen: 
Tok ifoik TiMOÖpotc iußpovc 6^o(ujc toöc dfioöc Tivctv i^oQ 'dasz 
mdiien iScbern meine feinde auf gleiche weise für mich bttszen.' 

1855 €i b* fjv iTp€ir6vTU)v djcr* dnicir^vöciv vexpip, | rdb* Sv 
teniuic f|v. diese allgemein als verdorben anerkannte stelle emen- 
tot ich so : ei b' fiv irp^TTOv KpaTf)p' {mcTT^vbciv v€Kpi?i, | r(lj)V fiv 
taahüc Jiv. Ti^* statt xdb* mit Tyrwhitt, Weil, Gilbert, xporftp* 
tatete etwas kühn scheinen, wird aber gerechtfertigt durch 1357 f. 
tKiDvbc Kpftc^* ^ böfioic Koocuiv öbc | tiX^cac apoiuiv. die er-- 
Hhamg eines Kporfip, hier zum danke eines sieges über den ge- 
treten, ist auch notwendig als entsprechend dem KpaT^jp voll des 
I, das Agamemnon über das haus gebracht habe. 

1409 £^ol h* Mnocfey \ €Övf)c iTapoi|9i(ivf)Ma Tf)c iiif\c xXibffc. 

Aiger admibe ioh öjiofi statt djioi, das wegen rffc ^^c x^t- 
\if flntbehrlidi ist, dagegen aber cuvrjv statt eSvf\c: 'zu^eich hat 
er teine coBcabine, die EaiBsandra, als beigäbe meines genusses (des 
todas Agamemnons) herbeigebracht' (da beide leichen bei einander 
bag«a). 

1446 die ToO fAp ipttic ai^aToXotxöc | veipci Tp^qpeTat. da 
vdpo am mbekanntes wort ist, flir das man allerlei conjiciert hat, 
der mm aber offisnbar verlangt, die mordlust werde vom innersten 
^ecaef ge&ibrt, so halte ich meinen verschlag v^p6€v feei. 

1449 i\ fi^T^zv olKotc Toicbc | baifiova kqI ßapu^1lvw alveic 



176 JGolisch: zu Sophokles Antigone [v. 414]. 

da oiKOic ToTcbe, wie die antistr. 1505 zeigt, metrisch unmöglich 
ist, so war auch ich früher wie Schneidewin auf oiKOVÖfiov ge- 
rathen. jetzt aber ziehe ich Weils oiKOTptßf) vor als kräftiger und 
zu ßapüjirivec passender. 

1453 lu) \t\, bia\ Aide | iravaiTiou iravepT^TO. | ti t^p ßpoToic 
äv€U Aiöc TcXetrai; für bial Aiöc vermute ich biKa Aiöc. demi 
alles wirkt die entscheidung des Zeus. 

1559 *Atp€uc irpo6ufiu)C jnoiXXov i^ cpiXuic irarpi hält Enger 
für aus glossemen zusammengesetzt und streicht den vers nach 
Schütz, da aber das trügerische und heuchlerische verfahren des 
Atreus gegen Thjestes geschildert werden soll, so schreibe man nur 
*ATp€iic TTpoGufiuiC bflOev dic <ptXoc irarpi. bfjßev ironisch. 

1619 : Aigisthos hatte dem chor mit einsperrung ins geftngnis 
und mit bezähmung durch hunger gedroht, darauf der chor: 'als 
werdest du der herscher über die Argeier sein, du feiglingl' ihm 
sagt Aigisthos, der chor werde bald erleben dasz die drohung ver- 
wirklicht werde: äXX' direl bOKCic rdb' fpbeiv Ka\ X^t^^v, tvuicci 
Tdxa. die offenbar verdorbenen worte emendiert Enger: dXX' l\i* tl 
boKÜJ Tdb* fpbeiv Kou X^T^iv, TViiicci rdxa. im ganzen richtig, nur 
möchte ich statt Koi) \if€V)f lieber ihc Xdju). 

1643 yif\ TrpoTijüricijc fiaTaiujv Tuivb' uXoTjidTUiV itw I Ka\ 
cu 0/jcofi€V KpaToGvTC TOfvbe buifidruiv kqXiX^c. die gründe warum 
ich öXdTMaT*, d)c tf[b und für bu)|LidTU)V xaXuic vorschlug xnwJidTUJV 
(mit Karsten) dKOC, habe ich im programm von 1858 auseinander- 
gesetzt und Enger hat sie nicht angefochten. 

Aarau. Budolf Bauohbnbtbin. 

12. 

Zu SOPHOKLES ANTIGONE. 



Der Wächter, der mit anderen zur aufsieht über den leichnam 
des Polyneikes bestellt war, erstattet von da zurückgekehrt bericht 
und erzählt, wie sie sich gegenseitig wach erhalten hätten, mit fol- 
genden Worten: 

dT€pTl KtvuJV fivbp' dvf)p dirippöOotc 413 

KaKoiciv, ei TIC ToOb' dqpeibVicoi irövou. 
für das unstatthafte dq)eibiicoi hat Bonitz dioibrjcot vorgeschlagen, 
und dieses ist bei nur geringer diplomatischer berechtigung in die 
ausgaben aufgenommen, ich glaube, mit unbedeutender ändemng 
der überlieferten lesart müsse geschrieben werden: 
dTcpii xiviBv dvbp* dvf|p dTiippöGoic 
KaKOiciv, eT Tic ToOb' d<p' eäbfjcoi irövou. 
dieses eäbrjcoi, mag man es im eigentlichen oder im übertragenen 
sinne nehmen, wozu das lexikon belege gibt, passt sehr wol zu dem 
if^pa Kivwv, ja wird von diesem beinahe gefordert, dnö ">« infolge. 
ScHWBiDNiTz. Julius Golisoh. 



ThBergk: lesefnlohie (Thokydides und Herodotos). 177 

(2-) 

LESEFBÜCHTE. 
(fortaetzoDg^ von s. 33 — 60.) 



vm. 

THÜKYDIDES UND HERODOTOS. 

Thnkjdides schildert I 126 sorgfältig die Vorgänge bei der 
imteidrückang des aufstandes des Eylon und seiner genossen, dasz 
dar gaschichtschreiber dabei die kurze darstellung des Herodotos V 
71 Tor angen hat und eine stillschweigende polemik gegen seinen 
TorgftDger sich hindurchzieht, ist wol allgemein anerkannt'; aber 
hinsichtlich der differenz zwischen beiden historikem smd die an- 
nebten geteilt, wie denn schon die alten granunatiker die lösung der 
strtitfrage beschäftigt hat. eine neue erklftrung hat so eben APhi- 
lippi (ün rhein. museum XXIX s. 5) vorgetragen, indem er eine 
eatdeekong seines coUegen FBtthl weiter ausführt, das neue hat 
Ar Tiele gemttter einen unwiderstehlichen reiz, und so wird ee auch 
dieser hypothese an Zustimmung nicht fehlen, ich erlaube mir da- 
her alsbald einspräche zu erheben. 

Philippi findet die darstellung des Thukydides tendenziös, 
wnste sich aber nicht recht zu erklären, was den historiker zu dieser 
partaiscben aoffassung veranlaszt habe; hier kam ihm BUhl zu hilfe 
mit der Vermutung, Thukydides gebe die den Alkmaioniden gfln- 
itigste Version wieder, wie sie von den freunden des Perikles fest- 
gsbalten wurde, als es den forderungen der Spartaner entgegenzu- 
treten galt, welche unmittelbar vor dem ausbruche des groszen 
kzieges die anstreibung der nachkommen der Alkmaioniden ver- 
kagten, um auf diese weise denPetikles zu entfernen, an dem jener 
mskel haftete, 'ist es nicht erklärlich, dasz damals auch Thuky- 
dides unter dem einflusse der auffisssung steht, weldte die der 
pttnoten gewesen sein wird?' so äuszert sich Philippi, indem er 
lieh offenbar vorstellt, Thukydides habe angesichts der ereignisse 
sein werk, so wie es uns vorliegt, niedergeschrieben, also müste, 
da der historiker doch nicht die arbeit schon vor dem ausbruche des 
kiieges begonnen haben wird, dies capitel ol. 87, 2 oder 3 abge- 
tuzt sein ; dann würde aber jide beziehung auf Herodotos wegfallen, 
da dessen historien sicherlich erst später veröffentlicht worden sind; 
nsa mflste denn annehmen, Herodotos habe bei seinem ersten auf- 
othalt in Athen gerade diesen abschnitt vorgelesen und Thukydides 
bsbe als knabe dies alles seinem treuen gedächtnis eingeprägt, um 
in reiferen jähren dagegen zu polemisieren, über die zeit der ab- 
batung der geschichte des Thukydides sind die ansichten geteilt, 

* die« war aiedergetchrieben gleich naeh dem erscheinen von 
Ptiiltepie «rbelt. kfinlioh ist das was ich oben als allgemein tnge- 
Maasea beaaiehiieie bestritten worden, doch wäre es wenig lohnend da- 
lifMi sa polemisieren. 

Ar dMS. philol. 1878 hf). S. 12 



178 ThBergk: lesefrüchte (ThukydideB und Herodotoe). 

aber niemand hat bisher die worte I 1 dpEd^evoc €u6uc KaOiCTa^^- 
vouToO TToX^^ou in dem sinne wie Philippi verstanden, selbst 
wenn man der hjpothese von Ullrich sich anschlieszt, Thukydides 
habe seine arbeit unmittelbar nach der ersten epoche des luieges 
begonnen, eine ansieht welche ich nicht teile, so konnte doch die 
augenblickliche Stimmung des tages nach verlauf einer reihe von 
jähren auf einen ernsten und gewissenhaften mann nicht mehr be- 
stimmend einwirken. 

Ich musz offen bekennen dasz ich in allen wesentlichen puneten 
anderer ansieht bin. ich halte die darstellung dieses ereignisses, wie 
sie Thukydides gibt , für durchaus treu und objectiv , und habe diea 
bereits im j. 1852 ntther begründet'; dagegen der kurze bericht des 
Herodotos erscheint parteiisch gefärbt: denn er sucht sichtlich die 
schuld der Alkmaioniden abzuschwächen, von der ermordung der 
schutzflehenden kann Herodotos sie nicht freisprechen, da diese that- 
sache unwiderleglich feststand'; aber den Vorwurf des treubruches 
sucht er von ihnen abzuwenden , indem er dafür die pr jtanen der 
naukraren verantwortlich macht, ich will nicht wiederholen was ich 
ao. weiter ausgeführt habe.^ ich halte noch heute alles , was ich da- 
mals nach reiflicher erwägung niedergeschrieben, aufrecht ; auch die 
Vermutung, dasz Herodotos gerade um die zeit, wo der peloponne- 
sische krieg dem ausbruch nahe war, jene partie revidierte, hat sich 
mir bei wiederholter Untersuchung über die abfassungszeit des Hero- 
dotischen Werkes bestätigt, nur würde ich jetzt geradezu das erste 
kriegsjahr ol. 87, 2 nennen. 

Auf das was ich ao. über die naukraren und ihre prytanen ge* 
sagt habe will ich hier nicht zurückkommen : denn es würde zu weit 
führen, wollte ich auf die in neuester zeit aufgestellten bjpothesen 
eingehen.^ stoff zu bemerkungen bietet sich hier in fülle dar: ich 
verweise beispielshalber nur auf das was RSchöU im Hermes VI 24 
über die KUjXatP^Tai oder xujXaKp^Tai sagt die ableitung von dt^i- 
p€iv, welche die neuem gutheiszen, ist allerdings unzulässig.* KUiXa- 



* in der rec. von Böckhs ataatahauahaltone^ der Athener in diesen 
Jahrb. bd. LXV a. 889 ff. * bei Philippi laufen mancherlei misver- 

ständniaae mit unter, wenn er zb. a. 4 aagt: *die blatschald dea Megakles 
und der andern Alkmaioniden, welche Httrodot wie eine persönliche yer- 
Bchnldang auffaszt', 80 kennt er offenbar die bedeatung der sehr 
gewöhnlichen formel alriav ^x^ oder alrla ixti ^c nicht, ebd. wird be- 
hauptet, wenn Thnkjdides erzähle daaz daa yolk die neun arehonten 
mit auazerordentlicher vollmacht veraah, so lasae dieaer bericht g^r 
keine ataatarechtliche auffaaaung zu. ich finde die darateilnng gan* 
correct: eine aolche vollmacht konnte nur die gemeinde erteilen; ob daxu 
in der alten zeit immer der antrag einer berathenden körperschaft er- 
forderlich war ateht dahin, jedenfalla war ea eine form, von der man 
in auazerord entlichen fällen wol auch einmal abaah. ^ wer aicb für 
die aache intereaaiert, mag die mühe nicht acheuen, die jahrb. nach* 
zuaohlagen. ' die welche diese frage behandelt haben acheinen meine 
anaicht gar nicht zu kennen, obwol KFHermann gr. ataataalt. § 98, ^ 
auf den angeführten band der Jahrbücher verweist, * die überaetzang 



ThBergk: leaefrüchte (Thokydides und Herodotos). 179 

Tp^nic ist auf &TP€tv >» alpeiv zarttckzaftlliren^ jialccfpiTac bei 
Amtbs ist eine ganz analoge bildnng, anch die spartanischen Itt- 
iroTp^Tm scheinen hierher zu gehören, obwol hier auch eine andere 
aoffassung mOglich ist. über das Zeitwert ifpii^ vgl. meine be- 
merknng OLG. I 58, 20.^ die ursprüngliche form ist cJso KUjXatp^- 
TT|C, Ton der SchOll behauptet, sie sei auf grund der deutung KUjXäc 
dtcipetv erfunden; auf attischen inschriften findet sich regelmftszig 
xuiXoncp^Tiic: dies ist derselbe lautwandel wie in YvdqpaXXov und 
Kvd<paXXov, Tvaq>€iJC und KvaqpeOc, äyvaqpoc und dKvaTTTOC usw. 
die handschriften schwanken zwischen beiden formen; im Aristo- 
phanes habe ich kuiXotP^tiic beibehalten, weil diese Schreibart dort 
mehr gewfthr hat. 

Den namen des Ejlon hat Sauppe in einer attischen inschrift 
ZQ finden geglaubt , welche ein Verzeichnis der attischen Olympioni- 
ken enthfilt (nachr. d. GOttinger ges. d. wiss. 1867 s. 197), indem 
ereiginzt: 

[Tpirri Kai Tpionco-] 
[crq bqauXov [Kii]X[ujv] 
im diaolon hat allerdings £jlon gesiegt (Paus. 1 28, 1), aber ol. 35 : 
». EusebioB ann. s. 144 ed. Mediol. ; Sauppe hat wol nur mit rück- 
lidit auf den beschribikten räum Tpir^ vorgezogen, diese Zeit- 
bestimmung ist nicht eben wahrscheinlich: dann würde zwischen 
dem oljmpiscfaen siege und dem versuche des Ejlon sich der höch- 
sten gewalt zu bemächtigen ein zu groszer Zeitraum liegen: denn 
jenen Kjlonischen handel darf man nicht vor ol. 41 , 1 , aber auch 
nicht nach ol. 42 , 1 setzen.* wollte man von der Überlieferung ol. 
35 al^hen, so würde sich weit eher die ergänzung Iktt) kqI rpia- 
coctQ empfehlen : wird doch in der inschrift auch der erste sieg des 
Paataklea in oL 22 statt 21 versetzt, allein die Vermutung Sauppes, 
dsaz hier Kylon genannt sei, ist überhaupt unstatthaft: denn dann 
vikrde zwischen ol. 22 und 33 gar kein sieger aus Athen verzeichnet; 
aoBzerdem ist die ergttnzung des namens KüXujv nur mit starken ttn- 
derangen dnrchführbar, da der stein nichts weiter als AYAONENA 
bietet es ist wol eher zu lesen: 



'•cUakeneamler', welche Scholl empfiehlt, um jene etymologie sa ver- 
kohaes, eoll wol witsig eein; mir scheint dieser ton männem wie B5ckh 
refenSbcr eehr unpassend. Scholl verschweigt übrigens, wie er selbst 
iie susammensetsang KUiXaKp^TT^C erklären will. 

^ nach Rnhnken zum Timaios s. 193 leitet auch der scholiast zu 
Aristopfa. Wespen 093 (695) das wort von dyp^v ab, allein in den neuem 
%atfaben der acholien wird diese notiz vermisst. ^ dxp^ai (napO^voi) 
ift draekfebler statt dtpcraC. * das erstere datum verdient wol den 
Torsag; dann liegen zwischen ol. 35, 1 und ol. 41, 1 gerade 24 jähre: 
KjloB aiag damals ein mann im besten alter gewesen sein; wenn Hero- 
'«tot T 71 sagt irpociroincd^evoc ^TaipT)Tiiv tuüv i^XtKiuiT^uiv , so liegt 
la diesen worten nicht notwendig, die sache sei ein übermütiger Jugend- 
■trticb gewaaen. Herodotos war übrigens über die chronologischen ver- 
mtmisc dieser vorginge schwerlich genauer unterrichtet. 

12* 



180 TbBergk: leaefrücfate (zu AriBtoteles poetik). 

[TpCnj Kai cIko-] 
[criji bi]auXov ''€vb[ioc] 
oder wie man sonst den namen dieses unbekannten siegen her- 
stellen will. 

IX. 

ZU ARISTOTELES POETIK. 

Die bekannte stelle im eingange der Aristotelischen poetik 
(c. 1, 7), wo der philosoph abweichend von der gemeinen vorstellnog 
enOTioiia in weiterem sinne gebraucht, so dasz nicht nur elegie und 
iambische poesie , sondern auch Schriften in prosa unter diesen be- 
griff fallen , hat Bemajs durch einschaltung des Wortes ävdrvuMOC 
verständlich zu machen gesucht. Spengel verwirft dies Supplement, 
andere haben es gebilligt. Bemajs hat mit glllcklichem scharfsum 
das unentbehrliche wort gefunden, aber mit dieser einfachen ergfin- 
znng reicht man nicht aus: denn wenn handschriftlich 11berli«fert 
wSre: f| bk lixoTioiUi . . dviI)Vu^oc TUTX<ivouca ^^XP^ '^oö v&v, so 
wtlrde damit nur eine neue Schwierigkeit entstehen, das wort £iro- 
TTOiia ist ja nicht von Aristoteles neu gebildet, sondern der phi- 
losoph legt nur dem allgemein üblichen ausdruck eine umfassendere 
bedeutung bei: alle die litterarischen Spielarten, welche Aristoteles 
hier zusammenfaszt, sind längst mit bestimmten namen bezeichnet^ 
Aristoteles vermiszt nur einen ausdruck für die ganze gattong und 
erlaubt sich dafCLr iiroTTOiia zu gebrauchen: nicht die ^Tronoüa ist 
dvi&vu^oc, sondern die von Aristoteles aufgestellte gattong der 
poesie hat bisher einer bestimmten bezeichnung entbehrt, offenbar 
ist hier durch nachlässige Überlieferung der text der Aristotelischen 
Schrift stark geschädigt; darauf deutet auch das folgende otiibiv T^ 
&V ^X^^M^v usw. hin, wo man den natürlichen gedankenzosammen- 
hang vermiszt. 

Aristoteles wird geschrieben haben: 
• f| bk ^TTOTTOua fiövov ToTc XÖTOIC f{ 

ipiXoTc ToTc ^^TpoicS Kai toijtoic 

€!t€ fiiTvOca ^€T* äXXfjXuiv, €l6' ivl 

TlVl T^Vei XPUJJUl^VT) TU&V Jül^TpUlV 

(Tf|v ^{fiiiciv Trouixar X^tu) bk diro-) 
(iroi(av KOiviä Tf|v Kaxd fii^ticiv 7to(-) 

(nCtV bld XÖTUIV f{ ipiXlIlV TOIV Jül^TpUlV,) 

(f^Tic TÖ iiky SXov ävuivu^oc) 

TUTX^vci oöca iii%px toO vOv. 
Aristoteles muste mit klaren werten und direct definieren , was er 
unter iiroiroüa verstehe: die Wiederholung ist also hier geboten. 



* diese verbessernng der hsl. lesart fiövov TOlc Xöroic v^Xotc fi 
Tolc fiirpoic ict imbedingt notwendig: denn der sohlichte vertrag der 
verte ist ja eben nach Ariatotelea ein oharakteriatisehes merkmal der 
gattong. daa haaptsächliche habe ich OLG. I 486 in einer anmerkoog 
Kori snaammengefaiEt. 



ThBergk: leaefTflchte (zu Ariitoielefl poetik}. 181 

Ar die fassnng im einzelnen kann ich nicht einstehen: Tf^ |Ji(fH]Ctv 
iTOicTTai oder ^i^ciTOt ist, wie Kai toutoic zeigt, unentbehrlich; 
ebenso ist TÖ |i^v SXov notwendig : denn nur für die ganze gattung 
fenniszt Aristoteles eine bezeichnung, für die einzelnen Spielarten 
nad die passenden namen vorhanden, man vgl. Meteor. II 4 Icn 
Top Mo €{bii Tf)c &vaOu^ldc€UlC, \bc (pc^iev, f| ^iv xrfp&f i\ bk ir\p& ' 
KoXctrai b' f| |ji4v dTfitc, f| bi t6 ^iv öXov ävuivuiioc, ti|i V iiA 
yiptAK dvdricn XP^M^vouc KaOÖXou TrpocaTopeOetv aÖTf|v olov 
nbrvov. # 

Das folgende bedarf nur noch geringer nachhilfe; sehr yerkehrt 
hat man bta Tpifi^Tpuiv in bi& &x^^Tpuiv verUndert; ebenso wenig 
ist das Supplement bxä (dSc^i^Tpuiv t\ bi&) Tpifi^TpuiV statthaft; da- 
gegen ist wol (la^ßoirotouc, touc bk) iXvf&onoioiCj toOc 
kiiroifoiovc övo^dZouciv zu schreiben, obschon Aristoteles bei 
•siaen streben nach kürze des ausdrucks auch das erste Satzglied 
iregliBBen konnte, widersinnig ist oöx die touc (die meisten hss. 
ti^) Kora ^i^1lClv iroiTirdc, dXXd koiv^ Korrd fi^Tpov TTpocoropeu- 
ovrec. Aristoteles schrieb: oöx die [Tf|v] Kard ^i^T^civ iroiHTdc 
KOivQ, dXXd Kord fi^rpov irpocaropcucvTec, indem er eine allge- 
miae bezeichnung verlangt, welche die spradie nicht kennt, auch 
in fügenden: xfid xdp dv lorpiKÖv ti q>ucucdv n bid luiv ^^TpulV 
iiqp^puiav ist wol statt des unbestimmten bid tuiv ^^rpuiv viel- 
mdir btd dSafi^Tpuiv zu lesen: denn für das lehrgedicht ist in 
der dassischen zeit der hexameter norm: und eben weil man die 
metrische form ansschlieszlich ins äuge faszte, rechnete man Empe- 
doUes so gut wie Homer zu den diroiroioi oder iroir]Tau statt q>uci- 
b6v Ineteirdie hss. ^ouclKÖv: ein didaktisches gedieht über musik 
«in an sich nicht auffallend, obwol kein historisches zeugnis sich 
dafür beibringen Iftszt; allein die Verbesserung q>uciicäv ist richtig, 
da Aristoteles speciell die litterarische thitigkeit des Empedokles 
im finne hat, der ebenso wol loTpiicd als q>uciKd verfaszte« alle 
Veiteren tnderungen dieses abschnittes sind abzulehnen, am wenig- 
itea darf man die bemerkung über den K^vraupoc des Chairemon, 
«dehe nachträglich hinzugefügt wird, umstellen: der kritiker hat 
keia recht die texte der dassiker wie ein Schulmeister die stil- 
Qboagen nnreifer knaben zu corrigieren. 

Daas die definition, welche Aristoteles hier an der diroirotia 
uftteDt, im weitem verlaufe nicht festgehalten wird, dasz Aristo- 
teles aadiher über den K^vroupoc des Chairemon ganz anders ur- 
teilt, ist eine thataache welche die kritik gelten lassen mnsz. solche 
vid«r^>rttche lassen sich nur aus der entstehung der schrift ge- 
Bflgead erUflivn. Aristoteles, der wiederholt vortr&ge über die 
poetik hielt, hat eben im verlaufe der zeit seine ansichten mehrfach 
ttodificiert; hier macht er den versuch die elegie und iambische 
dichtong unterzubringen, die man bisher, indem man die metrische 
form ins äuge faszte, als selbstftndige gattungen betrachtete. Aristo- 
teles weist beide der £iTOiroiia oder i|iiXf| iro{r]Cic zu : denn iamben 



182 ThBergk: lesefrücfate (zu Aristoteles poeük). 

und elegische disticben wurden damals nicht mehr gesungen, sondern 
einfach recitiert, gerade so wie das epos. Aristoteles sieht von der 
geschichtlichen entwicklung der poesie ab und faszt lediglich die 
gestalt ins äuge, welche zu seiner zeit praktische geltung hatte; 
daher ist auch der reichtum der melischen dichtung auf die beiden 
formen des nomos und dithjrambos reduciert, weil nur diese damals 
noch litterarische bedeutung hatten. 

Dasz Aristoteles die von ihm hier dTTOiroiia benannte gattung 
der poesie al% bisher namenlos bezeichnet hatte, wie Bemays 
scharfsinnig errieth , wird in erwünschter weise bestätigt durch den 
Sprachgebrauch der byzantinischen litterarhistoriker, welche ge- 
radezu den ausdruck anonyme poesie eben zur bezeichnung des 
epos verwenden. 

lohannes Tzetzes, das urbild des verkommenen Byzantinertoms, 
schreibt in seiner einleitung zu des Hesiodos Werken und Tagen 
s. 12: es gebe lyrische dichter, monoden, komiker, tragiker und 
tausend andere (^Tcpa ^upia övö^axa), kot' dSaipcTOV bt o\ Ik 
ncpiouciac xai ävu)vu^u)c KaXoupcvoi noiriTai. er meint die epiker, 
indem er sich den weg zu seiner eigentlichen aufgäbe bahnt ; daher 
wiederholt er die gleiche formel s. 13 : noiT^Tai bk dvuivu^ujc icat 
KOT* dEox^v dKCivoi KoXoOvTai, oöcTiep xctpaKTTjpüIei rauTa xd ik- 
capa, nexhlich heroisches versmasz, allegorischer mythos (nach 
Tzetzes die hauptsache) , eine alte geschichte und heroische spräche, 
loh. Tzetzes verweist in dieser einleitung auf eine eigene früher ver- 
faszte Schrift über die verschiedenen gattungen der poesie und auf 
den commentar seines bruders Isaak zu Lykophron. die schrift dea 
lohannes Trept biaq[)opäc noiiiTdiv, deren wert unzweifelhaft dnrch 
die eleganz der iambischen verse noch erhöht wird , ist wiederholt 
herausgegeben : von Cramer im dritten bände der An. Oxon. , von 
Dübner im rhein. museum 1835 und in den schollen zu Aristopha- 
nes. hier endet die aufzfthlung der gattungen der poesie v. 1 1 novi); 
TiKÖv T€ iräv dviivunov t^voc und v. 166 ttoititiköv bk näv dvui- 
vu^uic X^Y^. dann werden ebenfalls die vier notwendigen merkmale 
der epischen poesie namhaft gemacht. 

Isaak Tzetzes, der bescheidener aufzutreten pflegt als sein 
bruder und schon dadurch ein günstiges verurteil erweckt, bemerkt 
im eingang seines commentars zur Alexandra des Lykophron : TTOir]* 
TTJc sei der generelle ausdruck ; speciell unterscheidet er töv kot* 
äoxf|V Kai dTTpocbiopicTUic XcTÖ^evov TrotiiTriv, den lyrikerusw. 
indem er dann die einzelnen gattungen der poesie zu charakterisieren 
versucht, beginnt er : tujv ^Iv oOv &7TpocbiopicTU)C xai kot' ^X^^ 
7ioiiTra»v KaXou^^vuJV T^ccapa raOra TUTX<iv€i Td TvujptqiaTa, dh. 
dieselben welche auch lohannes aufzählt.' man sieht, die litterar* 



' wenn Isaak hinzufügt div x^iplc ^iroiroiol X^ovrai, dh. wem die 
vier qualltäten der epischen poesie abgehen, heiszt ^iroirotöc, so ist 
tlies freilich der gipfel bysantinischer bomiertheit. 



TfaBergk: lesefrüchte (zn Aristoteles poetik). 183 

historisdie bildnng beider brttder steht auf gleicher h5he, aber 
Isaik ist Terstftndig genug, tun den wunderlichen ausdmck &vübvu- 
|1K fernzuhalten. 

Diese anonyme gattung der poesie darf man jedoch nicht für 
eigne erfindung des loh. Tzetzes halten: denn die quelle, aus der 
beide brflder ihre litterarhistorische gelehrsamkeit schöpften , iSszt 
sich noch nachweisen: es ist die kleine abhandlung des Andronikos 
mp\ T&Ectuc TTOiiiTUfV, von Bekker Anecc(.ni 1461 aus einer Pariser 
ha. herausgegeben'; wie es scheint eine einleitnng zu Homer, aber 
oimbar nur im auszug erhalten, hier haben wir die quintessenz 
der byzantinischen philologie: die ^oviubia erscheint auch hier als 
besondere gattung der poesie mit ihrem yertreter Lykophron, dem 
befonugten scboszkinde byzantinischer erudition^; die vier merk- 
male der epischen poesie werden gerade so wie bei den brttdern 
Tzetus anfgezfthlt (vgl. auch Tzetzes zur Ilias s. 29. 50 und 151). für 
deiibildungsgrad des Andronikos und seiner zeit ist charakteristisch, 
dasz er für notwendig findet, den komiker Piaton von dem Philo- 
sophen ausdrücklich zu unterscheiden , was der anonyme gramma- 
tiker ircpi ku>^. IX 9 ausschreibt.'^ bei dieser gelegenheit teilt er 
ein Tcrzeichnis der komOdien des Piaton mit, ganz so wie es Suidas 
aosHesychius Illustrius abschreibt, und zwar hat Andronikos dies 
recht ungeschickt eingeschaltet, denn nun ist die erklärong der 
oeaen komOdie geradezu unverstfindlich. aus unbekannter quelle ist 
die notiz über Plautus und Terentius geschöpft: sie geht zurück 
uf die anflbige der philologischen Studien in Byzanz, wo noch 
Interesse für die römische litteratur vorhanden war. dasz die metri- 
sebcn inhaltsangaben der Plautinischen lustspiele dem dichter selbst 
xogesehrieben werden , ist nicht auffallend : die periochae der ko- 
oMien des Terentius kennt Andronikos dh. seine quelle nicht; 
danos darf man aber noch keinen schlusz auf das alter der quelle 
aehen.* die bemerkung über die gliederung der neuem komödie 

' welcher seit Andronikos angehört, wage ich nicht genauer sa 
bcftismen: der name ist in Byzanc ganz vulgär, ein commentar des An- 
jronikoe znr Odyssee wird bei Miller M^langea s. 191 angeführt (erklftrung 
n>D KÖXXoHT Od. q> 407, sehr trivial Im vergleich mit dem was Enata- 
tUoe aas anderen quellen bietet), die früher geäusserte Vermutung 
iber den Terfasser des traotats ncpi TdE€WC itoiiiti£»v (Aristophanes 
U. I praef. s. VlII) habe ich längst aufgegeben. ^ vgl. auch loh. 
Tietxea rar Utas s. 29 und 160, Isaak zu Lykophron bd. I s. 249. 260. 
^ dieser fügt noch ein Tic zum namen des Piaton hinzu, auch in 
4cr dojch ansfall eines Wortes (cu|ißoXiicy|) entstellten definition der 
■itllera komSdie stimmt er mit Andronikos. wenn es vorher heiszt: 
Kpailvoc ö Kol irpaTTÖ^cvoc, so bedeutet diese formet bei den Byzan- 
^cn gar nicht mehr., dasz eine sehrift noch existiere und gelesen 
verde, sondern dasz der name des Schriftstellers häufig vorkomme, seine 
vcrke von den älteren grammatikern citiert werden. Isaak Tzetzes 
•ckreibt an Lykophron I 266: KW^^)^ol irpaTTÖ^cvoi Kpattvoc, TTXdruiv, 
^oUc, 0€p€icpdTi)C, *ApicTO<pdvi)c Kai £T€pot. ebenso schol. zu Dio* 
>fnoe Thraz BlL An. II 761 von den zehn lyrikem (doch liest eine an- 
dtfi h«. hier ircpu^^cvoi). ' die unter dem namen des C. Sulpicius 



184 ThBergk: leteMchte (zu Aristoteles poetik). 

in fünf acte und die Unterscheidung der drei teile (protasis, epitans, 
Icatastrophe) überträgt AndronikoH aus misverst&ndnia auf Terentins. 

Hier begegnen wir ebenfalls der anonymen dich tu ng. 
es heiszt gleich im eingange: KaT€£a(p€TOi bk <A iK Trepioudac kui 
&vujVTJ^ujc KaXou^evoi TroiiiTai, während nachher iroiiiTai bk dirpoc- 
biöptcTOi Kai kot' ilox^y elciv, und am schlusz: xal raOra fiiv Toi 
TViupic^ara tODv xaXou^^vujv kot" dSox^v TTOiiiTiIrv. 

Es kann nichts abenteuerlicheres geben als die epische poesie, 
die jedermann bekannt war, als anonyme dichtung zu bezeichnen, 
gerade als wäre dies eine herkömliche , allgemein recipierte benen- 
nung. diese Vorstellung kann nicht selbständig bei jenen byzantini- 
schen querkOpfen entstanden sein, sondern sie beruht offenbar nur 
auf einem misverständnis jener Aristotelischen stelle, allein die 
poetik des Aristoteles war diesen Byzantinern völlig unbekannt: wie 
eifrig wttrde lohannes Tzetzes, der seine litterarischen hilfsmittel so 
fleisrig auszunutzen versteht, den reichen schätz des Wissens, den 
diese kleine schrift darbietet, sich angeeignet und nachher den Stagi- 
riten mit seiner schulmeisterlichen kritik zum danke mishandelt 
haben! auszerdem hatten diese Byzantiner von der eigentOmlichen 
definition des philosophen gar keine ahnung, das dvtuvufiov t^voc 
ist ihnen das epos im gewöhnlichen sinne des wertes , und daneben 
zählen sie in hergebrachter weise die elegiker und iambographen 
auf, die doch nach der theorie des Aristoteles unter den begriff des 
ävüi>vu)iov Y^voc fallen würden. 

In der quelle, welche Andronikos benutzte, war die theorie des 
epos ausführlicher behandelt, hier war bemerkt, dasz der epische 
dichter nicht nur £ir07T0iöc, sondern auch noxryriic schleohthin 
heisze. dies ist stehender Sprachgebrauch der Byzantiner, daher 
auch TTOiT^TiKÖc gleichbedeutend mit ^episch', allein der ausdruck 
gehört schon der alezandrinischen periode an und reicht vielleicht 
bis in die classische zeit hinauf.' in einer Inschrift von Orchomenos 
in Boeotien, wo die sieger im agon der Charitesia verzeichnet sind, 
von Ol. 145 (CIG. I 1583) lesen wir: 

TTOeiTdC 

Mif)CTuip MrjcTopoc <t>uiKai€iic. 

paipaFubdc * 
KpÖTuiv KXiuivoc 6€i߀toc. 
der iroctTÖc trägt eigene, neue epische gedichte, der ^aipaFuöoc 



Apollinaris überlieferten periochae sa Terentius legt man dem lehrer 
des OelUue bei; dies ist jedoch keineswegs ausgemacht, das dem B.y* 
santiner Yorliegende ezemplar des Tereutios wird eben dieser caffsba 
entbehrt haben. 

' doch traae ich der überliefemng bei Aristot poetik o. 1, wo es 
Yon Chairemon heisst xal (toOtov) ironiTfiv irpocavopcuT^ov nicht recht, 
et ist wol ^iruiv hinsusafügen. ^ Böokh betont irocirac, ^ai|fdFu6oc 
usw. allein dass erst in so später seit (nach ol. 145) der wandet der 
betonnng in Boeotien sich vollsogen habe, ist höchst anwahrscheinlich. 



ThBflrgk: lesefrfiehte (zu Amtoteles poetik). 185 

lltere tot.* in einer jungem inschrift ebd. 1584 ist nur die reihen- 
folge abgeftndert: zuerst tritt der ^aipipböc auf, dann der dichter: 

Nou^^vloc Noupiiviou *AOr]vaioc. 

*A^tvtac AimoKXdouc Onßcttoc 
ebene in einer andern bei üssing inscr. gr. ined. 53 : 

(kti|iipbdc 
M^vTuip ^AiroXXobuipou *HpGncX€u()Tiic. 

7lO»lTf|C 

AtOT^c A€(uv(bou 'AvTioxeOc äirö Adqyvric. 
nd Bbattgab6 966 : 

*ApT^fiuiv IcibÖTOu *A8TivaToc. 

intSjy TTOitiific 
'AtaOoKXfic Oeobociou NeaTroXiTiic. 

die letite inschrift bezieht sich auf den agon zu ehren des Amphia- 
nes bei Oropos.'* * diese inschriften beweisen unwiderleglich die 
idaititlt von noiT^Tnc und 7T0iT)Tf|C £7T(Xiv. wenn Plutarch quaest. 
87iDp. n 4 erzählt, einer seiner Zeitgenossen Sosikles von Eoroneia 
hkbe an den Pythien als T[Oit\Tf\c den sieg errungen, so ist dies von 
dem preise ftLr epische dichter zu verstehen. 

Nachdem jener litterarhistoriker die ausdrücke ^TTOiroiöc und 
noirfr/ic besprochen hatte, wird er die theorie des Aristoteles kurz 
berlÄrt haben; er schöpfte aber wol seine kenntnis nicht direct aus 
der poetik , sondern benutzte eine spätere darstellung der Aristote- 
Üichen lehre, wie uns ähnliche arbeiten Aber andere teile des Systems 
der peripatetiker noch bei Stobaios erhalten sind, dem Verfasser 
dieser epitome lag vielleicht die stelle der poetik schon nicht xpehr 
ia unversehrter gestalt vor, oder er gab den gedanken des philo- 
lopben in ungeschickter weise wieder und gab so anlasz zu jenem 
lÜerUchen misverständnis, als ob Aristoteles beabsichtigt habe 
den losdruck epische dichtung durch anonyme poesie zu er- 
tttzen." 

' BÖeklu aaffassan^, ale habe der rhapaode die gediehte des iroei- 
Tk Yorgelragen, ist nnsnllUsig, ebenso wenn er nachher den KtOaptcrdc 
ttd nBapaFu66c mit einander in verbindanff bringt. ^* daaz der 

ix^ votTfT^c hier wirklich ein episches gedieht, nicht ein enkomion 
^ bexanelem vortrug, erhellt daraus dasz für das t'fxdiiiiiov ImKÖv 
«it besonderer preis ausgesetst war, den AimoxXftc 'Afiivtou 6v]patoc 
(f |L dio oben angefahrte inschrift CIO. 1584) gewann, natürlich berühren 
lieh diese gattnngaa sehr nahe: der epiker mochte öfter einen mythi- 
•cbcn Stoff benntsen, nm ein lob der gegenwart ananbringen. in einer 
iniehfilt TOB Lamia (Rhang. 742) wird (TToX){Tac TToX&o TiroTOtoc 
'leaiTi^ i)inflbv belohnt, weil er in seinen bclEcic der Stadt in ehren ge- 
Mtt halte (rftc iröXioc dEiuic iirc^ydcoro). " in der darstellung der 
itbik des Aristoteles nnd der übrigen peripatetiker bei Stobaios ekl. 
^lk|B. H e wird von dem ansdmck dviitvu^oc in aosgibiger weise ge* 
^»ach genuicbt, ab. die definition der 6ci6tt)C lautet bd. II s. 90 M.: 



186 ThBergk: lesefrüchte (eine griechische inschrift). 

X. 

EINE GRIECHISCHE INSCHRIFT. 

Mommsen gibt im CIL. I nr. 587. 588. 589 inschriften griechi- 
scher gemeinden, welche in Bom weihgeschenke aufstellen, die 
erste und dritte sind in lateinischer und griechischer spräche abge- 
faszt; von 588 liegt nur der lateinische text vor, während einevierU 
inschrifb nur in griechischer fassung erhalten ist. diese auch im 
CIG. ni 5882 mitgeteilte inschrift hat Mommsen hier wiederholt 
und dabei noch zwei andere abschriften benutzt, während Franz die 
inschrift nach der copie von Boissard nütteilt. die schriftzttge bei 
Boissard scheinen auf eine späte zeit hinzudeuten, besonders die 
hier gebrauchte gestalt des Y kommt so viel ich weisz erst in der 
kaiserzeit vor; man könnte daher an eine restitution der basis nadi 
der Zerstörung des capitols durch die Yitellianer denken : denn auf 
dem capitol soll die inschrift gefunden sein , und der Wortlaut der 
Urkunde unterstützt diese angäbe, wie es sich auch mit dem alter 
der schriftzüge verhalten mag, die abfassung der inschrift selbst ge- 
hört unzweifelhaft der repubÜcanischen periode an, und Mommsens 
Vermutung, dem dies weihgeschenk ebenso wie nr. 587. 588.589 
auf anlasz der nach dem Mithridatischen kriege asiatischen städten 
verliehenen oder neu bestätigten Privilegien errichtet worden sei, 
ist höchst wahrscheinlich. 

Nach Mommsens ergänzung bringt die unbekannte stadt dem 
Juppiter Capitolinus und der Roma ein geschenk dar (xctpiCT^ipia). 
in Eleinasien ward frühzeitig der stadt Rom religiöser cultus ge- 
widmet (so in Smjma, im karischen Alabanda und anderwärts, s. 
Preller röm. mjth. s. 703), wie ja auch griechische dichter die Borna 
als tochter des Ares priesen (ich erinnere an die bekannte ode der 
Mellnno). den Asianem lag also diese Vorstellung nahe, aber es ist 
nicht denkbar, dasz die römischen pontifices fremden gestattet 
hätten so beiläufig einen neuen cultus einzuführen: denn vor 
Augustus ist von einer Verehrung der dea Roma in Rom keine spar 
wahrzunehmen, man darf sich nicht auf die römischen münzen be* 
rufen, wo man den weiblichen köpf mit dem flügelhelm jetzt allge- 
mein als personification der stadt ROMA faszt (Monmisen röm. 
münzwesen s. 287) : selbst wenn man die richtigkeit dieser auffas- 
sung zugesteht, so folgt daraus noch nicht die ezistenz eines eigent- 
lichen cultus. insofern scheint Böckhs ergänzung All KaiTeTU}(Xiq/ 
Kai Tip brj^ifi Tüuv *Pui^aiuJv) den vorzug zu verdienen: hier bietet 



6ci6rr\Ta &tiv öncaCoiv ti&v irp6c toöc Oeoiic xal KaTotxofi^vouc TT)pT)TtKf|v, 
^CToSO dvociÖTTiToc oOcav Kai dvwv0^ou tivöc, and so wiederholt im 
folgenden. Ariatotelea aelbat gab daaa den anlaas: vgl. Nikom. ethik 
117 X^€Tat ö ixiy (iirepßdXXuiv Tale 6p^£eciv cpiXÖTi^oc, ö 6* iXXdTrtuv 
dcptXÖTiMOC, 6 ii yiicoc dviOvu^oc, und ebd. icn }iiv oOv Kai toötwv t& 
irX€(u) dviOvu^a. ireipaT^ov b' c&circp Kai iiri tiDv dXXuiv qötoOc övo- 
MaTonoicIv, caq>iiveiac Ivckcv xai toO c0irapaKoXou6/|Tou. 



ThBergk: lesefrüchte (eine griechische inschrift). 187 

das weihgeschenk der Ljkier (nr. 589) eine analogie dar: diese 
weihen ein bild der Borna dem Jnppiter Capitolinus und dem röini- 
sehen Tolke. aUein diese ergftnznng überschreitet entschieden das 
BUtfz der Ittcke, nnd nur am die anderen zeilen einigermaszen mit 
dieser restitntion in einklang za bringen, hat Böckh z. 2 dauTi^i ein- 
gefügt, mid Mommsen ist ihm gefolgt, aber dies ist ein bloszer not- 
bebdf nm die grosze lüoke zn füllen, gerade z. 2 gibt uns aufschtusz 
über den nm&ig des fehlenden stfickes: es können höchstens 12 
bfoehstaben am anfang der zeile fehlen, daraas ergibt sich aach dasz 
der name der griechischen Stadt ein karzer gewesen sein mnsz : ich 
denke, das weihgeschenk ist Yon der insel Chios dargebracht, and 
ergSsza daher 



ö bilfioc 6 Xc' 
Twv 'Pteiiiaiuiv q>i 

Xtl|l bid 1Tp€ 



turv €Ö€pT€TiiO€ic KaT& ^^TlCTa tJirö toC bi\\io\) 
Xou dvTOc Ka\ cuM^dxou xaptcTrjpia Au Kaireruj- 
cßcucdvTuiv Baxxiou toG Aa^npfou, 
ToC Aijovuciou, <t>aibpou toG TTaucaviou. 
z. 1 schreibe ich xara ^iyiCTOu daBoissard EPfA liest, könnte man 
k Td Torziehen, allein die beiden anderen abschriften (6EIZATA und 
dcicara) bestfttigen das A, K konnte wegen der Khnlichkeit mit 
dem Torhergehenden tZ leicht übersehen werden.' z. 3 habe ich bid 
hinzogefBgt, dh. per legatas, wie in der inschrift CIO. I 392 bid 
itpccßiEUTuiv nnd III 5894 A bid Trpccßeuovroc 'Apte^ibuipou, wäh- 
rend sonst der einfache genitiv irpecßcuövTUiv üblich ist. der aorist, 
der Ton der sonstigen redeweise sich entfernt, soll wol andeuten dasz 
dieselben drei männer, welche vorher in Bom mit dem senat über 
die priTÜegien verhandelt hatten, nachher sich wieder nach Bom 
b^g:ri)en, am das weihgeschenk za überbringen. 

Appian Mithr. c. 61 berichtet dasz Sulla, indem er nach der 
^«gnng des Mithridates Asien organisierte, Ilion, Magnesia, Chios, 
ShodoB and Ljkien sowie einige andere (xai Tivac dXXuiv) gemein- 
den wegen der dienste die sie geleistet, oder d^r drangsale die sie 
erdoldet, für frei erklärte and in <^ zahl der römischen bundes- 
geaossea anfiiahm (im j. 670). geSuer wurden aber die verhält- 
nisM von Chios erst im j. 674, wo Sulla zum zweiten male consul 
vir, geregelt, wie die inschrift in Chios (CI6. n 2222) lehrt.' hier 
vird tneh der inhalt des betreffenden Senatsbeschlusses genauer an- 
gegeben: bÖTfia cirncXrJTou, Iv ify fiapTUpriOeici toic Xctoic, öca 
wrtp *PUl^aiulv bi(^0n)>^6v t€ töv MiOptbdTiiv dvbpaTaeouvTec 

* bei Pansuiias X 19, 11 toOto divÖMaZov t6 cdYTOfiia xpi^opmciav 
"^ itiXUipiili 9ttrv4' Kai tirirov tö fivo^a Ictui tic ^dpKav övra 6ir6 ti£»v 
KatAv« ist wol Tpt^apKiav su schreiben: dies gieng in rpi^aptciav 
^^. dum ward k darfiber geschrieben, nnd ans dieser correctnr ent- 
»taad TpiiiopKidav. * in demselben jähre schickten auch die Rbodier 
^^rta besten redner als gesandten nach Rom: Cic. Brut, § 312 dictaiore 
'^ SitOm (Moh) legatm» ad senaUim de Rhodiorum praemm veneraL gleich- 
ttHif hielt Cicero die rede fSr Sex. Roselas. dass die vorliegende in- 
*^nh nicht anf ein weihgeschenk der Rbodier besogen werden kann, 
^cft anf der band. 



188 ThBergk: lesefrüchte (eine griechische inschrift). 

Ka\ Sca {ynö airroO ^ttuGov, f| ajv(KXTi)TOC ei(b)iKi!ic ißcßaiiucev, 
ßiiuic vö^oic TC Ka\ fGeciv koI biKaioic (xpÜL»v)Tai, (&) Jqtov, ötc 
tQ 'Puj^aiujv (cpOXtqi TipocfiXGov, iva xe üttö ^neu»Tivi(oOv) tutiiu 
Äciv dpxövTUJV f[ dviapxövTuiv, oi t€ irap* aöxoic ovrcc Tui(^ai)oi 
TOtc Xeiujv ÖTTaKOuuJCiv v6^otc. so mag dieses weihgeschenk von 
Chjjos etwa im folgenden jähre 675 dargebracht worden sein. 

Der griechischen inschrift war gewis auch eine lateinische Über- 
setzung beigefügt, die, was bezeicluiend ist, der griechischen auf- 
schriffc regelmäszig vorangeht: hier wird sie zur linken hand neben 
der griechischen gestanden haben ; auf drei steine oder Steinplatten 
waren beide inschriffcen verteilt, uns ist nur das bruchstttck der 
griechischen erhalten, welches auf dem dritten steine nach rechts zu 
stand, auf dem weihgeschenk von Laodikeia (nr. 587) steht die la- 
teinische aufschrift oben, darunter die griechische; ebenso auf dem 
steine der Ljkier (nr. 589) und auf der marmorseule der Myser in 
Nemi (Hermes VI 7). nur lateinisch ist die aufschrift der Ephesier 
(nr. 588), aber sicher fehlte auch hier das griechische original nicht 
in drei fällen können wir also die zweisprachigen inschriflen ver- 
gleichen, nr. 587 und 589 ist das griechische original von einem 
Römer sehr ungeschickt ins lateinische fibertragen', dagegen auf 
der basis von Nemi ist die lateinische Inschrift als das original za 
betrachten, und diese hat ein Bömer, wol eben der Verfasser der 
lateinischen inschrift, der des griechischen nicht recht mächtig war, 
fibersetzt; so heiszen die Muco! dmKTT]TOi^ hier ETTIKTHTEII, weil 
die Bömer das griechische wort nach altlateinischer weise flectierten 
£PICT(eto)S; so gibt er canservavü durch bi€TrjpTiC€V wieder' (vgl. 
meine bemerkungen zum Mon. Ancjr. s. 125). dasz ein Bömer, 
nicht etwa ein Grieche diese griechische aufschrift abge&szt hat, 
zeigt auch Trpecßcurq xal dvxiCTpaTTiTiü für LEG • PRO • PB. diese 
genaue unt^scheidung verräth deutlich den mit den staatsrecht- 
lichen Ordnungen seiner zeit wol vertrauten Römer*; ein Grieche 
hätte LEG • PRO • PR einfaches amtstitel zusammengefaszt.' jener 
Salluius Naso wird eben zunibist als legaius im auftrage des ield- 
herm thätig gewesen sein , später ward er zum proprador ernannt' 



' nr. 589 fehlt übrigens offenbar die erate xeile: hier stand nichts 
weiter als LVCIORVM. « so viel ich weiss ist bei den Griechen 

nnr der ansdrnck Muc(a dir{KTV)TOC nachweisbar. ' in der dichter- 

spräche finden sich zwar gewisse analoge beispiele (Hom. hj. a. Dem. 
142 6ti[»MCtTa TT)pif)cai^i) , aber die Übersetzung schöpft nicht aas der 
lebendigen spräche der gegenwart, sondern aus dem wörterbuche: y%^- 
die glosse etnuervati cuvTr)pel, ctiiZ^ci, biaT^p^. * man TgL Cicero 

in Verrem aci. I § 11 cum eum, eui legaius ei pro quaesiore fuUtet^ et m in- 
tidiam suis maleficiis adduxii et usw. bei Dionysios ant. Rom. IX 11 ist wol 
das einfache legtüus durch irp€c߀UTf|c xal dvriCTpdriiYOC wiedergegebon. 

' der aosdraek schwankt anch später, CIG. III 4288 D sweimsl 
irp€cßeuTf)C dvncTpdTffTOC, während der hier genannte Jalius Qnadrstu 
in einer, andern inschrift II 3648 irp€cßeuTiP|c xal dvncTpdT^toc genssnt 
wird. ' vgl. jetzt anch Mommsens röm. Staatsrecht I 190. 



lliBergk: leeefrfichte (zur fiexion des griechischen Zeitwortes). 189 



isschriften beziehen sich auf weihgeschenke, welche teils 
sof dem capitol teils auf dem coUis Quirinidis* aufgestellt waren; 
T^odikeia hatte ein bild des popnlns Bomanus, die Ljkier eine Borna 
geweiht, wir dttrfen also wol in beiden flQlen eine statuengruppe 
fonnssetzen: die fignr des betreffenden Staates oder auch eine alle* 
gorische gestalt wie die Victoria oder Virtus bekränzte das römische 
Tolk oder die stadt Born. 

XI. 
ZUB FLEXION DES ORIECmSCHEN ZEITWORTES. 

GCnrtias bemerkt in der vorrede zu seinem buche über das 
gnechische verbum bd. I s. VII, es sei parlamentarischer brauch 
eiDen antrag nur dann zu berflcksichtigen, wenn er unterstützt 
werde; in der Wissenschaft müsse man ähnlich verfifthren: aufstel- 
langei, welche durchaus keine Zustimmung fänden y müsse man als 
scfaraHen einzelner bei seite lassen, in der that ein echt demokrati- 
sdier gmndsatz, den freilich schon der alte ephesische philosoph 
nü dam scharfen worte elc iixoi dvrl ttoXXiI^v, xai Xiyvj toOto icat 
inipo n€pC€<p6vq div bekämpft hat, und unsere groszen philologen, 
welebe lediglich die erforsohung der Wahrheit im äuge hatten, pfleg- 
ten die stimmen niemals zu zählen, sondern nur zu wägen, für den 
wiascDsehaftlichen standpunct der gegenwart ist jenes bekenntnis 
jedenfaUs charakteristisGii. in der praxis huldigt übrigens Curtius 
sieht unbedingt diesem grundsatze: denn er bekämpft zb. s. 201 £ 
MM ansieht von der bildung der zweiten und dritten singular- 
penoa des griech. yerbums im praesens, die ich phüol. XXIX s. 319 
od OLG. I 8« 99 anm. 131 in aller kürze angedeutet habe, obwol 
so riel ich weiss bisher niemand mir beigepflichtet hat. 

Bass die formen X^ycic und \ifex auf AEfEZI und AEfETI zu- 
rtekzuführen sind, wird allgemein zugestanden; aber wie die ent- 
rtefaaag des diphthongen El zu erklären sei, ist streitig, die einen 
fiadea in beiden fUlen eine metathesis des auslautenden I , und 
laawa X^ect zu X^t^ic, X^tcti zu X^ir€t(T) werden: so Ahrens, 
wibend Bopp, dem Curtius selbst sich früher anschlosz, diese er- 
Ulrang nur fibr die zweite person gelten läszt. diese auffossung ist 
vuidinig: denn das Iota des auslautes erfährt niemals 
•ine metathesis, die nur auf den inlaut sich beschränkt. 



' IfoBiDMn denkt ao das alte capitol auf dem collis Quirioalis 
nruroY S8); aber das andenken an diese Terschollene antiqaität haben 
ft«tolieh erst die gelehrten wieder aufgefrischt, mir aeheint yielmehr 
a d»a beiden insehriften, die hierher gehören, nr. 687, wo das römisehe 
▼oft cwrfip genannt wird {quei sibei 9altUei fuU)^ nnd 688 9duti8 ergo die 
^*^chsto unweianng auf den tempel der Salus an liegen, der auf 

du ' ' 



bäftl stand, diese beiden weihgeschenke waren offenbar auf 
Mner aufgestellt, mid daran eben die inschriftensteine ange- 



190 ThBergk: lesefrüchie (zur flexion des griechischen Zeitwortes). 

sondern wird abgeworfen, die richtigkeit dieses von mir auf- 
gestellten Satzes wird auch stillschweigend anerkannt.* 

Andere, wie eben jetzt Curtins, lassen unter einwirknng des 
auslautenden I den kurzen vocal E zum diphthongen El werden ood 
das 1 des auslautes, nachdem es jenen dienst geleistet hat, ver- 
schwinden, also 

X^T€Ci X^T€ici X^t€ic 

Xifeix X^T€iTi X^Y€i(t). 
Gurtius nennt dies epenthese und beruft 'sich auf den ähnlichen 
lautwandel in ivi elvi eiv. Gurtius meint auf diese weise alle laut- 
verhttltnisse vollständig zu erklären, allein diese sog. epenthese ist 
etwas singuläres; er selbst macht s. 57 das Zugeständnis, es sei dies 
eine 'keineswegs mit zwingender gewalt eintretende, sondern stets 
nur mögliche lautaffection'. gleich wol räumt er derselben hier eine 
allgemeine berechtigung ein und gibt nicht eine einfache sondern eine 
complicierte lösung des problems. diese auffassung, die wiederholt 
zu hypothetischen formen ihre Zuflucht nimt , ist entschieden zu ver- 
werfen : denn sie streitet, wie ich schon vor dem erscheinen des 
buchs von Gurtius erinnert habe , mit der thatsache dasz die Qrie- 
chen AOKEZ', dagegen AOKEI schreiben: diese Verschiedenheit der 
Orthographie beweist unwiderleglich, dasz der Ursprung des diph- 
thongen El verschieden ist: in der dritten person \lfti bOK€i ist 
das I ursprünglich , in X^Y^tc boxeic hat man einen secundären bat 
zu erkennen. 

Das gewicht der form AOKEI erkennt auch Gurtius an', aber 
da es ihm nicht gelang einen beleg dafür aufzufinden , zieht er die 
ezistenz überhaupt in zweifei, als ob ich mir jemals erlaubt hätte 
nach der manier der sprachvergleichenden grammatiker, zb. Leo 
Meyers, mich auf selbstgemachte beispiele zu berufen. KAAE AOKES 
findet sich auf einem vasenbilde, welches eine kitharspielende frau 
darsteUt; das gefäsz ist zu Locri in Unteritalien gefunden, der dia* 
lekt weist auf attische fabrication hin.^ dies vasenbild ist im j. 1791 
gefunden und viel besprochen , die richtige erklärung der mehrfach 
misverstandenen inschrift gab schon Yilloison , vgl. auch Böckh zu 
den fragmenten Pindars s. 569. zuletzt ist die inschrift wiederholt 
CIO. m 5770. zu diesem AOKEI bildet die attische inschrift auf 
einem Ziegelsteine GIG. 1 541 ITTTTEOI KAAOI APIITOMEAEI AOKEI 



* einige scheinbare aasnahmen bereiten keine ernste achwieri; keit, 
davon ein andermal. ' die Von mir früher vorgeschlagene lesuof; 

einer inschrift anf einer vase (arch. zig. 1844 tf. XX) NOEII AFEAEN 
(rhein. musenm IV 131) habe ich eben deshalb längst aufgegeben. 

* mit dem zweifelnden sosatz: ^insofern wirklich diphthongische« €i 
auch im altattischen aiphabet darch El ausgedrückt wird', der mir 
geradezu unverständlich ist. ^ die auffassung Welekera kl. sehr. II 
165, der eine lokrische dichterin, gleichsam eine zweite Sappho su er- 
kennen glaubt, ist unsulässig. Franc zum GIG. ao. geht wie es scheint 
noch weiter und bezieht das bild auf Nossis, was schon wegen der 
altertümlichen schrift ganz anmöglich ist. 



ThBetgk: letelrüchte (zur fiexion des griechischen Zeitwortes). 191 

(wo wol eher 'linreuc als lim^ac zu lesen ist) das gegenstttck, inso* 
fern 'ApiCTO^rjöci nach alter weise mit E geschrieben ist. in der 
dritten person findet sich regelmäszig El, zb. TT09EI in der grab- 
Schrift anf die bei Poüdaia gefallenen, CIO. I 170, KAMOI AOKEI 
auf einer attischen yase mit alter schrift (Jahn Münchener vasen 
u 101): denn AOKE auf einer vase CIO. lY 7811 ist offenbar zn 
AOKEl zu ergänzen. 

Beispiele der zweiten singularperson auf älteren inschriften 
and der nator der sache nach ftuszerst selten: auszer AOKEZ kenne 
ich nur noch das ganz analoge NIKAZ (arch. ztg. 1849 s. 128 
KAAOi: (N)IKA£, CIG. IV 7548 falsch vik^c), ein zweites beispiel 
bd Gerhard in den annali d. arch. inst. III s. 186 nr. 757 (CIO« 
IV 7874 wieder viKqic).^ dazu kommt endlich El : auf yasenbildem 
ist Öfter KAAE El oder KAAOZ El beigeschrieben, hier erscheint 
bereits der diphthong, während regelmäszig EMI geschrieben wird 
(s. Jahn ao. s. CXXIX), aber neben ENAl findet sich auch schon 
frtUi EIN AI. bei der einsilbigen form El hat der gebrauch des diph- 
thongs am wenigsten auffallendes: schrieb man doch die negation 
gewöhnlich OT, nicht O. anfangs wird man aber auch hier E£ ge- 
geadirieben haben.* 

Die dttrfügkeit inschriftlicher Zeugnisse wird ersetzt durch die 
Terkflrzten formen des dorischen dialekts Xif^c d^^XT^c cupicbec 
ffoik, die mit der alten Schreibweise AOKEZ vollkommen stimmen, 
wie flberhaapt die griechische^paläographie yielfach licht über das 
aHertom der spräche verbreitet, obwol man dies Verhältnis bisher 
wenig beachtet hat. die Verkürzung der endsilben betrachtet man 
ftis eine eigentflmlichkeit des dorischen dialekts; diese mundart hält 
eben wenigstens in gewissen landschaften mit groszer treue die äl- 
teren laatfoxmen fest, so im infinitiv q>^p€v Oiiev cuvataT^v i^Trau- 
U¥ irot^Vf ebenso in der flexion des nomen t6c 0€Öc, Kord töc 
^fOfiocTÖc K€t|A^voc; femer xM^c statt x^^P^^c oder x<zp(£iCi Ma- 
Uic statt MaXöcic , lap^c statt lepetc, tAiXaimoc statt MeXdfiirouc 
Bad Ihnliches. wenn die inschriften in jttngerer schrift solche for- 
nen bieten, so ist dies nicht eine reminiscenz an die alte schreib- 
weise', sondern sie geben nur getreu die eigentümlichkeit des dia- 



* CIG. IV 8139 lieat man zwar AukIvoc vik^c, dann cO (v)i(K)(jtc 
u^Y und dann noch zweimal vtxfc als ergänzang, aber wer die abbilduug 
^cr vsM bei Gerhard aaserl. vasenbilder bd. III tf. 136. 136 und bei 
Jtba Mfinch. vasen nr. 333 damit vergleicht, wird alsbald erkennen 
^n die«« lesiing gar keine gewähr bat: dieser teil des CIG. ist eben 
'ir kritieebe forschang ganz nnzaverlässig. unrichtig wird dieses vtK^c 
n BT. SS91) als imperativ gefasst * wenn Plntarch de El apad Del- 
}hn§ e. 19 die bekannte insobrift des delphischen heiligtnms E (so die 
Biasea Ton Delphi, s. Imhoof-filumer in der Berliner ss. f. namism. I 
LlU) OAter anderm auch durch et *du bist' erklärt, so hat dies nicht 
^«1 in bedeuten: denn andere fanden darin die partikel cl als aasdrack 
^ wnaeehea, wo der vocal I nicht fehlen dorfte. ' wenn im con- 

ioctiv ga&s gewöhnlich El statt Hl sich geschrieben findet, so mag 



192 ThBergk: leseMchte (zur fiexion des griechifichen Zeitwortes). 

lektes wieder: «der gebrauch der dichter zeigt, dasz in diesen f&Uen 
eine Verkürzung stattfand , wenn schon der vers nicht in jedem ein- 
zelnen faUe eine kurze silbe verlangt 

Die griechische spräche pflegt die einbusze, welche eine laut- 
form erlitten hat, meist zu compensieren : so wird der ausfall 6inea 
oder mehrer Qonsonanten gewöhnlich durch vocalsteigerung ersetzt 
aber diese ersatzdehnung tritt nicht sofort ein, sondern hat sich erst 
allmählich ausgebildet; daher pflegen auch die mundarten jede in 
eigenartiger weise diese dehnung zu behandeln, es gab eine periode, 
wo die Sprache sich mit den geschwächten formen begnügte: dies 
beweist die alte Schreibweise, die sich unverändert auch noch später 
behauptet, nachdem bereits in den meisten dialekten ersatzdehnung 
eingetreten war, während nur einzelne zweige der dorischen mnnd- 
art der alten weise treu blieben, so dasz hier die schrift mit deraua- 
spräche vollkommen harmoniert. TONI ward, weil diese lani- 
verbindung dem griechischen organe nicht genehm war , frühzeitig 
in T0£ abgeschwächt, und diese Schreibweise erhielt sich so lange 
als die dtpxala ai)iacia im gebrauch blieb, noch Epicharmos zur zeit 
der Perserkriege verwendete diese form , während schon längst die 
strenge Doris TiI)C, die Aeolis Toic, die las und Atthis Touc ge- 
brauchten, ähnlich verhält es sich mit X^T^lC bOK€tc. man schrieb 
nach wie vor E£, und ein teil der Dorier wie zuletzt noch Theo- 
kritos hielten an der alten weise fest, die andern dialekte sprachen 
X^T^ic X^TTfC Xi'Xic. übrigens war ai^ch den Aeoliem die yerkfinmig 
nicht fremd : in den versen der Sappho fr. 95 ist zu lesen : 
F^cnepe, TidvTa fpipvjVy öca (paivöXic ^oc^boc' oüuic, 
q)^p€ic olv, qp^pec aT^a, q[>dp€ic fiiro ^aT^pi Tiaibcu 
der diphthong El, den die alte schrift nicht kennt, ist jungem Ur- 
sprungs, tritt zum ersatz für den unterdrückten auslaut I ein. Cur* 
tius belehrt mich freilich s. 202, dasz meine auffassung eine ausser- 
liehe sei, da das wesen der ersatzdehnung darin bestehe, dasz ein 
vocal durch den einflusz nachfolgender allmählich yerklingender 
consonanten lang werde, nun, die doppelnatur des I, welches 
zwischen consonant und vocal schwankt, ist bekannt genog; und 
wer will, kann ja auch im yorliegenden falle diesen YOigang an- 
nehmen. 

Gkmz anders verhält es sich mit der dritten person X^y^ bOKCl 
die schrift kennt hier nur El, die Verkürzung dieser endsilbe ist der 
Doris durchaus fremd/ das I musz daher är ursprünglich gelten, 



man dies als Überrest der altem Schreibweise ansehen, wie aneh in den 
Homerischen gedieh ten die üb erlief emng Kivf)CCi statt Kivf|q| und &hn- 
licbea darbietet ebenso mag es sich mit fop^^v, Kaxaröpoc osw. bei 
Pindar verhalten; wenigstens hat dieser dichter weder im Infinitiv noch 
im acc. plur. der zweiten decl. sich die Verkürzung seatattet. 

^ Enstathios schreibt allerdingt den Theraiern xlrc statt Xdrct sn; 
dies ist aber offenbar nnr eine verwechselnng mit X^€v statt XifCtv, 
vgl. Ahrens dial. der. s. 176. 



ThBeigk: lesefrüchte (zur fiezioa des griechischen Zeitwortes). 193 

es kann sieht auf ersatzdehnung, noch riel weniger auf epenthese 
zarfickgeführt werden : der Ursprung dieser form ist also von X^xeic 
ÖOKeic wesentlich verschieden. X^yei ist aus AErETl entstanden, 
indem T vor I sich zu Z erweichte, dann sich volbtändig verfluch* 
tigte. bereits Bopp hat diese erklärung aufgestellt, und Curtius 
belbst (bildiiBg der tempora s. 24) neigte dazu hin, während er selt- 
samer weise jetzt Schleicher als Vertreter dieser ansieht nennt. Cur- 
tios bekämpft dieselbe mit völlig unzutreffenden gründen: er be- 
baoptet, nur der ionische dialekt kenne die erweichung des T vor I 
zu £'; im ionischen könne wol aus AErETl X^T€(c)i werden, aber 
nicht im dorischen, da diese mundart, wie qniTi Tcari beweisen 
:^ollen, daa T unverändert festhalte, bei den verben auf -^l, welche 
stets den archaischen Charakter am treuesten wahren, bleibt das alte 
T in der Doris unverändert, blbuJTi Ti9t)Ti tt)Ti, ebenso durchgehende 
im plural aller verbalclassen X^xovTi usw., da hier die Verbindung 
xweier consonanten das T schützte, aber in der dritten singulare 
person der gewöhnlichen oonjugation X^t^i 9^pei steht die Doris 
mit den übrigen dialekten auf gleicher stufe, stimmen doch auch 
in den zahlreichen Zusammensetzungen, deren ersten teil die dritte 
person eines Zeitwortes auf LI bildet, alle griechischen mundarten 
flberein, wie dtncixopo^ 'AipicfXaoc Alvtid&a|iOC *OvaciKXfic *Ovaci- 
xpan)c Ti^ciKpdnic Ti^dcapxoc TeXeciKpanic Mvdcapxoc Mva- 
coXxac, um nur specieU dorische namen herauszugreifen, nur in 
ßumäveipa und 'OpriXoxoc (neben *Opc(Xoxoc) hat sich T behaup- 
tet wie aus AErETl X^T^i ward, so pflegt gerade der argivische 
diildit in diesen namen das Z ganz zu tilgen, wie in der inschrift 
CI6. 1120 TeX^iTTTTOC (dreimal) und *ATTJtbafiOc , ebenso die Spar- 
Uner, die überhaupt später zu dieser sdhwächung hinneigen, in 
CuKivbpoc.'* einen ganz deutlichen beleg dieses lautwandels bietet, 
▼ie ich schon GLG. ao. bemeikt habe, das argivische noi statt rrori 
dir, womit der delphische monatsname TToiTpÖTrioc zusanunenhängt ; 
diese namensform habe ich schon in meinen beitragen z. gr. monats- 
konde s. 62 in schütz genommen, nur wurde dort die entstehung 
des diphthongen nicht richtig aufgefaszt. 

Die dritte singularperson im conjunctiv bestätigt vollkommen 
•üeses resultat. den gewöhnlichen formen fipxQ £9Aq dTVOiQ Odvq 
Ny stehen die Homerischen dpXQCt dO^Xgci dTVOi^ci Odvqci b(|»ci 
nr Seite." die ansieht, als ob ZI hier an den conjunctiv angefügt 

* dies ist entschieden irrie: der bootisohe dialekt zeigt In dirobe- 
^^rOi, IxwvOt usw. denselben laatwAndel, ja dieser dialekt geht sogar 
soch weiter, indem er auch im passiynm T mit dem Zischlaute 6 ver- 
Uoscht, wie icTpOTe0a6ii beweist, dh. (cTpaTcOarai. BÖckhs Scharf- 
blick hat saerst die geltang dieser form erkannt. '^ die eben er- 
vtlatea elgennamen und verwandte hildangen bieten weitere belege 
^v: so wM aas TaXac{<ppuiv TaXa{<ppuiv, ähnlich ist ToXadruipoc ans 
^AAAZfTTQPOZ henrorgeganeen. *' ähnliche conjnnctivfonnen waren 
r««is aneh dem dorischen dialekt nicht fremd, hei Theognis 919 ist 
«M statt dicT* k dxmpa irovctv kqI fif| b6^tv ^ k' iQikr^ Tic vielmehr 

fir dMt. philoU 1878 hlt. 8. 13 



194 ThBergk: lesefrüchte (zur flezion des griechischen Zeitwortes). 

sei und so pleonastisch das suffix der dritten person wiederholt 
werde, wird heutzutage wol nicht so leicht Vertreter finden." die 
alte coigunctivfonn ist d6^Xr)Ti, welche ich eben dem Theognis 
wiedergegeben habe; daraus gieng dO^rici und die anderen Homeri- 
schen formen hervor; indem dann Z getilgt wurde, entstanden die 
gemeinen formen dO^Xr) fipx^) Odvij usw. die vollst&ndige form iOi- 
\r\Ci äpx^ci U8^* ^8^ ^80 einfach mit r\ , nicht mit i] zu schreiben, 
wie ich nach Buttmanns Vorgang gr. gr. I 352 schon PLO.' s. 1001 
bemerkt habeJ' alte grammatiker, wie Herodian zu II. A 136, em- 
pfehlen freilich die Schreibung bi4)ci qp^ci, Etym. m. 431, 39 ^ov, 
650, 7 7raiLiq[>aivj)Civ, weil sie eben 11 als eine blosze epektasis der 
gemeinen form betrachten; aber eben diese Vorschrift beweist dasz 
andere dO^Xr^ci schrieben; die handschriftliche ttberlieferung war 
offenbar schwankend. dO^Xnci zu schreiben ist gerade so verfehlt 
wie KpaT€p^q)i ßt^qpi oder a^* i^oT qpatvojLi^vqqptv. Curtius selbst 
urteilte früher (bildung d. tempora s. 24) richtiger als jetzt, wo er 
um die traditionelle Schreibart zu schüren wieder zur epenthese 
seine Zuflucht nimt (s. 57 und 203) und -riTi in -ijTi, dann in -ijr 
und -rj übergehen läszt, und q)^pi)Ci für eine aus q[>^pT|Ti hervorge- 
gangene specifisch Homerische antiquität erklärt. 

Ich füge noch eine bemerkung über die zweite person des con- 
junctivs hinzu, auch hier war \irfr\c aus AEFHll abgekürzt aus- 
reichend, und die Dorier, wie sie im indicativ \ijec sprachen, haben 
sich wol mit X^yH^ begnügt : findet sieh doch in dorischen Inschrif- 
ten auch in der dritten person nicht selten \iv] und fthnliches. 
allein wie im indicativ zum ersatz El eintrat, so hier Hl, um den 
Charakter des conjunctivs durch die Steigerung des vocalischen de- 
mentes deutlich auszuprägen, ein beispiel dieser form in alter schrift 
vermag ich nicht nachzuweisen, aber in der inschrift CIG. FV 8470 
ist nPOniNE MH KATGHII geschrieben, (hier ist freüich KOrefic 
gedruckt, aber im Widerspruch mit dem beigefügten facsimile und 
allen früheren angaben über die aufschrift dieser vase.) 

Doch genug''; meine auffassung gründet sich auf wolbeglau- 

lOdXiiTi zu verbessern, bei Theokritos XVI 28 hat das £O^V)Tt alter 
aasgaben keine hsl. gewähr. 

^' gleicbwol faszt Bekker Hom. blätter I 218 so das problematische 
irapO(pOaiiici 11. K 346 anf, indem er meint, an den optativ cpOain sei das 
snffix ci angefügt worden; dies ist geradezu nnmöglich, wenngleich 
Cortins gr. verbum I 68 Bekker beipflichtet. '' ebenso ist bei Homer 
b({ir|Ci, nicht bUii^ci zu schreiben, diese singulare form, an deren er- 
klXrung so viel ich weiss sich bisher niemand versucht hat« erl&ntern 
analoge bildungeu im delphischen dialekte. *^ ich habe manche 

puncte, deren erörterung zu weit führen würde, absichtlich übergangen. 
80 das sog. cxf)fia MßiÜKCiov. auch die fälle, wo' das personalsuffiz II 
vollständig abgestreift scheint, habe ich nicht berührt, über Corssens 
theorie, welche Cnrtius eu widerlegen sucht, bemerke ich dasa sie ledig- 
lich aufgestellt ist, um die länge der endsilbe im lat legit legU an er- 
weisen, dies ist ein gans vergebliches bemühen: diese endungen sind 
von natur kurz; wenn die dtchter sich euweilen dieselben zu verlängern 



TkBergk: lesefrfichte (die imperatiyfonn irid). 195 

bigte thatsachen , Cnrtins geht von hypothesen aus. fftr den unbe- 
fingeDen ist die enteoheidnng wer recht hat nicht schwierig, aber 
es wird noch geraume zeit vergehen, ehe die Wahrheit anerkennung 

findet« 

xn. 

DI£ IMPERATIVFORM Hl El. 

Wie wichtig die beachtnng des palfiographiaohen momentes bei 
gnunmatischen nntersnchungen ist, will ich an einem weitem bei- 
spieb nagen, auf vaeenbildem ist nidit selten der trinkspruoh 
Xoipe Kid irfet beigesehrieben.' die form it(€i gleicht der zweiten 
pcnoa des fotonuns, aber diese form passte nur dann in den zu- 
oimiiaahang, wenn es öiruic iri€i hiesze.* die ellipse der parükel 
ist ohne beiapiel: so bleibt nidits llbrig als irfet für einen imperativ 
n nehmen, wie dies anch WHBoscher in Curtias Studien IV 194 
tfaot, indem er eine ionst nicht nachweisbare praesensform TTIEfi an- 
niffli diese auffassung, die sich durch natürlichkeit zu empfehlen 
sehemt, ist jedoch unzulässig, da der trinkspruch auf anderen vasen 
(tb. nr. 37 bei Jahn und Öfter) vollständiger xaip€ Kai HIEI TENAE 
liQtet da der diphthong des imperative q)iX€i durch contraction 
US qnXcc entstanden ist, pflegt die alte schrift das I nicht auszu- 
drfldm: der imperativ des aorists iTt€ und der des contrahierten 
pwiena, den Boscher zu finden glaubt, wtirden in der dpxciia ci]* 
uocia gleichmäsaig TTIE geschrieben werden, ich finde in niei eine 
der Tolkssprache angehörige form des Imperativs rriOt. indem 
nrischen stamm und endung der bindevocal E eingeschaltet wurde, 
eatitand TTIEOI', und indem 6 sich zu Z erweichte oder sofort in 
<k& leharfen hauch llbergieng, sprach man irfet. ganz ähnlich ver* 
vudelt sich lOi in den Zusammensetzungen, wie än€Xf wo der diph- 
thong El durch contraction der vocale II sich gebildet hat^ wäh- 
nad in böc O^c usw. das auslautende I abgestreift ward, in iriei 



rctUtt«!!, fo Ut dies eine metrische freiheit. nur die faliche metbode, 
««lehe auf dem (gebiete der lateinischen grammatik herscht, hat das 
verhiltais nmffekehrt. doch darüber genaaeres in der fortsetznng meiner 
t«itrif« rar Fat. grammatik. 

* wenn auf einer Mfinchener rase (Jahn nr. 89) die insohrift swei- 
*^ XAIPE KAI TTIEIZ lantet, so darf man darin nicht etwa eine active 
iwm abwechselnd mit einer medialen irici finden; die inscbrift ist trots 
^Wiederholung, wie so häufig anf rasen, unvollständig: es ist TTIE I Z(Y} 
t9 cr^luen. ebenso musz man nr. 272 das unverständlicbe TOITEN 
^y^ Tol t/|v(&c) vervollständigen, wobei irpoirivui hinsusndenken ist, 
"'* M anderwärts hetsst riv ri\yb€ XaTdccui. * so anf einer vaae 

Clu IV SOM öiruic irl€CcO€. ' die form iricOt nehmen anch die alten 
ptamatiker an, am «161 sn erklären: Etvnf. m. 671, 41 (der hier an- 
Ctf&brte vers des tragikers Ion lautet nach Miller M^anges s. 244 voU- 
"^Uif: {«looc* dXXA iit6i TToxrwXoO ^odc) dirö to6 iriui yltvcTai irlci 
^ nr* frraav vfjc 6t aiXXaßf)c ir(c6i, xal xard xpdciv to6 t xal € etc 
* Mxp6v «16i. ^ der imperativ t(6€i und das Pindarische 6iboi ge- 

•Uttta die gleiche erklämng. allein hier ist anch eine andere anf- 
mSglich. 

13* 



196 EHeydenreich: zu CioeroB Aratea. 

ist alfio das I ein primitiver laut , den die alte schrift wiederzugeben 
niemals versäumt, in den litterarischen denkmälem ist niet nicht 
nachweisbar, weil diese form der volksspradie angehört.^ was 
Boscher ttber den unterschied des imper. praes. und aoristi bemerkt, 
ist zwar im allgemeinen richtig, obwol unter umstftnden auch ab- 
weichungen von der strengen regel gestattet sind. itiv€ ist eine 
aufforderung zum zechen, zur teilnähme an einem trinkgelag; mi 
oder TtfOt wird gebraucht, wenn man einen auffordert einen becher 
zu leeren.* wenn aber Boscher daraus folgert, die aufschrift auf 
trinkge^zen irici sei notwendig als imperativ des praesens aufzu- 
fassen, weil darin der wünsch ausgesprochen sei , der besitier mOge 
den becher stets im besten wolsein leeren, so ist dies argument hin- 
fWig. die vasenmaler setzten eben nur den beliebten trinksprach 
auf die becher. 



^ noch mehr den Charakter der Tulgäraprach^ seigt x^^P^ ^al ircl, 
sweimal auf einer vaae wiederholt, CIG. IV 7688, wo im widersprach 
mit dem facaimile irrtümlich it{€ geleaen wird, während Gerhard iT{('et 
empfahl. Röscher vergleicht passend damit den Infinitiv irctv statt 
mctv, den ich bei dem komiker Theopompos hergestellt habe. 
* Boschers behanptnng, dasi irlvc nur ttasserst selten vorkomme, ist 
unbegrfindet: es findet sich wiederholt bei Theognis, Simonides nt. 
wenn unsere s^rammatiker lehren, iriOi, nicht ir(£ sei die gebräuchliche 
form, so gründet sich diese beobachtung auf den kleinen bmchteil litte- 
rariseher denkmäler die ans erhalten sind; die alten grammatikor schei- 
nen anderer ansieht gewesen sn sein, da Athenaios X 446 es für noti^ 
findet, die form irt6i, offenbar weil sie minder häufig vorkam, durch 
citate zu belegen. 

Bonn. Theodor Bebqk. 



13. 

Zu CICEBOS ABATEA. 



Eine dem neunten jh. angehörende Dresdener handschrifl (misc. 
183) enthält von fol. 94 an die Überreste von Ciceros Übersetzung 
der Phainomena des Aratos; leider bietet der hier erhaltene text 
wenig material zur emendation der Überlieferang des Cicero, eine 
solche Verbesserung ist, wenn auch nicht mit notwendigkeit geboten, 
gegeben in den versen 456 und 457 (705. 706). diese lauten im 
Dresdensis so: 

hie nie exorUur cofwersus corpore Nixus^ 
alvum crura umeros simul et präecordia gestans. 
oonversus für com^so und besonders gestans für lustrans sind an- 
nehmbare lesarten. 

Freibero in Sachsen. Eduard Hetdbnrsich. 



EHoffinann: Eor lateiniBchen syntax. 197 

14. 

ZUR LATEINISCHEN SYNTAX. 



OPV8»EST, V8V8 EST — BEFERT, INTEREST. 

Ib § V der *analeota oritica et giummatica', welche ABeif fer • 
scheid dem index scholarum der imiv. Breslau für das winter- 
semetter 1877/78 Yorangeschiokt bat, stellt derselbe die constraotioii 
TOB opus e9i^ usus esi einerseits, nnd von refert^ imUrest anderseits 
tls beweis hin, wie anf dem gebiete der lateinischen sjntax noch 
immer alte irrtflmer geduldig fortgepflanzt würden. 

In besng auf cpus est sagt er: ^dooemnr igitur in scholis opus 
tä nun ablativo coninngi, raro onm genetiTo: sed bononun ancto- 
ram eonsoetadine non minus firmari, si quis pro hts Vibris opus est 
dioit Ai VHfri opus suni, rationem tamen huius structnrae nemodum 
iadigaTit; quin etiam via qua ad iustam explicationem pervenias 
mterdosa est eo quod in hoc idiomate opus pro nentrali illo voca- 
bolo operis haberi solet. patet stmcturae ratio intellecto opus esse 
ntiqaum genetiTum nominis «ops» et opus esse idem per se signi> 
fieve atqne usus esse, iam usus genetiyus est ; pari ratione dicebatur 
neetsms esse vel necessus^ quod antiquam genetivi formam ostendere 
Lschmaanoa in Lucr. p. 396 docuit: usus esse yero ne syntaxi qui- 
den differt ab opus esse* 

Ich habe Beifferscheids worte vollstftndig hergesetzt, damit 
aieht jemand, dem die abhandlung nicht zur hand ist, meine dasz 
ein begründendes wort übergangen worden sei. und einer begrün- 
dang hatte es doch wol bedurft, da nicht jedem unmittelbar ein- 
leoehten dürfte, weshalb die alte aufbssung von opus est unrichtig, 
nad wie die neue deutnng richtig sein solle. 

Dagegen, dasz ein idter genetiv von ops habe opus lanten kön« 
MB, ist vom standpuncte der formenlehre freilich nidits einzuwenden 
(i. Neue formenlehre I' s. 191); dasz aber ein solcher genetiv in 
der verinndung opus est vorliege, musz vom standpuncte der bedeu- 
tsng wie von dem der sjntax aus als unmöglich zurückgewiesen 
«erden, man substituiere nur dem opus est das genetivische opis est, 
oad man gerftth hinsichtlich der bedeutung wie hinsichtlich der 
coaitcnetion in unauflösliche Schwierigkeiten, opis est könnte nur 
hasusk 'es ist sache der macht, steht in der macht' (vgl. Verg. Aen. 
\ ^X}0 fraUs persaU>ere dignas non opis est nostrae)\ in weiterer 
vudentong könnte es vielleicht den sinn von *es ist möglich' oder 
von Ued annehmen; was haben nun aber derartige bedeutungen mit 
dem feststehenden sinne von opus est *es thut not, es bedarf' zu 
tkoB? zu keinem bessern ergebnis gelangt man, wenn man etwa 
la die bedeotung von ops 'hüfe, Unterstützung' anknüpfen und opis 
m deoten wollte *es gehört in den bereich des fördernden, ist för- 
dertidi'; nicht nur dasz die grammatische raison in diesem falle den 
dstiv (opi est) verlangen würde, auch der sinn von opus est wftre 



198 EHofl&nann: zur IftteiniBchen syntaz. 

so noch nicht erzielt, wollten wir aber aach das unerwiesene und 
unerweisbare zugeben, dasz qps den sinn von ^bedürfiiis' hfttte, ein 
sinn der im contrftren Widerspruch zu der factischen bedeuiung 
*machtfttlle' usw. stünde, selbst dann wttrde der genetiv opis est in 
seiner prttdicativen anwendung sich nicht mit denl fiftotischen ge- 
brauche Ton opus est decken, weil er nicht wie letzteres durch ein 
urteil der gleichheit das subject als ein nötiges , benötigtes besagen, 
sondern dasselbe generell, als unter den begriff oder in den be* 
reidi des benötigten, des bedOrfhisses fallend, bestimmen würde. 

Wären aber auch alle diese Schwierigkeiten der wort- und 
Casusbedeutung nicht vorhanden, so würde doch die genetivische 
natur von opus est bedingen, dasz es stets nur als prftdioat eines das 
subject bildenden nomen oder eines entsprechenden infinitiv- oder 
partikelsatzes gebraucht würde ; gerade die construction aber, welche 
als die regelmäszige bekannt ist, die Verbindung von opus est mit dem 
ablativ, und nicht minder auch die bei Livius sich findende mit dem 
genetiv^ beide mttsten als grammatische und logische monstrositftten 
erscheinen , für die es schlechterdings keine analogie geben kann. 

Nach Reifferscheid soll freilich eine solche analogie in dem ge- 
brauche des sjnonjmtn .usus est vorliegen, da auch usus in dieser 
anwendung genetiv sei; er würde dies aber schwerlich behauptet 
haben , wenn er die prosodische beschaffenheit dieses usus beachtet 
htttte, wie sie die verse des Plautus zeigen: eist, I 2, 10 tac^ ne- 
queo misera quod tacito usus est. 8t, 57 igiiür quaeramus^ nöhis 
quid facto usus sit ebd. 475 quando usus veniet^ fiet. l nu/n^ ergo 
usus est. most. 250 mulier, quae se sudmque aetcUem spSrmt ^ spe- 
cuh ei usus est. 

Aber auch ohne diesen prosodischen gegenbeweis kann darüber 
kein zweifei sein, dasz usus in dieser Verwendung kein genetiv ist. 
an sich hat usus nie die bedeutung 'bedürfiiis'; wenn es sie in der 
formel usus est, usus venu annimt, so geschieht dies eben nur, weil 
es in diecem falle subject ist indem von dem subjecte usus d&s 
venu, est ausgesagt wird, entwickelt sich der sinn *da8 gebrauchen, 
der gebrauchsfall, kommt, findet statt' und so dann 'es braucht, es 
bedarf', instructiv für diese sinnen twickelung ist die stelle Verg. 
Äen. VIII 441 nunc viribus usus, nunc nuinibus rapidiSj omni nunc 
arte magistra 'jetzt gilt's brauchen die kräfte' usw., anderseitä 
Livius^ XXVI 9, 9 alü offerunt se, si quo usus operae sit, wo man 
wörtlich übersetzen könnte: 'andere bieten sich an, wenn sich eine 
Verwendung ihrer dienstleistnng finde.' indem usus est sich la 
einem neuen verbalbegriff entwickelte, construierte es sich auch mit 
dem accusativ : Plautus Pseud. 385 äd eam rem usust Mminem astu- 
tum, döctum, scitum et cdUidum, qui inperata effkta reddat usw. 

Um schliesslich auf die bedeutungsentwickelung von opus est 
zurückzukommen, so ist diese wol hinl&nglich klar, wenn man auch 

' Liv. XXII 51, 8 ad cotuilium pensandum temporig opu» es$<. 
XXIII 21, 6 in itipendium guanti argenti opui fuit. 



EHoffinann: zur Iftteinischen syntax. 199 

nicht Terkogen darf, dasz bei dem selbstftndigen leben einer solchen 
xom einüachen yerbalbegriff gewordenen Verbindung noch ttberall 
eine wörtliche Übersetzung dem sinn vollkommen gerecht werde, 
jedcnfalla ist gerade die bedeutung von opus est in der prädicativen 
Terwendong, an der Beifferscheid anstosz nahm, vollkommen klar, 
bangt qjpuß das zu schaffende werk (und eben darum aufgäbe), 
M wird es, einem subjecte prädiciert, dieses als ein zu leistendes, zu 
beschaffendes, und somit als ein benötigtes, oder auch als die sache 
hinstellen, um die es sich handelt, auf die es ankommt, analog ist 
die Wirkung von negotium in der Plautinischen formel (fngl, 523. 
BacdL 755. Ps. 993. Fers» 693) ita negotium est *so ist zu verfahren, 
80 hat es sa geschehen, so ist es nötig", und weiter kann man auf 
dtt griechische irpäTM^ ^^ "^^^^ verweisen, das, einem infinitiv prft- 
diciert, die in demselben ausgesprochene handlung als das jemand 
nkommende, in seinem interesse liegende verfahren usw. bezeichnet 
imd so in den sinn von cpus est übergeht.' was nun die construction 
9pus est äUqua re betrifft, .so modificiert sich hier die bedeutung von 
9fmt da es das subject bildet, dasz man mit Beisigs Umschreibung 
'mittels einer sache geschieht ein werk' (vorl. s. 703) nicht ausreicht, 
liegt auf der band, man wird sich vielmehr daran erinnern müssen, 
dsu cpus nach art eines Verbalsubstantivs neben der passiven be- 
deutong auch active hat, indem es das mühen, die arbeit, die (active) 
fecrichtongy also ein thun, zu stände bringen usw. besagt, fassen 
vir in diesem activen sinne opus^ wo es das subject bildet , dann er- 
weisen sich sinnentwickelung und gebrauch von opus est {aliqua re) 
als vollkommen -parallel mit denen von usus est. wie letzteres be- 
deutete ^das gebrauchmachen (von einer sache) findet statt', so be- 
tagt opus est (jaUqua re) 'das handeln (mittels einer sache), das vor- 
g^en mittels . . findet statt', bedeutet sonach mihi opus est aliq%M 
re ad aUquam rem *mir ist zu einem gewissen zwecke mittels einer 
lache vorzogehen', so ist klar wie dies zu dem sinne führen muste: 
'ich bedarf einer sache zu einem zwecke, sie thut mir not' usw. mit 
<ler Livianischen construction opus est äliGui%is rei liesze sich ver- 
gleichen das französische awnr affaire de qudque chose (avoir affaire 
^argeiU «- avoir besoin d'argent). 

Ueber die construction von referty interest bemerkt Seiffer- 
scheid: 'similiter in ezponenda verborum refert et inUrest structura 



' nicht eben fQtreffend ist was Lindemann zu der stelle mgL II 6, 
43 (528) bemerkte: ^Üa negotium e$t. ita eomparata res est, ita postalat 
res, ita opus est. und«, ut hoc obiter addam, intellegitnr qnae nativa 
•it Tis fonnolae opus est, itaqae formulae opus est, usus esi^ misus «eiiil, 
sffsCui esi fcre synonjmae sunt, et proprie e re nata Ua fteri debere^ 
rtm Um postulmre significaot. atqae opus est hae re pro opus versaiur in 
kae re rij, tö irpAm^ ^v toOtoic IctIv.* * vei. Herodot 1 79 cOptCKC 
«pf)T)ia ol clvat iXa^vctv idc bi^iTO Tdxicra Cirl t&c CdpÖic. I 207. 
IV n. VIl 12. analog I 17 inibpj\c \ii\ ctvai CpTOV Ti) crpuTiQ. so 
estspricht auch oObiv irpdY^a bald dem non opus est, bald dem nü refert. 



200 EHoffinaim: zur lateiniechen syntax. 

grammaüci vehementer errare solent. intellectnm quidem est pro- 
sodia duce re in refert non esse praepositionem sed easnm rei ; at ab- 
laÜYiim esse putant, quod mea^ tun etc. cum re fert coniungi yident. 
tamen ablativi in bac stmctara nulla iusta causa est; verum, si sen- 
sum nostrum sequimur, dativum potius requirimus. nee aliter Yer- 
rium Flaccum grammaticum longe celeberrimum hanc stracturam 
interpretatnm esse Feste teste p. 282 scimus: refert cum dicmus^ 
errare nos aü Verrius; esse enim rectum rei fert dativo scüicety non 
äblatfvo oasu^ sed esse iam usu possessum. iam vero apparet etiam in 
hac structura, ut in illa quam antea tractavimus, resedisse antiquas 
,formas meaque re et reliqua non esse ablativos, sed daÜTOs per- 
peram iam ante Verrii aetatem pro ablativis habitos' usw. 

Da. ich seit Ittnger als zwei decennien in meinen Vorlesungen 
über lateinische syntax die gleiche ansieht ttber fnea, tua refert vor- 
getragen habe und dem entsprechend auch die Horasische stelle 
sat. I 1, 49 vd die quid referat intra naturae finis viventi usw. 
(als fall eines dativs des sächlichen Zweckes neben dem der interes- 
sierten person) zu interpretieren pflegO; so kann ich nur beistimmen, 
wenn an die schulgrammatik die mahnung ergeht einen alten irrtum 
zu berichtigen, wollte Beifferscheid jedoch alten irrtfimem entgegen- 
treten, so hätte er auch mit der herkömmlichen ansieht über die 
construction von interest brechen und nicht schreiben sollen (s. 15): 
'postea structura verborum re fert falsa analogia, qua in lingnarum 
historia multa regi constat, in verbum interest translata est; quam 
opinionem vulgo receptam esse video nee habeo sane quod oppo* 
nam.' dasz die falsche analogie von refert die construction von 
interest mit den possessivformen mea^ tua usw. sollte bewirkt haben, 
ist ganz undenkbar, mochten auch die Römer zur zeit des Yerrins 
Flaccus über die casusnatur von re neben fert im unklaren sein: 
darüber dasz sowol der mit refert verbundene genetiv wie die pos- 
sessivformen wea^ tua usw. nur bestimmungon des vermeintlichen 
ablativs re seien, waren sie sicher nicht in zweifei; weder also zu 
dieser zeit noch geschweige früher, wo das be wustsein von der 
dativnatur des re noch lebendig war , hätte es den Bömem beikom- 
men können, in dticuius re{%\ fert , 9Nea[i] re\i\ fert das Vorbild für 
die construction des völlig verschiedenen und nur uns als synonym 
dünkenden interest zu finden, und waren es blosz jene possessiv- 
formen, die interest dem refert entlehnte, oder war es etwa auch der 
genetiv? wie steht es denn überhaupt mit der berechtigung die- 
ses casus bei interest^ da die composition als solche und ebenso die 
logische bedeutung vielmehr den dativ fordern würden? wollte 
man interest etwa ^r ein verstärktes est^ und den genetiv somit für 
ebenso possessiv halten, wie er es neben dem einfachen esse ist, dann 
liesze sich nicht absehen warum interesse nicht schlechthin persön- 
lich construiert wird', und weiter, warum im falle des ersatzes des 

« dass die stelle Gie. ad Att. III 19, 1 Oaque in ßfrirum ad U UaHd 
me eonferre^ non quo mea intereitet loci natura, qut Utctm amnino 



EHoflmann: zur lateinischen syntax. 201 

possessiYen geneiivs durch das adjecÜTische possessivum dieses 
Hiebt ebenso wie in der prftdicativen Verwendung bei esse als neu- 
tmm im singolar auftritt, in Variation der stelle Ciceros de fin. HL 
3, 10 erat enim si cuiusquam certe tuum^ nihü praeter virtuiem 
inhomsdueertt mttste man also auch sagen können: si cuiusquam, 
certe iuum intererat^ ducere usw. warum also verwarf der Sprach- 
gebrauch diese durch die logik des satzprftdicates geforderte neutral- 
form und verlangte tua iniererat? 

Sind es denn aber wirklich femininformen, so werden wir fra- 
gen mflssen, die in mea tua sua nostra vestra cuia^ inierest vor- 
tiegen? nur der analogie von mea refert zu liebe hat man dies bisher 
stets angenommen ; ein prosodischer beweis aber fOr die quantitAt 
der endnng dieser possessiva liegt nicht vor, da inierest mit dieser 
construction noch bei keinem dichter nachgewiesen ist. 

Soll die analogie von refert zur auHclKrung der construction 
ron mterest herangezogen werden, so wird dies in dem sinne ge- 
schahen dürfen, dasz wir in inter-est ebenso wie in re-fert nur eine 
doreh den naus festgehaltene nebeneinanderstellung, nicht eine 
eigentliche composition zu erblicken haben, wie re neben fert noch 
seinen vollen Substantivcharakter behftlt und so mit dem bestimmen- 
den genetiv und mit den bestimmenden possessiven sich Verbindet, 
80 hat such inter neben est seine volle bedoutung und Wirkung als 
priposition behalten, und in der construction mea tua sua cuia inter 
tti liegen eben nur von inter abhängige accusative des neutrum plur. 
Tor. der sinn dieser construction ist demnach, dasz das durch einen 
ntc oder ein pron. neutrum gegebene subject unter das der betreffen- 
den person Angehörige, sie angehende falle, in den bereich ihrer inter- 
effsen gehOre. ersetzen nun aber die possessiva nur den possessiven 
genetiv des betreffenden pron. personale, und ist umgekehrt der gene- 
tir ersatz eines possessiven adjectivs , so ist damit auch das räthsel 
der construction von inierest mit dem genetiv neben der Verbindung 
dfittdhen mit jenen possessivformen gelöst : wie sich cuius inierest 
mit OMia inieresi deckt, und wie mei tui sui — statt mea tua sua — 
Mterest stehen könnte, so ist der genetiv eines jeden nomen bei 
mterest nuf das äquivalent für ein die Zugehörigkeit zu diesem 

f^fferem^ »ed Qtw. unmöglich richtig sein kann, wird wol allgemein eq- 
r^ben. Faemni wonte natura streichen; CFWMüller schlug vor: 
•oa quo wua inieressctf ouae e»$et loci natura; Kayser: n. q, m, i. loci 
wfm frmi; einfacher aürfte es sein zu sehreiben: non quo mea interes' 
Ht f loci natura, sc. me in Eplrum conferre, — Wie Holtse sTnt. I s. 21 
•b b«itpiele dee persönlichen gebrauehea von intereH stellen wie Fl. 
«Mf. 408 plmma haud inierest, patronuM an eluem jrrobior aiet uä. stellen 
tu Terentius anfShren mochte, in denen intereet nicht sowol das ayno- 
tjmnm ron refert ist, sondern entweder 'dazwischen sein* und so 'unter- 
icbied sdn, unterschied machen' wie in der angef&hrten stelle, oder 
'•beteheo, verschieden sein' bedentet, ist nicht abzosehen. 

* Cicero b«i PrisciBn XII 29 (I s. 696 Hertz): Cicero pro Vareno: 
Ve eaeiee H potinimum crimini daiur, detur ei cuia inter fuU, non ei cuia 
^Aa inter fuit.* 



202 EHoffmann: zur lateinischen syntaz. 

nomen besagendes adjectivisches coUectivum. patris inter-est be- 
deutet sonach 'es gehOrt unter das den vater angehende.* 

Wenn ich diese erklärung ftLr die constrnction von intercst auf- 
stelle , so musz ich wol auch den einwenden begegnen , die etwa er- 
hoben werden kannten, 6inmal dasz nach jener erklftrung zu erwarten 
wfire, dasz fttr den genetir von Substantiven auch wirklich ent- 
sprechende ac^ectivneutra einträten, sodann dasz die Verbindung von 
ifUer mit solchen possessiven genetiven auffallend sein müsse. 

Der erstere einwand wäre berechtigt, wenn die von appellativen 
abgeleiteten , die Zugehörigkeit besagenden acfjectiva strict nur die 
Zugehörigkeit zu dem einzelbegriff, zu dem einzelnen individunm, 
und nicht vielmehr die Zugehörigkeit zu der gattung ausdrückten 
und so qualitativen sinn hätten, durch jpairiuSj regius^ sematarius, 
uxarius^ sororius oder puerüis, iuveniUSy virüiSy senüiSf dvüis^ hostüis 
usw. wird nicht bezeichnet, was dem einzelnen jpo^er, rex, Senator, 
der einzelnen uxoTj sorar^ dem einzelnenjpuer, iuvenis usw. an- 
gehört, sondern was der gattung der patres^ reges^ uxores usw. eigen 
und eigentümlich ist. dasz dichter das possessive adjecüv für den 
possessiven genetiv verwenden, ist begreiflich, nicht minder dasz 
die poetisierende prosa der kaiserzeit von dieser freiheit gebrauch 
macht*; Am bereiche mustergiltiger latinität jedoch dürfte sich 
schwerlich ein fall nachweisen lassen, wo das acyectiv nur den gene- 
tiv des einzelbegriffes verträte und nicht qualitative Wirkung hätte.^ 
bei den von nomina propria abgeleiteten adjectiven könnte es zwar 

* wenn insbesondere Tucitus es liebt, für den genetiv ein abg:«- 
leitetes possessives adjectiv eintreten zu lassen, so ist doch in der mehr- 
heit der fälle damit sagleich eine qualitative bestimmong beabaiektigt. 
vgl. ann. I 6 novercalia odia (sc. navereae Limae); c. 7 per u^orium 
ambitum (sc. uxoris Liviae) et senili adoptione (sc. ab $ene Augutio facta); 
c. 13 adtpütci prineipem locum (st. prineipü); c. 14 muliebre fattigiiim 
(st; mulieris^ so. Lioiae); XIII 14 »uperbia muliebrig {mMÜeru, sc Agrip- 
pinae); 1 41 imperatoria uxor\ hist, 1 13 principate tearittm; ann. 
XIII 2 rectores imperatoriae iuventae; XII 4 iervite§ fäUadae {servo- 
rum, gehässig statt Hbertorum)\ XIV 60 servilig amor; XIII 26 ludlcra 
ticentia (ludionum); XVI 4 ludiera deforntUoM (für huHeri defcmätat, 
schauspielschimpf, von Nero) uam. "^ wenn Nägelsbach lat. Stil.* s. €2 
den gebrauch solcher adjectiva anräth, um einen lat subjoeta* oder 
objectsgenetiv oder einen präpositionscasus zu ersetzen, 'wenn sie in 
letsterm falle das gebiet bezeichnen, innerhalb dessen sich der begriff 
eines andern substantivums bewegt und ausbreitet*, so ist diese Um- 
grenzung de« gebrauches wol kaum klar genug gehalten, was er vor- 
her (s. 61) über die Verwendung von adjectiven statt genetiven bemerkt: 
*'wenn das deutsche substantivurn im genetiv steht mit dem unbestimm* 
ten artikel um die eigenschaft eines andern begriffes zu bezeichnen; 
zb. ob wol nur quästor wüste er sich doch die würde eines eoasnU 
zu geben: quaeituram eomulari dignitate omavU, cotufdit würde be- 
sagen: die würde des bestimmten, damals im amte stehenden coosuU* 

— so ist dies jedenfalls faszlicher, nur eben nicht principiell ausgedruckt 

— In GWicherts schrift 'über den gebrauch des adjectivischen altribnts 
an stelle des subjectiren oder objectiven genetivs im lateinischen' (1875) 
bleibt die Wirkung der einen und der andern art von bestimmung ganz 
unberücksichtigt 



EfloffiauhDn: twc lateinischen syntaz. 203 

•clieinen, als ob diese obne weiteres als eigentliche possessiva 
hnndibar sein mflsten, da sie ja nur die Zugehörigkeit zu dem ein- 
sehieD, den betreffenden namen fahrenden individuum besagen kOn- 
wn; gleichwol werden auch sie nicht zur bezeichnung des besitz- 
reriiÜinisseB schlechthin verwendet, sondern nur in dem sinne, dasz 
sie den orspmng, die herkonft einer sache von der betreffenden per- 
mh, oder auch die beschaffenheit der sache nach maszgabe jener 
pfföon aoBdrfloken und somit eine qualitatiTe bestimmung abgeben. 
BesQglich des zweiten einwandea, die unmittelbare Verbindung 
da6Mer[-es<] mit einem possessiven genetiv betreffend, genügt es 
iof die bekannten fiüle tu verweisen, wo locale prftpositionen mit 
dtn genetiv eines nomen proprium verbunden sind , der schlechthin 
die lOgehOrigkeit besagt und so den ersatz bildet für das neutrum 
«aas abgeleiteten, die Zugehörigkeit besagenden a^jectivs. ^le wie 
od Dianae (Ter. ad. 582), ad Castoris, ad Opis, ad Tdluris, ad Mar- 
(if (Cicj». Jia. 33, 91. Pka. I 7, 17. H 37, 93. ad Q. fr, VI 4, 14. 
7, 1), ad ApoOmia (Caelius bei Cic epist. Vm 4, 4), ad Vestae (Hör. 
mi, I 9, 60. Liv. XXVm 11, 7), ad lavis SMoris, ad Spei, ad lufuh 
mLa cmiae^ ad Cereris Liberi Liberaeque (Liv. I 41, 4. n 61, 2. 
Xnn 34, 2. XLI 28, 2); propler loüis pueri (Cic. de div. U 41, 86) ; 
po^ Spei (Liv. XL 61, 6); a Vesiae (Cic. epist. XLV 2, 2), a Mortis 
(Liv. X 47, 4), werden zwar gewöhnlich durch die ellipse von 
tempkum^.aedis erklftrt; dasz jedodi dem Römer jene genetive nur 
«ae der betreffenden gottheit zugehörige localitftt überhaupt bedeu- 
teten, dass er nicht strict an einen tempel derselben dachte, zeigen 
ftlle wie od Murciae, ad (Jarmeniis (Liv. I 33, 6. V 47, 2), wo nicht 
templmm, sondern ara suppliert werden mttste, und nicht minder be- 
weisen es jene fftUe, wo der genetiv des namens eines besitzers für 
das besitztum steht: Cic. ad Q. fr, m 1, 2 fu neque per Loeusiae 
nepieper Varronis viam ducere valuisii. ad AU, lOI 37, 2 numma 
at in Scapulae edebritas. dasz in solchen füllen nicht irgend 
«dche zuf&Uige ellipse zu statuieren ist, in der ersten stelle etwa 
[pfr] fundum, in der zweiten [in] horto (oder nach Xu 40, 4. 
42, 2 kortis)f dasz vielmehr den genetiven die krafb eines localen 
ooUeetivums — Locustiamim, Varronianum, Seapuilanum* — beizu- 
messen ist*, zeigt recht deutlich die weitere stelle ad AU. Xu 27, 1 



* vgL Mamüiamim, als name einer besitinng des Q. Cicero (ad Q, 
fr. m 1, 1) nnd CUswamm^ eine aas der erbschaft des M. Clavins her- 
ittreade besiUan^ dee M. Cicero bei Puteoli {ad AH. XIV 10, 8. 11, 2, 
•eest hmü Cbaimd XIV 16, 1). * das gleiche gilt von dem analogen 
rcbraach im griechischen, wo nicht bloss der genetiv von nomina pro- 
fris ab eraati eines abgeleiteten localen collectirs steht (iv. de 'A{oao, 
AiMcftc, ky\ KipKTic, iv *AXkiv6oio, k TTptdMOio; iv Kpo(cou, Ic toO KXco* 
||^rcoc [Her. I 36. V 511; bi 'Ap{(ppovoc, de 'Aroeiftvoc [PL Prot. 820«. 
•r«p. 174*], bt At6c [olKdv, Theo kr. 84, 8S] nam.), sondern aach der 
von apnelUtiven (£c irarpöc Od. ß 195, bi dipvctoO irorpdc II. Z 47, 
<v^ €c d^vcioO II. fi 482; cic 6t6ocKdXou [q>oiTftv] Xen. Kjr. II 8, 9, 
iic biteacdXwv [n^Mtrctv] PI. Prot. 325«; £v Ki6aptCToO PI. Theait. 206«; 



204 EHoffinann : zur lateinischen eyntaz. 

Coitae^ quod negas te nosse, tUira Süianam viUam est^ quampiäö 
tibi notam essCy vüUda sordida et valdepusüla; nü agri^ ad mOam 
rem loci satis nm ad eam qtuim quaero. dasz der genetiy ChUae 
nicht zu vükda gehört, zeigt hinlftnglich das relativ quod\ dasz man 
nicht praedium ergänzen dürfe, ergibt sich ans der weitem aus- 
fUhrung nü agri usw. ; der genetiv Coltae bildet daher in sieÜTer- 
tretung eines entsprechenden derivatums {CkMianum) das subject 
des Satzes und hat viXS/\da zur apposition. dem entsprechend werden 
wir auch die mit piilpositionen construierten genetive von gOtter- 
namen nur als ftquiyalente für ein neutrales derivatum , welches die 
dem gott geweihte stfttte bezeichnet, zu betrachten haben, wie sich 
in der Argeerurkunde circa Minervtum findet (Yarro del.lai,N 47), 
so könnte denn auch ftlr ad Dianae, ad Apdlinis Tom grammati- 
schen, wenn vielleicht auch nicht vom antiquarischen gesichtspunct 
aus ad Dtantum, ad ÄpoUinar stehen.*® 

Nach dieser analogie also wird der mit tn^erf-es^] construierte 
genetiv zu beurteilen sein, wenn er aber nicht schlechthin das neu- 
trum sing, des betreffenden adjectivs vertritt, sondern nach masz- 
gäbe der possessiva fnea, tua usw. das neu trum plur., so ist dies 
begreiflicher weise eben die Wirkung von inter. 



de öpxncTpiboc Arist. Wo. 996; [tö xuipiov tö] iy tcitövuiv Dem. LIU 10 
ndgl.), sowie von pronomina: ic ceuiuToO, ic iuiuroO (Her. 1 108. DL 108), 
elc i^auToO (oIkooc elc ^fiauroO) PI. Hipp. mal. 804^. Arist. Lys. 107a 
(gegen de ^mcT^pou als lesart in Od. ß 65. r\ 801. p 584. hy. a. Hermes 
870 wird man billig Verwahrung einlegen messen.) wie die annähme 
von ellipsen in allen diesen fällen höchst Überflüssig ist, so ist sie na- 
erträglich, wo mehrere derartige genetive neben einander die ergänsnng 
ganz verschiedener begriffe verlangen würden, wie II. Z 878 ^A iri) ic 
taXöujv fi dvaT^puiv ^un^irXuiv fj ic *A6T)va(r)C iEcix^Tai, wo sa ^c t<'- 
Xöujv f| civaTcpuiv ^iyapa, zu ic *AOiiva(T)c aber viiöv erränst werden 
müste. and wenn in Sparta ein tempel des Asklepios als der £v 'Ayia- 
lyS^y bezeichnet wurde (Paus. III 14, 2), wer würde, weil dort die gräber 
der Agiaden waren, bei iy '^jxabiStv an die ersänzung von Tdq>oic den- 
ken, und nicht vielmehr iy 'AyiabiZlv 'im Agiadenbezirk, auf dem Agiaden- 
platz' interpretieren? 

^^ während bei den Griechen zahlreiche derivata als heseicluiiing 
der einer gottheit oder einem heros geweihten localität existierten (Tgl. 
'AOffvaiov, Aidxciov, *Afi(ptapd6iov, 'AprcMtciov. *AcKXT)iridov, 'AmpooC- 
ciov, "Hpoiov, GcTibeiov, Gi^ceiov, Mirircid^iov, Kpöviov, MT^TpCpov, Mou- 
cetov, NOfi(paiov, TToceibiov, TTOOiov, TOxaiov uam.), waren in Rom nur 
wenige derartige derivata und diese nur zur bezeichnnng bestimmter 
Stätten in gebrauch: ausser Minervium (tempel auf dem Caelius), Diamimm 
(im vicus Cyprius, Liv. I 48, 6) und ApolUnar (area auf dem Marafelde, 
Liv. III 68, 7; ein anderes ApoÜinar käme nach KOMüllers conjectur 
auch in der Argeerurkunde vor bei Yarro de L laU Y 52), sind für die 
ältere seit nur bekannt das Lupercal und Folcanal; ein Pomanal erwähnt 
Festus s. 250, ein FruÜnal dessen epitomator Paulus s. 90. in der kaiser- 
seit finden sich ausser den heroen der dwi Cae»are§ {Caesareum im Axval* 
hain, Claudium^ Hadrianium) als bezeichnungen von tempeln: Jiium and 
Serapium (Lampr. AI. Sev. 26; Curiosum U. R. reg. IX), Doloetmtm^ Fri- 
giamtm (ebd. rtg» XIII. XIV), Fortunium (Notitia T%g, 2S). 

Wien. Emamubl Hofficai«k. 



GJCejer: ans. t. KZacher de nominibiiB graeois in -aioc -aia -aiov. 205 

16. 

Dl HOMIHIBÜS OBAB0I8 IN AIOC AIA AlON 8CRIPSIT KONEADÜS 

ZACHBR. Balis Sazonnm, Max Niemeyer. MDGCGLXXVII. YIII 
o. 280 B. gr. 8. 

Der yf. dieser monographie hat bereits durch eine hübsche 
kleine arbeit ttber griechische nominalcomposition gezeigt, dasz er 
grammatiBche fragen mit geschick zu behandeln versteht und auch 
mit den ergebnissen der vergleichenden Sprachwissenschaft genü- 
gend vertraut ist. mit der vorliegenden gröszem arbeit hat er das 
gebiet der eigentlichen stammbildungslehre betreten, deren Inangriff- 
nahme in grösserem maszstabe nachgerade ein desideratissimum für 
die Sprachwissenschaft wird, sie behandelt freilich nur einen sehr 
kleinen ausschnitt aus dem ganzen groszen gebiete, der vf. erz&hlt 
uns in der vorrede, wie es ursprünglich seine absieht gewesen sei 
dftj suffix -10- in seiner manigfachen Verwendung im griechischen 
<a ontersttchen, wie er sich dann wegen des allzu groszen umfanges 
dieser arbeit auf die fiUle beschränkt habe, wo -to- mit einem voran- 
gdienden vocale die Verbindung zu -aio- -£io- usw. eingeht, wie er 
wblieszlich nur die nomina auf -aio- behandelt habe und zwar auch 
hier nicht alles mit gleicher Vollständigkeit, der grund dieses an 
die dreifache reduction der sibjUinischen bücher erinnernden ver- 
bbrena war der^ dasz es Z. in erster reihe auf eine philologischoi 
nicht linguistische arbeit abgesehen hatte, er hat sich der dankens- 
werten mühe unterzogen sämtliche in betracht kommende Wörter 
aus dem Thesaurus von Stephanus auszuziehen und an der band 
neuer handschriftenvcrgleichungen, so weit solche vorlagen, kritisch 
ta untersuchen, diesem sorgfältigen eingehen auf alle einzelheiten 
Terdankt das buch seinen hauptsächlichsten wert, es ist dem vf. 
gelungen nicht nur die gebrauchsweise einzelner wörter schärfer zu 
hsstinunen, sondern audi mehrfach ihre form sicher zu stellen: ich 
▼erweise in dieser beziehung auf das s. 39 ff. über CTeiXeöc bei 
Hippokrates, s. 41 f. über crmeia und crmto bei Poljbios, s. 114 ff. 
Aber die composita mit jf\ ausgeführte. 

Dem wissenschaftlichen Verständnis von sprachformen pflegt 
eine solche isolierende behandlungs weise , wie sie der vf . vorgenom- 
men hat, gewöhnlich nicht sehr förderlich zu sein, dies ist schon 
bei der betrachtung des gebrauchs eines einzelnen suffixes der fall; 
wie viel mehr, wo noch aus einem solchen ein teil für sich abgeson- 
dert Torgenommen wird. Z. selbst hat sich genötigt gesehen, wenig- 
lUns in dem ersten, die verschiedenen formen von -aioc behandeln- 
den abschnitte hie und da die grenzen dieser endung zu überschrei- 
en, so kann ich denn allerdings nicht verholen, dasz es mir scheint, 
sh ob manchen aufstellungen des vf. wenigstens jetzt noch die rechte 
gnmdlage fehle. Z. hat es zb. für überflüssig erachtet die Scheidung 
eines primären und secundären suffixes -lO- beizubehalten *cum et 
difficiUimnm ait et saepe omnino fieri nequeat et ad cognoscendas 



206 GMeyer: anz. t. EZacher de nominibus graecis in -oioc -aia -mov. 

formandi leges nihil afferat utilitatis' (s. YII). die beiden ersten 
gründe will ich meinetwegen zugeben; aber eine einteilong die, von 
den allem ttberflüssigen abholden indischen grammatikem gefunden^ 
das wesen der ganzen atammbildong in so scharfer weise erfuzt 
hat, ohne weiteres für unnütz zu erklären, scheint mir recht be- 
denklich , besonders wenn man sieht was Z. an deren stelle gesetzt 
hat. er behandelt zuerst -atoc aus -aFioc; fülle wie ßou-Td-to-c ans 
WZ. TOtF-, bd-io-c aus wz. baF- stehen hier neben ärXctta von &xXao-, 
neben £)üi7raioc, das Z. selbst von iraiu) ableitet, das also eine ganz 
zufällig mit diesen bildungen zusammenfallende analogleschQpfang 
ist. unter -aioc aus -acioc stehen zunächst einige unzweifelhafte 
ableitungen von -ac-stämmen, wie TT]pa6c xepoöc CKViqKzToc, da- 
neben aber X<i^oc, das zwar etymologisch dunkel ist, aber jedenMls 
von den übrigen in seiner bildung himmelweit verschieden, bei der 
dritten abteilung, welche die fälle umfaszt, wo -to- an a-stämme an- 
getreten ist , macht Z. die Scheidung in zwei *genera eorum qaae i 
suffixi 10 cum a stirpis protot jpae suffixo et qaae cum a interiore 
quasi stirpis prototypae membro contraxerunt'. irre ich nicht, so 
trifft diese Unterteilung im groszen und ganzen mit jener von Z. 
verworfenen in secundäre und primäre stamme zusammen: denn 
dXäioc zb. und 'A)üiq>iapäioc , die der vf. zur zweiten Unterabteilung 
stellt , sondern sich schon dadurch scharf von den hier behandelten 
Wörtern , dasz a -|~ ^ immer getrennt geblieben , nie diphthongisch 
geworden ist. es scheint mir demnach nicht billigenswert, dasi es 
Z. vorgezogen hat an stelle einer das innerste wesen der stamm- 
bildung treffenden einteilung eine solche nur äuszerliche Scheidung 
zu setzen, durch welche der überblick über zusammengehöriges 
wesentlich erschwert wird. 

Ich erlaube mir noch eine zweite allgemeine bemerkong zu 
machen, ich halte es ftir zweifellos, dasz einer der fruchtbarsten 
gesichtspuncte , die in den jüngsten phasen der Sprachwissenschaft 
für die erklärung von sprachformen geltend gemacht worden sind, 
die erkenntnis des wirkens der analogie ist. obgleich ich die unge- 
mein weit gehenden anschauungen nicht teilen kann, denen manche 
Sprachforscher in dieser beziehung huldigen — es pflegt ja einer 
neu auftretenden betrachtungsweise nicht selten zu begegnen, dasz 
sie weit über das ziel hinaus schieszt — , stehe ich nicht an die 
methodischen bemerkungen vollständig zu unterschreiben, die HPauI 
kürzlich im 4n bände der * beitrage zur geschichte der deutschen 
Sprache und litteratur' s. 315 ff. gemacht hat. und wenn irgendwo, 
so hat, glaube ich, auf dem gebiete der stammbildungslehre eine 
solche auf&ssung ihre volle und umfassende berechtigung. die nn- 
geheure menge von Wörtern , die wir in den Wörterbüchern der ein- 
zelnen indogermanischen sprachen, oft nur zum geringsten teile, 
zusammengehäuft sehen , hat sich zum aUergrösten teil in einer zeit 
gebildet, wo es keine wurzeln, keine stamme, keine suffixe mehr 
gab, sondern wo das redende volk nach dem vorbilde einer anzahl 



GMejer: ans. v. KZacher de nominibna graecis in -aioc >aia -aiov. 207 

ron wOrtem, in denen diese bestandteile bereits zu einer festen ein- 
heit Terbnnden waren , immer mehr nene ausprägte, da das Tolk 
nicht grammatisch nnd noch weniger sprachvergleichend geschult 
ist, so ist es nicht zu verwundem, wenn die Wortbildung häufig von 
dcD bahnen, die wir heute ftlr die einzig normalen zu halten geneigt 
nnd, abwich, und zwar darf man nicht glauben, dasz das nur in 
den Bjifttesten epochen einer spräche vorkommt, wo dieselbe im 
Bi«dergange begriffen ist oder gar nur als tote Schriftsprache fort- 
lebt; im gegenteil , wir können die nemlichen Vorgänge bereits in 
den frflheren perioden der Sprachentwicklung nachweisen, und viel- 
leicht da am meisten, wo noch nicht das regulativ einer schrift- 
i|ffiche manches derartige nicht aufkommen läszt. eine erwägung 
dieser gesichtspuncte wäre nach meiner meinung auch der unter- 
goduBg Z.8 ersprieszlich gewesen, er hätte es dann gewis nicht 
mit solcher Zuversicht ausgesprochen, dasz die anfttgung von -aioc 
ils ganzes, nur als eine einheit gefühlten suffizes erst in den späte- 
sten Zeiten der gräcität und auch da nur spärlich vorkomme, es ist 
mir im gegenteil kaum zweifelhaft, dasz die zahlreiches a^jectiva 
ftof -cuoc von o-stämmen, wie 6baioc, nur auf diesem wege ent- 
sUnden sind; denn weder die von mir früher in Kuhns zs. XXIII 
494 aufgestellte erklärung noch die von Bflhler sufßx -ttic s. 39 ist 
haltbar, die meinige ist von Z. s. 185 mit einer treffenden bemer- 
hmg erledigt worden; aus der von Bühler können wir vielleicht so 
viel adoptieren, dasz man zunächst nur von femininen auf -oc 
solche analogiebildungen machte, also 6baToc von f) 6böc wie 
oäpaioc von f| oöp<L aber das ist natürlich nur ein vielleicht, auch 
die bildungen auf -aioc von adverbien wie Kpuq[>aioc XaOpaioc wer- 
den sieh am besten so erledigen, für eine derartige belxachtungs- 
weise aber ist es unbedingt notwendig die chronologische folge der 
einzelnen Wortbildungen mehr zu betonen als es der vf. gethan hat. 
er gibt die Wörter in den einzelnen abschnitten in alphabetischer 
mhenfolge; das hat gar keine berechtigung, zumal da ein index am 
Khlosse des buches dem zwecke etwaigen nachschlagens vollständig 
dient, eine anordnung nach der zeit des ersten nachweisbaren auf- 
Iretens eines wertes wird zwar bei der trünunerhaften Überlieferung 
der griech« spräche durchaus nicht jedem werte seine richtige Stellung 
nweisen können ; aber ist es nicht, um bei dem oben besprochenen 
&Ile zu bleiben, höchst bezeichnend, dasz von den adjectiven auf 
*(noc Ton o-slämmen nur 6baioc bei Homer vorkommt? 

Vielleicht fühlt sich der vf. veranlaszt bei seiner weitem be- 
icbiftigung mit dem gegenstände diesen von mir angedeuteten 
gesichtspuncten einige berücksichtigung zu schenken ; der flei&z den 
er Mif ^e behandlung jedes einzelnen wertes verwendet hat, die 
lorgfalt bei der feststellung von bedeutungen, wo häufig fragen der 
realen philologie mit viel belesenheit und Sachkenntnis erörtert sind, 
lassen es sehr wünschenswert erscheinen , dasz er uns bald eine ge- 
Khiehte des weitverzweigten Suffixes -lO* im griechischen schreibe. 



208 GMeyer: anz. v. EZacher de nozninibua graecis in -atoc -ata -aiov« 

es würde vielleicht nicht schaden, wenn diese künftige arbeit in der 
form etwas knapper würde, dh. wenn manche auseinandersetzung, 
ich möchte sagen einzeluntersuchung, in anmerkungen oder excarse 
verwiesen würde, ich erlaube mir hier noch einige bemerkangen 
über einzelheiten anzuschlieszen. 

unter den arbeiten , die vor Z. sich mit dem suffix beschäftigt 
haben, scheint demselben eine entgangen zu sein, nemlich die von 
Johann Akens 'über die adjectiva auf -aioc -eioc -n'ioc -oioc -ui'ioc' 
im Programm des gjmnasiums zu Emmerich von 1873, die ich im 
philol. anz. 1874 nr. 3 s. 119 f. als in ihren grundanschauungen 
verfehlt gekennzeichnet habe. — Der erste teil der arbeit Z.8 be- 
schäftigt sich mit verschiedenen die endung -atoc betreffenden 
formellen fragen, so zunächst die ausstoszung des i, wo auch die 
verbindimgen -€to- imd -oto- berücksichtigang gefunden haben, 
zu dem sorgfältig zusammengestellten material ist nur wenig nach- 
zutragen : boiotisch dt <» aiet in dem eigennamen WtKXtbac bei Keil 
nachtrag zur sylloge inscr. boeot. nr. 37^, 74; arkadisch tco^vtuj 
Inschrift ^n Tegea z. 9 ; lokrisch dbeX96Öc ua. bei Allen in Cur- 
tius Studien III 230; kretisch direXdoc inschrift von Dreros a, 10. 
*Hpaetotc s. 3 »^ elischem ^HpFaoiotc CI. 11 ist jedenfalls ein druck- 
fehler. für die erklärung der fraglichen erscheinung schlieszt sich 
Z. mit vollem recht an Hartel an : denn auch was Misteli über grie- 
chische betonung I 130 (den Z. nicht anführt) in anderem sinne be- 
merkt, ohne Harteis ausführungen zu kennen oder zu berücksich- 
tigen , ist unhaltbar. — Die ausführung über ikaia s. 4 hat mich 
nicht überzeugt, ebenso wenig wie die frühere von Cauer Studien 
Vm 270. ein ursprüngliches dXaita müste im ionischen dialekt un- 
zweifelhaft ^XatiT) lauten, nach dem was Z. selbst s. 3 bemerkt hat, 
nicht dXati]. — KubaOnvatctJC behält nicht immer das t, wie Z. s. o 
behauptet, sondern KubaOnvacuJC steht bei Kumanudis '€TrtTPO<pat 
*ATTiKf]c ^TriTUjLißioi nr. 712, 2. — Was s. 12 ff. über -aoc aus 
-atoc, nicht aus -aFoc bemerkt wird, scheint mir zutreffend. Kepoöc 
ist um so weniger in der herkönmilichen weise mit lat. cervus zu 
identificieren , als sich vielmehr mit diesem ganz genau Kpiöc »= 
*KepFö-c deckt (vgl. KpiOrj mit ahd. gersta^ ^tvöc mit skr. varm 
decke, YptTTOC mit lat. scirpus ua. bei «TSchmidt vocalismus 11 331). 
nicht einverstanden kann ich dagegen mit dem bei tXaoc s. 14 be- 
merkten sein, auf der neu gefundenen lakonischen inschrift aus 
Olympia arch. ztg. 1876 s. 50 kann lAEFO unmöglich IXi^Ftp gelesen 
werden (denn r\ wäre im lakonischen dialekt hier ganz unbegreiflich), 
sondern nur \X^Fqj ; die form TXeoc wird als dorisch bezeugt durch 
ihr mehrfaches vorkommen auf kretischen inschriften: eid der Hiera- 
pytnier und Gortjnier (Bergmann de inscr. cret. ined., Berlin 1860) 
z. 71 IX^oc. 75 iX^oi; bündnis der Hierapjtnier und Ljttier (Naber 
Mnem. 1852) z. 25 iX^oc CI6. 2555, 26 IX^oc. ob man nun in 
jenem pentameter der lakonischen inschrift einen prosodischen fehler 
anzunehmen habe oder eine vorübergehende längung des E durch 



QMsjtr: ui. t. KZacher de nominibut graeciB in -atoc -ata -atov. 209 

du fdgv&de Yftw, wie sie Hartel mehrfach im Homer angenommen 
bsi, litte ich dahin geatellL mit dem digamma yermag ich mich 
nicht 80 leichten kanfs abzufinden wie Z. , der meint, es sei nur ge- 
sellt *at dnas Tocales dirimeret vel pertenuem aliquem halitom signi* 
iittreti cniiis natoram non iam bene perspicerent'. ich meine, man sei 
Bidit berechtigt sich Aber ein neu gefundenes digamma nur dann zu 
frNMD, wenn es mit bisherigen anschanungen stimmt, sonst aber es 
ia iiguid einer weise WQgzudisputieren. man hat es so gemacht mit 
dem Fön der lokrischen, mit dem TXaciaFo der korkjr&ischen in- 
ichrilt wir haben Torltttifig noch ans jeder alten form , die aus dem 
bodea von Hellas zu tage kommt, zu lernen; so hfttte jenes Fort 
<lie gefaiiuchliche herleitung des griechischen relativums aus dem 
itamme ja-, jenes TXaciaFo die übliche deutung des gen. sing, der 
ainnlichena-stfimme vorläufig wenigstens etwas zweifelhaft machen 
BoUeiL was das iimokarivas «> Tl^ox<StptFoc auf einer kjprisdien 
uttcfanft betrifft, so lasse ich dahingestellt, ob die lesung ganz sicher 
ist; di8 zeichen fOr t^ in dem ßactX^Foc derselben ins<^iift hat eine 
TOD jenem ganz Terschiedene form. — Sorgfältig ist die dann fol- 
goide ontersuchung über ion. -rjtoc; dasz ßouTdtoc nicht so einzig 
im Homerischen ionismns da steht, wie Z. s. 26 zu glauben scheint, 
duflber wird ihn die inzwischen wol zu seiner kenntnis gekommene 
disKrtation von Härder *de alpha vocali apud Homerum producta' 
(HaDe 1876) belehrt haben, ich hebe aus dem ersten abschnitte 
noch henror die Untersuchung über die a^jectiva auf -eoOc, obwol 
idi die erklftmng des vf. , wonach -€oCc aus -loOc entstanden sei, 
nicht unterschreiben kann, der allerdings auch von Curtius be- 
buptete Übergang eines i vor folgendem vocal in € unterliegt doch 
fiiinigfiichen bedenken; mehrere der dafür, meist nach Curtius, von 
Z. beigebrachten beispiele sind jedenfalls zu streichen, wie die 
gleiehsetzung von ireöc mit skr. sa^jd- nach ausweis des kyprischen 
'^Fd(v)bpui in der inschrift eines armbandes bei Siegismund 
stQ&B TK 102; Ta€d»vu)V CIO. 5594 II 83. 86 ist nicht gleich 
TQitbvuiv, sondern yaiedivuiv, wie schon Meister Studien IV 437 
nchtig erkannt hat; ri\p •» riifj, yerba auf •iMi) aus urspr. -^'afiM 
ist mindeBtens zweifelhaft, mir scheint bei diesen erst aus späteren 
«dvilUtellem sicher belegten adjectiven auf -6o0c eine Vermischung 
^ formen anf -oGc mit den uncontrahierten auf -eoc vorzuliegen, 
ibo auch eine art der falschen analogie. — Eine betrachtnng des 
boictisohen -t^oc fDr -atoc schlieszt den ersten teil. 

Die gliedenmg des zweiten hauptteiles habe ich bereits oben 
^<sproeh«D. bei der behandlung der einzelnen bildungen ist die 
c^ologiache seite im ganzen mit vorsieht behandelt von einzel- 
^tea ist mir folgendes aufgefallen : s. 63 wird ein skr. ffdva *iuven- 
^' aagefthrt, dessen quelle ich nicht kenne; dem Petersbmger 
wfirlerbnehe ist es unbekannt. — S. 64 wird ßai6c mit iraOpoc ver- 
öden; aber aUgemein griechischer Übergang von ursprflxiglichem 
^ ia ß wird durch vereinzelte dialektische beispiele wie ßarcTv ßiKpöc 

Ar clMS. phUol. 1S78 hft 3. 14 



210 OFRettig: berichtigung. 

nicht erwiesen. — S. 71 vermisse ich eine erUftnmg des langen i in 
jita; ebd. ist yaivasas 'gramen' nicht richtige das wort ist nach dem 
Petersbarger wOrterbaehe nentrum. — Meine s. 85 adoptierte er- 
klttrong von KpoTOtöc ans altem Kparac- für xporcc- mMite ick 
heute selbst nicht mehr vertreten, ich sehe jetzt in diesem nnd den 
dort besprochenen Ähnlichen wOrtem analogiebildungen. -^ 8. 108 
scheint Z. die entstehung von aTa ans jaia 'non plane incredihile'; 
mir scheint sie dies allerdings: denn abfaU von anlautendem t 
widerspricht den griechischen lautgesetzen, die Zusammenstellung 
von Spoc mit skr. giri slav. gara ist durch nichts erwiesen. — Dtsx 
Homer, wie s. 133 behauptet wird, noch jrji€ gesagt habe, lAszt 
sich, selbst wenn die etymologie des vf. richtig wttre, nicht an- 
nehmen, da spuren von anlautendem jod in den Homerischen ge- 
dichten sich nirgends mehr nachweisen lassen, wie Leo Meyer in 
Kuhns 28. XXI 351 ff. Iftngst nachgewiesen hat. — Wegen npouce- 
Xeiv s. 158 war jetzt besonders auf Clemms besprechung in Bitschis 
Acta I 77 zu verweisen. 

Dasz das lateinische gewand unsem neueren sprachwissen- 
schaftlichen arbeiten nicht sehr gut steht , ist eine ansieht von mir, 
die nicht gerade dadurch erschüttert worden ist, dasz dem vf. dinge 
mit untergelaufen sind wie die unmögliche Stellung von autem s. 6 
z. 15 V. u. an der fünften stelle des satzes, s. 7 im anfang von nr.3 
prapter se ipsam für eam ipsam, s. 122 z. 10 v. u. (xc vor einem 
vocal; s. 186 z. 3 v. o. der dativ nuOo. 

Graz. Gustav Mstbr. 

BEBIGHTIGÜNO. 



Sehr verspätet las ich den zweiten persönlichen angriff Teoffels 
auf mich in dieser Zeitschrift 1876 s. 783, wo er vorgibt, ich habe 
ihn in einem briefe *mit schmShungen und drohungen Übergossen*, 
ich sandte darauf, bei lebzeiten Teuffels*, an die redaction ein insent 
des inhaltes, Teuffei möge jene angeblichen Schmähungen pnbli* 
eieren, im bewustsein dasz diese Veröffentlichung die Unwahrheit 
seiner behauptung darthun werde, durch seinen tod ist diese aof- 
forderung gegenstandslos geworden ; zu meiner rechtfertigong bin 
ich aber genötigt den wahren Sachverhalt bezüglich jenes briefes 
hier mitzuteilen, ich forderte Teufbl darin auf, die ungerechtett 
angriffe und besdiuldigungen seiner recension , die ich ihm an ein- 
zelnen beispielen nachwies, öffentlich in geeigneter weise snrflck* 
zunehmen, mit dem bemerken, es werde dies jedenfalls ehrenvoller 
für ihn sein, als wenn er mich nötige ihn schritt für schritt zu wider- 
legen, dies bt der wahre Sachverhalt. 



* [am 22n februar 1878. ▲. F.] 

Bbrn, 18 märz 1878. Georg Eriedrioh Bbttio. 



£Lodwig: aiu. ▼. FNeoes lai formenlehre. 2r teiL 2e aufläge. 211 

17. 

rOlMENLEBRB DE& LATXINISOHBN SPRAOHS VOH FRIEDRICH NEUE. 
ZWEITER THSIL. ZWEITE UMGEARBEITETE UND ERWEITERTE AUF^ 

LAOE. Berlin, yerlag von 8. Calvarj nnd comp. 1876. IV u. 823 s. 
gr.a 

'Zo sicherer begründang und berichtigung der lateinischoi 
gnaunatik ist es unbedingt erforderlich, dasz die Überbleibsel der 
litterator zu diesem zweck von neuem sorfUliig durchforscht und 
die ergebnisae yon den möglichst vollständigen belegen begleitet 
vorgelegt werden.' mit dieser rechtfertigung veröffentlichte Neue 
in j. 1861 den zweiten band seiner formenlehre, welcher zunftchst 
dasa beetimmt war, E[LSchneider8 ausführliche grammatik der lat. 
spräche, die leider unvollendet geblieben, fortzusetzen, indes schon 
wlhrend der bearbeitung hatte der vf. gefunden, dasz das werk 
eiiiflr bedeutenden erweiterung bedurfte und dasz durch die fort- 
seliritte, welche namentlich die behandlung des filtern lateins er- 
£ihm hatte» eine fülle neuen materials gegeben war, welche 
doiehgearbeitet werden muste. das resultat dieses Studiums bringt 
die zweite aufläge, welche ihrem umfange nach doppelt so stark sds 
die erste ist. 

Der plan der arbeit ist derselbe geblieben und die ausführung 
ia derselben weise erfolgt vrie in der ersten aufläge, wir erhalten 
demnach wiederum meist nur statistisches material mit einem 
iaoerst kn^^p gehaltenen referat; ein kurzes, abschlieszendes ur- 
teil über den gebrauch einzelner flezionsweisen in gröszeren zeit- 
liomen oder in den verschiedenen litterarisohen gebieten hat der 
rt wieder nicht oder nur vereinzelt gegeben, so dasz man nach dem 
vorliegenden material sich selbst die resultate ziehen musz. wer 
•ehaelle auskunfb in diesem buche sucht (ich setze die hilfe 
des verheiszenen index noch voraus), wird damit wenig zufrieden 
aeiii, da er zuweilen sich durch eine legion von stellen erst durch- 
vbeiten mosi. und auch dabei treten immer noch gewisse schvrierig- 
ketten hervor, weü die citiezmethode Neues in mancher beziehung 
ixrefbhrend ist. denn da der vf. oft minutiöse und weniger wichtige 
ereoheiniuigen mit erschöpfender beispielsamlung belogt, so schlieszt 
Bsa n&wiUkArlich auf eine gleiche behandlung aller in frage kom- 
■Maden puncte und kommt damit leicht zu unsicheren resultaten: 
dean N. hat eine solche behandlung nicht allen fiQlen zu teil werden 
basen. bei einer vorwiegend statistischen arbeit möchte man der 
ocBteqoenz doch am wenigsten entrathen, es ist zu bedauern dasz 
der vf. nicht in einem orientierenden Vorwort die nötigen andeu- 
tsagen gegeben hat, welchen kanon von autoren er zu gründe ge- 
legt, in welchen fällen und aus welchen gründen er eine beschrän- 
kmg für aiigeaeigt gehalten hat; auch die anführung der benutzten 
•ns^ibeai würde nicht überflüssig gewesen sein, an einzelnen stellen 
«Iren nrechtweisende ausdrücke wie 'nur, sonst nur noch, meistenSi 



212 ELadwig: anz. y. FNeues lat. formenlehre. 2r teil. 2e aufläge. 

unter anderm' gewis zweckdienlich, damit man wissen könnte, wo 
man weiterer samlungen überhoben ist und wo dieselben' wieder 
aufzunehmen sind. 

Wenn ich behauptete dasz N. bei schwankendem gebrauch ein- 
zelner formen oder bei merkwürdigen flexionen und seltneren bil- 
düngen die von ihm benutzten Schriftsteller nicht gleichmSszig 
herangezogen hat, so ergibt sich das aus der folgenden prüfong, die 
sich auf die Vollständigkeit oder unvollstSndigkeit der gegebenen 
beispielsamlung bezieht. 

Zu den nur teilweise benutzten Schriftstellern gehört Fe tro - 
nius; aus demselben ist nachzutragen: s. 14 zum immobilen jKiiiper 
der gen. pl. pauperorum c. 46 — s. 318 fehlt das mediale rtdeor: 
rideatur aUo$ c. 57 — conjugationsvertauschung s. 419 ff.: vetm 
für Veto (vetare) c. 53 ; Bücheier schreibt in der zweiten textausgabe 
auch c. 47 vetuo ftbr das hei. vdui — s. 423 o2o, öUs usw. c. 50 non 
ahmt Büchel^, ncHunt die hs. — s. 576 fäUo: fefeOüus sum c. 61 
(in der hs., fefeUü ussum B.) dürfte jetzt feststehen, seitdem Ott die 
analoge bildung p^^cUum aus Lucifer von Calaris beigebracht hat 
(Jahrb. 1875 s. 652). 

Aus Statins Silvae sind übergangen : s. 82 ff. (participia praes. 
haben besonders im daktylischen versmasz -um im gen. pl.) ardef^ 
tum 1, 2, 188. preeantum 1, 4, 46. nocenium 2, 7, 117. 3, 3, 4. 
5, 2, 84. medentum 5, 1, 158 — s. 482—484 {sälio, sälivi): saU- 
erufU 1, 2, 210 — s. 568 (tufuh^ tusum^ tunsum): optunsae 5, 1, 171. 
— Frontinus ist ebenfalls wenig benulzt: vgl. s. 96 (aidjectiVB 
abundantia): neben quietum hat F. strat. 8, 17, 5 quietem {Flavws 
quietem in vaMo m/UUem tenuU) — s. 99 damnas in der juristi- 
schen formel mit esto verbunden aq. 129 — s. 113 der comparatiT 
exiguior aq. 32. piissimus ebd. 31 — ablativ der comparative auf -i: 
superiori strat. 1,5,4. aq. 7. 14. 15. frequentiori strat 1 , 5, 26. 
maiofiy leviori aq. 18 — s. 468 (reduplicierte perfecta in compos.): 
praecucurrisset 4, 7, 42. procucurrü 2, 4, 10. 2, 5, 34. procucurrissd 
3, 10, 6. dagegen (s. 469) occunrisset 2,8,6 — s. 470 die com- 
posita von posco sind übergangen: depoposcU 1, 5, 15. 4, 6, 10 — 
s. 635 (adverbia) dextrarstis aq. 7. 8. 11. sinistrorsus ebd. 7. 14. — 
Censorinus: s. 579 expergisoor; expergUus de die nat. 12, 4 
(Hultsch). — Arnobius ist von N. sonst sehr viel herangezogen, 
doch nicht s. 77 : hcupks^ locupläium 7, 25 — s. 101 : das adject. (V) 
volup 7, 34 — s. 406 (endung des inf. pr. pass. auf -er): in un- 
praktischer weise werden formen und zahlen in besonderen abtei- 
lungen für sich aufgeführt, so dasz es dem leser überlassen ist die 
zu einer form gehörige zahl ausfindig zu machen , bzw. alle stellen 
noch einmal aufzuschlagen, nicht erwfthnt sind die hsl. allerdings 
nicht ganz sicheren formen: addier 7, 4 (Beifferscheid nach Hilde- 
brand, addere P); adficier 2, 77 (B., adficere P); pravoMer 7, 4 (B. 
mit H., provolvi et P); reddier 7, 25 {penitas Zink, redempias P); 
vertier 3 , 77 (B. mit H. , uter P) — zu s. 568 (tundo , tunsum) ge- 



ELodwig: ans. y. FNeaes lat. formenlehre. 2r teiL 2e aufläge. 213 

Urt chtunsi 2, 58 ; 7, 1 ; zu a. 572 {ahscando usw.) äbscondUus 4, 14. 
*- y<m Javencus hat N. nar die bist, evang. berficksichtigt, und 
doch bieten die übrigen dichtungen kein * Yerftchtliches material. 
N. 8. 8 (a^ject. auf '■ris haben apooope in -er) : alacris im masc. Juv. 
(«d. Pitra im spicil. Solesm. 1852) Exod. 277. 481; s. 32 der abL 
ffimori Job. 89; 8. 42 ifiops^ abl. inopi Exod, 396; s. 42 der abl. 
wteordi Jos. 155; b. 46 suppUoe abl. Jos. 339; s. 73 dives^ nom. pL 

Job. 373. fragm. sei. 340; s. 82 (partidpia haben im gen« pl. 
): Mkmium Exod. 729 und yiele andere beispiele — s. 86 (zu- 
nmmfngesetzte adjectivai die nur den nominatiy oder doch nur 
noch einen oder den andern casus haben): cofiffrex Exod« 719. und 
(ctmgrege iurha) fr. 528 — s. 98 das a^j« indecL potis steht noch 
fr. 426 (iOe wieaa caram potis est oonsisterevMus) — s. 119 weniger 
ftUiche ooigugationsformen yon participien: audeiuior Jos. 144 usw. 
— prottomina s. 217: der datiy äUo fr. 1030 — s. 234: q^eis ftlr 
^iNhtf Genes. 49. Exod. 762. 1077. 1283. Jos. 228. 278. fr. 217. 
237 — yerbum s. 297: mmtiar passiv (mentüo cuUu) fr. 183, 
maUitas deos fr. 1067, emerUUus pass. Oenes. 2; s. 301 : metar und 
meto: eastra meUUa Exod. 1193. Jos. 4. 452. metato verau fr. 34; 
t. 323 yom passiven testatus ist testatiar Exod. 934 abgeleitet; 
s. 342 {osus in aet und pass. bed.): exosus aot. Exod. 136; pass. 
Jos. 251; s. 543 (faxo) faxufU Genes. 18; s. 611« (zusapimen- 
letzangen von fio): inß Exod. 269. 1125. Jos. 21. 134. fr. 436. 727; 
1. 614 {fori) : fantur fr. 395 , fare imperativ Exod. 265. Jos. 205. 
fmtm Exod. 245. fr. 801. fando Exod. 1144 — prftposiüonen 
^S99: procul mit aoc. fr. 792. — Aus dem Itinerarium Ale- 
xisdri Magni sind einige seltene bildungen nicht aufgeführti so 
xb. tjiMs (vgl. Neue s. 202 fi>se), vgl. Yolkmanns praef. s. YII; 
ftrner das ortsadverb m (vgl. s. 17, 22. 21, 4 Y.); die formen exm, 
oppidaiim ua., s. Yolkmanns praef. — Wir schlieszen hier einige 
sichtrlge ans Yegetius an. s. 77 (gentilia auf -as mit der endung 
-imm im gen. pL) fehlen Misenatium 4, 31. BavenfkUium ebd. zwei- 
aal; s. 128 dar oomparierte Superlativ proximior 1, 20; s« 113 der 
iQperlativ strenrnssmius 3, 20. Yegetius hat auch ein transitives 
^looere: advenarwm noeeat 3, 26 (N. s. 261); zu den seltneren 
idTarbialbildungen gehört auch das mit präp. zusammengesetzte de 
^onge 3, 18. — Das s. 473 besprochene {reddo) receidi hat auch 
Bntilius Namatianus: reccidU 1,312. — Aus Isidorus konnte 
•* 14 Mutier pauper^ non paupera (Etym. app. HI 33 t. III ed. 
^v.) angeführt werden; ans Mai dass. auct. Vlll 457 payperus. 

Sonst hfttte sich noch manche grammatische erscheinung hftufi- 
gtr belegen lassen, wenn der kreis der benutzten Schriftsteller weiter 
Svogen wSre. besonders bei seltneren formen wttren beispiele auch 
uu der sinkenden latinitftt erwünscht, die geschichte der flexion 
*M sich überhaupt erst dann vollständig Überblicken lassen, wenn 
^ spraehgebrancb der spttteren zeit wenigstens nach verhftltniB 
des lunfsngs ihrer litteratur durch reichhaltigere beitrüge als die 



214 ELndwig: anz. y. FNeues lat. formenlehre. 2r teiL 2e aufläge. 

bisher gelieferten dargelegt sein wird, hätte die sp&tere latinitftt 
bei N. mehr berttcksichügang gefunden, so würden manche nur mit 
spKrUchen Stellennachweisen verzeichnete formen nicht als ver- 
einzelte hingestellt sein, wie sich zb. auf grund um&ssender be- 
nutzung der spftteren Schriftsteller das von N. auf einer halben seite 
abgethane capitel der doppelgradation hätte ausfElhren lassen, das 
hat kürzlich Ott in diesen jahrb. 1875 s. 787 ff. gezeigt, beispiele 
der coi^ugationsvertauschungen , des Übergangs vom deponens zum 
activum finden sich vorzugsweise in der spätem litterator. wenn 
nun Tertullian so oft gnade bei N. gefunden, durfte Cjprian, der 
ohnehin in der trefflichen Hartelschen ausgäbe vorlag, nicht über- 
gangen werden, mehr anspruch auf berücksichtigung als die zawei- 
len citierte vulgata haben die vorhieronjmianischen Übersetzungen, 
deren material von Bönsch gesammelt vorlag. — Wie ergibig ein- 
zelne Schriftsteller noch gewesen wären, davon mögen wenigstens 
eine probe die folgenden zusätze geben, die übrigens nur gelegent- 
lichen aufzeichnungen entnommen sind und nicht etwa als eine die 
betr. Schriftsteller erschöpfende samlung anzusehen sind, ich lasse 
auch hier die beispiele nach der anordnung des grammatischen 
Stoffes bei N. folgen, wobei ich noch bemerke dasz ich bei dieser 
gelegenheit einige citate aus dem von Hagen edierten Onbasius- 
fragment einreihe , das beim abschlusz der Neueschen formenlehre 
noch nicht erschienen war. s. 4 {rübnui) robnts für ruiber Orib. 
s. 2, 28 — 8. 14 (jsoror) paupera Commodian Instr. 2, 30 (29), 9 
{ciivÜas); paupera bist. ApoUonii Tyr. 9 s. 11 (Riese) — s. 20 der 
adjectivische gebrauch der subst. auf -tar und -trix ist ua. in Yere- 
cundus commentarien sehr gewöhnlich, zb. plebs peccatriXy cogUationes 
impukatriceSy vir prodiatar usw. ; s. 50 vetus^ abl. veteri Garg. Mar- 
tialis medic. 52 in den besten hss.; ebenso in der medioina Plinii 
See. iun. 3, 4 (sonst immer veUre); Hilarius tract in ep. Ephes. 
36, 119^ (Pitra); s. 72 zum neutrum pl. der mit colar zusammen- 
gesetzten acyectiva ist anzumerken: unicohria Yerecundus comm. 
cant. Deuteron. 14, 19' F. ; s. 75 der gen. plur. simpUcium Cyprian 
de lapsis 6 s. 240, 20. ep. 58, 11 s. 679, 9 (Hartel); s. 87 fL (ad- 
jectiva abundantia): neben insignis hat Commodian c. apol. 507 
insigfMS (Jnsigni reges); s. 98 (a^jectiva auf -us mit nebenformen 
nach der dritten): vmbedUea Yerecundus comm. cant. Exod. 5,4% 
iwbedXUm ebd. 8,5*. comparation: s. 105 der superl. mtperrimus 
steht Hilar. Coloss« U 132, N. nennt ihn unbeglaubigt; s. 106 Jin- 
cerus^ sincerissimas Yerecundus c. cant. Debbor. 28, 122^; s. 107 
extimiLS Chalcidius in der lat. Übersetzung des Platonischen Timaios 
32 \ 33 ^ 36^ viermal; s. 113 pnssimus bist. Apollonii Tyr. 45 
(s. 59), 47 (s. 60); piisaime ebd. 22 (s. 25); exiguior Hermae pastor 
B. 152, 15 Hilg.; s. 115 pairvissimus Oribasius s. 18, 19; s. 119 
weniger übliche comparaüonsformen von partidpien bei Hilarius 
und Yerecundus in groszer menge — s. 128 (comparierte substan- 
tiva): iuvenior Yerec. cant. Azariae 17, 64* {adidesoentior Hermae 



ELndwig: axu. t. FNeue« lai formenlehre. 2r teil. 2e anflage. 215 

put 29, 2) ; 8. 128 doppelte gradation zeigt phiriar Hilar. Philem. 
3, 150 ^ Zahlwörter: duum für duonm Chalcidias Tim. 11. 12. 18. 
19 utw. vgl. JWrobel Z8. fiir die österr. gymn. 1875 8. 264 — mOia 
ist nicht subetantivisch behandelt bei Commodian c. ap. 806 (muUa 
imüage9iie8)y 853 (jkaminea septem m.), Instr. 2, 3 (2), 16 (duodeeim 
«. $tadia\ ebd. 2, 39 (38), 8 und c. ap. 784 {sex mOOnM annis repUtia) 
— pronomina: s. 202 tf^e. stellen ftlr das neu^. ^^9ud hat N. nicht 
lOgeftthrt, doch steht dasselbe bei Gbrg. Martialis 46 im cod. Sangall.; 
fener yiermal in der epist. Anthimi, nemlicfa 25. 34. 64. 78; anszer- 
dem bei Yerecnndas cant. Azariae 63 und Orib. 19, 14 — s. 249 
q!d9qut für ^Mtaguts oder gwcunque Commodian c. i^. 606. 742 nad 
bei Cypriaa allenthalben, femer Orib. 4, 29; s. 253 9oUt8\ dativ 
mio Commodian c. ap. 93. 106. Cjpriaa Testim. 3, 10 s. 121, 22; 
8. 257 aUenderi aUerutro dativ Cjpr. ep. 37, 3 s. 836, 1. (Uiendntm 
Hilarios Oal. 2, 70. 74. ab äUerutro ebd. 71. — yerbrnn: s. 261 
($mdere im passiv persönlich) Commodian c. ap. 297 suademur und 
758 enr a i v im u s $uaai; persuasi fueru/fU Hilarios Gal. 74, 92 \ dem 
entsprechend stiodere aUguem Commodian c. ap. 29. Instr. 2, 1 
(1, 42), 45 — noeere: nooeniur Hermae past. 56, 16, nocendos esse 
w 911» Hilarius Oal. 76, 94*; noeiiua est Eph. 38, 120«; und im 
scüv transitiv: vo$ possint noeere Oal. 2, 52 — s. 273 ff. aportor: 
aporMuB bist. ApoU. Tyr. 32, 37. 34, 41 — s. 278 eamiiatUmr 
psssiv ebd. 43, 16 — s. 285 faenerare Commodian Instr. 2, 24 
(23), 7. 2, 37 (36), 6 — s. 290 adhartatus passiv Commodian a 
ap. 720 — 8. 292 nach iacor fehlt iocwndor Commodian Instr. 2, 17 
(16), 6. c. ap. 292; s. 296 medeor: medetur passiv Plin. See iim. 
medic 2,2; medkare und -n: medicare Otsrg. Mart. 41 die besten 
lisi.; 8. 297 memorari Cjprian ep. 21, 1 s. 530, 4; memarare ebd. 
22, 1 s. 533, 7; s. 302 mtror: demirari passiv Hilarios Eph. 8, 99^ 
imd 9, 100*; s. 307 oblihis pass. Commod. Instr. 1 , 27, 8; s. 312 
emfledor: ampkdüe Verecundus exhort. paenii. 156. eompieekmiMS 
Cjpriaa ep. 21, 1 s. 530, 12 ; s. ^Ibprecor: deprecaiuB pass. Commod. 
c sp. 639 ; 8. 320 scnU(fr: scnUavieti hist. Apoll. Tyr.; s. 325 tueor: 
sdive formen bei Commodian, der das wort zugleich nach der dritten 
flecUert: Minto Instr. 1, 31, 1 und 39, 5; s. 366 iidor: der infinitiv 
(v^orj ist passiv Cjpr. ep. 68, 3 s. 746, 21; tUcr: Neue leugnet ein 
ictives uüre^ doch findet es sich Orib. 9, 2; passiv steht utor epist. 
Anthimi 4; s. 336 zu iuraius und coniuraiue tritt admratus mit 
•eüver bedentnng bist. Apoll. Tyr. 35 (s. 42). — Co^jugations- 
vertanschoag s. 422 ff. verba der zweiten nach der dritten flectiert: 
fenmtd Commod. c ap. 1018; s. 427 removtOur Orib. 3, 28; s. 428 
hy mrf Commod. c. i^. 942; zu eommisci vgl. commtfCMfi^ Yerec. 
csDt Habac 14, 82^; meds Orib. 2, 26; admisämus ebd. 16, 6; 
L435 mtuor und tnineor: ink^üe Commod. Instr. 1, 31, 1. 1, 39, 6; 
Aber die aetive form s. o. es fehlen bei N. auszerdem noch: praebSre 
Commod. e. ap. 37; augüre ebd. 602; exereite (st -ete) Instr. 2, 27 
(26), 1; lieifre 2, 16 (15), 6; s. 439 dkduc faem composita: induc 



216 ELndwig: anz. v. FNenes lat. formenlebre. 2r teil. 2e aufläge. 

Yerec. cani £xod. 18, 8^; deduc (bibelcitat) ebd. cant. Az. 3, 52*; 
heneäic ebd. cant. Debbor. 4^ 111^. — s. 444 imperfect: wol einzig 
in ibrer art ist die bildnng capehat Commod. c. ap. 120 (hezameter- 
ansgang). — s. 448 fntnra auf -ibo bei verben der vierten conj.: 
vmibunt Commod. c. ap. 900 ; s. 450 fntumm von eo : periä Commod. 
c. ap. 741 , iransknt Yerec. adbort. paen. 58 , exid ebd. cant. Deu- 
teron. 37, 36* (ciUt aus Matthaeus 24, 27), prodid ebd. 15, 20"; 
8. 451 fiitura auf -ebo in der dritten conj.: tremehU Commod. Instr. 
1, 41, 10; 8. 452 zu praäerientes gebOrt exienU in der lat. rersioii 
einer epist. Galeni (im anhang von Hagens Orib.}; s. 477 floreo hat 
fhrivU Brambach CIBh. 1053; 8. 478 vacui (perfect): vaemsd 
Yerec. cant. Deuteron. 20, 22*; crepo cr^Mvi: iftcrepoMe Hilar. 
Pbilem. 4, 151 *, increpaveris (bibelcitat) Hilar. I Tim. 5, 141 ; s. 481 
sorbeo : sorpsU Commod. Instr. 1, 4, 7 ; 8. 482 ff. zu proiüieTÜx prost" 
lisset Commod. c. ap. 283; s. 489 sino^ sivi: desini hat Hermas past. 
23, 8; desmisset ebd. 26, 17; desinuü Commod. c. ap. 101; s. 491 
sapio: resipivit steht Yerec. Manass. 1, 91*; s. 499 reUnquo: 
das perf. rdinquü Commod. c. ap. 278 (vgl. BOnsch Itala und vnlg. 
8. 287) — supinum: s. 552 zu dofnatttö fUge dedomata Commod. 
Instr. 1 , 34, 4. es fehlt vetOy vdatus: diese form gebraucht Chal- 
cidins Tim. comm. 153; s. 553 ignotum von ignosco bat noch Com* 
median Instr. 2, 1 (1, 42), 2; s. 554 seoo secatum: secatus Commod. 
c. ap. 510, desecata Yerec cant. Exod. 1, 2*, resecata ebd. 4, 3^; 
8. 560 hibUum: so in der ep. Anlliimi 75 und 76; s. 567 tundo, 
itMum und tunsum: tunsm wird bei Garg. Mart. gelesen, aber fast 
immer contustis (19. 24 usw.) und nur 27 caninnsae; tunsus Plin. 
See. medic. 2, 5 und 6, tusus 1, 7. 8 uö.; ohtunsum Yerec. cant 
Deuteron. 37, 36^; oUunsae ebd. 38, 37^; s. 572 äbscondOy a&«am- 
ditum Yerec. und Hilar. öfter; ahsconsum Commod. c. ap. 101. 665. 
Instr. 2, 1 (1, 42), 1. Orib. 8, 1 1 ; s. 586 iuvo hat iuvatus Hilar. £pb. 
24, 109*; 8. bSSpotaturus Orib. 3, 26; s. 610 fio: facUur Murinus fr. 
bomil. de Pascha 3, 14^ (Pitra), fitur ep. Galeni 22, 11. 13. fkmtur 
ebd. 22, 8. 17. 23, 35. fiendus Commod. Instr. 2, 35 (34), 15; s. 611 
Zusammensetzungen von fio: confit Chalcidius comm. Tim. 2. 16. 46. 
221. 223. 248. ealefiat Orib. 16, 5, dagegen caUefaciuntur ebd. 13, 34; 
8. 612 inquamt inquio Hilar. Eph. 2, 96^ von inguiens bringt K 
nur 6ine stelle; es findet sich noch Hilar. Philem. 5, 151 ^ 10, 153^ 
und wird dort der rede vorgesetzt; auszerdem Hermae past. 72, 9; 
s. 617 odire^ von den grammatikem zu odisse aufgestellt, steht 
Hilar. Galat. 26, 62**; odiri Tit. 3, 148*; das futurum cdie$ Hennae 
past. 63, 15; odientes Hilar. Tit. 3, 148 (bibelcitat) — adverbia: 
8. 636 zu sursum gehört die zusammengesetzte form de sur^m 
Herm. past. 60, 6 und- 12. a sursum ebd. 63, 5; a sttrsum deorso 
Orib. 19, 26 und 27. a surso deoraum 18, 28; s. 681 andere mit 
Präposition gebildete adverbia, die N. entweder gar nicht oder nicht 
hinreichend belegt hat, sind : äbinde Conunod. c. ap. 326. 492 ; a lange 
ebd. 424; de lange hi8t. Apoll. Tyr. 37 — präpositionen : secus mit 



JOberdick: zu den scriptores historiae Augostae. 217 

• 
acc: iecuB rypas Verec. cant. Debbor. 28, 122^. nacbzutragen ist 
räro als prftposition: retro me Matthaeus 4, 10 bei Verecundus; 
derselbe schreibt retro $e cant. Azar. 15, 62^; quae räro nos sunt 
Gialddiüs comiD. Tim. 239. 

Hiermit mögen die nachirftge abgeschlossen sein, wir hoffen 
dass N., nachdem er in dieser zweiten aufläge das gebiet des filtern 
kteia in so omfaaaender weise berücksichtigt hat, bei der nSchsten 
bearbeitong der billigen forderung die litteratnr der spfttem zeit 
aieiir ab bisher zu bedenken rechnong tragen werde, unser nächster 
wnBfldi betrifft einen mehr äuszerlichen punct: wir meinen die her- 
Twhebong der besprochenen form durch besondem druck, bei 
dneni buche, das oft nur in flttchtiger weise zu rathe gezogen wird, 
iit eine derartige hilfe unumgttnglioh notwendig, übrigens wird der 
gebnacfa dee werkes, dessen sonstige Vorzüge zu bekannt sind als 
daax sie noch besonderer darlegung bedürften, durch den in aussieht 
gestaUtm regiaterband Ton C Wagener* ein bequemerer werden. 

* [derselbe ist, 176 selten stark, inzwischen erschienen und erfüllt 
•eiaea tweck in beifallswertester weise. A. F.] 

EiSBMACB. Ernst Ludwig. 

18. 

ZU DEN SCRIPTORES HISTORIAE AÜGÜSTAE. 



So eben kommt mir das neunte heft dieser jahrb. 1877 zu ge- 
sidit, in welchem sich s. 623 ff. eine abhandlung von AKellerbauer 
za den scriptores historiae Augustae befindet, schon in einer frühem 
abbndhutg zu den scr. h. A. (zs. f. d. österr. gymn. 1873 s. 803 ff.) 
moste ich die prioritftt zweier emendationen für mich in anspruch 
nehmen, die EBaehrens jahrb. 1871 s. 649 ff. Yorgebraeht hatte, 
aemlicb Heliua 3 (s. 29, 11 Peter) völumtque und Heliogab. 33 
'&. 225, 18 P.) imperatorum^ welche yerbesserungen von mir in der 
B. f. d. Ost gymn. 1865 s. 738 und 1868 s. 343 bereits vorgeschlagen 
wiren. auch zu der oben erwähnten abhandlung Kellerbauers musz 
ich erwähnen, dasz ich in der abhandlung *die neuesten textes- 
«ugaben der scr. h. A.' (zs. f. d. Ost. gymn. 1865 s. 742) die lesart 
der Tolgata Oord. tres 21 ut . . devoraret mit begründung folgender 
«nitolhrngTerteidigt; pomorum et dermn cmäissimw fuUy ut semper 
f^momm äliquid reeenHum devoraret; in rdiquo ciborum genere par- 
WimuBj und in der abhandlung 'zu den scr. h. A.' (zs. f. d. Ost. gjnm. 
1S68 a.342) zu Heliogab. 6 mit hinweisung auf c. 5 quis enim ferre 
poteel prindpem per cwncta c(wa corporis Ubidinem recipientem die 
▼crbesäerung vorgeschlagen habe: ommum eontagione membrorumf 
*ie Kellerbauer von neuem conjiciert. zu der von mir ao. 1865 
^740 Maxim. 17 begründeten Verbesserung qui eum viiare non 
t^tmuMl statt tfidere bemerke ich gelegentlich, dasz auch Cic. de off. 
1 i 66 statt uidenda in zwei hss. die Variante uüanda sich findet. 

MObstxs. JoHAimBS Objbrdiok. 



218 ' CScfarader: zu Eatropias. 

19. 

ZU EÜTEOPIUS. 



Vn 1 8. 44, 26 (Hartel) lautet die volgata: nuasi ad eum per- 
sequendum duo cansuUa Panea et Hwtius et Octavku adidesem 
annos X et VIII furius. diese auch noch von dem nenasten bg. in 
den text gesetzte lesart wird vertreten durch den Vindobonensu 
saec. Xn (und den Lugd. Bat. 5) und, wie es scheint, auch darcfa 
den Fuldensis Sjlburgs, da letzterer zu der auch von ihm fsstgehil- 
tenen vulgata keinerlei bemerkung gemacht hat; femer durch 
Paeanius (s. 610 Yerheyk). die Paulinische recension, dann der Lngd. 
Bat. 1 saec. X ua. haben XVIIy was offenbar verkehrt ist; aber aacfa 
die erstere zahl ist weder thatsäohlich richtig noch als von Eatro- 
pius herrtthrend anzusehen. Octavianus zithlte damals (im anfuig 
des j. 711 dst.), wie Yellejus II 61, 4 richtig bemerkt, volle neiu- 
zehn jähre, dasz wir aber auch dem Eutropius die falsche angebe 
nicht zutrauen dürfen, macht eine wenig spätere stelle desselben 
höchst wahrscheinlich, wo (c. 2 s. 45, 8) mit recht gesagt wird, 
Octavianus sei zum ersten male consul geworden im zwanzigsten 
leben^ahre {Caesar extoraU ut sStn vicesimo anno [ohne Variante] 
considatua daretur) : letzteres vollendete er am 23n aaptember des 
nemlichen Jahres 711, am 19n august erlangte er das erste consolst 
daher vermutete schon Tzschucke dasz die erstere — von den mei- 
sten hgg. irrtümlich auf die zeit der ermordung Caesars gedeutete 
— stelle verderbt sein möchte, nun bietet dort aber der Gotbanos 
saec. IX wirklich annos X et Vlllly und so ist mitjiin ohne zweifei 
zu schreiben trotz Paeanius, der auch unmittelbar vorher für Oäa- 
vianus eintritt statt des in den besten hss. ^ dem Gothanus und ^s. 
Sylburgs index latinus s. 45 zum dritten bcoide der Bomanae histo- 
riae scriptores, Frankfurt 1590) Fuldensis, so wie bei Capito (lo. 
Antioch. fr. 74 ae. bei Müller FH6. lY s. 567) überlieferten Oda- 



vius.* 



* hier sei eine bemerkung über eine andere stelle des Eatropias 
gestattet, wo unter unseren textesquellen, wie es scheint, allein Paea- 
nius das verkehrte hat. VIII 10 s. 56, 13 haben sich Harte! 'Entropia 
und Paulas Diaeonua' (Wien 1872) s. 862 und GWag^euer im PhiloL XXIV 
8. 102 mit gutem gründe für die aahl quadringenlit müibus entschiedflo 
gegen ßylburgs Vermutung, der aus der Schreibung des Fuldensis (v^* 
dringenta (wie wir auch im Gothanus lesen) quadraginta herstellen ta 
sollen meinte, aber mit unrecht führen beide ao., Hartel auch in seiner 
auagabe, als sengen für die richtige lesart ausser den hss., von denea 
noch Lugd. Bat. 1 und 2 erwähnt werden konnten (die Lesart des 
Vindobonensis ist mir unbekannt), und den benutzem des Eutrop auch 
den Paeanius an; dieser beweist vielmehr das hohe alter der lesart 
quadraginia miHbuSt indem er TCTpaKiCfiupiuiv schreibt (s. 694), weshalb 
auch Sylburg ao. III s. 910^ durch ihn seine conjeotnr bestätigt fand 

MOmstbh. Carl Sohsadul 



HHaenragen: daa philologische seminar in Erlaogeou 219 

20. 

DAS PHILOLOGISCHE 8EMINAB IN ERLANGEN. 



Man macht unserer zeit nicht selten den Vorwurf, dasz sie die 
gediflUnialage groazer mXnner und wichtiger begebenheiten viel- 
iatk weniger ans innerm dränge und wahrer bageiaterong festlich 
bflgehe ab m d«n zwecke,« einen ostensibeln vor wand zu haben 
distfa glftnzende nnd kostspielige Veranstaltungen dem eignen ver- 
gnflgen an groezartigen Schaustellungen genfige zu thun. mag auch 
diese anklage vielleicht nicht ganz unberechtigt sein, so wäre es 
do^ in hohem grade unverantwortlich, wenn man jeder derartigen 
enimeningsfeier von vom herein den idealen Charakter absprechen 
and nur jenes niedrige motiv unterschieben wollte, wir haben ja 
gegen die veigaagenheit vor allem die dankespflicht zu erfüllen: 
der mianer zu gedenken, die uns in Wissenschaft und kunst neue 
weg» oOffiieten, das gedächtnis groszer thaten zu erneuern, deren 
erfolge aoch dem heutigen geschlechte noch zu gute kommen, ist 
eine fiittliehe forderung, welche zu ihrer würdigen wffillung nicht 
lonem pmnkes, wol aber der echten weihe des gemfltes bedarf. 

In diesem sinne begieng am In december 1877 das philologische 
aemiBir in Erlangen die feier seines hundertjährigen bestehens. 
cbwol die einladungen zur teilnähme an diesem feste zunächst nur 
TOD einem comit6 ausgegangen waren, welches sich für diesen zweck 
MU vonnaligen genossen des seminars, zumeist gymnasiallehrem, 
gefaiidet hatte, so blieb das unternehmen doch keineswegs auf die 
tagen grenzen eines blosz intra parietes stattfindenden festactes 
beschränkt, sondern gewann dadurch, dasz die Universität selbst an 
die spitze trat, einen of&ciellen Charakter, nachdem sich daher an 
«lern genannten tage vormittags 11 uhr in der geräumigen aula des 
umveraitltegebändee eine zaUreiche festversamlung aus der nähe 
Bad fisrne eingefunden hatte, nahm die feier mit dem festlichen ein- 
nge der wttr&nträger der Universität und der mitglieder sämtlicher 
facoltäien ihren aiämg. lag schon in dieser ehrenden beteiliguog 
von Seite der akademischen körperschaft thaisächlich eine aner- 
kwinnng der nahen beziehungen zwischen der Universität und dem 
r, so erhielt dieselbe durch die warme anspräche, welche nun- 

der proreotor proL dr. Heineke an die versamlung richtete, 
sock beetuamtem ausdruck, indem er von dem satze ausgehend, 
^Mi alle Wissenschaften durch ein gemeinsames band umscUungen 
vwdsB, die hohe bedeutnng der philologischen disciplinen und 
■•BMBtIieh des dieselben pflegenden instituts für den gesamtorga* 
umius der Universität nachdrücklichst hervorhob und mit den 
besten wünschen für dessen fernere blute und fruchtreiche wirk- 
MAkett die Versicherung seiner unausgesetzten teilnähme aussprach. 
tsnai erhob sich ein mitglied des comit^s, gjmnasialrector S ar- 
teriös, and überreichte dem prorector die Urkunde über eine 



220 HHeerwagen: das philologische seminar in Erlangeiu 

stipendienstiftang zu gansten tüchtiger mitglieder des Seminars, 
wozu durch freiwillige beitrage früherer genossen desselben ein 
wenigstens für den anfang namhafter capitalstock gebildet worden 
war. dieser materiellen opfergabe reihte sich in höchst erfreulieber 
weise ein wissenschaftliches festgeschenk' an, durch welches die 
gegenwärtigen Seminarmitglieder nicht nur ihre anhänglichkeit an 
das Institut bethfttigen, sondern zugleich zengnis von ihren bis- 
herigen Studien geben wollten, es ist dies eine samlnng Terscbie 
dener abhandlungen teils kritischen teils grammatischen oder exe- 
getischen inhalts, welche den jugendlichen verfiassem alle ehre 
machen, der stud. phil. AEöhler ans Augsburg begleitete die 
Übergabe dieses schOn ausgestatteten druckbandes mit einer kunen 
anrede an den prorector, die mit der bitte schlosz, dasz zu^lg^ 
dftchtnis der gegenwärtigen feier diesen erstlingsschriften eine stelle 
in der uniTersitfttsbibliothek eingeräumt werden möge. 

Nach diesen einleitenden, die feststimmung sichtlich erhebenden 
▼ergangen bestieg der erste vorstand des seminars prof. dr. Iwu 
Müller die rednerbühne, um in einem ausführlichen in lateiniKber 
spräche gehaltenen vertrag über die gründung und Schicksale des 
nunmehr hundert jähre bestehenden philologischen seminars sich 
weiter zu verbreiten, da der inhalt dieser auch in der form toU- 
endeten rede nicht blosz locale bedeutung hat, sondern auch filr 
weitere kreise manches interessante darbietet,* so geben wir im fol- 
genden einen kurzen überblick derselben« 

Der klägliche zustand, in welchem sich in der zweiten h&lfte 
des vorigen jh. die sache des öffentlichen Unterrichts an eineD 
groszen teil unserer gymnasien befand, bewog den im j. 1770 ai^ 
^Professor eloquentiae et poeseos' nach Erlangen berufenen gelehr- 
ten Gottlieb Christoph Harless, zur heranbildung tüchtiger lehrer 
nach dem muster des 1738 von Matthias Oesner in Göttingen ge- 
gründeten philologischen seminars eine ähnliche anstalt an der Uni- 
versität Erlangen ins leben zu rufen, seine antrage fianden bei dem 
curatorium (akademische deputation) in Ansbach und bei dem mark- 
grafen Alexander geneigtes gehör, die von Harless entworfenen 
Statuten der neuen anstalt erhielten bereits 1775 die höhere ge- 
nehmigung, und nach beseitigung einiger die dotation betreffenden 
Schwierigkeiten wurde das seminar am 4n november 1777 eröffiiet 
dasselbe war auf acht teilnehmer berechnet, welche vier jähre lang 
neben freiem tisch noch ein jährliches Stipendium von 40 fl. g^ 
nieszen sollten, über ihre aufnähme hatte nicht der universitSts- 
Senat, sondern die akademische deputation in Ansbach zu entschei- 
den, die Statuten enthalten manche für unsere zeit auffallende 
bestimmungen. obwol nemlich in denselben durchweg als hanpt- 

' eine dem seminar gewidmete gratulatioDsechrift ('ober den Bytt«- 
matiaehen znaammenhang^ der Homerischen frage') von dr. Ferd. Heer- 
degen, privatdocent der philologie in Erlangen, war bereite vor der 
featfeier aaagegehen worden. 



HHeerwagen: das philologiaehe aeminar in Erlangen. 221 

zweck die heranbildang für das schulamt betont wird, so steht doch 
oater den aniiiahmebedingniigen oben an, dasz der sioh bewerbende 
eia stodiosQs theologiae^ein mflsse. die philologie war damals 
Boeh keine für sich bestehende Wissenschaft, sondern galt nnr als 
m anhlagsel der theologie, gleichwie auch das schulamt in der 
rege! den flbergang zu einer pfarrsteile bildete, (es ist eine be- 
kumte anekdote dass, als sich FAWolf in Qöttingen bei dem da* 
maligni prorector, dem arzt Baidinger, als 'studiosus philologiae' 
uBBatricalieren lassen wollte, dieser mit lautem lachen sagte, ein 
Student der philologie sei ihm in praxi noch nicht vorgekommen ; 
bsbe er nun die absieht, was gott abwenden wolle, ein Schulmeister 
ra werden, so müsse er ihn doch als theologen einschreiben.) ander- 
seits Teriaagten aber die statnten von den Seminaristen, dasz sie 
«Qsier ihren theologischen Studien nicht blosz über geschichte und 
Philosophie, sondern auch über civilrecht, mathematik, naturwissen- 
icfaaften Torlesungen hören, ja sogar wo möglich anatomischen sec- 
tioneii beiwohnen sollten, diese richtung auf eine die kralt zer- 
spüttemde polyhistorie schlosz von vom herein ein tieferes erfassen 
der philologie aus; auch war Harless selbst trotz seiner staunens- 
werten schriftstellerischen thtttigkeit viel zu wenig zum philologen 
im strengen sinne des wertes angelegt, als dasz er in grammatik 
ssd kiitik seinen schUlem hfttte bahnbrechend vorangehen können. 
desMBungeachtet liefern manche der um jene zeit im druck er- 
•ehienenen *positiones miscellae' und 'commentationes' von mit- 
gtiedem des seminars den beweis, dasz ihnen probleme philologischer 
forsefaong nicht iremd waren, jedenfalls gebührt Harless das ver- 
dirbt eine reihe Ton wolunterrichteten und geschickten lehrem für 
die höheren schulen der beiden fürstentümer Ansbach und Bayreuth 
hfliDgeiogen zu haben. 

Die kriegsereignisse und die besetzung der Bayrenther lande 
durch die Fruixosen (1806) brachten auch für die Universität und 
dii aeminar schwere zeiten. die einkünffce des letztem wurden um 
mehr als zwei dritteile gesehmftlert, und demgemftsz verminderte 
»dl sneh die zahl der mitglieder des instituts, sowie überhaupt 
dsMea ganze Wirksamkeit, erst als das fttrstentum Bayreuth an die 
boM Bayern kam, schienen auch für das seminar die Verhältnisse 
iieh wieder günstiger gestalten zu woUen. Harless erlebte die er- 
ftlhmg seiner mit groszer beharrlichkeit fortgesetzten bitten um 
Wiederherstellung der dem institute entzogenen hil&quellen nicht 
aehr; er starb 1815. auch seinem nachfolger und ehemaligen schtt- 
1« Ludwig Heller, der nach dem mislungenen versuche des aka- 
d emiscb cn senats den damaligen rector des gymnasiums in Nürnberg 
OFWH^gel für die Universität zu gewinnen, 1817 zur leitung des 
«Bunan nach Erlangen berafen wurde, gelang es nicht eine auf- 
hesserang der sparsam zugemessenen geldimittel zu erwirken. Heller 
war ein höchst achtbarer gelehrter und liebenswürdiger charakter; 
•her seine philologischen Studien beschränkten sich auf einen ziem- 



222 ÖHeerwagen: das philologische seminar in Erlangen. 

lieh engen gesichtskreis. ohne sich speciell mit der bearbeitong 
eines bestimmten Schriftstellers zu beschäftigen, sachte er durch 
nnablttssige lectflre der besten olassiker hauptsflchlich jene yirtiioai- 
tSt der darstellnng, durch welche die alten autoren so glänzend 
hervorragen , sich zu eigen zn machen und leitete hierzu auch seise 
schttler an. aber eine gewisse* ängstlichkeit und engherzigkeit hin- 
derte ihn nicht nur selbst an einer ansgebreiteteren schnftaielleri- 
sehen thätigkeit, sondern liesz auch bei seinem mündlichen vertrag 
das, worauf es ankam, seine zuhörer mehr ahnen als in bestimmten 
normen und gesetzen erfassen, doch bewahren dem freundlichen 
lehrer manche noch jetzt lebende schOler ein dankbares andenken. 
Eine neue aera brach für das seminar an, als ein jähr nach 
Hellers tod 1827 Ludwig Döderlein, bereits seit 1819 profeasor 
an der Universität, die vorstandschaft ttbertragen erhielt und Joseph 
Kopp ihm an die seite gegeben wurde, eine reyision und Umarbei- 
tung der im laufe der Zeitereignisse vielfach hinfällig gewordenen 
Statuten war die erste aufgäbe, welche beide männer mit glück- 
lichem erfolge lösten. • das seminar trat von nun an mit der univer- 
sitöt in engere Verbindung; die zahl von acht ordentlichen mit- 
gliedern wurde, wenn auch mit bedeutend ermäszigten präbendeo, 
wiederhergestellt, die aufnähme derselben dem ermessen der diree- 
topen anheimgegeben und ziel und umfang der von den Seminaristen 
zu fordernden leistungen nach den durch F A Wolf, B(kikh und GHer- 
mann für die philologie als selbständige Wissenschaft aufgestelltes 
principien festgesetzt, waren durch diese reorganisation auch noch 
nicht alle Schwierigkeiten, mit welchen man bisher zu kämpfen 
hatte, beseitigt, wie sich denn namentlich der mangel einer eignen 
seminarbibliothek sehr fühlbar machte, so verstand es doch Döder- 
lein durch die manigfaltigsten Übungen den sinn für die philologi- 
schen Studien anzuregen und darauf gerichtete bestrebungen n 
unterstützen. Kopp war damals viel zn sehr in philosophische nnter- 
suchungen vertieft und mit anfertigung eines Aristotelischen lexi- 
kons beschäftigt, als dasz er dem seminar unmittelbar eine grössere 
thätigkeit hätte widmen können; doch versicherten die wenigen. 
welche, wie Rudolf von Baumer, uneingeschüchtert durch die tiefe 
grelehrsamkeit des mannes sich seines nähern Umgangs rühmen 
konnten, durch ihn in hohem masze gefördert worden zu sein, ob- 
schon daher die beiden gelehrten, die sich in die Leitung des Semi- 
nars zu teilen hatten, jeder in seiner weise den studierenden sieb 
nützlich erwiesen, so fehlte es doch an einem einheitlichen zu- 
sammenwirken beider für die zwecke des Instituts, die tiefe Wahr- 
heit des Homerischen Wortes cuv T€ bu' ipxoM^vu) Ka( T€ irpo Ö 
ToO dvör)C€V sollte in diesem falle erst ihre erfüllung finden, als 
nach Kopps hinscheiden (1841) Karl Friedrich Nägelsbach, bis- 
her Professor am gjmnasium in Nürnberg, an dessen stelle trat ^a 
war eine segensreiche fügung des geschickes, welche zwei mit- 
einander längst befreundete männer, gleich ausgezeichnet durcL 



HHeerwagen: daa phüologisohe teminar in Erlangen. 223 

voiflg« des geiBtes, der gelehnamkeit und des Charakters und doch 
wieder so gmndverschiedeii in ihrem bildenden einflosz aof die atu- 
disrcDden, m gemeinsamer arbeit fttr die interessen des Seminars 
Tsebügte. in allen wichtigeren fragen über die bildnng des schal- 
■aBMi und gelehrten waren beide miteinander vollkommen einig; 
iber während Döderlein durch die geniale groszartigkeit mid präcise 
Mblrfe seiner wissenschaftlichen anschaoongen die geister weckte 
oad snr bewnndenmg fortrisz, sachte Ntgelsbach vermöge der ihn 
ftr seinen beruf durchdringenden begeistemng vorzüglich die ge- 
inssen sa sdiirfen und dnrch die gegen sich selbst geübte strenge 
Mine mhOrer znr philologischen akribie uizoleiten. der festredner 
hat von der i&dividnalit&t seiner beiden ehemaligen lehrer ans eigner 
■ffirbimimg ein so meisterhaftes doppelbild entworfen, dasz der 
bcriehteratatter, der selbst nie gelagenheit hatte diese trefflichen 
Binasr m ihrer öffentlichen lehrwirksamkeit zu beobachl^n, sich 
dsnaf beschrinkt, die leser auf die inzwiBchea im dmck erschienene 
rede' ta verweisen. 

Es liegt in der natar der sache , dasz persönlichkeiten von sol- 
cber bedeatnng, wie sie Döderlein und Nftgelsbach waren, dem ihrer 
flfarsorge anverteuten institut einen bestimmten Charakter anfprftg- 
ten, der in seinen grondzfigen anch nach ihrem tode keine wesent- 
liche veriaderong erlitt und hauptsftchlich darin seinen schwerponct 
hat, dasz das seminar in gleicher weise der methodik streng wissen- 
schaftlicher forschung wie den praktischen bedttrfnissen des kUnf- 
tig«n Schulmannes gerecht zu werden sich die aufgäbe stellt. 

Als beleg ftlr die thfttigkeit, welche das seminar unter seinen 
damaligen directoren entwickelt, möge hier noch das inhalts- 
veneicluiis des eingangs erwähnten fesigeschenkes (Acta seminarii 
phQologici Erlangensis. ediderunt Iwanus Mueller et Eduar- 
d a « W o e 1 f f 1 i n. volumen prius) platz finden, dasselbe enthält nicht 
weniger als neun abhandlungen: 1) JSttss CatuUiana; 2) OHelm- 
reich obeervationes criticae in Oaleni nepl TiXrv Ka9* MtntOKpdTnv 
CTOtxctuiv libros; 8) OGeiger de Callini elegiarum scriptoris 
setate; 4) AKöhler de Tjrtaei in ed. Bergkiana fragmento tertio; 
5;HHellmnth de sermonis proprietatibus quae in prioribus Cice- 
nmisorationibus inveniuntur; 6) PhK ei per die Perser des Aeschy- 
Ins als quelle ftlr altpersische altertumskunde betrachtet nebst 
erkllrung der darin vorkommenden altpersischen eigennamen; 
7) AZucker quae ratio inter vitas Lysiae Dionjsiacam, pseudo- 
Phitareheam, Photianam intercedat; 8) P Vogel 'Omoiöthtcc 8al- 
Htttianae; 9) AKöhler de auctorum belli Africani et belli Hispa- 
aiensis latinitate. 



' De aemiaarii pUlolo^oi Erlangensis ortn et fatis. oratio in se- 
■iaafn soUeauubiis saecalaribos kal. Dec. MDCCCLXXVII habita a 
dr. Iwano Mnclleroy litt. Qraec. et Lat. professore p. o. senusArii 
fUlokfici direetore primo. Erlangae, typis A. Junge et filii. 1878. 
VI 1. gr. i. 



224 Philologische gelegenheitsschriften. 

Mit solchem geleitsbrief ausgerttstet hat das philologische Semi- 
nar zn Erlangen die schwelle seines zweiten jh. beschritten und darf 
der zakonfk mit der sichern voraassetzung entgegensehen, dasz die 
kommenden generationen mit unverkttmmerter rüstigkeit auf den 
gegebenen gnindlagen fortbanen und stets der Verdienste eingedenk 
bleiben werden, welche sich die beiden jetzigen vorstände um die 
anstalt und um die Wissenschaft erworben haben. 

Es erübrigt noch in kOrze zu erwähnen, dasz die festfeier mit 
einem gemeinschaftlichen mahle in den räumen der harmoniegesell- 
schaffc ihren abschlusz fand, selbstverständlich fehlte es dabei nidit 
an trinksprttchen heitern und ernsten Inhalts. hOchst erfreulich 
aber war es, auch bei dieser gelegenheit autoritäten anderer disci- 
plinen, namentlich der medicin und der naturwissenschaften , die 
Überzeugung aussprechen zu hören , dasz die classische bildung als 
die sicherste grundlage für die Universitätsstudien zu betrachten 
sei und eine schmälemng des philologischen unterrichte an unseren 
gjmnasien aufs tiefste zu beklagen sein würde. 

NüRNBERa. Hbinrioh Hbbrwaoen. 



21. 

PHILOLOGISCHE GELEGENHEITSSCHRIFTEN. 



Bern (univ., zum rectoratsweohsel 20 nov. 1877) Hermanni Hageni 
de Dositbei Magistri qaae femntar glossis qnaestiones criticie. 
druck von Fischer. 16 s. gr. 4. 

Frankfart am Main. J. Becker: zar argeschichte von Mains nod 
Caatel. separatabdruck ans dem Mainzer Journal 1877 nr. SSO o. 
281. druck von J. Falk III in Mainz. 12 s. 8. 

Groningen (univ., specimen litterarinm) J. Woltjer: Lncretii philo- 
sopbia cum fontibus comparata. rerlag von P. Noordboff. 1877. 
186 8. gr. 8. 

RönigHberg. K. Lebrs: Zurechtweisung für Theodor Bergk in sacben 
der Pindarscholien. aus den wiss. monatsblttttem 1878 nr. 2 s. 27—31 
lex. 8. 

München (akad. d. wiss.) W. Christ: tbeilnng des chors im attischen 
drama mit bezug auf die metrische form der chorlieder. (abhaad- 
lungen der akad. I cl. XIV bd. II abth.) druck von F. Straub (comm- 
Verlag von 6. Frans). 1877. 70 s. gr. 4. 

St Petersburg (akad. d. wiss.) A. Nauck: bemerkungen zu Oeorf: 
Curtius 'das verbum der griechischen spräche seinem bau nach 
dargestellt' zweiter band (Leipzig 1876). aus den M<{lange8 greco- 
romains t IV p. 278 — 371. druckerei der akad. d. wiss. 1877. ^^ S. 

Straszburg (univ., doctordiss.) Hans Virck (aus Sülze in Mecklen- 
burg): die quellen des Livius und Dionysios für die älteste geschiebte 
der römischen republik (246 — 260). druck von R. Schultz u. comp. 
1877. 82 s. lex. 8. 

Wien (akad. d. wiss.) Wilhelm Hartel: Demoethenische Studien, 
(aus den Sitzungsberichten der phil.-hist. elasse bd. 87.) druck von 
A. Holzhausen (comm.-verlag von R. Gerolds söhn). 1877. 62 s. gr. 8. 



ERSTE ABTEILUNG 

FÜB CLASSISCHE PHILOLOGIE 

HBRAV80B0BBEN VON ALFRED FlECKEISBN. 



22. 

CÜRIPIDIS FABÜLAB. EDIDIT RUDOLFUB PRINZ. TOL. t PARS I: 

MEDBA. läpsiae in aedibas B. 6. Teubneri. MDGCCLXXYIII. XI a. 
64 1. gr. 8. 

Die zahlreichen fragezeichen and Schlüsse ex silenüo, welche 
sich in dem kritischen i^parat von Eirchhoff finden, die in den Ana- 
lecU Eoripidea von Wüamowitz-Möllendorff mitgeteilte collation 
Bad die dadurch angeregten fragen ttber die Wertschätzung einiger 
Codices lieszen eine neae collation wenigstens einzelner Enripides-hss. 
aU ein wissenschaftliches bedUrfnis erscheinen, wenn auch nicht zu 
erwarten ist, dasz eine wesentliche bereicherung der kritischen hilfs- 
mittel gewonnen werde, so hftngt doch, wie wir nachher sehen wer- 
den, noch an vielen stellen die auswahl der lesart von dem wieder 
oasicher gewordenen urteil über den wert der hss. ab. besonders 
▼ar in dieser beziehung eine sorgfältige collation des cod. Flor. 32, 2 
erwOascht, da diese hs. bisher sehr unvoUkommen bekannt war und 
dis mitteüui^gen, welche Wilamowitz über dieselbe machte, ihr ein 
bdheres ansehen vindiderten. wir begrüszen darum die kritische aus- 
gebe von BPrinz mit groszer freude, da sie den berührten bedürf- 
sittm in der befriedigendsten weise rechnung trägt und sich durch 
Mrgfalt und genauigkeit auszeichnet, worin der besondere wert 
«iser solchen arbeit liegt, von B — Prinz bedient sich derselben 
Kicfaen wie Kirchhoff; nur die leicht zu verwechselnden bezeich- 
svngen der hss. zweiter dasse hat er mit recht geändert — wird 
ose collation von CDilthej gegeben. EaC hat Prinz selbst ver- 
güchen. die collation von L (Flor. 32, 2) sowie mitteilungen über 
P I Palatino- Vaticanus) und andere hss. für gewisse stellen, auch über 
ß ftr diejenigen stellen an welchen die angaben von Elmsley und 
I^ütbey von einander abwichen, verdankt Prinz dem bewährten, 
beider nunmehr geschlossenen ange des liebenswürdigen HHinck. 
die Teneiehnang der lesarten ist ebenso sorgfältig wie geschickt und 
Abeniehtlieh gemacht; nur an einzelnen stellen kann man in zweifei 
>«ia. orthographische kleinigkeiten sind nicht berührt, so schreibt 

flr elMt. phOol. 187S hft 4. 1& 



226 NWecklein: anz. v. Enripidit Medea ed. RPrinz. 

Prinz immer £c, wo es das versmasz gestattet, in Übereinstimmimg 
mit Dindorf , aiei, wo die erste silbe lang ist, abweichend von Din- 
dorf. beides kann ref. nach dem was er Gnrae epigr. s. 59. 64 f. 
ausgeführt hat, nur billigen, dagegen erweckt es widersprach, wenn 
Prinz mit Eirchhoff alle formen von cdiZui mit i subscr. schreibt, 
nicht blosz die formen mit l der ttberliefening entsprechend (vgl 
ebd. 8. 46); ebenso wenn er von Eirchhoff dis bedenkliche form 
oiicripu) annimt (1233 ist durch versehen oliacipoMev im texte 
stehen geblieben), die in verschiedenen hss. verschiedene abteüong 
der chorika hat Prinz nicht mitgeteilt; wir hfttten sie wenigstens 
von B und L gewünscht. 

Auszer der sicherstellung der hsl. grundlage hat sich Prinz ein 
weiteres verdienst dadurch erworben, dasz er mit besonderm fleisze 
die Euripides-litteratur durchgemustert und daraus einerseits die eine 
oder andere unbekannte emendation ans licht gezogen, anderseiU 
besonders von jeder emendation den ersten urheber ermittelt hat 
gar mancher, auch ref., hat dabei eine einbusze erlitten ; aber es ist 
damit eine schuld an die früheren forscher abgetragen, aus den ge- 
machten conjecturen hat Prinz nur eine auswahl gegeben; er glaubt 
versichern zu köimen, dasz ihm keine entgangen sei. das Hast sich 
nun nicht controlieren. jedenfalls aber sind unter den mitgeteilteo 
hOchst unnütze und wertlose, wfthrend beachtenswerte fehlen, was 
soll 296 airiac, 464 ojv, 606 T^i^otct KarairpoboOcii ce? dagegen 
hätte 460 die vermuthung von Hogan bf| (für bi) mitgeteilt werden 
müssen, und gar 695, wo Prinz \if\ ttou für fj (fj) irou in den text 
gesetzt und daneben nur die Vermutung von Elmsle j fj fäp erw&hnt 
hat, ist die nicht angeführte emendation von Witzschel oÖ irou ent- 
schieden richtig, was ref. freilich früher selbst verkannt hat. die 
richtigkeit von oi ttou gAt hervor aus IT. 980, wo L und P ou 
irou, L am rande f\ irou, von zweiter band odirui, P von zweiter 
band fj irou gibt, und aus dem gebrauch von oü irou Her. 1101, wo 
auch erst Dindoif oü irou für oö mu hergestellt hat, lA 670. Hei. 
135. 600. £1. 235. zu 735 hStte die beseitigung von b' erwihnt 
werden müssen : die notwendigkeit derselben musz ein kenner der 
griechischen spräche einsehen, auch 698 hat B ein unbrauchbares h\ 
überhaupt haben wir an der behandlung von ti und rk eine sas^ 
Stellung zu machen. 264 wird die Snderung von Tyrwhitt xaici^ t 
(für KCnci*! b*) aufgenommen, die ebenso notwendige Indemng 412 
Ocwv t' bleibt unerwähnt; vgl. 443. 970, wo gleichfalls die hss. b^ 
für T€ oder umgekehrt bieten; 1356 schreibt I^z mit Elmsley ouö' 
für 006*, dagegen wird 617 ycffi* der allein richtigen lesart ^n^' 
vorgezogen. 

So viel über die so zu sagen objective seite der neuen ausgäbet 
worin jedenfalls der hauptwert derselben liegt und liegen soll, wenn 
wir weiter fragen, in welcher weise und mit welchem erfolge Prinz 
die textkritik gehandhabt hat, so ist vor allem zu bemerken, dasi 
die von Wilamowitz zur geltung gebrachte hühere wertscbfttnuS 



NWecklein: ans. ▼. EnripidiB Medea ed. BPrinz. 227 

der zweiten hss.-classe LP (wo beide hss. übereinetimmeiif von Prinz 
aaefa dem vorgaog Ton Wilamowits mit dem 6inen bnchstaben 8 
bezeichnet) anf die anawahl der lesarten einfloez gehabt hat. Prinz 
hat an mehreren stellen die lesarten der zweiten classe berorzngt» 
vo man bisher bei der niangelhaften kenntnis dieser hss« gering- 
schltzig über sie hinweggesehen hat. die Sicherheit der methode 
leidet dlerdings darunter, nnd manchmal mbcbie man eine gewisse 
Vorliebe ftr diese hss. wahrnehmen, freilich ist es schwer den ridi- 
tigeamaszstab zn bestimmen, alle unsere hss. haben durch glosseme 
aad interpolaticii, kurz durch absichtliche correctnren gelitten, so 
daez man kaum einen unterschied zu machen geneigt sein möchte. 
50 hat B 37 Koxdv fttr v^ov, M B mit S Mnbeiac filr becirofvric, 
128 B ppoTOic fOr evrrroic, 1 ISO B mit £ obciov fOr ^criov, 1 186 B 
xocfioc ftür nXÖKOC, 1284 B mit E ""Aibou irOXac für *'Aibbu bö^ouc, 
1299 B mit £ Tupdwouc fttr KOipdvouc. £ hat ausserdem 102 Kol 
M^ npocAOrrr' fiOr m^ irpoc^Onr*, 280 X^touc' fOr irdcxovc', 
386 idpioc für wöXic , 786 CT^q>oc ftir itXökov. bedenklicher wer* 
den die glosseme in 8: 140 bd^^a fttr X^KTpa, 385 icravetv fttr 
äe!v, 915 cuiTTiptav ittr npo^krfiim^ 1184 ditibXXuro fttr i^T^ipcto, 
1328 öptbca für rXäco, in L allein 30 K6pa fttr b^pnv. dafttr dasz 
die Überlieferung Ton 8 beachtung verdient zeugen stellen wie 224 
noXtToic (iroXiTiic)y 1054 6u^aciv (bidMOCiv); 1130 icriav (oixiav), 
llW^dc T* (öpT<ic) und xöXov vcdviboc (vcdviboc X<^^ov), 1156 
(SC (AaO, 1284 bö^ouc (ihiXotc), 5 L b^poc (Mpac). wie sehr aber 
trotz dieses selbstftndigen wertes von 8 die andere ttberlieferung, 
zonal die von B, eine reinere und ursprOnglichere ist, das zeigen 
beeoadera folgende drei stellen: 531 hat B£a richtig TÖSotc i^- 
noic, 8 dafttr növuiv d9t}icTU)v, 1015 wo Person tcpareTc in Kdrrci 
enendiert hat , hat B KpoTCic Aber einer rasur (xpOT . . ). noch will- 
koamcner ist die fieme spur einer ursprflaglich Terschiedenen lesart 
1077, wo meiiie emendaüon oÖK^-f €1^1 irpocßX^irctv oto tc iraiboc 
•smeraoeh einem zweifei begegnen konnte, solange sich die les- 
vtcB oTa T€ irpöc tlJ^dc und oTa t' ic ö^fic gegenttberstanden, jeder 
zveifel aber beseitigt wird durch die mitteilung dasz in B nach re 
«oe grOszere rasnr ist ausserdem verdient beachtung, dasz in £ der 
ucckte V. 804 ursprOnglich fehlt und der unechte v. 785 nach 786 
gestellt ist. unter den oben angeftthrten glossemen haben die hss. 
S Vit B oder £ nur die Variante von 58 Mn^ictc gemein, welche 
^t ist, da sie schon der ttbersetzung von £nnius zu gründe liegt. 
vir können hiemach fttr die beurteilung der hss. folgenden gmnd- 
^ safrteQen: die fiberlieferung der ersten hss.-claBse ist an und 
^ tich zttverllssiger und verdient den Vorzug in zweifelhaften fUlen, 
•ic^t aber unbedingt etwa in der weise desLaur. des Aischjlos oder 
^diokles; wo die Verschiedenheit der lesarten auf glosseme und 
**»»if t itlid i e eorreetnren hinweist, dienen die beiden dassen zur 
^■^Swaeitigen oontrole, und es ist diejenige lesart aufzunehmen, als 
^•von gloescm sich die andere zu erkennen gibt, oder die uncorri- 

16 • 



228 N Wecklein : aoz. y. Euripidis Medea ed. RPrinz. 

gierte lesart der emendation zu grande zu legen, so bieten 816 die 
hss. der ersten classe dXXd Kiaveiv cdi iraibe (cöv iratba) ToXfirjceic 
TÜvai, dagegen S cöv cir^p^a für cuj iratbe. mit recht hat Prinz 
cdv ciT^p^a in den text gesetzt, der bei der beziehung auf die mutter 
minder gewöhnliche ausdruck cirep^a (vgL Aisch. Hik. 275. Soph. 
Trach. 304 u. a.) gab anlasz zn der erklärung cuj itaibe, nicht um- 
gekehrt, auch ist cöv cir^p^a für die concessive beziehung zu dXXd 
KTaveiv ToX^rjccic geeigneter. 1052 wo S tö Kai irpo^cOai paX6Q> 
Kouc XÖTOUC q>pevi, die andern hss. tö.. Xötouc q)p€vöc geben, 
kann man sich nicht erklären, warum q>p€VÖc in <pp€vl, wol aber 
warum (ppevi in (ppevöc corrigiert wurde, mit recht scheint aLü 
Prinz die emendation vonBadham irpoc^cOai aufgenommen zu haben, 
auch 741 kann die lesart ÜD Tuvai in iToXXf|v fXeSac (b tuvai irpo- 
^ndiav, wofür in 8 fXeSac iy XÖTOic TTpO|ifi6iav steht, von einem 
correotor herrühren, der nicht sah dasz das ungeschickte des au&- 
drucks fXeEac iv Xötoic durch die Änderung von €X€Eac in £6ei£ac, 
welche Sigonius gefunden hat, beseitigt werden müsse, und stan 
dessen iy Xötoic wegzuschaffen suchte. Prinz hat €bei£ac iv Xötoic 
aufgenommen: wir stimmen ihm bei, wollen aber nicht verfehlen 
auf das gefährliche solcher methode der emendation, die besonders 
von ANauck in den texten der tragiker stellenweise mit einer an Ver- 
wegenheit grenzenden kühnheit geübt wird, aufinerksam zu machen. 
1040 stammt ö^^aciv q>(Xotc aus 1038, in S und a hat sich 6^fiaclv 
T^Kva erhalten, so also müssen die hss. der zweiten classe neben 
denen der ersten wol in betracht gezogen werden, wenn sich da- 
gegen lesarten gegenüberstehen wie 215 iii^(pr\cQ* (^^^q>oic8') — 
jüi^mtince* (n^miioice'), 301 Xunpöc iv nöXei — dv TTÖXci Xuirpoc^ 
309 Ti Totp cü jüi' — cü Tttp t1 m*, 882 dwo/jcac* — ivvonecic*. 
werden wir der bewährteren Überlieferung den vorzug geben, was 
gerade die angeführten Umstellungen von werten betrifft, so haben 
wir ein sprechendes beispiel 411, wo sich in S TrdXtv iräyra für 
iiävTa TrdXtv findet mit Verletzung des versmaszes. mit unrecht hat 
Prinz 840 das blosz in S stehende f|buiTVÖouc in den text gesetzt, 
wodurch nur die art und stelle der corruptel verdunkelt wird, wenn 
969 die erste classe irXouciouc, die zweite irXficiouc bietet, so liegt 
allerdings nichts als ein leichtes versehen des abschreibers vor, wie 
1054 bui^aciv — Oü^actv; immerhin aber möchten wir nicht mit 
Prinz der lesart der zweiten classe den Vorzug geben , da der dichter 
keinen anlasz hat bei den zuschauem die Vorstellung von der nähe 
des hauses von Jason zu erwecken, ebenso sehen wir keinen grand 
1206 die lesart von S TiepiimjSai xipac der andern lesart ircpi- 
iTTuEai b^^ac vorzuziehen, wol findet sich irepiirrucceiv X^P^^ 
Alk. 350, Andr. 417, aber auch nepiTTTuccetv TÖvu lA. 992. e< 
hängt mit dieser stelle einigermaszen die entscheidung zwischen zwei 
emendationen des vorhergehenden verses zusammen, das überlieferte 
dq>vuj npoceXOdiv bui^a irpocniTvei vCKpifi hat Nauck durch finde- 
rung von irpoceXOibv in iiapeXOdiv, Stadtmüller durch dieänderuag 



NWecklein : anz. v. Earipidis Medea ed. RPrinz. 229 

QW^ irpocirtTVCi vcxpoG zu verbeBsern gesucht. Prinz hat das letz- 
tere in den text gesetzt, mit unrecht, da cul^a vexpoö nur von 
TTpociTiTVCt abhängig sein kann, so widerspricht die construction 
dem gebrauche der tragiker, welche TrpoCTTiTveiv Tiv& nur in dem 
sinne ^nezfUUig bittien' sagen. 253 hat B cd \iiw yäp iröXic f\V 
iaiy a col \iiy tröXic ffi' icti, S col ^tv ttöXic 6* flö* icri. Prinz 
hat col ^iv iTÖXic 9' f[V icxi aufgenommen ; aber bei dem allgemei- 
nen gedanken *du hast eine Vaterstadt^ ein Vaterhaus , hast genusz 
Tom leben und gesellschaft von freunden, während ich einsam, ohne 

Titerland bin' hat das hinweisende i^be keine stelle, offenbar ist 

ydp 
cot }iiv iröXic i(6' £cTi die den verschiedenen lesarten zu gründe lie- 
gende Überlieferung; in B ist T^P ^^ ^i® geläufige stelle nach ^^v 
gerückt, in den übrigen hss. weggelassen worden ; 6' ist nur wie ge- 
wöhnlich zur Verlängerung beigesetzt, hiemach steht es zwar fest 
daaz nöXic 6' f\b* £cTi nicht aufgenommen werden darf, es musz aber 
frtglich bleiben ob f&p richtig ist. es kann ursprünglich auch col 
\iiy iröXic wdpccTt geheiszen haben. 

Wir haben bereits — und damit kommen wir zu einem weitem 
pancte — zwei stellen (695. 1205) kennen gelernt, an welchen 
Prinz oonjectoren in den tezt gesetzt hat, welche auf evidenz keinen 
ulspmeh machen können, dem zweck der ausgäbe entspricht dies 
nicht, wenn wir auch nicht die enthaltsamkeit wünschen, welche 
Eirchhoff geübt hat. überhaupt glauben wir in der kritischen methode 
eine gewisse Unsicherheit und einigen mangel an Unbefangenheit 
wahrninehmen. so wird 11 die unnütze cox^'ectur irpiv, die nicht 
der erwähnnng wert ist, in den text gesetzt, dagegen 291 die 
etidente emendation von Nauck ^€TacT^V€iv (für \iifa ct^vciv) als 
oandtig bezeichnet; durch ucTCpov wird dort ^crd nicht unnCüg, 
so wenig wie in jiCTaßaXuiv dXXouc Tpöirouc, in ^eGdp^ocat Tpö- 
KOuc v^ouc durch dXXouc oder v^ouc. das ist poetischer ausdruck. 
dsgegen macht ^Ifa den gedanken matt, man könnte auch Andr. 
H4 ouTui \iiY dXT€i xal xd Trptv bcbpajüi^va £tvuik€ irpdSac' oö 
kqXuk zu der emendation ^eraXirci sagen, sie sei unnötig, weil der 
ia ucid liegende begriff durch das nachfolgende Km xd nplv . . kqXwc 
gegeben werde, und doch wird die emendation durch das schol. ^cra- 
vorjcaca XuirciTat bestätigt. 858 wird cu, eine ooiyectur von Kayser, 
f^ T€ anfgenommen : wir nehmen keinen anstand sie als durchaus 
namethodisch zu bezeichnen, dasz dort mit dem von Prinz herge- 
«tellten tezt irdOcv Opdcoc f\ q>p€clv (so Beck für qppcvöc) f\ xcipl 
T^KVuiv c^v xapbiqi cu Xrji(i€i beivdv irpocdrouca töXmcv die 
ttsnd des dichters nicht gewonnen ist, zeigt schon der gebrauch von 
Kopöki (xopbfajt T^KViuv betvdv töX^av irpocdtouca). für *ins herz 
ttoocn* ndgl. finden wir nirgends Kapbia. man könnte vielleicht 
HenkL 583 öcuiv f||if) irdpotOc xapbia cqxKTi^ceTat anführen , aber 
die ittUe ist ganz corrupt die conjectur von Hermann zu Eum. 103 
^Xfffdc xopbtac öOcv ist unrichtig: an xapbia c^dev, welches ge- 



230 HWecklein: anz. v. Euripidis Medea ed. BPrinz. 

rade durch das folgende erklttrt wird und den gegensatz zu dem 
schlafenden leihlichen äuge hervorheht, darf nichts geändert werden. 
329 steht xfi^oiTC (fOr £^otT€), eine conjeotur von Bothe, im text; 
^oiT€ ist richtig: das hauptgewicht des satzes ftllt auf irXf^v t^kvuuv. 
Kreon sagt: 'bei mir ist die liebe zu den kindem gröszer als die 
liebe zum Vaterland.' solchen coi^'ecturen gegenüber muaz die evi- 
dente und notwendige Verbesserung von Elmsley 600 oTc6* u)C 
fi^TCuSai eine bescheidene stelle unter dem texte einnehmen, an- 
sprechend sind die von Prinz 106 f. aufgenommenen coi^'ectaren: 
bf)Xov b' öpTfic (Witzschel für äpxfic) £Ecupö^€VOV v^<poc ol^urraic 
(PltLss für oi^UiTflc) ujc tdx' dvdtpei MciZiovt Ou^ifi. zur bestfttigimg 
wird auf das schoHon verwiesen: läv bi TpdqpflTai dvdSet, olov 
dmiroXö dvd£ei xd rflc öptflc, orov dvui Siei, elc 6i|ioc dvoievci, 
6 icTiy aüif\C€\ töv Oujiöv. dann aber Ittszt text wie scbolioo 
^€{2Iovi 6u)Li(!jj als interpolation erscheinen, mit recht auch 
hat 752 Prinz die Vermutung von Badham favac bdirebov f|Xiou tc 
9dic in den text gesetzt. 

Grosse entschiedenheit zeigt Prinz in der annähme von inter- 
polationen. wir loben die consequenz , wenn wir auch gegen man- 
chen verdacht einwand zu erheben haben, wozu wird angeführt, das2 
Nauck 264, dasz Härtung 542—544 als unecht betrachtet? 714 f. 
werden schon durch das wort TcXeccpöpoc gegen den verdacht der 
interpolation geschützt, von wem sollen 1181 f. herrOhren wenn 
nicht von Euripides? oder wird jemand den werten Dindorfe Verein 
ab interpolatore propter praecedens iruKVoTc bpoMrJMaciv conficto»' 
glauben beimessen können? wem kann man den echt Enripideischen 
V. 87 o1 lily biKaiuic cH bk Kai x^pbouc xdpiv zuschreiben? wenig- 
stens kann 88 nicht ohne 87 bleiben, beide also müssen zusammen 
stehen oder fallen, der alexandrinische grammatiker, welcher be- 
merkt: ucpiccöc 6 CTixoc npöcKCirat ö ifiv ineEcpTCiciav ntpiix^y, 
Kai ÖTi TTpOKCi^^vou ^viKoG Toö «lic» dirVIveTKC TÖ <ol fi^VJ>, fuhrt 
für die unechtheit nur subjective gründe an, deren wert wir prüfen 
können, und zwar zwei, von denen der zweite klar und für uns wert- 
los ist. minder verständlich ist auf den ersten blick der andere ond 
wird es erst, wenn wir annehmen dasz der xidZuiv im vorhergehen- 
den die lesart Tic b' oöxi 6vt]Tujv dpTi mTVUiCKCi TÖbc ; vor sich 
hatte, wobei dann et Toucbe . . TtaiVjp den grund angibt zu ticö' 
oixl • • TÖbc; 246 t\ irpöc qplXwv Tiv' f\ npöc f^Xmac Tponctc wird 
nach einer Vermutung von Wilamowitz weggelassen, dasz die bessere 
Überlieferung (q)(Xov und) f^XiKa bietet, kann nichts beweisen, da 
fehler wie bidjiaa q>(Xoc (77) httufig in dieser Überlieferung sind. 
dagegen scheint der gegensatz upöc ^(av H^ux^v den vers zu fordern, 
wer anders wieder eds Euripides kann die verse 1225 — 1227 ge- 
schrieben haben? um die Verdächtigung dieser stelle aofrecht zu 
erhalten, mnsz Prinz, weil dann die zwei verse Td 6vr|Td b* . • ociav, 
9V11TUIV tdp • . dvrjp zusammentreffen, damit die lästige Wieder- 
holung von OviTTÖc vermieden werde, q>uc€t für Ovhtuiv vorschlagen. 



ÜTWecklein: au. v. Enripidia Medea ed. EPrinz. 231 

mim «lao damit die absieht des dichten, den ontersohied von cubatfiuiv 
ondcuTUXTic hervonuheben, beeinträchtigen, als gekünstelt erscheint 
68, wenii Prinz von den zwei versen Ti ci\v £cTpei|iac ^^iroXiv na- 
gir^f KOUK dcM^VT) TÖvb' Ü ^oö bix^i \6tov; welche an zwei 
steUen (923 f. 1006 f.) vorkommen, also wie öfters an der einen oder 
andern stelle wegbleiben müssen, das eine mid den zweiten (924), das 
andere mal den ersten (1006) tilgt, auf diese weise wiederholt sich 
uch &CfA^VTi an der letztem stelle kurz nach einander, als unverzeih- 
lich aber sehe ich es an, dass Prinz den einfall , 466 t^iuccq ^^t^ctov 
de ivovbpiav icaKÖv sei aus der beischrift tvuijüiii * jh^t^ctöv icTtv 
dvodbeui Koxöv entstanden, nicht nur nicht unterdrückt, sondern 
den vors ohne weiteres gestehen hat. höchstens hat dieses verfah- 
ren das gute, dasz man um so deutlicher sieht, wie der nichtssagende 
znsiiz TOUTO faß c' €iTr€iv ^x^ ^^^ ^^^ matter anfang für die rede 
der Medeia ist. einem solchen anfang wird der kr&ftige und echt 
Eaxipideische gedenke 'die spräche hat keinen starkem ausdruck 
für deine gemeinheit, keinen ausdruck welcher meiner empfindung 
entq>rftche' zum opfer gebracht, ansprechender ist es an und fOr 
sich, wenn nach Bartholds Vermutung 943 als interpolation betrach- 
tet wird, aber die nachhilfe mit der änderung bdgiapTa cf|V K^eucov 
oircicBai ndpoc kann nicht befriedigen, weil einerseits die Verbin- 
dung fehlt, anderseits ndpoc nicht am platz ist in bezug auf 723 
—730 hat Prinz seinen frühem Widerspruch gegen die tilgung von 
726 — 728 aufgegeben, es kann auch nichts offenbarer sein als dasz 
T23C.728f. und 725 — 728 sich vollkommen gleich gegenüberstehen, 
du gleiche gilt von 38. 39 ßapeia yäp (ppf|v oöb' dväerai xaicaic 
irdcxouc* * dtibba Tif|vbe betjiaivui t^ vtv *» 44. 45 b€iW| top ' oCtoi 
^abhüc T€ cufißaXujv ix^pav Tic auT^ koXXivikov oTccTat. Prinz hat 
in der Jenaer LZ. 1874 s. 362 behauptet, dasz auch solche stellen 
Mhanspielem zugewiesen werden können; uns scheinen sie durchaus 
tnf die band des dichters hinzudeuten. 

Wir wenden uns schlieszlich noch zu den eigenen coiyecturen 
^ hg. gut hat er 626 einen verschlag von Camper die c' dvaive- 
cdm Td|AOV (für Acre c* dpv€ic6ai f&\ioy) in (Iict' dvaivecOai td^ov 
geindert. 218 scheint allerdings der scholiast, welcher die erklärung 
gibt: dXXot b^ Ini f|cuxiac Ibioirpar^ovouvTec öirdvoiav fcxov buc- 
KoXiac Kai dpTiac für bucxAciav bucKoXiav gelesen zu haben, nichts 
desto weniger kann bucicXeiav, an dem nichts auszusetzen ist, richtig 
oad buCKoXktv nnr verlesen sein, doch ist die schöne Vermutung 
Ton Prinz, daaz buacoXiav glossem von bucvoiav sei, wol beachtens- 
wert aoch der verschlag 890 oÖKOuv iSojnoioGcOai c€ XP^V ftLr 
. o&couv xpv)v c' öfioioOcOai Kaxoic ta lesen, da B äo|iOioCcOai bie- 
tet, verdient beherzigt zu werden, bedenklicher iBt, was Prinz 334 
Aseh eigener Vermutung in den text gesetzt hat, Kd|Airvouiv Kcxpri* 
McOcu es mag überraschend sein zu hören, aber was mir das gefühl 
ngt, dan diese genetivform d^irvouiv undichterisch ist, wenigstens 
den tragikem nicht zukpmmt, wage ich zu behaupten, weil ich nir- 



232 NWecklein: anz. y. Euripidis Medea ed. RPrinz. 

gends eine derartige form finden kann, die Änderung 926 cu Ta 
Tu)vbe 6rjc€Tai TraTrjp kann nur auf den ersten blick recht an- 
sprechend scheinen, die hss. bieten teils ed f&p TUJVb' ^t^ Ofjciu 
(Orico^ai) TT^pt, teils eu tctp Tiuvbc OricoMai nipXj zwei setzen vOv 
das eine mal (P) vor, das andere mal nach TiBvbc ein. scharfsinnig 
leitet Prinz ir^pi von Tnjp dh. iraTifjp ab, woraus sich das weitere 
ergibt, allein der unmittelbar vorhergehende ' vers schlieszt gleich- 
falls mit iT^pi , und da gestattet eine richtige methode nur die an- 
nähme , dasz iT^pi wie so oft aus dem schlusz des n&chsten verses 
entstanden sei. mCglich sind also die Verbesserungen ei fäp TUüvb' 
iffh Bf\C{jj ßiov (€& Toip Tujvbe O/jco^at ßiov) oder, was mir das wahr- 
scheinlichste ist, €& fäp tä^qA TÜuvbc OiicoMai, womit auch fttr das 
rftthselhafte vGv eineerklttrung gefunden wird, die Umstellung welche 
Prinz 335—338 vorschlagt (337. 336. 335. 338) erscheint nicht nur 
als durchaus unnötig , sondern zieht auch die änderung von [xr\ in 
DU 336 nach sich, den versen 894 — 923 möchte Prinz mit änderung 
der Personenbezeichnung folgende Ordnung geben: lA. 908 — 913. 
MH. 894—898. lA. 914—917. MH. 918-921. 899—905, XO.906. 
907. lA. 922. 923. dieser Umstellung scheint er durch die bemerkang 
zu 930 «dSfiuxou Scaliger] ^ErjOxouv libri. mutavi quamvis inviius 
librorum lectionem, cum nondum ausus sim meam transpositionem t. 
894— 923 in textum recipere» eineart objectiver begründung zugeben, 
ganz entschiedene gründe sprechen dagegen. .Einmal haben die zwei 
verse des koryphaios ihre richtige stelle nach einer langem rc^e. in 
der Ordnung von Prinz unterbrechen sie in störender weise das Zwie- 
gespräch von Medeia und lason. zweitens ist aürr] {J^eus tu) 922 am 
platze, wenn lason sich von den kindem weg zu Medeia wendet and 
deren thränen erst gewahr wird, nicht aber wenn Medeia voraus sagt 
'ich musz weinen' und lason darauf entgegnet, endlich drittens haben 
die werte 920 f. Tbot^i b* ö^öc €ÖTpaq>€tc iißfic t^Xoc ^oXövTac^ dxOpuL»v 
TUiv ipL&v uiT€pT^pouc im munde der Medeia keine bedeutnng, höch- 
stens die einer zwecklosen Unwahrheit, dagegen im munde des lasen, 
der sie spricht wie Kreon Ant. 643 f., erzielen sie einegroszartige Wir- 
kung tragischer ironie, die wir dem tragischen dichter nicht rauben 
lassen, was die bemerkung zu ^Etiuxouv betrifft, so kann iiavxi^ 
in keiner weise brauchbar sein, oder kennen wir die bedeutung die- 
ses Wortes nicht? auch andere nebenbei angebrachte co^jectaren 
wären besser weggeblieben, wie 158 iroT^, 269 b'^KCt (es müste 
dKCivov oder toutov, xövbc heiszen) , 543 T^b* t\x^ cuitripfqt (was 
soll T^be?), 549 ^€tvac (für ^^TOtc), 707 iTrrJKaca, 850 m^toikov, 
1046 T^KVüJV (ftir TOiiTUJv), 1174 dci (fttr diirö). 1194 irOp b' imi 
KÖMnv ^C€tC€ ^äXXov bic TÖcuicf lka\iTC€io vermutet Prinz paXaKfiv 
oder dTToXflv für juiäXXov. vielmehr wird einfach £c€iC€ in ^cei€ m 
ändern sein (irOp b' itxei K6^flV fc€i€ MäXXov, blc töcuic iXdjiircTo) 
mit dem sinne *je mehr sie das haar schüttelte, um so mehr flammte 
das feuer empor.' an mehreren stellen, zb. 30. 157. 194. 1221 
(Tto6€ivf| baKpüoici erinnert an das Homerische U9' T^epov ibpci 



NWecklein : anx. v. Enripidis Medea ed. RPrinz. 233 

TÖOio) wird die flberlieferte lesart wie wir glauben mit unrecht yer- 
dichiigt an einer stelle sind wir mit ihm einverstanden : in 7rv€C^a 
V i^OiCM^vov beiicvuctv &c Tt Kaivöv äxTC^c^ xaKÖv 1120 ist 
Koxöv nach Tt xatvAv ganz unbrauchbar, natürlich kann nicht an 
Tropuiv gedacht werden, was Prinz aus XptCTÖc irdcxujv 1 25 beisetzt, 
nach Ant. 242 bn^oTc V djc Ti Cfmavujv V^ov (vgl. Krüger di. § 56, 
4, 4) stellen wir die gewöhnliche redensart, die manHek. 217 v^ov 
Ti irpdc et diMOW^^v InoQj Phoin. 1075 Kaivöv dTT^Xdiv ?ttoc, 
Tro. 55 pÄv ^K öcdjv Tou Kmvdv dTTcXeic firoc, Soph. OK. 302 
Tic V IcV ö KCivip toOto toCttoc dTTCXujv findet, in folgender weise 
her: TTVcOiia V t^peeic^^vov bciKvuciv t&c ti xaivöv dTt^XoOvT* 
{iTOC. nach Tro. 238 iiKui Kaivöv diprcXiDv Xöyov könnte man 
aoch an bciKVuciv djc TOi Kaivöv diprcXeT Xötov denken, auch bei 
470 wSre ein X angezeigt gewesen : Eur. soll einen vers wie qpiXouc 
KOKuic bpdcovT* £vavT(ov ßX^TTCiv geschrieben haben ? da doch qpiXouc 
KQKuic bpuiVT*eiT* ivavTiov ßX^iTCiv SO nahe lag und bpdivTa noch 
ausdrocksvoller ist als bpdcavTa. 457 ist nicht dvkic, sondern 
d vtcTc (die attische form des praesens) , 1002 nicht coi (pron. poss.), 
sondern cot (dat. eth.) zu schreiben. 1350 bringt dTruiXeca nach 
I<mac eine unrichtige Vorstellung hervor, es musz dTTUiXccac 
heiszen. die construction des Satzes, die gerade den fehler veranlaszt 
m haben acheint, bedarf keiner bemerkung. in 1369 MH. c^iKpöv 
Tuvatxl irfbia toOt* cTvai bOKcTc; lA. f^Tic T€ ciicppujv; cd bk irdvT* 
ia\y KOKd scheint der dativ f^vaiKi auch den dativ coi veranlaszt 
zu haben : der logische fortgang des gedankens fordert c o b^ TrdvT* 
dcriv Koxd. bemerkenswert ist noch das schwanken der hss. in der 
Personenbezeichnung 4 9 ff. und 1 1 20 ff., dort zwischen der allgemeinen 
bezeichnung irpecßthric und der besondem iraiboruitöc, hier zwi- 
schen dn'cXoc und Oepdirujv (vgl. meine curae crit. s. 8). an der 
ersten stelle entspricht iraiboTurröc der bezeichnung des dichters 
T&vuiv önabt irp^cßu, an der andern wird der gebrauch des Euripi- 
^ sowie die angäbe TÖvbe TiXiv Idcovoc creixovT* öirabi&v die be- 
zeiefaomig 6€pdiruiv als mehr in der intention des dichters gelegen 
^ndieinen lassen, recht charakteristisch für den wert dieser hsl. be- 
zaebnnngen ist das personenverzeichnis der Aulischen Iph., wo die 
beiden hss. nach 'AtaiA^^vurv die dem ersten vers des Stückes ent- 
nnvckende bezeichnung itp€cßuTr]C haben, nach 'AxtXXcuc aber und 
bd V. 855 — 895 die bezeichnung Oepdirujv (aus 858 boGXoc und 
^68 noXatöv bui^dTuiv iiiww XdTpiv) mit verkennu§g der identitftt 
^der personen, die aus 891 hervorgeht und zuerst von Markland 
bcaerkt worden ist. 

Wir können unsere anzeige nicht schlieszen, ohne noch einmal 
^ gediegenen arbeit unsere anerkennung zu zollen und daran den 
vvBKh zu knüpfen, dasz die gleiche bearbeitung der übrigen stücke 
<ies Eoripid^ rüstig fortgesetzt werden mOge. 

BAMmo. Nicolaus Weoxleir. 



234 ABömer: zur Iliaa [fi 390]. 

23. 

ZUR ILIAS. 



Q 390 sagt Hermes zu Priamos : 

Tietpä £^€to, Tcpaid, Kai elpeai ''Ciaopa biov. 
mit recht bemerkt Düntzer zu dieser stelle : Triamos hatte eigent- 
lich nicht nach Hektor gefragt, sondern nur durch das lob seiner 
rühmlichen erw&hnung Hektors zu weiteren äuszerungen gereizt' 
auch Liesegang fand Treipä hier weit weniger passend als y. 433. 
die richtige erklttrung der stelle musz davon ausgehen , dasz weder 
Priamos noch Hermes den namen Hektor im vorausgehenden au:»- 
gesprochen haben, mit absieht sagt Hermes, wie um den Priamos 
zur nennung des namens *'€ktuip zu provocieren, ganz aUgemein 
Y. 384: ToToc T^p dvf)p ujpiCTOC SXuiXev cdc iratc. ganz allge- 
mein antwortet darauf Priamos: djc ^oi KaXä rdv oItov dTiÖT- 
fiou uatbdc ^viciTCC* und so konnte fllglich jeder Troer sprechen, 
dem in der schlacht ein bedeutender söhn gefallen war. die vor- 
sichtige Zurückhaltung von selten des Priamo^ will nun dem Hermes 
nicht gefallen, und er entgegnet: Ticipdl d^eio, t^pm^, Kai elpeoi 
^'GKTOpa btOY. wenn man hier auch das Tieipqi dahin verstehen 
kann, dasz Priaiaos im vorausgehenden mit absieht den namen 
Hektor verschwiegen hat, so erheben sich doch Schwierigkeiten in 
betreff des elpeat. denn Hermes kann unmöglich entgegnen: Mu 
versuchst mich und fragst nach dem göttlichen Hektor', da ja Pria- 
mos im vorausgehenden gar nicht nach Hektor gefragt hat. dem 
sinne würde eher entsprechen: *du versuchst mich, o greis, nnd 
meinst den göttlichen Hektor.' an einigen stellen haben bekannt- 
lich die alten etpecOai mit \if^\y erkl&rt: ApoUonios lex. Hom. 
64, 16 (€Tp€c9ai) cimaiv€i ko\ t6 Xijeiv «clpeto beurepov auTic» 
(A 513) Ka\ «cTpovTO bfe Kf\b€* ^Kdcrrj» (X 542). die neuem haben 
aber, wie mir scheint, mit recht auch an diesen stellen die bedeu- 
tung ^fragen' festgehalten, und demgemäsz darf auch in dem obigen 
verse nicht davon abgegangen werden, um aber den dargelegten 
Schwierigkeiten zu entgehen, schlage ich, gestützt auf die Varianten 
bei La Boche, vor die stelle zu lesen : 

TTcipa i^eio, t^pai^, Kai efpeo *€KTopa btov. 
auf des Priamos verwundernde frage, wer er sei, der so schön von 
dem 1 d e seines unglücklichen sohnes gesprochen, entgegnet Her- 
mes : 'von dei^m unglücklichen söhne weisz ich noch mehr zu er- 
zählen: wolan, versuche mich, frage nach dem göttlichen Hektor, ich 
habe seine thaten gesehen.* iieipav mit gen. steht auch i 345 \ir\ 
juieu Trcipänu eO etbÖTOc. 

München. Adolf Böker. 



ALadwich : zum epiker MuBaios. 235 

24. 

ZUM EPIKER MUSAIOS. 

(fortsetsang von Jahrgang 1876 8. 751—757.) 



2 Kai vux^v iiXuiTfipa GoXaccoiröpiuv u^€va{ulv. 
mir liegen drei deutsche Übersetzungen des Musaios vor: l)Yon 
emem ungenannten, Halberstadt 1771; 2) von KAXütner, Mitau 
1773; 3) von FPassow, Leipzig 1810. alle drei geben den obigen 
Ten &l8ch wieder: 1) *den nttchtlichen Schwimmer, der um Hjme- 
Bios willen durchs meer schwamm' ; 2) *und den nftchtlichen schwim* 
iner, der nach Hymens frenden durchs meer schwamm' ; 3) *und von 
dem nuam, der um minne die nttchtlichen wogen hindurchschwamm', 
wenn irXurr^p hier 'der Schwimmer' hiesze, wäre der genetiv daXac« 
coiTÖpuiv öpevaiiuv daneben ganz unsinnig oder wenigstens un- 
griednsclLi was der dichter meinte , geht hervor aus v. 255 a^dc 
tm ^Tf)€ aÖTÖCToXoc auro^d-rn «vnOc , womit zu vergleichen Ov. 
q^. 17, 148 idem navigium^ fiavUa, veäor ero,* Leandros ist zu- 
gleidi sdiiff und Schiffer, trttger und — man verzeihe das wort — 
tnstporteur der hymen&en, vedar hymenaeorum, vgl. Nonnos Dion. 
1, 131 6öpunn)v XiirÖTrorpiv £q>€£o|i^vnv Ttvi Tonipcp ikpnocfx xal 
irXtt)Ti)pi Ka\ die boK^ui irapOKoi-n]..— Zu irXui€ v. 229 hat bereits 
Schwebe richtig angemerkt: 'navigavit, non natabat'. 

16 Cf|CT6c b\v Ka\ ''Aßuboc ivavriov itTviOi irövrou • 
TcCtov^c clci TTÖXfiec * ''Epujc b' iä töEa tiTaivuiv . . . 
M> iit zu interpungieren und nicht, wie zu geschehen pflegt, • . . £vav- 
riov, ixVJBi itövTOu T€iTOV& clci nöXriec . . . 

71 ft b' dpa KoXXiO^^eOXov ötrq xard viiöv dXaTO. 
trochlisch endigende verse unterliegen bei Nonnos sehr strengen ge- 
actien: eine in -o auslautende verbalform hat er nie an die letzte 
▼nsstelle gesetzt ; ebenso wenig Musaios bis auf die 6ine ausnähme 
▼•71 dXaro. femer' ist diese form auch dadurch bemerkenswert, 
diiz ihr kein entsprechendes contractum zur seite steht weder bei 
NoDBOs noch bei Musaios (s. Scheindler zs. f. d. österr. gymn. 1877 
1. 175 u. 180). infolge dessen konnte man sich versucht fühlen 
AqBn zu corrigieren nach Hom. i 120 ttiX iroXXd V dXrjOnv und 
Mi2 Tofira facocra X^tuiv , Sca bf| ndOec i^b' 6c' dXriOr)c. jedoch 
icbeint allerdings, wie Schwabe vermutet, jenes Kord vt|Öv dXfiro 
uf dizBcter reminiscenz an Hom. Z 201 fßoi 8 icdn Trebtov TÖ 

* ESohde der griech. roman 0. 136 anm. sagt mit recht: ^einige 
itm Mntaioa mit dem dichter der Ovidischen briefe gemeinsame süge 
luaen Tielleieht anf eine benntsnng eines beiden gemeinsamen 
iUsrn Originals sehlieszea.' * BYolkmann eommentatioaes epicae 
•. Sl aeint 'de sacerdote Veneris, deae templnm certis horis adeonte, 
»epto osorpaiam tMB formulam dAAcOai Kord vr^öv, nemo non videt.' 
f^ ntd vr|6v weist ja deutlich darauf hin, dass der dichter sich die 
itt^ran bei dem dXdcOai im tempel dachte und nicht anf dem wege 
isa tempel. 



236 ALudwich: xuxn epiker MusalOB. 

'AXyjiov oToc äk&TO zn beruhen, vgl. Cbristodoros in der Anth. Pal. 
II 342 TTiepiKf) bk liihcca nepi CTÖ^a Gciov dXfiro. 

72 knö^evov vöov €lx€ kqI öniiaia xdi (ppivac dvbpuuv 
'ienebat Hero invenum ocnlos etanimositant alio vagari non pos- 
sent' Schwabe, die tautologie vöov Kai q>pdvac' hat sich Nonnos 
nie zu schulden kommen lassen , und auch dem Musaios wird man 
sie nicht zutrauen dürfen, lag es doch so nahe zu schreiben ^orö- 
^evov iTÖOov €lx€ Kai SmiiaTa koI q>p^vac dvbpuiv. dies halte ich 
für die ursprüngliche lesart: man vgl. Mus. 29. 103. 108 und Non- 
nos Dion.'32, 73 d)c c^o vGv mcO^itui tXuk€PÖv itöOov. 24, 168 €i 
hl 7TÖ90C ^cd^irci C€ bucavTrJTOio Kubot^oO. 5, 433 ouk fiv 
ifvj iTöeov cixov ipiiM<ii>oc 1ox€aipT]C. 1 , 407 öccov ifi) irö- 
8ov fcxov ic GöpidTTTic ä|i€va(ouc. 16, 133 dXXä iröOifi qpp^va 
6€X£ov d8€XT^a. 35, 78 v^kuv nöOov £v q>p€cl k€u6u)v. 

74 Kai CndpTTic dir^ßTiv, AaK€batMovoc JbpaKOv dcTu. 
eine Steigerung wie etwa in dem sprüchwörtlich gewordenen vem 
vidi vid kann unser dichter unmöglich beabsichtigt haben; danach 
ist sein ausdruck ganz und gar nicht angethan. noch viel weniger 
aber ist zulässig, was der oben erwähnte anonyme Übersetzer und 
Passow in den fraglichen vers hineingelegt haben; der eine über* 
setzt: *ich bin in der landschaft Sparta gewesen, ich habe die 
Stadt Laked&mon . . . gesehen', — der andere: ^selbst ja Sparta 
besucht' ich, und schaute die bürg Lakedämons.' ^ auch Binden- 
burgs erklärung, die Heinrich acceptierte, ist ein kümmerlicher not* 
behelf: ^Spartae fui, et vidi urbem Lacedaemonis, h. e. quam Lace- 
daemon condidit.' ob es anderen interpreten (zb. JSchrader) ge» 
lungen ist etwas probables vorzubringen, möge jeder selbst prüfen; 
ich habe nichts auffinden können , was geeignet wäre die vulgata zn 
schützen, dazu kommt dasz dieselbe auch formell anstöszig ist: der 
verssohlusz mit dcTU hat weder bei Nonnos noch bei Musaios ein 
analogen, durch eine sehr leichte änderung glaube ich den vers 
sachlich und formell in Ordnung zu bringen : Kol CirdpHic ^TT^ßnVt 
AaK€bai^ovoc IbpaKOV dcrpov. damit sind namentlich folgende 
stellen zu vergleichen: 'Opxo^cvöc XapiTUiv, Aißavr)iboc äcrpov 
dpoupiic Nonnos Dion. 41, 149. töv iiifav 'AKpoKÖpivOov *Axoiiic6v, 
'eXXdboc dcTpov Poljstratos in der Anth. Pal. VII 297, 1. fivTC 
ßpOToi AdXov kikXiickouciv, ^dKapcc b' £v 'OXÜMirifj TiiX^qKtTOv 
Kuav^ac x8ovdc äcrpov Pindar fr. 58 (Böckh) (Musaios 22 nennt 
Hero und Leandros d^q>0T^pulV noXiwv — nemlich Sestos und Aby- 
dos — iT€piKaXX^€C dcT^pec : vgl. Heinrich zcfst.)« über die Nonni- 
sehen versschlüsse auf -ov s. meine beitrage zur kritik des Nonnos 
s. 60; Musaios hat ^u6ov 73. 202, Xuxvov 212, biipöv 291, öictöv 
18. — In dem fragment der Oigantomachie des Claudian, welches 
eine Madrider hs. aufbewahrt hat, v. 62 ist fälschlich äcru über 

* wenigstens bei dieser sorte von dichtem wäre et gewis eine 
tautologie. ^ Kütner machte sich die fache leicht: *ich habe Sparta, 
die Stadt Lakedftmons gesehen.* 



ALudwich: zum epiker MusaiOB. 237 

liefert itlr ficrpa, wie schon KOchljr richtig besserte, sonderbarer 
weise orwfthnt weder Schenkl (sitznngsber. d. philo8.-hist. classe d. 
Wiener akad. 1863 bd. 43 s. 35 ff.) noch LJeep (Claudiani carmina, 
ToL I praef. s. LXXVIII ff.) Eöchljs ausgäbe jenes Claadianischen 
fragmcnts (im index lect. Turic. aest. 1851 s. 19 ff.); beide haben 
ineh das augenscheinlich ÜEdsche äcTU bi c\iTX^i><xi stehen lassen. 
84 Tom fjiiv i^iO^uiv nc iqxiiveev ' dXXodev fiXXoc 
IXkoc t&TroKX^irrujv d1T€^rjvaT0 xdXXet KoOpfic. 
Dor KOchlj und Lehrs scheinen anstosz genommen 2u haben an dem 
Mjndeton (Heidelberger festschrift zur 24n yersamlung deutscher 
philol. s. XYni und Jenaer LZ. 1874 s. 509). dasselbe ist hier 
jedenblls völlig unstatthaft, zu geschweigen dasz auch das adver- 
binm dXXoOcv so wie das vorhergehende allein stehende jiiv hier 
bedoiken erregen musz. Musaios hatte wol geschrieben äXXoT€ b* 
dXXoc *bald dieser, bald jener'. 

103 aini\ b' «bc cuvdiiK€ irödov boXöevra Aedvbpou 
Xaipcv in' dTXoiqctv. 
ms dem verstohlenen augenspiel des Leandros wird Hero seine liebe 
m ihr gewahr und — freut sich über ihre Schönheit! — oder gar 
Aber seine Schönheit? unpassend und abgeschmackt und noch 
dam unklar ausgedrückt ist hier eins wie das andere, verstftndiger 
weise bitte doch der dichter sagen müssen: Hero freute sich über 
jene stumme, aber beredte augensprache des Jünglings, die ihr 
wine liebe kund that und die sie — so wird dann weiter erzählt — 
Bnn aocb ihrerseits heimlich erwiderte : 

iy fjcuxlq b^ Kai aini\ 
iioXXdKtc ipepöeccav ii\y 4it^Kui|i€v öirwin^v, 
vevMQci XaOptbioictv iiraTT^^Xouca Aedvbpip. 
dieses ^TroTT^XXouca ist £GLr uns ein fingerzeig, dasz Musaios vorher 
nicht xaipcv in* drXatgciv geschrieben hatte, sondern X^^^P^v in' 
^TTcXigctv. unter diesen dTT^Xiai verstand er natürlich die 
T. 102 erwähnten veü^crra dcpOoTTO. ähnlich beiszt die fackel, mit 
welcher Hero dem Leandros bei seiner nächtlichen söhwimmfahrt 
leochtet, t. 12 dTT^Xifi dKCijüiriTUiv i^Mevaiujv (vgl. noch v. 7. 222. 
235. 237). Nonnos Dion. 48, 973 nennt den kränz der Ariadne, den 
Bakehos an den himmel versetzt, dxTcXov oö XyjirovTa ipiXocT€q>d- 
vuiv ö|i€va{uiv. 

218 Xuxvov, ^MoO ßiÖTOto (paecqxSpov f|vtoxfloi. 
Sckwabes Umstellung dieses verses hinter 212 

£cco|Aai öXicdc ''CpuiToc ixwv dOcv dcT^pa Xuxvov 
iit von Rohde (Jenaer LZ. 1877 s. 207) und Scheindler (zs. f. d. 
Osterr. gjmn. 1877 s. 632) gebilligt worden; ich kann nicht bei- 
itimmen aus zwei gründen: 1) weil jüiiv in v. 217 nun beziehungs-' 
loi in der luft schwebt: 

dXXd, q>(Xii, TT€q>uXaSo ßapu irveiovrac drjrac, 
217 ^rj |Aiv dnocß^ccwci xal ainlma Oumöv öX^ccw. 

219 et dTCÖv b' iQikM . . . 



238 ALndwich: Euin epiker Mnsaios. 

Tind 2) weil eine versumstellong in jedem falle ein viel gewaltMuse- 
res heilxnittel ist als die ändening von GYMON in M]OYNON, die 
ich empfohlen habe. 

263 i^iövoc b' d£uipTO, bi^mc ö' £ppiMi€ GoXaccg. 
das verbum dSöpvufxi scheint nnr hier und an einer zweifelbafiea 
stelle bei ApoUonios von Rhodos vorzukommen 1 , 306 6 fui^v irpo- 
T^puice böfiUJV äuipTO v^ecOai, wo der cod. Ooelf. mit dem Laor. 
16 das Simplex iZipTO hat. Überdies ist der ausdraek tinSjfno in dem 
verse des Mnsaios entschieden unpassend. Leandros hat die kkider 
abgelegt, nach schwimmerart die hftnde ttber den köpf erhoben und 
springt nun vom ufer ins meer hinab, dieses 'hinabspringen' kaim 
der dichter nicht durch dSöpvucBot ausgediUekt haben; wahrschein- 
lich schrieb er: i^iövoc b' tiaXxOy bi^ac V £ppii|i€ GoXdcci], wie 
Homer eic &Xa SXto ßa6€iov ärt' aiTXrjevroc *OXu|üiitou A 532. 
aÖTiKa b' ii 6x^ujv cvv t€ux€Civ SXto xa^iale f 29. koS* fnmuv 
SXto xo^ä^e € 111. beicac b' Ik Opövou SXto Y 62. ßaMric tEäk- 
Xeroi oöXf^c € 142. irpoindxunf dSdX^cvoc P 342 usw. Paulus Si- 
lentiarius in der Antfa. Pal. VI 75, 3 oöiroTe jap tiXotictöc Tvpac 
££äXTO K€paiac iöc schon im altertum wurden äXTO und ifipTO 
von den abschreiben! vertauscht, wie die (verstümmelte) bemerknng 
des Didymos zu Hom. Y 62 beweist: äXio] £v dXXi() <^k 6pdvou 
i2ipT0». oÖTuic Koi fj Macccdliurruaf). vermutlich stand auch bei 
ApoUonios ao. nicht ^uipTO, sondern ^oXtg. vgl. ausser den citier- 
ten Homerstellen noch cp 388 ciT^ b' d£ oIkoio OiXoinoc iÄTO 6u- 
poZe. hj. auf Hermes 65 äXfO Kara CKOTrif|v cöUibeoc Ik ^eT(ipolO. 

297 meine conjectur KUirrop^VTiv für TuirrO|üi^VTic ist verfehlt, 
da jene form weder an dem transitiv gebrauchten ^mKÜirrui (Mm, 
105 TToXXdxic i^epöeccov df|v £ir^Kui|i€v 6n\imi\y) und £KKUirru> 
(Aelian de nat. anim. XV 21 ^övriv jap iÜKxn^e Tf|v KcqniXyjv) noch 
an &vona}ip€Tai (Aristoph. Vögel 146) eine genügende stütze hat. 

342 Kob b' 'Hpdi Td8vT|K€ cöv 6XXufA^vip irapaKOiTi]. 
Scheindler ao. s. 166 hat zuerst darauf aufinerksam gemacht, dass 
dieser vers mit zwei spondeen beginnt, also einem bekannten gesetse 
des Nonnos und seiner strengeren schfiler zuwider Iftuft.* Scheindler 

* WChriat metrik der Qr. u. R. s. 180 sagt: 'eine besondere eigenr 
tümlichkeit des Nonnos ist es an keiner stelle des hexameters zwei 
spondeen hinter einander zu setzen.' das ist ein irrtom; s. meine bei- 
trage znr kritik des Nonnos s. 48. wenn Christ dann fortfährt: 'Nonnoi 
bezweckte damit wol eine rhythmische nachahmnng des Dionysi- 
schen tanmelSy die aber von seinen naehf olgern, wie Mnsaios and 
ChristodoroSy kritiklos aach «af andere sto£fe übertragnen wurde', so 
möchte ich doch daran erinnern, dasz Nonnos selber sich dieser 'kritik- 
losigkeit' schuldig gemacht in seiner metabole des ev. Johannis. tref- 
fender hatte sich Lehrs ausgedrückt (in diesen jahrb. 1660 s. 816), den 
Christ nicht erwähnt: 'nicht nur die einschläfernde ermüdnng der länge 
ist es, was bei Nonnos der anhaltenden anfmerksamkeit entgegenwirkt, 
sondern jene Zerstreuung, ja der Schwindel und taumel . . . des in steten 
daktylen fortgerissenen yerses: diese doch wol ursprünglich absicht- 
lich zur naehahmung des Dionysischen taumeis nach einem 



ALndwieh: znm epiker Mtibüob. 239 

amnt: 'te Ten ist 'kriÜBdi sicher, doch lie^ der zweck auf der 
btad, den der diditer mit den zwei spondeen erreichen wollte; und 
hiermit ist er sach, obwol gegen Nonnos norm verstoezend, gerecht- 
fertigt' ich geetehe diesen angeblich anf der hand liegenden zweck 
aidit «nzneeheii. eoU er etwa in einer art rhythmisdier maierei ge- 
sucht werden ? eine solche auch nur annShemd entsprochende haben 
Nomos wie Mnsaios absolat yerschmftht. wftre es ihnen jemals in 
den ginn gekommen, stellenweise durch hftnfigere Verwendung des 
spondeofl etwa sohmeix, traaer, Schwermut udgl. rhythmisch tu ma- 
la, io hüten sie unmdglidi sieh in dem grade des spondens ent- 
kiUen^ wie es thatsftchlich geschehen« aber der dtierte yers ist auch 
ftochaus einem andern gründe anstöszig: die tmesis x&b b* 'Hpui 
Tttvi|KC hat weder an dem eignen Sprachgebrauch des Musuoe noch 
aa dem Nonniachen oder Homerischen eine gentigende stutze, wenn 
NouMs sich einmal erlaubt zu sagen K&b b^ jüie X^P^v KdXXiirec* £v 
MCripoiav (40, 113), so sieht jeder dasz dies eine wörtliche ent- 
lehamig ist ans Homer Q 735 xdb bi ^e x^^v Xebreic ^v |üieT<ipoi- 
QVi ond eben dadurch steht diese tmesis bei Nonnos sicher; bei dem 
Terse des Musaios aber ist das nicht der fall, beide grttnde zwingen 
n der annähme, dasz der anfang des fraglichen verses Terdorben ist. 
ich schlage vor zu ftndetn: ^oiZiiböv YrpOKdpr)voc dir' f)XißdTOu 
irfa irupTOu | Ka\ bu€pf| t^Ovtikc tiv öXXup^irt|i iropaKoiTi]. 
der llteste codex des Musaios, der Bodleianus, bietet hier nach Dil- 
thej xdb* fipib. Terwechslungen der buchstaben r\ i u gehören in 
QBsen fass. bekanntlich zu den gewöhnlichsten dingen*, und wie aus 



filichett kimstprinelp eiagefQhrte, aber mit kirnst nnd ausdaaer gefibte 

■ui«r.* ^- B«iiaiifig hier ein wort au meiner pronotioniaehrut 'de 

WxuMtri« peetarom graeeoram spoDdiaeie'. in dem Zeitraum von elf 

jahrea, die seit der Teröffeatliohoiig dieser stvdentenarbeit yerflouea 

nad, h»t kein geringerer als Angust Nanck dieselbe einer sehr grfind- 

liehtB rsTision gewürdigt, so duz es ihm wirklich gelangen ist in den 

'iefices* eini^ irrttoer anfsaspttrea; in gewohnter freondlieher weise 

^ er diceelbea jetst moniert in der paefatio anm ersten teil seiner 

nUt (Berlin 1877) s. XIV anm. ich glaube meine dankbarkeit dafür 

sieht besser bethätigen an können als indem ich etwaige sonstige leser 

jcatr itadentenarbeit bitte dasselbe zn thnn, was ich meinerseits still- 

•ckwfigend aehon vor jähren gethan habe: nemlieh ans den indices 

Mpade seüea an atreiehen: s. 69 ^ir^o^ou: iuK (cloc Bekker) iirf|X* 

^ n »0. a. 60 'IKfi: «nie (ö^p* dv Bk.) Ticrrrm N 141. Iwc (ct)C Bk.) 

t>«o T 367. — Tkovto 109. s. 61 ircXcKui: €k T€ crovaxd^v ir^irXacOe 

'Hsoeis sill. 18. zwar hatte ich auszerdem noch manches an dieser 

>ta4eate«arbeit zu berichtigen, doch finde ich dazu hoffentlich einmal 

«sc ^ssendere gelegenheit. sollte unterdessen der gewiegte philologe, 

^ aich zu dieser kleinen raadbemerkong veranlasst hat, seinerseits 

^ ttberzengang gewinnen, dasz er mit seinem ^eT€(p((»V€^ Mvncnfpccav 

c Sft eben metrischen Schnitzer in den Homer hineingebracht hat , so 

*Ms mich das aefrfditig freuen. 

* so kann Nonnos allerdings nnmöglieh geschrieben haben mit dop* 
Mltem KOTd« sondern Teramtlich £XXi«cc. den fehler scheint niemand 
"^swkt za haben. ' anch in den hss. des Mnsaios, wie folgendes 

U«iM vcrseiehnis beweist, welches ich dem apparate Diltheys entnehme: 



240 ALudwich: zu den Sibyllinisdien orakeln. 

"Hpnv 275 comimpiert werden konnte Iprjv in KP und Upnv in BV, 
ferner fjpeiav 66 in N* aus Upeiav, sodttrfte auch icdb* f|pu) ver- 
dorben sein aus Kai bu€pr|. (im Bodleianus steht 118 dapcaX^uJc 
für OapcaX^q, in V Travvuxinv 230 für Travvuxiujv, inN f|pu»cavTO 
231 und i^pujcavTp 288 fOr r^prjcavTO, in NP fSjpx] 304 für 'Hpu), in 
allen hss. öpjiiQ 324 fOr öXKifi usw.) 

Y) steht für i 61 viiccofA^VT)C V, 247 6(2)1)61 N, 278 ni\Tpr\y B, 877 £ir€- 
CK/|pTr)C€ B, 311 ^T)TM^v( B, 339 cmiXdbccciv B — r) fül* u 45 c<pnpä NP 
— u fUr n 29 £v^buc€ N — u für i 299 dirucTOV BNP, (76 v€f|X\)6a t^v 
y statt vÄ)v i6av/|v) — t für u 296 crKp^iSov VN, 299 AXiocdluiv N, 
318 KXiiroc V statt KTt^iroc, 333 dTpdivouciv N — i für t) 229 ßaOuKpi- 
iriboc B, 252 xapivqi B\ 259 dxTiv B, 319 dKiiXiroic B, 333 öiOüvovtoc 
B, 337 irapdKOiTiv B, 338 Kpiir15a B. 

Breslau. Arthur Ludwich. 



25. 

ZU DEN SIBYLLINISCHEN ORAKELN. 



I 166 ictax V ärpeK^wc,* 5t' Iq ävOpdiirouc TTpoidipei 
cwTfip dOdvaTOc, &v ^f| Oeöv iXaSn^^c 
Ktti jii€Tdvoiav fxH'T* ai^ö vOv — 
es ist zu bessern fiv ^f| 6eöv IXdcKiicOc. 

I 255 ö bk TTTepuTecci TreiroiOuic 

Tipocppov^wc TT^TQTO, Toi(i) b' dXOujv diT^füieive, 
nemüch die taube die Noah zum dritten mal aussandte, das metrum 
verlangt nuiTfiTO und. der sinn iir^jicive. das letztere war au9 
dem cod. L zu entnehmen, vgl. 5, 523. 

I 266 Ti|ib€ Kißu)TÖc £^€ivcv iy in^r\köio Kaprjv4(i, 

die arche Noahs. fUr Tvbbe würde ich nicht ToCbe schreiben, wie die 
letzten hgg. gethan, sondern T^be. den zweiten halbvers änderte 
Alexandre um in ffieivev dv ui|iifjcvTi KapiiV((J. wahrscheinlicher 
ist jedenfalls, was schon längst gefunden war, £q)' t&i|ir|Xoio kq* 
pfjvou. 

I 342 Tf|v b' au ßapßapöcppwv iT€Trebri|i^voc öpxnBpoiav 
^KKÖipac bujcei fxicOöv — 
der barbarische mann, welcher Johannes den täufer enthaupten 
liesz, war doch wol jucjieXiijii^voc öpxilBMoTo. vgl. 2, 342 outc 
Tdjuwv fxejiieXrijii^vr) oCtc Xoticjhou. 

II 267 ipeubandTai, (prJMQCi TreTreiOji^voi, [aurdp iövrec] 

napbaXiwv tc Xukujv öXoiüTcpoi — 
so Alexandre, in diesen wenigen werten ist dreierlei verkehrt: 
1) ipeubandTai, welches mit unrecht dem besser beglaubigten <|i€u- 
bairdTaic vorgezogen ist; vgl. 14, 260 ipeubairdTOUC 6pK0ici neneic- 
lüi^voi. 2) iT€iret6fx^voi, wofür schon Friedlieb aas mehreren bsc. 
richtig 7T€Tr€ic^^voi kergestellt hatte. 3) aurdp iövTec , eine doch 
mindestens äuszerst gewaltsame conjectur Castalios statt TrXa^ö- 



ALadwich : zu den Sibyllinischen orakeln. 241 

licvoi T€, wie in den hss. FLB steht, während andere hss« hier 
eine Ifteke haben. itXcü!6m€Vo( T6 ist allerdings 'contra metrnm ac 
nne seun', aber ehe ich su Caetalios (übrigens sprachlich nnmög- 
licber) ooigectar griffe, begnügte ich mich lieber mit äZöfi€VOi T€. 
«dlicJi sollte man für irapbaXiuiv t€ Xukiüv öXoiuTepoi wol erwar- 
ten icaptaXiuiv T€ Xukuiv t' öXoiArepoi, vgl. aber 14, 266 iropbo- 
Xiuiv T€ XiiKUiv TToXu X€tpova. 

m 248 f^vfica V ATtutttov X£(i|i€i KoiTcpirvöv öbeucei 
Xaöc ö bu)b€Kdq>uXoc iv fiTC^öciv Oeair^Mirroic — 

'com vero Aegyptnm linqnet desertaque yadet' übersetzt Alexandre, 
ond danach schlug Nauck (M^langes gr6co-roin. IV s. 166) vor zu 
corrigieren Kol £pTmov öbeucci. mir scheint in dem verdorbenen 
TepTivdv nichts weiter zu stecken als & Tapir 6 v, welches jedenfalls 
zu dem verbum 6b€UC€i besser passt als ^p^fiov. vgl. 3, 9 OÖK 
cyOciov drapirdv ßaivcTe. 8, 487 cöceßiiic xe kqI dipCKiiic ßaivov- 
T€C drapiTOuc. Leonidas Tar. in der Anth. Pal. IX 316, 1 iZi Tdvbe 
crdxovTCC drapiröv. Maximus 51 diriCTdxovTCC diapiröv, und 
rieles Shnliche. 

in 367 elpnvri bt t^Xtivöc iy *Accibi TCtiav öbciiccr 
Göpuimi bi fxdKOipa t6t* f ccctoi — 
Tennutlich iir* (oder ic) *Acciba xaiav öbeucci. vgl. 754 und be- 
sonders 779 irdca Tdp eiprivii dTaGuüv in\ yaiav \KV€iTat. 5, 465 
ßdpßopoc öx^oc £c 'Acctba TOticxv &b€uc€i. 

m 393 dXXd Koi &C TravdicTov dirayr' 'Atbnc 6epa7Tۆc6i' 
iliv hx\ ixep T€vef|v auTÖc O^Xei äorroX^ccai , 
bfi T&v b^ Tcveiic Kcivou t^voc ^SoiroXeiTai. 
der erste vera soll bedeuten: 'aber auch so wird ihn, den alles ver- 
derber [?], der Hades | raffen hinweg' — (Friedlieb). Alexandre 
Bont: «depcnreucei nobis est pro OepTcci, barbare licet.» gewis 
barbarisch, und verwerflich um so mehr, als selbst diese barbarische 
iaterpretation eines so geläufigen verbums den unmittelbar voran- 
gehenden Worten nicht zu gute kommt, das verbum OcpaireOcei 
moai verdorben sein, ich denke etwa aus öXoOpeucei: Hades 
vird ihn (den kaiser Hadrian ?) ganz und gar vernichten, vgl. 309. 
5, 303. 453. 

ni 436 Kv£iK€, Ka( cot irövTOC diToppn£ei ßapuv 6Xßov. 
Kai cu iroT* dpeiq, BuZdvriov, 'Acctbi CTdp£q, 
xal bf| Kai CTovaxdc X^jitii] xal dvt^piBfiov aljüia. 
XMh hier ist Alexandres erklining ganz unhaltbar: «CT^q nohia 
qaidcm media vox est, iamquam pro passiva crepxOii'icq, exopta- 
beris, propter divitias concupisceris.» wie verträgt sich dies mit dem 
^onagebenden, namentlich aber mit dem folgenden veirse, in wel- 
^^ der Stadt Bjzantion gestöhn und blutströme geweissagt wer- 
^? wie Tvrtrigt es sich mit grammatik und metrik? cr^pSi] wird 
>«> v^pcT) oormmpiert sein. vgl. Hom. Q 729 irplv tdp iroXtc i^be 
«W bpifc TT^pccTat. 

HtoiMi« nr elMf . phiiol. 1878 hfl. 4. 16 



242 ALudwich: zu den Sibyllinischen orakeln. 

V 115 xai n^pcac öX^cei xai "Ißnpac xal BaßuXuivac 

MoCCaT^TOC T€ (piXOTTTOX^jiOUC, TÖSOIC ^€|ülOUITaC. 

überliefert ist t6£oici T€ TidvTac, wovon sich Alexandres eben 
mitgeteilte lesart doch zn weit entfernt, wenngleich er meint: 'sunt 
iidem fere dactns literarum.' Meineke (PhüoL XXVIII s. 588) 
schlug vor TÖEoici T€ mcTOiic; passender wftre tö£oic{ t' inap- 
T^oc oder iirapTCic, aasgerüstet mit pfeil und bogen. 

V 257 '€ßpai(jjv öx' fipiCTOC, 8c f^^Xiöv itotc cti^cc 

(pu)Vi)cac ^rjc€i Te koX^ xal xciXeciv ärvoic 
Meineke, von dem die treffliche bessemng 6x* ^ ^ herrührt (so. 
8. 589), hat sich an dem offenbar gleichfalls verdorbenen schlosz des 
verses nicht versucht vielleicht genügt 6c i^^Xiov itot* Police, 
vgl. Hom. b 380 8c Tic ^^ d6avdTujv irebda *xai Q>r\c^ kcXcijOou 
(Anth. Pal. XI 138 tö CTÖjiia pou b^berai). 

V 317 xal 'lepdTToXi Toia \x6vr\ ttXoütu) lüiiTcTca — 

dazu bemerkt Alexandre: <|üiiT€Tca, quamvis i producto, non est 
tentandum. licentia quippe Sibyllina est, ut in iplfr] infra 389.» 
freilich bieten 389 die hss. iv coi Tdp Mtj'HlP T^KVip ä6€^lCTU)C iiiTilt 
aber selbst Alexandre hat diese werte als corrupt erkannt; er 
schrieb T^xvip ä6d|üiiCT0C ifxiv]^ womit nicht viel gewonnen ist 
sollte hier nicht gestanden haben iv coi tdp Mi^Tilp ^m(it| t^kvu) 
ä0€|üiicTU>c, wie schon Volkmann vermutete? an der vorigen stelle 
ist wahrscheinlich |üiix6€ica herzustellen für ptTCica. je iSnger ich 
mich mit den Sibyllisten beschäftige, desto weniger kann ich mich 
davon überzeugen, dasz die graueiüiaite Verwahrlosung, in der ihre 
dichtongen uns überliefert sind, mehr durdi die Unbildung der ver- 
&8ser als durch die liederlichkeit der abschreiber verschuldet ist 
Vn 71 Tpeic b' ouTi|i trupTouc ji^T^tc oöpavöc dcrfipiEcv' 
iv x<b bf| vaiouci 6€o0 vOv MTiT^pcc kOXd, 
dXTiic T* €ÖC€ßiii T€ ceßacjüiocuvTi T€ iroGcivi], 
oö xpu^H^ X^ipo ^cat\ dpTupi{i, dXXd ceßacjüioTc 
dvOpuiTTuiv Ouciaic tc bixoiOTdTOtc t€ XoTtcMoTc. 
glaube, liebe, ho&ung können nicht gottes 'mütter* heiszen, und 
nicht blosz aus diesem gründe ist die hergeschriebene stelle als cor- 
rupt zu betrachten, dasz Alexandre an seiner ganz verfehlten con- 
jectur 6eo0 OüräT^pcc' £c6Xai festgehalten hat, auch nachdem ihm 
Friedliebs ausgäbe bekannt geworden, wundert mich, noch mehr 
dasz er dessen schöne lesart 6€o0 vu^fi^TOpEC icOXai nicht einmal 
erwähnt, unmöglich ist femer tv ti|i, wofür Alexandre ^ TOic 
richtig vermutet zu haben scheint, endlich verstöszt xottpouca nicht 
blosz gegen das metrum, sondern auch gegen den sinn, da das fol- 
gende sich offenbar auf alle drei, nicht auf die liebe allein bexieht; 
also xcdp u c a i mit Meineke. 

vn 129 ßiaZo|üi^vii V dpa taia 

ÖVTtva ToX|üiif)caca Oeuiv (oder Oeöv) iTrcb^Sorro ßuiMOuc, 

* ich hatte einmal an cufififiCTOpcc gedacht. 



ALudwich: zu den Sibjlliiiischen orakeln. 243 

ipcubojii^vii , KttTTvdv b€ bi' dO^poc dXxca O^vtü (oder 

ÄXfilG^vra). 
dies ist die ttberlieferuDg, die Alexandre so zu bellen snchte: ßia- 
^[oM^vnc dpa TotinC; I övriva ToX^if)coca Beuuv* in^hiiüuo ßuifxoic, | 
i(i€ubofi^vii, KQirvöv bt bi' aiO^poc äT^lc6^VTO. Friedlieb meinte 
mit folgendem auszukommen : ßia£o|üi^vii b* dpa TOia, | Svnva toX- 
^ncoca 9€Öv intbilaxo ßminotc , | ipeubofx^vn xairvöv bi' aiO^poc 
dXyca O^VTCU Ton allem andern zu scbweigen — wer ist im stände 
den sinn dieser werte za enträthseln , obne die Übersetzungen der 
beiden editoren zn hilfe genommen zu haben? es ist vom weit- 
brande die rede : alles wird in feuer und rauch aufgehen , auch die 
tischen gOtter auf ihren altttren. an unserer stelle dürfte, fialls der 
ursprüngliche text nicht schwerer gelitten hat, etwa dies gestanden 
haben : ßiaZo|üi^vii b' dpa xaia, | övnva ToX^rjcaca 6€uiv ^ireb^aTO 
ßui^oic, I t|ieubofA^vn Kdirvuice b\* aiO^poc dXXaxB^VTOc. 
die geteuschte erde Iftszt die götzenbilder in rauch aufgehen bi' aiO^- 
poc dXXoxB^VTOC (durch — hin), bei der Zerstörung alles bestehen- 
den bloiboi auch äther und himmel nicht unTerttndert: oöpavöv 
oÖK dcrpotc, dXX' iy irupi KCK|üiTii&Ta hiesz es vorher y. 125 (xal bid 
coO KÖCMOio KoXal irnjx€C f^XXdxOiicav 5, 234. ix toO bi ipuxft 
SXov aiO^pa dXXdccouca Orph. fr. 19, 4). der aorist xdirvu^ce 
stimmt zn fiXuOev 8, ärvfjfxajtv 91, dir^cni l^^- übrigens gienge 
Tielleicht auch dXXaxO^vra an, auf övnva 6€(&v bezogen. 
yiII463 Sk etirujv £|üiTrv€uc€ Ocöc xdpiv* f| b* deiKotipTi 
(Tf|v dpa Tdpßoc &^oO 6d^ßoc 0' SXcv eicatoucav) 
cri) b' dp* iÜTroTpo^^ouca (Maria bei der yerkündigung). 
so Alexandre. Meineke fand daran sonderbarer weise nichts weiter 
Msznsetzen als das *8ehr gewagte' f| b' detKOUpr) fOr f| b' aUi KoOpTi : 
es ad, meinte er, yielteicht f] b^ t€ KOÖpil zu schreiben (ao. s. 591). 
dies kann ich ebenso wenig wahrscheinlich finden, da es der offenbar 
ganz «08 den fugen gegangenen periode nicht aufhilft, ich glaube 
den die stelle so zu emendieren ist: &C ciinbv Iftirvcuce' Oeoö 
Xdpiv f|b^i KoOpg' I Tf|v b' dpa rdpßoc &moC Odjüißoc 6' fXev 
(icaioucav' | crf) b' dp' t&iTOTpO|üi^ouca — . die form fjb^i beim 
femininum wird gesichert durch i\bi)C dur^V) Hom« ^ 369. db^a 
XttTOV Theokrit 20, 8. db^a iröpriv Moschos 3, 83 und ähnliche 
itellen. Tgl. anszerdem Soph. OT. 82. Eur. Phoin. 399. 

XI 10 müpTOV bvjfi^cavT' de d6^c<paT0v öipoc dir* dXXu;v 
TXwccai b* aÖT* dXOGiicav ' dir* aörouc b' fjXuöcv ögrfy 
vipfcTOioOcoG ßcßoXnfidvot, KdTrir€C€ irupxoc 
dciTCTOC* o\ bk Kairf|v Tdp in* dXXriXoiic £piv iDpcav. 
Aleiaadre schrieb ßcßoXilfidva *prava licet aeolismo'. sicherlich 
anstatthaft; dasselbe gilt Yon seiner erklärung des folgenden Kdn- 
n€C€: *noB pfo KaT^irece, sed pro Ka\ £iT€ce vel xdirece male con- 

' iD d«r ersten auBrabe zog er das anmetrische Ocöv vor. 
' betser begUnbigt ist lir^vcvKC, welches sich yielleicht doch halten 
^t 6€o0 fand bereits Alexandre. 

16* 



244 A Lud wich: zu den Sibyllinischen orakeln. 

fictum est.' auch Friedliebs lesart ßeßoXim^vii Kdirirece schafit die 
metrische und sprachliche Schwierigkeit nicht fort, beide werden 
gehoben durch diese Snderung: £ir' aÖTOuc b* fiXuOov öpTOii I 
uipicTOio 6eo0 ^ßoXfm^vai, alc ir^ce iruptoc — . natttrlich w&re 
auch der singularis zulftssig : fjXuOev öpT^ . . . ßeßoXim^VTi , i^ nid 
iTupTOC. vgl. 8 , 1 dpxo^^vnc fiCToXiic öpffic tm KÖqiov äiT€i6i\. 

1, 79 ^ni b* auTOic fjXuöev £tii äcTani oupavödev ßeßoXim^vf], <i 
ßiÖTOio beivouc d£eiX€V. 113 dir'. auToiciv ßeßöXnro^ olcTpo^avflC 
in\yic. 150 dvbpec dTriCTÖKopot peTciXijj ßcßoXr^^^voi olcrpqi. 

XI 33 0^ al coi, M^q>i, oi ai, m^ToXii ßaciXcia, 

d£oX^C€i Xaöv c o u iroXuv '€pu6paia OdXacca. 
unmöglich kann cou hier als kürze fungieren* da wortverstellungeii 
in diesen klftglich tiberlieferten dichtungen keineswegs zu den Selten- 
heiten gehören, so treffen wir vielleicht das richtige, wenn wir 
schreiben: Xaöv cou iroXiiv ^oX^cei 'GpuOpaia OdXacca. 

XI 69 Ivböc fivaE fiCT^ireiTa T€vnc€Tai, öc Kaxd iroXXd 

Onc€i tu' dvToXific bid xparepdc äc^ivac 

also die erste silbe von bid in der thesis als länge gebraucht? wie 

leicht war dies zu vermeiden: Oi^cei in^ dvToXinct bid xporepac 

uc|üiivac (vgl. 5,427 dvToXiai buci^c T€ OeoG kXcoc ££üfxvY)cav mit 

2, 195 dvT0Xir)c bücetdc T€ fieomßpiac t€ Kai dpKTOu). nachträg- 
lich sehe ich dasz schon Alexandre dieselbe Vermutung äuazerte, sie 
aber später dem unmöglichen bid T€ Kparepdc ücpivac zu liebe 
fallen liesz. 

XI 98 ek fcTai bi ^xlfoc TOÜTUiv ßaciXcuc dxöc dvbpuiv ' 

dpSouci b' a\n^} ttoXXoI ßaciXetc fX€Td9u|üioi. 

nicht dpSouci, sondern das gegenteil musz hier gestanden haben. 

Alexandres oonjectur dpEovrai (^passivo, licet minus usitato, 

sensu') ist verfehlt, den erforderlichen sinn gibt €i£oucivb' auTifi. 

XI 125 dnö Cndpinc tdp 'Gpivvuc 

f\H\ cot fxeXdOpoic öXoi!^ KeKcpacfx^vii dcrpui. 
nach Alexandre soll hier zu bemerken sein 'usus astrologicae vocis', 
was ich nicht verstehe, ich bin überzeugt dasz corrigiert werden 
musz öXoifi KCKcpac^^vn oTcTpqj. vgl. 323. 1, 150 dvbpec diriCTÖ* 
KOpoi ^CTdXcp ßeßoXim^voi oiCTpifJ. 368 xaKifi ßeßoXiuüi^voi oIcTp4(i. 

3, 39 olc KOKÖc dv CT^pvoiciv £vi (?) ^ejnavT^^voc oTcTpoc (oicrpo* 
fiavric 1, 114. 363. 3, 809). 

XI 193 aÖTÖc b' aO ir^ccTai öttö boupcnpöpou KOKoßouXou, 
Zrjcac iv Cvplq, f|Toü^€voc otd irep oubcic. 
Alexandre emendierte Zf^cai iv cuiropiqi f)TOU|üi€VOC, in der haupt- 
Sache gewis richtig, doch scheint mir Zfjcai iy ficuxiQi (-q) f|TOu- 
fievoc den vorzng zu verdienen, vgl. 3 , 703 uioi b' oG fiCTdXoio 
8£o0 TTcpl vaöv diravTec f|cux(ujc Zt|covt*. 



^ Meiseke ao. s. 678 wollte dafür d6XnT0 schreiben, durch die oben 
ansefUhrten paralleletellen wird diese (übrigens hier metrisch höchst 
bedenkliche) conjectnr wol abgewiesen. 



RPriuz: zu dem briefe Harpokrations. 245 

XI 201 oiJtoc kqI BaßuXwva iröXiv XwßrjceTai Xot^tp. 
das letzte wort kann nicht richtig sein , wir brauchen ein vocalisch 
ajüaotendes. vielleicht ist aivi&c das ursprüngliche, vgl. 3, 329. 
XII 124 Kai TIC b' ad ^€Tä toOtov dvifjp, xpaTcpdc aixMilTir|c — 
wahrscheinlich lautete der schlusz ävf|p KpaTcpöc t' aixMTiTfic, wie 
er ?. 37 richtig ttberliefert ist. vgl. ßaciXeüc t' äxaOdc xpaTepöc 
T* alxMfirAc Hom. T 179. Anth. Pal. YII 747, 2. danach dürfte 
auch SibylL 11, 130 toutuiv b' elc ictai ßaciXeuc kXcitöc aixw 
TTJc in Kpcrrcpöc' t' aixMH'n^ o^®^ wenigstens in kXcitöc t' alxMil* 
TTJc zu Sndem sein. 

Xn 264 6c nävTac öX^ccei 

ui|iiiXouc T€TCtwTac dnixOoviouc dvOpumouc, 
dcOXouc bk KT€tvac ttXoutou xotpiv, old re äcTi^p, 
cuXrjcac x^öva iräcav äTroXXu|üi^vu)v ävOpujiruiv 
6ifjc€i iir* ävToXinv — 
Septimiua Severos wird alle hohen und yomehmen töten um ihres 
reichtoms willen otd T6 äcrrjp 'ceu sidus iniquum'. heiszt denn 
dcrfjp ohne weiteres ein feiMliches gestim? und wenn es das 
hieeze, gftbe es nicht immer noch einen verkehrten sinn neben TrXou- 
Tou X^iv? vermutlich ist cid t€ dcnfip verschrieben ans old TC 
Xi)CTi)C* ob Alexandre bk icreivac richtig hergestellt hat für Kai 
Tivac, bezweifle ich. Meinekes conjectur (ao. s. 595) ^Kbuc (fOr 
^bücac) KdKTicac (für xai ^KTicdfxevoc) ttXoutou xdpiv, old t€ 
liacTTJp ist sehr hart; mag sein dasz die |üiacTf)pec 'übel berüchtigt' 
waren, die hier gebrauchten verba (vgl. mit öX^ccei v. 264 und 
AnoXXupi^vuiv dvOpuiTTOJV v. 267) passen schwerlich auf sie. — Auch 
6^1 v. 268 Iftszt sich wol kaum halten; nach 11, 257 sollte man 
&i erwarten. 



^ kXutöc (denn so haben die hts., nicht kXcitöc) scheint aas ▼. 132 
icXurä Tci'xca Tpoiiic eingedrungen zn sein. ' nach dem was Lehrs 

qaaest. ep. 8. 806 anm. 1 nnd in der vorrede zum Didotschen Oppian 
•.VI gesagt bat, halte ich den nominativ Xr|CT/|p nicht für zulässig. 

BncsLAa. Arthur Ludwich. 

26. 

ZU DEM BBIEPE HARPOKRATIONS. 



In dem neuesten hefte der revue de philologie (bd. n 1878 
1. 65 iL) hat Charles Oraux, einer der tüchtigsten und eifrigsten 
oBter den jflAgem französischen philologen, einen bisher unbekann- 
t«i hrief eines gewissen Harpokration veröffentlicht, den er in einer 
ki. der Madrider bibliothek (N 110) entdeckt hat. manche fehler 
dar Überlieferung hat der hg« glücklich verbessert, manche hat er 
aber auch stehen lassen, manche falsch zu heilen gesucht« 

§ 4 bietet die hs. Kai TrXeucac irepl Tf)v TrcpiciroubacTOV 'AXe- 
{ovbpciov jicid cuxvoO dpTupiou, toTc dvTeXccTdTOic xiiiv qpiXo- 



246 BPrinz: zu dem briefe Harpokrations. 

XÖTUiV iTap(I)b€uov, Ka\ qpiXoiroviac Sv€Ka Ka\ cuv^ceuuc öird ir6v- 
TUiV diraivou^cvoc. statt irepi ist weder napä mit Iriarte noch elc 

mit Graux, sondern irpöc zu lesen, aus irp konnte leicht ircpi werden. 
ToTc ^VT€X€CTdTOic hat Oraux in toOc dvreXccTdTOUC geändert, aber 
irapuiöcuov 'ich gieng vorbei' passt hier ganz und gar nicht, der 
dativ ist richtig, und der fehler steckt in iropuibeuov. ich erwarte 
einen begriff wie irpocuijiiiXouv. Trepiobeuui kommt in dem hier 
notwendigen sinne, so viel ich sehe, nicht yor, sonst könnte man 
Toäc dvTeXecTdTOUc . . ircpiuibcucv lesen. 

§ 8 OavdTOu bi ßpaxur^pav ÖTToXaßuiv cTvai Tf|v irXdvriv, 
UTTÖ Tfic Xümic dbanavui^iiv xal TTpOTreT^cTcpov ifl Tpc«PQ '^^' 
7ricT€UKU)c ^TPCtMia ncpl xflc ^vepxeiac auiiöv, xal toTc tovcöcw 
übe i\br\ iretpdcac xai ÖTrocTp^q)€iv dirnTTcXXöjLiTiv. das hsl. ßpaxu- 
T€pav gibt einen trefflichen sinn (^da ich angenommen hatte dasz 
das umherschweifen des todes geringer sei, dh. dasz der tod nicht 
so leicht die menschen ereile') und ist nicht mit Toumier und Oraux 
in TpaxuT^poiv zu ändern, das geradezu falsch ist. verbesserungs- 
bedürftig ist aber das wort auTU)V,'das man doch unmöglich auf 
das im vorigen satze (iv irdcaic tuüv iraOÜJV OepaTTCtaic i^cTÖxn^c^) 
stehende iraOujv beziehen kann, ich vermute dKÜJV und ziehe dies 
auch der Vermutung q)UTi£iv, die mir ALudwich freundlichst mit- 
teilt, vor, da in den fiia) auch die XiBot einbegriffen sind, von denen 
in § 6 neben den ßordvai die rede ist. im folgenden musz dann 
wol Ka8uiT0CTp^q)€iv für xai u7T0CTpdq>€iv gelesen werden. 

§ 14 Kai Tdiv iikv ttXciövuiv dnaTTcXiac 6^olac t^ TrpoTrereiiji 
ficu q)€pövTU)v KaT^TVWv * ^vdc bi tivoc bid tö coßcuov (?) täv 
i^Gujv kqI tö Tfic fiXiKiac fi^rpov 7TiCTCu6^vai buvofA^vou ouk ^x^tI- 
cGtiv (?) Ti)c qpiXtac. coßeüov Ittszt sich in der hs. nicht deutlich 
erkennen: *ä ce qu'il semble' setzt Graux zu, der coßopöv in den 
text gesetzt hat. dies ist nach meiner meinung entschieden falsch, 
ein hofObrtiger und eitler mensch flöszt doch wahrlich nicht ver- 
trauen ein. man kann an C€|üivöv (im sinne von ^ehrenwert') denken, 
aus dem ^xcticOtiv der hs. hat Oraux im text dvexotiTicBiiv gemacht 
hiergegen sprechen verschiedene gründe«, zunächst ist es palftogra- 
phisch nicht nahe liegend, dann läszt sich die construction von 
dvaxaiTiZecOai (im sinne von ^abgeschüttelt' oder losgemacht wer- 
den') mit dem genetiv nicht nachweisen, und endlich ist der aus- 
druck sehr geschraubt, ich schlage di|i€UcOTiv *ich teuschie mich 
nicht in der freundschafb' vor, das die hs. vielleicht wirklich bietet, 
da Oraux zu fx^'^i^^nv wieder *ä ce qu'il semble' hinzuftlg^. 

§ 21 inaveXOövTcc bk Ik toO dXcouc, iv\ t#|v ötvcIov dt^TVÖ- 
ficOa. statt inl hat Oraux TTCpi in den text gesetzt, aber ifiTvecOai 
iT€p( Ti wird nie im sinne von ^an etwas gehen , sich mit etwas be- 
schäftigen' gebraucht es musz entweder Iv T^ dTVClqi ^TVÖ^€9a 
oder ini t^v dtveiav iTp€T^6^€6a gelesen werden. 

Breslau. Rudolf Puinz. 



CHeiMr: des Boetiiu flben. d. Aiistoteliflchen schrift irepl ^p^iiv€(ac 247 

27. 

DES BOETTOS ÜBEBSETZÜNO DER ARISTOTELISCHEN 

SCHRIFT nepi 'ePMHNeiAC 



Durch die toü dem unterzeiclineien in angriff genommene 
oosgabe der beiden commentare des Boetios* zur Aristote- 
liaeben scbrift ircpl ip^nvcfac wird nicht blosz der erklärende text 
des BoetinSvTon einer menge von fehlem gereinigt, sondern vor 
allem ist es seine flbersetzung des Aristoteles, die zum groszen teil 
m einem ganz andern lichte erscheint: denn sie ist im laufe der 
Jahrhunderte an manchen stellen bis zur Unkenntlichkeit yerftndert 
oad verderbt worden, und nur um des Aristoteles willen lohnt es 
sich ja der mühe, sich durch einen autor von so entsetzlicher breite, 
denen schriftsteÜerei CvPrantl in seiner meisterhaften geschichte der 
logik im abendlande I 682 mit verdienten, wenn auch scharfen Wor- 
ten getadelt hat, hindurchzuarbeiten, inwiefern aber der neugewon- 
nene kritische text fOr Aristoteles von bedeutung ist und welche 
schlfisae sich daraus ziehen lassen auf die ursprüngliche gestalt des 
grieehischen Originals , darauf hinzuweisen ist der zweck der nach- 
folgenden Zeilen. 

ThWaitz hat in seiner vorzüglichen ausgäbe des Organen den 
Boetius für die feststellung des Aristotelischen textes verwertet, so 
weit es ihm mOglich war. freilich wüste er nichts von der Unsicher- 
heit des textes den er citierte. der Vorwurf den er s. XXI erhebt: 
'deinde ne sibi ipsi quidem constant interpretes in lectione quam in 
Aristotele invenemnt indicanda' trifft den Boetius nicht: denn in 
dem beispiel das er s. XXTT anführt haben die hss. nicht wie die 
Baseler ausgäbe, sondern in der Übersetzung und im commentar 



* [der frage nach der Bchreibnng dieses namens hat kfirslich Use- 
ftcr in seiner begrüssungsschrift der Wiesbadener philologenversamlimg 
'Anecdoton Holder! , ein beitrag zur geschiehte Roms in ostgothischer 
seit* t. 48 f. einen eignen excors gewidmet, dessen resoltat es wol ver- 
lest in weitem kreisen bekannt ond beherzigt sn werden, 'die schrei- 
b«af BoeiiMM* sagt er dort 'hat sich in neuerer seit, die es liebt ohne 
waU und urteil handschriftlichen krimskrams sn unverdienten ehren sa 
briDfen, fast allgemeiner gnnst wenigstens bei nns sn erfreaen. gewis, 
die kandsehriften kennen fast nnr Boetius oder gar Boeeiust und selbst 
^e intehriften scheinen ausnahmslos den consnl sowol von 610 als von 
6tS mit I sn sehreiben, schon der censnl von 487 kommt so bei de Rossi 
a. 888 f. vor. aber dass der Hömisehe plebejer th nicht kennt, brauchen 
•tr doch nicht erat hieraus zu lernen, und die hss. pflegen wir nicht 
aehr lu slhlen, sondern su wlgen. es konnte schon geniigen, dass in* 
«•briften vom j. 487 datieren cons. Boetfd vc. (de I&ssi n. 887) und 
B^elM V. e. (Relaad fasti cons. sum j. nach Fletwood): entscheidend 
iit das diptjchon dieses eonsuls im CIL. V n. 8120 Manl{iu9) Boethius 
» ir) e(ter.) ei imHuetris). auch Cassiodor hat doch wol den namen seines 
frvsades richtig schreiben können? BoelfduM gibt die Bamberger hs. 
^ htMii» noch sweimal* usw. usw. 'muss man es denn aussprechen, 
dm die Boethii nachkommen eines BoiiOoc sind?' usw. A. F.] 



248 CMeker: des Boetius üben. d. AriBtotelischen schrift ircpl IppifvcUic. 

beide male richtig universale (wie Aristoteles TÖ KaOöXou). mit 
recht mahnt er zur vorsieht: ^unde apparet quanta circomspectione 
opus sit, ne quid temere coUigatur de lectione quam veteres inter- 
pretes habuerint', stellt aber dann selbst den grundsatz auf: 'aha 
ratio est eorum locorum quibus quae fuerit lectio quam veteres inter* 
pretes habuerint certo scimus : nam praeferenda semper erit lectio 
quam interpretes in codicibus suis repererunt lectiom quae nostr& 
aetate in libris mss. occurrit, nisi res ipsa aperte doceat poüorem 
habendam esse alteram.' und diesem grundsatze getrea hat er 17' 
11 auf die autorität des Boetius hin XÖTOC als interpolation ans dem 
texte ausgestoszen 'omnibus codicibus inviüs' (s. XXV), wozu er 
mit recht s. 332 bemerkt: ^consensus enim codicum nihil probat nisi 
emblematis antiquitatem.' diese stelle ist von auszerordentlicber 
Wichtigkeit: denn sie zeigt uns den Boetius als einen gewissenhaften 
Übersetzer, er bemerkt ausdrücklich , dasz das wort ratio (XÖTOc) 
im griechischen nicht stehe , dasz er es nur der deutlichkeit wegen 
hinzusetze, und verwahrt sich gegen einen Vorwurf, den man ihm 
deshalb machen kOnnte: de qua re iUis ntmc satisjfäcimHS, si qui 
graecae oraUonis perUi nos forte cuJpo&ufi^, cur quod iUic non fuii 
nostrae iranskUioni adiecerimus. nos enim ad facüiarem kU^kehm 
Jatinae orationi famuHantes hoc adposuimus^ quia de oraiione lo- 
quentibus inteUedua ad rationem^ nisi id esset adkedum^ iransferri 
non poterat (s. 73 meiner ausgäbe), er übersetzt ganz genau wort 
für wort, 80 weit es irgend mit der lateinischen spräche vereinbar 
ist, und wir dürfen also überzeugt sein, wenn er ein wort nnüber* 
setzt läszt^ dasz er dasselbe in seinem griechischen texte nicht ge» 
habt hat seine breite und Weitschweifigkeit kommt uns hier zu 
statten, da er uns nicht leicht in zweifei Iftszt über seine lesart, 
indem er nicht müde wird immer wieder das nemliche zn wieder- 
holen und einzuschärfen, ich werde deshalb im folgenden I) solche 
stellen hervorheben, an denen er etwas unübersetzt Iftszt, was in 
unserm texte des Aristoteles steht, und II) solche stellen, an denen 
er eine andere lesart als wir vor sich gehabt haben musz, wobei ich 
alles minder wichtige oder nicht ganz sichere unbeachtet lasse. 

I. 

C. 2, 16* 26: dasz Waitz die worte civiaivei Ka6* £auTÖ, die 
im cod. A stehen und die Bekker deshalb aufgenommen, mit recht 
aus dem texte entfernt hat, bestätigt jetzt auch Boetius, der sie 
nicht übersetzt und auch oub^v, das ebenfalls in vielen hss. bei 
Aristoteles fehlt, ausgelassen hat. c. 4, 17* 2 diroqKXvnKÖc H. 
ou näc, äXX' iv (|i tö äXnOeuciv i^ iiieubecGai öirdpxet. ouk iv äiraci 
bi OTräpx€U Boetius übersetzt enufUiativa vtro non omms^ sed in 
qua terum rW falsum inest, non autem in omnibus: er hat also das 
leUte indpxci nicht gehabt c ö, 17* 9 ol b* fiXXoi irdvTCC 

cuvb^CMip ctc ^ aliae vero coniundione unae: TTdvT€C, das B. nicht 
ttberseUt, fehlt auch im cod. n bei Waitz. c. 5, 17* 10 dvdtKn 



CKdier: des fioetius oben. d. Aristotelischen Schrift ir€pl ^pfiT)v€(ac. 249 

5i irdvra X6tov diroipavTiKÖv Ik ^i^jinaTOC €Tvai fi tttu)C€uic ^i^ft^- 
Toc -=> neoesse est auiem omnem araiionem enuntiativam ex verho esse 
vd casu. das letste ^VjpaTOC ist offenbar ein erklärender zusatz, den 
B. nieht kennt, ebönso wie das gleich darauf folgende, schon oben 
erwifante XÖTOC. e. 7, 17^ 7 Stov b^ M nXiv kqOöXou jüi^v, ju^ 
Ka6äXou bij ofirai jüiiv otÜK eidv ivavriai, rä pLiwoi bnXoOiüieva 
{cnv clvoi ^vavria ttot^ »» quando auiem in unwerscdibus non unir 
rersalUer^ nan sunt contrariaey quae autem significatUur est esse con- 
traria. B. hat also gelesen: Srav bk inX ti&v xaBöXou fi^v, |if| xa- 
doXou bi (}iiv und bi Übersetzt er nicht jedesmal), oök eidv ivavriot 
(ouTGi ^v fehlt avch in g bei Waitz), and am schlnsz war ihm ttot^ 
fremd, das aach im ood. n bei Waitz fehlt, mit welcher hs. B. Öfter 
fibereinstimmt.' c. 7, 17^ 14 oM€]Li{a T&P Kardcpacic dAii6f|C 

Icrai — nuOa emm adfirmaUo erit. dXfiBf'ic, das die hs. B bei Waitz 
anr am lande hat, kennt B. nicht. c. 9, 18^ 2 xal ci Iccx XeuKÖv 
r\ oO XcuKÖv, dXiidic fiv cpävoi f\ drroqNivat ^^etsiest dlbum vel non 
nOmm, ventm est vd adfirmare vd negare. fjv hat B. nicht gelesen, 
S)<mdeni wie kurz vorhcor nur dXT)6^c (ei T^P dX^O^c eiireiv nam si 
venm est dioere). ygL unten zu c. 12, 21^ 4. ebenso hat er f|v nicht 
gtlesen e. 9, 18^ 12. c. 9, 18^ 4 d&cre dvdTKTi f{ Tf)v Kardcpaciv 
f\ TJ|v diröqKXCtv ikrftf\ eTvai fj ipeubf) «» quare necesse est aut adßr» 
malÄmem aut negaiionem veram esse, die worte ^ ipeubf) sind ein 
»isats den B. nicht kennt (ygl. meine ausgäbe, wo nur die hs. 2>, 
<fer kein wert heizulegen ist, diesen zusatz bat). c. 9, 18** 31 
wtt oÖT€ ßouXeöecOai b^oi fiv odre TTpaTMareäccGai , u)c £dv \khf 
Tobi iroti)cu>9i€v, {erat Tobl, töv bi \i^ Tobi, oök icxax Tobi <» quare 
«OH opofidrit neque consüiari neque negatiarij quoniam si hoc fadmus^ 
trit hoe^ si vero hoc^ non erit. es ist klar, dasz B. vorgefunden hat, 
was auch ein&eber und natürlicher ist : £dv bk Tobf , OÖK ^crai. er 
kennt weder }xf\ noch das letzte TObt, und damit stimmt auch seine 
eridftrung im commentar. c. 9, 19* 3 xat ^Kacrov Ti&v tcvofi^- 
Vttnr del ofiruic eixev "^ d unumquodque eorum quae fiunt {jiyopii^ 
vuiv eod« e bei Waitz) sie se haberd. del hat B. hier nicht gelesen* 

c 9, 19* 9 KoA 5ti flXuic £cTtv iv Tok ti1\ dei ivepToOci tö bu- 
voTÖv elvoi xal }xf\ öfxoiuic »» d quoniam est omnmo in his quae 
nom semper adu sunt esse possibUe d non* das letzte wort öjüioiuic 
bat B. nicht gekannt c. 9, 19* 18 qnxvepdv dpa ÖTi oöx drrovTa 
& dvdriciic — > mamfedum edy quoniam non omnia ex neoessitate* 
^ bat B. nicht fiberaetzt, sondern mit qxxvepöv den nachsatz be- 
gonnen, c 10, 19 ** 33 die worte diröq>acic toutou hat B. nicht. 

e. 11, 20^ 14 ddv M^ Ev ti Iji tö ix tuüv iroXXdiv bnXou^evov -» 
ü mm ed unum ex pluribus. tö br)Xoii^evov sind zusfttze die B. 
aieht gekaant hat* c 11, 20^ 24 f| b^ TrpdTQCic dvTiq)dceu)C 

* dMs Waite 21« 90 mit recht dem cod. n folgte, zeigt jetzt »ueh 
ibcriragend der berichtigte text des B., der für f^ töv Ttv& XeuKÖv dv- 
•pwiM* Xcim6v genau entsprechend hat aut auendam album kominem album, 

' fprachlich sei hier auf die merkwürdige ersehe inung hingewiesen. 



250^ CMeiser: des BoetiuB üben. d. AnstoteliBcheu Bchrift ircpl ^^iivciac. 

fxific jiöpiov SB propmtio vero unitAS contradiäioms est. |i6piov ist 
offenbar eine Interpolation im texte des Aristoteles. c. 11, 21 ^ 
14 UJCT6 ouK ^crat tö Xcuköv jiouciköv £v ti == quare non erü al- 
hum musicum. iv ti kennt B. an dieser stelle nicht, es scheint eine 
Wiederholung ans der vorangehenden zeile 8|üiujc oök &Tai t6 fiou- 
ciKÖv XeuKÖv Hv Tl. c. 11, 2V 31 inl toutuuv tö tI ical dirXuK 
dXriO^c ^CTtti eiireiv =ss in his ä ampUciier verum erü dicere. den 
Zusatz TÖ Ti scheint B. nicht gekannt zu haben. c« 12, 21** 29 

oÜTuic dvToOOa TÖ liiv elvai xal ^f| elvai d)c uTroK€()i€vov Tiveioi 
SB eodem quoque modo hoc loco esse quidem subiedum JU: nicht bloss 
kqI |Lif| elvai, was auch in der hs. n von erster band und in einigen 
andern bei Waitz fehlt, sondern auch tbc scheint B. nicht gehabt za 
haben. c. 12, 21 ** 34 : dasz Waitz gegenüber Bekker hier und im 
folgenden das richtige sah, indem er die kürzere fassung Tonog und 
die interpolationen ausschied, bestätigt jetzt auch die tibersetzong 
des B. ich habe nach der betreffenden stelle des commentars der 
secunda editio, unter der Voraussetzung dasz dort der text des 
Aristoteles vollständig citiert ist, in dem stttzchen oö y&p dvn(pd- 
C€ic dXXfjXuJV a\ TOiaOrai auch noch die worte ol TOiaCrai ausge- 
schieden, c. 12, 21^ 37 dXXd tö buvaTÖv elvai kqI ^f| buvcnröv 
cTvai o{lb^iTOT€ tnX toO auToO d^a dL\r\QevoyTa\ ^^ sed pos- 
sibüe esse et non possibüe esse numquam simid stint. B. hat also am 
schlusz dieses satzes nur vorgefunden: oöb^iroTC d^o, kein £iri toO 
auToC und kein dXrjOeuovTai wie 22 ^ 3 , wo diese worte auch im 
cod. n bei Waitz fehlen. c. 12, 22* 3 ö]Lioiuic tk Kai toO dvar- 

xaiov elvai dTTÖq>acic oö tö dvaincaTov mt) elvoi «= simüüer autem 
et eius quae est necessarium esse^ non^ necessartum non esse, die 
meisten hss. haben non est negatiOy ich habe aber, einer hs. folgend, 
nur non in den text aufgenommen, wonach diTÖ<pacic als interpola- 
tion aus dem text auszuscheiden wäre. c. 13, 22* 38 q>av€pöv 5f| 
ÖTi oöx oÖTUJC ix^x SS manifestum quoniam non eodem modo: hi\ und 
iX^x fehlt bei B. (ix^x hat auch die hs. n bei Waitz an dieser stelle 
nicht), c. 13, 22'' 8 intx oä cimaivci T€ TaÖTÖv tö T€ ävomcaiov 
kqI tö dbuvaTOV »■ nam idem significai necessartum et inpossibüe: 
die negation oö war also B. fremd. c. 14, 23* 27 irÖTCpov bi 
ivavTia icriv f| xaTdcpacic t^ dirocpdcei i^ f\ KaTd<pactc t^ Kora- 
q)dcei BS uirum autem contraria est adfirmatio negaiioni: den Zu- 
satz i^ f) KOTdcpacic Ti) Karacpäcei kennt B. nicht. c. 14, 23 ^ 39 
die worte dXt]8f)c tdp xal aÖTT) imd 24* 1 i|ieubf|c tdp auTT) sind 
zusfitze, die B. nicht kennt. 



dasz mulH nnd plures ihre bedeutung nahezu vertauscht haben mUuen: 
denn B. übersetxt iroXXoi wie an unserer atelle häufig mit plures ^ da- 
gegen 20*» 8 irX€(ouc diToq)dc€ic mit tmdtae negaäones] ausserdem drückt er 
irXciouc auch mit maffi» plures aus, wie 20* 1 irXciouc bi sm magU plures 
autem, auffallend übersetzt er 20^ 21 das erste iroXXai mit muttae, das 
Bweite mit plure». 23* 1 ist itX€Iövuiv« mit plurimorum wiedergegeben 
(irXcCouc = plures 23^ 5, irXetcrov <— plurimum 23^ 23). 



CMeiier: dei Boetiaa übers, d. Anstoteliachen Bchrift ircpl dp^nvciac. 251 

n. 

C. 1, 16* 6: da Boetius constant übersetzt quorum atäem haec 
primorum notat und auch so erklärt, so hat er nicht TrptJ6TU)C ge- 
lesen, sondern irpiAruiv (irpdiTOV haben bei Waitz die hss. öG). 
c 2, 16* 25 «fi iXUs emm nMo modo pars skfmficaiwa est^ in his 
aviem vuU qmdemj sed fmlUus a^mrati {significativus wird yon B. 
wie das griechische a)MavTiKÖc mit dem gen. verbunden). B. masz 
tko gelesen haben äXV oöb€v6c K€XU)piCfi^vou, nicht K€XU)ptC)i^- 
V0V| und damit stimmt auch seine erklfinmg im ersten commeniar 
s. 49 (meiner ansgabe) und im zweiten commentar s. 323 (Baseler 
ioagsbe): in duplicilms vero vuU quidempars significarey sed nullius 
separaii siffnifieaiio est: denn so ist an dieser stelle nach den hss. 
zn lesen, c 7, 17 ^ 12 tö T^p Träc oö TÖ KaOdXcu cii|üiaiv€i dXX' 
2ti koOöXou. da B. Übersetzt omnis namque non universale ^ sed 
^ttmam umversäUter eonsignificat ^ so musz er auch hier Trpoc- 
oyiotvct gelesen haben, wie 20* 13 steht tö iräc . . oi}biv fiXXo 
vpocouiaivct 1^ ÖTi KaBöXou usw. c. 9, 18 ^ 24 b^oi fäp &v }ir\'te 
TCv^cOat vau^ox(oiv ^^€ iii\ T€V^c9ai «» oportebit enim neque fieri 
ttorafe heOmim neque non fkri naväk heUum. B. hat demnach nach |Lif| 
TcWcOat noch einmal vaufiaxiov vorgefunden, wenn nicht eine inter- 
poUtion in der lai Übersetzung vorliegt. c. 9, 19* 4 ö T€ T^P 
<iXi|6iuc elir^ Tic «= quando enim vere dicU {cUxU?) quis. B. bat also 
&TC gelesen, nicht 5 T€ und im folgenden (19* 5) hat er T€v6jii€V0V 
Torgefanden {enu bei Waitz), nicht x^vö^evov, da er übersetzt et 
qw)d factum est. c. 9, 19' 33 Jjct' inA ÖMoiwc o\ \6fOi dXr)- 
Öcicvkirep t& TrpdtMOTa. B. wird gelesen haben Acirep xal rd 
itpdnf^iara: denn er übersetzt: quare quoniam simUiter orationes 
TfTßeswU quemadmodum et res. in der nftchsten zeile übersetzt er 
ta dvavT<a mit contraria ipsorum, scheint also rd dvavria a u t iii v 
pleien tu haben. c. 10, 19^ 26 und 30: was die verschiedene 
i<e>art diesw stelle betrifft, so steht in den hss. des groszen commen- 
ttn des B. , abgesehen von der ausführlichen erlftuterun^ s. 387 
('Bsseler ausgäbe), auch vorher noch unmittelbar nach der über- 
ietnmg folgende wichtige stelle, die in der Baseler ausgäbe s. 384 
aas weggelassen ist: fertur autem etiam alia [in]scriptio^ quae est 
^ modo: dko autem quoniam est aut homini adiacebit aut non ho- 
Mi, quare et negaüo. et rursus paulopost: est enim hoc loco et non 
^ hoinm adiaeet. haec igiiur^ quemadmodum in reschdoriis dictum 
^, sie sumi disposUa. c. 10, 20* 5: da B. übersetzt idem fa- 
nunt sie ixMrt^o, so musz er gelesen haben tö aÖTÖ notei oötuj 
Tid^va, und darauf führt auch die hs. n bei Waitz, die von erster 
^iftd Tieijicvac (so) hatte. c 10, 20* 13 Actc tö irdc f\ ftn- 
^k oäbiv dXXo irpocoiMatvci f\ ön KaOöXou toG övö^aTOc f\ Kard- 
90QV ii diföqMtctv -a quare omnis vel nuUus nViü aUud consignificat 
•M quoniam universaliter de nomine vel adfirmat veH negat. wenn 
<^ Übersetzung bei B. richtig überliefert ist (und die hss. bieten 
koae Variante), so musz er im griechischen gelesen haben f\ xard- 



254 MHertE: miscellen. 

TOUC ^TTlTpÖTTOUC, ÖCOl TOIC dCTOlC HVOX f{ Ka\ boCXoi ^ITlTpOTTCUOUCl, 

buibCKa-nmöpiov Trpi&Tov toO c{tou , töv bk Hvov cic irävTa tov 
^f)va djvcTcGai citov ^^v Kai öca ircpl cTtov äropqi tQ irpiim)* 
bCKdrq bk toO ^nvöc Ti\y tuuv iJTpi&v o\ jüiiv irpaciv, o\Ü 
übvfjv iTOi€icOu)cav bt' öXou toO \ir\y6c Ixav^jv* danach fuhr Platon 
offenbar fort Tpirov bk eUdöt tüüv 2Iuiiuv £ctu) irpacic usw., 
nicht wie in den hse. steht und so viel ich weisz bisher anstandslos 
gelesen worden ist, rpiTi] bk cUdbi (so A) oder TpiTg bk xai eixäbt: 
in gleichen zwischenr&amen sind die tage angesetzt, am ersten 
monatstage und je am ende der ersten und der zweiten dekade, 
nicht am ersten, zehnten und am dreinndzwanzigsten, ohne dast ftr 
letztem unsymmetrischen attsatz irgend ein innerer gmnd beizu- 
bringen wftre. 

62. 

Auf das wort ropia hat in anknüpfung an eine stelle des ersten 
buches der ars des Sacerdos s. 461, 19 ff. E. über den asUismosptf 
simüttucUnem und einen daselbst erhaltenen spottvers auf Pompejus' 
MHaupt die aufinerksamkeit gelenkt (Hermes I 31 f. «= opusc. in 
325). ohne Haupts zu gedenken hat BPeiper dasselbe wort be- 
sprochen und nach meiner meinung mit völliger Sicherheit bei Ca* 
tullus 37, 10 hergestellt': totius vobis \ frontem tabemae rqpionibus 
scribam^ wo die hsl. Überlieferung sapionihus ist, meist scorpionihus 
gelesen wird und allerlei sonst ist yersucht worden, was sich in der 
anmerkung von Baehrens zusammengestellt findet, mit nicht min- 
derer Sicherheit wird das wort dem Petronius am anfange des zvei- 
undzwanzigsten capitels wiedergegeben werden dürfen, es ist hier 
überliefert: cum AscyUos gravatus tot malis in samnum läberäur, 
iUa quae iniuria depuisa fuerat andUa (?) totam fadem eins fuUginc 
longa (?) perfiricuü et non seniienits labra amerosque sopäiombus 
(lies ropionibits; die bisherigen heilversuche s. bei Bücheier) j>ifixi< 
die einfache Verderbnis des ropionüms durch sqpionQ)us, wie bei 
Catull, hindurch zu sojpitionibus scheint mir dabei wahrscheinlicher 
als sopüi rqpiombus^ das ich zuerst ins äuge gefaszt hatte und dA3 
unabhängig von mir ein mitglied des hiesigen philologischen Semi- 
nars, hr. Eugen Sauermann, vermutete. 

58. 

Theodor Bergk hat es im Jahrgang 1876 dieser zeitschhil 
8. 279 ff. ge&Uen bei gelegenheit der Veröffentlichung einiger con- 
jecturen zu Gellius mit meiner vor nunmehr fünfundzwanzig jähren 

* de ast^^eyismo . . i»l^6^tmo« fit triöut modi$: per eupkemian . . 
per eacemphaion . . per similiiudinemf quo modo dictum est de Cw^ane . . 
et illud de Pompeio, quicolori» erat ruöei, eed animi tnoereeundi *fU€m non 
pudet et rubety non est Aomo, sed ropio*. ropio autem est uunium mtt piscit 
robeus aut penis, 

* ein etwaiges bedenken dagegen wird durch Lachmunns anmer- 
kung SU Lner. I SSO (vgl. auch HAKoch ezerc. crit. s. 16) beseitigt. 



MHertz: miBcellen. 2Ö5 

enehienenen textausgabe dieses Schriftstellers in ein strenges gericht 
lu gdien nnd sie als eine art mnster einer jetzt gangbaren verwerf* 
liehen kritischen methode hinzustellen, ich habe, was an vorwtlrfen 
ia dieser sehr verspftteten recension gerecht ist, in meinen 'vindiciae 
GeUianae alterae' Madvig gegenttber schon yorher selbst zngestan- 
den, aber auch zum groszen teile mit dem gleich damals aosgespro- 
chenen zwecke jener ausgäbe motiviert; mich mit Bergk in einen 
streit einzulassen verspflrte und verspüre ich keine neigung; seine 
bentellungBTersuche werden, wie ich hoffe, in der yon mir yor- 
bersiteien neuen ausgäbe erw&hnnng finden, annähme, so weit mein 
orteil abgeschlossen ist, nur der zu II 13, 5, wol auch das gleich zu 
erwümende praehibiiü. hier will ich mir, da eine erOrterung mir nicht 
ohne interesse scheint, 6ine der von ihm behandelten stellen bespre- 
chen, die der bekannten Catonischen erzfihlung von der heldenthat 
des Q. Caedicius (in 7) angehört, eum sttsttdere^ heiszt es hier § 19, 
U^ convaUiU saqpeque jpostiUa (wie ich mit Vat. Bottendorffl hfttte 
schreiben sollen — was Bergk mit recht verlangt — statt des aus P 
sufgenommenen pastütam) qperam rei piMioae fartem aique strenuam 
perkUmä {prciehibuU Bergk, nach den ergebnissen der neueren Plau- 
tmisehen textesermittelungen — s. Lorenz zu Pseud. I 2 , 59 — 
sieht ohne Wahrscheinlichkeit) iüoque facto ^ quod ülos müUes sub- 
diucU exerdtumque ceterum servavü^ htu: %isque nohüikdur: er setzt 
dabei fiu und nobttUatur der einfachen und yerstttndlichen, von mir 
beibehaltenen hsl. ttberlieferung iUogue facto ^ quod ütos müües suth 
duxä^ exercUum ceterum servavü hinzu, 'man betrachtet' sagt er 'die 
werte exercUum cäerum servavU als nachsatz; aber dies brauchte 
Ctio nicht so nachdrücklich hervorzuheben: dasz dies der erfolg 
Miner aufopferung war, ist schon früher gesagt worden und ergibt 
lieh aus dem zusammenhange zur genfige. dieser satz kann nur dem 
vorhergehenden satzgliede coordiniert sein: ich habe exercUumque 
gesehrieben, sonst kOnnte man auch atgue der gewohnheit des Cato 
gemisz hinzuAigen, da das asjndeton hier sehr hart wftre. eine an- 
deofcung des vermiszten nachsatzes hat sich nur im P erhalten, der 
hiator eervaimi noch huc usque folgen Ifiszt. ich habe nobüUatur 
hiniQgesetzt; dieser ausdruck ist vielleicht für die Intention des 
Cato zu stark, aber ich weisz nichts passenderes zu finden.' dasz 
die vorgebrachten inneren gründe nicht zwingend sind , vrird jeder- 
msim zugestehen; aber das huc usque des P scheint auf den ersten 
bück mehr berflcksichtigung zu fordern, als ich ihm durch still- 
schweigende weglassung habe angedeihen lassen, ist hm. B. , der 
sbsiehüich vorzugsweise stellen aus den sieben ersten büchem des 
6. ausgewlhlt hat, 'weil die bisher bekannten proben des kritischen 
spparatef einigermaszen einsieht in die fortschreitende Verderbnis 
der flberliefemng gestatten', unter diesen proben nicht aufgefallen, 
dasz derselbe P ebenso sinnlos 11 2, 10 nach Gh'onovs mitteilung 
OB solches huc usque einschiebt, wenn er schreibt: Uaque uiere apud 
Me Ms hanoribus prius huc usque quibus dornt quoque uestre te Miiti 



254 MHerts: miscellen. 

Touc ^niTpÖTiouc, öcot TOic äcToic iiyox f\ KQt boOXot dniTpoirevouci, 
bu)b€KaTii)uiöpiov irpuiTov toO cirou , töv bk livov eic irdvra töv 
fifiva uiveTcOai cTtov ^^v kqI öca ircpi ctTOV dtopqi t^ irpurTTj* 
bCKdri] be ToO fniivöc ii\y tuiv urpuiv o\ ^tv irpdciv, o\ii 
übvfiv TTOicicOuicav bi' öXou toO mi)vöc Ikqv^v* danach fuhr PIston 
offenbar fort Tpfrov bi eUdbt tuiv Zuiuiv jctui irpacic usw., 
nicht wie in den hss. steht und so viel ich weisz bisher anstandslos 
gelesen worden ist, rpiri] bi elKdbi (so A) oder Tpirg ht Kai eiicdbi: 
in gleichen zwischenrftamen sind die tage angesetzt, am ersten 
monatstage und je am ende der ersten und der zweiten dekade, 
nicht am ersten, zehnten und am dreinndzwanzigsten, ohne dasx fllr 
letztem unsymmetrischen ansatz irgend ein innerer gmnd beizu- 
bringen wäre. 

52. 

Auf das wort rapio hat in anknüpfung an eine stelle des ersten 
buches der ars des Sacerdos s. 461, 19 ff. E. über den asUistfuios per 
sifnüUiuUnem und einen daselbst erhaltenen spottvers auf Pompejus' 
MHaupt die aufinerksamkeit gelenkt (Herme» I 31 f . <== opusc lü 
325). ohne Haupts zu gedenken hat BPeiper dasselbe wort be- 
sprochen und nach meiner meinung mit völliger Sicherheit bei Ca- 
tuUus 37, 10 hergestellt': totius vöbis \ frontem täbemae rapumiims 
scribatnj wo die hsl. Überlieferung sqpionihus ist, meist acorpumhus 
gelesen wird und allerlei sonst ist Tersucht worden, was sich in der 
anmerkung von Baehrens zusammengestellt findet, mit nicht min- 
derer Sicherheit wird das wort dem Petronius am anfange des zwei- 
undzwanzigsten capitels wiedergegeben werden dürfen, es ist hier 
überliefert: cum AscyUos gravatus tot mälis in samnwm laberdw, 
iüa quae iniwria depuba fuerat anciüa (?) totam fadem eius fidiginc 
longa (?) jperfricuit et non sentientis labra umerosque sopUiombus 
(lies ropionüms] die bisherigen heilversuche s. bei Bücheier) |»fiii^ 
die einfache Verderbnis des rqpionibus durch sopionibus^ wie bei 
CatuU, hindurch zu sopUionibtiS scheint mir dabei wahrscheinlicbei 
als sopUi rqpionibus, das ich zuerst ins äuge gefaszt hatte und das 
unabhängig von mir ein mitglied des hiesigen philologischen Semi- 
nars, hr. Eugen Sauermann, vermutete. 

53. 

Theodor Bergk hat es im Jahrgang 1876 dieser Zeitschrift 
8. 279 ff. gefallen bei gelegenheit der Veröffentlichung einiger con- 
jecturen zu Gellius mit meiner vor nunmehr fünfundzwanzig jähren 



^ de ast(^e^i$mo . . asi^eyiemoi ftl tribus modit: per euphewnan . . 
per eacemphaton . . per eimiliiudinem , quo modo dictum est de Caröone . . 
et iUud de PompeiOf guicoloris erat ruoeif eed animi ttwerecundi *ptem non 
pudet et rubet^ non est homo, eed ropio*, ropio rnUem est «tmidR mä pucit 
robeuM aut petde, 

* ein etwaiges bedenken dagegen wird darch Lachmannt anmer- 
kong zn Lncr. I SSO (vgl. auch HAKoch exerc. crit. 8. 16} beseitigt. 



MHertz: miBcellen. 255 

erschienenen textaasgabe dieses Schriftstellers in ein strenges gericht 
xa gdien nnd sie als eine art mnster einer jetzt gangbaren verwerf- 
lichen kritischen methode hinzustellen, ich habe, was an yorwttrfen 
in dieser sehr verspftteten recension gerecht ist, in meinen 'vindiciae 
Gellianae alterae' Madvig gegenttber schon vorher selbst zugestan- 
den, aber auch zum groszen teile mit dem gleich damals ausgespro- 
chenen zwecke jener ausgäbe motiviert; mich mit Bergk in einen 
streit einzulassen verspürte und verspüre ich keine neigung; seine 
berBtdlungBversuche werden, wie ich hoffe, in der von mir vor* 
bereiteten neuen ausgäbe erwfthnung finden, annähme, so weit mein 
orteS abgeschlossen ist, nur der zu II 13, 5, wol auch das gleich zu 
erwümende praeMMt. hier will ich mir, da eine erOrterung mir nicht 
ohne interesse seheint, 6ine der von ihm behandelten stellen bespre- 
chen, die der bekannten Catonischen erzfihlung von der heldenthat 
des Q. Caedicius (in 7) angehört, eum stistülere^ heiszt es hier § 19, 
is^ eonvaJuü saqpeque jpostiUa (wie ich mit Vat. Bottendorff. hätte 
schreiben sollen — was Bergk mit recht verlangt — statt des aus P 
Hingenommenen pasttUam) operam rei pvMioae fortem atgue strenuam 
M {prciehibuU Bergk, nach den ergebnissen der neueren Flau- 
textesermittelungen — s. Lorenz zu Pseud. I 2 , 59 — 
nicht ohne Wahrscheinlichkeit) tUoque facto ^ guod iUas müUes süb- 
iuxU exeratumque cderum servavit, hoc usque nobüikUur: er setzt 
dabei gue und nolnlitatur der einfachen und verständlichen, von mir 
beibehaltenen hsL Überlieferung iUogue faäo^ quod iUos müUes suh- 
duiU^ exereiium ceterum servavü hinzu, 'man betrachtet' sagt er 'die 
werte exercUum ceterum servavit als nachsatz; aber dies brauchte 
Ctto nicht so nachdrücklich hervorzuheben: dasz dies der erfolg 
seiner aufopferung war, ist schon früher gesagt worden und ergibt 
lieh aus dem zusammenhange zur genüge, dieser satz kann nur dem 
torheigehenden satzgliede coordiniert sein: ich habe exereUumqu^ 
gesdirieben, sonst kOnnte man auch atgue der gewohnheit des Cato 
gemisz hinzufügen, da das asjndeton hier sehr hart wäre, eine an- 
deotong des vermiszten nachsatzes hat sich nur im P erhalten , der 
hinter servami noch huc usgue folgen läszt ich habe nohüUatur 
hinzugesetzt; dieser ausdruck ist vielleicht für die Intention des 
Cato zu stark, aber ich weisz nichts passenderes zu finden.' dasz 
die vorgebrachten inneren gründe nicht zwingend sind , wird jeder- 
mann zugestehen; aber das huc usgue des P scheint auf den ersten 
blick mehr berücksichtigung zu fordern, als ich ihm durdi still- 
ichweigende weglassung habe angedeihen lassen, ist hm. B. , der 
abiichüich vorzugsweise stellen aus den sieben ersten büchem des 
G. aasgewählt hat, 'weil die bisher bekannten proben des kritischen 
ipperaief einigermaszen einsieht in die fortschreitende Verderbnis 
der fibeiliefenmg gestatten', unter diesen proben nicht aufgefallen, 
dasz derselbe P ebenso sinnlos 11 2, 10 nach Ght)novs mitteilung 
ein lolehes huc usgue einschiebt, wenn er schreibt: Uaque uiere apud 
Me Mf honoribuB prius huc uaque guibus dornt guogue uestre te uti 



256 EHeydenreich: zu den echolien der Aratea des Germanicus. 

priorem decet? was Gronov freilich auch verwerten wollte, indem 
er privüegUsque Yorschlog. doch GronoTB irrtom hier, BeigkB irr- 
tum dort ist Tcrzeihlich; von mir wftre ein gleiches Yerfahren on- 
Terzeihlich gewesen, da ich dasselbe huc usgiue in dieser hs. nodi an 
fünf anderen stellen der ersten fünf bttcher gefunden hatte: I 8, 6 
(penUere non tanti emo huc usque sed)', I 26, 9; III 9, 9; IV 5, 6; 
V 9 , 3 ; danach kommt es auf die rechnung eines Schreibers , wahr- 
scheinlich nicht des P, sondern seiner vorläge, wol als bezeichnung 
des endes eines erledigten oder zu erledigenden pensums, bestimmt 
nicht auf die des Gellius selbst. 

Breslau. Martin Hertz. 

29. 

ZU DEN SCHOLIEN DER AEATEA DES GERMANICÜS. 



Die sog. scholia Sangermanensia hat Brejsig ^Oermanici Cae- 
saris Aratea' s. 105 £f. nach handschriften veröffentlicht, von denen 
nur eine einzige bis in das neunte jh. hinaufreicht, um so wichtigre 
ist daher für diesen tezt der codex Dresdensis misc nr. 183 (dessen 
Inhalt bei Bunte ^Hjgini astronomica' praef. s. 1 1 ff. richtig ange- 
geben ist), da derselbe ebenfalls dem neunten jh. angehört; vgl. 
Bursian in den Sitzungsberichten der Münchener akademie 1876 
bd. I s. 3 und meine schrift über die Hjgin-hs. der Freiberger gymn.- 
bibl. (Leipzig 1878) s. 1 u. 26. von den lesarten dieser Dresdener 
hs. sind bis jetzt nur die zur Astrologie des Hjginus von Bunte, und 
zwar in unzuverlässiger weise, veröffentlicht, sie enthält die ange- 
gebenen scholien von fol. 13*" bis fol. 31^, bis zur schluszbezeichnang 

EXPLICIT LIB ASTBOLOGOBVM. s. 116 bei Breysig z. 11 bietet 
jener codex des neunten jh., den Brejsig benutzte und mit be- 
zeichnete: minor ardurus qiU ad aquSonem adiaoä in longitudine 
habet quartam partem aequinadiaUs circM et softes VIL a loten 
atUetn habet sortem unam et semis quae ab VIII partibus minus 
sunt. Breysig hat aus coigectur Uir partibus geschrieben sortibus. 
die richtigkeit dieser änderung wird bestätigt durch den codex Dres- 
densis fol. 14*^, wo sofiibus mit deutlicher schrift steht. 

Da die Breysigsche Überlieferung eine nicht geringe anzahl zu- 
gestandener lücken aufweist, so wird man auch an stellen, wo der 
text bei Breysig einer erweiterung nicht dringend bedarf, wo aber 
die Dresdener hs. zusätze hat, an deren echtheit zweifei aus inneren 
gründen nicht obwalten können, eine lücke der Breysigschen Über- 
lieferung annehmen und die echtheit der Dresdener zusätze zuge- 
stehen müssen, ein solcher fall liegt zb. vor s. 119 z. 21. ^ier feh- 
len die Worte der Dresdener hs. in getm unam^ in tibia unam hinter 
den Worten in dextera coxa duaSj sind also in den Breysigschen 
manuscripten, wie vieles andere, ausgefallen. 

Freiberq in Sachsen. Eduard Hetdbnreioh. 



LSchwabe: anz. ▼. REllis commentary on Gatalliis. 257 

ao. 

A ooioonrrABT on oatüllus bt robiuson bllis. Oxford at 
tfae darendon prew. (commitsionrrerlag Ton T. 0. Weigel in 
Leipsig.) MDCCCLXXYI. LXIY il 400 b. gr. 8. • 

Dieses bach bildet nach inhalt, format, druck usw. den zweiten 
band zu der 1867 erschienenen kritischen CatoUausgabe desselben 
t£: wie denn auch in dem vorliegenden werke jene ausgäbe als 
enter band Afters beseichnet wird, nur dass der früher erschienene 
teil in lateinischer, der commentar aber in englischer spräche ge- 
•dizieben ist, trennt beide: buchhftndlerisch betrachtet ist jeder 
band selbstBndig. der commentar ist ein lange gepflegtes, mit aller 
seigCiklt und reifer sachkunde unternommenes und durchgeführtes 
werk und ist schon, weil es an einem neuem irgend wie brauch- 
baren Ctttullcommentar fehlt, ebenso aber auch seiner eignen tüchtig- 
keit wegen von allen freunden des dichters willkommen zu heiszen. 

Die 'prolegomena' (s. XTTT — Lxm) geben eine kurze zu- 
•ammenfimsende darstellung der litterarischen Verhältnisse, unter 
denen Catnllus sich entwickelte, seines lebens, seiner dichtung usw. 
der hanptwert der arbeit liegt selbstverständlich in dem commentar, 
der so eingerichtet ist, dass an eine je nach bedtir&ds kttrzere oder 
liBgere einleitnng zu dem betreffenden gedickte, welche besonders 
soeh die historischen Verhältnisse zu erörtern pflegt, die erklärung 
dei einzelnen sich anschlieszt der vf. legt (prefaoe s. XI) ein be- 
•onderee gewicht auf die von ihm beigebrachten parallelstellen 
(panllel citations or illustrations), von denen er sagt: 'er habe sie, 
ao weit nU^lich, lieber von den Vorgängern und Zeitgenossen als von 
den naehfolgem des dichters entlehnt, lieber von den seinen lesem 
weniger geläuflgen (hackneyed) schriftsteUem wie Plautus, Ludlius, 
Tano, ils von den allgemein bekannten, lieber von Griechen als 
▼on Lateinern.* gegen den subjectiven zug in diesen grundsätzen 
lieese sich manches triftige einwenden : besonders bedaure ich dasz 
der vf. die imitatio CatnUiana in dem commentar hat zurücktreten 
laaeen, welche doch in verschiedenster beziehung sehr lehrreich ist. 
textkritische ansftthrungen finden sich in dem buche wenige, weil 
die textkritik als durch den ersten band erledigt angesehen wird, 
ei wird daher eigentlich nur der im ersten bände festgestellte text 
eddlrt dadurch wird freilich der commentar sehr einseitig, weil 
w eich ant die Widerlegung gegnerischer ansichten, so weit sie auf 
Tcciehiedene lesungen sich beziehen, kaum einläszt: nur selten tre- 
ten hier ansfUhrungen des ersten bandes ergänzend ein. damit mag 
ein mangel bezeichnet, soll aber kein Vorwurf erhoben sein, ebenso 
wenig dttnit daez die sprachlichen und metrischen eigentümlichkeiten 
dee £ehters nicht umfassend genug erOrtert sind, denn wo finden 
fich denn die oommentare, welche dem Schriftsteller, dessen erklä- 
nuig sie gewidmet sind, allseitig gerecht werden oder auch nur 
gerecht zu werden versuchen? in der art seiner Untersuchung ver- 

lOrMeter Ar riMt. phUol. 1S78 hft 4. 17 



258 LS<sbirabe: anz. ▼. Rfillk commentoary on Calalltts. 

leitet den Tf. das streben nach Selbständigkeit des Urteils gar nicht 
seltttDL ZQ einer gewissen zweifelstlchtdeiy die allerlei m^iigUchkeiten 
aufspürte ohne doch dieselben energisch zu verfolgen und zu er- 
ledigen, so leiden seine darlegungen oft an einer ziemlich unbefrie- 
digenden unentschlossenheit, und anderseits ist es merkwürdig, dan 
der so bebüt^lone vf» wieder gar nicht selten alle vorsieht bei seite 
Ittszt und sehr unbegtOüdete meinange^s aufeteUt. 

Aber alle diese ausstelliingen kCiitteli, mm dies noekmak aus- 
drtteklich hervorzuheben, dae aUgemeine wissenschaftliche verdienst 
dieses werkös nicht schmfllem und dfirden uns nicht abhalten dis 
vielseitige hilfe, die es dem leser Catulls darbietet, dlüÜEbar ann* 
erkennen. 

Ich will im folgenden im ansehluse an die vorliegende arbeit 
eine reihe von stelleü bespreöhen uhd, da ich bei der fülle des stoiee 
auf eine bestimmte seite mich zu b^schr&nken genOtagt bin, voftngs* 
weise einige nachtrttge zu dem vom vf. vorgelegten matenal der er- 
klftrung liefom. 

1 , 4 meas esse (üiqmäputaf^ nugasl der vf. vergleicht Cie. «I 
Att. IV 2, 2. mit dem zusammei^hang unserer stelle stimmt besser 
Ausonins tedinop. praef. s^ 195 Bip. tu faoies mi sM Mfwü {cor- 
mina). 6 ^mme aevum Mhus «x^Mcmt carHs] gime fthnlieh der- 

selbe Ausonius ep. ad Paul, s. 256 aiiamm ut eUiuB i^emas levkitgtn 
tehan^HistoriamfmmöBcaf^wMUnqiieä&mi: (ShwuhofnM mJlhaiBy 
tot saecula isöHdita eartis^ Quae sua ^ tol^oM tempunn^ mastra 
ffravant. zu iribus . . eatUs, wo carta nach seltenem spraohgebraoob 
so viel ist wie K^er, ein einzelnes buch eines Schriftwerkes, bitte die 
schon von Scaliger und Isaak Vossius beigebrachte stelle dee Serenes 
Bammonicus nicht fehlen dürfen : de fMd. 7d8 tertia iMLmqn^ TUti 
simtü et centesma Zivi Charta docet fetno Mem camdente doiorm 
Exseetum. 8. 9 qmegtM hoc HheOi QtMk09tmquo] diese spraeUkh 
schwierige stelle ist nicht genügend behandelt, auch d»e betiehong 
der Worte o patrona Dirgo (v. 9) auf die Muse erregt mir bedenken, 
wie der vf. erklärt freilich auch JSüss in seinen ^Gatalliaaa' (Acta 
sem. phO. Erlang. 1877 I 1 ff.), sonat versteht man die Worte von 
der Minerva, die entsdieidung ist nicht leiohft. ich mMite doeb la 
tfunsten Minervas an stellen wie Ov. fM. m 8S3 und Briap. 8, 10 
(man vgl. if¥^ita, pmffui MmeirtHi) erinnern, auch an das ooäeffhm 
poetarum im tempel der Minerva Aventina; toner datvn daea Cat 
die Musen stets in der mehrzahi nennt (65, 2. 3. 68, 7. 10. 105, 2; 
s. auch 35, 17). die von Süss als nadiahmung unserer stelle ange- 
zogene stelle Priap. 2, 4 f. kann meiner meinnug nach für uisere 
stelle nichts beweisen, dem hauptgrand der gegen Minerva hier 
geltend gemacht wird, dasz für die sehlttpfrigen nitffae Catolls Mi- 
nerva eine wunderiiche patrona sei, läszt sich die &rage entgegen- 
stellen, ob denn die co^oe, Pierius Chorus, sarores gerade in dieser 
beziehung passender genannt sein würden, übrigens ist es doch 
klar, dasz die anrede o patrona virgo nicht eine ftierliohe, ernst ge- 



LSchwabe: ans. t. fiJElUs eonunentazy on CatoUns. 259 

nemie ist, die ftus hingdkendem glauben «n die macht, sei es Mi- 
aarvu, aei es der Muse entsprttage: tfondern dasz aie, die dem leaer 
ja gtm QBetwftrtei kemmti gegentlber dem leiditen neckischen ton 
des ffßXMKL gediohte -durch htimorieti^chen contcaat wirken 80II. 
danuB der poxB|khafte gdhlsesv tind eohon darum empfiehlt sich, 
sdaint mir, die beaiefafoig aof die erhabnere jongfrftuliche scbuta- 
benin der dichter, auf Minerva. 3| 7 Htamque norai Jpaam tarn 
bme qimm pueBa malrem wird erklärt ^Ipiam* toüh ^mßtrem* ms 
W «ery mother*. das fl&hrt nns zn der sprachlich und aachlich ganz 
tuifflögliohen aoffassong: passer suam ipeam mairem tarn hene qmm 
fiitBaMMmipsammiärem nofok* was Ellis gegen die richtige er- 
Uireng einwendet, iet nkht stichhaltig« wenn einmal, was on- 
xweifidhaft iat, ipsa so viel als äßmima geworden war, wiMnun sollte 
msB dann nioht sua ipsa «» smia äcmiwk haben sagen können? 
man Tergleiohe 32, 1 m&a duMsipsi^iSa« das freilioh noch nm einen 
guten achritt weiter der «rsprfiaglkhen bedeutnng entfremdet ist. 
16 : hier hftlt anfilüliger weiee der yf . auch jetzt noch an seiner 
Tennatong vat faäum mcäe, vae miseUe passer fest, obwol doch, um 
von anderem zu schweigen, die nachahmung in der grabinschrift Ton 
loch (ygl. zb. Hermes I 68 oder Philol. XXV 136) schlagend die 
richtigkeit der italiftnischen besserung faäum tnaHe erweist. 
(, 1 : bezflglich dieses vierten gedichts (ße phaseUo) mag eine stelle 
Caesars (de heUo gaU. T 8) angeführt werden, welche zeigt dasz bei 
Etutsezpeditionen manche teilnehmer ihrer bequemlichkeit wegen 
eigene schifie hielten : magnae manus . . inuUtiiudine navium pefieT" 
ntaCf quae ctim annotinis privatisque, quas sui quisque oommodi fece- 
rot^ amplius DCCC uno erant visae tempore, 20 sive utrumque 
luppitfr Smul secunäus incidissä in pedem] vgl. Nonnos Bion. IV 
231 boupoircrric iröjiTreue bi' oTbjiaTOC &p^a OaXäcoic (Kadmos) 
IcdZurv lKdT€p6€ veu^c iröbac. 22 neque uHa vota lUoralibus deis 
Sibiesse facta] von Paris, der nach Griechenland schiffl;, heiszt es 
bei Kolluthos 202 icai Xex^iuv dirfKOupov i<p€C7ro^^VT)v *A9poblTTiv 
noUdmc dicrdoiciv IXacxö^cvoc Gu^ccciv "enXecv *€XX/iC7rovTOV. 
in des Orpheus Argon. 346 dicTaiouc t€ 6€0uc. 5 , 4 soles occi- 

^e et redhre possunt] ein bis dabin unbekanntes zeugnis ftlr d iesen 
Vers ans einer Bemer handschrift bei Hagen anecd. Helv. s. CCXX 
wfei ire et redire possunt. 7, 4 lasarpiciferis . . Cyrenis] bezüg- 
lich des süphium war auf LMüllers numism. de TAfrique ancienne 
1 106 S, und snpplem. (Eopenh. 1874) a. 18 zu verweisen, über 
^e form las a rpicifer vermisse ich die nötige erlSuterung. man vgl. 
Plantus Pseud, 816 lasarpici (so BCD — rud. 630 ist laserpiduim 
überli efert — ), femer lasar bei Macrobius 11 4, 12, bei Plinius n. A. 
V 33. XVn 259, auch XXXVII 204 und bei Apicius VTH 839. 341. 
•'^59. 262. 371 usw. lasaratum ebd. VIH 371. 8, 11 perfer, oJh 
dura] dazu führt der vf. an Ov. am, HI 11, 7 perfer et öbdura. die- 
lelbe Wendung gebraucht Ovidius noch ars am. II 178 und trist. V 
11, 7. auch Gulio bei Quint. IX 2, 91 mag genannt sein: dtira, 

17* 



260 LSchwabe: anz. ▼. REllis commentary on Catollos. 

animej dura: here fartior fuistü 10, 9 respandiy id guod erat] 

ich führe noch an Cic. ^»ist. lY 6, 2 exisHmäbam id quod erai^ cmm 
me fruäus perdidisse^ Petronius 111 ratus scüicä id quod tnA^ dende- 
ni«m extincti non passe femmam pati. 18 non . • mihi tarn fini 

nuiUgne, %U . . non usw.] Cic. in Verrem lY 43, 95 numquam tarn 
mcde est SicuUs, quin äliquid facete et commode dicant. 31 venm 
• . quid ad me?] Sentius Augurinas bei Plin. ep. IV 27 sed qind ad 
me? 32 utar tarn bene quam mihi pararim] des gedankens wegen 
zu Tergleichen Cicero de off, HL 14, 58 venaks quidem se hartos wm 
habere^ sed Heere uii Canio, si vdlet^ ut suis. 11 , 3 hier bfttt« 

doch dem localen ut bs ubi einige auimerksamkeit geschenkt wer- 
den sollen, es war darüber Haupt opusc. IE 199 zu vergleichen, 
dasz der yf. zweifeln kann, ob auch 17, 10 «/ »> ubi sei, ist mir on- 
begreiflich. 5 unrichtig erklärt sich der vf. gegen die accosaüv- 
form Äräbas^ die Baehfens mit recht aufgenommen hat. demi da 
die Oxforder hs. , wie ich aus eigner vergleichung bestätigen kann, 
arabas ue hat und die von St. Germain aräbaes qj (das deutet also 

auf ursprünglicheres arabas) bietet, so musz die durchaus tadellose 
form Arabas zugelassen werden, vgl. Hör. carm. I 35, 40. qnst. I 
6, 6. Ov. met. X 478. Livius XLV 9 usw. 22 qui ülius culpa 

cecidit vekU prati Vltimi flas] Festus s. 363 M. *tam perü quam tx- 
trema faba* in proverbio est^ quod ea pierumque out proterüur oW 
decerpUur a praäereuntibus. vgl. Bibbecks com. lat.' s. 123. 
12, 1.5: zu dieser stelle, worin der wert des entwendeten tuches 
nach dem geber bemessen wird, vgl. die originelle inschrift eines 
thongef&szes (CIG. I 515. OJahn Münchner vasena. s. CXI) KT)q>i- 
coqpiuvToc f) KuXiE. ddv b^ Tic KaräSi], bpaxpf)v diroTicei, biiipov 
öv TTOpä ZevuXXou. 13, 8 plenus sacculus est aranearum] ich 

erinnere an die hübsche anwendung des sacuius in einer weifa- 
inschrift des C. Julius Bufus an den luppiter Poeninus auf dem 
groszen St. Bernhard bei Mommsen inscr. Helv. nr. 51 s. 76 "^ 
monatsber. d. Berl. akad. 1863 s. 514 o^ tua tempia Jubens vota 
susoeptaperegi: Accepta ut tibi sint^ numen adoro tuum, Inpenaisnon 
magna quidem te, sancte^ precamur^ Matoremsaculo nostrum animum 
accipias. 14 deos rog(ibis Totum ut te fadant, FabutUy nasum] 

Lessing 161.. und ein scMnes mädchen sehe^ mächt' ich lauter äuge 
sein. 14, 18 nam si luxerit, ad Ubrariorum Ourram scrima] vgl 
Mart. lY 86, 9 si damnaveritj ad salariorum Ourras scrinia. in den 
gleich folgenden werten Caesios^ Äquinos^ Suffenum omnia coOigam 
venena versteht Ellis Suffenum als accusativ. unrichtig : denn nach 
den verallgemeinemden pluralen Caesios Aquinos würde das singu- 
lare Suffenum^ ganz der absieht des dichters entgegen, sehr ab- 
schwächend wirken, fsszt man dagegen Suffenum als genetiv des 
plural, was sprachlich keine Schwierigkeit hat (vgl. zb. Kühners 
ausf. lat. gramm. I 292 und viirum Cat. 64, 192. 68, 90; deim 63, 
68. 64, 23; dwum 64, 27. 387. 76, 4; cgnäxOum 63, 21; coettoolMm 
68, 138 ; TroiMgenum 64, 355), so erkennt man leicht, dasz statt der 



LSchwabe : anz. ▼. REIHb commentary od Gatallas. 261 

erwarteten weBdung Caesias Äqumos Suffenos cMgam der dichter, 
von seinem eifer fortgerissen, das letzte glied noch weiter aosgemalt 
hat 16, 11 qui äwros nequeuni nuwere lumhos] Verg. caidl. 5, 
21 nee te movere hmbuhs in caUuHa. Eomolpas bei Petronius 140 
podagrieitm se esse kumbarumque schdarum anrnUms dixerat, 
17, 3 arura poniicuii axuleis staniis in redivwis] hier wftre hervor- 
zobeben gewesen, dasz axuUs mit sarkastischem spott gesagt ist. 
eine ordentliche brücke steht anf tüchtigen, derben pfosten. jene 
aber, will Cat sagen, steht nicht auf pfosten, sondern auf sogar 
schon einmal gebrauchten dflnnen brettem. über redMvue vgl. jetzt 
LLsnge in Cartins stndien X 227 ff. 15 : warum schreibt Ellis, 
entg^en der guten Überlieferung, haedo statt 4iedo? s. Yarro de l. 
ist y 97 quod mie (inSabims) 'fedus\ in Lotio tute 'edus': gui in 
wrbe,^in muUis, 'a' addäo 'aedius\ Qnintü. I 5, 20. 21 UOis 

isU mens stppor] hier war vor allem hinzuweisen auf Verg. eatal. 
3, 4 iuone mmepudla taUSy ei tuo Stapore pressa (ach , von dir esel 
geherzt) tue aXnbü? 25, 1 cinaede ThäUe mollior amicuU ca- 
pSlo] Plaatns and. 1112,8 iia fuslibus eum mollior magis quam 
nAm einaedus* fthnlich sagt Juvenal 8, 15 von einem liederling va- 
meäEvtffonea qi¥jmiiummmioUior agna. \One . . mami^ • . mo2Z»- 
<xBw Imuia iurpUer ii^ flageOa oonseribaent] vgl. Ludlius XXX 
1S7 M. et Museoni* manum personbereposse tagacem. 29, 3 Mannur- 
ram] dafttr dasz die erste silbe dieses namens lang sei spricht auazer 
den von EUis angefahrten stellen (Hör. s<ä. I 5, 37. Mart. IK 59, 1. 
14, 11) und der etjmologie auch Mämufim bei Prep. Y 2 , 61 und 
Ov. fast, m 260. 389. 392 (so auch Mämercua Juv. 8, 192 ; Mart. 
II88; JKamerftfiitf Xm 117. aus Ljkophron 938 und 1410, wo 
Md|iffrroc Torkommt, läszt sich die quantität des a nicht erkennen, 
dagegen steht freilich 1417 Mä^^pca). nadi meiner meinung hat 
udi Caiall diese silbe hier nicht als verkürzt angesehen wissen 
woUaa. auch 57, 2 ist Mamurra vom dichter als antibacchius ge- 
Beucn worden. 5. 9 cinaede BomuUi] bezüglich der hohnischen 
anrede Caesars als ^Bomulua' ist namentlich auch Plutarch Pomp. 
S& zu vergleichen, wo erzählt wird dasz der consul Piso in oppo- 
ntion gegen die lex Gkibinia, welche dem Pompejus fast unum- 
lefafliikte gewalt gegen die seerftuber in die band legen sollte 
(€87/67), von Pompejus gesagt habe: ön *Pu))uiuXov Ivfiwv oö qi€Ü- 
hvn loöriv £k€iv«{i räioc. 23 orbis . . perdidisUs omnia] vgl. 
Trebelliug €hMiem 17, 9 et iocari ee dicdnü^ cum orhem terrarum 
w diqm e perOdiesä. 24 gener socerque perdidistis €mmd\ auszer 
te Ar diese bezeiöhnung des Caesar und Pompejus angeführten 
iteUen (Verg. oaM. 3, 6. Verg. Aen. VI 830. Lucan I 114. Mart 
IX 70, 3) mOgen noch verglichen werden Sidonius Apoll, carm. IX 
S36 B. 1233 ^xm. pitgnam iertku tue (Lucanua) OaOicani Dixü Cae^ 
aarif, itf gener soeerque Cognaia mpuHerini in arma Bomam. 
Mittudus Felix Oclav. 18, 6 generi ä soeeri heUa Mo orhe diffusa 
MM<. FloruB n 18, 13 morte lüliae Caesaris ßiae^ quae nupta Pom- 



254 MHerts: miscellen. 

Touc ^niTpÖTiouc, öcoi ToTc äcTOic S^voif^ Ka\ boOXoidniTponeuouci, 
biubCKaniiLiöptov irpuirov toG c(tou, töv bk livoy eic iräyraiöv 
pT)va diveicOai cTtov ^ky kqI öca ircpi citov ätopqi tQ irpurn)* 
bcKdri) be ToO piivöc Tf)v tuiv t/rpu^v ol jüiiv irpäciv, o\ U 
düvfiv TTOtcicOuJcav bi' öXou toO ^iivöc Ikqv^v* danach fuhr Plston 
offenbar fort Tpfrov bk eUdbi tuiv Zuiuiv ^ctüü irpäcic mm., 
nicht wie in den hss. steht und so viel ich weisz bisher anstandslos 
gelesen worden ist, rpiri] bk eUdbi (so A) oder Tpirg bt xal thmbv. 
in gleichen zwischenrftamen sind die tage angesetzt, am ersten 
monatstage und je am ende der ersten und der zweiten deksde, 
nicht am ersten, zehnten und am dreiundzwanzigsten, ohne dass fUr 
letztem unsymmetrischen ansatz irgend ein innerer gmnd beizu- 
bringen wftre. 

52. 

Auf das wort rapio hat in anknüpfung an eine stelle des ersten 
buches der ars des Sacerdos s. 461, 19 ff. E. über den asteismasptf 
sitnüUtuUnem und einen daselbst erhaltenen spottvers auf Pompejus* 
MHaupt die aufinerksamkeit gelenkt (Hermes I 31 f. «= opusc. in 
325). ohne Haupts zu gedenken hat BPeiper dasselbe wort be- 
sprochen und nach meiner meinung mit völliger Sicherheit bei Ca- 
tuUus 37, 10 hergestellt': totius vobis \ frontem täbemtMe ropumibus 
scribatnj wo die hsl. ttberlieferung sqpiombiM ist, meist soorpumbus 
gelesen wird und allerlei sonst ist versucht worden, was sich in der 
anmerkung von Baehrens zusammengestellt findet, mit nicht min- 
derer Sicherheit wird das wort dem Petronius am anfange des zwei- 
undzwanzigsten capitels wiedergegeben werden dürfen, es ist hier 
überliefert: cum AscyUos gravatus tot mälis in somnum laberäur^ 
iUa quae iniuria dqnUaa fuerat ancSHa (?) totam fackm eius fidiginc 
longa (?) jperfiricuit et non sentientis labra umerosque sopUionilus 
(lies ropionüms'j die bisherigen heilversuche s. bei Bachelor) |»fui^. 
die einfache Verderbnis des rqpionibus durch sopiontbus^ wie bei 
CatuU, hindurch zu sopUionibus scheint mir dabei wahrscheinlicher 
als sopüi rqpionibus j das ich zuerst ins äuge gefaszt hatte und das 
unabhängig von mir ein mitglied des hiesigen philologischen Semi- 
nars, hr. Eugen Sauermann, vermutete. 

53. 

Theodor Bergk hat es im Jahrgang 1876 dieser zeitschiifi 
s. 279 ff. gefallen bei gelegenheit der Veröffentlichung einiger con- 
jeeturen zu GeUius mit meiner vor nunmehr fünfundzwanzig jähren 

' de ast^^e^ismo . • ait^e^ismot ftt tribus modit: per eupkemian . 
per eacemphaton . . per eimiliiudinem , quo modo dictum est de Caröone . . 
et iUud de PompeiOt qyi colorie erat rubei^ ted atiimi in»ereemndi ^quem non 
pudet et rubet^ non eet homo^ sed ropio*. ropio mUem est mMum mit piscii 
robeus out petus, 

* ein etwaiges bedenken dagegen wird durch Lachmannt anmer- 
knng zu Lncr. I SSO (vgl. auch HAKoch exerc. crit. 8. 16) beseitigt. 



MHertz: miBcellen. 2Ö5 

enddenenen textausgabe dieses Schriftstellers in ein strenges gericht 
xn gdien und sie als eine art muster einer jetzt gangbaren verwerf- 
lichen kritisehen methode hinzustellen, ich habe, was an vorwtlrfen 
in diesor sehr verspftteten recension gerecht ist, in meinen 'vindiciae 
GeUianae alterae' Madvig gegenttber schon vorher selbst zugestan- 
den, aber auch zum groszen teile mit dem gleich damals ausgespro- 
ehenen zwecke jener ausgäbe motiviert; mich mit Bergk in einen 
streit einzulassen verspürte und verspüre ich keine neigung; seine 
ber&tolluiigsversuche werden, wie ich hoffe, in der von mir vor* 
bereiteten neuen ausgäbe erw&hnnng finden, annähme, so weit mein 
arteil abgeschlossen ist, nur der zu II 13, 5, wol auch das gleich zu 
erwümende praeMMt. hier will ich mir, da eine erörterung mir nicht 
ohne interesse scheint, 6ine der von ihm behandelten stellen bespre- 
eben, die der bekannten Catonischen erzählung von der heldenthat 
des Q. Caedicius (in 7) angehört eum stistukre, heiszt es hier § 19, 
is^ conväluU aa^peque postHHa (wie ich mit Vat. Bottendorffl hätte 
Khreiben sollen — was Bergk mit recht verlangt — statt des aus P 
iofgenommenen postüUm) qperam rei pubUcae fortem aigue strenuam 
perkibuU {prathibuU Bergk, nach den ergebnissen der neueren Flau- 
tinisehen textesermittelungen — s. Lorenz zu Pseud. I 2, 59 — 
nicht ohne Wahrscheinlichkeit) iUoque facto ^ quod ülos müUes sub- 
iuxU exerdhtmque cderum serf^at^, Aue usque nobüUatur: er setzt 
dabei gue und nobiUtaiur der einfochen und verständlichen, von mir 
beibehaltenen hsL Überlieferung iUogue facto ^ quod iUos müUes suh- 
duxü^ exercUum ceterum servavü hinzu, 'man betrachtet' sagt er 'die 
Worte exercüum ceterum servavü als nachsatz; aber dies brauchte 
Cito nicht so nachdrücklich hervorzuheben: dasz dies der erfolg 
seiner aufopfemng war, ist schon früher gesagt worden und ergibt 
lieh ans dem zusammenhange zur genüge, dieser satz kann nur dem 
vorhergehenden satzgliede coordiniert sein: ich habe exercUumquc 
gesdirieben, sonst kOnnte man auch atque der gewohnheit des Cato 
gemisz hinzulügen, da das asjndeton hier sehr hart wäre, eine an- 
deotnng des vermiszten nachsatzes hat sich nur im P erhalten , der 
hinter eervaivU noch hue usque folgen Ifiszt. ich habe noMiUatur 
hinzugesetzt; dieser ausdruck ist vielleicht für die Intention des 
Cito zu stark, aber ich weisz nichts passenderes zu finden/ dasz 
die vorgebrachten inneren gründe nicht zwingend sind , wird jeder- 
mann zugestehen; aber das huc usque des P scheint auf den ersten 
blick mehr berückeichtigung zu fordern, als ich ihm durch still- 
•ehweigende weglassung habe angedeihen lassen, ist hm. B. , der 
ibeieh^ch vorzugsweise stellen aus den sieben ersten büchem des 
G. aosgen^lt hat, 'weil die bisher bekannten proben des kritischen 
kpparatef einigermaszen einsieht in die fortschreitende Verderbnis 
der flbeiliefennig gestatten', unter diesen proben nicht aufgefallen, 
dsn derselbe P ebenso sinnlos 11 2, 10 nach Oronovs mitteilung 
ein solches huc usque einschiebt, wenn er schreibt: üaque uiere apud 
MC Ms konoribus prius huc usque quibus domi quoque uestre te uii 



264 LSchwabe: ans. v. BEUis commentary on Catolliu. 

groom's love is inconBistent with anj sirong or yi4)lent expression 
in his features.' der aristokrat reinsten wassere (s. v. 213 und m. 
quaest. 8. 340) spielte vielleicht etwas den blasierten, gleichgültigen, 
sehr ähnlich ist der gedanke bei Tibull lY 5 , 17 opUU idem iuvms 
quod nos (Solpicia), sed ieäius optat: Nam pudet haee ühm dieert 
verha paUxm, von anderem standpnnct aus Ov. ars am, I 276 vk 
nuüe dissimfdai^ ieäius iSHa (das mfidchen) cupU. 204 qMd cuptf 
capisl der paronomasie wegen zu vergleichen mit Verg. cataL 4, 7 
ducU ut deeä; doch hat die lesart der Oxforder hs. quod cupis cnjpii 
viel bestechendes. 207 üle . . siderum . . micaniium Subducai 

numerum priiu] hierzu die schönen worte in dem dritten Solisdien 
gedieht Theokrits (30 , 25) ÖTTXC boxi^ot TÖv boXofidxavov Niköi- 
C€iv f pov, oCtoc boKijioi Tok ÖTT^p ä|üi^^u)v €öp€iv ppa'tbtuic ial- 
pac ÖTTTTOCcdKiv dvv^a. 62, 2 expecUxta diu vix tandem] Juv. 
8, 87 expeäata diu tandem. 7 nimirum Oetaeoa ostei%dü noäifer 

ignes] zu den vom vf. angeführten stellen, welche den aufgang v(m 
gestimen an den Oeta hin versetzen , mag noch gefügt sein Lygda- 
mus (Tibullus) m 4, 21 cum summa Phoebus prospexit ab Oeia: 
denn so liest Markland richtig statt des überlieferten oriu, für die 
Wendung ostendit ignes bietet Horatius eine gute parallele cofm, m 
29, 18 iam darus occuUum Ändromedae pater (— das stembild Ke- 
pheus) Ostendit ignem. 16 amat vidaria curam] ist nachgeahmt 
Ciris 55 amat Pölyhymnia verum. 34 nocte latent fures] vgl. Ot. 
ars am. 1 249 nocte latent mendae. 45 : den versuch das allerdings 
sehr merkwürdige dum — dum (■» quamdiu — tamdiu^ wie es schon 
Quintilian faszte) dadurch zu erklären , dasz der hauptsatz als durch 
sie pudla und ein zu ergänzendes opteüa est gebildet angesehen wird, 
zu welchem die beiden dum -Sätze als zwei parallel stehende neben* 
Sätze hinzutreten : diesen versuch , sage ich — den übrigens schon 
Döring gemacht hat — wird niemand billigen, jenes doppelte oor* 
relative dum findet sein gegenstück in Plautus truc, 11 1, 21 dum 
häbeaty dum amet. ubi nü habeat^ oKum quaestum eoepiat: s. Fleck- 
eisen in diesen jahrb. 1870 s. 648. über dum überhaupt s. Savels- 
berg im rhein. mus. XXVI (1871) s. 135. auch an ausdrucksweisen 
wie die Tbov , die i^dviiv , uit vidi ut perü^ div Ibcc div ctwatc kcv 
iboTcd TU r^ }xf\ iböVTi und ähnliches war zu erinnern. 6S, 4 
devdvü He acuto sibi pondere sHicis] so schreibt Ellis auch heute noch, 
freilich, wie es scheint, nicht ohne bedenken, hier ist sowol decolvit 
als auQh He und ebenso pondere sehr anstöszig. ich zweifle nicht das 
das von mir und Baehrens aufgenommene das richtige ist. wegen 
des verhüllenden ausdrucks pondera iUi ist zu vergleidhen Petronios 
92 häbebat enim inguinum pondus tarn grande^ ui ipsum hommem 
lacmiam fascini crederes ; Mart. VII 35, 4 sed meus, uideme taceamy 
Laecania^ servus ludaeum rvuda sub cute pondus habet (s. auch 
Amobius VII s. 220 ingentium Jiemiarum magnitudine ponderosi). 
6 membra sine vtro] dieselbe bezeichnung der entmannung auch 
bei Petronius 1 19 v. 21 Persarum ritu m/oUi/e pubesoemiüms imms Sur- 



LSchwabe: ansk t. REUis commentAry on Catalliu. 265 

ripuen ttk&s exBedaque viscera ferro In pmerem fregere, 8 cUata] 

der dichter behandelt von hier an den Attis auch grammatisch als 

weih, der ▼£. verweist für diesen gebraach des femininmns anf 

Boot SD die. ad AU. IV 11, 2 nnd was er anführt, ich erwfthne 

noch folgendes : bei Terentios eun, 357 heiszt es : eumichum. IT IBrnnne 

6bMaroImhone8iumh(mnnem»»senemfMiUer^ Yerg. ^n. IX 614 

ven Flwygiae^ neque emm Phryges^ . . stmte armi viris et cedUe 

ferro (Tgl. Hom. B 235. H 96), weldie letztere stelle auch der vf* 

n ▼. 12 anftthrt in desselben Yergilius caUü. 5 wird der ange- 

griftne Lndns als mMebria passus angeredet (y. 17) qwidpaOuieti^ 

fmma? Jnyenal 1, 62 nennt den bnblknaben amica laoemata^ L« 

Torquitos den weidilichen, anf der rednerbühne nmhertSnzelnden 

Hortensins gesUeularia nnd Dion^isfa, letzteres mit dem namen einer 

bAamten ttbuerin (Oellius 1 5, 8). umgekehrt sagte Domitins Afer 

voB der Celsinm, quae enä potens femina^ als wBre sie ein mann: quis 

eü ide? (s. Qnint. VI 3, 85). 72 eertfa sOvicuUrix] mit dem äitof 

cifffipijvpv kann zunächst das Öfter vorkommende Mlf^ioola zusammen- 

gettsllt* werden, dann anch sümcdlena, in einer spanischen inschrift 

(CIL n 2660): ui qmrei vckieria caiprea» ui fiqere eervas^ Saetigeras 

^aproB^ iU equorum silvieolentum Frogeniem. 64, 1 PeJtood 

^MMidaiii progfküae verHee pmus] auf diesen vers spielt an Ovidius 

sswf. n, 11, 1 £ pnma mäku docuU^ mirafiHbuB aequoris undis 

PiUaeo pinus vertiee eae aavia s. 4 omm leäi iuvenes Ärgivae 

fdhrapMe] vgl Verg. Am. Vm 179 hm UcH hwenes und Vm 518 

rtihera pMs Uda. 28 puMn&rriima Neptumiiie[ es ist recht auf- 

ftOig, dass der vf. auch jetzt noch das weder hsL beglaubigte noch 

M^ieh oder sprachlich zulSssige N^phifime gegen Haupts unzwei- 

felhift richtige Vermutung Nereine zu rechtfertigen versucht. 

34 dofM ferunt prae se] Lncilius FV 45 hi prae se portant imgentes 

Miere pisces TrigMa rmmero. 60 maestia Minais ocMSf Saxea 

^ efißfies hae^anHe proapicU] vgl. Ov. met. UL 419 (Narkissos als 

«r win bild in der queUe erblickt) kaerei %U e Fario formaium nun-- 

«orv si^fNMii. 78 — 80: der vf. führt an (irregeleitet durch Mei- 

Mke lu Euphorien 27 in den Analeeta Alexandrina), dasz drei auf- 

«asader folgende versus spondiad sich (erst) die Alexandriner er- 

baWen. aber schon bei Homer B 658—60. 7 17—19. A 49—51 findet 

lieh dies: vgl. ALudwich de hex. spond. (Halle 1866) s. 22. 

83 fwnera Ceerqpiae nee funera] dieser viel besprochenen stelle sehr 

ttni idi sa gt Ovidius are am. n 93 und (sich selbst wiederholend) 

"w<. vm 231: ai pater infdix nee iampater ^lear^ damai. funera 

«0c fwnera sind die athenischen für den Ifinotauros bestimmten 

g*eiida, die man schon als dem tod verfielen ansah, die aber durch 

Tkeieae dem tod entrissen wurden, so war Daidalos vater des Ika- 

^1 aber indem Ikaroe stürzt und stirbt, ist Daidalos nicht mehr 

*it«. 139 ai non kaee quondam nobis pramissa dedisU] vgl. 

^•rg. Am. XI 152 non Aaee, o PaUa^ dederae promissa parenü, 

Itt miBa viro wranti femna eredai usw.] hierauf spielt Ovidius an 



266 LSokwabe: ans. r. BEilü oommentary on Catolltt«. 



ifrs am. I 457 ptnreiU^ Gearopiäes, mranü ereden The$eOy iim$ fueiä 
iestea^ feoU et afiie^ deos. 161 : ivia hier Ariadne wOnfichte wanig- 
atons als magd in der nähe des Theaens weilen, ihm daa bad rOitea, 
das lager bereiten zn dürfen, so sagt dieselbe Ariadne bei Soanoa 
XLVII 386 ff. <(ppa rnfnirruSw C€, nxA €l crur^ic 'Apuii6vi|V, ''Ofipa 
ircptttTuSui ce rdv öpKxmdniv fropaKoitiiv. AÜo ^c cdbv Xcx^uiv 
6aXa^iiiröXov, f^v dO€Xrjci}C . . . ica) crop^cu» do X^pa . • . TXi)- 
co^at die depdicaivo . . . TXuK€pf|i 6itcftt qp^etv fdirtböpmov CiHiup' 
Moiivov Ibui 6ncf)a nsw. 179 tmctdetUum ubi dMdü aequor] 
a. den yers eines ungenanotea dichters (des Enmus? Tgl. Bnnü reL 
ed. Yahlen a. 45) bei Cicero Tusc 1 20, 45. de not, deor. III 10, 24 
Eur4ipam LÜbgtxmque rapan vki dimdU unda. 359 : über die eilte 
{myatica) war hinzuweisen auf OJahn im Hermes III 317 fL 
273 Uni reaoMmt planyon €aokmn%\ yg\. Yerg. Am. Xn 607 kU 
resonoHt jpiangoribua aedes. 274 inerebneunt] über die sohrsib- 
weisen tnerebcioo und Mcrv^resoD ist besonders £u vergleichen Bflchelar 
in diee«! Jahrb. 1872 s. 113 ff. 282 quot (oder ^uoe) . ..omü 
parä ftoreg] vgL O?. ars am. Ul 185 qmi mova terra parit flom. 
29(6 quam qmmdam sßM re$Mctits membra caUna PereoMi (Prome* 
theas) pendens e vertieihm praemptie] der vf. sahwankt, ob sS/ki als 
ablatio oder als dativ za fassen sei. aber das wort ist, wie alle neue- 
ren hgg. eingesehen, vetdeitt. für Heinsins Bc^Mcis^ oder Ar m 
Scjfthia^ was ich voiigeBchlagen (index sehol. Dorpat. 1865 s. 17) 
sind zn veiigleiohen : Mari aped. 7, 1 gtuditer in Scißthica reli§akt 
rupe Prometheus, ders. XI 84, 9 Mc tmaerum SeyMoa s¥lb tupe iVe- 
meOiea radaiy Olandian gigantem. 21 infdix &ytiWco fixua coneob 
Prome^eue^ Ausonioa s. 220 Bip. eicoa inter rupea Seiftkicae MdU 
aUtibus erux, Vmde Prameiheo usw. 312 deactera tum iemter cMm- 
eens poOiee filum] Ov. met. IV SS e quäna una iem dedueem pMoe 
ßtmL der hier geeehilderle Vorgang des Spinnens wird vorii^CUch 
erläutert durch ein griechisches vasenbild, daa jüngst BlOmner iü der 
aroh. Ztg. XXXV(1877) tf. 6 (s. 52) TeröffentHcht hat M, 5 fiOHh 
guemetmtperLeOuteögurgitef^risPäilididmnman^ 
pedem] sehr ähnlioh ist (Petronins) fr. 52, 4 (m anth. kt. 478 a) 
ecee refuso Qurgüe eecuros adlmt unda pedes. 66, 13 noetmfia . . 
risa] Tgl. Yerg. Aen. XI 736 at non in Venerem aegnes noctwmaqiu 
heüa. 40 adiuro teque tuumgue eaput] vgl. Cicero de domo ma 
57, 145 meque aiquemeum capui ea condieione devovü auch giaeohisck 
so : Soph. OK. 750 äei C€ icnbeiiouca kqI tö cdv nipa. Tgl. Mcb 
Aias 1147. übrigens fand CatuU bei Kallimaohos eine andere Wen- 
dung (fr. 35*") cifiv T€ Kdp^v dti^oca cöv tc ßiov. 45 cum Medi 
peperere novwm mare\ vgl. denselben ansdruek von derselben saebe 
bei dem scholiaaten zu Jut. 10, 174 ^vdifieaiue Aihos*: Servern gm 
Athanem montem in Aehaia dieitur perforasse et immieiase terris mh 
vummare. 60 ferri strimgere dwritiem] mit recht hat der vfL diese 
treffliche Vermutung Hejses (statt firangere) adgenonunea. Tgl. 
Yerg. Aen. YIU 421 striäurae Chalghum, auch Rutilius Namat. Um. 



LSoiwftbe: an^ ▼. BGUis eommentaij on CataUttfl. 267 

IShSBikmtflMgcpotiofshrieliuraomnme. 51 : mit dem aasdmek 
dmiäa^pendo antecomae • . Borares Usztrieh wol Teigleioheii Mut. 
UV 148 CJodiees*) mtdo stragula ne taro patermt^ lunctae no$ Ubi 
w nm wi wnmB* d7 Ztph^^fntki^ hier war doeb darauf hinzuweir 
m, dMS YOB duaem tempel dar Aphrodite Aiirinol^ Zephjritis nodh 
nste ToriiandoB änd: 8. i. b. GKXlIeocaldi *k tempk da Vanns Ar« 
naoe an cap Zaphyrimn', rev. aroh6oL 1869 XIX 266 \ Aiuris ^AkMle 
BOT 1« £meB8i0na da temple qae Ptolemöa Phfladalpha a fait con- 
ilrave snr le aap Zepbyrium' ebd. 1869 XX 377. 68», 1 ooaiitfMd 
cypvMtf Mette] yarg.il0ii.V 700 eafiue0ficiianiaoe0r5c>. 23 omfiia 
l«m ima jierieriffi^^aiidia fiosfra] Anson. ^. ter. 36, 6 s,. 117 Bipr 
«daaitkiaeterfejKrierMfii^iiifdJai^aa. 34 tBadoMi», ISaimAi 
«fef] das lat etwa -» OZa NM^ dofts^^loi fi€d0f. s. Clo. qw«^. IV 8, 2 
ftmuiitQfmtttkasedt jmwMiot^ 86; wiasiob Oatoll entechnldigt, 
dan er nicbt au hause sei und seine büdher entbehrei so Sohbomas 
Lirgns üOfmpoB. Mad. pxmef. 25 t^Moseea oMAim^ si paneae maae tibi 
fmriM compomMones d non ad omnia vUia scrijkae. sumus mmi, lä 
sck^fmgre, Mac seqmtiurnoßfMneoessarnuadmodumniH^^ 
ianna. 39: daahaLeopiaixMto ett^ dessen man sieh gam aanüShma, 
«m es nur vcm seilen das spraohgebraaebs möglioh ersobiene, hat 
lach dar ▼£. nieht ganllgand sebtttsan kOnnen. snr atHize memar 
maotang copia parta ttt führe ich an Plautos BaodL 673 qmd 
< a is ia ai> t^pÜHT, stufte, quomam oeoasio ad eam rem fitU Mea wiute 
rmta, wt ^ mMmimm wiBes ta/ittmm mmeres. 68^, 46 oarta hquatur 
eaai] da der vf. ansdraekliob den a^ectitiscfaen gabrandi von senex 
bei Msrüal xn dieser steile erwtthnt, so hiltte doch auch Mart XII 
^1 4 sngeillbri weiden sollen fama • . hquax eariaqw dicet anuB. 

<K) per aisdliimi eenam irmneU üerpepM] vgl. Luer. VI 1267 muUa» 
r^perpepidipasemheaprompta maeque Lamguida eemanmo cum 
evpoM »mmbra mderee^ 142 ingrahim iremüU idüepaireräiB om»$\ 
^ der vt aeina sobo» ans seinar ausgäbe (s. 276) bekannte ver* 
■itoag ttbar die ergSnaong dar Itteke Tor 142 und seine eridining 
bittet vafsaa meeh ainnal Torgebrooht hat, ist sehr su verwundam. 
a der Iflcke soll von — Aeneaa und dem verlost dar Ereuaa die rede 
gvviBBa aain und der vers 142 soll als befehl der Venns an Aeneas 
ventsaden werden : ^nirnm auf die schultern die unleidliche last des 
Titen', nemlich des Anchises ! es ist doch wirklich sonnenklar dasz 
^ Bslbstanrede des Catull an sich ist, wie 28, 13 päe nobües ami- 
^ (v^ auch ged. 8) oder wie Plaut. Men, 888 move farmicmum 
foAMi; 8tidi. 281 propera^ Pinadumj pedes hartare\ eist. IV 2 , 25 
Hsljtea, Ate age: ad terram adapice et dispice; Men. 554 propera^ Me- 
"Meftaie, ferpedem^ oonfer gradum; merc. 112 a^edtim, Acanihio^ 
Mffe ob$ te JaseOudmem usw. sodann ist klar, dasz toUe heiszt 'fort 
out': TgL Hör. oorm. II 5, 9 tcUe ciiptdtfMm immüis uvac, epist. 1 
12, 3 toBe qiierdlasi Verg. Aen. X 451 toOe minas; Friap. 12, 10 
^ Mfnoiii, iwciil oc tutie laterc\ Mart XI 11, 1 uiäepuer^ caÜces; 
^'^m FerreaiV65, l^ß toOe hone spem^ toOe hoc praesidium cknbus 



268 LSohwabe: anz t. BEllis commentary on CatoUns. 

Bomanis. endlich ist onus tremuU parentis parallel der dwri cura 
moiesta viri bei O7. ars am. TU 602 zu verBtehen. 147 si mbiais 
datur unis (dies)] Ter. eun. 793 dixtin hos mihi dies soU dare te? 
70, 1 nuQi se dicU muUer mea nubere maüe] hier durfte die nach- 
ahmung in dem epigramm auf L. Grassicios bei Saeton de gramim. 18 
nicht unerwähnt bleiben : soU Orassido se dixit nubere vdle, 
76, 23 contra me ut düigat iZZa] wegen der wendung contra düigen 
8. Plantns Ämph. 655. merc. 918. ^. 100. Yerg. catal. 13, 12. 
86, 6 guae cum pukerrima totaest{ Leshia )^ Tum ommbus una omnes 
surr^^ Veneres] Tgl. Nonnos Dion. XVI 45 nopOevticJi jap KdXXoc 
öXov cOXricev 'OXiifimov. 92, 2 Lesbia me dispeream nisi amat] 
fttr diese Wendung vgl. noch Verg. catal. 9, 2 dispeream^ nisi me 
perdidit iste putus, auch ebd. 13, 3. dann die spottverse auf Tibe- 
rius bei Suet. Tib. 59 tuper et immüiSy hreviter vis ommia dieam? 
Dispeream, si te mater amarepotest. dasz der yf. aus Mart. XI 90, 8 
schlieszt, diese ▼erwünschungsformel sei zu Martials zeit eine alter- 
tümliche, altfränkische gewesen, ist irrig, die worte Martials be- 
ziehen sich auf die derbheit seiner äuszerung, nicht auf die form. 
95, 1 nonam pöst . . messem\ ygl. Petronius 89 iam deäma maest(» 
inter andpOes metus Phrygas ohsidebat messis. 111, 1 viro am- 
tentam . . solo] neben der stelle aus Plautus merc. 812 verdient er- 
wähnung des Afranius vers (117 Bibb.) nam proba et pudica quod 
sumy consulo etparco mihi, Quoniam comparatumst uno ut simus 
contentae viro. 115, 8 omnia magna haec sunt, tamm ^ 
est {Jllentula) maamnus uUro, Non homo, sed vero mmtula magna 
fiiif»aa;] wegen des gedankens und wegen der form (man beachte die 
allitteration) ygl. Mart. I 100 mammas aJtque tatas habet Afira: sed 
ipsa tatarum Dici et mammarum maxima mamma potest. feraer 
stimmt mit dem CatuUischen vers besser als alle yon EUis flir die 
redensart non homo sed . . angeführten beispiele der yon Claudios 
Sacerdos ars gramm. 1 153 bewahrte spottvers auf Pomp^us ^quem 
non pudet et rubelt, non est homo, sed ropio*. ropio aMtem — Algt 
Sacerdos hinzu — est aut mimum aut pisds robeus autpenis. s. 
ttber den yers MHaupt opusc III 824. 

TüBiNOBN. Ludwig Sohwabb. 



Thfiaaper: ad Ciceronis Philippicas I et IL 269 

31. 

AD CICEBONIS PHILIPPICAS I ET U. 



In prima oratiooiun quae dicuntur Philippicae § 32 sie editur: 
qw> Benahis die laäior? quo popuhu Bomanus? qui qiUdem nMa 
in amtiane umguam firequenHar fuit. tum deiuque UberaH per viraa 
fortisrimas fridebamur, quia^ ut %äi vchterafU^ libertatem pax oonseque- 
Mut. proximo, äüero^ tertio^ denique reUquis conseeutia diebus non 
intermiäebas quasi domm^ (diquod 0^^ ubi 

per mihi mira semper visa est yerbomm eonianctio : prtmmOy äUero^ 
Mo, demque rdiquis eonsecuHs diebus. ut enim aMero de eo qui se- 
qnitar altern m dici posse concedas, coius significationis ezempla 
ego qoidem deeidero: fidem tarnen, si quid video, excedit tertio verbi 
vm: gicnt noatri bomines solent qaidem dicere der gweitnächste^ nee 
Tcro der driänächste. qnod ipsum perspexit Ferrarios, qui proomno 
oMero de uno eodemqne die dictum esse sibi persuadebat: ad senten- 
tiam loci sane accommodate, ad loquendi consuetudinem non item, 
iure antem mirere, quod loci diffieultas nullam plane suspioionem 
Tidetar movisse nee recentissimis Ciceronis editoribus nee lexioo- 
gnphis, qui proximo^ äUerOj tertio etqs. habent ad unum omnes. 
01IUÜ8 tolletur offensio, si locnm ita mecum scripseris: tum denique 
^iheratiper vires fartissimas videbamur, quia, ut üU voJ/uerofU^ Uher^ 
iatem pax eonsequebatur proxime, aUerOj tertio, denique reUquiis 
(xmseeutis diebus non intermittebas quasi donum äHquod cottidie (sie 
Viticanns) adferre rei pMUcae. quod si cui displicnerint coniuncta 
iater se Terba consequi proxime, quae apud Ciceronem ubertatis id 
gemu amantiasimnm vix yidentur mirabUia esse, is cum superioribus 
cnticis cumque ipso librario codicis Bemensis (b) lenissima quidem 
Teram band necessaria mutatione scribere poterit pax sequebatur 
froxime: qua coniectura simul evitaretur idem consequendi Terbum 
duobuB Teraibus insequentibus repetitum. 

In alterius orationis paragrapbo altera in codice Vaticano haec 
kguitiir: an deeertare mecum votuü conientione dicendi? hoc quidem 
^benefidmm: quid enimpienius, quiduberius quam mihi et pro me 
d oMtfia Antonium dicere? idque defensum est dedita opera ab 
Hafanio in editione recentissima et receptum a pleriaque eorum qui 
baa oraücnes edidemnt; nisi quod auctore Seyfferto Kayserus cui- 
fiam Toeabulo ante quam inserto, Eochius autem in editione Teub- 
Bcnana lieere post dicere adiecto Ciceronis manum restituere sibi 
rant Tisi. at vero oodicum auctoritas — nam etiam inferioris notae 
Codices cum primario illo hac in re prorsus consentiunt — teneri 
uiOo modo potest: quod qui dubitet legat yelim Halmii explica- 
Üanem admodum elaboratam iUam quidem arcessitamque. dicit 
aim: *obne grund hat man die richtigkeit der lesart bezweifelt, 
^^ der Cic. sagt: gibt es einen reichem stoff als für mich die ge- 
etc., d. h. Iftszt sich ein reicherer redestoff erdenken, als 



270 TfaHaaper: ad CiceroniB FhilippicM I et II. 

wenn einem Cicero die gelegenbeit gegeben ist?* nihilo tarnen 
minus nee Sejfferti neo Kochii remedio fortiore opus est nee onmino 
alind qnicqaam bic inveniendum quam quod scriptum est in oodice: 
opus est unius vocis transmutatione. scripsit enim Cicero: onde- 
tertaire mecum veiuii eamtentume dicendi? hoe ^[mäem ed benefidum: 
qmd efitm mihi pLmintBi ^t^ alberius quam et pro m6 et etmfrs i^i- 
ianifum dicereF miihi igitur vocabulum, quod post «mm» faoUe potent 
oxeidere, in nat^iiie fuit adBeriptom, deinde at aescentifltts factum 
esse seimus, ftdso looo repositom. de etiios emendationis yeritate si 
qnis dubitet, i« oomferat buiüs ipains OBationis § 10 sed eum «M^ 
p&tres eonscripti^ et pro me aUgmd et in M. Äntonium mmUä dkeftda 
aint^ aUerum peto etqa. videtur aatem locus temporibuB iam antiquis 
oormptuB 0806, qnaiidoquidem apnd Quintiliaaum XI 1, 26 verba 
illa pUne eodem modo scripta sunt 

Seqtiitnr locus dif&oillimus, ubi meo quidem iudido est despeiiD- 
dam umquam expHoari poase certa conieotora quid soripaerit Cicero: 
§ 8. codex Yatioanus, quem duoem in bis oratioaibua fere mneom 
existimandmn esse nemo bodienegat, h»betdis9ertem/iisetlaekmttie 
fMcfem, imde alii alia coniecenmt : diserte, ut Tironi et Mttßtdae iam 
eeae videris Halmius, diserte^ ut Mustdae iam eeee et Tironi vUeris 
.Kajserus, diserte^ fä Mustüae et Tiirom teae wderü Klotrius, qui hac 
in re, nisi fallor, yerum est asseoutus^ quod noit recepit tarn illod 
Halmianum; nam quamquam ooniectura videtur eaae perfaeilis, tarnen 
quid sit boo loco tarn non i&tellego. 

In Vaüeano igitur codiee nuUa Tiroms mentio, quod nomen 
cum in deterioris notae codioibos D inveniatur: ut musteiae tarnen 
scio {tunium seius b, tafiium soius g) et tironi fKunim uidsm, id nihil 
babet aaetontatis nisi ooniecturae a librario aliquo ftetae. neo dubi- 
tandam est quin iam in oodioe arcbetypo, ex quo qui serrati nobis 
sunt Codices fluxierunt omnes, boc loco lacuna fuerit: in eo enim, id 
quod dooemur Vaticani codids condidone, noUum fere frequeniias 
mendi genus videtur fuisse quam singulorum pluriumve verborum 
lacunae. verum nesdtur et ubi sit laouna et quaenam nomina scripta 
fnerint in ea. quamquam plnrimum sane probabilitatis babet Tiroms 
nomen, ut facile oognoseas ex Pbil. Y § 6 et Xm § 2, unde id qiKKl 
bic babent Codices sine dubio est ortum; praeterea d non unum sed 
plura nomina scripserit Cicero, aliquid probabilitatis Oras$icii nomen 
babet, aliquante minus Petissiü* 

Iam si quaeremns quo modo illa laouna orta dt, satis finaam 



* quem tarnen rectiuB Peiimum vel potiuB Petisium nomineB. aaepe 
namero enim in Vaticano » geminata pro simplici $ scripta est, ut boc 
ipso de qao ag^mat loco dUierte^ maxime im neminibna proprik; PUl. 
I 7 hrtakdiänwH habet Vatioanos. Petiitio scriptora uno tantun loco 
Phil. XII 19 est in Vaticano, in aÜis piUtio (a b g) vel pisidio (t): sed 
tarnen ipse Taticanus alio loco XIII 8 babet petusium: onde iure tao 
Petttthtm vel Petisium legitimo vocaliam transitu illom Antonii conlnso- 
rem et sodalem appallatnin fnissa eredideris. 



ThHasperi <id Oioeronie PhilippioM I et II. 271 

qnidem hac in re eoniectoram faoere non poterimns — nam vel aliis 
loois band paucis, tibi in Vat. codide minorea maioresTe lacunae in- 
Teniimtar) nnlla fer« causa carom afferri potest nisi mems oeuloram 
error — faetnin tarnen esse poteet üt iUa eerte partionlae eum diserte 
Yocabolo similitadine deceptua libtarii oenhia eam ipsam partdcnlam 
«t qnaa erant intermedia inter atnsMque vocabnlnm omiserit. qoae 
▼«r6 post cormptum Mmtdae noinen {»roxime seqntmtnr in Yati- 
OBiio^ uiei cnm Elotzio tarn deleasy medioina nnlla videntar egere. 
ne miilta^: ex Yatieani ecriptura ^m» ei laetamesse mAariß faoio 
bor ^tM|d iuzta soriptnm est: «MMfefae tarn ease uideris sive 
adiflcbo in fine aive omisso veoabolo di&miust laoimam nt bnnc fere 
in modum expleas : diserte? [Tironi eerte ^] Mustdae tarn este viderie, 

Hand ita veri simile est nomen illnd altenun vel homina post 
uideriß Tocabalam scripta fiiisse in codice archetjpo diserte? Huste- 
lae tarn essevideris [diserttts et Tironi]^ ubi nomen altemm ab altero 
praeter necessitatem diremptam dispÜceat. 

Ad § 31 verba quid dids adscripsit Halmius: sc. eos esse^ ^toie 
nennst du sie?* sed quid dicis boc vix potest significare. scriben- 
dnm est qnantum auguror coniectura qui dicis «» quemadmodum 
dids? nibil enim frequentius in codicibus quam littera seqaente 
eadem yel adiecta yel omissa, ut ipsa d littera omissa est Pbil. II § 2 
in Yaticano qui despicere pro quid despicere^ adiecta § 13 quid duo 
pro qui duo, cf. Ter. Ad. 891 o qui vocare? IT Qeta. ' omnia recte se 
habebont si scHpseris: ccmfiteor eos^ msi J^beratores popM Bomani 
consefixiUjiresque rei puhHeae sint^ pUss quam sicarios, plus quam ho- 
micidaSj plus eticnn quamparrieidas esi^i si quidem est airocius patriae 
jparentem quam suum ocddere. tu hämo se^ens et ixmsiderate^ qui 
dicis? si parricidasy cur honoris eausa a fe swnt etinhqc ordine et 
ütpudpopukim Bomanum semper appeUoH? etqs. 

§ 71 sie scribitur: sed omitto eapeccata, quae non sunt eamm 
pMiumpropria, quibus tu rempuhUcam vexavisti: adipeas fuas partes 
{parHs seribendum est duce Yaticano) redeo^ iä est ad eivüe ie^ktm, 
qnod natum^ conflatum^ suse^tum opera tua est. eui heUo cumpropter 
Umiäüatem iuam tum propter lihidines defuisH, gustaras cwüem san- 
ffuinem vdpotius exsorhueras\ fueras m ade PharsoHca antesignanus ; 
Jj. DomifiMm, darxssimwm d nobiUssimum t^trum, oodderae muHtos- 
fue praeterea qui e proeUo effugerant, quos OaesoTj ut non nuUos, for- 
fasse servasset^ cruddissime persecutus truddaras. quibus rebus tantis 
UMms gestis quid fuU causae cur in Aftioam Gaesarem non seque- 
rere , cum praesertim beUi pars tanta restaret? itaque ^piem locum 
apuä ipsum Gaesarem post dus ex Äfrica reditum obtin^/nsti? quo 
numero fuisti? cuius tu imperatoris quaestor fueras, diäatoris ma- 
gisttr equitum, beUi princeps, crudelitatis auäor, praedae sodus, testa- 
mentOj ut dicebas ipse, ßius, appefMus esdepecunia, quam pro domo, 
pro hortis , pro sedione debebas. ubi est quod offendas in particula 
itaque, quae nuUum plane hie babet locum. nee enim probabilis 
Halmii est interpretatio , qui 'itaqu^ inquit 'ist mit appeUatus es de 



272 BSpienger: sur Odywee [a 297]. 

peounia so in Terbindung gebracht, als wftre die fordenmg Oaesan 
wegen der niobtteilnahme des Antonins am feldsuge erfolgt', scrip- 
sit Cicero sine dnbio atque, aique enim et üaque saepissime intar ae 
permutantar, yelnt Phil. IE § 82 infsriores Codices habent atque^ ubi 
dnce Yaticano restitaendnm est üaqtie. 

§ 75 media sie editor amnibus adfkdt hispagnis DolabeOa, m 
Hispanienai äiam vuHnus accepU. ai de meo tudicio quaeria^ noüm^ 
sed tarnen amsüium a primo r^trehemknäum^ laudanda camtan^: 
nbi Hahnios ^sed iaimen a» sed tarnen^ quamquam canaühim aprimo 
rq?rehendei%dumy laudanda canstanHa.' at hoc yix est ferendimif 
immo locus immntato yerboram ordine sie est scribendus: n de 
meo iudkio qtuteriSy noüem: oanaüium aprimo reprehendenämm^ std 
tarnen laudanda canstanüa. 

LiPSiAE. Thbodorus Haspbk. 



32. 

ZÜE ODYSSEE. 



a 293 auTop ini\y bi\ xaGra TcXeuT/jcqc t€ xal £p£i)C, 
(ppdJ^ccOai bf| £iT€tTa KaTÖi (pp^va Kai Karä 8ii|li6v, 
5incwc K£ ^vr|CTv|pac ivX ^CTopotci Tcoictv 
KTeivijc 1^^ böXip f\ d^qMxböv* oub^ ti c£ xp^ 
, vnirtäac öx^€tv, iircl ouk^titiiX(koc£cc(. 
Ameis erklärt, und das ist die gewöhnliche erklftrung: vnmdoc 
öx^€tv ("» VTimaxeiieiv) sprichwörtlich wie unser 'thorheiten zu 
markte bringen', aber diese bedeutnng von öx^civ wftre ganz 
singulfir ; sonst heiszt es 'ertragen', und beziehen wir vtintdac auf 
die freier, nicht auf Telemachos, so ist diese bedeutung auch hier 
die passende, man wird bemerken, dasz die aufforderung 'die un- 
besonnenen streiche der freier nicht mehr zu ertragen' besser in 
den Zusammenhang passt, besonders zu dem gleich folgenden hin- 
weis auf des Orestes that, als wenn Athene den schon baran- 
gewachsenen Telemachos ermahnt nun endlich einmid die Idnder- 
schuhe auszuziehen, denn das soll doch wol der sinn der stelle 
nach der bisherigen erklftrung sein. 

NOBTHBIM. BOBERT SPBBNaBB. 



CFleiscker: xa GaeBar und feinen fortsetzem. 273 

33. 

Zu CAESAE UND SEINEN POETSETZERN. 



Im anfiuige von c. 24 des bdhim Hispamense wird en&hlt dasz 
Pom|M(jiiB, w<ä er befürchten moste dorch Caesar von dem ftlr ihn 
widtigen CasteU Aspavia abgeschnitten zu werden, notgedrungen in 
der nJ^ von Sorica sich kampfbereit gemacht habe, um aber nun 
T<tt einem möglichst gtlnstigen standponct aus den angriff zu er- 
dfiien, sachte er einen in der nähe der feindlichen stellangr gelegenen 
hOgel za besetzen, obgleich er bei diesem vorgehen den höhenzag, 
sof dem er zuerst gestanden, nicht zu verlassen brauchte» war er 
doch gezwungen ein f&r ihn höchst ungflnstiges terrain zu ttber- 
Nhrsiten. Caesar benutzt diese gelegenheit, greift an, hindert die 
Pompejaner an der besetzung des wichtigen hfigels und wirft sie in 
die ebene hinab« so 24, 4 prohU>iH a naslris 8unt^ deiecH jpianicie. 
hisrraf geben die hss. folgendes: quae res secunämm nasttis effidebat 
prodktm, undique cedefiHbus adversariis non parum magna in caede 
tenabanUKT. gu/ibus mons, non virtus sahäi fuU. quod (so a, die 
Deuten hss. quo) mbsidio nisi adveaperassä, a paudoribm nosiris 
mm mtmUo privaU essent. mit recht bemerkt Nipperdey s. 241, die 
lesart der meisten hss. könne in folge des sicherlich nidit anzufech- 
tenden omni amMo nicht richtig sein, deswegen stellt er das quod 
9Mdio des Parisinus um und zieht suhsidio zu dem vorhergehenden 
istze, der nunmehr heiszt: quüm$ monSy non virtus sahUi fuU sub- 
nüö^ indem er auf 40, 8 verweist quae res eormn vitae fuU suibsidio. 
er abersah aber, dasz subsidio nach vorausgehendem quibus imd so- 
häi höchst anstöezig ist; ich möchte eine derartige geschmacksver- 
imnig selbst dem Verfasser des b, Hisp. nicht zumuten, denn der 
vergleich des von Nipperdey gebildeten satzes mit 31, 7 qmbus 
9ppiimm fuü snbsidio^ 41, 3 qitae res magno erat adrnmento oppidams 
asd der oben angezogenen stelle 40, 8 lehrt, dasz sich der autor mit 
den zwei gewöhnlichen dativen der person und der sache begnügt, 
dig^gen gibt quod nisi usw. einen guten sinn (vgl. &• 0-. Yü 88, 6. 
i. AI. 11, 5. 27, 6. 63, 6. b. Afr. 26, 3. 52, 4). ich halte daher 
ivMdio Ittr ein glosaem zu saHuH^ welches in den nachfolgenden sats 
gerieth; so erUttrt sieh auch die Verderbnis von quod in quo. hier- 
dofch wird die an und ftkr sich fein erdachte coigectur Dinters, wel- 
cher mit beibehaltong von quo subsidio zwischen diesen werten und 
dem darauf folgenden nisi einschiebt subnisiy unnötig, abgesehen da- 
von dasz, wie gleidi gezeigt werden soll, der sinn Schwierigkeiten 
beceitei. ziehen wir nemlich die beiden momente in betracht, welche 
nkht sUein Caesar zum siege verhalfen, sondern sogar beinahe den 
utegang der ganzen feindlichen macht zur folge gehabt hätten, so 
Wt dies erstens der umstand, dasz die feinde in die ebene hinabge* 
vorÜBn wurden, und zweitens, da^ die nacht anbrach, welche eine 
nrfolgang des feindes unmöglich machte, da nun die bisherige lea* 

JakrMcWr fftr el«M. phllol. 1878 hf). 4. 18 



274 CFleiicher: zu Gaeeaar und seinen forteetsern. 

art quitms mons, non vktus sdliäi fuU dem ddeäi plant ei e direct 
widerspricht, und femer die worte quod msi advesperasaett die aelb&t- 
yerstftndlicli einen schon angedeuteten gedanken weiter ausführen 
und begründen sollen, in der ttberliefemng ohne beziehung auf das 
▼orhergiahende dastehen, so yerrnnthe ich als ursprüngliche lesart: 
^imSmß noM^t fwn vwius soMi fuä, guod [siiMdio] mm adrespenifwf , 
a pauoiotQms nostrii omni aiuaüio prwaU essemt. Tgl. hienn h. AI 
11, 5 quod mai mox proekum diremiaaäy Ma dasse hottiitm poiüus 
esset und h. Afir. 52 , 4 quod nisi in nodem prodium esset comeetum^ 
luha cum Labieno capti mpotestaiem Caesaitis vemsssnt. 

Sbd« 0. 25 wird erzählt, dasz der Zweikampf des Qaintos Pom- 
pejua Niger mit Antistius Turpio von den beiderseitigen beeren mit 
einer spannong verfolgt wurde, als ob von dem ausfidl dieses einzel- 
kampfes der anagang des ganzen krieges abhängig gewesen wäre, dar- 
auf lesen wir in den hss. 25, 6 : nam i$der heOatares pnneipes dMa 
erat posUa vidoria^ ut prope videretur finem Idkmdi duorum dirimert 
pugna. ioh halte finem dirimere entschieden für verderbt, mag nan 
die meiner yormntnng nach verschriebene anfangaailbe des verboios 
in folge der unmittelbar vorausgehenden silben dt in beUamdimid du 
in duorum entstanden, oder das ganze verbum ans § 7 dessalben csp. 
quorum pugna esset prope profeoto dirempta heranilfenommen ssia. 
vielleicht lautete der urtezt : ut prope videretur finem bdlandi duorum 
praeripere pugna. vgl. h. Alex. 27, 4 quae primae oopiae flumtn 
a Bdta tiranaure et MiäuridaH occurrere potuemnty prodium oommise- 
rwU fesHmmtes pr a eripere subse^tentibus vidoriae soeieUUem, 

In § 7 desselben oap. ist nach den werten quorum pugna essä 
prope profeoto diremptay nisi propter equiium oongressum^ ut supra 
demonstraioimus eine Ifioke anzunehmen, wie aus den folgenden leOen 
ersichtlioh, kam es während des oben erwähnten Zweikampfes m 
einem erneuten zusammenstosze der reiterei ; von dem ersten wird 
25, 2 berichtet: equitum oopiae eonoursus faoere eo^^eruni. der sinn 
der ausgefiallenen werte musz gewesen sein: *wenn nicht in folge 
eines wiederholten zusammenstoszes der reiterei der Zweikampf unter- 
brochen worden wäre.' es beaiehen sich also die worte ut supra de- 
monstraioimus auf den 25, 2 erwähnten ersten reiterangrifT. was 
nunmehr folgt: levem armaturampraeoidU causa non longe ab opere . . 
(Ifieke von Nipperdej angenommen) castra oonstituU^ kann unmög- 
lich mit den unmittelbar vorausgehenden werten verbunden werden, 
da'ein Zusammenhang nicht vorhanden ist. durch annähme der von 
mir vorgeschlagenen lücke nach demonstraoimus und einschiebnng 
von prope vor oadra^ was nach dem vorausgehenden opere leicht 
' ausfallen konnte, wird die von Nipperdej angenommene und von 
den si^lteren hgg. approbierte Iflcke ttberflttssig. es würde demnach 
nicht bloBz das ende des mit den werten quorum pugna essä be- 
ginnenden aatzes, sondern auch der anfaag des nächsten satses, von 
dem blosz der nachaats leoem armaturam praesidU causa non Umge 
ab opere . . eastra oonsHMt eAalten ist, verloren gegangen sein, der 



CFleiBcher: zu Caesar und Beinen fortaetzern. 275 

des letztem, des saagefallenen Tordersatiea war: *da Gaenr 
m folge des erneuten zasammenstoBzes der reiterei em6 weitere ent- 
wiekhog dea kampfea befttrchten moste und eine deeknng des lagera 
ftr fiesen Ml dorch die Yotsicht geboten war', kvem armahiram 
praaidH camsa non longe ab cpere prope easira^amsiiMt. wia nttia- 
M diese masaregel war, lehrt der schlaaz des capitels. 

Ebd. 26, 4 batet im Par. see. und Scaligeranus: namg^ tU 
aQmM demonstravmus Joca exceBentia himtäia ot)fiMfMrt, ifUerim 
mäampiemide dhidU; id gucd eo mcUtU tenypore. der Leid. pr. hat 
mMm in tOa, der codex des ürsinus interim nuüa^ was aa^ Lip- 
ihu ohne den Zusammenhang zu beachten Torschlng. Fetavina laa 
äviM; (a) b c bieten dmdU, Nipperdey strich ui and nahm die 
loart des Petayianos dmdi auf, ohne zweifei mit recht; trotzdem 
Ueiben die übrigen worte sinnlos ; mit keinem der vielen Terbesae- 
raagsTorschlige kann ich mich einverstanden erklSren. es wird, 
me dies schon 7, S nifd 8, 4 geschehen, erzählt, dasz die befestigten 
ort» der gegend, wo der krieg geführt wurde, dadurch dasz sie die 
gipfcl der auf dem groszen hochplateau sich erhebenden berge, weldie 
darth thiler von einander getrennt waren, krGnten, die behgenmif 
»QBMrordenÜich erschwerten und eine erstttrmung fast zur unmOg- 
lidikeit machten* dies war auch jetzt der fall, sowol Caesar ids 
Pompejus hatten ihr lager auf der höhe aufgeschlagen; es trennte 
M| wie wir ans 28, 2 sehen ([P^mpenui] Yrsoonenskim cMtaU anUea 
ttterof tmsenUy Caesarem nolfe in eonviaaem descendere)^ ein breites 
thal, welches, wie sich aus 29, 1 f. ergibt {plameies Mer tt^aque 
näraiadtroedehatckcüerwX^ F^imd weiter unten: hnncäi' 

fiStniproacknaplaimcksae^^ es ist also von 

emer convallis und einer planieieu die rede; ich vermute daher, 
^ statt initrim nullam pl. diu. zu schreiben ist intermi8$a 
flu €i planide dividL vgl. h. 0. Vm 9, 2 CaesmreW dhmcare opta* 
verof, tarnen admiratus iantani muUiUidinem hostium väOe intermissa . • 
ttafni eastris hosHum eonfert, Nipperdey und Dinter schre iben tt Uer- 
mOo, Madvig adv. crit II 290 MefraOo, Koch rhein. mus. ZYII 626 
9iMmi^ fltmme et pilanicie. die beiden zuerst erwShnten cosjectaren 
weiss ich mit dem sprachgebrauche nicht recht in einklang zu brin- 
gen, die letztere entfernt sich zu weit von der ttberlieferung; auch 
vird, so viel ich weisz, nUerdum nur temporal, niemals local ge- 
Inoeht (vgl. h. JSIsp, 29, 7). dagegen verteidigt Koch ao. den von 
Inuier angefochtenen satz id quod eo inddit tempore mit glttök (vgL 
8, 6. 29, 1). 

Ebd. 29, 6 itague nastri ad dmkandwm procedunt^ id quod ad-^ 
venahos existimdbamue esse fadwros; gm tarnen a mumüHone oppidi 
lon^tM non audebant procedere^ in quo sibi prope murum adversarüs 
viMtuebani, so die besten hss. ; zwei untergeordnete aber haben 
fodiundum vor adversarUSj daher schreiben Kraner und Dinter 
Bit recht tibi prope murum cum adversarüs proeliandum ctmaM- 
Ma«{. dagegen musz ich die richtigkeit des von ihnen an stelle des 

18* 



276 CFleischer: zu Caesar und seinen fortsetzen!. 

verderbten in guo vorgeschlagenen negue in frage stellen, weildadorcli 
der sinn des satzes, wie der Zusammenhang ergibt, gestCrt wird, 
offenbar will der schriftsteiler sagen, dasz die feinde ihren geschütz- 
ten standpunct auf der höhe in der nähe der stadt Munda, welche auf 
dem gipfel des berges lag, nicht verlassen wollten, weil sie sowol 
durch das terrain an und ftlr sich begünstigt waren, als auch im falle 
der niederlage die stadt als Zufluchtsort hatten (vgl. den an&ng von 
cap. 29 ut auxiUa Pampei du<üms defenderentur rehus^ oppido ei ex- 
ceUsi loci natura und 29, 8 negue tarnen iUi a sua cansuäudme disce- 
debantj ut aut ab excdso loco aut ah oppido ^cederent). dasz die 
Pompejaner nun aber wirklich beabsichtigten den kämpf mit Caesar 
aufzunehmen, erhellt aus dem umstände, dasz sie ihre schlachtreihe 
vor der stadt aufgestellt hatten und in dieser Stellung verblieben: 
vgl. 28, 1 sequenti die cum iter facere Caesar cum copiis veUety remn- 
tiatum est a speculatoribus Pompeium de tertia vigüia in ade stäisse 
und 29, 3 itague Caesar cum adem direäam vidisset^ non häbuü du- 
bium, quin ad ditnicandum adversarii procederent. daher kann negu^ 
usw. nicht richtig sein, ich schlage vor neque sibi nisi prope mu- 
rum cum adversariis proeliandutn constUuebant. der ausfiall von 
nisi nach sibi erklärt sich leicht, die gleiche construction findet sich 
22, 7 negue extra vaUum licere exire nisi distinäum. die Vermutung 
Kochs rh. mus. XVII 626, in dem verdorbenen in quo sei jedenfalls 
ein iniquo sc. loco verborgen , musz als entschieden falsch zurückge- 
wiesen werden, da, wie ausdrücklich zu wiederholten malen hervor 
gehoben wird, sich die Pomp^'aner zur zeit in höchst günstigen Stel- 
lungen beflEUiden. der verweis auf 30, 2 und 30, 6 ist hinflülig, da 
hier die Verhältnisse ganz andere sind. 

£bd. 32, 1 wird nach Nipperdey folgendermaszen ediert: ....ex 
fuga hoc qui oppidum Mundam sibi constüuissent praesidium, nostn- 
que (so a und b) cogebantur necessario eos drcumvaUare. Oudendorp 
und die vulgata haben statt qui vielmehr cum, was gegen die autori- 
tat der besten hss. verstöszt und grammatisch nicht notwendig ist 
(vgl. Nipperdey s. 24 und dasMeiszener programm von 1876 s. ö S.\ 
statt nostrique aber schreiben sie nostri, und dies ist jedenfalls auch 
nach herstellung des ursprünglichen qui die rechte lesart. alsdann 
bilden die worte ex fuga hoc qui oppidum Mundam sibi constUuisscfU 
praesidium den lückenlosen anfang dos 32n cap. (die von Nipperdey 
bezeichnete lücke bleibt also blosz für den schlusz von cap. 31) und 
den Vordersatz zu nostri cogebantur necessario eos drcumvaUare, der 
vorausgestellte relativsatz, dessen natur besonders bei der eigentüm- 
lichen Stellung von gui nach ex fuga hac nicht verstanden wurde, 
verursachte die hinzufügung von que zu nostri. aber gerade diepro- 
lepsis von relativsätzen , mag nun der casus des folgenden auf da^ 
relativum bezüglichen wertes oder des zu ergänzenden demonstrati- 
vums ein dem relativum gleicher oder ungleicher sein, ist dem b. Hisp. 
charakteristisch, gleicher casus findet sich 2, 2. 13, 3. 18, 3. 22, 1. 
32, 5. 32, 8. 33, 1. 36, 4. 40, 5. ungleicher casus aber 7, 5 scd 



CFleischer: zu Caesar und Beinen fortsetzern. 277 

ex qmXms aUquid firmamenti se existimabai habere j duae fuerunt ver- 
nacidae\ 16,7 et qui vUam sibipeteret, iussit turrem ligneam appida- 
nomm incendere tmd 34, 6 dum hie ddindur, ex prodio quos drcun^ 
w m m ios auperius demonstravi$miSj eruptumem fteerunt, an welche 
stellen sich nunmehr der anfang von cap. 32 anschlieszen würde, 
weiter aber hat die Stellung von qui hinter ex fuga hoc im &. flup. 
nichts anfHÜliges: vgl. das oben cltierte 34, 6 ex prodio quos usw., 
11, 2 eodem die Q, Mdrcius, iri^ufius müUum qui fuisset Pompei, ad 
UM transfiiffU ; 27, 2 a. d. III non. Mart, prodium ad Soricam quod 
faäwm est und 34, 5 praeterqtuxm extra murum qui perierufd. die 
blrte des aasdrucks wird in unserer stelle durch das dem nachsatze 
hinzugefligte eos gemildert, wihrend selbst bei guten autoren die 
soslassung des auf das relativum bezüglichen demonstraÜTums bei 
ongleiehem casus, wenn auch selten, vorkommt. 

Ebd. 32, 4 f. wird berichtet dasz Bextus Pompejus, nachdem 
er den ausgang def Schlacht bei Munda erfe^ren, Corduba, welches 
er besetzt hielt, unter einem falschen vorwande verlassen habe, wo- 
hin er sich wendet, wird hier nicht angegeben ; aus 41,5 ersehen wir 
dan er sich nach Ursao gewendet hat, um diese Stadt gegen Caesar 
n verteidigen, von seinem bruder aber heiszt es § 5 : On. Pompeius 
€umeqi$Utbus pauds fumnuXUsquepedüibtui ad nawüepraesidkim parte 
aftem Carteiam oontendit. die worte parte äUera sind absolut sinnlos, 
mig nun dies parte altera mit *auf der andern seite' oder *in ent- 
gegengesetzter richtung* oder sonst wie übersetzt werden, auf die 
höchst eigentümliche trennung der zusammengehörigen worte ad 
Aoeofe praesidiuim und Carteiam durch das einsehiebsel habe ich 
odemorts schon aufinerksam gemacht, meine Vermutung geht da- 
hia, dasz diese zwei worte aus einer dittographie des von den ab- 
icfareibeni nicht verstandenem eigennamens carteiAn entstanden sind, 
der grusle theil der geographischen eigennamen im h. Hi$p. ist in 
den has., weil misverstanden, verderbt, jedenfalls verdanken wir 
das eäera einem unwissenden, aber erfindungsreichen abschreiber des 
b. fiup., der das ihm überlieferte verderbte parteiä carteiä in der 
3im eigentümlichen weise ergKnzte, dasz er aus dem parteiä machte 
parte altera^ worte die zwar keinen sinn geben , aber doch lateinisch 
Uingen. fthnliche sinnlose ergftnzungen habe ich im Meiszener pro- 
gnmm von 1876 s. 15 anm. und s. 20 besprochen. 

Ebd. 33, 3 wird von Scapula, einem vornehmen einwohner 
Cofdubas, der ein fanatischer Parteigänger des Pompejus war, be- 
richtet dMsz er nach der schlacht bei Munda an der sache der Pom- 
pejsner verzweifelnd beschlossen habe sich selbst dem flammentode 
n übergeben, famüiam ä Ubertos eonvooavii, pjfrom sQn extruxU^ 
<*mm adferri ^uam qptimam imperoüit, Uem optimie instemendum 
ttäimentis, pecumam et argentum in praeeeniHa famiUae donavU. da 
Hl prae$entia im damaligen latein nie etwas anderes als 'für jetzt, für 
den togenblick' bedeutet, so kann es hier nicht richtig sein (vgl. h, O. 
1 15, 4. V 37, 1. VI 48, 3. VII 2, 2. h. c. 1 6, 4. 30, 1. 42, 1. DI 86, 4. 



278 GFleisoher: zu Caesar und seinen fortsetzen!. 

h. Afir. 3, 1. 10, 3. 12, 2), der vorher auttdrttcUidi erwllmte um- 
stand, dasz Scapula sein ganzes haas und seine elienten hatte m- 
sammenrufen lassen, um zeugen seines todes zu sein, läazt mich Ter- 
muten dasz die ursprüngliche lesart lautete: pecimiam et arffmtmm 
praesenti famtUae donavü* über die eigentümliche yorliebedes 
Schreibers des archetypus dee 6. Sisp. für einschiebuag von prftpo- 
sitionen ygl. das Meiszener programm von 1876 s. 11. 

Ebd. 38, 6 apere ctrcurnfmcMire in^üuufU (mit Nipperdej statt 
des nicht haltbaren instUuU) \ pari autem et cderi festmatiane dreum 
nwnüiones iugo dirigunt^ ut aequo pede cum aäveraariia conffredi jms- 
sent scheint mir durch ein misverstandenes glossem yerdorben. die 
Worte pari autem geben keinen sinn, erstens ist nicht der geringste 
gegensatz zu dem unmittelbar vorher besprochenen vorhanden, der 
autem rechtfertigen dürfte; sodann kannjKiri nicht richtig sein, ds 
eine andere festinatio munitiones dirigendi^ mit welcher die von den 
truppen des Didius hier entfaltete verglichen werden könnte, nicht 
erwäint wird. Ich glaube daher dasz pari auUm aus einem zu inasix- 
tuwuit hinzugesehriebenen glossem paranit entstanden i^t. ein einziger 
strich über dem n in parant gentLgte, um ein par autem entstehen 
zu lassen, woraus dann die jetzige lesart pari autem hervorgegan- 
gen w&re. 

Ebd. 42, 4 lesen wir in der rede Caesars, welche wie alle im 
h. Bisp, dtierten reden und briefb in besonders gutem latein g^ 
schrieben ist, so dasz sie alle zu der sonstigen ausdrucks weise des 
autors einen auffälligen contrast bilden, folgendes: vos tto paom 
eemper od^is^ ut nüGo tempore legiones desitae (so [a] c, desint [b]) 
popuU Bomani in hoc provinda haheri. die ellipse des oonjonctirs 
von esse ist in der prosa ttuszerst selten; Cic. de off, l % 152 poteä 
vnddere contentio *et oomparatio^ de duohus honestis utrum honestius 
ist in der indirecten frage der singnlar sit zu ergänzen, und der aus- 
fall durch die kürze und praecision der frage zu erklttren; viel schwe- 
rer aber wiegt der ausfall des pluralis sintj und da der codex Leidensis, 
so viel ich aus den mir zu geböte stehenden hilismitteln ersehen 
kann, desint bietet, so dürften wir wol den ausfall von sint nach desi- 
tae den abschreibem zu verdanken haben, auch in den sülistiach 
tiefer stehenden partien des i. Hisp. sind ellipsen des indicativs von 
esse nach participien im perf. pass. nicht häufig; ich weiaz bloss fol- 
gende fälle anzuftihren: 12, 5 fehlt est , 20, 5 u. 31, 10 ^n/, 28, 3 
u. 34, 2 erant. doch will an letzterer stelle Madvig adv. er. 11 290 
duae für guae geschrieben wissen, wodurch die ellipse in wegfall 
kommt, die auslassung von esse im aoc. c. inf. findet sich 18, 5* 
18, 7. 19, 3. (19, 6) durchgängig nur in kurzen Sätzen, bei dem 
massenhaften gebrauche des verbum esse im 5. Hisp, ist also die zabl 
der ellipsen eine äuszerst geringe. 

Im heUum Africae 23, 1 his verhis konUnis gravissimi indtatus 
adidescentulus cum naviculis cuiusquemodi generis ZZZ, imbi pauds 
rostratis^ profectus ah Vtica in Mauritaniam regnumque Bogudis est 



CFleiicher: zu Caesar und seinen fortietzem. 279 

M^reflMf esfpeäUoque exercUu numero servarumt Uberarum II nnUum 
. . ad ifppiium Ascwrum accedere ooepiL nach Mrwrtim ist jedenfaUa 
die tthl der tansende verloren gegangen, welche gleich der aof Übe- 
rmm folgenden zahl II mit münsm zu yerbinden ist. fordert an 
nad ftr sidi die enge zoeammensteUung mit Uberarum II mSium 
wA fttr servaruin die Zahlenangabe, so findet sich auszardem stete 
beiGiesar nnd aeinen fortaetzem bei dem pleonastischen fmmero die 
liUbestisunoBg. im b. Afir. Tgl. 78, 1. 78, 7. 95, 1. hierzu 
kommt daas die hss. ein unyerstttndliohes numerum bieten; in dem 
m des rerderbten acenaativs steckt die zahl, wahrscheinlich ist za 
tefareiben mtmero III servorum^ liberamm II mHium. 

Bdlmm Jkxamdri$nim 17, 2 perfecUa emm magna .ex parte m«- 
w^omhm tu oppHo et 9lam wrbem uno tempore teniari passe eanfide- 
Uä. io der Parisinas, während der Leidensis et Uta in urbem hat. 
Nipperdey schreibt anstatt dieser sinnlosen worte etiam itta urbem^ 
was such Kraner aufnahm; Dinter hingegen vermutet etiam Uta in 
wbem uno tempore intrari passe confidebai. die stelle ist auf ein- 
&diere weiae herzustellen. Caesar hat in seiner festen position inner- 
halb der Stadt in der nfihe des hafens sich nicht blosz gegen die an* 
grÜB ton der stadtseite aus zu verteidigen, sondern auch von der 
meeresaeiie her droht ihm ge&hr. er sieht ein daaz er nur durch 
einaahmfl der quer vor dem hafen liegenden insel Pharus und des 
maal ond stadt verbindenden dammes herr der Situation werden 
k5aat. daher ToUendet und verstärkt er erst die befestigungen seiner 
bttberigen position, damit er, während er daomi und insel angriff, 
auf Mine befeatigungen gestützt auch einen angriff auf die städtischen 
Bttdien kSnn«, falls dieselben bei dem von ihm geplanten ausfalle 
der bedrohten insel und dem gefährdeten dämme zu hilfe kommen 
soUtea. ea wird also zu schreiben sein : perfectis emm magna ex parte 
mm Mt io m bns in appido et illas et urbem uno tempore tentari passe 
fsnfidebat, et iUas bezieht sich auf die wenige zeilen vorher^rwähn- 
tea twi nfai ii moiemfue. der zum Schlüsse von cap. 19 geschilderte 
Tedaof bewmat die notwendigkeit der getroffenen vorsichtsmasz- 
n^dn; nur kamen die Alexandriner dem Caesar zuvor: er konnte 
iiea soafiall nicht verhindern. 

Ebd. 56, 2 halte ich für verderbt Q. Cassius Longinus hatte 
wk während seiner praetur in Spanien, da er Caesar im Orient 
betchäfügt wüste, die schlimmsten erpressungen zu schulden kommen 
h ias n . ala ihm daher Caesar die besiegung des Pompejus meldete, 
ibm den befahl erteilte Spanien zu verlassen und die legionen nach 
Afriea flbersufähren, wo er selbst mit ihm zusammentreffen würde, 
vir seine aümmung eine geteilte, qua re cognita mixtam ddlare 
f^kiftaiem oapifAait. victariae nuntius laäHiam eaprimebaty oanfectum 
Mbn Uetnüam temparum ifUerdudebat, sie erat dubios animi (so, 
*ia es scheint, c, aninns a, animus die übrigen hss.), utrum fihü 
^■Kiie {ümeret b o) oii amnia Heere maUä, hier fordert nun Ucen- 
tum Umparum ein attribut, welches die tempora genauer charakteri- 



280 CFleischer: zu Caesar und seinen forteetzern. 

eiert; der ansfall Ton superiorum dürfte wol nicht zweifelhaft sein: 
Tgl. b. c. I 51, 2 atque omnes sine tmore Uer facerefU usi superiorum 
temporum atque iiinerum licefitia, b, c. 1 1, 3. 5, 2. 49, 1. 11 14, 6. 
28, 1. 38, 2. m 65, 2. b. Alex. 25, 4. femer aber gibt der fol- 
gende satz sie ercU dulnus animi usw. keinen rechten sinn, da die 
beiden glieder der doppelfrage, so wie sie überlieft sind, beide das- 
selbe sagen nnd einen gegensatz nicht enthalten, denn der wnnfich 
^nichts' d. h. also 'eine beendigung and bestrafhng seines verbrecheri- 
schen treibens als praetor nicht fürchten zu müssen' ist gleichbe- 
deutend mit dem wünsche ^es möge ihm alles', d. h. also 'ungehinderte 
fortsetzung seines raubsystems gestattet sein.' in folge dessen wird 
statt nihü zu schreiben sein sibi^ wodurch zugleich der bisher feh- 
lende persönliche dativ für das folgende Ucere gewonnen wird, trotz- 
dem bleiben noch zwei anstösze in der lesart Nipperdeys. kann denn 
Cassius überhaupt zweifelhaft sein, was er sich lieber wünschen solle? 
in jedem falle muste er doch bei seinem Charakter die bisherige Itoen- 
tia dem gebundensein der kommenden tage sowie der ihm in aussieht 
stehenden bestraf ung durch Caesar yorziehen. demnach kann von 
einem zweifelhaften timere maUet gar nicht die rede sein, endlich aber 
musz die von Nipperdey, Eraner und Dinter acceptierte lesart des 
Parisinus timere verdächtig erscheinen, weil, mag nun ttuiSet oder 
ein anderes verbum das regierende gewesen sein, der Zusammenhang 
sicher das gerundium timendum erfordert, die Schwierigkeiten wer- 
den aber sehr ein&ch dadurch gehoben, dasz wir mit dem Leidensis 
und Scaligeranus timeret lesen und statt Ucere moMet schreiben Ucere 
existimaretf dessen anfangsbuchstaben yerloren gegangen waren, 
die ganze stelle würde also nunmehr heiszen: confedum heUumlioen- 
tiam superiorum temporum interdudebai. sie erat dubius anmi, 
utrum sibi timeret anomnialicere existimaret. sehr wol konnte 
nemlich der glaube in ihm aufkommen, Caesar würde in der freade 
des Sieges die vorgekommenen unregelmäszigkeiten übersehen , be- 
sonders da er, Cassius, ihm höchst ergebene legionen, die, er durch 
grosze geldspenden und übergrosze nachsieht in betreff der disciplin 
gewonnen hatte, zuführte, und ihn auszerdem in folge des auf ihn 
gemachten zweimaligen mordversuches der nimbus der mSrtjrer- 
schafb für die sache Caesars umgab. 

BeUum civüe I 40, 4 quo cognito a Petreio et Afranio ex aggert 
aique cratibus^ quae fiumine ferebantur, cderiter suo ponte Afranius, 
quem oppido castrisque coniunctum habei>atj legiones tres equüatumque 
omnem traiecU. die werte cratibus quae flumine ferebantur halte ich 
für verdorben, die erklärung des wertes bei Eraner -Hofmann ^craks 
sind das über die brücke gelegte fleohtwerk' ist deshalb nicht halt- 
bar, weil dann die folgenden worte quae flumine ferebantur unver- 
stlbidlich sind, diese weisen entschieden auf fahrzeuge hin, welche 
auf dem flusse trieben, auf denselben befanden sich Wachposten, 
von Petrejus und Afranius aufgestellt, um das treiben auf den feind- 
lichen brücken vom wasser aus zu beobachten und einer übemunpe- 



CFleischer; zu Caeuur und eeinen fortsetzen!. 281 

lang der eignen, höohet wichtigen brflcke auf dem Wasserwege Tor- 
lübeogen. ee mfisten also, wenn die ttberliefemng richtig wäre, 
flDier erates '&hrzenge mit faschinen zur deeknng der darauf befind- 
lidran waobpoeten rersehen' zu verstehen sein, da mir diese annähme 
doch zu klUm erscheint, so schlage ich yor ex raiibusza schreiben, 
der aB&ngabuchstab you craHbus ist das ttberbleibsel der yerloren 
gegangenen prSposition. 

Ebd. n 5, 2 üaque suos cohortatuSj quas integres superaivissefU 
ut mUa contemnerenty plenus spei honae atque ontmi adversus eos 
profielseUur, dasz Brutus seine leute aufgefordert haben sollte einen 
feind, yon dem I 57, 3 berichtet wird: pugnatum est tärmgue for- 
Hssime aigue aeerrih^; negue mviJUum ASbid nostris virhtte cedebant^ 
höm m tß asperi ei montam^ exereUaU in onntf, von dem Caesar später 
bei erzihlung des wirklich eingetretenen kampfes II 6, 1 sagt: otM»* 
SNM> protUo Mässä/iensibus res nuOa ad ffirMem defwt und 6, 3 : 
Mfiie vero eomm^ji ASbuis oommima pugnando d^Mebant negue 
mndkm cedebofU virtute nostris j dasz, sage ich, Brutus seine leute 
nfgefordffri haben sollte einen derartigen feind, den sie nur nach 
laiehtfaarem ringen früher einmal besiegt, aber nicht niedergeworfen 
hitton, sa verachten, ist mir geradezu unglaublich, ich vermute 
dsss Caesar schrieb guos integras auperavisseni ut viäas contun- 
ierent. Bmtns feuerte also seine Soldaten an der vorausgegangenen 
besiegong des argen feindes in der zweiten schlacht die völlige ver- 
niditong deaselb^ folgen zu lassen, vgl. Livius XXVII 2 gui past 
C sawaiii e iii p%»gnam ferooem victoria Hannibalem contudisset. 

Ebd. m 69, 4: die vielbesprochene, verderbte Mlle cdU dimiS" 
itt eqnis emndem cursuim oonfugereni scheint mir am einfachsten 
didnrdi hergestellt zu werden, dasz man schreibt: (M missis ar- 
mis tm n dem eursmn eontinuareni. die folgenden wortea^ea^mdu 
t6am Signa di m it ierent berechtigen zu der annähme, dasz im voraus- 
gehenden ein umstand erwShnt worden ist, der die grosze panik der 
•oldaten Caesars hinlänglich kennzeichnete, wenn es nun aber heiszt, 
dieselben hätten *sogar die feldzeichen' weggeworfen, so wer- 
den sie wol vorher vor aUen dingen sich ihrer schweren w äffen 
eatledigt haben, besonders da sie bei ihrer flucht aus dem lager einen 
ipnmg von 19 oder 20 fusz vom walle in die tiefe des Wallgrabens 
msehen motten, welcher viele in das jenseits beförderte. vgL b. c. 
ni95, 3 missia jßetiq^ armis signisguemOitaribus. dimissis ist dem 
■aehstdienden dmmttereni entnommen, das vorgeschlagene eursum 
amH n ma remi findet ein analogen in &. c III 11, 1 atgue ideo conti' 
«Mtfo node ac die itkiere und ebenso m 36, 8 itague die ae nocte 
cotäinmato iOsiere. 

Ebd. m 92, 2 steht in unsem texten die reduplioierte form 
^eeitam iss e ni. Caesar und seine fortsetzer bilden aber stets perfectum 
QDd plnsquamperfectum dieses compositums ohne reduplieation (vgL 
h.&. n 21, 4. 27, 1. m 6, 4. b. e. I, 40, 4. HI 7, 2. 79, 7. b. 
ilex. 10, 4. b. Afr. 49, 2. 66, 2). mit fug und recht werden wir 



382 FEyta^nlutvdt: sn VitruTii». 

also wol aach hier das olassische cccurrisseiü wiederhentallen dfirfen. 
die Verderbnis erkllrt sich einÜAoh aus der in den voifaergekendea 
und nachfolgenden capiteln viermal vorkommenden rednplicierten 
form von proeurrerc, nemlich 91, 4 prooiicmrrü^ 93, 1 proeucmrrisBtuU 
pnd 93, 3 a. 6 proeumrrerunt, 

Mbiszbn. Cm* Flsisobbb. 



84. 

ZU VITRUVIUS, 



Die gefUhrliche sitte der ^rieiea eommunes^ welche erst Nero 
(Tadtus ab exe. d, Ä. XV 43) verbot, bestand vor ihm in Born so 
allgemein, dasi ein eigenes geeetz dieselben stärker £u machen vor- 
bot ab einen stein, das heisEt, da die Römer sich des genus Lffdiwm 
der Ziegelsteine bedienten (Vitravius s. 38, 27 Böse, Plinios XXXV 
173), anderthalb fiiss. wie nnn mit dieser sitte die bekannte bau« 
polizeiliche Vorschrift zu vereinigen ist, dasz um aedifida ein ambi- 
tus von dritthalb fusz breite frei bleiben sollte (Festos epU. s. 6, 4. 
16, 16), ist nur unter der Voraussetzung zu begreifen, dasz unter 
aedifida etwas besonderes zu verstehen ist« so sagt Yitruvius s. 7,3, 
der architekt soll mra guoque nata habeai oportet ea quae neeessoina 
9WfU aedificUs oommumbus parietum ad ambitum stüiddianim ä ctoo- 
carum^ luminum^ item aquamm duäiones. ä cetera quae eim moäi 
8t0U nota oportet eint ardniieotis usw. vergleicht man hiermit s. 148, 1 1 
in urbe anäem aut communium paridum aUitudines a%U angustiaeleä 
impediundo fadunt obeeimtates^ so wird sich fELr die erste stelle naeb 
lesung und interpunotion ergeben Utra quogue nota kabemt oportet ea 
quaenecesearia sunt aedifidis communium parietum ad amibi$mn etäiir 
cidiorum et doacarum et luminum. item aquarum dudiones ä usw. 
dieser anibitus wurde schon in den zwölf tafeln festgesetzt, wie aas 
Yarro bekannt ist. da nun aber die sitte der gemeinsamen maaern, 
abgesehen von andern grtknden , es als unglaublich erscheinen Itati 
dasz jedes römische haus diesen amibitue gehabt hat, so musz nun 
fCLr Yitruvius und Festus eine ungenaue fassung der allen bekannten 
Vorschrift annehmen und das wirkliche gesetz vielmehr in den wor 
ten des Papirius Justus (Dig. YIII 2, 14) erwähnt finden: impera- 
toree ÄfUoninue et Severus Äugueti rescripsenmt in area^ quae mdU 
servitfäem debäy posse dominum vel äUum vcHuntate dui aedifican 
intenmeso legitimo epatio a ddna insula, die grösze des allen be* 
kannten spatiums wird in dem rescript nicht erst erwähnt, das ge- 
setz bestimmte abo, dasz jede insula von der andern mindestens 
fünf römische fusz entfernt war, dh. setzte dies ab minimalbreite 
der straszen fest. 

Hamburg. Franz £T88BiiHARi>T. 



FWttM: Aber dat yeitibiiliim bei OeUins ZTX 6. 288 

85. 

ÜBBEB DAS VBSTIBÜLÜM BEI OELUÜS XVI 6. 



Durch du ersoheinen vom HNisseM 'pompqiuiiBohAiL atudieii' 
(Loipiig 1877) sehe ich auch vennlaazt di^ akdle über das vestSm' 
hm jbei GMlina XVI 5, 3 etwas näher in betracht sa siahen, unter 
birflcksichtigiuig des tiefbegfrOndeten orteils dieses hervorragenden 
bnches, in dem ich die volle bestätigong meiner bereits vorher ftst- 
•ichaiden meinong finde. 

Die erklftnmg des begnffes vesUbttkun als vor- und warteplatz 
Tenmachte nach OeUins ao. § 2 schon lange den altertumsforschem 
ackwierigkait» so dasz viele dasselbe für gleichbedeutend mit atrimim 
udunSB« ahiiim hiesz eigentlich das altr5mische haus (Nissen s. 226 £.) 
und soll (nach Isidor) seinen namen von dem schwarzen rusz er- 
hUm haben, den der rauch (des herdest der kttche) an der decke 
abtetste (s. 628). so lange nun das airmm mit den anliegenden zim- 
laem die eigentliche privatwohnung des herm bildete, war ein 
«srteraum vor der hausthfir ndtig, und die begrüszung fand dann 
im abrmm statt, spftter erfuhr dieses eine erweiterung durch rück- 
Wirts angelegte höfe (s. 627. 633). und als nun erst nach ausgang der 
npablik das jünnere leben des hauses aus dem airmm nach dem peri- 
itjl Obersiedelte, wurde der warteplatz an der strasze entbehrlich, 
d« atmtm vertrat nun seine stelle, daher erklärt sich der schwan- 
kcnds gebcaochy dasz vesHMum als vor- und warteplatz identisch 
isit ärmm geeetzt wird, im airium störte nun das gedränge der in 
damit und geduld harrenden dienten, gelehrten, philosophen den 
seUommer des hausherm nach seinem umzug hinten in den garten 
siebt (vgL OeUius VII 10, 5). 

Dstt das vegtibulum einen ursprOnglichen bestandteil des hauses 
•Bauschte, setzt wol die echt lateinische abstammung des wertes 
uner swei£sL die alten bringen das wort mit Stare zusammen, und 
Niasen stimmt Marquardt bei, der es für eine nebenform von stabu- 
bas hftlt (vgL bei OeUius XVI 5, 9 f. die ausdrucke ootmsUha/fii^ 
ftMbtmt^ eomidio^ sUämUdio^ und über die etymologie Nissen s. 632). 
nr gewinnnng einer in sprachlicher wie sachlicher hinsieht befrie- 
digeaden erklArung des wertes musz man auf ältere Zeiten zurück- 
gaben und sich die alten bauemhäuser vorstellen, vergleichsweise 
^iiMA s. 633) ähnlich dem noch in frischer erinnerung stehenden 
aitilchsischen bauemhause, wo neben dem eingange schweinekoben 
*üb befanden, denkt man sich femer eine Verpflanzung der länd- 
bcben wohnsitae nach der stadt, so waren vielleicht die straszen der 
lUdte ebenso eingerahmt, neben dem landsitz hielten sich die klein- 
bfljgcr auch hansvieh, und wenn später, nachdem schauläden den 
virtachaftshof, die schuppen, die räumlichkeiten für stallung ver- 
^'^^ hatten, dadurch der eigentliche Zusammenhang den Bömem 
TQUig entschwunden war (Nissen s. 632) , so lebte doch die erinne* 



284 FWeiBS : über das vestibuliim bei GelliuB XYI 6. 

nmg an den stall fort, da im j. 215 vor Cb. ein erstes verbot 
fabrens in der stadt erschien, so müssen zu den bOfen der yornebmen 
in frttberen jabrbnnderten Stallungen gebort baben, deren rämnlich- 
keiten sieb nacb dem verbot nun zu prachtvollen entröes verwerten 
lieszen. enthalten in dem ;v?ortbegriff vesHMum (>» stabuium) wftre 
also ursprünglich ein ort wo tbiere standen (stall), wo wirtsebafU- 
gerttthe aufbewahrt wurden (schuppen) nebst aufenihaltsort fttr skU* 
ven und dienerscbaft, endlich die flUgelgebftude als Umgrenzung von 
dem Standort der dienten. 

Von C. Aelius Oallus findet sich bei Oellius ao. § 3 eine 
wichtige stelle zur erklftrung des Wortes vesHhulium. doch scheint 
es zweckmKszig, des Gellius eigne erlftuterung über jene stelle und 
seine eigne ansieht über die abstammung des Wortes vorauszuschicken. 
Oellius sagt § 8 fP.: qui äomos igitur amplas antiquUuS fockboMty 
locum ante ianttam vacuum rdinquehant^ qui ifUer fores domus ei 
viam medius esset, in eo loco^ qui dominum eius domus salutaium tt- 
nerant, priusquam adnuUerentur^ consistehant, et neque in via 
stahant neque inira aedes erant. ab iUa ergo grandis loci consi- 
stione et quasi quadam stahulaiione vestibtda appeUata auftf, 
spatia^ sicuti diximuSf grandia ante fores aedium rdicta^ in quibus 
starent^ qui venisseni^ priusquam in domum intromüterentur s» 'die- 
jenigen welche vor alters grosze paläste bauten lieszen vor der ihflr 
einen leeren platz frei, welcher zwischen der thür des palastes and 
der strasze mitten inne lag. auf diesem platze hielten sich diejenigen 
auf, die dem berm dieses palastes ihre aufwartung zu^machen ge- 
kommen waren, bevor sie (zur audienz) vorgelassen wurden, und sie 
standen (daher) weder auf der strasze noch befanden sie sich im 
hause selbst, von jenem aufentbalt am geräumigen platze also und 
gleichsam von diesem Standort wurde der name vestibula (dh. tt- 
stäbuta, breite, weite Standplätze) hergeleitet , so zu sagen: grosze 
vor der hausthür freigelassene rftumüchkeiten, allwo die welche (tar 
cour) gekonmien waren standen , bevor sie in den palast eingelassen 
wurden,* 

Hier ist von einem groszen palast die rede, nach umständen 
kommen auch andere gr()szenverhältnis8e in frage, so macht Vitro- 
vius VI 8, 2 verschiedenartige , fürs praktische leben geeignete vor- 
schlage zu anlagen bezüglich der einrichtungen und des raumum&n- 
ges bei gebäuden fttr Staatspächter, bei solchen für staatsmännische 
redner, ftlr vornehme und vorher noch zum geschäftsbetrieb für krS* 
mer, die prächtige empfangsvorballen nicht brauchen, und denen an- 
zurathen ist die Vorhallen zu schuppen und geschäftsloealen zu ver- 
werten {in vestibuUs stahula^ tabemae . • sunt facienda). 

Nun gehen wir zu der wichtigen stelle des C. Aelius Gallns selbst 
über, die eine eingehendere betrachtung verdient. Nissen citiert die 
stelle gekürzt um die worte cum dextra sinistraque tecta sunt tiae 
iuncta. doch dürfte wol der Wortlaut des Hertzischen teites genan 
beizubehalten sein, bemerkenswert ist die stelle auch durch das zu- 



FWeias: Aber das vestibnlam bei OeUiuB XYI 6. 285 

SiBiiieiikeffen der dreifachen beseicbnimg für den begriff ^haos' durch 
aedes^ domus^ ieda. der worüant ist folgender: vesUbukim esse non 
mipsisaedibusneq^iepaiiemaedkimi sed locum ante ianuamdomus 
vaeuumt per quem a ^^a aditus accessusque ad aedis est^ cum 
dexirasimeiraque iamtam ieciaque su/nt viae kmäa aJtque ipsa iam/ua 
preed a tda esi, area vacanti iniersiia <» *da8 vestibuiktm (der 
empfiuiga-, eingangeplatz) befinde sich nicht im wohngebttude {aeiäes) 
selbst, noch bilde es einen (integrierenden) teil des wohngebftndes, 
Müdem es bestehe aas dem leeren ranm vor der thfir des palastee 
(des haaptgebftudes, damus)^ über wel<dien hinweg Ton der strasze 
her der eingang und zum wohngeb&nde der zutritt be- 
werkstelligt wird, während die rechten und linken gebHude (erg. 
aeäfida) in rBumlicher beziehung auf die thflr (des hauptgebftudes) 
and den (ganzen) bftusercomplez {tecta^ etwa <« unserm herschafir 
liehen palais) mit der strasze in Verbindung stehen, und gleichwol 
die thflr (des hauptgebftudes) selbst weit von der strasze ab ist, 
ds (ja audi noch) der (unbebaute) leere [vor-] platz (area) dazwi- 
Nhen (dh. zwischen dem vestibulum und der Strasse) Hegt.' wie 
idcbt ersichtlich, ist dann ianuam tectaque — aus notbehelf und um 
in die worte einen sinn zu bringen — als accusativ der ntthem be- 
stimmung genommen. Stephanus las frflher cum dextra simstraque 
iamMMi teda sunt viae tuncta^ und ftnderte spftter ianuam in ianua^ 
niM (ob etwa dann besser ianorum?)^ was dann ungefähr heiszen 
wflrde: *wfihrend zur rechten und linken der(8eitenhau8flügel-) thore 
die (seitenflflgel-) gebftude mit der strasze in Verbindung stehen, ist * 
gleichwol (qtque) die thür (des hauptgebftudes) weit von der strasze 
sl) (gelegen)' usw. Qronov erweiterte die stelle durch einen eigen- 
nichtigen zosatz und schrieb : cum dexträ sinisträque inier ianuam 
käaque^ quae suni tnae «uficto, spatium relmquüur\ atque ipsa 
iomta proeul a via est^ dh. Vfthrend rechts und links zwischen der 
Utilr und den (neben-) gebftuden, welche mit der strasze (speciell) in 
Terbindung stehen, ein weiter räum (etwa zum Spazierengehen usw.) 
frsigekssen ist' usw. doch scheint mir dadurch der stelle noch nicht 
geholfen xa sein, vor der band noch absehend von einer ftnderung 
der verdorbenen stelle mOchte ich erst eine bemerkung vorausschicken 
ia bezog auf den schluszsatz area vacanti intersüay bnd zur rechtfer- 
tigong meiner obigen Übertragung dieser werte, ich meine: unter 
erea ist ein besonderer platz gleich vom an die strasze grenzend 
zwischen den beiden hervortretenden Seitenflügeln, nicht aber das 
ttitihulum selbst zu verstehen, und locus vacuus nicht als iden- 
tisch mit area vacans zu nehmen, daher von dem Juristen C. Aelius 
Gallos die doppelte, wol nicht als pleonasmus anzusehende bezeich- 
i^ong a via adüus und accessus ad aedis. zur Unterstützung meiner 
umshme, dasz das vestibulum und die area gerade hier als zwei 
teile seien angenommen worden, scheint mir noch besonders durch 
die in § 12 von Oellius beispielsweise aus Vergilius angezogene 
>^^ klargelegt, wo ausdrücklich wieder von zwei plfttzen 



286 FWeiM: Iber iu TMUbtüom b«i Oellini XTI &. 

()mo dw) , dh. von dem vordentm schland (ftmees) und dem danuf 
folgenden eingang (veritMitm) die rede'üt. ieh nehme also mn: nl 
der are» stieg ftühier vielleielit der besuch ans dem wagen, iptter 
ans der einfte (rgl. Niesen s. 632), nm dnrch die portiime zum resti- 
bnlnm sich in begeben , oder oo^ wahrsobainlidier , am wagen mA 
Blnfte bis mr rtlekhehr vom bemcb oder von der andient wirtea 
an lassen , weil dies in den engen Strassen von der polini wol nicht 
geduldet werden konnte, in provincialatldten, wie k. b. in Pompeji, 
als dem abklateoh der grosistadt, vorlegte man das warteplata wegea 
beschrttnktheit des ranmee imA dem ionem des banses nnd könnt« 
ihm also anch nnr eine bescheidene anadehnnng oinrtiuiien. ioA 
war dieser Vorplats, gani analog seinem mnsterbild, hinten mit ein«' 
po^ticoB versehen , woris die olientmi bei achlecAtem wetter unter- 
treten konnten, nnd ansserdem war er vom gewChnlioh noch dnnh 
ein gitter verschlienbar, aleo eigentlich anch iweiteüig, nnr in u- 
derer art 

Znr veranacbanliohnng wiederhole ich hier ans AKchs illostrier- 
tem wOrterbnob der rSm, aJtertOmer (Paris 1862) s. C8S eine setdi- 
nnng , welche dies» 
einem aHen freacobüd* 
das einige baoptgebtad« 
Boms entbslt, entlehat 
hat. nach dieser hat nun 
rieh daa vestibalaoi la 
denken als von drei Mi- 
ten eingeschlossen durch 
die verllngenmg der sti- 
teumauwn oder der sei- 
tengeblude (sweier mr 
rechten imd Unken bia 
an die Strasse reichender 
seitenflflgelgebfiade , welche vielleicht anch wohnungst4ume enthiel- 
ten) vor der facade des hanptgebäadea (des edelbofes oder so xa 
sagen des berschaftllcfaen palaia). hier anf einem solchen vestibnlnm 
(vgL Weissenbom zu Lifioe n 49, 3 [fa&»w] m vestAuio [ettruc] 
getUem omnem tuam instructo agmine videt; hier fanden 306 siu* 
gerUstete krieger platz) konnten wol auch statnen aufgestellt sein, 
nnd wol selbst, wie bei Jnvenalis 7, 126 — welche stelle anch 
noch als ganz besonderer beweis fUr die richügkeit dieser ansieht 
nnd dieser anslegnng dienen kann — zu lesen ist, eine impownte 
quadriga vor einem triamphwagen nnd aniEerdem eine reiterstatne. 
nach obiger Zeichnung lerftllt der von drei seilen (d. h. von dem 
hauptgebSnde und den beiden seitenflflgeln) eingeschlossene ganie 
(hof-) ranm in zwei teile nach der straeze hin. das vestibnlnm wird, 
wie onsere stelle des Aelins sagt, gebildet [In der ersten abteilmg] 
durch den (empfangs-, eingangs-) platz vor dem hanptgebBude , der 
ohne dach nnd vom nach der strasie zu zwar offen war, aber dnrch 




«ber 4m Y««tibvlom bei OelUu XVI 6. 287 

dnen bedeckten senlengang (poyticas) von der nach übrigen zwi- 
sehen de» eeitenfligeln Ua an die etraeze reichenden andern abtei- 
Img d. L Ton der area getrennt war. man hat sieb aleo Tom die 
stnsie sn denken, dann den raom zwischen den Seitenflügeln, an die 
Strasse grenzend: 1) die area, dann die die area and das TestibYilam 
der breite nach trennende, yoneinem Seitenflügel zum andern reidiende 
bedeckte (2) porticns, und hinter dieser 3) das Testibnlam bis 
la die hanptgebtnde. da wir der hoiFentüeh einen sichern auf- 
seUutt bringenden grSszem ausgäbe des Glellius von Martin Hertz 
Udsr noch immer entbehren, so gestatte man mir vorläufig folgen- 
dea vorsolüag einer toztesftndenuig. wenn gleich der aosdniek oloe 
sor von den auf beiden Seiten des atrium (oder auch des peristylium) 
befindlichen rftumen (abseiten, seitengemSchem, corridors), wozu 
Bsn deneingang durch zwei grosse thüren bewerkstelligte, 
gebrsncht wird, so ist es mir doch nicht unwahrscheinlich, dasz auch 
die {aeüfida zur rechten und linken seite, die) dexhra smishraque mit 
deoft auadruck älae kOnnen belegt worden sein. Wenn man also nicht 
den auafidl einee wertes annehmen und schreiben will: cum dextra 
nmstraque ianorum ianua teäaque auni tnae iunda. aique usw., 
so mSchte ich, um der ganzen stelle Oberhaupt die gehörige abrun- 
dong zu geben, dann für cum dexlra sinistraque ianuarum usw. 
\mm: eum dextra smiOraque alarum (Trrepdbv) tecta quidem 
MMf vkie immeta^ ^ii^9^ ^f^a iemua proad a via ed^ area vacanH 
mfersito, d. h. *fflit dem rechten und linken 8eitenflügel[teil]' oder 
lach ^mit der rechten und linken seite sind die seitenflügelgeb&ude 
iwsr mit der Strasse verbundeui und doch ist die thflr (des palastest 
des hanptgebftudes) selbst weit von der strasze ab, da ja' usw. 



Anhangsweise lasse ich hier eine verbesserte wörtliche wieder- 
gäbe der captionsformel der Vestalinnen bei Oellius 1 12, 14 folgen, 
die sn stelle der in meiner Übersetzung I s. 64 gegebenen zu treten 
bestimmt ist: *[dich heilige] priesterin der Yesta, welche die heiligen 
gebriuche, die zu verrichten einer vestalischen priesterin dem rechte 
gemisz zusteht, verrichten soll zu nutz und frommen des römischen 
Volkes, [überiiaopi] des ganzen Staates, wie [bisher] manch eine 
[deren indil nidit mangelhaft war, uneingescbrftnkt im ausgedehn- 
testen sinne des wertes] mit allen rediten und Vorzügen es war, 
gerade so, Amata, ergreife ich dich [als eine nun erwtthlte].' 

Sbbsdbh. Fritz Wnus. 



288 Philologische gelegenheiteachriften. 

(21.) 

PHILOLOGISCHE OELEOENHEITSSCHSEPTEN. 



Gieszen (aniv.) Friderioas Boetnheld: de epithetorum composito- 
rum apud Earipidem usa et formfttione. rerlag von J. Ricker. 1877. 
212 8. gr. 8. 

Görlitz (gjnm.] Gnstay Müller: zar lehre yom infiaitiT im Utei- 
nischen. drack. Ton H. Joagandress. 1878. 20 s. gr. i. 

Kiel (nniy., znm gebnrtstag des kaisere 22 märz 1878) Ednardi 
Lnebberti dissertatio de gentiB Claadiae commentariis domesticii. 
drack ron C. F. Mohr (rerlag der aniv.-bachhandlong), 81 s. 4. 

Leipzig (aniv., doctordiasertationen) Paul Johann Vogel (ans 
Planen) : in Dinarchnm cnrae ^rammaticae rbetoricae oriticae. 
drnck Ton Starro nnd Koppe. 1877. 71 e. gr. 8. — Edmaod 
Dorf fei (ans Leipzig): Jobann Friedrich Ghrxst, sein leben nnd 
seine Schriften, ein beitrag znr gelehrtengesehichta des 18n jh. 
drnck von Breitkopf nnd Härtel. 1878. 150 s. gr. 8. — Krnit 
Richard Schnize (ans BanUen): prolegomenon in Demostheou 
qnae fertor orationem adversns Apatnrium capita dno. druck ton 
G. Krejsing. 1878. 84 s. gr. 8. — Malvin Bechert (aus Leisnig): 
de M. Manilii emendandi ratione. vorlag von 8. Hirzel. 1878. 
62 s. gr. 8. 

Münster (gymn. Pauiinum) Johannes Oberdick: de stasimo primo 
fabulae Aeschyleae quae Septem adversus Thebas inscribitur. drack 
von Coppenrath. 1878. 12 s. gr. 4. 

Rostock (nniv., lectionskatalog sommer 1878) F. V, Fritasohe: ana- 
lecta Plautina. pars secnada. druck von Adler. 10 a. gr. 4. 

Saarbrücken (gymn.) Aristophanis Thesmophoriazusae. reeensnit 
Adolphus von Velsen. druck von B. G. Teubner in Leipzig. 
1878. 28 8. gr. 4. 

Weimar (Wilhelm-firnstisches gjrmn.) Otto Schobert: symbolae ad 
Terentium emendandnm. bofbuchdrnckereL 1878. 17 a. gr. 4. 

Wien (akad. der wies.) Wilhelm Hartel: Demostheniache Studien. 
II. (aus den Sitzungsberichten der phil.-hist. classe bd. 88.) druck 
von A. Heizhansen (comm.-verlag von K. Gerolds söhn). 1878. 1S8 1. 
gr. 8. — Th. Gomperz: die bruchstficke der griechischen tragikei 
und Cobets neueste kritische manier. ein mahnwort. vOriag Toa 

A. Holder. 1878. 44 s. gr. 8. ~ Adolf Bauer: die entatehnag 
des Herodotischen geschichtswerkes. eine kritische uotersnchuug. 
Verlag von W. Braumüller. VII n. 174 s. gr. 8. 

Wittenberg (gymn.) Ludwig Genther: über den gebrauch der me- 
taphern bei Juvenal. druck von W. Fiedler. 1878. 80 s. gr. 4. 

Würzburg (univ.) Carl Conrad Müller: de arte critica Cebetii 
tabulae adhibenda. druck von C. J. Becker (vorlag von A. Stuber}. 
1877. 88 s. gr. 8. — G. Landgraf: de Ciceronis elocntione in 
orationibus pro P. Qninctio et pro Sex. Roseio Amerino conspicna. 
Verlag von A. Stuber. 1878. 62 s. gr. 8. 

Würzen (realscbule) C. H. Stending: beitrüge znr texikiitik im 
dialogus des Tacitus. druck von G. Jacob. 1878. 18 s. gr. 4. 

Znaim (gymn.) A. Kriehenbaner: ulie Irrfahrt des Menelaos, nebit 
einem anhange zur erklämng über 'die rosenfinger nnd den aafran- 
mantel der sonne', druck von M. F. Lenk. 1877. 82 s. lex. 8. 

Zürich (univ., zur 400jährigen Jubelfeier der unlv. Tübingen 9 attg. 1877} 
Arnold Hug: Aeneas von Stjmphalos, ein arkadischer sehriftsteiler 
aus dassischer zeit, druck von Zürcher n. Furrer (vorlag von 

B. G. Teubner in Leipzig). 46 s. gr. 4. 



ERSTE ABTEILUNG 

rÜB CLASSISCHE PHILOLOGIE 

HERAUSGEGEBEN VON ALFRED FlECKEISEN. 



86. 

DIE ATHENISCHE STEÜEBEEFOBM IM JAHB DES 

NAUSINIKOS. 



Fflr die geachichte der athenischen finansen im vierten jh. ist 
nichts hedeateamer geworden als die durchgreifende Umgestaltung 
des stenerwesens , die eich im jähre der gründung des zweiten atti- 
schen seebondes vollzogen hat. die erdrftckende Steuerlast, welche 
durch den korinthischen krieg über die bttrgerschaft gebracht wor* 
den war, hatte schon kurz vor auff&hrung der Ekklesiaznsen den 
reformvorschlag des Euripides hervorgerufen, der wie es scheint 
dM vermögen der Staatsangehörigen in weiterem umfang als bisher 
beranzuzidieii bezweckte, aber die auf ihn gesetzten hoffnungen 
gsaz unerfttllt liesz. dagegen hat die unter Nausinikos eingeffihrte 
steaerver&ssang sich so trefiOich bewShrt, dasz sie bis zu ende der 
Qflsbhliigigkeit Athens für die umlegung der finanziellen leistungen 
SB den Staat maszgebend geblieben ist. worin das eigentümliche 
Wesen der neuen Organisation bestanden hat, ist von Böckh mit so 
tcharfinnniger und umsichtiger combination der spftrlich auf uns ge- 
sagten andentungen dargelegt worden, dasz die richtigkeit seiner 
ogebttiase wenigstens ftür dtfs der einscldltzung zu gründe liegvide 
sjstem im wesentlichen nicht bezweifelt werden zu können schien, 
demioch hat gerade hierüber nach dem vergeblichen einspruch von 
Bake (*de Atheniensium €icq)0p$' in seinen scholica hypomnemata 
IV 116 — 183) neuerdings wieder der bekannte nationalökonom Bod- 
bertos in aeinem aufsatze *über die römischen tributsteuem' in Hilde- 
binds jahrbflehem ftlr nationalökonomie und Statistik Vin 453 — 
M eine durchaus abweichende auffassung zu begründen gesucht und 
bd Waehamuth *stadt Athen* I 582 die unbedingteste Zustimmung 
gefunden, da ich im gegenteil die neue ansieht für unvereinbar mit 
deotlichen spuren der Überlieferung erklftren musz , so erscheint es 
nir angezeigt, in eine refision der frage einzutreten; es wird sich 
«her empfehlen in den bereich der erörterung auch den von Bod- 
bdtts nieht behandelten teil der reform, die sjmmorienordnung, zu 

fir dMt. phUol. ISIS bft 6 n. 6. 19 



290 JHLipaius: die athenische eteuerreform im jähr des Nausinikoa. 

ziehen, deren beurteilung durch Böckh meines erachtens in ein paar 
puncten der modification bedarf. 

Die grunddifferenz zwischen den sich gegenüberstehenden auf- 
fassungen liegt darin, dasz Böckh in der eisphora eine Vermögens* 
Steuer, Bodbertus eine einkommensteuer erkennt, beiderseits ist 
man darüber einverstanden, dasz schon die attische Steuergesetz- 
gebung die notwendigkeit begriffen hat, das bedeutendere vermögen 
oder einkommen stärker, das geringere schwächer zu belasten, aber 
während sie nach Böckh diesem zwecke durch absetzung eines 
gröszem oder geringern Vermögensteils als bleibendes steuercapital 
oder timema zu genügen suchte, von welchem in jedem einzelnen 
bedürfhisfalle bei allen der gleiche procentsatz eingehoben ward, 
verfolgte sie nach Bodbertus dasselbe ziel auf dem wege einer pro- 
gressiven und zwar vierclassigen einkommensteuer, die die progression 
erst mit der zweiten classe beginnen liesz , in der vierten aber einen 
Steuersatz von 20 7u ergab, wenn die überkommenen nachriohten 
eine wähl zwischen beiden auffassungen verstatteten, so würde man 
sich vielleicht geneigt fühlen der letztem ansieht den vorzug in 
geben, denn zu ihren gunsten darf sie eine doppelte erwägung gel- 
tend machen: 6inmal dasz für ein handeis- und industrievolk wie 
das athenische eine einkommensteuer an sich als die zwedtmäszigere 
erscheint , zumal bei der groszen Ungleichheit des ertrags der ?er- 
schiedenen erwerbsquellen ; anderseits aber dasz bereits in der Solo- 
nischen Schätzung der ertrag, nicht der capitalwert des bodenbesitzes 
zu gründe gelegt, die nach ihr bemessenen lasten somit als ertrags- 
steuem zu betrachten seien, indessen musz man sich hüten den wert 
dieser argumente zu überschätzen, dasz auch für einen bandelsstaat 
die möglichkeit einer einkommensteuer nicht bestritten werden darf, 
erweisen die bekannten beispiele der Florentinischen republik im 
mittelalter und der Vereinigten Staaten von Nordamerika in der 
gegenwart (vgl. Parieu trait6 des impots I 417 f. 438). welch er- 
hebliche bedeutung aber in Attika der grundbesitz noch zu ende des 
fünften jh. beanspruchte, dafür genügt es an die thatsache zu er^ 
innem, dasz Phormisios bei Wiederherstellung der demokraüe daran 
denken durfte , ihn zur Voraussetzung des bürgerrechts za machen, 
und im falle der durchbringung seines antrage nur etwa den vierten 
teil der frühem bürgerschaft ausgeschlossen haben würde , während 
ein Jahrhundert später die von ähnlichen gesichtspnncten ausgebende 
maszregel des Antipatros die Zugehörigkeit zur politischen gemeinde 
an einen minimalbesitz von überhaupt 20 minen geknüpft bat. die 
auffassung der Solonischen Schätzung aber ist bei dem unzureichen- 
den des materials bekanntlich eine offene frage, wenn Böckh recht 
hat, so wurde das einkommen aus dem grundbesitz nicht als solches 
besteuert, sondern nur als mittel zur bestimmung des grund wertes 
verwendet , nach welchem dann das steuercapital des einzelnen be- 
messen ward, eine meinung die in dem resultate dieser Untersuchung 
eine gewisse stütze finden wird. 



JHUpsias : die athenische stenerreform im jähr des Nausi^iikos. 291 

Eine entscheidnng der controverse über den Charakter der 
eisphora seit Nansinikos wird also nur ans sorgsamer prüfang der 
flberlieferung zu gewinnen sein, den einzigen historischen bericht 
Aber die reform gibt Poljbios II 62, nnd schon darin musz ich Bod- 
bertos nnd Wachsmnth widersprechen , wenn sie diesen bericht für 
ihre auffassong verwerten zu können meinen« entscheidend gegen 
ihr Terst&ndnis der stelle ist der zusammenbang, der angäbe des 
Phjlarchos, dasz bei der einnähme von Megalopolis dnrch Kleomenes 
die bente einen erlös yon 6000 talenten ergeben habe, setzt Poljbios 
die behanptnng entgegen, dasz zu seiner zeit trotz wesentlich ge- 
hobenen wolstandes nicht einmal der mobiliarbesitz des ganzen 
Peloponnes den gleichen ertrag liefern würde, und begründet diese 
bebanptnng.mit dem ergebnis der athenischen Schätzung unter Nau- 
einikos: xpivovTCc dirö Tf)c äEiac iroicTcOai t&c €ic töv itöXcmov 
ckq>opdc liTipTJcavTO x/jv T€ Xibpav Tf|v *ATTiirf|v äiracav koI xäc 
oiidac, ö^ioiuic bk, Kai Tf|v Xoi7Tf)v oöc(av* dXX" öjiwc tö cupirav 
TipTVia Tiic äEiac ^v^Xmc rdiv äaKicxiXlwv bmKOcioic kqI ircvTi^- 
Kovra TaXdvTOic. wenn man in diesen werten tö ciipirav Tlpriptt 
Tfjc dEiac von dem einkommen der gesamten einwohnerschaft Ton 
Attika yerateht, so führt man damit einen begriff ein, welcher der 
sQseinBDdersetzung des Poljbios ganz fem liegt und seine argumen- 
Ution geradezu unverstftndlich machen würde, aber auch nach allem 
Sprachgebrauch kann &£ta von begriffen wie X^P<^) olKiai, Xoiirf| 
oucia pritdiciert nichts anderes als ihren wert bezeichnen, was 
ich auch gegen die deutung der werte bei Schömann gr. alt. I' 484 
'Mhitzung der steuerffthigkeit' entschieden festhalten musz. keiner 
▼iderlegnng bedarf natürlich Bodbertus sophisma, dasz *ä€ia recht 
eigentlich das was einer verdient, was einem zu- oder einkommt, 
bedeutet.' es wird also dabei sein bewenden haben müssen , dasz 
Poljbios die notiz seiner quelle von den 5750 talenten timema irr- 
tflmlieh dahin aufgefaszt hat, dasz damit der gesamtwert des atti- 
schen YolksYermögens bezeichnet sein solle. 

Mit etwas besserem scheine durfte sich Rodbertus auf eine 
itiszemng des Demosthenes in der sjmmorienrede § 30 berufen. 
<iar redner führt hier den gedanken durch, dasz, so unzulänglich 
such dem enonnen schätze des groszkönigs gegenüber selbst die 
drückendste eisphora erscheinen müsse, dennoch jener mit den hilfs* 
quellen des attischen Staates keinen vergleich aushalte, ö p^v f€ 
XPudov , i&c qxictv , äyci iroXu * toGto b ' i&v biobt^ 2[r)Ti)c€i * kqI 
Top T&c Kprjvac xal t& «pptora iiTiX€(TT€iv ir^q)UK€v, i&v Tic dir' 
oÖTtbv ddpöa Kai iroXXd Xapßdvr). f|pTv bk tö Tf)c x^poc Tipiip' 
uirdpxov d9oppf|v dxoucerai, {mkp fjc iCc piv toOc imövTac £k6i- 
viw dpuvoiipeOa, o\ MapaOi&vt t^jv TrpoTÖvuiv auToO pdXiCT* fiv 
libcicv, Iwc b* &v KpaTi&pcv, oök Iw bi\no\) xpi^MaO' f)päc iiriXct- 
vciv. gewis ist Bodbertus zuzugeben , dasz der vergleich nur dann 
pisst, wenn auf eine stetig flieszende einnahmequelle hingewiesen 
wird, aber darum musz tö Tf)c Xibpac T(piipa noch nicht notwendig 

19» 



292 JELipeius: die atheniaclie steaerreform im jähr des Nausinikos. 

das gesamteinkommen des attischen volks bedeaten. denn auch wenn 
das steuercapital nach dem vermögen berechnet war, konnte das- 
selbe gegenüber dem toten golde des Perserkönigs als ein bestftndig 
werbendes gedacht werden, gar nichts aber beweist die andere aua 
Demosthenes herangezogene stelle III 33 iäv . . tqTc ircpioudaic 
xaic oTkoi Tauraic äcpopjiaic inX t& &\jj twv äTciBujv xPH^cOe. 

Zu einem sichern urteil führen die andeutungen in den reden 
gegen Aphobos, welche trotz ihrer spKrlichkeit in ihrer verbindong 
Böckhs resultat so auszer zweifei stellen , dasz für eine andere aus- 
legung schlechthin kein räum bleibt auch Bodbertus abweichende 
ansieht ist nur dadurch möglich geworden, dasz er lediglich eine 
einzige stelle der ersten rede berücksichtigt hat, die für sich betrach- 
tet allerdings eine andere auffassung näher zu legen scheint, es sind 
die Worte in § 7 tö bt TiXflOoc Tf|c oöciac 6ti toOt* fjv xd xaia- 
XeiqpB^v , ^€tictoi \iiv oötoI Motpiup^c ^oi T€TÖvaciv * de t^P ^nv 
cu^fiopioiv uiT^p d^oC cuv€Td£avTO KQTd T&c ixivre Kai cTkoci ^Yac 
irevTaKOciac bpaxM&c eicqp^peiv, öcovTrep Ti^öBeoc 6 Kövüjvoc Kai 
o\ rd fi^TiCTa KCKTiijidvoi TtfirifiaT' elc^cpepov. dies versteht Bod- 
bertus wie schon Wolf prol. ad Lept s. XCIX dahin, dasz Demo- 
sthenes zufolge der einsch&tzung durch seine Vormünder 20 7o seines 
einkommens als Steuer habe entrichten müssen, und es scheint auf 
den ersten blick unleugbar, dasz diese erklärung dem gewöhnlichen 
gebrauche des wertes eicqp^pciv besser entspricht als Böckhs Ver- 
ständnis von der eintragung eines fünfteis des Vermögens als steuer- 
capital. und dennoch wird die letztere auffassung durch den Zu- 
sammenhang der stelle mit notwendigkeit gefordert, die Verlesung 
von Zeugnissen für die behauptete thatsache kündigt der redner § 8 
mit den werten an : irpurrov ixiy oGv die cuv€Tt)JirjcavTO i)nkp £^oO 
TauTiiv Tf|V €icq)opdv eic Tf)v cuji^optav, Trap^Ojiai toutuiv ^dp- 
Tupac ; und zieht dann § 9 aus der Verlesung das resultat : bf|Xov 
^^v To(vuv Kai iK TouTUiv iQxi TÖ irXf)6oc Tf)c ouciac. nevTCKaibcKa 
TttXdvTwv Tdp Tpia raXavia Tl^r\\ia* rauniv i^Elouv clcqp^pctv Tf|v 
cicqpopdv. man sieht wie diese äuszerungen in ihrem wortlante sich 
80 genau entsprechen, dasz kein zweifei daran gestattet ist: wenn 
die zeugen aussagten, dasz das rl^ima des Demosthenes 3 talente 
betrug, so bezeugten sie eben damit, dasz er Kard Tdc ir^VTC Kai 
€lKOCi ^väc TrevTaKociac bpaxMoic eidqpcpe : so gut wie die je 500 
drachmen sind auch die 3 talente clccpopd, und weil die letztem 
nicht den steuerbetrag selbst bezeichnen können, so ist dies aach bei 
den erstem nicht der fall. Bodbertus, der diesen Zusammenhang 
nicht beachtet hat , musz die 3 talente als Jahresertrag von Demo- 
sthenes vermögen ansehen und danach den einmaligen betrag der 
von ihm gezahlten eisphora auf 36 minen berechnen, damit steht 
aber in eclatantestem widersprach die nicht anzutastende angsbe in 
^ § 37, dasz die Vormünder als gesamtbetrag der in 10 jähren erlegten 
steuern, von denen sie nach § 46 einen teü nicht einmal bezahlt, 18 
minen in rechnung gestellt hatten, in diese angäbe kommt auch 



JEIapsioB : die athenische Steuerreform im jähr des Nausinikos. 293 

dadurch keine Unsicherheit, dasz Demosthenes hinzuftlgt, er wolle 
statt jener 18 minen sogar 30 rechnen , um den Vormündern jede 
einrede abzuschneiden, denn damit bringt er, wie Buermann in die- 
sen Jahrbüchern 1875 s. 812 f. gesehen hat, nur in abzug, was er zu- 
vor an Zinsen jenen zu lasten zu viel angesetzt hat. 

Aber noch aus einem andern gründe erweist sich die auffassung 
der 3 talente als einkommen und damit der ganzen Steuer als ein- 
kommensteuer sofort als unzulässig, der ertrag seines Vermögens 
ist für Demosthenes offenbar eine unbekannte grösze, während er, 
wenn er ihm bekannt war, als ein wesentlicher factor in die rech- 
nnng eingeführt werden muste. dies vor allem an der stelle, wo der 
redner nachweisen will, wie hoch sein vermögen bei gewissenhafter 
Verwaltung hätte anwachsen müssen, aber auch hier kennt er nur 
die einkünfte aus den drei Vermögensposten, für die er sie bereits 
bei der specification der hinterlassenschaft angegeben hat, und be- 
rechnet danach den möglichen ertrag der übrigen zwei drittel, selbst 
naeh dieser rechnung würde aber das gesamteinkommen nicht 3 
talente oder 20 7o erreicht haben, und in Wirklichkeit musz es sich 
noch erheblich niedriger gestellt haben, wie sich aus den angaben in 
§ 9 — 11 leicht überschlagen läszt. 

Ist aber schon aus diesen gründen — thäte es not, so würden 
sie sieh unschwer vermehren lassen — die von Rodbertus den stellen 
der Aphoboereden gegebene deutung unhaltb^, so bleibt nur übrig 
€k<p^iv (de Tf|V cu^^op(av) und, was ich gegen Böckh I* 609 e 
hinzusetze, elccpopd dort und in § 61 der Androtionea von der ein- 
trsgong eines Vermögensteils als steuercapital zu verstehen, eine 
übertragong die namentlich dann alles befremdende verliert, wenn 
wir mit einer leichten modifioation der von Böckh bekämpften an- 
sieht von Parreidt annehmen, dasz man den in die steuerrolle einge- 
tragenen bmchteil als den betrag ansah , bis zu welchem dem staat 
flbo' das vermögen der einzelnen wenn auch nicht auf Einmal zu 
verfügen gestattet sein sollte, warum man diesen teil bei den höchst- 
besteuerten gerade auf ein fünftel ansetzte, entzieht sich freilich 
einer sichern erUärung. Schümann sieht den grund darin, dasz man 
den ertrag der gröszem vermögen so hoch veranschlagt habe, und 
findet dies, insoweit mit Bodbertus übereinstimmend, bei der hohen 
nntabilität des eapitals in Athen durchaus nicht ungerechtfertigt. 
bicrgegen musz aber schon Aka bedenken erwecken, was Demosthenes 
Über den ertrag seines Vermögens angibt, wiewol er denselben eher 
in überschätzen geneigt sein muste. selbst das vermögen des Anti- 
doro«, an dessen Wachstum er (§ 58) die mögliche Vermehrung des 
«gnen erbes bemiszt, war in den sechs jähren seiner Unmündigkeit 
dnrch Verpachtung von 37} talenten nur auf 6 gestiegen, hatte sich 
also um nicht ganz 12% verzinst, wenn man nemlich nicht zins auf 
zins berechnet^ dafür aber auch die kosten des Unterhalts auszer an- 
scUag läszt. und wenn solchen einzelfäUen immer nur eine be- 
lehxinkte beweiskraft zukommt, so fällt desto schwerer die thatsache 



294 JHLipsius: die athenische Steuerreform im jähr des Nauainikoe. 

ins gewicht, dasz selbst der aus naheliegenden gründen besonders 
hohe seezins in der mitte des vierten jh. in der regel nicht mehr als 
20% betrug.^ anderseits hat aber auch die erklSmng yon BOckh 
wenig überzeugendes, dasz das steuercapital für die unterste der vier 
von ihm angenommenen classen dem ertrag ihres Vermögens nach 
niedrigem anschlage ungeÜLhr gleich, zu 8% ^^s Vermögens angesetzt 
worden sei und für jede der hohem drei classen sich um47o gestei- 
gert habe, in diesen annahmen ist, wie Böckh selbst deutlich er- 
kennen läszt, alles eben nur hjpothese, und selbst die vorausaetzang 
des fortbestehens von vier vermögensdassen , mit welcher er das 
richtige getroffen zu haben überzeugt ist, musz darum Oberaus 
fraglich erscheinen, weil mit der hohem entwicklung des wirtschaft- 
lichen lebens erfahrungsmäszig die abstufungen der steuerclaasen 
sich zu mehren pflegen. 

Um auch das letzte bedenken gegen die auffassung der eisphora 
als Vermögenssteuer zu beseitigen, ist natürlich eine regelmfiazige 
erneuerung des Schätzungsverfahrens wenigstens in zwei - oder vier- 
jährigen Perioden vorauszusetzen, wie sie nach Aristoteles in den 
gröszem Staaten die regel gebildet haben musz. darum kann auch 
die gesamtsumme der steuercapitale keine constante gewesen sein, 
und die 6000 talente, die Demosthenes in der sjrmmorienrede seinen 
berechnungen zu gründe legt, dürfen nicht als runde zahl fttr die 
5750 talente bei Poljbios, sondern als ungefährer durchschnitta- 
betrag jener jähre angesehen werden, der sich gegen das ergebnia 
der ersten abschätzung ganz glaublicher weise etwas erhöht haben 
wird, dasz übrigens in Attika der von Böckh behauptete allgemeine 
Vermögenskataster nicht existiert haben kann, ist eine richtige be* 
merkung von Bake , die einzige durch welche seine breite abband- 
lung die Untersuchung wirklich gefördert hat. den untrüglichen 
gegenbeweis liefern auch hier die vormundschaftsreden des Demo- 
sthenes. 

Die Organisation der unter Nausinikos ftlr die Vermögenssteuer 
eingerichteten sjmmorien hat Böckh in der zweiten ausgäbe der 
Staatshaushaltung bekanntlich in der weise dargestellt, dasz er die 
eigentlichen glieder der sjmmorien durch die 1200 reichsten bflrger 
gebildet, denselben aber die übrigen steuerpflichtigen so zugeordnet 
denkt, dasz die sjrmmorien ungefähr gleiche teile der Schätzung ent- 
hielten, zu dieser modification seiner ursprünglichen ansieht hat er 
sich auf erinnerung von Schömann ant. iuris publici Gn s. 327 durch 
eine fiuszerung des Isokrates bestimmen lassen, gegen den weiter- 
gehenden schlusz aber auf die identität der sjmmorien der eisphora 



^ die oben befolgte aaffassang der bekannten stelle Xen. fröpot 
8, 9 ist freilich von Böckh I> 189. 192 bestritten, aber ich muss di« 
berechtigang in abrede stellen, die beziebnng der worte (Dcircp vaun- 
k6v weiter als auf das unmittelbar folgende cxcööv iirinc^irrov a^ifi 
ir(TV€Tat za erstrecken. 



JBLipüa8: die athenifiche steueirefonn im jähr des Nausinikoe. 295 

mit den trierarchischen symmorien, zu welchen letzteren nach sicherem 
xeognis die 1200 reichsten bttrger contribuierten , hat sich Böckh 
durchweg ablehnend verhalten, dagegen sind die meisten gelehrten 
auch hierin Schömann beigetreten, so dasz dessen ansieht gegen- 
wärtig als die herschende gelten darf: vgl. die nach Weisungen griech. 
alt I' 490. meinerseits vermag ich aber dieselbe in der herkömm- 
liehen formolierung so wenig zu teilen, dasz ich auch die bündigkeit 
der ans der Isokxatesstelle gezogenen folgerung entschieden bestrei- 
ten mnsz. 

*£& handelt sich um die worte in der rede 7T£pi ävTib6c£U)C § 145 
ik bi Touc biaKoctouc kqI x^^iouc touc elcqpdpovTac xai XeiToup- 
ToOvrac ou mövov aöröv naoixexc dXXd Kai töv u\öv, kqI rplc jyii^v 
^6ii T€Tpuipapxi^xaT6 , rdc b* dXXac XeiTOupTiac ircXureX^CTcpov 
XeXciTOupTilKaTe kqI xdXXiov div ol vöjyiGi TrpocTdTTOuciv. wfire auf 
diesen ausdrnck sicherer verlasz, so mttsten eben nur 1200 bürger zur 
Zahlung der eisphora verpflichtet gewesen sein, die Unmöglichkeit die* 
ser annähme ist aber von BCckh mit den schlagendsten gründen dar- 
gethan worden; was Bake dagegen vorgebracht hat, fällt in sich 
selbst zusammen , nachdem sich uns die Böckhsche deutung des be- 
griffee Ttfif)^a als die einzig haltbare bewährt hat. es steht also fest, 
dasz alle bflrger, wenigstens soweit ihr vermögen ein gewisses mini- 
mum (nach Böckh von 25 minen) überstieg, zu den symmorien einge- 
schätzt wurden, und zwar nach wie vor Nausinikos auf grund einer 
lelbstabechätzung, deren controle den biorrpaqpeic obgelegen haben 
wird, an der spitze der symmorien stehen die 300 reichsten, die rpia- 
KÖcioi, die Isaios in der ol. 104, 1 gehaltenen rede über das erbe des 
Philoktemon als seit längerer zeit schon functionierend kennt, wie 
«ehr jeder maszgebende einflusz ausschlieszlich in ihrer band lag, das 
spricht sich auf das unzweideutigste in dem berühmten vergleiche 
des Demoethenes zwischen den parteien im Staate und den steuer- 
«jmmorien aus. wenn nun aber die herschende ansieht, um die 
1200 eicq>^povT£C nicht aufgeben zu müssen, in ihnen die «eigent- 
lichen glieder der symmorien erblickt, so sucht man zunächst 
vogeblich eine klare Vorstellung über das Verhältnis zu gewinnen, 
in dem diese symmoriten einerseits zu den 300, anderseits zu den 
Abrigtn steuerpflichtigen gestanden haben sollen, auch verdient 
tk sieherlich volle b^htung, dasz Philochoros von der einrioh* 
taug der symmorien unter Nausinikos im fünften buche der Atthis 
gehsndelt, der zwölfhundert aber erst im sechsten buche erwäh- 
BBiig gethan hat. um so weniger wird man einen zufall darin erken- 
nen dürfen, wenn von der existenz der 1200 sich vor anwendung 
<)er symmorienverfaesung auf die trierarchie nirgends die geringste 
ipor findet, denn der gedanke des Harpokration, mit ihnen die von 
Lysias und Isaios erwähnten xiAioi zu identificieren, hat mit gutem 
gründe bei niemand glauben gefunden, das von Böckh aus der 
lebenszeit des Lysias entnommene bedenken ist zwar heute nicht 
mehr aalrecht zu erhalten; aber gegen die vermeintliche abrundung 



296 JHLipsinB: die atheniBclie Steuerreform im jähr des Kausiiukos. 

der zahl selbst mUssen sich die gewichtigsten zweifei erheben, ja 
einen ausdrücklichen gegenbeweis gegen das frühere Vorhandensein 
der zwölfhundert glaube ich in der fassung der worte erkennen sn 
dürfen, mit welchen Demosthenes die niedersetzung der 1200 trie- 
rarchen berichtet (XXI 155) : St€ irpuiTOV ^^v biaKOCtouc'Kai xtXiouc 
7r6Troi/)KaT6 cuvreXeic öfieic. wären diese von einer schon vorher 
bestehenden corporation nicht verschieden gewesen, so hätte dies 
doch mindestens in dem zusatz des artikels seinen ausdmck finden 
müssen, so bleibt noch die stelle in der sjmmorienrede zu erledj^n, 
die man von jeher als hauptbeweis für die einerleiheit der trierarchi- 
sehen und der steuersjmmorien zu verwerten pflegt unter den vor- 
schlagen, welche Demosthenes in jener rede macht, um die schlag- 
fertigkeit der athenischen Streitmacht zu erhohen, ist der erste der 
(§ 16) , die zwölfhundert zur trierarchie verpflichteten auf zweitau- 
send |zu bringen : iäv fäp toOt ' änobe\ir\Te rd nXfiGoc , f)TOU^al 
Twv diriKX/)pu)V Kai Tuiv öpq)aviav xal tuuv kXtipouxikuiv kqI tupv 
KOtvuivtKdiv kqI €l Ttc dbuvaTOc äqpaip€6^vTU)V, £c6c6ai xiXiaxal 
biaxöcia TaC6' öfiiv cuujiaTa. also, schlieszt man, müssen in der 
zahl jener zwölfhundert viele gewesen sein, welche immnnität von 
der trierarchie besaszen, die zwölfhundert sind daher zu einem an- 
dern zwecke constituiert gewesen, nemlich eben behufs der Steuer- 
zahlung, diese schluszfolgemng ist aber in ihrem letzteren teile 
keineswegs zwingend, denn es wäre zunächst die mögliobkeit der 
von Böckh (s. 729) aufgestellten erklärung noch nicht ausgeschlossen^ 
dasz man nach erlasz des von Periandros beantragten gesetzes zwölf- 
hundert Personen für die sjmmonen der trierarchie bestimmt habe, 
von diesen seitdem aber viele aus den von Demosthenes bezeichneten 
gründen ausgeschieden seien, doch diese auskunft scheitert an der 
erwägung, dasz eine solche menge von ausfällen, wie sie der Vor- 
schlag des redners voraussetzt, unmöglich in den wenigen jähren 
seit des Periandros gesetze sich ergeben haben kann, es musz also 
in der that von vom herein unter den zwölfhundert, ebenso wie es 
Demosthenes für seine zweitausend sofort in aussieht nimt, eine an- 
zahl sich befunden haben, die von der trierarchie befreit war, und es 
beseitigt sich damit das wesentlichste bedenken, welches Böckh gegen 
die identificierung beider sjmmorien geltend machte, dasz das ver- 
mögen von Waisen, erbtöchtem, kleruchen ua. wol der eispkora, 
nicht aber der trierarchie unterworfen gewesen ist. kann ich mich 
aber aus den oben dargelegten gründen auch mit der gewöhnlichen 
meinung nicht befreunden , so scheint sich vielmehr folgendes als 
die wahrscheinlichste auffassung herauszustellen, als man bescfalosz 
die symmorienverfassung auch für die trierarchie nutzbar zu maehen, 
konnte man zunächst nicht daran denken, die gesamtheit der steuer- 
pflichtigen , sondern nur die reichsten in der zahl von etwa iwölf* 
hundert zu dieser leistung heranzuziehen, dabei lag es nahe zur 
Vereinfachung des verfahrene einfach den obersten steuerdassen die 
Verpflichtung aufzuerlegen, ohne dasz man darauf bedacht nahm für 



iub: die atheniBche Steuerreform im jähr des Nausinikos. 297 

die, welche in folge gesetzlicher befreiung ausschieden, einen ersatz 
ZQ schaffen; daher können die zwOlfhundert cuvreXeTc niemals yoU- 
zlhlig gewesen sein, stellten aber somit die trierarchiepflichtigen 
nnr engere yerbftnde innerhalb der sjmmorien dar , so begreift sich 
wie man daxn kam den letztem namen auch für jene zu verwenden: 
beseiehnet doch Hypereides auch die fünfzehn cuvTcXeic als cu)i- 
\iiOfia (Harpokration ndw.). damit ist es aber zugleich erklärt, 
wanun der ofiBdelle Sprachgebrauch den ansdruck cu^fiopia ohne 
nsati brandit; ebenso versteht sich dasz die dreihundert auch bei 
der trienurchie die einfluszreichste rolle spielen (Aisch. HI 222 mit 
den parallelstellen des Hypereides und Deinarchos), ohne dasz man 
zn der nnnatfirlichen annähme von zwei arten TpiaxöciGi zu greifen 
braucht der stelle des Isokrates freilich, die den ausgangspunct 
disier Untersuchung bildet, ist die i(^genauigkeit zur last zu legen» 
disz sie die zwOlfhundert als Toiic elcqp^povrac kqI XciTOupToCvrac 
beneont, während sie an der Vermögenssteuer nur den hauptanteil 
XQ tragen hatten; indessen von diesem Vorwurf ist der redner in 
keinem falle freizusprechen* eher wird man auf seine autorität hin 
umehmen dflrfen, dasz die zwölfhundert damals die leistung auch 
der enkyklisohen leiturgien obgelegen hat; in der sache selbst 
wenigstens finde ich kein bedenken, die xiXioi des Ljsias und Isaios 
aber mit dieser frage in beziehung zu setzen musz ich denen über- 
lassen, die an unerweislichen combinationen ihre freude haben. 

Bagagen lohnt es auf eine verftnderung in der modalität der 
steaersrhebung einzugehen, die erst nach dem archontat des Nau- 
sinikos eingetreten ist. bei einführung der reform behielt man zu- 
niefast die frühere praxis bei, dasz die Steuer vom Staate direct ein- 
getneben wnrde; wer damit im rückstand blieb, verfiel dem ver- 
Uiren, das gegen die staatsschuldner geordnet war, eventuell der 
eoafiaeation seines Vermögens (Ljsias XXTX 9. Dem. XXTT 54. 77). 
allein die Verzögerung in dem eingehen der steuerbetrftge, die bei 
dieser einriehtnng unausbleiblich war, und die groszen unzutrSg- 
ficUceiten, die dem staatsinteresse daraus erwachsen musten, veran- 
lastten za der einführung der irpO€icq>opä, die spttter, wie die sjm- 
aonenverfiassung überhaupt, analoge anwendung auf die trierarchie 
gefunden hat, dh. man verpflichtete die reichsten in der bürgerschaft 
sofort den gesamtbetrag der ausgeschriebenen Steuer an die Staats- 
caase abzuführen, und überliesz es ihnen von den übrigen steuer- 
pflichtigen den geleisteten vorschusz, wenn nötig auf gerichtlichem 
Wege, beizntreiben. dasz dies verfahren sehr bald nach Nausini- 
kos zur regel geworden ist, beweist eine stelle des Demosthenes, 
weidie bisher ihre richtige deutung noch nicht gefunden hat. in der 
f^ g«g«n Androtion liest man § 44: i^^iv wap& t&c elc<popdc 
toc irkö NouctviKOu, irotp' Tcuic rdXavra TpiäKOvro i) Mixpd» nXelui, 
AXciMlia T^apa koX bixa lct\ TdXavra. Böckh (s. 676) verstand 
& stelle dahin, dasz noch unter Nausinikos die erste Umlage nach 
dem neuen Steuersystem erfolgt sei, die etwas über 300 talente ein- 



298 JHLipsiuB : die .athenische Steuerreform im jähr des Nausinikos. 

getragen habe , also eine cIkoctii gewesen sein müsse, wie aber mit 
dieser auffassung der ausdruck änö NauciviKOU in einklang gebracht 
werden könne, hat er nicht gesagt; offenbar sollte man in dem ge- 
forderten sinne statt äirö das schon von Taylor und Beiske verlangte 
^TTi erwarten. ASchaefer Dem. u. s« z. I 20 anm. 1 suchte mit der 
Annahme zu helfen, änö N. bedeute 'die aus jenem jähre in rechnnDg 
gestellten steuern' ; der schosz sei unter Nausinikos ausgeschrieben, 
aber in teilzahlungen erlegt worden , die sich auf mehrere jähre er- 
streckten, indessen ist nicht abzusehen, wie dieser sinn in dem ein- 
fachen dTTÖ N. enthalten sein könne, gegen die einzig natflrliche 
deutung ^die seit dem jähr des Nausinikos fälligen steuern' hat mim 
sich klärlich nur darum gesträubt, weil man sich vor der von Grote 
gezogenen consequenz scheute, dasz die summe der von ol. 100, 
3 bis 106, 2 umgelegten steuern nicht viel über 300 talente betra- 
gen habe, und diese folgerung kann in der that unmöglich richtig 
sein, wie oben berührt, sind in den zehn jähren, in denen Demosthe- 
nes unter Vormundschaft stand , das ist von oL 101 , 1 anfiang bis 
103, 3 anfang' mehrere steuern im gesamtbetrag von 107« des 
steuercapitals, also von etwa 600 talenten ausgeschrieben worden, 
aus den nächsten jähren sind Steuererhebungen für die hilfsendon- 
gen nach Arkadien und Lakonien ol. 103, 3 oder 4 und 104, 2 be- 
zeugt (Xen. TCÖpoi 3, 7. Dem. XVI 12). danach folgten die kämpfe 
in Thrakien ([Dem.] L 8) , mit Philippos und vor allem der bondes- 
genossenkrieg, der die steuerkraft der bürgerschaft nahezu erschöpfte 
(Xen. ao. 4, 40) ; es ist also klar dasz mindestens das vier- oder fünf- 
fache des von Grote angenommenen betrags in jener periode erhoben 
worden ist. dennoch braucht man darum an keine änderung des 
diTÖ oder der zahl zu denken, sobald man sich jenes infititut des 
iiteuervorschusses gegenwärtig hält, bei dessen anwendung" konnten 
Steuerrückstände überhaupt nicht mehr auflaufen ; anderseits aber 
lag es in der natur der sache, dasz der auf Androtions antrag nieder- 
gesetzten commission' die einziehung der rückstände aus allen seit 
dem jähre des Nausinikos vom Staate direct eingehobenen steuern 
aufgetragen wurde , und nur in dieser beschränkung konnte jeder 
hörer des redners Tdc eicqpopdc Tdc dirö NauciviKOU in einem zu- 

* in diesem ansatze stimme ich mit Schaefer uberein, ohne sein« 
begründuDg für zureichend halten za können, die frage ist wichtig ge- 
nug, um es SU rechtfertigen, wenn ich in einer besondem arörteriing 
auf sie zurückkomme [s. sogleich s. 299 ff.]. ' die behörde, an deren 
stelle diese commission trat, pflegt man nach dem Vorgang von Böckh 
8. 212 e in den ^kXot^Ic zu erblicken, aber nach dem im text gesagten 
hat es damals schwerlich noch iicXoTCtc für die eisphora gegeben, und 
da es sich um seit längerer zeit verfallene abfraben handelt, können 
nur die irpdKTOpcc competent gewesen sein, also ist der § 48 gebraachte 
ausdruck KaToXucac i|ii)q>(cfiaTa kXiipujt^v dpx^v nicht auf eine ohnehin 
kaum denkbare absetzung einer behörde, sondern nur auf entaiehnng 
einer einzelnen function zu beziehen, eine parallele bietet der längst 
richtig erklärte ausdruck des Aischines an der stelle Über die Vorsteher 
der theorikencasse III 25. 



JHIipsitts: zeitpunct der mündigeprechuog im attischen rechte. 299 

iammenhasg verstehen, wo von dem nicht eingegangenen raste die 
rede ist. ist aher diese anffassung der stelle richtig, so gewinnen 
wir Donmehr in dem geringen betrag der 300 talente einen anhält 
f&r die obige annähme, dasz die irpo€icq>opd bald nach Naosinikos 
ZOT regel geworden ist. die erste erwfihnung derselben bei [Dem.] 
L 8 gäiört in ol. 104, 3, and zwar werden in diesem falle die mit- 
glieder des raths durch volksbeschlusz beauftragt, aus den zu ihrer 
phjle gehörigen demen die demoten und eingesessenen zu bezeich- 
fies, die den vorschusz leisten sollen; dabei wird der nlune des 
ApoUodoros in drei demen angegeben, in denen er grundstttcke be- 
Mtzt dagegen erscheinen in der freilich erst aus den zeiten Alexan- 
den stammenden rede gegen Phainippos die dreihundert mit der 
Terpflichtung zum steuervorschusz behaftet, wir haben also die 
wähl, entweder den letztem modus für eine spätere, erst nach ol. 
104, 3 getroffene einrichtung anzusehen, oder das von Apollodoros 
besprochene verfidiren als ein auszerordentliches zu betrachten , das 
Ia besondem umstHnden seinen grund haben mochte, gewis wird 
min mehr geneigt sein sich mit Böckh (s. 691) für die letztere 
iltenative zu entscheiden, nicht aber kann man ihm darin bei- 
itifflmeD, wenn er in der stelle den beweis gegeben findet, dasz *bis- 
weüen das gmndeigentum nach den gauen versteuert wnrde'. es 
vflrde dies nichts geringeres besagen als dasz neben der vermögens- 
»teoer in Athen mitunter eine grundsteuer erhoben worden sei. 
tber fbr diese bedenkliche annähme fehlt es an jedem anhält, wenn 
aaa in den fraglichen werten des redners boEav u^iv un^p tuuv 
bryiOTuiv Touc ßouXeuräc direv^TKeiv touc irpoeicoicovrac tuiv t€ 
öiyiOTuiv Kai TUIV difKCicnm^vujv die genitive nicht von irpö regiert 
Min liert, sondern, wie oben geschehen, in partitivem sinne faszt. 
wenn in pachtoi^nnden über grundstttcke im besitz von demen und 
phratzien beatimmungen über die entrichtung der eisphora getroffen 
«erden (CIO. n. 93. 103. CIA. 11 n. 600), so beweist diese thatsache 
Aor, dasz anch das vermögen der corporationen in die symmorien 
«Bgssehitzt worden ist. 

Leipzig. Justus Hermann Lipsius. 



37. 

CBER den ZEITPÜNCT DER MÜNDIGSPRECHUNG IM 

ATTISCHEN RECHTE. 



Die frage aber den eintritt der mündigkeit nach attischem rechte 
ut such dnreh die verdienstliche Untersuchung von Schaefer (Dem. 
012 s. 19 iL) nicht zur vollen erledigung gebracht, so weit eine 
^»Icke Überhaupt mit unsem mittein erreichbar scheint, dasz die 
eiatngong des jungen bürgers in das XT]£iapxiKÖv TpOMM^^^etov und 



300 JHLipsinB : zeitpunct der mündigsprecbong im atÜschen rechte. 

die dadurch beurkundete mündigsprechnng im achtzehnten lebens- 
jähre erfolgte , ist durch die autorität des Aristoteles anszer zweifei 
gesetzt, mit dessen leider nicht im ursprünglichen Wortlaut erhal- 
tenen Zeugnisse keine thatsache in Widerspruch steht ob aber der 
eintritt der mttndigkeit nach angetretenem oder erst nach erftültem 
achtzehnten lebensjahre stattgefunden habe, darüber ist noch keine 
sichere entscheidung gewonnen, man hat den fehler begangen, einem 
an sich richtigen Schlüsse eine zu weite ausdehnung zu geben, mit 
vollem rechte hat zuerst Böckh *de ephebia Attica' I 7 »a kL sehr. 
IV 144 aus Isaios VII 28 und [Dem.] XLIV 39 ' die folgenmg ge- 
zogen, dasz jene einzeichnung bei adoptivsöhnen nur Einmal imjalue, 
zur zeit der dpXQipcciai geschehen sei; aber nicht berechtigt war es, 
wenn Böckh selbst vermutungsweise und andere nach ihm mit voller 
bestimmtheit diesen satz sofort auf alle eintragungen ausdehnten, 
weiter aber irrte man meines erachtens in der auslegong der Isaios- 
stelle, wenn man nach dem vorgange von Schömanh *de creandonim 
magistratuum temporibus* s. 8 ff. «» opusc I 289 ff. in ihr den be- 
weis gegeben fand , dasz die fraglichen dpxoup€c(ai um die zeit der 
Pythien anzusetzen seien, also nicht die wahlversamlungen desvolks, 
sondern der demen verstanden sein müsten. um die sache klar 2a 
stellen, musz ich die werte des Isaios im vollen umfange hersetsen: 
irplv TÖtp t}ik i^K€tv Ik Tf\c TTuGidboc i\€j€ trpdc touc btiM^oc 
'AiroXX6buipoc ort tienoitwiivoc ext] \ie uldv kqI iTTCTpcup^i'C eic 
TOUC cuTT^vcic Kai cppärepac Kat TrapcbebdiKei Tf|v otkiav m 

bt€K€X€Ü€0' £tTU)C i&V Tl TlddlJ TTpÖTCpOV ifTpä^P^tJCl ^€ clc t6 

XilEiapxiKÖv TpamüiaT€fov OpdcuXXov 'AiroXXobidpou Ka\ )ii\ u)C 
dXXuic 7T0t/jcu)ci. (28) KdKeivoi rauTa dKO^cavrec toütuiv iv dp- 
Xaip€ciaic KarriTopouvTUJV kqI X€TÖvtu)v die oäx ^Trot/jcarö ^e 
u\6v, Kai tl (Lv fiKOucav Kai ii iBv fjbecav öfütöcovrec koO' icpurv 
iv^TpciM'dv |üi€ KaGdTTCp iKCivoc dK^Xeue. selbstverständlich berech- 
tigt nidits die an die spitze gestellte Zeitbestimmung auch auf das 
§ 28 erzfthlte zu erstrecken; aber ebensowenig kann bei genauerer 
erwttgung des Zusammenhangs zweifelhaft bleiben, dasz irp6T€pov 



^ wenn Schaefer 8. 27 eine weitere bestätigong ans der Demo«the> 
nischen rede gegen Boiotos über den namen § 6 entnehmen tu könoeo 
meint, so geht er dabei von der voraossetsang aus, dasx unter der dort 
erw&hnten einzeichnnog unter die demoten, die Mantias nicht mehr er- 
lebt habe, die eintragang desselben jahres sn verstehen sei, an deaf«o 
Apatnrien Mantias die söhne der Piango in seine phratrie eiagefobrt , 
hatte (vgl. 8. 216 und 224). dass aber diese auffassnng eine irnge ist, 
ergibt sich daraus, dasz nach der «weiten rede gegen Boiotos 8 11 f. 
liantitheos, für den beide geschrieben sind, erst nach der einfShntofr 
seiner halbbrüder in die phratrie von Mantias veranlasst wurde sich zn 
verheiraten, letzterer aber die gebart einer tochter ans dieser ehe noch 
nm einige jähre überlebt hst. der Sachverhalt ist also vielmehr to n 
denken, dasz Mantias darch den sprach des schiedsrichtere zwar tv 
einfühmtfg der söhne seines kebsweibes in die phratrie gezwungen war, 
ihrer eintragang in das Xr|StapxtK6v aber sich mehrere jähre hindurch 
bis zu seinem tode zu entziehen wüste. 



JHIipsiiu : zeitpanct der mündigsprechting im attischen rechte. 301 

noch eine andere deutung znlftszt als die von Beiske und Schümann 
gegebene nplv iiii inoveXOciv. dem ApoUodoros ist alles daran ge- 
legen, die einschreibung des Thrasylloe auch in seinem demos ge- 
sichert zu sehen, wenn er selbst die archairesien noch erlebte, so war 
jene nicht zweifelhaft ; aber weil er sein baldiges ende voraussieht, 
lichtet er in einer Versandung der demoten an sie das dringende er- 
saehen, Thrasjllos als seinen söhn auch dann einzutragen, wenn 
Sun leihet zuvor etwas zustoszen sollte, das heiszt in diesem zu- 
sammenhange doch wol nichts anderes als vor dem gesetzlichen ter- 
mine der einzeiohnnng. jedenfalls war die bitte des ApoUodoros 
auch für dto fall durdbaus nicht überflüssig, wenn die anwesenheit 
das Thrasjllos bei jenem termine mit Sicherheit zu erwarten stand.' 
somit steht von dieser seite nichts im wege, an jenen beiden stellen 
ebenso wie an allen andern, an denen der ausdruck gebraucht ist, 
die d|»Xttip€c{at als die wahlversamlungen des ganzen volks auf- 
zofMsen. und vrie dieses verstttndnis schon durch die gesetze einer 
gumiden hennenentik gefordert scheint, so wird es für die stelle 
der rede gegen Leochares noch weiter dadurch bestätigt, dasz kurz 
Tor erw&hnung der dpxotipectat die wahlversamlung des demos mit 
dem ganz andern ausdruck dv tQ vSjv dpxövTUiv diop^ bezeichnet 
wird, der prooess über die erbschaft des ApoUodoros ist also im 
Thargelion oder Skirophorion eines dritten oljmpiadenjahres (ol. 105 
oder wahracbeinlicher 106) zur Verhandlung gekommen; die gym- 
zasiarehie an den Prometheien (§ 36) hat aber ThrasjUos kurz nadi 
dem tode aoines adoptivvaters schon vor seiner eintragung in die 
demcdliste geleistet, was sich auf mehr als 6inem wege erklären läszt. 
dem die feier der Prometheien fiUlt nicht in das frttly'ahr, sondern^ 
wie die combination der Isaiosstelle mit Lysias XXI 3 erweist, in 
den herbst.* 

Nach dem gewonnenen ergebnis und nach dem was gegenwär- 
tig Aber die zeit der attischen amtswahlen als gesichert gelten darf, 
würde, wenn die herschende ansieht von der vornähme aUer eintra- 
gongen in die demosliste an den archairesien begründet wäre, als 
tennin für dieselben der monat Munychion feststehen, hierin wfkrde 
auch für Demosthenes mündigsprechung nicht das mindeste geän- 

' gegen Schömann hat sich ausgesprochen, aber mit unaureichen- 
der b